gehen werven. Wenn nicht, dann müssen mir eben wieder in die Oeffentlichteit gehen und den Kamps gegen das Freidenkertum ausnehmen. Und es ist nicht zweifelhaft, wer m diesem Kampfe dann zuletzt Sieger bleiben wird.
Der russische Verfolgungswahn gegen die Kirche.
Recht schnell wurde das Urteil in dem Prozeß der Sowjetregierung gegen den Deutschen katholischen Pfarrer Graf gefällt. Er wurde wegen angeblicher sowjetfeindlicher Propaganda zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Wir haben schon zu Beginn des Prozesses darauf hingew'esen, daß es jetzt nach der Schließung der Kirchen den Sowjetmachthabern daraus ankommt, mit aller Schärfe gegen die Geistlichkeit vorzugehen. Und weil man ihnen wegen ihrer Seeliorgetätigkeit nichts anha- bcn kann, werden politische Motive gesucht, um f;e „unschädlich" zu machen. Aber das russische Bolk ist bereits hellhörig geworden und läßt sich weder einschöchtern, noch mit Gewalt die Religion aus seinem Herzen reißen. Es kommt die Stunde, in der das die russischen Machthaber mit aller Deutlichkeit erfahren werden.
aavte in China.
wtb. Neuyork, 10. Januar. (Eig. McÄg.) Wie Associated Preß aus H a n k a u meldet, herrscht dort eine ganz ungewöhnliche Kälte. Mehr als hundert Kulis wurden erfroren in den Straßen a^sgefunden.
Berliner Wirtschaft.
Seit dem Sklarek- Skandal, der im Oktober vorigen Jahres öffentliche Sensation geworden ist, hat das Renomme des Berliner Wirtschaftslebens erheblich gelitten. Bei der Berliner Stadtbank begann eine umfangreiche Gläubigerflucht, welche die ohnehin schwierige finanzielle Situation der Stadt vermehrte, denn sie ist Bürge für die Stadtbank. Die Finanzschwierigkeiten bestehen in der hohen kurzfristigen Schuld. Mitte Dezember belief sie sich auf über 400 Millionen Mark. Davon entfielen auf die Kämmerei-Berwaltung allein 181 Millionen. Die Quelle für diese liegt vor allem in dem Aufwand für die Berliner Berkehrsunternehmun- gen, insbesondere die Untergrundbahn, deren Rentabilität nicht ausreicht. Man weiß, daß man sich mit einer allgemeinen Erhöhung der Werktarifs aus der Not zu retten sucht, auch bemüht man sich, die Ausgaben zu drosseln. Soweit dies aber durch Arbeitseinstellung geschieht, ist der Erfolg sehr zweifelhaft. Der Ausfall an Steuern und die stärkere Beanspruchung der sozialen Unterstützungskasse machen den erhofften Spargewinn sehr leicht wieder wett. Man erhofft aus den gesamten Tariferhöhungen (Verkehrsgesellschaft, Wasserwerk, Elektrizitätswerke, Gaswerke) einen jährlichen Mehrertrag von etwa 82 Millionen Mark. Er dient zunächst zur Tilgung des Jnlandkredits von 60 Millionen Mark, den Berlin bei Jahresultimo aufnehmen mußte, um zahlungsfähig zu bleiben. Wenn er zunächst bis zum nächsten Jahresultimv abgegolten ist, steht er mit seiner ganzen Höhe zu Etatszwecken zur Verfügung. ________
Die Tariferhöhungen haben recht viel böses Blut gemacht. Bedeuten sie doch eine Mehrbelastung des normalen Arbeitshaushaltes in einer Höhe von durchschnittlich 60 Mark oder eine Kopfsteuer in Höhe von 20 Mark. Ob sie aber tratz der Protestbowegugnen in den Parteien des Stadtparlaments wieder rückgängig gemacht werden, ist schwerlich anzunehmen. Man könnte sie durch eine Steigerung der Alkoholbesteuerung ersetzen, die sicher viel vernünftiger und sozialer wäre als die genannte Kopfsteuer. Aber dazu wird man sich lm Berliner „Roten Hause" wohl nicht bereitfinde.u.
Dieses sieht ja seine Haupttätigkeit vorläufig noch darin, Skandalszenen zu veranstalten. Urheber sind die Nationalsozialisten und Kommunisten, vielfach noch ganz blutjunge und unreife „Volksvertreter". Berlin zeigt als ganz besonders abschreckendes Beispiel, wie verheerend sich, allmählich die gebundenen Kandidatenlisten bei den Kommunalwahlen auszuwirken beginnen. Die mit den Parteien (Sklarek-Parteien) unzufrieden gewesenen Wähler haben nicht die Möglichkeit gehabt, die Kandidaten auszusieben, die ihnen nicht paßten, sie haben sich nur für oder gegen eine Gesamtpartei aussprechen können. Die Folge ist gewesen, daß sie ihrer Unzufriedenheit dadurch Ausdruck gaben, daß sie sich einfach dem grundsätzlich negierenden Radikalismus verschrieben. Das größte Hindernis einer Wahlreform sind überall die Sozialdemokraten; die Lehre, die sie am 17. November in Berlin bekommen haben, begreifen sie leider auch heute noch nicht. Das Berliner Stadtparlament ist höchstwahrscheinlich arbeitsunfähig. In der Verstärkung ihrer Rathaus- sitze sehen die Kommunisten vor allem eine Verpflichtung, die ganze Rathausarbeit zu sabotieren. Auch auf der Straße versuchen sie es mit neuer Wildheit. Die Polizei ist fast täglich in blutige Händel mit ihnen verwickelt. Man würde sich nicht wundern, wenn demnächst obrigkeitliche Gewalt mit der „Parlamentstätigkeit" im Roten Hause von oben herab Schluß machen würde.
Der Zusammenbruch zahlreicher Restaurationsund Cafehausbetriebe in den letzten Tagen, deren Sanierung noch große Schwierigkeiten zu machen scheint, ist ein weiteres bezeichnendes Moment für das Berliner Wirtschaftsleben. Wir haben es hier teilweise mit Vergnügungseinrichtun- gen zu tun, die einfach in den Tag hinein gegründet worden sind. Die Rsntierungskalkulatio- nen scheinen dabei nur sehr oberflächlich gemach; zu sein, Kredite wurden in der Hauptsache von solchen Unternehmungen gegeben, die zugleich Lieferanten waren. Eigenkapital der Betriebsunternehmer war in einem Falle fast überhaupt nicht vorhanden. Merkwürdig wie bei diesen Gründungen die Kredite so leicht zu bekommen waren, während sie sonst in deutscher Wirtschaft allenthalben vergeblich gesucht werden. Die verkrachten Unternehmungen klagen über die Rigorosität der Stevern. Aber sie haben doch vorher ihre Steuerlasten gekannt und einkalkulieren können. Und dabei sind die Vergnügungssteuern, grundsätzlich gesehen, doch die Steuern, die am wenigsten zu beanstanden sind und daher auch zu allerletzt gemildert oder gestundet werden dürfen Außerdem fehlt es in Berlin wahrlich nickt an Gelegenheiten, Geld znm Genuß und zum Vergnügen auszugeben. Ein falscher Gründergeist hat sich im Berliner Wirtschaftsleben in den letzten Jahren breit gemacht. Sie Masse der Bürgerschaft der R"ickshavvtstadt und auch der Besuch „aus der Provinz sind gar nicht mehr in der Lage, die Ber- zinsung für die teuren Anlagen zu garantieren.
Berlin hat zur Unzeit den Trieb bekommen, es den 1 amerikanischen Großstädten nachzu- ahmen. Sowohl die amtliche rote die private Wirtschaftspolitik der Reichshauptstadt hat vielfach den Charakter einer täuschenden Fassaden- politik bekommen. Hoffentlich nehmen Die Insolvenzen nicht noch weiteren Umfang an. Als Mahnung zu einer größeren geschäftlichen Gewissenhaftigkeit reichen "sie bereits vollkommen aus.
So ift es!
Ein Freund unseres Blattes schreibt uns:
Der deutsche Wähler, aber auch die deutsche Wählerin, sind nicht ganz von der Schuld freizu- sprechen, wenn wir nach den letzten Wahlen es jetzt vielfach erleben müssen, daß einzelne Parlamente in den Städten ober Staaten nicht zur praktischen Arbeit gelangen können infolge des sich immer mehr breitmachenden Radikalismus. Man wußte doch, woran man mit den radikalen Parteien ist, daß sie nichts anderes kennen, als Sabotage jeder Gefetzesarbeit, als bewußte Störung jeder parlamentarischen Aktion. Selten nur gelingt es den Präsidenten oder Vorstehern der Parlamente, solche Agitationen zu unterbinden. In Berlin sieht es damit am traurigsten aus.
Eine sachliche Arbeit ist nahezu ausgeschlossen. In jeder Sitzung kam es dafür zu wüsten Schimpfereien zwischen den radikalen Parteien, ja sogar zu empörenden Auftritten und Schlägereien. Wohin soll das führen? Der friedliebende Bürger hat ein Recht darauf, zu verlangen, daß solchen Treibereien ein Ende gemacht wird. Das erfordert aber energisches Handeln. Und sollte es nicht anders gehen, dann lieber Schluß mit solchen Parlamenten. Man löse sie auf und hoffentlich werden bann die Wähler nicht wieder in tue alten Fehler verfallen und aus Veräroerung ober aus Trotz die radikalen Parteien starken, sondern ihnen den schon längst verdi"nten Denkzettel verabfolgen. Es ist aber höchste Zeit, daß bie'e Erkenntnis kommt, sonst geben wir schlimmsten Zeiten, die teilweise an die furchtbaren Revolut'ons- taae nach dem Zusammenbruch erinnern müssen, entgegen.
Der Tod unter der Erde.
Auf der Schachtanlage IV bis VIII der Bergbaugruppe H amb or n der Vereinigten Stahlwerke brach bei der Kohlengewinnung in einem Flöz das Hangende herein und begrub zwei Bergleute unter sich. Die Bergungsarbeiten wurden sofort ausgenommen, doch konnten die beiden Verunglückten nur als Leichen geborgen werden.
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Auf der Zeche Bruchstraße in Bochum gerieten zwei Hauer unter herabstürzende Kohlenmassen. Die Rettungsarbeiten wurden sofort ausgenommen. Während der eine als L e i ch e geborgen werden konnte, ist es noch nicht gelungen, den zweiten Verschütteten zu bergen. Vermutlich ist ein Kohlenpfeiler gebrochen.
* Aufklärung eines Banderslendhbstohls. Die Berliner Kriminalpolizei hat vier Einbrecher verhaftet, die in der Nacht zum 27. Oktober in das Gebäude des Zollamts in Güstrow i. M. eindrangen und für 70 000 RM. Banderolen für Tabakwaren erbeuteten. Es handelt sich bei den Verhafteten um einen der Polizei wohlbekannten Einbrecher namens Meier, einen gewissen Fischer und zwei Helfershelfer. Die Pakete mit den gestohlenen Banderolen konnten bei einem Bäcker in Schönholz bei Berlin, wo sie in einem von den Einbrechern gemieteten Zimmer aufbewahrt wurden, beschlagnahmt werden. Meier und Fischer wurden in Neu-Brandenburg, die betben anderen in Berlin festgenommen. •
* Die Ehefrau erstochen. In Köln-Ehren- feld wurde die 27jährige Ehefrau Johanna Stier von ihrem Ehemann, vond em sie seit Oktober vorigen Jahres getrennt lebte, vor ihrer Wohnung eritochen. Die Frau hat mehrere Stichwunden am Körper und Kopf erhalten, die ihr anscheinend in sinnloser Wut mit einem Dolchähnlichen Messer bei- qebracht sind. Der Täter, ein 28jähriger Arbeiter, flüchtete nach der Tat, wurde jedoch in der Wohnung eines Verwandten, wo er Unterschlupf gesucht hatte, ermittelt und festgenommen. Er hat tue Tat anscheinend aus Eifersucht begangen, da er wiederholt vergebens versucht hatte, die eheliche Gemeinschaft wiederherzustellen.
Siewellagrmlrlsis vor demSenserIomm.
Die Weltagrarkrisis bildet das Thema einer soeben eröffneten Sitzung des Bölkerbundes in Genf. Der Vor- schlag zu einer derartigen Veranstaltung, die zunächst zur engeren Fühlungnahme der einzelnen Staaten und zu einer Uebersicht über die brennendsten Wünsche und Notwendigkeiten bei den einzelnen nationalen Landwirtschaften führen soll, ist von Deutschland ausgegangen. 21 Länder sind zu der Sonderveranstaltuna zusammengetreten, darunter die maßgebenden Getreideerzeuger Europas und auch Uebersees. Deutschland wird bei den Besprechungen, die vorläufig vertraulich gehandhäbt werden, durch den Präsidenten D. Hermes vertreten.
Von den Hochschulen.
— Kultusminister Decker an die Studenten. Als Auftakt zu der Tagung des Deutschen Studentenoer b a n d e s, die Freitagvormittag im Haufe des Vereins deutscher Ingenieure in Berlin mit einer Eröffnungsrede des Reichsinnenministers S e v e r i n g ihre Sitzungen beginnt, fand am Donnerstagabend in den Räumen des preußischen Kultusministeriums ein Empfang der Vorstands- und Hauptausschußmitglieder der dem Verbände angehörenden studentischen Vereinigungen durch den preußischen Kultusminister Professor Dr. Becker statt.
„Ihr Verband", so leitete der Minister tt. „Voss. Ztg." seine Ausführungen ein, „ist erwachsen aus dem Protest gegen das Auseinandergehen von Staat und Student. Sie haben das Verdienst, mit dem freudigen Bekenntnis zum heutigen Staat hervorgetreten zu sein. Ich möchte mir die Hoffnung nicht rauben lassen, daß dieses Bekenntnis in der akademischen Jugend viel weiter verbreitet ist, als es nach außen hin in die Erscheinung tritt. Und ich bin überzeugt, daß auf dem Boden der Demokratie das akademische Fllhrertum am fruchtbarsten gedeiht und daß die Begeisterung an der Republik etwas wahrhaft Jugendliches ist. Soll man das in den letzten Jahren preisgegebene Studentenrecht wiederherstellen? Eine sich selb ft verwaltende Studentenschaft, so beantwortete der Minister die Frage, ist immer mein Ideal gewesen; und es bleibt als Ideal für eine fernere Zukunft bestehen. Aber wir müssen mit der Verwirklichung warten, bis die Studentenschaft für die Regierung wieder verhandlungsreif wird; reif darin, daß sie sich der Staatsnotwendigkeit bewußt ist, daß sie die Republik als Tatsache anerkennt daß der Student sich als Deutscher freudig zu dieser Tatsache bekennt. Dann wird die Zeit gekommen sein, em neues Studentenrecht aufzu- richten.
Begebenheiten
Porzellanfabrik eingeäschert.
totb. Nürnberg, 10. Jan. (Eig. Meld) In ber oberfränkischen Porzellanfabrik in Marktleu hen, die der Steinschleiferei Daniel V a t e s gehört, brach in der Nähe des Brennofens Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete und die Brennerei, Schmelzerei und die Dreherei einäscherte. Erst spät abends gelang es der Feuerwehr mit Rauchmasken, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die Hälfte der Belegschaft muß infolge des Brandes feiern.
* Znm Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Karlsruhe verurteilte den 21 Jahre alten Küfer Karl Bindel aus Kronau (Amt Breifach) tregen Mordes zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Bindel hat am Abend des 31. Dezember 1928 ein von ihm schwangeres und kaum 17 Jahre altes Mädchen in den Kraichbach gestoßen, wo es den Tod durch Ertrinken fand. Der Angeklagte, der wie in der Voruntersuchung so auch heute wieder ein lügenhaftes und zynisches Wesen an den Tag legte, nahm das Urteil mit eisiger Ruhe auf.
* Die Tragödie einer jungen Mutter. Das Schwurgericht Berlin hatte sich mit der erschütternden Tragödie einer jungen Mutter zu beschäftigen, die ihr fünf Wochen altes Kind, dem sie eine unheilbare Krankheit vererbt hatte, getötet hat. Die 21jährige Angeklagte heiratete vor etwa einem Jahr einen Schriftsetzer, von dem sie ein Kind erwartete. Als bas Kind geboren wurde, erfuhr Die junge Mutter noch im Krankenhaus, baß sie selbst an einer schweren Blutkrankheit leide. Einige Wochen später erkrankte auch das Kind. Als sich der Zustand des Kindes verschlimmerte, erwürgte die Mutter bas Kinb und versuchte, sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden. Als ihr dies nicht gelang, wollte sie sich aufhängen, wurde jedoch von ihrem Mann noch rechtzeitig daran gehindert. Der Verteidiger wies das Gericht Darauf hin, daß ber Mann die Tat feiner Frau zuerst auf sich nehmen wollte. Als die Angeklagte aber diese Absicht merkte, legte sie selbst sofort ein umfassendes Geständnis ab. Heute lebt die Angeklagte in harmonischer Ehe mit ihrem Mann. Das Schwurgericht sprach Die junge Frau von ber Anklage des Totschlags frei, da Die Sachverständigen in Der Beweisaufnahme Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten bei der Tat geäußert hatten.
Die Papageien-Krankheik.
Ein Erlaß des Reichsinnenministers.
Der Reichsminister des Innern hat wegen der in den letzten Wochen in verschiedenen Orten des Reiches festgestellten Erkrankungen von Menschen an der sogenannten Papageienkrankheit den Landesregierungen empfohlen, ein zeitlich begrenztes Einfuhrverbot von Papageien und Sittichen zu erlassen.
Hierzu gibt das Reichsministerium des Innern eine Erläuterung, in der u. a. mitgeteilt wird, daß die Zahl Der Erkrankungen oder Verdachtsfälle nicht sehr groß ist und z. B. in Berlin etwa 20, in Hamburg 13, in Altona 6 betrug.
Weiter wird festgestellt, daß die Erkrankungen durch Papageien verursacht sind, die aus Südamerika eingeführt wurden, und baß in Argentinien seit August 1929 eine heftige Papageiepidemie herrschte, die auch unter ber dortigen Bevölkerung viele Erkrankungen hervorrief. Die Ursache der Erkrankungen ist wissenschaftlich noch nicht befriedigend geklärt. So weiß man z. B. nicht mit Sicherheit, ob vielleicht auch scheinbar gesunde Papageien den Krankheitserreger beherbergen können. Das Einfuhrverbot soll wieder aufgehoben werden, sobald die Pavageienseuche in Südamerika erlosch»» ist. Inzwischen tun Papageienbesitzer, die ihre Papageien ober Sittiche in den letzten Wochen erworben haben, gut daran, auf Den Gesundheitszustand der Tiere zu achten und im Falle eines Verdachtes sofort einen Tierarzt zu befragen ober das Tier zu töten.
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In Glauchau in Sachsen sind vor einigen Tagen neun Mitglieder einer Familie, die einen Papagei hielt, der anfangs dieses Monats verendet ist, unter dem Verdacht der Papageienkrankheit ins Stadtkrankenhaus übergeführt worden. Die Beobachtung des Krankheitsverlaufes hat genügend Anhaltspunkte ergeben, daß es sich tatsächlich um die vermutete Krankheit handelt. Durch die Gefundheitsbebörde find die erforderlichen Maßnahmen getroffen worden.
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In dem Ostseebad Horst bei Treptow a. d Rega hat sich ein Fall von Papageienkrankheit ereignet. Eine dort wohnende Dame hatte anfangs Dezember einen Pavagei aus Hamburg geschickt bekommen. Der am 22. Dezember unter den für Die Papageienkrankheiten typischen Erscheinungen starb. Zwei Tage später erkrankte seine Besitzerin an Fieber imD heftiger Lungenentzündung. Noch heute liegt sie krank darnieder.
Schweres Ro>elunglück.
In H o h e n e I b e hat sich ein schweres Bobunglück ereignet. Sieben jungen Burschen im Alter von 14 bis 19 Jahren aus Hohenelbe fuhren mit einem Bob beim Bahnübergang in Hennersdorf mit voller Wucht an die Bahnschranke. Fünf Fahrer wurden in weitem Bogen vom Bob geb schlendert. Vier von ihnen bliebeinschwer, einer leicht verletzt liegen. Die übrigen zwei konnten rechtzeitig abspringen. Die Vceletzten wurden mit Arm-, Bein- und Schädelbrüchen ins Hohenelber Krankenhaus gebracht. An dem Aufkommen des einen wird gezwe,ifelt.
* Der kokainschmugael an der Saargrenze. Die Kriminalpolizei in Saarbrücken hat sechs gemeingefährlichen Schwindlern das Handwerk gelegt, die einen Burbacher Werkmeister um 12 000 Franken und einen Saarbrücker Einwohner um 7 000 Frankn durch angebliche Beteiligung an ihrem lukrativen Kokainschmuggel begaunerten. Führer der Bande, die sich tatsächlich im Schmuggel betätigte, ist ein gewisser Zerfaß aus Saarbrücken, der wegen Kokainhandels schon vorbestraft ift. Die ganze Gesellschaft wurde ins Un- tersuckunasgefängnis einaeliefert.
* Verhaftung eines Banknotenfälschers. Nach Blätterrneldungen aus Wien wurde in Wilhc^ms- burg im Bezirk Sankt Pölten der Tischlerge- hilse Emil Huth aus Rosenheim in Bayern wege-n Banknotenfälschung verhaftet. Bei der in feiner
aus aller Well.
Wohnung Durchgeführten Hausdurchsuchung tourbt eine guteingerichtete Fälscherwerk st att vorgesunden. Es wurden eine große Menge Bank- notenpapier und 13 Lithograph'.esteine befchlag- nahmt. Elf Steine trugen bereits Bilder tn>n österreichischen Fünf- und Zehn-Schilling-Noten. Die fertigen Falsifikate sind so gut, daß man sie von echten Noten kaum zu unterscheiden vermag.
* politische Razzia in Berlin. Am Donnerstag unternahm die Schutzpolizei und die politische Abteilung des Polizeipräsidiums Haussuchungen m dem kommunistisch en Lokal an der Ecke der Gorlitzer- und Sorauer - Straße, auf das vor kurzem der Feuerüberfall der Nationalsozialisten verübt wurde. Gleichzeitig wurde in dem na« tionalsozialistischen Lokal „Wiener Gar- ten" in Der Wiener Straße eine Durchsuchung vorgenommen. Sämtliche Anwesende in beiden Lokalen, 35 in dem kommunistischen und 63 Personen in dem nationalsozialistischen Lokal, wurden zwangsgestellt. Während in dem Versammlungslokal der Nationalsozialisten 3 Revolver, Dolche und Totschläger gefunden und beschlagnahmt wurden, erbrachte die Haussuchung in dem kommunistischen Lokal vier Revolver. Totschläger und- Gummiknüppel. Die Festgenommenen wurden mit Lastkraftwagen nach dem Polizeipräsidium ge- bracht. ——
Zug-Anglück In Indien, j
wtb. Delhi, 10 Jan. (Eig. Meldg.). Bei dem Zusammenstoß eines Schnellzuges mit einem Güter,zu in Der Nähe von Clutterbuckganj wurden 6 Personen getötet und 14 verletzt. Der Güterzug legte sich quer über die Schienen, so daß der Verkehr unterbrochen wurde.
Neues in kürze.
In B i e I a ro e (Kr. Freystadt) ist eine be. deutliche Masernepidemie unter den Kindern aus- gebrochen, so daß die Schule geschlossen werden mußte; über 60 Prozent ber Schulkinder sind er- krankt. Bisher hat die Epidemie ein Todesopser gefordert. _ f
In der Wohnung seiner Mutter in Moabit wurde der 17 jährige Sekundaner Günther Hmze mit Gas vergiftet tot auf gesund en. Der junge Mann hat Selbstmord verübt, weil er zu Ostern nicht versetzt werden sollte.
*
In der Vortragsfolge der Züricher Volkswirt- schaftlichen Gesellschaft sprach am Mittwochabend Generaldirektor Dr. Paul S ilv er b er g-Köln über Fragen der internationalen Kohle- USD Krast- wirtschast.
Tscherw onzen * Ißftcher-Vrozeß.
Die Vernehmung des Frankfurter Buchhändlers Bühle.
Am Mittwoch, dem dritten Verhandlungstag des Tscherwonzenfälscherprozesies, ist der Zuhörerraum des Moabiter Gerichts überfüllt. Der Angeklagte Schmid fehlt, weil am Dienstag fein Vater gestorben ist. Mn Zustimmung aller Prozeßbeteiligten wird jedoch die Ver- Handlung fortgesetzt. Rechtsanwalt Bär beantragt, die Untersuchungshaft gegen Sadatieraschwili aufzuheben, der bereits seit 27 Monaten in Untersuchungshaft sitze. Der Haftentlassungsantrag für Sadatieraschwlli wird abgelehnt, da Fluchtverdacht vorliege.
Hieraus erfolgte die Vernehmung des Angeklagten Bühle, der jetzt Buchhändler in Frankfurt am Main ist. Er bekundete u. a.: Durch Dr. Raquette habe ich den angeblichen russischen Kaufmann Basilius kennen gelernt (Basilius ist- der Vorname des Angeklagten Sadatieraschwili). Der wollte den Bolschewismus mit einem Schlage erledigen (Heiterkeit). Ich hatte keine Bedenken, Kisten für ihn in meinem Keller aus- zubewahren. Er wollte auch bei mir drucken. Ich habe die Druckerei gemietet. Ich habe aber der Sache überhaupt keinen großen Wert beigelegt. Sadatieraschwlli sagte, die Druckerei dürfe höchstens tausend Mark kosten. Ich bekam die Druckerei für 2000 Mark auf drei Monate. Eines Tages kam dann Basilius mit einem Drucker, der sich Müller nannte, nach Frankfurt a. M. Im weiteren Verlauf der Vernehmung behauptet Bohle, nicht gewußt zu haben, daß in der von ihm gemieteten Druckerei russische Banknote nge- d ruckt wurden. Er habe gedacht, es handle sich UM Druckschriften gegen den Bolschewismus.
Ehe die Sitzung geschlossen wurde, kam Rechtsanwalt Bär noch einmal auf den Haftentlassungsantrag zu Gunsten von Sadatieraschwili zurück. Das Gericht beschloß schließlich, daß der Angeklagte Basilius Sadatieraschwlli mit der weiteren Untersuchungshaft verschont werden soU^M wenn er tausend Mark aus eigenen Mitteln hinterlegt, sowie eine Bürgschaft von tausend Mark seines Vertel- oigers Rechtsanwalt Bär
Die Vernehmung der letzten beiden Angeklagten findet am Donnnerstag bei.
Am Donnerstag, dem vierten Verhandlungstage, wurde zunächst der wieder erschienene Angeklagte Schmidt vernommen. Sein Vater war Besitzer einer Oblatenfabrik Er selbst nahm als Kriegsfreiwilliger am Feldzug teil. Dann war er Angehöriger von Freikorps. Er • erklärt, einmal mit General Hoffmann zusammen gewesen zu sein. Die Kreise um Hoffmann wollten Einvernehmen mit England die Lostrennung des südlichen Rußland von der Sowjet-UnioU. Der Angeklagte Bell hat sich, wie Schmidt ausführt, besonders den kaukasischen, nicht aber den ukrainischen Angelegenheiten gewidmet. Bell und Schmidt waren aus der Freikorpszeit her miteinander bekannt. Im Dienst der kaukasischen Sache reiste Bell später in die Türkei. Man kann sich also nicht ernstlich mit Balkanpolitik bf- schäftigen, so erklärte der Angeklagte, wenn die Politn nicht mit geschäftlichen Angelegenheiten in engster Verbindung steht. Bell hat mir erzählt, daß ein Betrag von 10—20 000 Mk. notwendig sein würde, um sich "" diesen Dingen zu interessieren. Ich habe ihm 5000 M- zur Verfügung gestellt. Auf eine Frage des Oberstaatsanwalts deutete Schmidt an, daß es sich um B e st e ch UN- gen handelte, aus denen große Gewinne entstehet konnten.
Vorsitzender: Es war Ihnen vollkommen gleich, ob es sich um einen staatlich legalen oder illegalen 3®*® handelte. Schmidt: Das war mir ganz egal. Vorsitzen- der: Im Gegenteil, bei einem illegalen Zweck mar la viel mehr zu verdienen. Schmidt: SelbstverständlieY- Schmidt schilderte sodann ausführlich, wie verschiedenen Kaufleuten und Fabrikanten der Titel eines bulgarische" Konsuls gegen Zahlung von 20000 Mk. verschafft werden sollte.
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In der Verhandlung am Donnerstag wurde die Vernehmung des Angeklagten Bell fortgesetzt. Bell behaE tet, von Schmidt für politische Zwecke im ganzen etw - 20 OOObis 30 000 Mk. erhalten zu haben. Gegen Sd)l«W. der Verhandlung behauptet Dr. Weber, Schmidt habevi . Reise des Generals Hoffmann nach London mit 5uw Mark finanziert. Sodann bat Rechtsanwalt Bär darum, daß dem Angeklagten Karumidse am Montag Gelegenye gegeben werde, die Oelfrage genauer zu behandeln. " mit ist das Gericht einverstanden Außerdem soll “ Montag die Vernehmung von Bell zu Ende geführt u die Beweisaufnahme zum Komplex Karumidfe-SadatY rafchwili eröffnet werden.