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10. Ianuar
Beilage zur Fuldaer Aeilung
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Für sie ist der heiße Tag zu Ende. Vielleicht auch das kurze, harte Leben.
Ein paarmal nickt der Ferdl mit seinem kantigen Schädel dem abfahrenden Auto nach: „So schmeißt euch der Herrgott z'samm', mögt euch spreizen, wie ihr wollt." Wendet sich und trägt wieder einen anderen wie ein Kind zum nächsten Auto. Voll Schweiß und Blut ist er — und voll Ruhe.
Ja, die Ruhe, die ist was wert. Den Hansl, den Hitzkopf, hat er mit seinem Machtwort an die Seite des jungen Weibes gebannt und schon in aller Frühe ist die Mutter hinüber über die etlichen Gassen. Ihm war's recht, daß die zwei nicht allein sind, könnt' g'rad' was sein. Ist ihm vorgekommen, wenn so ein Weib in Aeng» sten ist mit seiner Erwartung, muß man an solchen Tagen beizeiten für Beistand sorgen und den Hansl hat er auf diese Manier gut losgebracht. Sein Weib und die Kinder hat er dem Vater in die Obhut gegeben, daß sie nicht sinnlos auf die Straße rennen, wenn was kommen sollt'. So haben alle eine Aufgabe, er die seine.
Dann, wie der große Schaftrieb durch die Straße dahergekommen ist, haben ihm der 53ater und das Weib wehren wollen: „Bleib' da, das ist heut' ntd*to Rechtes mehr ,die ganze Rasi' ist da beieinander!"
„Stad, wißt es do selber, es geht um den Brotkorb!" „Denk an die drei Kinder!" jammerte sein Weib.
„Denk' i, kommt, was kommt, kann chnen dann die Wahrheit erzähl'n, nit daß sie sich amal was vorlüg'n lasi'n müssen!"
So ist er hinab, hat sich wortlos und stiernackig ein- gerecht, seine Fäuste waren unbewehrt und ballten sich
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getreten, geraubt. Weiber kreischen, und, wo einer besinnend, erschreckt in die Greuel starrt, eifern sie >nit festem Spott zu neuem Morden und Wüten. Mer der Pflicht, Opfer der Verhetzung, Opfer des Ms liegen im Blute. Flüchtende Menschen stamp- barstber, Hyänen zerfleischen Sterbende.
r®! weint tausend glühende Tränen in sein 3 er- z165 herz. Zerfetzt, schmutzig, heiser und völlig Der- ?Wet, immer den Seinen voran, einen Ausweg immer in der ersten Reche, keinen Schritt mehr
/>sine wankende, ächzende Stimme, immer wieder JM)e und Vernunft mahnend — umsonst!
Vergebens! Sein Ruf erstickt im Toben des Wahn- f Mensch gegen Mensch, Irrsinn ist ausgebrochen Sten haßumdüsterten Hirnen.
selbst am besten, denn ich hab dieses G'sätzlein auch für mich geschrieben; aber versuchen muß man es doch, das Lied der alltäglichen Fröhlichkeit zu lernen! Eben jetzt jubelt das weiße Fäckli, daß es mein Herz erfreut! Hört ihrs: „Duidoi, doi duidii!"
Latz die dumme Spielerei!
Von Iof. Mittel berger- Bregenz.
Aber Mutter, ich begreife dich wirklich nicht, wie kannst du so kurzsichtig und so lieblos fein! Da hat Maxl einen so wunderschönen Turm aus seinen Bauklötzen gebaut und anstatt ihn zu bewundern, wirfst du ihn mit bösen Worten um, Maxl heult und in seinem fünfjährigen Herzen keimt ein wilder Zorn auf die „böse Mutter".
Die kleine Cent hat alle ihre Puppen in Reih und Glied aufs Sofa gesetzt und zeigt es voll Stolz der Mutter. „Fort mit dem Blödsinn, das Sofa gehört doch nicht für solche Dummheiten!"
Ich begreife solche Mütter nicht, wie kann man des Kindes Spiel dumm nennen! Der Wiener sagt: ,-A schlechte G'spiel, was a Kind net g'freut!" Und da liegt eigentlich ein tiefer Sinn darin; denn kein Spiel gibt es, an dem ein Kind nicht Freude findet und das feinen Geist nicht anregt. Es gibt überhaupt kein „dummes Spiel" für ein Kind, denn das Spiel ist des Kindes Arbeit. Es beschäftigt seinen Geist, regt seine Phantasie an, bildet die Geschicklichkeit der Hände — ja es läßt sich kaum alles aufzählen, was das Spiel an Nutzen bringt. Freilich, die kleinen Leute sind uns ost im Weg mit Rößlein und Wagen, mit Puppe und Kochherd. Aber es muß sich em Plätzchen für das Kind finden und roenn einmal Spielsachen wirklich unbedingt fort müssen, dann muß auch die Mutter eine freundliche Form finden, in der sie dem Kinde das Platzräumen beibringt.
Viele Mütter behaupten, ältere Kinder vertrödeln die Zeit mit dem Spiel. Da soll eben die Mutter nichts kur- zetchand verekeln, sondern zu praktischer Arbest überleiten. Mädchen können für ihre Puppen nähen, häkeln, stricken, für Buben gibt es Werkzeugkasten, mit deren Hilfe sie, wenn schon nicht erstklassige Arbeiten, so doch ganz nette Gebrauchsgegenstände herstellen formen.
Don dummem Spiel zu reden ist überhaupt eine Ueberheblichkeit, denn die Spiele der Crwach|enen sind an ihrem Geiste gemesien, auch nickt viel gescheiter. Und diese werden jetzt sogar „berufsmäßig" betrieben. Siehe Tennisturniere und Boxkämpfe.
Also darum dem Kinde seine Freude und fein Spiel lassen, das Leben kommt nur zu schnell mit ernsten und schweren Zeiten.
Disziplin, ohne Murren, ohne Wanken, bann einen solchen Tag erleben muß — er kennt und weih, was es heißt: Immer den Feind vor sich, immer dem Tod ins graue Antlitz geschaut! Diese Reihen, diesen Angriff zum Sturm aber erlebt er zum erstenmal.
Ihm war nicht angst, in seinen weiten Blusenärmeln steigen die Muskeln, das gäb’ schon Breschen ab, er aber war ein braver Soldat, ein ehrlicher Krieger und in einem Sauhaufen tut er nicht mit und hat sich ander« Arbeit gesucht.
Wenn einer furchtlos ist und zwei feste Arme hat, steht er für zehn in solchen Stunden.
Drüben in der Bartensteingasse muß es auch wüst zugehen. Man hört wieder Schüsse, Geller grätschen an ihm vorbei in das Pflaster hinein, da gibt er acht, die hat er nicht gern. Es muß lang über Mittag fein, das Rathaus gibt schon längeren Schatten. Haufen flüchten vorüber, brüllend, angst- und wutverzerrt. Ein ftiit kender Dampf und Broden kommt vom Iustizgebäude her. ....
Die Hydanten sind am Werk. Ein grauer, schwerer Niederschlag liegt über den Häusern, Ruß, Rauch und Asche vermögen nimmer zu ziehen in der gewitterschwe- ren Lust.
An den eben heranfahrenden Sanitätswagen schließt sich Ferdl wieder an. Es heißt, die Bartensteingalse sei eben geräumt, dort ist Arbeit für ihn. Einen Moment lang stutzt er, an den Laternenpfählen hängen Uniformen, aber doch nur Uniformen. „Pfui Teufel!"
Die ausgebrannte Wachstube, zertrümmerte Stiegenhäuser, ausgeraubte Wohnungen — hier hat Mob gehaust im schlimmsten Sinne des Wortes. Einen jungen kaum sechzehnjährigen Burschen hebt der Ferdl vom Boden, verkommen sieht er aus, heult jämmerlich wie ein kleines Kind, hat einen Steckschuß in der Schulter: Rotzbua, warst daham bei deiner Muatta blieb'n!"
„Die is ja a mitganga!" heult der Bursche noch mehr. ..Armer Kerl meiner Seel’!" knirscht der Samariter, er hat keine linden Worte, aber sacht' drückt er den Armen an seine breite Brust, und da ihm zwei Träger entgegenkommen, schüttelt er „nein" mit seinem Kops: Geht's zue, es tuet ihm ja weh, das Hin- und Her- murtf’n, i leg' ihn selber eini/
t®«i, lastenden Sorgen, sie müssen doch durchgerun- ® fein! Schau nach dem Sonnenftraf)!, der hinter Jwr Wolkenwand untrüglich verborgen ist, schau nach ™ Kirchturmkreuz, das verheißend zu dir herüber rot, faß mutig an und wachs wie die Schwarzamsel ** dem Dachgiebel: fing dir die Freud und das Leid ""herzen! — Es geht nicht immer leicht, ich weiß es
Er sieht sich um fein Letztes, Größtes betrogen! Schmachvollster Tag!
Weichen aber will er nimmer. Was ist sein Leben in dieser fürchterlichen Stunde, die die Errungenschaft von Jahrzehnten zerttümmert und nichtig macht.
Er breitet die Hände, fleht, flucht, bittet und befiehlt — alles vergeblich. Er drängt zurück mit verzweifelter Riesenkraft — um sonst! Flammen und Rauch, hin- stürzeirde Menschen, Plünderer! Schande des Tages, immer wieder Plünderer!
Aufs neue drängt er die Seinen zurück, er will sie vor dem Letzten bewahren. Sie stoßen, schleudern ihn, daß er sich taumelnd des Fallens erwehren nmß. Schon sind sie wieder an feinen Fersen, sind hinter ihm wie eine donnernde, niederstürzende Welt, Salven krachen — lähmender Schreck — bis auf einen stehen sie alle noch. Neues Wüten. Und er fleht zu den Brüdern drüben, zu den Brüdern herüber, keiner kann ihn mehr verstehen. Seine Kehle ist verdorrt, hat keinen Laut mehr.
Er breitet die Hände weit, möcht' sie schützen all die Tausende, die blindlings wüten.
Sein Herz pocht in wilden Schlägen zum Hals herauf, es würgt ihn die Angst und das Weh, er kann nimmer rufen, bitten — er weiß es — er sieht es, sie schützen die Heimat vor dem Verderben und opfern Menschen! Keine Rettung mehr! Nichts mehr wie fein Herz, er wirft es hin auf die Hetakomben, es ist das Reinste das in dieser Stunde verzucken will.
Breitet die Hände weit, weit — und kann nimmer.
Staub und Gröhlen, stampfende Füße, Steine, pfeifende Kugeln über ihn hinweg. Finsternis, Ruhe — wohl das Ende! Der Platz ist gesäubert, kühle Schläuche legen sie über den glühenden Asphalt.
Die Opfer werden geborgen, da und dort tobt der Kampf weiter.
Einer mit breiten Riesenschullern, mit langsam sicherem Gehaben nimmt Karl Müller auf feine starken Arme. Es ist der Hoider Ferdl: „Der Karl — schad' um ihn." Tief seufzt er aus.
Legt ihn bann sorglich in das Sanitätsauto, neben einen anderen mit zerfetzter, blutgetränkter Polizeiuniform, so liegen zwei Helden ihrer leiligften Pflicht friedlich nebeneinander.
mut
Bon Franz Cingia-Schramberg.
Mag es das Schicksal stürmisch treiben Und manchen Schlag dich fühlen lassen, Geh' trotzdem ausrecht durch die Gassen, Und fröhlich wirst du immer bleiben.
Und immer lichtwärts sollst du streben, Nicht zaghaft jeder Schranke weichen. Sonst kannst du manches nicht erreichen, Das dir entgegenwinkt im Leben. .
Es werden Berge stets sich türmen, Den Weg zum Ziele dir verlegen Und deine Sinne schwer bedrücken; Doch bleibst du fest in allen Stürmen, Dam» kann dich nichts zurückbewegen, Und Siege werden dich beglücken.
War die Satze gut?
Ein wichtiges Kapitel von Annie Waldmann.
Der verhängnisvolle Fehler einer Köchin, die noch die ersten Buchstaben des Kochalphabets stottert, ist die Vernachlässigung des „Drum- und -Dran" — auf gut deutsch der Soßen. Wenn ich auch der Sage nicht Zuttaue» zu schenken vermag, daß einst ein Feinschmecker nicht merkte, wie begeistert er eine Schuhsohle verspeiste, weil
ihn die wunderbare Soße berauscht hatte, so kann ich doch empfehlen, jedem Braten die ihm eigentümliche Soße zu gönnen, die seinen Geschmack hebt. Dei Schmorbraten hat den Vorzug, daß allerlei Suppen grünes und Gewürze bereits mitschmoren und die Soß» eigentlich gar nicht auf die Idee kommen kann, nüchtern zu schmecken. Die Gulaschsoße leiht sich ihren herzhan ten Geschmack von den reichlich bemessenen Zwiebeln unk Tomaten, dem Paprika oder auch von den Pilzen, bi» man mitschmort. Der Kalbsbraten will mit saure» Sahne unterstützt werden, damit die Soße nachher ihrer bleichen Teint nicht auf den zu späten Genuß bei sauren Sahne schieben kann.
Das Roastbeef leidet unter falscher Behandlung Höllenqualen. Richtig abzufassen, wann es den Topf oder di« Pfanne verlassen darf, ist nicht Sache des Zufalls, sondern man muß die Uhr wie beim Eierkochen zu Hilfe nehmen. Jedes Pfund Roastb-e? n-'ß -'ne mwtf Minuten Bratzeit haben. Nach der Uhr. Also drei P-und sechsunddreihig Minuten. Dann steht es noch ohne zu braten, etwa zehn Minuten an heißer Stelle, und dann ist es rosig, aber nicht blutig. Ob es zart ist, hat der Schlächter zu verantworten, der das Stück lange genug abhängen ließ. Abgesehen von dem Ochsen, der es einst am Leibe trug und auch für die Zartheit eine gewisse Verantwortung zu tragen hat. Die Soße ist bet Roastbeef ein Prüfstein für die Zunge der Köchin Do während des Bratens sich kein Tropfen Wasser zu dem Fleisch verirrt, setzt das Fett einen braunen Rand an den Topf. Dieser Rand ist die Seele der Soße. E» wird erst abgeschabt, wenn das Fleisch für einen Augenblick aus dem Topf entfernt wurde, um die Soße rühren zu können. Das Mehl darf nicht in zu heißes Fett, da es leicht verbrennt. Daher rührt man anfangs nicht auf dem Feuer. Dann wenn der Rand und das Mehl sich gefunden haben, wird ein wenig Wasser zugegossen und auf dem Feuer fertiggerührt, was bei Tische als runde, dunkelbraune aromatische Soße unfern» Gaumen ein Fest bereiten soll.
Eine Meerrettichsoße zu Rindfleisch wird aus dei Grundsoße einer weißen Mehlschwitze hergestellt. Di« einen schätzen den Duft der Zwiebel daran, die anderen verachten bas und finden Muskat feiner. Jedenfalls steh! eins fest: Wenn man das liebliche Nasenkribbeln angenehm verspüren will, so koche man den geriebener Meerrettich nicht auf, sondern vermische chn nur zuletz! mit der Grundsoße. Ein geriebener Apfel ersetzt Essig- zutat, aber läßt den Wunsch nach milderndem Zucke» desto stärker aufkommen. Zu feinen Fischen wird mar die Zubereitung mit ungesüßter geschlagener Sahn, allen anderen Arten vorziehen.
Nicht nur für Iägersleute, sondern auch für ander» Sterbliche scheint die Iägersoße ihre Reize zu haben die sie besonders Resten von geschmortem oder gekoch tem Fleisch enthüllt. Dazu gehören in Scheibchen ga schnittene Champignons, die man m!k gewiegter Zw'ebei und einem Stückchen Lorbeerblatt dünstet. In Butte»; auch Margarine meinetwegen. Zwei in Stücke geschnib tene Tomaten verkochen in der Soße, die mit Weißweii aufgefüllt wird. Das Hingt gewaltiger, als es ist denn außer dem Wein wird auch noch Würfelbrühe zun Fertigstellen herangezogen. Wenn man eine rundend, Zutat nicht entbehren zu können glaubt — bitte! gewiegte Kräuter, vor allem Petersilie oder Kerbel solle« keinesfalls fehlen.
Praktische Winke.
f. Fensterleder müssen nach jedesmaligem Gebrauch in kaltem Salzwasfer ausgewaschen werden. Danack sind sie langsam an der Lust zu ttocknen und sügiick zwischen den Händen weich zu reiben.
f. Die weißen Flecke, welche entstehen, wenn ma- heiße Teller ober Gesäße auf einen polierten Tisck stellt, entfernt man leicht, inbem man etwas Zigarren- asche mit Del darüber verreibt.
f. Regenwürmer zu vertreiben. Um Regenwürme» aus Blumentöpfen zu vertreiben mischt man unter bas zum Gießen bestimmte Wasser Senfmehl ober eine Abkochung von 8—10 Kastanien auf ein Liter Wasser.
ftabt schon fast verschwunden ist. Hätte sie nämlich die Zett, alles genau anzugeben, wäre sie also dauernd daheim und ... — nun, so ist sie in 95 von 100 Fällen nicht mehr in der Lage, sich eine Hilfe zu hatten, «ie muh sich alles selbst besorgen, so wie sie es sich, wenn sie der älteren Generation angehört, in vergangenen Jahrzehnten machen lassen konnte, oder wie sie es, wenn sie noch jung ist, im Hause der Mutter sah. Aber eine andere Gattung Hausfrauen wächst in immer größerer Zahl heran. Diese hält sich eine Hilfe, denn sie ist den größten Teil des Tages im eBruf, genau wie der Mann. Sei sie Junggesellin oder verheiratet, sie verläßt ent- weder morgens das Haus, um erst am Spätnachmittag oder am Abend heimzukehren, bestenfalls kann sie eine kurze Mittagspause zu Haus einschieben. Welchen Beruf sie auch ausübt, sei sie Aerziin ober Sozialbeamtin, Künstlerin oder Lehrerin, Angestellte in einem Amt oder in einem Büro, ihre Arbeitszeit ist so bemessen, daß ihr gerade noch Zett bleibt, die Haushattsdinge mit ihrer Hausgehilfin zu „besprechen". Für eigene Betätigung im Haushalt fehlt die Zeit. Das sind die Frauen des neuen Mittelstandes, die, wenn sie einen eigenen Haus- halt und Familie haben, den neuen Typ der „Hausangestellten" brauchen.
Die neue Hausfrau der gebildeten Kreise ist erst seit dem Krieg vor die Probleme gestellt, die die Arbeiter- frau längst lösen mutzte, nämlich entweder Hausarbeit und Kinder allein, ohne fremde Hilfe zu besorgen ober neben dem Beruf der Frau und Mutter einem außer- häuslichen Beruf nachzugehen. In der nächsten Gene- ration wird es sich erweisen, wie sich die Frauen und vor allem ihre Nachkommen weiter entwickeln und auf die Dauer bewähren. Heutzutage aber gilt es, mit den vorhandenen Tatsache« zu rechnen. In wenigen Fällen nur verdient der Familienvater so viel, daß die Frau nicht noch wesentlich mit zum Unterhalt beitragen muß, entweder indem sie durch ihre Arbeit im Haus so gut wie jede fremde Hilfe unnötig macht, oder indem sie in bar dazu verdient. Und woher sind den Frauen die Kräfte erwachsen, diese gegen früher so wesentlich veränderten Verhältnisse nicht nur zu ertragen, sondern zu meistern. Ein strenger Lehrer, die Zeit, hat sie in die Schule genommen. Aber dieselbe Zeit hat nicht nur die Frauen des Mittelstandes selbständiger gemacht, sie schärfer sehen und denken gelehrt, chnen beigebracht, wirklich Wesentliches von Unwesentlichem zu scheiden und, wo es Not tut, einmal 5 gerade fein zu lassen, auch wenn sie es nicht gewohnt waren. Nein, diese Zeit hat mit der gesamten Nachkrtegsjugend auch die Kreise ersaßt, aus denen früher die „Dienstmädchen", heute die „Hausangestellten" hervorgchen. Da es sich in früheren Zeiten für das Dienstmädchen um gehorchen mrd unbesehen die Befehle der Hausfrau ausführen handelte, so fanden sich die mit geistigen Gaben nicht gerade gesegneten weiblichen Wesen besonders gern in diese Rolle, die ihnen wenig Verantwortung ließ. Heute ist eine Hausangestellte, di« nicht selbständig denken kann, unvorstellbar und für die moderne Hausfrau unbrauchbar. Was nützt der erwerbstätige Frau das anhänglichste, bescheidenste, dienstwilligste Mädchen, bas in ihrer Abwesenheit kleinen und großen unvorhergesehenen Anforderungen, rote sie eben jeder Haushalt mit sich bringt, hilflos gegenüber- steht? Eine Stütze für die Hausfrau ist es nicht. Bei einer guten Hausgehilfin werden heutzutage auch ganz erhebliihe geistige Kräfte in Anspruch genommen, Kräfte, die sich früher auf zwei Personen verteilten, auf die disponierende Hausfrau und das ausführende Dienstmädchen. Daß dieses Plus auf der einen Seite sich nicht ober nur ganz selten mit all den Plus der früheren „Perlen" vereint, ist felbstverstänblich und .... die neue Hausfrau hat auch damit rechnen gelernt.
die Brigitta war ihm noch bang’, die war schon fort von daheim, wie er die Seinen gebracht. So ist er mit den anderen gegen die Stabt gezogen in einem schweren, gleichmäßigen Trott, keinen Schritt schneller, wenn ihn auch schon tausende, im Laufen schreiend überholen. So einen, wie er ist, überrennt man nicht leicht
Wie Feuer aber ist's ihm in die Augen gebrannt, wie das Wüten begonnen, wie er die ersten Greuel geschaut. Wenn einer in Eis und Schnee, auf sturmumtostem Kar monate-, jahrelang gestanden, in eifern«
ate :an$ trat? Andre der- rt.
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T^fismert gehindert und blockiert. Der Stadt,
** droht Untergang . . .
Menschen liegen erschlagen, zerstampft. Säbel bitt- »nb werden aus blutenden Händen geschlagen,
Sein Lostag.
Neuer Roman von Fanny Wibmer-Pedit.
Copyright by Ne-De-Ko, Münster i. W.
Das Lied der Fröhlichkeit.
53on Maria Scherrer, St Gallen.
jin Frühlingstag war es, wie Frühlingstage sein M«n, bald Sonnenschein, bald Sturm und Regen, so- p wirbelnder Schnee im rauschenden Wind. Ich saß * Fenster und sann, die Hände müßig im Schoß ge- Mtet, wartend, als ob irgendwas oder irgendwer mir Et Freude brächte, die mein düsteres Sinnen über des «men Alltags Sorgen zu bannen vermöchte. — Da legten sich zwei mollige Kinderarme um meinen gebeugte Nacken: „Mutti, nicht traurig sein, horch, wie die |bnfel dort, das weiße „Fäckli", auf der Tannspitze singt 0i singt, und es schneit und regnet, und der Sturm simikelt die Baumkrone hin und her, und doch ist di« jmjel fröhlich!" Ich streiche über den glänzenden Schei- y des Kindes und horche hinaus, der Amsel zu. — jte „weiße Fäckli" nannten sie unsere Kinder, denn sie jgtfe eine weiße Flügelspitze und war seit zwei Jahren ii unserem Garten heimisch.
I „Dulidoi, duii duii!"
| Du hast recht kleiner Vogel, du singst dein alltäglich allezeit, früh am Morgen und spät am Abend, ob Ite Sonne vom blauen Himmel lacht, ob es stürmt, reg» «oder in den blühenden Frühling schneit! Und wer befö, ob nicht auch dein Vogeldasein Sorgen hatte!
Seither laß ich mich oft vom Singen des „weißen Mi" mahnen: Horch um dich, irgendwoher klingt ein Ml Schau um dich, irgendwo blüht eine Blume für M, und wenn es nur ein leuchtender roter Geranien- N auf dem Fensterbrett wäre! Es ist auf allen Wegen M h» allen Zeiten etwas zu Freuen, man mutz es im empfinden wollen. —
Senn wir es nur fo weit wie die Amsel brächten, M wir alte Tage ein fröhliches Liedchen fingen könnten, «ichviel ob wir Sorgen hätten oder nicht, wie leichter rfirben uns selbst des Tages Arbeit und der Nächte Sorgen. —
I Nicht jedem wird die alltägliche Fröhlichkeit als Gabe [*it auf den Lebenspfad gegeben; aber vielleicht könnten M uns dazu ein wenig erziehen.
I Wie viel leichter gebt eine schwere, unliebsame Ar- Mvonstatten, wenn wir ein fröhliches Lied dazu fin- pl Wie viel rascher gewinnen wir der Menschen Her- B® mit einem frohen Gesicht, und die Sorgen, ach die
W rufen die ersten Führer von Postamenten und ■wagen herab die Menge zur Ordnung. Zu spät!
hat wieder einen anderen Trupp an sich geris- L. Die hofft er aus den Klauen der Furie zu reißen, ■chren Augen aber glimmt auch schon bestialische Gier. $cr Tag zeigt in weitem Umkreis sein Schreckens- Wcht, das grauenerregende. Der wochenlang aufge» We Haß und Fanatismus ist aufgebrochen, wie behandeltes Geschwür, gräßlich verheerend, was heil und gesund ist.
^Aichschwaden ziehen durch die Straßen.
”*er dem Iustizgebäude steht und steigt eine ^e Riesenwolke, verdunkelt die leuchtende Sonne ' lowmerlichen Mittags. Feuerwehren werden am
Vom Dienstmädchen zur Hausangestellten.
(Eine zeitgemäße (Entwicklung.
Von Dr. R. O. Michel.
Es gab eine Zeit, da war es eine „Frage der Weltanschauung" für die Hausfrau, ob sie beim „Mieten" eines neuen „Dienstmädchens" ein unintelligentes oder ein kluges bevorzugte. Jene, so hieß es, sind treu und anhänglich, kennen nichts als die Familie, in der sie „dienen"; sie sind selbstlos und bedürfnislos, zu jeder Stunde des Tages und der Nacht willig und dienstbereit; für die Kinder gehen sie durchs Feuer; nie hört man ein tml-s Wort von chnen; Widerspruch kennen sie nicht.
r»e sind die „Perlen", an denen di« vergangene - war, und die man heute vergeblich sucht. Mit -annten intelligenten dagegen, behauptete die : Hausfrau, gibt es nur Aerger und Schererei. L an die „Herrschaft", denken sie an ihre eigenen Dinge, „Dinge, sage ich Ihnen, auf die so ein „treues Arbeitstier" überhaupt nicht kommt. Und Ansprüche macht Ihnen so ein Mädchen! Den Abend will sie für sich haben! Und wenn die Kinder nachts rufen, steht sie nicht auf, wo früher das Mädchen lOmal gesprungen ist. Wenn man ihr etwas befiehlt, macht sie Gegenreden. Nein, so etwas ist nichts für mich. Ich bin die Hausftau und gebe an, was getan wird."
Und heute? Die Hausfrau des Mittelstandes, die „angibt", ich meine bis in Einzelne, jede Kleinigkeit angibt, ist ein Typus, der im Aussterben, ja in der Groh-