Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift« n leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Mittwoch, S. Januar 1930.
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57. Zahrg.
diplomatischen Vertretungen war gewürzt mit fei« ner Ironie aus dieser Richtung.
Die plumpe Art, in der Mussolini den Lateranfrieden seiner Wahlpropaganda dienstbar machte, und manches, was dann folgte, konnte die Besorgnisse nur verstärken. Schon schienen die Zweifler triumphieren zu sollen. Aber gerade hier hat sich die ganze Meisterschaft der Diplomatie dieses Papstes, die doch in ihren letzten Wurzeln nur christliche Charakterfestigkeit und Bescheidenheit, verbunden mit angeborenem Takt ist. bewährt. Man merkte alsbald, hier wird nichts von den Lebensnotwendigkeiten des katholischen Glaubens preis- gegeben. Und das seelsorgerisch freundliche Entgegenkommen an italienische Gegebenheiten bedeutete nicht Zurückweichen im Grundsätzlichen.
Darüber hinaus aber wurde alsbald die praktische Auswertung der neugewonnenen Freiheit und Bewegungsmöglichkeit eingeleitet. Gerade dafür ist in aller seiner Schlichtheit der 20. Dezem-
Abbau bei Hugenberg.
Ohne Landvolk.
An der Sitzung des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren werden, wie die „Landvolk- Nachrichten" erfahren, weder die bisherigen Vertreter des Reichslandbundes noch die der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpar^ei teilnehmen.
Wie die gleiche Korrespondenz weiter mitteilt, dürste es in dieser Sitzung zu Auseinandersetzungen zwischen den Stuhlhelmvertretern und den Nationalsozialisten kommen.Im Stahlhelm habe es außerordentlich befremdet, daß ein führender Abgeordneter der Nationalsozialisten, Dr. Goebbels, das Ehrenmitglied des Bundes Reichspräsident v. Hindenburg in einer Weise beleidigt hat, die Hindenburg sogar .zwang, entgegen seiner bisherigen Gewohnheit die Gerichte anzurufen.
* Beschleunigte Fertigstellung des Reichsetats. Der Reichskanzler hat, dem „Berliner Tageblatt" zufolge, den einzelnen Ressorts den Wunsch Mitteilen lassen, die Etats so zeitig wie möglich fertigzustellen. Als äußerster Termin für ihre par- lamentarische Verabschiedung gilt dabei Mitte April, wobei aber versucht werden soll, den normalen Termin (31. März) nach Möglichkeit inne« zuhalten. ______________
* Tschitscherin als Sowjet-Botschafter in Paris ousersehen. Das Journal glaubt zu wissen, daß Tschitscherin an Stelle des gegenwärtigen Botschafter Dowgalewski als Botschafter der Sowjet-Union in Paris ausersehen sei. Dowgaleski soll die Erwartungen, die man an ihn getnünft hatte, nicht erfüllt haben.
Gegen die „Reie Fahne**.
wtb. Berlin, 7. Ian. (Eig. Meld.) Wegen der in der „Roten Fahne" vom 4. Januar aufgestellten wahrheitswidrigen Behauptung, daß ein >m „Hamburger Anzeiger" veröffentlichtes angebliches Rundschreiben der kommunistischen Partei Deutschlands vom Pressereferenten im Reichsministerium des Innern, Dr. Haubach, im Auftrage des Reichsministers des Innern gefälscht worden fei. hat der Reichsmini st er des Innern ©_t_r af- antrag gegen die „Rote Fahne" gestellt.
Die Abrüstungskonferenz.
wtb. Washington, 7. Jan. (Eig. Meld.) Die amerikanischen Delegierten für die Londoner Flottenkonferenz begeben sich heute nach einem Ali- fchiedsfrühstück beim Präsidenten Hoover nach New Pork, von wo sie am 9. Januar nach London abreisen werden. Wie hier verlautet, sind die amerikanischen Delegierten bereit, eine neue Einschränkung der Flugzeug-Mutterschiffe zu erörtern, falls diese Frage aufgeworfen wird. Nach dem New Pork World sollen die Delegierten auch für den Abschluß eines Ergänmngsvertrages zum Kellogg - P a kt fein. Dieser Vertrag würde dem 4-Mächte-Pakt über den Stillen Ozean entsprechen und einen Meinungsaustausch der Signatar- Mächte des Kellogg-Paktes im Falle der Kriegsgefahr vorfehen.
Das neue Zollgesetz.
Don Friedrich Dessauer
(Bergl. Nr. 300 der Fuldaer Zeitung.)
Der Einfuhrüberschuß hat ja folgenden Sinn: Der im Osten reisende Roggenüberschuß würde zu teuer kommen, wenn er von dem Osten nach dem Westen verfrachtet werden müßte. Man führt ihn daher int Osten aus und führt im Westen dafür Getreide ein. Hier liegt eben ein Konflikt zwischen den natürlichen Wirtschaftsbedingungen und den politischen Grenzen vor, dem man dadurch abhilft, daß man den Ausführenden pro Doppelzentner einen Einfuhrschein im Werte von 6 Mark gibt. (Er kann dann soviel billiger aus« führen.) Dieser Einfubrschein wird verkauft und bei der Einfuhr im Westen bei dem Zoll angerechnet.
Natürlich wird dieses System von den konkurrierenden Länder leicht als eine Unterbietungsgefahr (Dumping) angesehen und kann daher nur in vorsichtigen Grenzen angewandt werden. Der Einfuhrschein für Weizen ist auf 6,50 Mark festgesetzt. . _ , r
Gerste und Hafer.
Der Gerstenzoll wurde für Braugerste (schwere Gerste) auf 9 Mark erhöht und ein Einfuhrschein
her bas wirksamste Zeugnis. Nichts kann eindringlicher bezeugen, daß der Papst frei ist, als gerade diese unauffällige Fahrt vom Vatikan zum Lateran.
Ohne Frage sind frühere Ausgänge erwogen worden, so der zur (Zentenarfeier von Montecas- sino. Aber wie ganz anders diese Reise sich vollzogen haben würde, wurde durch die Fahrt des päpstlichen Delegaten dorthin deutlich. An jeder Station stand Militär — gewiß zur Ehrenbezeugung, und sicher wird der Papst auch einer gelegentlichen feierlichen Form nicht ausweichen, aber gerade das erstemal mußte den Beweis erbringen, daß er dessen nicht bedarf. Das ist nun geschehen.
Das nächste Jahr wird ohne Zweffel nun im Zeichen dessen stehen, wie diese neugewonnene Freiheit der Gesamtkirche fruchtbar gemacht werden kann. Den Auftakt dazu bildete bereits die jüngste päpstliche Enzyklika von den geistlichen Uebungen.
von 6,50 Mark für ein Kontingent von 500 000 Doppelzentner gewährt.
Der Hafer bekam einen erhöhten Einfuhrzoll von 8 Mark und einen Einsuhrschein von 6 Mk. Das sind alles beträchtliche Verbesserungen. Bei der starken Erhöhung des Braugerstenzolles wurde. überlegt, daß diese Frucht nicht notwendig für die menfchliche Ernährung ist und daher eine gewisse Verteuerung leichter in den Kauf genommen werden kann.
Besonders schwierig war die Regelung des Zolles für die leichte, sogenannte
F u 11 e r g e r ft e.
Hier hatte man zugunsten der Schweinehaltung einen besonders niedrigen Einfuhrzoll von nur 2 Mark festgesetzt. Dieier niedrige Zoll bewirkte^ daß in einigen Teilen Deutschlands für die Schweinezucht immer weniger Roggen und immer mehr ausländische Gerste benutzt wurde. Um die Verfütterung des inländischen Roggens zu stc-.- gern und die Uebereinfuhr der Gerste zurückzudrängen, wünschte das Zentrum den Futterger- ftenzöll auf 5 Mark zu erhöhen.
Die Regierung machte einen etwas komplizierter'. Vermittlung^Vorschlag, der dahin ging,. Roggen aufzukaufen, ourch Eosinfärbung für die menschliche Ernährung unbrauchbar au machen und zu ermäßigtem Preise der schweinemästenden Landwirtschaft anzubieten mit der Bestimmung, daß für je 7 Doppelzentner Verbrauch derartigen Roggens der Verbraucher die Erlaubnis bekäme, drei Doppelzentner Gerste zu dem billigen Zollsatz von 2 Mark einzuführen, während im übrigen der Zollsatz bis Ende 1930 auf 5 Mark erhöht werden sollte.
Das Zentrum wandte gegen dieses Experiment — als solches bezeichnete es auch die Reichsregierung— ein, daß es möglicherweise zu starken Schiebungen und zu recht kostspieligen und möglicherweise fehlschlagenden Dispositionen führen könne. Das Zentrum setzte sich gemeinsam mit der Bayerischen Bolkspartei dafür ein, daß der Futtergerstenzoll zunächst für ein Jahr auf 5 Mark erhöht werde, daß aber die Reichsregierung ermächtigt werde, eine Verbilligungsprämie für gekennzeichneten Roggen zur Viehfütterung zu gewähren.
In einer Entschließung, welche Dr. Brauns, der freühere Arbeitsminister, einbrachte und welcher dis gesamte Zentrumsiraktion ihre Unterstützung lieh, wird die Regierung ausaefordert, daß sie Fütterungsroggen, den sie von offenen Märkten aufkauft, in erster Linie den bäuerlichen, insbesondere den kleinbäuerlichen Schweinezüchtern verbilligt zu Futterzwecken zur Verfügung stellen müsse. Auch diese Entschließung, ebenso wie die Ermächtigung wurde mit gewaltiger Majorität, — an der sich auch viel sozialistische Abgeordnete beteiligten, die bürgerlichen Parteien geschlossen — angenommen.. Der Regierungsentwurf hatte auch für Gerste und Hafer Gleitzölle vorgesehen, die am Widerspruch besonders des Zentrums scheiterten. Es ist genügend, wenn das immerhin nicht ganz einfache Experiment der Gleitzölle beschränkt bleibt.
Die Erhöhung des Weizenzolls hat natürlich die Konsequenz, daß auch der
Mehlzoll
erhöht werden muß, sonst kommt statt Weizen das fertige Produkt Mehl herein und die deutschen Mühlen sind mit dem Weizenbauer benachteiligt. Die Regierungsvorlage schlug vor, daß der jeweilige Mehlzoll das 1)^ fache des Weizenzolles zuzüglich eines sogenannten Mühlenschutzes von Mk. 3.75 betragen solle. Diese Verrechnungsweise geht davon aus, daß Weizen etwa zu 65 bis 70 Prozent ausgcmahlen wird, also 150 Kilo Weizen zirka 100 Kilo Mehl geben. Die Relation ist nicht unbestritten.
Nach Ansicht des Zentrums müßte mit Rücksicht auf die viel geringere Ausmahluna des Auslandsmehls (das gewöhnlich nur zu 50 Prozent ausgemahlen wird) der Faktor 2 angesetzt werden und dafür ein kleinerer Mühlenschutz von Mk. 1.50 eintreten. Man einigte sich schließlich auf eine Relation von 1)4 fachen plus 4.25 Mk. und gewährte dem Mehl einen Einfuhrschein von Mk. 6.50, der auch auf Gerstenflocken, Gries, Grütze und Gerstenmalz ausgedehnt ist. Natürlich darf diefer Einfuhrschein nicht zur Bezahlung des Zolles für Futtergerste benutzt werden.
Der
Malzzoll
hat die Relation 1 plus % des Gerstenzolls zuzüglich 6 Mark Mälzereffchutz, jedoch bleibt dieser Zoll auf 12,75 Mark stehen, erreicht also nicht 9 vlu»
K Schacht nach dem Haag gerufen.
mtb. Paris, 7. Jan. (Eig. Meld.) Die Haager «-richte der französischen Presse beschäftigen sich i-ür lebhaft n$t der Berufung Dr. Schachts nach M Haag und lassen die Befürchtung erkennen, daß das Eingreifen des Reichsbankpräsidenten die Verhandlungen ungünstig beeinflussen könne. So «klärt der im Haag befindliche Außenpolitiker des ßcho de Paris, die Nachricht von der Ankunft Dr. Schachrs habe bei der französischen Delegation ei« M Besorgnis ausgelöst. Dr. Schacht werde in« Mhalb der deutschen Delegation nicht gerade für cjurückhaltung eintreten. Gewisse Kreise behaupten, es nun einmal so stehe, sei es schon besser, daß der große deutsche Sachverständige an die Seite Mn Curtius und Moldenhauer trete, denn bann
er wenigstens Teil an der Ver an t ro or= jung. Allerdings frage es sich, in welchem Sinne jr. Schacht operieren und ob er überhaupt der gufforberuna nachkomme. Der Sonderberichter- Mer des Exelsior sagt, wenn Dr. Schacht die Wicht habe, die Atmosphäre der Herzlichkeit, des Sertrauens und des Entgegenkommens, die im Hag herrsche, zu zerstören, bann würbe er eine chwere Verantwortung auf sich laden.
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Die Nationalliberale Korrespondenz meldet aus itm Haag folgendes: Die „Kölnische Zeitung," pricht in einem Haager Artikel davon, daß die Idlehnung des Poung-PIans zu einer Kürzung der Beamteng eh älter um 20 »is 25 Prozent führen könne. Diese Aeußerung »s Haager Korrespondenten der „Kölnischen Zei- ung“ erfolgt im Zusammenhang mit Mitteilungen, «eher Reichsfinanzminister Professor Dr.Mol- lenhauer seinem französisthei. KollegenCheron Macht haben soll, so daß der irrige Eindruck Metzen konnte, Moldenhauer habe eine derartige Maßnahme in seinem Gespräch mit Cheron er« »ahnt. Das ist in keiner Weise der Fall. Der
Reichsminister hat lediglich mitgeteilt, daß er sich auch für den Fall der Ablehnung des Young'- planes durch Aufstellung eines zweiten Haushaltsplanes eingerichtet habe, ohne jedoch irgend welche Einzelheiten zu erwähnen, die sich hieraus ergeben müßten. Eine Herabsetzung der Beamtengehälter ist bei den in Vorbereitung befindlichen beiden Etatsplänen des Reichssinanzministers Molden- hauer in keiner Weise in Betracht gezogen. *
Nach dem Haager Berichterstatter des „Ma- tin“ haben Dr. Curtius, Dr. Wirth und Dr. Mol- denhauer mit Briand die Frage der Sanktionen befprochen. Deutscherseits vertrete man, so erklärt der Berichterstatter, den Standpunkt, daß es sich hierbei nicht nur um eine Frage des politischen ober internationalen Prestiges, sondern vielmehr auch um eine lebenswichtige Bedingung für die Wirtschaft, die Finanzen und den Kredit Deutschlands handele. Sanktionen würden ein unberechtigtes Mißtrauen gegenüber Deutschland wachrufen und innen« und außenpolitisch Verdacht erregen und damit jede Kreditoperation, jede Emission und jeden Mobilisierungsversuch erschweren, wenn nicht unmöglich machen. Die französffche Delegation bleibe jedoch auch angesichts dieser Einstellung ruhig und optimistisch, weil sie davon überzeugst sei, daß es sich hier nur um ein Mißverständnis handele, das aufgeklärt werden müsse. In Deutschland müsse man begreifen, daß Frankreich keineswegs auf die alte Formel der poktti- schen Sanktionen Wert lege, sondern nur an die Notwendigkeit eines legalen Bettreibungsversah- rens denke, ähnlich dem, wie es allgemein von Staat zu Staat vor dem Kriege hinsichtlich sämt- llcher Verbindlichkeiten kommerzieller Art möglich gewesen sei.
Das kleine Viereck des Verhandlungstisches in der 2. Abgeordnetenkammer im Haag vereint fast vollzählig die wichtigsten politischen Köpfe Europas. An der Tifchecke rechts hinten die deutsche Dele- lation. Daneben (nach rechts) die belgische, französische und englische Delegation.
Der Vatikan an der Jahreswende.
Don unserem römischen Mitarbeiter.
Ts tft genau ein Jahr her, daß in Rom Ge- ?chte auftauchten, die Römische Frage stände vor [vor baldigen Lösung-, denn den Bewohnern im M Häuserblock hinter Santa Maria werde ernst- $ gekündigt — geduldet waren sie schon seit lan« ctn nur noch —, es würden Messungen an den ^tijcn des Vatikans vvrgenornrnen, ja es sollten ta neue Umfaffungsgitter gegossen werden... Wie ist das ganze Viertel schon verlassen. Aus
Abbruch entstehen neue Gebäude; ein Bahn- wächst heran,' der Vatikan hat seine Grenzen ['»eitert und geschlossen. Das halbgeöffnete 'kvnzetor ist weit aufgejchlagen.
3a, das Ereignis dieses Jahres, das so lange »»bereitet wurde, die Jubelrnesfe des Papstes am . Dezember, ist vollkommen überschattet durch le voraufgegangenen Ereignifse, den 12. Februar, [n Abschluß des Lateranfriedens, und dem 20. fiember, dem Tag, da zum erstenmal der Papst Wen durch Rom nach dem Lateran zur Feier Crinnerungstages an seine Priesterweihe vor - Jahren fuhr.
3n der Geschichte wird vermutlich nicht so sehr EI erste Umzug um den Petersplatz, nicht einmal e,r Besuch des italienischen Königshauses im Va= als das große Ereignis nach dem 12. Fe- £ar fortleben, fondern gerade dieser 20. Dezem- , Tewiß betont der „Osservatore Romano" die [sbfahrt des Papstes fei „in forma privata" er« ‘‘9t. Die Sorgfalt, mit der bei aller Verschwie- f^eit die Heilige Messe im Lateran vorbereitet ^rde, beweist aber, welche Bedeutung ihr zu- JJW. Der „Osservatore" berichtet dann auch in e» Einzelheiten darüber, und in einer kleinen
Betrachtung unterstreicht er die beiden Zahlen des 19. September 1870, da zum letzten Mal ein Papst den Lateran betrat, und des 20. Dezember 1929, da „ein anderer Pius" zurückkehrte. Der glanzvolle Rahmen, beginnend mit der prächtigen Illumination des Dominnern und den Chören der Schola Cantorum des großen Römischen Seminars unter Leitung des Meisters Casimiri zeugten von dem Wett, den man im Vatikan dieser Stunde bcimaß. Die private Form wirkte sich also in erster Linie in der Auffahrt durch Rom aus. Während sonst sicher wieder ganz Rom in Waffen gestarrt hätte, um recht eindringlich zum Bewußtsein zu bringen, daß der Papst sich nur unter dem Schutz der italienischen Bajonette frei bewegen könne, genügte jetzt eine kleine Polizeibegleitung, die obendrein auf der Rückfahrt fotfallen konnte.
Die Art, wie man von Mussolinis Seite solche „kirchlichen Paraden" aufgezogen wünscht, Entspricht ganz und gar nicht dem auf das kirchliche Zentrale gerichteten Sinne Pius XI. Die große lieber« rafchung und fast die kühnste Tat dieses weitblickenden Papstes ist die geworden, daß er es verstand, aus der Gefangenschaft des Vatikans herauszukommen, ohne in die Fesseln des Faschismus zu fallen.
Als man am Anfang dieses Jahres davon Höne, der Papst werde sich demnächst mit dem italienischen Staat aussöhnen, da erfaßte manchen ernsten Freund der Kirchs die Sorge, ob der Schaden, der dadurch entstehen könne, nicht größer sei, als der Gewinn. DieBedenken kamen am lautesten in französischen Kreisen zum Ausdruck, aber wenn man sich auch anderswo mehr beherrscht zeigte, ganz forglos war man doch nicht. Die Ansprache des brasilianischen Botschafters im Namen der