Msere Schulspar-Emrichtung.
fftne frohe, glückliche Schülerschar eilt zur Schule, «ui dem Rücken trägt ein jedes der Kinder sein Ränz- in der Hand eine kleine Büchse. Heimsparkasse ist die Aufschrift. Dabei hält jedes ein blaues Büchlein, ßchulspartag ist nämlich heute. Freudig begrüßt man ,2 durch Rasseln mit den Büchsen. Den (Erfolg der koartätigkeit stellt man gegenseitig an dem Gewicht der Sparbüchse fest. „Meine ist schwerer, nein meine!" so faßt man sich gegenseitig zu necken. Mit Spannung «artet man auf den Augenblick, wo auch der kleinste Mlg mit einem Lob des Lehrers belohnt wird, die Schule eins Heimsparkasse, falls sie nicht früher schon die Schule eim Heimsparkasse, falls sie nicht früher schon eiltt erbeten und erhalten haben. Dem Kind muß nämlich Gelegenheit zum.Sparen gegeben werden, wenn es etwas zum Sparen hat. — Eine Sparbüchse hat nun jedes Kind. Diese ist mit einer Nummer versehen und -war mit der Kontonummer des Kindes, und plombiert. Diese seine Bank ist dem Kinde zu jeder Zeit zugänglich, und somit hat es Gelegenheit zu sparen zu jeder stunde, nicht nur am Montag oder am Samstag.
Denn da ist eine Hochzeit gewesen oder eine Kindtaufe. Der glückliche Bräutigam oder der noch glücklichere Vater, der gar einen Stammhalter zur Kirche getragen, hat der mit Spannung wartenden Kinderschar seinen Glückspfennig gespendet. In hartem Kampf l>at fast jedes Kind einige Pfennig erobert. Glücklicher Besitzer eines Wertes, über den es selbst verfügen kann. Welch ein Gefühl! Was nun? — Hier ein Erlebnis.
Kindtaufe ist gewesen. Der junge Vater in seinem glück hat reichlich gespendet. Ein jedes der Kinder hatte etwas erobert. Das glückliche Kindervolk besieht sich den Gewinn. (Eine Anzahl dieser Kinder kommt aus dem Heimweg an einen Krämerladen. Da gibt es auf einmal einen Halt. Eine lebhafte Auseinanderset- Mg beginnt. In der Mitte steht unser Fritz. „Ich hole mir Zuckersteine!" sagt er mit Bestimmtheit. Die kleine Margarethe hält ihn ab. „Rein, in die Sparbüchse mußt du die 25 Pfennig tuen!" sucht sie ihn zu überreden. Die Uebrigen stimmen ein und versuchen ihn auch dazu zu bewegen von seinem Vorhaben abzulassen. Fritz läßt sich anscheinend nicht erweichen. Uin Teil der Kinder gibt den Versuch auf. Fritz umzuftim- men. Nur die Tapfersten halten aus. Und siehe da, sie bleiben Sieger. Fritz läßt sich bereden, er verzichtet und kämpft sein Verlangen nieder, und er läßt die Pfennige, seine Pfennige, in die Sparbüchse rollen.
Man stelle sich nun in dem kleinen Kinde — es handelt sich hier um einen achtjährigen Jungen — diesen Kampf vor. Ist es nicht ein Willesnakt, rote wir ihn ücht schöner finden können! Und sollte ein Menschenkind, das schon in der Jugend gelernt hat, die augenblicklichen Gefühle und Neigungen, falls dieselben als weniger gut erkannt wurden, niederzukämpfen, nicht fähig sein, auch in dem reiferen Alter sich in der Gewalt zu haben! Das ist ein Mittel und ein Weg der Willens- fchulung und Willensbildung.
Auch kann hier in die Sparbüchse seder Betrag hin- eingelegt werden. Um sparen zu können ist es nicht nötig, daß der Betrag durch zehn teilbar ist, wie bei dem Markensystem. Denn da ist ein Kind, das hat gerade 7 Pfennig erobert. Was nun damit anfangen? Für eine Marke reicht es nicht. Drei Pfennig von der Mutter geben lassen? — Die gibt mir auch zehn Pfennige. — Bis zum nächsten Spartage ist auch noch lange Zeit. Das Geld noch lange in die Hosentasche stecken? - Die ist zerrissen. — Diese Summe hat für mich keinen Wert! Also weg damit, etwas Gutes gekauft! — Sm Spartag geht man dann zur Mutter. Ja, selbstverständlich sollst du etwas haben! — Ist es denn das Geld der Kinder, das da gespart wird, oder hat man es nicht von den Eltern gebettelt? Wo ist das eigene Selb hingekommen, für das im entscheidenden Augenblick die Spargelegenheit fehlte? —
Heute ist bei uns nun Schulspartag, der vierte in diesem Jahre. — Die Sparbüchse wird im Jahre viermal entleert. Aneiferung zum Sparen erfolgt öfter. — Die Rechenstunde wird zum Entleeren der Büchsen benutzt, heute find es die vier unteren Jahrgänge, die ihr Erspartes abliefern. Es sind rund 60 Sparbüchsen zu entleeren. Das vierte Schuljahr hilft mit. Ein Kind öffnet die Sparbüchse. Ein Kind entleert dieselbe. Zwei Kin- der zählen die einzelnen Beträge, und sind verantwort-
Dorfbuben.
3] I. Herbert.
| „Ja, hier." — „Dann los."
Heut hatten sie es eilig, hinaufzukommen. „Wegen den Kühen brauchst du keine Angst zu haben, die haben Hunger und fressen," meinte Ludwig, „und dann ist ja auch der Pornrner da. Am besten, wir gehen gleich los."
Dem Karl wars ja eigentlich ein bißchen bänglich, wenn er an seinen Traum dachte. War das schrecklich gewesen, als ihn der Riesenvogel gepackt hatte! Wer er schämte sich, dem Ludwig etwas zu sagen. Der hätte ihn ausgelacht.
Pommer blieb wieder da, und die beiden Jungen gingen in den Wald.
„Da oben ist das Nest!" Karl deutete in die Höhe.
„Ach, das ist gar nichts", sagte Ludwig, „da bin ich gleich oben."
„Wenn aber der Alte an dich geht," meinte Karl ängstlich.
„Der Alte?" Ludwig lachte. „Meinst du, ich fürchte wich j)Dr so einem Raubvogel?"
Er kletterte hinauf. Den Sack hatte er in der Hand.
Wie der klettern konnte! Karl sah ihm verwundert Nach und schaute manchmal ängstlich nach oben, ob der $lte nicht käme.
Jetzt war Ludwig oben, jetzt griff er ins Rest. »Au, au!" schrie er laut und zog rasch die Hand zurück. „So ein Luder, hat mich gebissen. Wie mein Finger blutet!"
Jetzt hörte man das scharfe Piepsen der aufge- 'chreckten Jungen. „Komm herunter", rief Karl ängstlich, „wenn der Alte kommt!"
„Ach, der Alte, der soll nur kommen!", rief 2ub= foig. „Jetzt werden sie gerade geholt, weil sie mich gebissen haben."
= Ludwig kletterte noch etwas höher und konnte nun ins Nest sehen. „Zwei Stück fiub drin!", tief er hinunter, „sie sind schon bald groß."
lich für die Richtigkeit. (Ein anderes Kind schließt die Sparbüchse und plombiert dieselben. An der Schultafel werden die einzelnen Beträge angeschrieben. Das dritte Schuljahr zählt nun einen Betrag nach dem anderen zu. Das zweite Schuljahr zählt Pfennigbeträge zusammen. Das erste Schuljahr zählt die entleerten Büchsen und wetteifert auch schon mit dem zweiten Schuljahr. Der Lehrer trägt die gesparte Summe in das Hauptbuch ein und quittiert im Sparbüchlein. Auch der kleinste Betrag ist willkommen und wird mit einer Anerkennung angenommen. Der ins Sparbuch eingetragene Betrag wird noch einmal mit der Eintragung ins Hauptbuch verglichen, und jedes Kind muß nachprüfen, ob vorschriftsmäßige Quittung erfolgt ist. Die Endsumme wird einmal nachgeprüft. Das Geld wird sortiert, gerollt und gezählt, und bei der Kasse abgeliefert. Die Konten für die Schulkinder führt der Lehrer. Bei der Kasse besteht nur ein Pfennigsparkassenkonto. Der Auszug aus dem Schülerkontobuch muß am Jahresende nach Zuschreibung der Zinsen mit dem Bestand bei der Kasse übereinst im- men. So ist eine gegenseitige Kontrolle geschaffen. Diese Einrichtung verursacht dem Rechner keine Mehrarbeit, dem Lehrer, da sie als Erziehungsmittel ausgewertet werden kann, Freude, und den Kindern bringt sie Nutzen.
Das ist kurz Zweck, Ziel und Einrichtung unserer Schulspareinrichtunz. Weigand.
Sollen die Kinder Geld haben?
Geld regiert die Welt. So sieht es wenigstens aus. Denn in Wirklichkeit regiert doch ein anderer. Dessen Herrschaft ist nur nicht so handgreiflich wie die Macht des Geldes.
Denn eine Macht ist das Geld ohne Frage, unser Freund oder Feind, unser Herr oder unser Knecht, je nachdem, wie wir uns zu ihm stellen.
Es geht mit dem Geld wie mit manchem Menschen: Man muß den Umgang mit ihm gelernt haben. Damit kann nicht früh genug begonnen werden, und darum soll auch das Kind fchon Geld in der Hand haben.
Hier und da wird es für eine Dienstleistung einen Fünfer oder einen Zehner bekommen. Es wird feine Freude haben daran, und das ist recht, denn verdientes Geld ist allemal Freude wert.
Darum gebe man dem Kind auch Gelegenheit, Geld zu verdienen. Warum soll denn die Mutter immer die Hühner füttern? Kann das nicht die Tochter machen? Das kann sie fchon mit zehn Jahren. Wenn dann aber die Eier verkauft werden, muß sie auch etwas für ihre Arbeit bekommen, wenn es auch nur eine Kleinigkeit ist. Das wird dem Kind — und den Hühnern gut tun.
Es gibt fo manche Gelegenheiten, bei denen man die Kinder Geld verdienen lassen kann. Der Junge, der feine Kaninchen ordentlich pflegt, soll auch das Geld für das Fell haben, und der Taubenliebhaber darf etwas bekommen für die Jungen, die geschlachtet werden. Das Trinkgeld beim Viehverkauf kann ebenfalls ruhig den Kindern gehören.
Kein Geld gibt es dagegen für Leistungen, die selbstverständlich sind. Für gutes Betragen oder ordentliche Schularbeiten Geld ober überhaupt eine Belohnung zu geben, wäre ein Unfug.
(Es darf auch nicht so weit kommen, daß immer gleich die Frage da ist: Was bekomme ich dafür? Was habe ich davon? Auch die Kinder sollen wissen, daß es noch einen anderen Lohn gibt als das Geld, und daß dieser andere der bessere ist.
Unbedingt nötig ist es, die Verwendung des Geldes zu überwachen. Wenn es nicht mit Erlaubnis der Eltern zu kleinen Anschaffungen verwandt wird, so gehört es in die Sparbüchse und dann in die Schulsparkaffe. Wer die Verwendung des verdienten Geldes nicht überwachen will, der tut bester, seinen Kindern überhaupt kein Geld in die Hand zu geben.
Entsagen und verzichten können ist eine große Le- benstunft. Der einfache Mann, der frohen Herzens Verzicht leisten kann auf überflüssige Dinge, der ist weit bester daran als der Millionär, der sich keinen Wunsch zu versagen braucht
Da- Geld in der Hand des Kindes ist aber ein feines Mittel, um zu diesem Entsagenkönnen zu erziehen. Der Junge, der den Zehner trotz des lockenden Nasch- roerfs im Krämerladen in die Sparbüchse wirft, der
wird wohl kein Verschwender werden und zeigt, daß er 1 entsagen tarnt.
Damit wir uns recht verstehen: Wir wollen keine Kinder zu Kapitalisten erziehen, auch nicht zu Menschen, deren Gehirn eine Rechenamschine und deren Gott der Geldsack — vielmehr das Bankkonto ist. Wer sie sollen den rechten Umgang lernen mit dem Geld.
Denn das Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr! Darum sorgen wir rechtzeitig dafür, daß es zum Diener wirb. "■
Das 9. Volksschuljahr.
Unlerrichisplauderei auf der Oberstufe.
„Wir sollen jetzt auch 9 Jahre in die «Schule gehen, es hat gestern in der Zeitung gestanden!"
„Mein Vater hats auch vorgelesen!"
Sogleich erhebt sich ein Sturm her Entrüstung. Von allen Seiten ertönts wie aus einem Munde: „Da gibts nichts braus! bamit sind wir nicht einverstanden! 8 Jahre sind gerade lang genug!" —
„Gemach, meine lb. Freunde, ihr tut ja gerade, als wenn ich das haben, ich das neunte Volksschuljahr ein- führen wollte. Soweit sind wir noch nicht. Ihr könnt ganz beruhigt sein, fo ganz wäre ich auch nicht damit einverstanden. Warum, das werdet ihr nachher erfahren!" —
Wir wollen uns die ganze Sache noch einmal ruhig überlegen und bann ber Reihe nach unsere Meinung darüber äußern. Jedes von euch mag sich aussprechen, ob es dafür oder dagegen ist. Vielleicht finden wir auch bann heraus, von wem die Sache ausgeht, wer gerne ein neuntes Volksschuljahr eingeführt haben mochte."
„Soviel ich vorher herausgehört habe, sind die meisten von euch dagegen."
„Ja, das sind wir auch! Meine Muller hat gesagt, sie wäre froh, wenn ich Ostern aus ber Schule tarne, bann hätte sie Hilfe, unb wir brauchten keine Magd mehr zu dingen. Die Dienstboten kosteten so schon so viel Geld."
„Ich bin auch dagegen", spricht Gustav, „wenn man was lernen will, kann mans in 8 Jahren und braucht nicht neun in die Schule. Wer ein Dummkopf und Faulenzer ist, der bleibt einer, wenn er auch 9 Jahre b;e Volksschule besuchte!"
„Da hast du recht, das ist auch meine Meinung."
„Mich hat ber Meister Stein für Ostern schon ils Lehrling angenommen, deshalb bin ich auch dagegen. Wenn das neunte Schuljahr eingeführt würbe, käme ich um die schöne Stelle!"
„Nun, bas wäre meiner Meinung nach vielleicht noch gar kein Fehler, bu würdest in dem einen Jahr noch größer, stärker und, das glaube ich sicher, — gescheiter."
„Mir roärs egal", meint Leonhard, „ich ging ganz gern noch ein Jahr in die Schule, da brauchte ich daheim nichts zu schaffen. Aber das geht ja garnicht. Wenn Ostern niemand entlasten würde und die andern Schüler kämen herüber, bann wäre in unserer Klasse ja gar kein Platz mehr. Wo sollten mir uns bann hinsetzen, da müßte sich ja jeder einen Stuhl mitbringen!"
„Das geht nicht," meint Anton," die Schule müßte einfach großer gebaut werden, das läßt sich alles machen."
„Aber nicht ohne Geld!" „Der Staat hat (eins, die Gemeinde auch nicht." „Wir müßten auch noch einen neuen Lehrer haben, und das tut die Gemeinde nicht!"
„Da hast du recht, ber Gemeinbe geht es schlecht. Diese hat schon genug für die Schule aufzubringen. Das wißt ihr felbft, wie schwer es hält, wenn etwas Neues für die Schule angeschafft werden soll."
„Herr Lehrer, was soll denn im 9. Schuljahr gelernt werden?"
„Wenn wir 9 Jahre in ber Volksschule waren, bann braucht es auch keine Fortbildungsschule mehr zu geben!"
„Du bist gleich gar zu schlau! Volksschule darfst du mit Fortbildungsschule nicht verwechseln. Die Volksschule bereitet dich fürs Leben, die Fortbildungsschule aber für deinen späteren Beruf' vor, und das kannst bu nicht alles in der Volksschule lernen". Die Fort- bildungsschulen müssen bestehen bleiben."
„Bis jetzt haben wir saft nur Stimmen gehört, die gegen bas neunte Volksschuljahr sinb. Die Einführung desselben würde auf großen Widerstand stoßen, wie
wir eben fejtftellten. Nun muß es aber doch Leute geben, die ein Interesse an der Einführung haben. Wer mag das fein?"
„Die Arbeitslosen!"
Die Arbeitslosen!" Wie meinst du das?
zMenn das neunte Volksschuljahr jetzt emgesuhrt würde, dann gäbe es Ostern keine Entlastung. Die freien Lehrlings- und Arbeiterstellen muhten von großen Leuten besetzt werden. Dazu könnte man Arberts- lose nehmen." t
,Das ist schon recht, aber das würbe ben Arbeitslosen "nicht viel nützen. Gewiß mühten in den Fabriken manche Arbeitslose eingestellt werben, aber aus bte große Masse ber Arbeitslosen blieb das ohne Wirkung. Diese haben also kein befcnberes Interesse an ber (Em- führung des 9. Volksschuljahres. Staat und Gemeinden wollen es wegen der entstehenden Kosten auch nicht. Von irgendeiner Seite aber muß es doch angeregt worben fein. Wir wollen sehen, ob wirs nicht zusammen finben. — ,. ...
Rubels hat uns neulich gesagt, daß es ihm bis letzt noch nicht gelungen ist, in ber Stabt eine passende Schlosserlehrlingsstelle zu finden, weil er klein ist unb m ber Stadt selber viele Bewerber sind. Jeder Meister sucht sich nur kräftige und gut geschulte Lehrjungen aus. Warum?" „
„Weil er von diesen später am menten har.
So ist es in allen Betrieben, erst recht in den großen, den Fabriken. Nun sagen aber viele Geschäfts- leute und Fabrikbesitzer, die Bolksschüler wären bei xWt Schulentlassung nicht genügend geschult, so daß sie n'>t diesen nicht viel anfangen könnten. Nur hinreichend ausgebildete Schüler könnten später gute Arbeiter wer- de,n und verlangen deshalb das 9. Volksschuljahr. Ob fie recht haben? Wir werden nächstens noch einmal darüber reden.
Zum Schluß nur noch soviel, daß die Einführung des 9. Schuljahres vorläufig nur ein frommer Wunsch bleiben wird. A. Bert.
Lustiges aus der Schule.
In ber Obertlaffe hat ber Lehrer gerabe bas schöne Gedicht: Der „Postillon" vorgetragen. Nachdem verschiedene Schüler dies unb jenes barüber geäußert haben, stellt Hans die Frage: „Was soll bas eigentlich heißen: kaum gegrüßt — gemieben?"
Sofort gehen einige Finger hoch, um anzuzeigen, baß hier Rat und Auskunft zu bekommen fei. Der Frager überblickt die Sage unb wendet sich schließlich an Fritz.
Alles ist gespannt, denn der hat schon häufig merk- würdige Ansichten vertreten. Ganz ruhig und sachlich legt er nun los: „Das soll ein Sprichwort fein. Ein Bauer wollte ein Dienstmädchen mieten. Gewöhnlich geht das langsam, aber diesmal waren sie rasch einig. Kaum hatte ber Mann „Guten Tag" gesagt, ba war auch das Mädchen schon gemietet."
Ganz verdutzt und halb beleidigt schaut sich der gute Fritz um, als plötzlich alles loslacht, daß die Scheiben klirren.
Wilhelm besitzt große Einbildungskraft, und wenn die Kleinen dem Lehrer ihre Erlebnisse berichten, bann erzählt er immer bie längsten unb tollsten Geschichten.
Es ist kurz nach der Kirmes, als er mit feinem Leh- rer in folgendes Gespräch gerät:
„Herr Lehrer, gestern hab ich mir ein Gewehrchen gekauft."
„So? Was hast du denn damit angefteut?"
„Ich bin auf bie Spatzenjagd gegangen in Karls Garten."
„Wieviel Stück hast bu beim geschossen?" „Einen."
„Wie hast bu denn bas gemacht?" Ich paßte auf, bis einer geflogen kam, bann schoß ich los. Hinten bei i der Hecke ist er heruntergefallen."
„Was hast du denn mit dem toten Vogel gemacht?" Ich habe ihn-garnicht aufgehoben, der hätte doch wahrscheinlich schon gestunken!"
Liebe Jungens unb Mädels!
Die Einsendungen werden erst in ber nächsten Nummer veröffentlicht, diesmal war kein Platz mehr.
Ein fröhlich Neujahr wünscht euch allen
Euer Onkel Gottlieb.
Er machte ben Sack auf. Als er aber nach einem Jungen griff, da blähte das ganz dick die Federn auf, zischte wie eine Katze und knappte wieder mit dem Schnabel nach ihm. Erschrocken zog Ludwig seine Hand zurück. Im selben Augenblick fegte ein brauner Schatten heran, Flügelschläge tanzten vor Ludwigs Gesicht, er spürte den saufenden Schwingenschlag. Heller piepten die Jungen.
„Der Alte, der Alte!" schrie Karl, „komm herunter, er geht an dich!" Der Sack fiel herab, unb Ludwig rutschte fast von oben bis unten ohne Aufenthalt am Stamm entlang. Ein Glück, daß er sich festhielt!
„Warum schreist bu denn so? Ich bin vor Schrecken bald vom Baum gefallen, wie bu geschrieen hast!", fuhr er Karl an. „Ateinst bu, ich hätte mich vor dem alten Raubvogel gefürchtet, ben hätte ich auch noch gefangen."
Karl war still. Er schämte sich wirklich, weil er so geschrieen hatte. Wer er hatte immer noch an ben Traum benken müssen, und als ber alte Raubvogel wirklich kam, ba hatte er Singst bekommen.
„Jetzt kannst du bir beine Jungen selber holen, ich gehe nicht mehr auf den Baum!", sagte Ludwig zornig. „Guck mal, wie ich aussehe!"
Ja, das war wirklich schlimm! Das eine Hosenbein war zerrissen, das Bein war auch aufgeschunden, und bie Hand blutete.
„Ach, Ludwig, sei nicht so bös. Ich hatte wirklich Angst und meinte, der Alte würde dich ins Gesicht kratzen. Weißt du was? Komme heut abend wieder her, ba bringe ich Pflaumen mit, von denen kannst du haben so viel bu willst. Die dummen Raubvögel lassen wir gehen. Die kratzen und beißen, und vielleicht hätten wir noch Hiebe bekommen, wenn wir sie heimgebracht hätten. Ich bin ftoh, daß wir sie nicht gekriegt haben."
„Mir liegt auch nichts daran, du darfst bloß nichts davon verraten!", mahnte Subtoig.
„Ich verrate nichts", versicherte Karl. „Und bu kommst heute abend?"
„Ich komme bestimmt, sagte Ludwig schon im Fortgehen, „aber bringe nur auch ordentlich Pflaumen mit."
Er war fort. Mit Schrecken dachte Karl an fein Dieb, bas hatte er ja ganz vergessen. Nun aber schnell
aus dem Wald! Wenn nur die Kühe nicht auf fremde Aecker gelaufen waren!
Gott sei dank, sie staßen alle ruhig, und Pommer lag bei der Bank und sprang schweifwedelnd auf, als er seinen Herrn sah.
Karl fiel es wie ein Stein vom Herzen. Die dummen Raubvögel, was hatte er wegen ihnen für Aengste gehabt. Jetzt ging er aber nicht mehr hin. „Hier auf der Bank ifts viel schöner, gelt Pommer!"
Der wedelte heftig mit dem Schwanz und sah mit glänzenden Augen zu Karl empor.
Abends steht Karl oben und lauert auf den Ludwig. Endlich sieht er ihn kommen und läuft ihm ein Stück entgegen. „Haft du Pflaumen?" ruft der. „Ja, bei der Bank, geh nur mit." Sie gehen zusammen, unb Ludwig fängt gleich an, Pflaumen zu essen. „Wie lange bleibst du denn noch hier"?, fragt er dazwischen. „Vielleicht noch eine halbe Stunde." „Karl, ich wüßte, was wir heute abend mal machen konnten." Gespannt fragt Karl: „Was denn?"
„Wir konnten mal auf die Feuermänner warten."
„Was, auf die Feuermänner?" Karl ist ganz erschrocken. „Auf die Feuermänner sollen wir warten?"
„Warum denn nicht? Meine Mutter hat mir neulich erst von ihnen erzählt, gerade hier oben sind fie immer gewesen."
„Aber ich muß doch heim, ich kann doch nicht in der Nacht mit den Kühen hier bleiben."
„Ach, fo lange dauert das gar nicht. Wenn es dunkel ist, kommen die, bann gucken wir uns einen richtig an, nachher können wir heimfahren. Die Eltern werden schon staunen, wenn wir ihnen erzählen, daß wir die Feuermänner gesehen haben."
Aber Karl hat Angst. Er hat auch schon von ben Feuermännern gehört und fürchtet sich vor ihnen. Unb was sollen bie Eltern denken, wenn es dunkel wird unb er ist nicht daheim.
Ludwig aber redet ihm alles aus. Die Eltern werden halt denken, daß er ein bißchen länger bleibt. Unb bie Feuermänner sind gar nicht so schlimm. Haben sie nicht auch damals dem Müller geholfen? Der fuhr da unten auf dem Weg, da brach am Wagen ein Rad. Hier oben aber trieben sich ein paar Feuermänner her
um. Deutlich sah sie der Müller. Da rief er herauf: „Feuermann, komm herunter und leuchte mir." Da war richtig ein Feuermann gekommen, hatte sich bei bfn Wagen gestellt unb hatte so lange geleuchtet, bis bet Wagen wieder in Ordnung war. Da hatte der Müller gesagt: „Sollst auch schon bedankt {ein, lieber Feuermann." Der antwortete: „Darauf habe ich fchon lange gewartet", unb er war verschwunden.
„Denn die Feuermänner, das sind arme Seelen, die keine Ruhe finden. Meine Mutter hats gesagt*, schloß Ludwig.
Karl war neugierig geworden. Eigentlich, man konnte es doch einmal versuchen. Was würden die anderen Augen machen, wenn er vom Feuermann erzayue! Und schließlich war ja auch noch der Pommer da, der würde schon zupacken, wenn fo ein Feuermann frech werden sollte.
Meinst du denn auch wirklich, daß sie kommen?", fragt er zögernd.
„Ach, die kommen sicher. Also abgemacht, wir bleiben hier."
J (Es wird allmählich dunkel. Kein Mensch ist mehr auf dem Felde. Nach und nach gehen die Sterne auf. Die Kühe haben sich niedergelegt, manchmal muht eine.
Die zwei Jungen sitzen auf der Bank. Karl hat doch Angst, wenn er an die Eltern denkt. Was mögen fie jetzt daheim machen! Wäre er doch nur heirngefah- ren! Gang dunkel ist es jetzt schon, unten im Dorfe brennen die Lichter.
„Sichst du, dort!" Ludwig hat es hastig gerufen. Da tanzt ein Lichtchen in ber Hecke, jetzt sind es zwei, drei. Karl steht fie, und fein Herz klopft. „Es find ja nur Johanniswürmchen", sagt Luöroig unb Karl wird es ganz leicht ums Herz.
Was ist denn das? Ein dunkler Schatten schwebt unhörbar über ihnen hin und her, ein Schnarchen ertönt. Karl packt den Ludwig an. „Ach, das ist bloß eine (Eule," flüstert der.
Immer noch ist kein Feuermann zu sehen. Unten im Dorfe schlägt es acht. „Wenn ich bloß daheim wäre", denkt Karl unb möchte am liebsten weinen.
(Fortsetzung folgt.)