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um

A/ILS

s. Januar

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Nr. 4

iT .

Bitte an -en Stern.

Don Hellmut Schwabe.

Beglänze uns're dunklen Leiden und lasse uns das Böse meiden!

Begleite uns auf allen Wegen zu frommem Ziel mit deinem Segen; Den Wandrern gleich aus fremden Landen, die hoch begnadet Jesu fanden!

Aufjubeln wir dann aus dem Dunkel, und j|Hes löst sich im Gefunkel ..,

Berliner Osten, schreibt darin die Geschichte »om Franz Biberkopf, dem ehemaligen Transportarbeiter, den das Tegeler Gefängnis nach vierjähriger Haft zurück ins Le­ben entläßt. Er hat damals seine Braut Ida umge­bracht in einem seltsamen Blutrausch, und man hat ihn deshalb nicht für voll verantwortlich angesehen. Er -wirb nun aber auch nach seiner Haftentlassung in seiner

Umgebung nicht ganz voll genommen: denkt er doch, wenn auch in primitiven Gedankengängen, immer wie­der grüblerisch über alles nach, was das Leben ihm bringt. Und es bringt ihm, wenigstens von uns aus gesehen, allerlei Merkwürdiges: diese Welt der Gelegen­heitsarbeiter, der Einbrecher und Zuhälter das ist wohl der nachhaltigste Eindruck des Buches ist uns unverantwortlich fremder als die der Eskimos und der Kaffer». Innerhalb dieser seiner Schicht aber kann Franz Biberkopf gar nichts Außergewöhnliches erleben; denn er gehört zu den im Grunde friedlichen Naturen, die Wert darauf legen, anständige Menschen zu sein. Döblin will ihn als Proletarier mitbürgerlichen In­stinkten". Zwar ist seine Anständigkeit nach unseren Be­griffen nur noch ein schwacher, kümmerlicher Rest der sittlichen Ordnung, die wir für notwendig und richtig halten; läßt ihn allerdings in wirklich entscheidenden Mo­menten das Richtige denken, vor allem aber wollen. Das aber gerade wird ihm zum Schicksal. Er merkt es lange nicht, daß ihn sein bester Kumpan Reinhold mit in allerlei schlimme Händel verstricken will, daß er ihn schließlich betrügt um sein Mädchen Mizzie; und als ihm dies nicht gelingt, bringt er die Zwanzigjährige unter den Kiefern von Freienwalde um, genau so im Blutrausch wie sei­nerzeit seine Ida. Hier erst sängt der eigentliche Roman Biberkopfs an. Denn nun muß er sich entscheiden, ob I er sich dem Schicksal stellt oder vorgreift, oder ob er es

Hier schreibt Berlin", so nennt sich eine neue An­thologie von Aufsätzen, Essays, Gedichten, Reportagen, Bruchstücken aus Dramen, Romanen und Novellen (er­schienen in der internationalen Bibliothek, Berlin). Her- berth Günther, der Herausgeber, will durch sie seinen Glauben dokumentieren, daß dieses Berlin jetzt selbständig schreiben kann; seine Sammlung soll den Beweis er­bringen. Das klingt höchst merkwürdig; denn gerade Berlin kann man schwerlich Demütigkeit nachsagen. Trotz­dem ist es richtig. Es geht mit den Städten wie mit den Menschen. Auch sie müssen erst ein gewisses Alter haben, ehe sie etwas über sich aussagen können. Berlin, dieses seltsame, auf märkischem Flugsand gebaute Rie­sengebilde, ist trotz seiner Millionen-Eiwohnerschaft und seiner Größe eine der jüngsten Städte der Welt. Nicht das geschichtliche Berlin der Brandenburger und Preu­ßen, sondern Berlin, die neue Reichshauptstadt, die Welt­stadt, unser vielgeschmähter Wasserkopf.

Hier schreibt Berlin! Das klingt wie dasAchtung! Achtung!" aus dem Lautsprecher. Es ist aus der Tele­grammsprache genommen und in der Telegrammschrist auf den Umschlag dieses Buches gesetzt. Das teilt sich sachlich mit ,und es läßt damit einfach keinen Zweifel an der Berechtigung zu. Liest man aber dieseLite­rarische Selbstdarstellung Berlins", so verliert sich viel von dem selbstsicheren Eindruck. Diese Stadt ist ein großes Problem. Die dieses Buch geschrieben ha­ben, behaupten, daß Berlinals wesenhafte Realität, als der Gestaltung würdige Tatsache" existiere. Die Durch­führung des Beweises gelingt aber nur scheinbar. Gleich das bisher bedeutendste dichterische Werk über die deutsche Hauptstadt, D ö b l i n sBerlin A l e x a n d e r p l atz" (S. Fischer-Verlag, Berlin 1929), das auch in der Antho­logie herangezogen ist, erweist das. Döblin, Arzt im

dem Kammerdiener von de Gex, bekannt, von dem er vergeblich etwas über Gabriele _ Engledue zu erfahren sucht. Ms er eines Tages in der Kathe­drale Santa Maria bei Fiore weilt, bemerkt er zu seiner größten Ueberraschung eine von einem Herrn begleitete junge Dame, die der totgeglaubten Gabriele Engledue aufs Haar gleicht. Der Beglei­ter ist ein gewisser Arzt, namens Moroni. Um ihn näher kennen zu lernen, begibt sich Garfield in seine Behandlung. Bei einem feiner Besuche hört er im Nebenzimmer eine Unterredung zwischen Moroni und De Gex, dessen Hausarzt ersterer ist. Sie verabreden für den Abend ein Zusammentref­fen im Park der De Gexschen Billa. Garfield ist unbemerkter Zeuge der Aussprache, die ihm wich­tige Aufschlüsse gibt. Einige Minuten später hört er ein geheimnisvolles Gespräch zwischen De Gex und einer Frau Cullerton mit an. De Gex heu­chelt der Dame gegenüber selbstlose Freundschaft. In Wirklichkeit ist er. wie Garfield aus der Unter­haltung des Millionärs mit Moroni entnommen hat, aus irgend welchen Gründen ihr erbitterter Feind, der sie zu vernichten trachtet. Bei einem Besuch enthüllt Garfield Frau Cullerton die Ge­fahr, in der sie schwebt.

Wahrscheinlich vermutet er, daß ich gewisse Dinge weiß", sagte sie dann leise.Jack gegenüber erwies er sich aber zu wiederholten Malen sehr gütig; er war es, der es verhinderte, daß mein Mann auf der Börse als zahlungsunfähig erklärt wurde, deshalb kann ich ihm nur dankbar fein."

Ich sah der hübschen Frau ins Gesicht und sagte: Dankbar? Dankbar einem Manne gegenüber, in dessen Absicht es liegt, Sie, wenn es ihm einfällt, in ein besseres Jenseits zu befördern?"

Sind Sie verrückt?" rief sie aus.Erklären Sie sich näher wieso kommen Sie auf diese furchtbaren An­schuldigungen gegen Herrn De Gex?"

Bitte vergessen Sie nicht, gnädige Frau, daß ich vor allem Ihretwegen hier bin und erst in zweiter Linie meinetwegen. Wir beide, Sie und ich, sind nun als Opfer ausersehen, denn wir besitzen gewisse Kenntnisse, die wenn wir sie veröffentlichen würden, dem Millio­när Schmach und Schande bringen würden. Ihr Ge- mcchl. Sie und ich sind bloß Schachfiguren in dem schlauen Spiel dieses Manne» einem Spiel, bei dem

scheuer Ehrfurcht den vermummten Gestalten näherten, aber zuletzt selbst mit dem schwarzen Mohren Freund­schaft schlossen. So ging man einst überallmit dem Stern", wie es 1621 einmal in einer Kölner Chronik heißt. Auch die Sternsingerlieder waren überall die glei­chen, wie sie uns etwa inDes Knaben Wunderhorn" ausgeschrieben vorliegen. Je mehr die Dolksfrömmigkeit abnahm, um so mehr mußte auch das Sternsingen ent­arten. Doch hüte man sich vor einem Loblied auf die gute" alte Zeit. Bereits 1680 ließ der Rat von Halle einenBrief gegen die landschädigende Sitte" von den Kanzeln verlesen:Das nächtlich Umlaufen mit den Ster­nen und das dabey auf den (Baffen des Abends und des Nachts verübende Singen und Schreyen wird bey Strafe des Gefängnisses gänzlich untersagt, dem Stadtknecht an- befohlen, auf die vorberührten Exzesse genau Achtung zu geben und die Uebertretter ohne Achtung der Person zur gefänglichen Haft zu bringen. Es hat sich ein jeder hir- nach vor Schimpf und Schaden zu hüten".

Ueberall dort dagegen, wo frommer Sinn das Tun und Lassen des Menschen durchzog, waren dergleichen Verbote überflüssig. Denn da wurde das Sternfingen Teil eines umfassenderen Dreikönigsbrauches, der schon am Vorabend damit anfängt, daß man mit geweihter Kreide die Anfangsbuchstaben der drei Magier, verbun­den mit der Jahreszahl, über die Türen auch der Ställe schreibt, Heuer also:19HCsM-fB30". Jrn Anschluß daran geht noch heute z. B. in Sudetendeutschland der Hausvater durch die Räume des Hauses und weiht sie mit Weihwasser. Mit diesemDreikönigswasser", das sieben Jahre hält, besprengt die Bäuerin das Haus, damitta Wätz (Gespenst) net einikimmt". Auch die Feldraine wer­den so segnend ab gegangen, und wenn sich an der als Weihwedel benutzten Aehre Eiszapfen bilden, so bedeutet das eine gute Getreideernte im kommenden Jahr. Das am Dreikönigstag geweihte Salz tut man dem Vieh in

beobachten Sie De Gex, doch sprechen Sie kein Wort darüber."

Das habe ich Ihnen bereits versprochen", bemerkte sie-

Auch Ihrem Gatten dürfen Sie nichts sagen; er ist De Gex verpflichtet und könnte ihm vielleicht berichten, was ich Ihnen gesagt habe. Auch meinen Namen darf De Gex nicht erfahren."

Weshalb?"

Weil er sonst sofort vermuten würde, woher Sie Ihre Kenntnisse haben."

Welchen Zweck verfolgen Sie eigenllich, mit dem Ganzen, Herr Garfield?"

,Hch will Gabriele Engledue ausfindig machen, denn ich bin neugierig, ob sie nicht jene junge Dame ist, di« Sie unter dem Namen Tennison kennen."

Wo trafen Sie mit diesem Fräulein Engledue zu­sammen?" fragte Frau Cullerton, indem sie mich for­schend anblickte.

Ich zögerte einen Augenblick mit der Antwort.

In London im Hause eines gemeinsamen Be­kannten", sagte ich bann.

Sie schien mir nicht recht zu glauben.

Und weshalb suchen Sie die junge Dame jetzt?"

,Zch habe einen bestimmten Zweck hn Auge."

Haben Sie sich vielleicht gar in sie verliebt?" fragte sie lächelnd.

Das nicht", beruhigte ich sie,doch ich habe einen ernsten, privaten Grund, sie zu suchen ich habe einige Fragen an sie zu richten."

Worüber? Nun ist die Reihe zu fragen an mir," setzte sie heiter hinzu.

Heber eine Angelegenheit, die uns beide angeht," gab ich ausweichend zur Antwort.Leider kann ich mich nicht näher erklären. Es liegt ein dunkles Ge- heimnis vor und ich habe die Absicht, es zu entschleiern, und mit Ihrer Hilfe meinem Feinde zu entwischen."

Wer ist Ihr Feind?"

Oswald De Gex ebenso, wie der Ihrige. Wüßten Sie das, was ich im Laufe der letzten Wochen in Er­fahrung gebracht habe, so wären Sie gleichfalls entsetzt. Ich bitte Sie nur nochmals, Ihre Augen offen zu halten

ihm Doktor Moroni hilft und dem wir zum Opfer fallen können, wenn wir nicht auf unserer Hut sind." Meine Worte schienen auf sie Eindruck zu machen, denn sie sagte:

Was sollen wir denn tun?"

Seien Sie offen zu mir", erwiderte ich.Wir sind beide verloren, wenn wir unsere Augen nicht offen hal­ten, in bezug auf den Anschlag, den unser Freund De Gex und Tito Moroni gegen uns planen."

Moroni ist einer der bekanntesten Aerzte von Flo- renz", bemerkte sie.Was soll ich also tun, Herr Gar­field? Für mich ist die Nachricht, daß De Gex mein Feind ist, ein schwerer Schlag und ich muß zugeben, daß ich es kaum glauben kann."

Gerne hätte ich mich ihr ganz anvertraut, und ihr erzählt, was ich seit jener Novembernacht erlebt hatte, doch ich war mir noch nicht im Klaren, welche Haltung sie gegen mich einnahm. Vielleicht könnte sie nach sei­ner Rückkehr zu De Gex gehen und ihm von unserer Unterredung erzählen. In diesem Falle wäre für mich alle Hoffnung geschwunden, das Geheimnis der Ga­briele Engledue zu entschleiern."

Ich erhebe gegen De Gex die Anschuldigung, daß er Ihr Feind ist, Frau Cullerton", erklärte ich.In jener Nacht, als in der Villa Clementini der Ball statt­sand, hatte er bas Mittel in der Tasche, das für Sie ver­hängnisvoll werden kann. Es war eine kleine Glas­kapsel, die ihm Moroni gebracht hatte. Der Arzt hatte ihn aber gewarnt, die Kapsel zu zerbrechen, widrigen- salls er sich selbst gefährden könnte."

Mit offenem Munde starrte sie mich an.

Das kann ich nicht glauben!" rief sie aus.Nie würde De Gex so gegen mich handeln, wir sind doch Freunde alte Freunde."

Das mag fein, doch ich weiß es. Er heuchelt Ihnen gegenüber Freundschaft, doch sein Plan geht dahin, Ihre Lippen zu verschließen er hat irgendwo Angst vor Ihnen."

Sprechen Sie wirklich im Ernste?" fragte sie und sah mir dabei in die Augen.

Gewiß. Ich bin zu Ihnen gekommen, um Sie zu warnen, ich weiß, daß Ihnen ein Unheil droht. Nur bitte ich Sie, diese Nachricht für sich zu behalten

den Trank, wie man an einigen Orten auch von geweih­ten Lorbeeren und Schwefel, um nicht krank zu wer­den. Diese Bräuche haben augenscheinllch nichts mit dem eigentlichen Dreikönigsfest zu tun. Sie sind heidnischen Ursprungs, entstanden aus dem Glauben an die Unhol­den, die in den Zwölften (vom 25. Dezember bis zum 6. Januar) alswilde Jäger" durch die Lust ziehen und die man am Tag der Jahreswende schon mit Lärmen zu verscheuchen und nun noch einmal zu bannen suchte. Nahmen sie doch nun am letzten Tag ihres Schweifens alle Kraft zusammen, um Mensch und Tier zu schädigen. Die Anfangsbuchstaben -fCf-M-fB traten da eben an die Stelle der altheidnischen Zauder-Runen. Ganz un­verkennbar ist der heidnische Ursprung dieser Bräuche in den süddeutschenPerchtenumzügen". Perchta (anderorts auch Holla oder Hulda) ist nämlich die Anführerin des Seelenheeres, das in den Zwölften durch die Lüfte zieht. AmPerchtentag", wie im Salzdurgi- schen das Dreikönigsfest genannt wird, ziehen sonder­bar Vermummte durch die Straßen, statt der Kappen bis drei Meter hohe, meist aus übereinandergebauten Quadraten bestehende Gestelle tragend, wogegen die Pinzgauer sich mit einer Federkrone nach Indianerart schmücken. Mit diesen abschreckenden Verkleidungen werden die Dämonen vertrieben. BeimPercht-Essen" läßt man den größten Teil des aus Brotschnitten be­stehenden Breies für die Gottheit stehen, weshalb schon dieZehn-Gebote" des Niederösterreichers Thomas Ebendorfers dies als Sünde gegen das erste Gebot verurteilten.

Mit demB o h n e n b a 11", angeführt vomBoh- nen-König", der die in den Kuchen gebackene Bohne gefunden hat, enden diemitten Nachten". Nun steigt das Licht wieder an. Deshalb baut man am Dreikönigstag den Weihnachtsbaum wieder ab. Mit Dreikönig endet die Weihnachtszeit.

Drettöntgstag.

Don Dr. P. I. v o n L o n e.

Eine Frage: Woher weiß man, daß es geraded r e i" Könige waren? Die Heilige Schrift und dementsprechend bas Meßbuch wie das Brevier kennen weder Zahl noch such Namen der Magier aus dem Morgenland! Die Ur­christen nahmen sogar zwölf Weise an, in den Katakom­ben treten sie zu vier und sechs auf. In ältester Zeit hatte der 6. Januar noch nicht mal den Namen nach den Helligen.Königen"; noch heute kennt der liturgische Ka­lender nur dasFest der Erscheinung" oder Epiphanie. Und dabei spielen die Weisen nur eine Nebenrolle. Dies Fest ist nämlich in seinem Wesen die Feier der drei wichtigsten Offenbarungen der Gottheit, und zwar bei der laufe im Jordan, beim Wunder zu Sanaa (daher die Wasserweihe in der griechisch-katholischen Kirche am heu­tigen Tag!) und erst an dritter Stelle durch die Anbetung der Magier.

Wie kam es, daß diese nun in den Vordergrund tra­ten? Der Hohenstaufenkaiser Friedrich Rotbart brachte 1164 die Dreikönigs-Reliquie" von Mailand nach Köln. Das Ereignis schuf den Wandel in der Auffassung des Lölkes. Wie wir denn auch erst in der Legende, die kurz vor 1164 entstanden die Übertragung dieser Re­liquien von Konstantinopel nach Mailand schildert, zum erftenmal die drei Namen Kaspar, Melchior und Baltha­sar hören, ohne daß gerade Balthasar der Mohr wäre. Man fand dann in den Dreien entweder die drei Lebens­alter versinnbildet (wie Botticelli auf derAnbetung der hl. drei Könige"), oder die Stände der Reichen (Gold opfernd), der Priester (Weihrauch) und der Armen (Myrrhe).

Die Namen der drei wurden schnell in Deutschland ge­läufig. MsWeitgereiste" wurden sie die Schutzheiligen der Reisenden, weshalb wir sie so häufig auf den herr­lich geschmiedeten altdeutschen Wirtshausschildern finden: Zu den drei Königen",Zur Krone", ,^Zum goldenen Stern",Zum schwarzen Mann",Zum Mohren". Und die bekannten drei Kronen mit dem strahlenden Stern auf den Stollwerk-Erzeugnissen oder das Stadtwappen von Köln sind dieses selben Ursprungs. Kein Wunder auch daß die Volksphantasie die Szene der Anbetung durch die drei Weisen schnell ausbaute; die biblische Schil­derung von dem feierlichen Auszug mit dem Trotz von Dienern und T' n reizte ja geradezu zur dramatischen Darstellung. !öo.. diesen einst pomphaft aufgezogenen Dreikönigsspielen haben wir heute noch spärliche Reste in demSternfingen". Ein alter Hamburger Chronist schildert es uns aus einer Zeit, als es frommer Gesin­nung noch nicht entbehrte: Da war ein Stern zu tragen, so großrnächig, daß seine Strahlen den kleinen Träger vorn ganz bedeckten, während hinten ein Kometenschweif nachhing"; da warendrey Küninge" darzustellen, mit langen Ziegenbärten, schleppenden Mänteln, mit goto- papierenen Kronen, langen Szeptern und Kegelkugeln als Reichsäpfeln . . . Damit zogen diese unheimlichenKö­nige" langsam und bedächtig durch die Gassen, jubelnde Kinderscharen im (Befolge,deren Geschrei; verstummte, wen» vor den Türen angesehener Leute die Könige mit ihrem Sternträger ehrbar ein gar geistlich Lied zu fingen begannen. Dem dann wohl ein weltlich Schelmenlied folgen mochte, arglos mit denselben ernsten Mienen vor- getragen, als roär's ein Bußpsalm". Dann sammelten sie milde Gaben, häufiger noch lud man sie in die Häuser ein, zum Entzücken der Kleinen, die sich anfangs nur in

meistert. Döblin entscheidet nicht klar. Er laßt feinen proletarischen Odysseus in eine abgrundtiefe innere Kri­sis geraten; aber diese Krisis ist eine Nervensache, die zwar um den Verstand, aber nicht um ewiges Gluck ober Unglück geht. Biberkopf, aus der Irrenanstalt Buch entlassen, im Prozeß gegen Reinhold von bewunde­rungswürdiger Güte, wird Portier in einer Fabrik und ucht sich anzulehnen an andere, Gleichbetroffene, Gleich- gesonnene. Döblin glaubt bewiesen zu haben, daß der Mensch in dieser Stadt allein tragischem Untergang ge- weiht ist.

Wir glauben es nicht, denn mir wissen von wahren Wundern menschlicher Entscheidungen auch unter den Eingeengten", wie sie Franz Herwig in seinem ersten Großstadtroman (Kösel u. Pustet, München 1927) nennt und schildert. Eines dieser Wunder wollte er neuerdings schildern in seinemW i 11 i siegt (2Ibotf Bonz u. Co., Stuttgart 1929), der Geschichte eines krüp- pelhasten Proletarierjungen vom Berliner Norden, dep sich trotzdem zur Lebenstüchtigkeit durchzusetzen weiß. Döblin, der die dunkelsten und erklärlichsten Regungen und Schwingungen der Biberkopsschen Seele in all ihren Auswirkungen zu verfolgen sucht und der bestimmt der begabteste und eigenartigste Gestalter solcher Verwick­lungen und Entwicklungen ist, bleibt doch ein Jünger Freuds und psychoanalytischen Methode und Welianschau-' ung.

Herwig, der Katholik, der weiß um den göttlichen Ursprung der Menschenseele, um ihre ewige Unruhe zu- rück zum Schöpfer und um ihr Wachstum im Lichte der Gnade, versucht, wenn auch lange nicht mit so sicheren und wirkungsvollen Gestaltungskräften, gerade in diesem kleinen Roman zu beweisen, daß auch der körperlich be­nachteiligte, seinem Milieu und seiner Erziehung nach völlig behinderte Mensch zum vollen Glied der Gesell­schaft werden kann. Man bedauert gerade wegen der Anlage dieses Themas und feiner Formung in den ersten Kapiteln, daß dieser Willi zum Schluß vom Autor nicht dort angesetzt wird, wo er wirklich Wichtiges leisten könnte. Herwig fehlt diese klare Entscheidung auch in seinem zweiten neuen Roman, der Fortführung derEin­geengten" in der durch die Großstadt gefährdeten bür­gerlichen Welt.Hoffnung auf Licht" (Kösel u. Pustet 1929) schildert den Niedergang einiger Abgeirrter und ihre Berührung mit rechtgläubigen und tätigen Chri- ften. Aber die Problemstellung, so aktuell sie ist, findet nicht die ihr würdige Losung. Herwigs Menschen, auch seine heiligmäßigen (Paul und Pater Bernhard) sind mehr (Betragene als Tragende. Gut und Böse, um deren Auswirkung es in dem Roman geht, sind zu sehr als unkontrollierbare und daher passive Gewalten begriffen, als daß der Roman ein wirkliches Bild ihrer ungeheuer- lichen Auswirkungen gerade in der Großstadt gibt. Da­zu kommen einige Fehlgestaltungen im Schicksal der Hauptpersonen, die nicht ernst genug angelegt und aus­geführt sind und deshalb kolportagehafte Züge tragen. Trotzdem spürt man Seite für Seite, daß auch dieses neue Werk von Herwig gestaltet ist aus einer im letzte» verantwortlichen Gläubigkeit.

Wenn zu diesem Glauben noch das tritt, was gerade in der jungen Generation Berlin so stark ausgeprägt ist, der Blick für die Realitäten, so kann uns gerade dieser Dichter einmal das wirkliche uns wichtige Berlin schil­dern. Vorläufig kann uns ein Werk wie Hans Hein­rich EhrlersFahrt nach Berlin" (Verlagsan­stalt Greiner u. Pfeiffer, Stuttgart 1929) gerade über die Realität und Einmaligkeit des Großstädtischen mehr ja­gen. Ein Provinzmann er nennt sich selbst so schildert seine Erlebnisse und Erfahrungen in einer Folge von Aufsätzen. Ehrler weiß, daß seine Aufzeichnungen vom anderen Pol her geschrieben sind aus der Perspek­tive eines heimatverwurzelten Menschen. Aber er hält sie für bedeutend genug, die Menschen der Großstadt und die der Provinz seine Erlebnisse mitdenken und mit- fühlen zu lassen, weil er das Gesicht und die Entwick­lung dieser Stadt für schicksalhaft hält.

Und sie ist schicksalhaft! Man lese nur einmal Paul Fechters RomanDie Rückkehr zur Natur" (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1929). Hier ist das jüngste Berlin, das der Vorortsiedlungen, in dem Schick­sal eines jungen Ehepaares geschildert, das draußen in der komfortlosen Kleinwohnung ganz anders den Natur­

Hier schreibt Berlin.

Eine neue Anthologie. Döblins großer Roman um den Alexanderplatz. Vie Franz Herwig neuerdings zweimal Verli« fleht. Ein Dichter aus der Provinz. Die Rückkehr zur Kohlt. Zwei Sammlungen um Dr. Sonnenschein.

Don Fritz Immenhaus.

Das Gift.

i> Roman von William Le Queux.

Ale Rechte b. Grete v. Urbanitzktz, Wien. Bearb. v. Dr. Otto Borkchke 81 -------

Inhalt des bisher abgedruckten Romanabschnitte».

Hugh Garfield, ein junger englischer Dip­lomingenieur, hatte eines Aberws in London ein seltsames Erlebnis. Als er sich auf dem Wege zu seinem Onkel befand, wurde er in der Stetton Street plötzlich von einem Diener in Livree ange­sprochen und dringend gebeten, ihn in das nahe­gelegene Haus seines Herrn zu Begleiten, den ein schwerer Kummer bedrücke. Garfield kommt nach einigem Zögern der Bitte nach und wird von dem Diener in ein palaisartiges Haus geführt. Es ert Oswald de Gex, einem bekannten Mil- ir. Der Hausherr, dem der Besuch anscheinend sehr angenehm ist, schüttet in längerer Unterhaltung dem Gast sein Herz aus. Plötzlich ertönt ein Schrei aus dem Nebenzimmer. De Gex stürzt hinaus und überbringt kurz darauf die Nachricht, daß so­eben seine Nichte Gabriele Engleduean Herz­schlag gestorben fei. Er führte Garfield in das Zim­mer, wo ein junges Mädchen leblos auf einem Bette liegt. De Gex überredet Garfield, einen Totenschein über Gabriele zu unterschreiben und bietet ihm eine hohe Geldsumme als Belohnung. Kurz darauf schwinden Garsield die Sinne. Vier Wochen später findet er sich in einem Hospital der französischen Stadt St. Malo wieder. Wie er dorthin kam, ist ihm völlig rätselhaft. Nur ganz langsam und allmählich dämmert die Erinnerung wieder auf. Nach London zurückgekehrt, sucht Garfield das rätselhafte Geschehnis aufzuklären. Als er erfährt, daß de Ger inzwischen nach Florenz abgereift ist, fährt er ebenfalls dorthin und sucht ihn auf. Doch dieser tut so, als ob er Garfield nie im Leben gesehen habe und von einer Nichte Gabriele über­haupt nichts wisse. Die Erzählung des jungen Engländers erklärt er für Hirngespinste einer ver­rückten Phantasie. Garfield verläßt empört das Haus, mietet sich in Florenz ein Zimmer und ist fest entschlossen, das Geheimnis trotz allem zu luf- Sb einer Weinschenke wird et mit Robertson,