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Sonntag, S. Januar 1930.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
FuldaerZertung
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ausgleich, nolds,
Es dar? keine Sanktionen mehr geben.
Worauf es für Deutfchland im Haag besonders ankommt Was der „Utotin“ sagt.
wtb. Neuyork, 4. Januar. (Eig. Meld.) Die amerikanischen Mitglieder des Organisationsausschusses der Bank für internationalen Zahlnngs- "V ’Malvin A. Traylor und G. Rey nolds, sind mit dem Dampfer „Berengaria" nach dem Haag abgereist.
* Preußen und die Evangelischen Kirchen. In evangelischen Kreisen herrscht eine gewisse Beunruhigung über die praktische Weiterverfolgung des Landtagsbeschlufses vom 9. Juli 1929, der im Zusammenbana mit dem Konkordat das Staats»
Die Hauptsache ist, daß im Haag in diesen Kragen, die namentlich das Rheinland aufs äußerste aagehen, völlige Klarheit geschaffen wird. Namentlich der Minister für das besetzte Gebiet, D r. W i r t h, wird es sicherlich als seine besondere Aufgabe betrachten, die deutschen Interessen in dieser Richtung mit Nachdruck wahrzunehmen. Bekanntlich hat sich die Zentrumspartei ihre Stellungnahme zum Youngplan noch durchaus Vorbehalten, bis in allen Einzelheiten feststeht, was wir gegebenenfalls anzunehmen oder abzulehnen im Interesse des deutschen Volkes verpflichtet sind.
Die amerikanische« Sachverständigen nach dem Haag unterwegs.
Die Eröffnungssitzung im Haag.
L Die förmliche Eröffnungssitzung der zweiten
Haager Konferenz begann pünktlich um 5 Uhr in "em Sitzungssaal der Zweiten Kammer der Generalstaaten. Für die Delegierten wareng rün gedeckte Tische im Viereck aufgestellt, in dessen Mitte sTische für die Schriftführer und Hebersetzer standen. Auf der der Präsidententribüne zugewandten Seite nahmen die sechs einladenden Mächte in Wphabetischer Reihefolge, auf der gegenüberliegenden Seite des Vierecks, wiederum unter sich Mphabetisch geordnet, die übrigen Mächte Platz. Dadurch kamen die vier deutschen Minister in der Reihenfolge Schmidt, Moldenhauer Wirth und Artins neben die belgischen Minister Hymans und Dspar, diese wiederum neben die Franzosen Tar-
Mu, Chäron und Loucheur zu sitzen. Es fchlos- W sich Snowden und Graham für Großbritan-
Mosconi, Grandi und Pirelli für Italien und "tatet für Japan an. Unter den übrigen Dele- ßserten fielen als neue Erscheinungen im Haag der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober, der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen und der bulgarische Außenminister Burow auf.
. Amphitheatralisch angeordnet zu beiden Seiten »es Mitteltifches hatten die verschiedenen übrigen ^elegationsmitglieder Platz genommen. Dort hielt W auch der holländische Außenminister Beelaerts "an Blokland als Zuhörer auf. In den Logen "Aand sich das Haager diplomatische Korps, dar- Fnter auch der deutsche Gesandte Graf Zech, auf en beiden Seitengalerien die Presse und die Pho- '"graphen.
wenige Minuten nach 5 Uhr eröffnete Iaspar ’e Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er ^Nächst der Königin und dem holländischen Volke l; die Gastfreundschaft dankte. Dann erklärte er '"zweite Tagung der Konferenz für eröffnet und »evachte in warmen Worten des verstorbenen Au- K ^Ministers D r. S t r e s e m a n n, der seine letzte . ""ft trotz sichtbaren Fortschreitens seiner Erkrän- "ug den Arbeiten der ersten Haager Konferenz, -fe schon jahrelang denen des Friedens gewidmet duue. Iaspar begrüßte dann die anwesenden Mi-
wobei erTardieu wegen seines „Optimismus, imne der sichersten Grundlagen des Erfolges M lobte: er fand Worte des Willkommens für die . »erschienenen deutschen Minister Prof. Molden- MUer und Schmidt und für die zum ersten Male
wtb. Haag, 4. Jan. (Eig. Meldg.). Der holländische Außenminister Bclerts van Blokland veranstaltete gestern abend einen Empfang, an dem neben anderen holländischen Regierungsmitgliedern die führenden Delegationsmttglieder, das diplomatisch Korps und einige geladenen Pressevertreter teilnahmen. Die gesellige Veranstaltung bot Gelegenheit zur persönlichen Fühlungnahme einzelner Delegierter, die mehrere Stunden in anregendem Gespräch verweilten.
Die Einzelberalungen.
wtb. Haag, 4. Ian. (Eig. Meldg.). Heute vormittag um 10 Uhr begannen die Verhandlungen der Sachverständigen der Finanzministerien. Um 10.30 Uhr nahm die Sitzung des 2. Komitees, desjenigen für die nichtdeutschen Reparationen, das unter dem Vors'tz Loucheurs steht, ihren Anfang. Hieran nahmen die Delegationen aller eingeladenen Mächte teil. Rach etwa halbstündiger Dauer schieden die österreichische, ungarische u. bulgarische Delegation aus, während die übrigen, also die Nachfolgestaaten, sowie Polen, Griechenland usw. die Verhandlungen zunächst unter sich fortsetzten.
Die vermutliche Dauer.
lieber die Dauer der Konferenz läßt sich naturgemäß noch nichts Bestimmtes Voraussagen; doch kann ein Anhaltspunkt für die möglichste Längstdauer die Tatsache bilden, daß am 18. d. M. Sir Maurice Hankoy, der Generalsekretär der Konferenz, der auch zum Generalsekretär der Seeabrüstungskonferenz ernannt ist, mit seinem Stabe abreisen muß. Die Höchstdauer der Konferenz kann damit also bis zum 17. d. M. reichend angesehen werden. Der Völkerbundsrat wird notfalls nicht mit den Hauptdelegierten selbst beschickt werden; wenn es der Verlauf der Konferenz zuläßr, werden jedoch sowohl Briand wie Dr. Curtius evtl, für einige Tage zwischendurch nach Genf fahren,
Am Samstag vormittag war die deutsche Delegation von der französischen Delegation zu einem Frühstück eingeladen.
Anwesenden, Bundeskanzler Schober, Graf Bethlen und Burow. Er erwähnte die Schwierigkeiten, die sich während der ersten Konferenz gezeigt hatten und die erfolgreichen Bemühungen zu ihrer Behebung während der Konferenz selbst und in
I wtb. Paris, 4. Januar. (Eig. Meld.) UeBer die Mtellungnahme der ftanzösischen Delegation zur Zanktionsfrage äußert sich der Sonderberichterstat- ter des „Motin" im Haag: Im neuen Repara- tionsplan kann es keine Zwangsmaßnah- nt e n mehr geben. Die Deutschen sind Schuldner int Sinne des gewöhnlichen Rechtes. Wenn sie ■ nicht zahlen, werden gewisse Organe über Deutschlands Zahlungsfähigkeit entscheiden müssen. Ein zweijähriges Moratorium fft vorgesehen und von vornherein^ ist ein Schiedsgerichtsverfahren festgelegt. Aber in einem Punkte hören die Deutschen auf, Schuldner im Sinne des gewöhnlichen Rechtes zu sein, nämlich dann, wenn man sie nicht fassen kann. Man möge sich einmal vorstellen, daß man alle Mittel erschöpft habe und Deutschland dennoch ungeachtet der Furcht vor üner Gefährdung des nationalen Kredits die Politik betreibe, die von den Anhängern H u g e n - ikergs empfohlen wird, und alle Zahlungen kurzer Hand verweigere. In diesem Falle würde die öffentliche Meinung und würden auch die Parlamente in den Gläubigerländern es nicht zulassen, daß man untätig bleibt und auf jede Sanktionsmaßnahme verzichtet Auf die Frage, ob Frankreich in diesem Falle darüber entscheiden werde, ist zu erwidern, obwohl der Wortlaut des Versailler Vertrages in aller Bestimmtheit Sanktionen gestattet, ist daran zu erinnern, daß Frankreich von vornherein das Haager Schiedsgerichtsverfahren angenommen hat. Dementsprechend werde es diesem Gericht den Streitfall unterbreiten — es sei denn, daß man sich auf ein anderes Schiedsgerichtsverfahren einige. Man . kann nicht leugnen, daß die französische Regierung mit der Annahme derartiger Formeln bis an die äußerste Grenze der Konzessionen gegangen ist, und so kann man auch Nicht einen einzigen Augenblick zweifeln, daß die deutschen Minister sich damit zuftieden geben dürften.
Um 5.25 Uhr war diese formelle Sitzung beendet, und es schloß sich nach zehn Minuten Pause die erste nichtöffentliche Sitzung an.
Der erste Eindruck.
Der Verlauf des ersten Tages der zweiten Haager Konferenz wird in Berliner politischen Kreisen recht g ü n st i g beurteilt. Die Aufgabe bestand darin, die Fühlungnahme mit den anderen Delegationen herzustellen und die Konferenz zu installieren. Das ist geschehen. Man hat in Berlin den Eindruck, daß es der deutschen Delegation gelungen ist, diese Fühlung bereits ziemlich stark auszubauen. Organisatorisch liegt das Ergebnis des ersten Tages bei den beiden Komitees. Das Komitee für die deutschen Reparationsfragen hat feine erste Sitzung unter dem Vorsitz von Iaspar auch bereits abgehalten und einen Finanzausschuß der Experten gebildet. In der Sitzung dieses Komitees gab es gleich ein interessantes Intermezzo: Der polnische Delegierte verlangte die Deponierung des deutsch-polnischen Liquidationsabkommens bei der Haager Konferenz, und zwar im Zusammenhang mit dem Poungplan. Die Polen legen Wert darauf, zwilchen dem Liquidationsabkommen und dem Poungplan eine rechtliche Verbindung herzustellen. Reichsaußenminister Dr. Curtius machte den polnischen Vertreter aber darauf aufmerksam, daß das deutsck)- polnische Abkommen kein rechtliches Element des Voungplanes darstellt, sondern daß es seine Rechtskraft in sich selbst trägt. Damit war der polnische Vorschlag abgewehrt. Die Deponierung des Abkommens erfolgt zwar entsprechend den Empfehlungen zum Poungplan int Haag, jedoch ohne Rechtsbindung mit dem Aaungplan. Die Feststellung des Reichsaußenministers ist übrigens nach Ansicht Berliner politischer Kreise auch für die spätere parlamentarische Erledigung des Liquidationsabkommens von Bedeutung. Bei der Einsetzung der Expertenkommission für die Finanzfrage erhob der rumänische Vertreter Titulescu Einspruch dagegen, daß dieser Ausschuß nur van den sechs Einladenden gebildet werden sollte. Er verlangte die Zuziehung auch der kleinen Gläubiger, die ein starkes Interesse an der Mitwirkung hätten. Der Vorsitzende Iaspar hat diesen Einspruch aber damit abgebogen, daß den kleinen Mächten versprochen wurde, man werde ihnen den Bericht des Expertenkomitees zuleiten, bevor er an das Komitee gelangt.
Im ganzen läßt sich nach dem Urteil Berliner politischer Kreise feststellen, daß die Konferenz im Organisatorischen bereits stark vorwärtsgekommen ist, so daß die Verhandlungen jetzt in die sachliche Materie eindringen können.
Ministerium ersuchte, unvex
Päpstliche Auszeichnung für Dr. Saas
cktes mit den
er Länder durch-
, , . rzüglich in Verhandlungen mit der Evangelischen Kirche einzutreten. Der ZentrumssührerDr. Heß erinnert deshalb
trumsidee Gesundheit und Kraft schenken, daß er seiner bedeutsamen Aufgabe noch recht lange mit Erfolg gerecht zu werden vermag.
Die Fmanzrninister lagen.
China und die Mächte.
Frankreich protestiert gegen die Abschaffung der Exterritorialität.
Wie Haoas aus Peking berichtet, hat der französische Gesandte der chinesischen Regierung eine Note überreicht, die eine Antwort auf die chinesische Erklärung betreffend die Abschaffung der Exterritorialität darstellt. Obwohl es wahrscheinlich sei, daß diese chinesische Erklärung nicht in die Tat umgesetzt werde, habe die französische Regierung diese den chinesisch-französischen Verträgen zuwiderlaufende chinesische Geste nicht ohne zu protestieren hmnehmen wollen. In der französischen Note wird die Nankingregierung auf die Beachtung der internationalen Verpflichtungen aufmerksam gemacht.
Zu der Meldung einer Berliner Korrespondenz, daß der Reichsfinanzminister beabsichtige, die Finanzminister der Länder für den 25. Januar zu einer Konferenz nach Berlin einzuladen, erfahren wir von unterrichteter Seite, daß Dr. Molden^ Hauer die Länder bereits zu einer solchen Konferenz ein geladen hat. Das Datum ist aber noch offen geblieben, weil es natürlich von dem Ende der Haager Konferenz abhängt. Der Reichsfinanzminister hat die Absicht, die Probleme der Reichsfinanzreform und des Hausha zuständigen Ressortministern der Li zusprechen.
wtb. Trier, 4. Ian. (Eig. Meld.) Papst Pius XI. hat auf Antrag des Kardinals Pacelli dem Vorsitzenden der Deutschen Zentrumspartei, Prälat Dr. Kaas, die Würde eines Apostolischen Protonotar ad instar participantium (Wirklicher Ehren- protonotar) verliehen. Die Auszeichnung erfolgte wegen der ganz besonderen Verdienste, die sich Dr. Kaas bei den schwierigen Vorarbeiten um das Zustandekommen des preußischen Konkordats erworben hat.
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Das katholische Deutschland, das heute fast geschlossen hinter dem opfermütigen und weitblickenden Führer der Deutschen Zentrumspartei steht, wird über diese Nachricht aufrichtige Freude empfinden und Dr. Kaas von Herzen beglückwünschen. Möge Gott dem treuen Bannerträger der Zen-
Feuersbrünste in Amerika.
Das Kapitol in Washington in Stammen.
Am Freitagabend um 7 Uhr bemerkte man in Washington Feuer im Kapitol. Der Brand war im Archivzimmer des Repräsentantenhauses entstanden. Auf die Groß- feuermeldüng hin eilte sofort die gesamte Feuerwehr durch die Pennsylvania-Avenue zur Brandstelle. Flammen und Rauch, die vom Kapitol aufftiegen, konnte man fast eine Meile weit sehen. Augenscheinlich hatte das Feuer bereits seit einigen Stunden geglimmt. Zuerst war es schwierig, an den Brandherd heranzukommen, da die Bürotüren geschlossen waren. Bald nach der Entdeckung des Feuers schossen die Flammen 20 Fuß hoch über die Kapitolkuppel in die Höhe. Es wird befürchtet, daß viele historische Andenken zerstört sind. Um 7,35 Uhr abends schien der Brand auf seinen Herd beschränkt zu sein, doch sind die Löscharbeiten noch nicht abgeschlossen.
wtb. Neuyork, 4. Januar. (Eig. Meld.) Im Erdgeschoß des Hotels Marguery, eines der elegantesten Fremdenheime Neuyorks, wurden durch Kurzschluß zwei Explosionen veranlaßt. Rauch und Flammen drangen durch die Ventilationsund Aufzugsschächte in die oberen Geschosse des elfftöckigen Gebäudes, das infolge des Kurzschlusses völlig ohne Licht war. Unter den vielen hundert Bewohnern des Fremdenheims, die dasselbe spät nachts auf Veranlassung der Feuerwehr räumen mußten, herrschte große Aufregung. Eine Frau erlitt einen Herzschlag. Ein Ingenieur wurde in einem Personenaufzug e r st i ck t aufgefunden. Die Feuerwehr vermutet noch weitere Opfer.
in der „Kölnischen Volkszeitung" daran, daß der preußische Ministerpräsident Otto Braun bei der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes zu dem Vertrage mit dem Heiligen Stuhl wörtlich erklärte, daß die Staatsregierung einmütig auf dem Boden dieses Antrages in allen seinen Einzelheiten stehe. Im Munde eines Staatsmannes vom Format Otto Brauns habe diese Erklärung eine besondere Bedeutung. Jedenfalls lege das Zentrum im Interesse des konfessionellen Friedens auf einen baldigen, die Evangelischen Kirchen z u f r i e - den st eilenden Abschluß der Verhandlungen größten Wert, und würde je nach dem auch zu positiver Förderung dieses Friedenswerkes bereit sein. _____________________________
als die voraufgegangene Regierung die Ernennug Weygands zum Generalstabschef durchaus abge- lehnt hatte. Die Rückkehr Leon Daudets und die Ernennung Weygands zum Generalstabschef an ein und demselben Tage bedeutet ein Programm. Welch schöne Einleitrma zur Londoner und Haager Konferenz.
* Die Neugliederung der Reichsmarine. Dir „Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht eine Mit- teilung des Reichswehrministeriums, in der es heißt: Mit dem 1. Januar 1930 ist der Vizeadmiral Aldskop, Flottenchef, zugleich Führer der Linienschiffsdivision, von der Stellung als Führer der Linienschiffsdivison enthoben, der Vizeadmiral Franz, Befehlshaber der Seestreitkräfte der Nordsee, zugleich zweiter Admiral der Linienschiffsl- division, zum Befehlshaber der Linienschiffe, und der Kontreadmiral Gladisch, Befehlshaber der Seestreitkräfte der Ostsee, zugleich des Verbandes der Aufklärungsstreitkräfte, zum Befehlshaber der Aufllärungsstreitkräfte ernannt worden.
♦ Antifaschistisches Komplott in Frankreich. Aus Paris wird gemeldet: Der Untersuchungsrichter, der die antifaschistischen Komplottvorbereitungen aus französischem Boden überwacht, die vor vier Tagen die Verhaftung von drei Italienern erforderlich gemacht haben, bei denen Sprengstoffmaterial vorgefunden wurde, hat nunmehr m verschiedenen Provinzstädten Nachforschungen und Haussuchungen anstellen lassen, namentlich an der Riviera und längs der ftanzösischen Alpengrenze bei Personen, die mit den verhafteten drei Italienern Beziehungen unterhalten haben. Haussuchungen in Marseille und in Draguignan verliefen jedoch ergebnislos
* Die Frage des künftigen Regimes in Spanien. Wie Havas aus Madrid meldet, kündigt man an, daß das Pressebüro die Zeitung „Information" ermächtigen werde, die öffentliche Meinung darüber zu befragen, welchen Politiker sie für die Heber» nähme der Regierung nach Beendigung des gegenwärtigen Diktaturregimes für am geeignetsten halte. Die Zeitung „Nacion" will berichten können, daß Primo de Rivera in sechs Monaten zurück- zutreien gedenke, vorausgesetzt, daß bis dahin das vorgesehene Programm durchgeführt ist.
* Kanadas Einreiseerlaubnis für schwedisch- russische Flüchtlinge. Von kanadischer Seite ist jetzt erlaubt worden, daß 62 Familien der schwedisch-russischen Flüchtlinge, die im Sommer 1929 von der Ukraine auswanderten und seitdem in Schweden wohnen, nach Kanada übersiedeln dürfen. Gleichzeitig sind von kanadischer Seite 150 000 Dollars zur Verfügung gestellt, die als Anleihe für die Reise und die Niederlassung in Kanada dienen sollen.
Eine wichtige Ernennung.
General Weygand wurde als Nachfolger des zurückgetretenen Generals Debeney zum neuen Chef des französischen Generalstabs ernannt
Zur Ernennung des Generals Weygand zum Generalstabschef des französischen Heeres schreibt „Eve Nouvelle":
Diese Ernennung war unter den gegenwärtigen militärischen Bedingungen nicht geboten; noch viel weniger, wenn man Wert daraus legte, den wesentlichen Grundsatz der nationalen und demokratischen Ordnung zu respektieren: Keine Politik im Heere. Weygaud aber hat seit sieben Monaten politisch Stellung genommen. Besonders hat er den Vorsatz auf Tagungen der Frontkämpfervereinigungen geführt. Er ist als erklärter Gegner der feit 1924 in Frankreich betriebenen Aussöh- nungspolitik bekannt. Wir fürchten, daß eine fo unvorhergesehene Wahl auf Erwägungen politischer Art zurückzuführen ist. Es ist unbestreitbar, daß eine derartige Ernennung nicht denjenigen Vertrauen einflößen kann, die der Ansicht sind, daß nicht auf der einen Seite die Republik auf der anderen Seite das Heer steht, sondern daß das Heer der Republik zum Schutze des nationalen Bodens und der Verfassung da ist. Das Ereignis beweist auf jeden Fall, wie ernst für eine Demokratie die Tatsache ist, daß ihre Beauftragten die Staatszügel nicht mehr fest in Händen halten.
Der radikale „Soir" polemisiert außerordentlich scharf gegen die im Ministerrat erfolgte (Ernennung des GeneralsWeygand zum Generalstabs- chef. Das Blatt schreibt:
Die Reaktion, deren Mann General Weygand ist, trägt einen um fo bezeichnenden Erfolg davon.