NILS
Zum Aesk der hl. drei Könige
Der liturgische Kern des Festes, dos wir am 6.1 Januar feiern, ist durch die Volksphantasie ebenso geschmückt wie verdunkelt worden. Nichts erklärt sich einfacher als das. Drei Könige, die einem Stern durch die Wüste folgen, die Karawane, in der sie ausziehen, ihre Erlebnisse in Jerusalem des Herodes, ihre geheimnisvolle Her- • kunft sowohl wie die Wanderung ihrer Reliquien selbst, bis sie endlich im .heiligen Köln ihre letzte . und herrliche Ruhestätte finden, das alles bewegt ja die Phantasie und ladet förmlich ein am Sagen- ' werk der Legend» immer weiter zu spinnen. Die - Kirche stellt einen größeren, einen umfassenderen Festgegenstand in die Mitte ihrer Feier. Es ist der Gedanke der Erscheinung des Herrn. Den Magiern ist er erschienen, aber auch Johannes bei der Taufe im Jordan und endlich auch auf der hoch- i zeit zu Kana. Das eine wie das andere kehrt wieder in der Liturgie des Tages, und dreifach also enthüllt sich das gewaltige Ereignis, daß G o tt selber untek uns Menschen erschienen s ist.
Um dieses Gedankens Tiefe und Gröhe zu erfassen, muß man sich vergegenwärtigen, wie sehr die Menschheit alle Zeit Gott gesucht hat. Wir haben ja in der Natur immer nur sein Bild, feinen Schatten, das Rätsel von ihm. So sehr^uns die innerste Sehnsucht zu ihm selber drängt, so suchen wir doch vergeblich sein Antlitz. Wenn seine Sonne auch noch so strahlend über den blauen Himmel zieht, es ist doch nicht er selber. Wenn seine Berge sich mit schimmernden Firnen schmuk- ken, wenn seine Meere endlos rauschen, es ist doch nicht sein Scheitel und feine Stimme. Nach ihm aber fragen wir in all unserer Arbeit, die ihren geheimen Antrieb nimmt aus einer unstillbaren Sehnsucht nach dem Unendlichen. Nach ihm schauen mir besonders aus, wenn schwere Schicksale aus uns lasten. W o i st G o t t? Unter den Donnerschlägen des Weltkrieges, im katastrophalen Niedergang von Völkern, in grauenhafter Armut und Not, in der unabwendbaren Tragik, die sich düster auf den Menschen senkt, horchen wir hinaus in das Universum, und es schweigt. Gott schweigt, ob
derung nach einer evangelischen Politik steckt heute weniger der Wunsch nach Programmen, in denen evangelische Interessen stärker vertreten sind, als der Ruf nach Männern, die aus einer evang«. lischen Grundhaltung heraus Politik treiben, und die das Vertrauen ihrer Wähler genießen, daß der Sinn ihrer Politik Dienst am Ganzen ift und daß die Kraft ihrer Politik aus dem Glauben stammt. Not tun uns heute Politiker, die evangelisch sind in der ganzen Art und Haltung, wie sie die Fragen und Aufgaben der Politik anfassen, evangelisch sind nicht nur im Sinn einer Interessenvertretung, sondern im Srnn des tiefsten Bestimmtseins durch das Evangeliums (Deutsche Tagesz. 516, 31. Oktober.)
In der Nummer vom Wahltag des „Evang. Berlin" schrieb Gen.-Superintendent D. Dr.Dibe- lius: „Evangelische Christen müssen sich dafür em- setzen, daß evangelischer Glaube in unserem gesamten öffentlichen Leben zur Geltung kommt."
Auch Hilgenberg hat es in der Wahlperiode sur gut befunden, eine christliche Politik zu verlangen, von einer Abwehrfront des Christentums zu sprechen, zu verlangen, daß es gerade Aufgabe der kirchlicken Kreise in der Partei sei, die einigende Idee zu finden, von der Kirche zu verlangen,, daß sie eine ecclesia militans werde.
Eigentümlich ist, daß man diese Wahltätigkeit der evangelischen Ausschüsse ausgerechnet „Evangelische Aktion" nennt. Die Entlehnung des Namens von der Katholischen Aktion liegt auf der Hand. Nur ist dabei übersehen, daß big Behandlung politischer Fragen, wie es eine Kommunalmahl doch ist, ausdrücklich von der katholischen Aktion als solcher ausgeschlossen ist.
Wie wird sich diese Evangelische Aktion und evangelische Aktivität dem Katholizismus gegenüber auswirken?
Soweit sie eine kräftigere Vertretung von Interessen auf dem Gebiete der Schule jmb der Wohlfahrtspflege ist, kann sie dort, wo evangelische und katholische Belange in gleicher Weife von sozialistischen und kommunistischen Mehrheiten bedroht sind, auch der kathoMchen Schule und den
verein" das neunte Schuljahr abzulehnen. Das neunte Schuljahr diene wirklich wenig dem Wohl des Volkes. Seine Forderung sei ein Ausfluß der Verschulung Deutschlands. Die Schule und überhaupt der Staat maße sitz immer mehr das an, was der natürlichen Gesellschaft, in erster Linie der Fa m i l i e zustehe. Die Kraft der Familie, namentlich der Kinderreichtum litten durch eine Erweiterung der Schule, der höheren Schule wie der Volksschule. Das neunte Schuljahr sei auch dann abzulehnen, wenn es beruflich orientiert werde. Die Berufsvorbildung dürfe grundsätzlich icht eine Angelegenheit der Schulen werden. In der sehr lebhaften Aussprache fand die Haltung des Referenten grundsätzliche Anerkennung. Was unserem Volke notwendig wäre, sei eine ethische erziehliche Vertiefung der Lehrerarbeit. Wenn es gelinge, die Berufsgesinnung im Lehrerstande fo zu fördern, daß jeder Lehrer es sich zur Gewissenspflicht mache, auch über die Schule hinaus ein sorgendes Herz für seine Schüler zu bewahren, sei unserem Volke ein Dienst erwiesen, wie er durch alle, noch so gut gemeinten Erweiterungspläne für die Machtbefugnisse von Schule und Staat nicht aufgebracht werden kann.
Das Referat des Nachmittags über Freizeit und Familie hielt Lehrer David Gathen von der Jugendzentrale Düsseldorf. Er bedauerte, daß die Freizeitbestrebungen in den Augen der Katholiken getrübt würden, weil man immer an dt« „rote Kinderrepublik" denke. Wir könnten vieles von der sozialistischen Kinderfreundeben.egung lernen, obwohl wir selbstverständlich an der grundsätzlichen Bedeutung des Vorranges der Familie festhalten müßten. Aber da, wo in Großstadt und Industrie die Familie total zerrüttet, ja lchier unmöglich geworden fei, müsse etwas geschehen. In der Aussprache stellte man fest, daß die zu große Betriebsamkeit auch auf katholischer Seite eine Ge- lahr für das Familienleben sei, und daß andererseits da, wo bei den Eltern ein Wille der Familienpflege vorhanden sei, auch ein Weg gefunden werde. Einig war man sich darin, daß die sächsischen und Berliner Bestrebungen auf Einführung von mehrmonatlichen Sommerferien unter gleichzeitiger entsprechender Kürzung der übrigen Ferien nicht dem Geiste christlicher Familienverbundenheit der Schule entspreche. c
Die Tagungen des Sozialpädagogifchen Ausschusses pflegen nie Beschlüsse zu fassen, da sie in keiner Weise ein Parlament sein wollen; aber jeder Teilnehmer scheidet im Bewußtsein, eine bedeutende Klärung in grundlegenden Fragen der Volkspädagogik erfahren zu haben.
Eine fozialMagoMe Tagung.
Soll die Volksschulzeil um ein oder zwei Jahre verlängerl werden? — Freizeit und Familie.
Der Sozial-Pädagogische Ausschuß des Katholisch en Lehr erver b and es des Deutschen Reiches, dessen Bestrebungen bekanntlich seit drei Jahren in den Monatsbeften : „Lehrer und Volk" einen besonderen Ausdruck bekommen haben, rief seine Mitglieder und Freunde zu einer Tagung am 21. Dez. nach M. - E l a d b ach zusammen. Er war u. a. auch der Verbandsvor- sißende, Rektor Weber. Bochum, erschienen.
Am Vormittage sprach Hauptlehrer I. M. G i e- sen, Reuß, über die Frage, ob die Volksschulzeit i um ein neuntes Schuljahr verlängert werden ioll. Seit Jahren steht diele Frage im Mittelpunkt f pädagogischen Interesses und findet vielfach entschiedene Bejahung. Hat doch z. B. der „Deutsche Lehrerverein" auf seiner vorjährigen Tagung mit Entschiedenheit das allgemein verpflichtende neunte Volksschuljahr gefordert. Referent nahm eine sehr kritische Haltung dazu ein. Er lehnte es ab, als Volksschulpädagoge die Frage pro domo zu behandeln. Wenn das Volkswohl es fordere, so müsse die katholische Lehrerschaft auch den uneigennützigen Mut haben, entgegen dem „Deutschen Lehrer-
katholiischen karitativen Anstalten zu Gute kommen. Anderswo können aber auch Konftk.kte entstehen oder verschärft werden. Noch mehr aber kann man eine Verschärfung der Gegensätze befürchten, insofern mit einer grundsätzlich evangelischen Politik Ernst gemacht würde. Auch der WahKampf hat sich nicht ohne solche Mißtöne konfessioneNen Streites abgewickelt. In Frankfurt a. O. richtete sich eine Zeitungsanzeige des EvangeSischen Bundes an die Evangelischen Wähler und Wählerinnen, in der es heißt: „Hinter dem Block der Mitte steht das katholische Zen- trum. Das katholische Zentrum ist der geschworene Feind der evangelischen Kirche. Wer den Block der Mitte wählt, übt Verrat an den evangelischen Interessen." Ebensowenig zeugt es von konfessioneller Friedfertigkeit, wenn in einem Flugblatt des Evangelischen Ausschusses für Kommunal- wahl^rn unter den Parteien, die gegen die Frrii- denker kämpfen, ausgerechnet das Zentrum fehlt. Der Auftuf von Frankfurt a. O. erhielt übrigens eine kräftige Abfuhr durch den evangelischen Landtagsabgeordneten Riedel, der dem Ev.Bund vorhälft daß die evangelischen Kirchenverträge ohn« die Hilfe des Zentrums nicht durchzubringen sind- Noch interessanter aber ist die Feststellung, daß die Deutschnationalen im Provinziallandtag mit dem Zentrum eine Fraktion gebildet haben; ebero- so hatten die DN für die Kommunalwahlen Verhandlungen mit dem Zentrum geführt zur Bildung eines Rechtsblocks. Jedoch das sind Er,chei- nungen, die für uns nichts Neues bieten. Darum dürfen wir dieser Evangelischen Aktion und evangelischen Aktivität ohne allzugroße Besorgnis gegen- überstehen. Würde sie aber unter den Evangelischen eine ernstere Besinnung auf das Evangelium Christi Hervorrufen, so wäre das ein Gewinn. Wirkämen einander wieder näher. Selbst wenn dieses Näherkommen zunächst eine Verschärfung der Reibungen Hervorrufen würde, wäre mehr Gemeinsames vorhanden, auf *®tunb dessen bas Wiederfinden i« her religiösen Einheit zu erhoffen wäre.
wohl wir meinen, er müsse reden, wo die Unschuld leidet, wo fein Name gelästert wird, wo die Ungerechtigkeit herrscht. Wie haben Menschen schon Gott gesucht, wie haben sie um ihn geklagt, wie haben sie nach ihm geweint, wie waren sie verzweifelt, weil er nicht erschien. Darum unfer Jubel nun, daß er erschienen ift. Daß der Herr selber in seine Schöpfung kam. Daß er zu uns gesprochen hat die Worte des ewigen Lebens. Daß er die Kirche gegründet, in der fein Wort und feine Wahrheit und feine Liebe ist.
Merkwürdg, daß dennoch die Menschen ihn nicht finden. Merkwürdig, daß ein ganzes Zeitalter von ihm wegzugehen scheint. Merkwürdig, daß nicht wenigstens die Not zu ihm hin- treibt, die letzte Not der Seelen. Ein Geheimnis liegt hier verborgen, das Geheimnis vom tiefften, vom tragischen Irren des modernen Menschen. Wir leben in einem Zeitalter, das die Religion wider die Kirche stellt und „Gott" sozusagen zur Kulisse Gottes macht. Erklären wir es deutlicher. Gerade zur Weihnachtszeit konnte man, besonders in der sozialistischen Presse, Ausführungen lesen, die von einem wahren und echten Gottsuchertum zu sprechen schienen. Wieder einmal wurde der Christenheit gesagt, daß sie zwar herrliche Ideale habe, daß sie aber außerstande sei, diese Ideale zu verwirklichen. Schaut man genauer zu, welche Ideale gemeint find, so verflüchtigt sich der Gott, den man angeblich sucht, in eine ganz gewöhnliche irdische Glückseligkeit. Es gibt noch Krieg, es gibt noch Wucherer, es gibt noch schlechte Wohnungen, es gibt noch Not und Tod, was sollen wir mit einem Christentum, das alle diese Dinge in so viel hundert Jahren, die es unter uns ist, nicht ab- gefchafft hat? Aber es haben doch die Drei Könige nicht eine gute Wohnung gesucht, nicht reichlich Essen und Trinken, nicht bessere Kleidung und was dergleichen mehr ist, sondern sie haben Gott gesucht, Erlösung, Gnade. Ja, wenn das Christentum das nicht mehr schenken könnte, dann hätte es versagt.
Eine dämonische Demagogie ist hier am Werke. So weit ist man von großen Gott suchenden Kulturen entfernt, daß man nicht einmal mehr den Kern ihrer Sehnsucht versteht. So dunkel ist die Nacht geworden, daß man überhaupt nicht mehr ausfchaut nach den ewiaen Sternen. Traaisch ist das. denn der moderne Mensch deutet sich 'selber falsch und deutet dadurch fein Bestes hinweg. Er tut das infolge eines Irrtums, der in der chronischen Horizontbegrenzung des verweltlichten Zeitalters eine überperfönlidje Ursache hat. Es ist ja garnicht wahr, daß er nur an schlechten Wohnungen und rückläufigen Konjunkturen leidet. Aber dieses Leiden ist groß genug, ihn sein wahres Leben vergessen zu lassen. Denn das ist ja der Grund des maßlosen Leidens an der irdischen Existenz, daß man von der überirdischen nichts mehr weiß. Nicht der Arme ist unglücklich, sondern jener, der mit der Armut nichts an zu fangen weiß. Wie hätte sonst St. Franziskus in feiner nackten Armut fo überglücklich fein können?
Nicht das ist das Große der Erscheinung des Herrn, was ihr gefolgt ift an irdischen Werten, die wahrlich nach 'dem Ausweis der Kulturgeschichte unvergleichlich groß warerk, sondern das, was sie selber ist, die Erlösungsmöglichkeit, die Gnade, die innere Befriedung der Seelen, das Unterpfand der Unsterblichkeit. Das alles ist uns in ihm erschienen, so daß wir nichts mehr brauchen, wenn wir nur ihn haben. Hier liegt auch die Eigenart der Erscheinung des Herrn in der Kircke. Den Frieden mit Gott soll sie uns geben, Antriebe aus einer höheren Welt. Ovfergeift aus einer göttlichen Liebe, Gnade, Erfüllung, Freude, ewiges Leben. Immer ist das Christen tum eit- leg: Schwarmgeisterei fern geblieben. Gerade vor dem hat es sich gehütet, was eine verlogene Polemik ihm vorwirft. Oder hat sie nickst
Die Evangelischen und die Wahlen.
Von Dr. Gottfried Brunner.
(Schluß.)
Die Forderungen zur Kommunalpolitik (für Berlin ausführlich mitgeteilt in Nr. 31 des „Evang. Berlin") haben vor allem die Abwehr der sozialdemokratischen Bestrebungen zum Schaden der evangelischen Schule und der evangelischen Wohlfahrtseinrichtungen aller Art zum 'Gegenstand. Was die Schule betrifft, so ist grade die evangelische Schule in Berlin die Leidtragende bei der Bevorzugung der weltlichen Schule. Da die Abmeldungen vom Religionsunterricht und der Ruf nach der weltlichen Schule hauptsächlich aus Kreisen kamen, die von Haus aus evangelisch waren, so ist es nicht zu verwundern, wenn Gebäude evangelischer Schulen zur Unterbringung der Sammelklasserft (das ist ein Euphemismus für die weltlichen Schulen, die ja noch keine gesetzliche Daseinsberechtigung haben, benützt wurden. Dann wies man daraus hin, daß man eben für diese weltlichen Schulen kostspielige Bauten mit ebenso kostspieliger Einrichtung errichte, während in den evangelischen Schulen, die natürlich zum Teil alten Datums sind, > die nötigsten hygienischen und sonstigen Neuerungen unterlassen würden, zum Schaden der Kinder und Lehrpersonen. In der Beziehung leiden auch katholische Schulen Berlins an der geringen Vorsorge der Stadtväter.
Wo möglich noch lauter waren die Klagen über die Benachteiligung der evangelischen Wohlfahrtspflege. Diese Klagen sind übrigens auch seitens der katholischen Wohlsahrts- bfiege erhoben worden. Nur hat die katholische Karitas im Karitasverein ein Organ, das zentral die Interessen der katholischen Anstalten dertritt, und so auch bei den roten und knallroten Herren im Rathaus und den Rathäusern Eroßberlins manches erreicht, übrigens wenig genug, was bei einer fehlenden zentralen Vertre- , tuna nickt zu schaffen ist. So wurde im „Evana.
dauernd den Frommen gesagt, daß ihre Frömmig- feit nur Selbstzucht sei und ihre Moral eine nach dem Himmel schielende Lohnmoral? Wie sonderbar dieser Borwurf bei Leuten, die nun des ganzen Christentmnes Wert und Kraft nach feinen irdischen sozialen Erfolgen bemessen? Nein, da find wir ehrlicher als jede Form des Sozialismus und Kommunismus, des Liberalismus und aller jener Systeme, die ihren letzten Trumpf in der Bejahung des Lebens ausfpielen. Dieses Leben nennen wir mit den Namen, die es verdient, weil wir ehrlich find. Wir nennen es einen Kriegsdienst, eine harte Schule, eine Stätte der Verbannung, ein Tal der Tränen. Und das ist recht, solange es den Lebensdejahern nicht gelungen ist, eine Stadt zu bauen, der das Spital oder der Friedhof fehlte, oder einen Staat zu gründen, in dem es keine Verbrecher mehr gäbe. Aber fo leuchtend ist uns die Erscheinung des Herrn und feiner Glorie, daß wir dieses Leben tragen können, daß wir Güter gering einschätzen gegenüber den ewigen, daß wir es aus der Kraft heraus, die es verneinen kann, bejahen. Das ist das Ja des Menschen, der an den Dingen gestorben ist, um in Christus neu zu leben. Das ist der Sinn der Kirche und das ist der Sinn ihrer Stellung zur Kultur.
Erfckeinung des Herrn! Er ist unter uns. Ge- nau so, wie er sich den Magiern gezeigt hat, wie dem Täufer, wie der Hochzeitsgesellschaft zu Kana. Von den Lichtern einer höheren Welt umstrahlt leuchten die Zinnen seiner K i r ch e, in der er fort« lebt. Wir haben ihn im erlösten Herzen, wir haben ihn im Tabernakel, in der Wandlung, in der hl. Kommunion. Heber die Natur hin breitet sich sein Antlitz, wo er selber durch ihre Fluren wandert. Auf dieser traurigen Erde steht sein Zelt. Das ist unsere Erlölungsbotschaft, und das verkünden unsere Glocken heute von allen Türmen. Es ist das Geheimnis der Himmel, von dem wir übrigens wissen, daß es auch die Erde schön macht, soweit sie immer der Verklärung fähig ift. Irdische Paradiese versprechen wir nicht, aber zum himmlischen führend gründen wir sie aus dem Heberfluß der Gnade. Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten.
katholische Ausgaben.
Aus Anlaß der Neujahrsgratulation des Dom. kapitels und des Diözesanklerus hielt Kardinal Fürsterzbischof Dr. Adolf Bertram eine Ansprache, die mir im Wortlaut folgen lassen.
Das Bild des verflossenen Jahres läßt manche erfreuliche Ereignisse wie Lichtpunkte erkennen. Der Friedensschluß zwischen dem Hl., Stuhle und dem Italienischen Staate darf auch hier im fernen Osten Deutschlands als eine der erfreulichsten Wendungen in der neuesten Geschichte der Kirche bezeichnet werden. Er ist von feiten des Päpstlichen Stuhles unter hochherzigem Verzicht erfolgt; aber gerade darum leuchtet um so heller die Absicht hervor, die zum Abschlüsse der L a t e- ranv er tr ä ge bestimmt hat: nicht politische Macht ist erstrebt, sondern vollste Freiheit für diejenige Autorität, die die heiligste aller Aufgaben zu erfüllen hat und die auf immer der Felsen der christlichen Kultur sein wird. Di« Inschrift der 1929 geprägten Papst-Medaille „Pax Christ! Jtaliae reddita" markiert ein Ereignis, dessen Wellen den ganzen katholischen Erdkreis berühren. Daß dieser Friede in Italien nun wirk- lieh Gestalt und Leben gewinne, hängt ab von ehrlicher Ausführung des mit Italien geschlossenen Konkordates.
'Das zweite freudige Ereignis, das zum Danke gegen Gott verpflichtet, ist die Gestaltung des für Preußen abgeschlossenen Konkordats. Auch an dieser Stelle sei herzlich Dank gesagt dem weitblickenden, unermüdlichen Nuntius Kardinal Pacelli, der in stets herzlichem Einvernehmen mit dem Episkopate die mühevollen Verhandlungen zum Abschluß gebracht hat, sowie allen denen, die, sei es aus kirchlichem Interesse,
zest des allerheiügslen Namens Zesu.
Eingangssied: Phil. 2, 10—11.
Im Namen Jesu soll jedes Knie sich beugen, herer, die int Himmel, auf der Erde und unter der gröe sind; und jede Zunge soll bekennen, daß der f-err Jesus Christus thront in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. (Ps. 8, 2.) Her, du unser Herr, line wunderbar zeigt sich dein Name auf der gan= aen Erde!
Lesung: Apg. 4, 8—12.
In jenen Tagen sprach Petrus, vom Heiligen Geiste erfüllt, zu ihnen: Ihr Vorsteher des Volkes und ihr Aeltest«, hört: Da wir heute zur Rechen- jrhast gezogen werden wegen der Wohltat an einem fronten Menschen und sagen sollen, durch wen er aebeilt roirebe, so sei euch allen und dem ganzen Volke Israel kund: durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus von Nazareth, den ihr gekreuzigt, den aber Gott von den Toten auferweckt hat, durch ihn steht jener gesund vor euch. Das jsi der Stein, den ihr Bauleute verworfen habt; er ist zum Eckstein geworden. In ihm allein ist heil; denn es ist fein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir selig werden könnten.
Berlin", Nr. 44, 20. Oft., in der vom Landesi- jugenbamt der Stadt Berlin aufgestellten Liste der zu belegenden Heime bei Verschickung von Kindern beanstandet, daß alle evangelischen Heime ausgelassen und nur städtische und private und einige katholische Heime berücksichtigt wurden. Man wies darauf hin, daß die Einrichtungen der freien Liebestätigkeit im allgemeinen billiger arbeiten als die öffentlichen; trotzdem lasse man die sonst immer so geforderte Sparsamkeit außer Acht, wennesgelte, die konfessionellen Einrichtungen zu schädigen und sozialistischen Tcnd enzen mit Steuermitteln vorwärts zu helfen. Die kommunalen Anstalten erhalten offene und verdeckte Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln, weil sie mit den Pflegesätzen der Versicherungsträger nicht auskommen; die konfessionellen können sehen, wo sie die Fehl« betrüge herbekommen. Besonders wurde auch die Behinderung der Seelsorge in den K r a n k e n a n st a l t e n und das Verbot religiöser Hebungen seitens der Schwestern herangezogen, um zu zeigen, wie notwendig eine Vertretung evangs- lischer Belange in den Kommunen ist. In der Beziehung hätte man aber auf die Aktion der Berliner Katholiken i. I. 1928 gegen Vorfälle un Neuköllner Krankenhaus Hinweisen können, die beweist, daß es auch noch andere Mittel gioft der Seelsorge in den kommunalen Anstalten ihr Recht zu verschaffen. ...
Das sind evangelische Belange, die ms Feld geführt wurden, um die Notwendigkeit emer evangelischen Gemeindepolitik zu erweisen. Darüber hinaus sind auch Stimmen laut geworden, die eine grundsätzlich evangelische beZW. christliche Politik fordern. So heißt es im „Evangelischen Berlin" Nr. 46 bezüglich der Ankündigung der Wahlen, es müssen Männer und Frauen in die städtischen Parlamente ernziehen, „die ihren Dienst für das Ganze im christlichen Geiste tun". Pfr. Weber, Freiburg i. Br., hat auf der Tagung des Ev. Reichsausjchusses der DNVP ex professp über die Möglichkeir einer evangelischen Politik gesprochen. „Hinter der For-
Hu.