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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: Heilung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Mittwoch, 1. Januar 1930.
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
57. Z-hrg.;
Empfange beim Reichspräsidenten
Sie Außenpolitik beim Jahreswechsel
k Jeiegierten der
ein politischer Monat
Ianuar 1930
dieFlottenabrüflungskonferenz, im Haag
Oben links: Der St der Tagungsort der
groß und noch manche Wü> den find. Den Auftakt zu Abmachungen dieses Jahre-.,
chs nerfüllt geblie- )en außenpolitischen Mtte die bedeutsame er Jezembertagung
1928 zwischen dem
Unten links: Der „Salle dem am 6. Jan. der
daß ein etwaiger amerikani' auch Deutschland zugutekon u-altung des Reparationsz^ der Bank für den Interna.^, gleich übertragen — und zwar unm
lations", in zusammen-
lung der Dinge, die jetzt zur Debatte gestellt werden, stehen ja nicht in erster Linie finanzielle, sondern politische, kulturelle Schicksalssragen der Nation zur Entscheidung, Fragen also, die man sicherlich nicht allein nach Bank- und Börsen- Usancen bemessen kann . . .
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Auf dem Wege der Erfüllung des F r i e d e n s hat uns das nunmehr abgelaufene Jahr ein gutes Stück weitergebracht. D s wollen wir dankbar anerkennen, wenn auch d h:für gebrachten Opfer
und die geroaltige Weisheit, die in dem Motiv des „Stirb und Werde!" liege. Wir meinen, daß auch das Leben außerhalb des Krieges und des Schlachtfeldes der Gelegenheiten zu heroischen Taten genügend darbiete," und daß die Weisheit des „Stirb und Werde!" da ihren Sinn verliere, wo das Sterben nichts anderes als ein Getötetwerden ist und nur das Töten selbst durchaus maschinenmäßig vor sich geht. Wenn in den Kriegsbüchern der „Heroismus" so wenig zu Wort kommt, höchstens aber Kameradschaftlichkeit, zäher Lebenswille und vor allem dis Animalität des Lebens, so liegt das eben höchstwahrscheinlich daran, daß dem modernen Krieg das Stigma eines heroischen Vorganges einfach nicht mehr eigen ist. Im übrigen können wir in dem Hinschlachten und Sich- hingeben von Hunderttausenden von jungen Men- schen, die noch garnicht gelebt haben, die höchstens nur ein gewaltiges Lebenspotentiell in sich tragen, keinen vernünftigen Vorgang erkennen, auch nicht in einem übernatürlichen oder irrationalen Sinne. Die Weisheit des „Stirb und Werde" ist hier garnicht anzubringen, denn das, was hier gestorben ist, hat garnicht die Möglichkeit gehabt» sich, um ein neues Werden zu bemühen, ein neues Werden so ahnungsvoll zu erschauen, daß es die Hingabe des Einzelnen für ihn selber sittlich rechtfertigte. Wir stehen hier, wenn wir einmal von der Verantwortung der befehlsgewaltigen Führer absehen, vor einer Schicksalsfügung, die wir nicht ganz zu begreifen vermögen. Wir sprechen aber auch deshalb nur von einer „Schicksalsfügung", weil wir selber insgesamt nicht den Mut und nicht die moralische Kraft haben, die ganze menschliche Verantwortung und die Sühne auf uns zu nehmen.
Mitte: Stimson - Amerika und Macdonald, die Verhandlungsführer der beiden Hauptflotten- mächte.
Mitte: Dr. Curtius, der deutsche Delegationsführer im Haag.
Rechts: „Abrüstung!" Das Problem der Londoner Konferenz.
Rechts: Die Zweite holländische Kammer, der Tagungsort der zweiten Haager Konferenz, daneben Briand.
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Der „Heroismus des Krieges" würde wohl, nur wenige Hymnendichter finden, wenn er nich den lauten, sichtbaren Effekt für sich hätte. Der, Held wird dekoriert, wenn es ihm gelingt, weiterzuleben. Die Toten haben zu schweigen. Es ist merkwürdig, daß es stets dieselben Leute sind, welche so den Krieg lieben und die auch in der, Politik nur die Maßnahmen für richtig halten, die, mit dem nötigen tosenden Lärm, mit dem Effekt, des leuchtenden „Heroismus" verbunden sind. Der, Heroismus gilt ihnen nichts und ist in ihren Augen auch fsttlich bedeutungslos, der sich nicht gleich-, sam in bengalischer Beleuchtung darbietet. Unö; doch hat der st i l l e Heroismus unseres Volkes in r den Nachkriegsjahren und auch der st i l l e Herois-1 mus mancher seiner politischen Führer der Siei-i gerung und Hochführung unseres volklichen Lebens weit mehr genützt als die freiwilligen oder, unfreiwilligen Millionenopfer des Weltkrieges.» Das letztvergangene Jahr hat in der Politik diei Anhänger des lauten Heroismus, die Katastrophen- - Politiker, in einen zugespitzten Gegensatz zu den Anhängern des positiven, wenn auch opfervollen' Lebenswillens gebracht, die Anhänger der Lebensvergeudung der Nation (Hugenberg) standen in' einem Entscheidungskampf den Anhängern der r zähen Lebensentfaltung (Stresemann) gegenüber, k Es ist in der Bilanz des vergangenen Jahres als großer Gewinn zu buchen, daß die letzteren den Sieg davongetragen haben. Eine Umwälzung der . politischen Werte hat stattgefunden, der wir uns im kommenden Jahre noch viel deutlicher bewußt werden wollen zu Nutz und Frommen erne- neuen europäischen Jahrhunderts.
wtb. Berlin, 31. Dez. (Eig. Meld.). Der Reichspräsident empfing heute den Reichsminister der Finanzen a. D. Dr. Hilf er ding in Abschied- audienz. Er nahm anschließend der, Antrittsbesuch des neuernannten Reichswirtschaftslninisters Robert Schmidt entgegen. Später empfing der Reichspräsident den Reichsminister des Auswärtigen Dr. Curtius.zum Vortrag.
Haag ohne Schacht.
Von einem unserer Berliner Mitaäditer wird ans geschrieben:
Seitdem Hilferding in den „Schacht" gefallen ist, kam die Debatte über die Einflußnahme Echacht's nif die allgemein-, wie auf die Wirtschaftspolitiken Fragen nicht zur Ruhe. Nun hat f?e mit der Entscheidung, daß Schacht weder als Dckegier- ;er, noch als Sachverständiger nach dem Haar geht, einen gewissen Abschluß gesunden.
An sich hätte man es durchaus begrüßen miif- len, wenn Schacht sich zur Haager Konferenz beleben und mit eigener Verantwortung dasjenige iu verwirklichen gesucht hätte, was er als Fehler mb Unterlassungen der Politik der Reichsreg.e- ■ung in seinem bekannten Memorandum anzustrei- hen versuchte. Er hätte eigentlich von sich aus Zelegenheit nehmen müssen, um in unmittelbaren Verhandlungen mit den Reparationsgläuchigern eine Ausfassungen durchzusetzen, wobei übrigens »emerkt sei, daß vieles von dem, was Schacht feiler Zeit kritisierte, ja aus der unvollkommenen Formulierung herrührte, die mit der Unterschrift ind der Verantwortung Schacht's damals in Paris mroege kam. Was Schacht damals nicht hat er- eichen und durchsetzen können, überließ er zur Seordnung der Reichsregierung, um sie nachher reilich dafür, daß sie die Fehler und Mängel nicht wllends gutmachen konnte, in aller Oeffentlichkeit, >or dem ganzen Inland und Ausland, anzugrei- en. Es spricht recht wenig zu Gunsten Schacht's, »aß er trotz der klaren Sachlage an den Forderun- jen seines Memorandums kleben bleibt und die Er- üllung dieser Forderungen zur Voraussetzung einer eigenen Teilnahme an der Haager Konfeenz macht. Es wäre eigentlich auch feine mora- , ische Verpflichtung gewesen, nach dem Haag zu lehen, um dort, nachdem er die Reichsregierung mrch den von ihm ausgeübten Druck zu einer Ilenderung ihres Finanzprogramms und zur Be- eitstellung eines Tilgungsfonds von nahezu
Milliarde gezwungen hatte, seinen Einfluß da- lin geltend zu macken, daß der Reichsregierung iie Möglichkeiten beschafft werden, ohne Schaden ür Volk und Wirtschaft diesen Ansprüchen genü- len zu können.
Die Nichtdekegierung Schacht's nach dem Haag icigt aller Welt, daß die Meinungsverschiedenheiten (wischen Kabinett und Reicksbaukpräsidenl über die Regelung der Reparationssragen auch noch wei- er bestehen. Diese nunmehr wieder öffent- ich bekundete Tatsache wird die Stellung unserer Delegierten im Haag ganz gewiß nicht erleichtern, ks ist sehr bedauerlich, daß der Reichsbankpräsi- lent zu den vielen Schwierigkeiten, die er durch eine letzten Aktionen der Reichsregierung bereitet >at, nun auch noch diese hinzufügt, während er >och gerade darauf hätte brennen müssen, seine An- öchten im Haag mit Einsatz feiner eigenen Persön- fichkeit zu verfechten. Nun gehen aber die Differenzen zwischen Kabinett und Reichsbankpväsi- >enten nicht allein auf die reparations-politischen •fragen, sondern auch auf die grundsätzlichen Fra» zen der Finanzreform zurück.
lind was diese Seite des Falles angeht, so müßte nan sich schon mehr auf die Seite des Reichs- lankpräfidenten schlagen, wenn er etwa die For- »erungen erhoben haben würde, daß, bevor die nit dem Young-Plan zusammenhängenden Dinge mdgültig beordnet würden, nun auch die Grundlüge einer den nationalen finanz- und Wirtschafts- politischen Interessen des Reiches gerecht werden- »en Finanz- und Steuerreform fsstgelegt werden, bas kürzlich verkündete Finanzprogramm der Reichsregierung ist ja durch die zwischenzeitliche Entwicklung der Dinge überholt. Sehr ins Ge- vickst fallende Ansprüche werden nun auch von bayerischer Seite erhoben und richtunggebend hierfür sind die Pressedarlegungen, die dieser Tage der Vorsitzende der Landesvorstandschaft der Bayesschen Dolkspartei gemacht hat und die starke klufmerksamkeit im Lager der Parteien gefunden toben. Wir sind tatsächlich noch nicht so weit, generell von einer Senkung der Steuerlasten zu spre- ßen, solange wir nicht einmal wissen, wie und auf welche Weise wir die dringlichsten Anforderungen erfüllen können, dis sich trotz vorübergehender Erleichterungen des Young-Plans, angesichts der Notwendigkeit der Sanierung der Kassenlage und der Lalanzierung des Reichshaushalts ergeben.
. Daß Schacht nicht nach dem Haag geht, ist nnerfeits ein Manko, andererseits ein Gewinn Sin Manko insofern, als Schacht selbst die nicht et von ihm verschuldeten Unklarheiten in den nabmachungen zum Young-Plan zu beseitigen totte versuchen müssen, ein Gewinn insofern, al» nne klare Verantwortlichkeit aufgezeigt wird, nach dem sich das System der sogenannten „unabhängigen Sachverständigen" nicht bewährt hat. In dü !®r Eigenschaft hat nämlich Schacht feiner Zeit in Varis selbst große Politik zu machen versucht. Das Ergebnis aar ein großes Fiasko. Und wer weiß, Db nicht manches sich besser gestaltet haben trütbe. ®e*}n nicht wiedererwachtes Mißtrauen den $eg- 1CrtJffin Widerstand gestärkt hätte.
Schacht mag ein guter Finanzmann fein, fr ist Wer em schlechter Politiker. Und bei der Stege»
Der Führer der Zentrumspartei Prälat K a a s ist laut „Germania" aus Rom kommend wieder in Berlin eingetroffen. Montag vormittag fand zwischen ihm, den Ministern Wirth, Stegerwald und v. Guerard und dem Fraktionsführer Brüning eine eingehende Aussprache über die bevorstehende Haager Konferenz statt.
Zum Jahreswechsel.
Wenn ein Jahr zu Ende geht, liegt es nahe Bilanz zu machen, die Enttäuschungen und die erfüllten Hoffnungen des vergangenen Jahres zu fichten. Wenige Menschen wird es geben, die mit dem Ergebnis zufrieden sind, aber nur wenige wird es auch geben, die nicht mit neuen Hoffnungen und neuer Zuversicht dem kommenden Jahr entgegensehen. In dem Maße dieser Hoffnungen bestimmt sich das Maß unseres Lebenswillens, die Hoffnungen aufs Leben begründen den Wert des Lebens, und wenn das Leben auch nickst Selbstzweck ist, wenn wir auch nur leben, um eines ewigen Ledens willen, das nicht von dieser Welt ist, so wollen wir unser irdisch Leben doch ganz leben, es ganz ausschöpfen können und durch den Ersatz unseres Tuns auch ;u höchster Lebensintensität befähigt werden. Das Vollgefühl des Lebens ist durch den Erfolg bedingt, es macht uns glücklich und schafft Glückliches um uns. Und wenn das irdische Leben auch mcht Selbstzweck ist, so muß es doch auch schon für diese Erde einen vernünftigen Sinn haben, und der kann nur lauten: Das Maß des Glücksgefühls in der ganzen Menschheit nach Kräften vermehren!
Merkwürdigerweise gibt es immer noch Volksgenossen, welche im freiwilligen und kommandierten S t e r b e n die Form der höchsten Lebensintensität erblicken möchten. Gewiß, das Dpf»v und die Hingabe um eines- höheren Zweckes willen hat seinen geheimnisvollen lebenssteigernden und lebensschöpferischen Wen, ober die heroische Selbstaufopferung kann auch eine sehr sinnlose Geste fein. Und sie ist es dann immer, wenn derjenige, der sich opfert, selber den tieferen Sinn nicht erfaßt, der in seinem Opfer liegen soll. Das Opfer muß immer eine Art Mit Lebenserfüllung, von letzter Ausschöpfung des Lebens sein, es muß gleichsam in ein höheres Leben übergehen können. Das Thema des „HeroÄmus" hat im vergangenen Jahre aus Anlaß der gehäuften Kriegs- memoirenbiidjer von Soldaten, die in der vordersten Front gestanden haben, neue Aufmerksamkeit unserer Moralphilosophen und Soziologen gefunden und es hat manchen gegeben, der den in der Mehrzahl dieser Kriegsbücher zum Ausdruck gekommenen tiefen Abscheu vor dem grausigen Völ- kergemezel damit abtun zu Nüssen glaubte, daß sie daraus hinwiesen, daß die Verfasser das sittliche Moment des Heroismus zu wenig beachteten
tätsrücksichten aufgezwungen. Immerhin bedeutete: sie für den deutschen Steuerzahler eine fühlbare Erleichterung. Die innnere Verbindung der deutschen Reparationspflicht mit den Schulden der Alliierten n an Amerika wurde festgelegt. ' 'n dem Sinne, i!
Im Januar finden drei gewichtige politische Konferenzen statt, in London tagt _ . _
die zweite Haager Konferenz und in Genf versammelt sich her Völkerbundsrat.
Resolution gegeben, die auf brr, Mttsrbuudrates im - ah Reichskanzler MüllSf- i ich Gläubigerstaaten zustanoegewmmen war und deren wichtigster Teih die Einberufung der Repara- t i o n s - S a dj» chvA cindigen-Konferenz zwecks endgWWer Lösung der Reparationsfrage betraf. Sie Wit im Frühjahr 1929 in Paris zu-
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fammen, nachdem ihr Aufgabenbereich und ihre Kompetenzen, insbesqndere das Veichältnis der Regierungen zu chr, fnf langwierigen Besprechungen genau umgreif worden war. Den Vorsitz führte der Amerikanek Sir Owen Young, nach dem schließlich auch der neuvereinbarte Zahlungsplan benannt worden ist. Die Pariser Verhandlungen waren äußerst schwierig, befonders als die eigentliche Streitfrage zur Diskussion gelangte, nämlich die Höhe der Reparations-Annuitäten. Mehr als einmal drohte die Konferenz ergebnislos ausein- anderzubrechen. Die Lösung, die schließlich gefunden wurde, war keine von der deutschen Leistungsfähigkeit zu Reparationszahlungen maßgeblich beeinflußte, sondern durch politische Opportuni
st Reparationskommission. Ihr Sitz ist $a|ei... der Schweiz.
Ilm die Beschlüsse des Young-Planes zu einem , Pakt der Regierungen zu machen, trat Anfang . August im Haag eine Konferenz bei hauptbe- ’ teiligten Mächte zusammen. Im Schlußpassus des Young-Planes war die Empfehlung ausgesprochen ’ worden, daß mit seiner Annahme der Krieg völlig liquidiert werden sollte. Denn feine Durch-1 sührung würde auf Schwierigkeiten stoßen, wenn der Geist des Mißtrauens und der Feindfeligkest zwischen den Mächten herrschen würde, die den Young-Plan vereinbaren würden. Mit diesen Bemerkungen wurde die Verbindung mit einem der Hauptmotive wieder ausgenommen, die die deutsche Politik veranlaßt hatte, die endgültige Regelung der Reparationsfrage zu wünschen, nämlich mit1 dem Motiv der Befreiung der Rhein-, lande. Allerdings bezog sich dieser Passus auch auf mancherlei noch ungelöste finanzielle Fragen