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Nr. 300.

Sonntag, de« 29. Dezember 1929.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.

Plauderei am Jahres-Ende

Em Bombenanschlag aus den Vizekömg von Indien.

Kerbel M die Zeitung

Der Mann im Mond.

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fünfen Anblick gewährte. Die Wände waren reich verziert. Blumengemälde, Blattgirlanden, Oliven, und Lorbeerzweige schmückten eine Wand. Eim andere zeigte auf ebenholzfarbenem Grunde Thyr- susstäbe. Pompejanisches Rot leuchtete dem Be­schauer von der dritten Wand entgegen und dii vierte Wand ist in gelblichem Grundton gehalten Zwei Wandnischen, in denen früher Altäre stan­den, sind mit Freskomalereien aus dem 12. Jahr hundert geschmückt. Allem Anschein nach ist dat Prunkgebäude vor langer Zeit einem Brand zmr Opfer gefallen. Brandüberreste und Holzkohle« lassen wenigstens darauf schließen.

Wohl fiel mancher Wermutstropfen in den Punsch, aber zu einem Prosit Neujahr muß es dennoch reichen. Seien wir froh, daß wir noch da sind. Das das Reich noch besteht. Daß es viele schöne und opfervolle Taten im letzten Jahr ge­geben hat. Daß neben vielen Särgen doch auch noch immer viele Wiegen stehen. Man muß nie­mals die leere Kaffe über fein Glück entscheiden lassen. Wo das Herz noch voller Glück, wo der Kops noch voll von Idealen ist, da werden sich die Kassen schon wieder füllen. Ein bißchen Ba­jazzo ist man am Silvesterabend, das ist schon wahr. Aber zum Selbstmord haben wir keinen Anlaß. Prosit Neujahr!

Freudige Ereignisse? Man schaut zurück. Das Letzte, was einen erquickte, war etwa der Abschied des Nuntius Pacelli von Berlin. Du hättest die­sen Fackelzug und dieses Spalier sehen sollen! Alle die hohen Herrn, die am Anhalter Bahnhof der neuen Freundschaft zwischen Staat und Kirche Ausdruck gaben! Und das in dem furchtbaren Re­genwetter. Und das unter den Hagelschauern der modernen Freidenkerei. Und das im sozialistisch- kommunistisch en Berlin. Herzlicher hat man doch nicht einmal Kaiser Wilhelm begrüßt in seinen be­sten Zeiten. Wir wünschLU dem Nuntius, der un­sere Sprache spricht, der unsere Städte besucht hat, der bei unfern Feiern war, der in die Grube zu unfern Arbeitern gestiegen ist, das Allerbeste. Ein Alter, w-ie es fein Urgroßvater gehabt, der 103 Jahre erreicht hat.

-In jenen Tagen war es in Berlin nicht ge­mütlich. Im Reichsparlament ging Krisenstim- mung um. Bon draußen kriselte der Regen um die Dächer der Residenz. In den Vorstädten mi­auten die grauen Katzen. Ich bin auch hingeschli­chen in das Haus der Volksvertreter. Gewiß tief bekümmert, aber wie es so geht: Wenn ich ganz traurig bin, dann nehme ich die Sache ein wenig humoristisch. Es ist kein Galgenhumor, sondern eher eine Anleihe beim Lachen der guten Engel, die doch auch immer froh bleiben beim Anblick des größten Kummers. Dieser Reichstag ift eine Welt für sich. Erst siehst du nur Menschen, die gu lustwandeln scheinen. Dann- merkst du an ihren Mienen und an ihrem Flüstern, daß 6a Ereignisse mit ihnen umgehen. Ein Minister schwankt vor­über, als symbolisiere er durch seinen Gang schon das Kabinett. Hier hörst du ein Wort, dort ei­nes, und bald bist du eingesponnen in ein Netz, aus dem du nicht mehr herauskannst. Alle sind sie in diesem Netz, das in tausend feinen Gewe­ben an den hohen Säulen und in den weiten Räu­men hängt. Jeder wartet auf einen Fang, sei es eine Neuigkeit, fei es ein Amtsgeheimnis, fei es eine Depesche, fei es eine kleine Bosheit, fei es en delikates Geschäft. Es ist nicht leicht, immer nur auf diesen seidenen Fäden zu balancieren, und das bringt ein sportliches Element in die Sache.

Bald bist du ganz in diesem Reich der Po­litik, das ein Reich für sich ist, oft weitab von dem Reich da draußen. Das da draußen ist fern, ist ein Land von gänzlich unorientierten Provinzlern. Es bringt überhaupt nicht unmittelbar hinein, sondern nur durch das Medium der Presse. Was in einem Leitartikel steht und was draußen alle Welt vielleicht langweilt, das wird mit Hochspan­nung gelesen. Hier werden auch die richtigen Ar-

Wie wird das Wetter?

Mitteleuropa liegt wieder ganz unter dem Einfluj! des bei Island liegenden Tiefdruckgebietes, an dessei Vorderseite feuchtwarme Luftmassen nordostwärts strö­men und dabei vielfach trübes und zu Niederschlägei neigendes Wetter Hervorrufen. Für Samstag ist ai der Rückseite einer Teilstörung, die unser Gebiet üben querte, zunächst wieder Druckanstieg und dabei eini vorübergehende Besserung zu erwarten, doch bleibt bu Witterung zunächst unbeständig, vorwiegend bedeckt uni zeitweise regnerisch bei meist milden Temperaturen Nur im Bereich der vorübergehenden Aufheiterungei kann es zu leichten Nachtfrösten kommen. Erst zu Be­ginn der kommenden Woche wird wieder stärkere Ab kühlung wahrscheinlich.

Witterungsoussichten für Sonntag: Noch Fort dauer der milden und zeitweise zu Regen neigende, Witterung.

Fuldaer Acticndruckcrel Fulda.

Der Sonderzug des Vizekönigs, dessen Speisewagen bei dem Attentat zertrümmert wurde.

3m Kreis Lord Irwin, Vizekönig von Indien.

Auf den Sonderzug des Vizekönigs von Indien, wurde in der Nähe von Neu-Delhi ein Attentat versucht. Die Attentäter hatten zwischen zwei Schweleln eine Bombe gelegt und beim Passieren des Zuges zur Explosion gebracht, wodurch der Speisewagen des Zuges zertrümmert wurde.

reinste Scheibenschießen, der kennt doch jede Ecke hier ganz genau", sagte ein anderer.

Es dauerte eine Weile, bis der Zug wieder beisam­men war. „Nun nehmen wir die Toten auch mit ins Lager und begraben sie dort", hieß es, und sie brachen auf.

Je weiter sie kamen, desto belebter wurde der Graben von Meldegängern, Artilleriebeobachtern, Telephonisten. Sie kamen wieder an der Feldartillerie vorbei, die heftig am Feuern war.

Im Lager waren die Verluste schon bekannt durch die erste Gruppe, welche die Verwundeten zurückgebracht hatte. Von ihr erfuhr Barth, daß Rauch einen Splitter im Bein habe. Es scheine nur eine Fleischwunde zu sein. Er sei schon auf der Verbandstelle. Von den Verwundeten sei noch einer auf dem Transport gestorben. Rauch habe hinterlassen, Barth sollte seine Pakete an sich nehmen und seinen Angehörigen schreiben.

Barth freute sich für Rauch. Er war immer so ängst- lich gewesen, nun war er aus dem Schlamassel heraus. Bis er geheilt war, war der Krieg sicher alle. Beim Essen sah Barth, daß seine Hände noch ganz blutig wa­ren. Er ging und wusch sie erst. Beim'Essen wunderte er sich selbst, daß er so ruhig blieb. Man wurde doch allerlei gewöhnt im Krieg!

Nach dem Essen ging Barth Wasser holen. Unten am Hang war eine Quelle. Ein dünner Wasserfaden rieselte durch ein hölzernes Rohr. Es dauerte immer eine Weile, bis ein Kochgeschirr voll war. Zu brüt stauben sie dort. „Das bauert immer eine Ewigkeit hier", sagte einer. „Ein Glück, daß der Franzmann nicht schießt heute". Er nahm sein Kochgeschir. „Nun mach bu dich heran, Barth!" sagte er dann. Da zischte es giftig heran. „Das gilt uns!" schoß es Barth durch den Kopf — ein gellender Krach in nächster Nähe, heiß sauste es an Barth vorbei, er spürte einen rasenden Schmerz am Fuß und hinkte hinter den anderen beiden her, die eiligst den Hang hinaufrannten.

.Von oben kamen sie ihm entgegen: „3ft etwas pas­siert?" „Mein Fuß!" keuchte Barth. „Setz dich her!" Sie wollten ihm den Stiefel ausziehen, aber es ging nicht, er saß zu fest. Da schnitten sie ihn auf

(Fortsetzung folgt.)

Frankfurter Oper.

Sonntag, 29. Dez., 17.30 Uhr: Die Meistersingei

von Nürnberg. __

Sonntagabend. Große Preise.

Montag, 30. Dez., 20 Uhr: Maschinist Hopkins.

sie, warfen ihre Lasten auf den Grabeuraud und kauerten keuchend nieder.

Noch vier Gruppen waren drüben. Barth sah die fünfte, sechste und siebente glücklich herüberkommen. Die achte stürzte den Hang herab und war auf dem Damm, da heulte es fürchterlich, die ganze Gruppe war im Qualm verschwunden. Jetzt hasteten drei heran, dann sah man die anderen drüben liegen. „Hilfe, Hilfe!" scholl es schneidend herüber. Franz Barth sprang hoch, da war Hermann Rauch dabei.

Da rief auch schon der Zugführer: „Die erste Gruppe hinüber! Bringt sie gleich den Hang hinauf!" Die neun Mann rannten los. „Die anderen die Lasten der ersten Gruppe mitnehmen, wir haben nicht mehr weit!"

Sie gingen gebückt im Graben weiter. Barth schaute zurück, drei lagen noch dort, die waren wohl tot. Die an­deren wurden eben den Hang hinaufgeschleppt. Ein Glück, daß die Granaten etwas länger ausblieben!

Nach kurzem Marsch waren sie am Platz. Pioniere bauten Unterstände dort. Sie warfen Bretter und Draht­rollen ab. „So, nun haben wir Zeit", sagte der Führer. ..Jetzt haben wir nichts mehr zu tun, als glücklich hinüber zu kommen."

Er lehnte an der Grabenwand und zündete eine Ziga­rette an. „Gibts denn keinen anderen Weg hier rüber als den verfluchten Vaux-Damm" fragte er einen der Pioniere.

Der lehnte die Kreuzhacke nebenhin. „Der ganze Grund ist ein Sumpf", sagte er, „da läuft jeder Graben voll Wasser. Wir hatten schon mal weiter oben einen neuen Graben angelegt, den hat der Franzmann derart beast, daß er nicht zu gehen war, da war der Vaux- Damm noch besser. Der Vaux-Damm hat das Gute, daß der eigentlich gefährliche Weg nur etwa dreißig Meter lang ist. Dann ist man im toten Winkel. Es soll aber jetzt wieder ein neuer Graben gebaut werden, weiter da oben". Er zeigte hin. ,Zch glaube aber, das gibt auch wieder nichts, der Franzose paßt zu sehr auf".

„Da werden wir ja den schönen Spaziergang von heute morgen noch öfter machen können", sagte der Füh­rer mit grimmigem Humor, „und wenn das jedesmal so geht, kriegen wir hier unser Teil und brauchen gar nicht vornhin". Er warf den Stummel seiner Zigarette über

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die Böschung. „Wir wollen machen, daß wir wieder rü­ber kommen".

Sie gingen den Graben zurück. „Wie wirds mit den Toten?" fragte einer der Unteroffiziere.

„Die nehmen wir natürlich mit", meinte der Feld­webel, „ich denke, wir nehmen Freiwillige. Wer meldet sich?" Die meisten hoben die Hand. „Zwölf Mann ge­nügen, je vier einen". Er bestimmte einen Unteroffi­zier. „Suchen Sie sich zwölf Mann aus, Sie gehen dann zuerst hinüber. Nur so rasch wie möglich weg vom Damm, wenn ihr erst am Hang drüben seid, ifts nicht mehr so schlimm."

Die drei am Vaux-Damm lagen noch. Barth war mit unter den Freiwilligen. Er mußte Gewißheit haben, ob Hermann Rauch unter den Toten sei. Sie rannten hinüber, faßten an und waren kaum am Hang, als es wieder heranheulte. Sie warfen sich hin — die Ein­schläge waren mehr in der Mitte des Dammes, ein Glück, daß es schwere Granaten waren, die streuten nicht so sehr. Auf und weiter! Jetzt erst konnte Barth nach den Toten sehen, den er tragen half. Rauch war es nicht. „Habt ihr den Rauch dabei?" rief er den anderen zu, die vor ihm den Hang hinaufkeuchten.

„Wir nicht", rief es zurück, „das ist der Rehling". „Dem hier ist der ganze Kopf kaput", riefs aus der an­deren Gruppe, „der Rauch scheinis aber nicht zu fein".

Sie waren oben am Graben, legten die Toten auf die Böschung und lehnten keuchend an der Grabenwand. Einer wischte mit dem Aermel den Schweiß aus dem Ge­sicht und sagte: „Die drei habens leicht gehabt, sie waren schnell weg, und begraben werden sie auch. Ob wirs auch mal so gut haben? Vielleicht erwischen wir eine, wenn wir zum letztenmal über den Vaux-Damm her- übergehen und den ganzen Zauber mitgemacht haben".

Sie warteten auf die Kameraden. Drunten krachten in fast regelmäßiger Folge die Salven auf den Damm. Graue Gestalten huschten schattenhaft durch den Dunst u. klommen den Hang herauf. „Wenn der Franzose im­mer so regelmäßig schösse wie jetzt die ganze Zeit schon, wäre das vorhin nicht passiert", sagte Barth. „Bei denen hier kamen die Schüsse zu früh". „Das ist ja gerade das Schlimme, daß man nie weiß, wann der da drüben schießt und für den Franzmann ist das hier doch das

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titel geboren, Artikel wie feine Messer, wie Fuchs­fallen, wie Gift oder wie Parfüm. Hier genießt man sie, hier wird die Artikelschlacht geschlagen. Es kribbelt einem ordentlich in den Fingern, da ein wenig rnitzuiun. Erst ein Artikel, der die Krise schafft. Dann einer, der sie verschärft. Dann ei­ner, der besseres Wetter verspricht. Lustig zu den­ken, wie das wirkt, wie das nun auf den Stra­ßen verkauft, wie Phantasie zu dicken Ueberschrif- ten wird, wie es die Kulturphilosophen anregt zu tiefsinnigen Gedankengängen. Dann ein Artikel, der plötzlich das Haus in ein Erdbeben verwan­delt, in dem alle Ministerstühle wanken. Peri­petie braucht ein gutes Drama, gerade wenn es friedlich aussehen soll. Man muß wenigstens die Möglichkeit offen lassen, daß es mit Revolverschüs­sen endet. Und dann der Schlußartikel: Feierlich bringt man die brüderliche Nation zusammen. Alle Minister sinken einander entzückt in die Arme, oder umgekehrt in die Klubsessel. Hab mir ein Liedlein gesungen, und alles war wieder gut. Prosit Neujahr! Die Regierung hat gesiegt. Man muß sein Glück nicht von den teeren Kassen ab­hängig machen, die Weisheit kennt auch der Staat.

Nebenbei hörte ich mancherlei von der Bo- setzung neuer Stellen. Vor allem in der kultur­politischen Branche, am Radio zum Beispiel. Ach­tung! Da marschiert eine Kulturfront. Da wird mit Personalpolitik Jdeenpolitik getrieben. Das gehört überhaupt in die Bilanz des letzten Jah­res. Es haben sich die Kräfte gesammelt, die in ihrer Weife eine antichristliche Kultur betreiben. Antwortet das Christentum nicht mit ähnlicher Sammlung, so können wir nächstes Jahr etwas erleben. Darum Prosit Neujahr: Ueberad dabei sein! Nicht nur mit Kritik, sondern auch mit Lei­stung. Weg mit der Schlummerrolle, die Schie­nen dröhnen. Schule, Theater, Kino, Rundfunk, das alles muß auch den Christen lebendig interes­sieren. Das haben wir ja dieses Jahr auf dem Münchener Kongreß erlebt. Magisch blitzen vor uns die modernen Mittel und Wege der Kultur­politik auf.

Was flüstern die denn da? Emelka? Liebste Emelka, was ist denn? Ein bankerottes, ein we­nig heruntergekommenes Töchterlein finkt in die Arme des Vaters Staat. Man sagt, sie habe sich noch im letzten Augenblick, als schon die väter­lichen Arme sich weit ausstreckten, einen neuen Liebhaber zugelegt, einen dritten Direktor, Jah­resgehalt 75 000 Mark. „Weißt du, Teuerster, der Alte hat Geld . . ." „O Emelka! Meine Emelka! Teure Emelka! . . ." Und die Anne von Vater Staat sind ja lang genug, um auch diesen dicken Posten noch zu umzingeln . . . Man muß sein Glück nicht von der leeren Kasse ab­hängig machen. Nun, wir werden das Kind schon schaukeln. Es gibt Zeiten, da tut die Uebernahme in eine Fürsorgeanstalt gut. Wer ist nur zuerst auf diesen Gedanken gekommen, Emelka r.^er ein Minister? Heine Jagt einmal, es gebe mcht nur skandalöse Mysterien, sondern auch mysteriöse Skandale. Aber der Name Emelka war doch nicht unter denen seiner Geliebten. Teure Emelka!

Die Frösche springen. Die Glocke schägt. Prosit Neujahr. Freunde, lieber keine Bilanz. -Dian muß sich nicht den Humor verderben. — Es tra­gen heut zu viel Schultern die Verantwortung, so viele, daß keiner daran wirklich zu tragen hat. Wir müssen sie aus weniger Schultern-legen. Das alles tun wir im nächsten Jahr. Und alles wird wieder gut.

Prosit!

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Don I. Lewa Id.

Aus aller Wett.

* Liebestragödie. Am zweiten Weihnachtsfeier­tag wurden auf dem Bahngleis der Strecke Vallendar-Bendorf zwei verstümmelte Lei­chen gesunden. Wie aus den vorgefundenen Papie­ren und einem mit Namensunterschrift und Adresse versehenen Lichtbild des jungen Mädchens hervor­geht, handelt es sich um den 22 Jahre alten Karl Schick und die etwa 20 Jahre alte Lydia Bon - rath, beide aus Elberfeld. Die jungen Leute haben freiwillig den Tod auf den Schienen gesucht. Ein am Tatort aufgefundener Zettel, der die Namensunterschriften beider trägt, hat folgenden Inhalt: „Wir scheiden freiwillig aus dem Leben, llnfere Eltern haben uns verstoßen, und wir finden doch kein Glück mehr auf der Welt."

* Wiederaufnahmeverfahren im Fall Richter? Wie der „Mainzer Anzeiger" aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, hat Rechtsanwalt Mayer II aus Bonn von dem Bonner Land­gericht die Akten des Prozesses Dr. Richter aus Bingen, der vom Bonner Schwurgericht wegen Mordes an der Krankenschwester Mertens zum Tode verurteilt worden ist, zur Einsichtnahme ge­fordert. Rechtsanwalt Mayer ist von den Ange­hörigen Dr. Richters beauftragt worden, gegebe­nenfalls das Wiederaufnahmeverfahren zu betrei­ben. Die Gründe zu diesem Schritt sollen die zahlreichen Gutachten von Sachverständigen sein, die eine Schuld Dr. Richters zum Teil verneinen oder wenigstens stark abschwächen.

* Ein imposanter Bau aus der Römerzeit. Ein imposantes Werk römischer Baukunst wurde in Koblenz bei Arbeiten unter der St. Florins­kirche freigelegt. Man stieß auf große Mauerwerke. Bei Fortsetzung der Arbeiten konnte man in ein Zimmer vordringen, das einen geradezu impo-

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Sie erhielten Stollenbretter und Drahtrollen, je zwei Mann eine. Dann ging es im Graben wei­ter. Er wurde immer flacher und horte schließlich ganz auf. Unmittelbar vor ihnen gähnte eine Schlucht, aus deren Tiefe es klang wie das Rauschen von fliehendem Wasser. Dumpfes Krachen von Granaten scholl ab und zu dazwischen.

Der Führer hielt. „Das ist die Vaux-Schlucht," er- klärte er. „Gerade hier den Pfad hinab liegt der Vaux- Damm, über den müssen wir. Der Franzose beschießt ihn dauernd. Jede Gruppe geht einzeln rüber. Immer erst die Einschläge abwarten, und dann los. Drüben am Hang sammeln wir uns, da ist es nicht mehr so gefährlich. Wir können noch ein Eckchen weiter gehen."

Sie gingen und hielten wieder. Jetzt sah man deut­lich den Vaux-Teich, unheimlich wie ein tückisches Auge blinkte die dunkle Wasserfläche herauf. Der Damm war als Heller Streifen deutlich erkennbar. Steil wie ein Dach ging der Hang hinab.

Jetzt heulte es heran — vier Einschläge lagen auf dem Damm und dicht daneben. ,Jetzt los!" schrie der Führer.

Die Leute stürzten den Hang hinab, hinüber über den Damm, auf dem noch immer der Qualm der Einschläge lag. Sie waren glücklich drüben am jenseitigen Hang, wo ein flacher Graben begann.

„Die habens geschasst", sagte der Führer der zweiten Gruppe. „Jetzt kommen wir dran. Erst die Einschläge abwarten!"

Sie kamen glücklich hinüber, ebenso die dritte Gruppe.

Barth war bei der vierten. Sie hockten lauernd am Hang. Jetzt krachten die Einschläge unten, hinab! Mehr ein Stürzen mars, jetzt der Damm! Barth sah im Ren­nen Tote liegen, Schwarze, Franzosen, Deutsche, er spürte Leichengeruch und roch die Sprenggase der frischen Ein­schläge, hörte glucksend das Wasser aus dem Teich rin- Xen durch ein schmales Loch am Damm. Drüben waren

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Josef Gehring, WM,

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