uldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
_ Erscheint iechSmai wöchentlich. Mochenbeilagen: „Die Welt jll*, 29S 'w Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlas
Mittwoch, 25. Dezember 1929
56. Zghrg
Deutsche Weihnacht
gez.: Müller.
*
Das Echo des Volksentscheids et« Sa- __. f X
I keine Hemmungen. Sie ruft begeistert aus: „Ein 1 überwältigender Erfolg. Sechs Millionen Deutsche
Auf die einzelnen Wahlkreise verteilt sich das Ergebnis wie folgt:
Bon den gültigen Stimmen lauten
*) der Zahl der Stimmberechtigten zur Reichstagswahl 1928 (6p. 3).
gegen den Gesetzentwurf (Nein-Stimmen)
27 528
6 235
8 330
13 710
16 275
25 888
18 496
12 038
13 447
14 227
14 781
10 607
6 429
10 201
15164
5 858
4 434
7130
2 658
2 584
2 863
3 905
7 896
2 580
10127
1884
12 058
7 411
12 885
5 333
3 830
4127
2 262
13 064
11 ----' ------ — - UHU V’VllUV
der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :
nahm er die Leitung des Zentral-Arbeitersekrr- tariats in Berlin, seiner Heimatstadt, wo er am Io. Mai 1864 geboren worden war.
Schon 1893 war er im 5. Berliner Wahlkreis in den Reichstag gewählt worden, der ihm sedoch 1898 verloren ging. Bei den Wahlen von 1903 eroberte er ihn zurück und hatte ihn bis zum Ende des alten Reichstags inne. Im Januar 1919 wurde er in die Nationalversammlung gewählt. Bei der Bildung des ersten Parlamentarismen Kabinetts auf Grund der neuen vorläufigen Reichsverfassung wurde er Ernährung's- m i n i st e r. Dies Amt behielt er auch in dem folgenden Kabinett Bauer im Juni 1919 bei. Nach dem Rücktritt Wissells übernahm er Ende Juni noch die Leitung des R e i ch S Wirtschaftsministeriums und führte es auch in dem umgebildeten Kabinett Dauer vom Oktober 1919, ebenso in dem folgenden Kabinett Müller bis zu dessen Rücktritt im Juni 1920. Im Mai 1921 trat er dann wieder in das erste Kabinett Wirth in gleicher Eigenschaft ein und gehörte ebenso dem zweiten Kabinett Wirch vom Oktober 1921 an, mit dem er im Herbst 1922 zurücktrat. Am 13. August 1923 trat er als Wiederaufbaumini- st e r und Stellvertreter des Reichskanzlers wieder in das Kabinett Strefemann („Große Koalition") ein. Mit diesem Kabinett, dem das Kabinett
Monatlich 1,80 einschUetzt. Po-tgeoühr (48 Pf.» ohne 3uiteilq. Anieigcn-Preis« Kleinzeile (Sol.) lokal 0,15 Ut auswärts 0,20 *Mt. Reklamezeile: lokal 0,60 »Jl auswärts 0 80 R.K Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051
Der neue Reichswirtschaftsminister ist in seinem Amt kein Neuling, da er in den ersten Iah- ren der Republik bereits mehreren Kabinetten angehörte. Robert Schmidt ist einer der älteren Politiker der Sozialdemokratischen Partei» er hatte sich als Klaviermacher durch Selbststudium derart gefördert, daß er 1893 mit 29 Jahren als Schriftleiter am Vorwärts eintreten konnte. Zehn
Der neue Finanz-ANnister.
Reichsnnrkschaftsminisier Prof. Dr. Moldenhauec berufen und durch Robert Schmidt erseht. —
Staatssekretär Schmid beurlaubt.
Der Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers den bisherigen Reichswirtschaftsminister Moldenhauer zum Reichsfinanzminister und den sozialdemokratischen Abgeordneten Robert Schmidt zum Reichswirtschaftsminister ernannt.
Die Sozialdemokraten hatten ursprünglich den Antrag gestellt, daß wiedereiner der Ihren diesen Posten besetzen müßte, und hatten hierfiir den Elatsachoerständigen der Partei, den Reichstagsabgeordneten Hertz, vorgeschlagen. Dr. Hertz, der von Anfang an sich mit dem Hilferdingschen Fi- nanzprogramm nicht sonderlich befreunden konnte — dessen Durchführung das Reichskabinett trotz des Eingreifens Schachts ausdrücklich beschlossen hat —, hat jedoch nach längerem Bedenken abge- lehnt.
Man kam nun auf den ursprünglich von der Volkspartei gemachten Vorschlag zurück, das Finanzministerium mit dem erst ernannten Reichs- wirtschaftsminister Moldenhauer zu besetzen und dafür den sozialdemokratischen Abgeordneten Ro- bert Schmidt, der den Posten schon einmal beklei- det hat, zum Reichswirtschaftsminister zu machen.
Der Reichskanzler hat an den Reichsfinanzwi- nister a. D. Dr. Hilferding das folgende Schrewen I gerichtet:
Sehr geehrter Herr Reichsmimster!
Im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten übermittle ich Ihnen die Urkunde, wonach der Herr Reichspräsident Sie in Genehmigung Ihres Antrages vom 20. Dezember dieses Jahres von Ihrem Amt als Reichsminister der Finanzen entbunden hat.
Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, bei dieser I Gelegenheit zum Ausdruck zu bringen, mit wie großem Bedauern ich Sie aus dem Reichskabinett scheiden sehe. Ihr reiches Wilsen auf allen Gebieten der Finanz- und Wirtschaftspolitik wurde von allen Mitgliedern des [ Reichskabinetts stets in hohem Maße geschätzt Ich gedenke mit besonderem Dank Ihrer wertvollen Mitarbeit bei den während der Dauer Ihrer Amtstätigkeit geführten Reparationsverhandlungen, insbelon- dere den schwierigen und verantwortungsvollen Unterhandlungen während der Haager Konferenz Noch in den letzten Tagen haben Sie maßgeblich zum Erfolg großer Gesetzeswsrke beigetraqen. Ick, nenne nur die soeben vom Reichstag verabschiedete Neuregelung der Zollgesetzgebung, deren Auswirkungen für unser gesamtes Wirtschaftsleben von größter Bedeutung sein werden. Auch für die kommende Reform der Finanzgesetzgebung des Deutschen Reiches haben Sie durch Gestaltung des von der Reichsregierung dem Reichstag vorgelegten Finanzprogramms und einer Anzahl von wichtigen Gesetzesvorlagen eine Grundlage geschaffen, die für die späteren Arbeiten auf diesem Gebiet von größter Bedeutung sein wird.
Wer mit Ihnen gemeinsam gearbeitet hat. weiß, daß diese Ihre unermüdliche Tätigkeit dem ernstesten Pfbcht- qefühl und stärkster Hingabe an die schmierigsten Aufgaben entsprang. Ich darf Ihnen bei Ihrem Scheid-n weinen und aller Ihrer MinisterkoNegen aufrichtigen Dank aussprechen.
In vorzüglicher Hochachtung bin ich
Ihr sehr ergebener gez. Müller.
Der Brief des Reichskanzlers stellt die Antwort dar auf das stier schon mitgeteilte Schreiben des Reichsfinanzminrsters Dr. Hilferding vom 20 De- j tember 1929, in dem er sein Rücktrittsgesuch unterbreitet«.
An den Staatssekretär Dr. Popitz hat der Reichskanzler unter dem 23. d. M. das folgende Schreiben gerichtet:
Sehr geehrter Herr Staatssekretär!
Der Herr Reichspräsident hat Sie auf Ihren, dem Herrn Reichsminister der Finanzen am 19. Dezember
• ®*&0- eber brachten Unbekannten es fer- ng? Weil sie guten Willens waren. Und diesen guten Willen holten ste sich unter dem Ehrist- baum weg, auch die, die etwa gar nicht an das glaubten, wovon er ein Sinbild sein soll. Jawohl, man mag es drehen und wenden, wie immer was alles mst Ehre, Freiheit und Heiligkeit zußnnmen- hangt —, Ehre da nicht als äußere Popanz, son- den, als innere Haltung der Ehrfurcht vor sich und anderen, Freiheit nicht als tolle Zugellosig- keit, sondern als zuchtvolles Stehen zum Sinns des Menschseins, Frommsein nicht als säuselnde Rührseligkeit, sondern als entsagungsvoller Dienst am Bruder Mensch verstanden — hat an der Krippe seinen Ursprung. Aus der brennenden Einsicht wuchs es ihnen, daß es der Mühe wert sei, Mensch zu werden, da Gott selber es nicht verschmähte, Menschengewand zu tragen. Am Kinde zu Bethlehem wurden sie selber zum Kinde, das sein Werk tun muß, und es einfältig tut, auch wenn es darob von tau'end „verständigen" Men- schen durch die Lauge des Spottes geschleift wird. Und das olles konnten sie, weil auch in ihnen eine Tapferkeit war, die dem Beispiel des Stalles von Bethlehem Echo und Antwort zu geben vermochte.
Rein, man darf kein Feigling fein, wenn man an die Krippe tritt, und die Augen für ihre Botschaft, die eine Botschaft des Opfers ist, öffnet. Aber es brornstt noch mehr, noch viel mehr, die den Mut dazu haben, denn noch ist unser Volk nicht gerettet. Alles kommt darauf an, daß das Wort von der „Deutschen Weihnacht" aus einer bloßen Phrase zu blutnollcr Wirklichkeit werde, dadurch, daß der Kreis der Opferbereiten zur stchtbaren Mehrzahl wird. Aus der Geschichte vom Ringen Abrahams um das Schicksal Sodomas willen wir, daß es zu Zeiten um einen Einzigen halten kann Denken mir alle daran, wenn wir heilig Abend den Gang zur Mette antreten. 3. Hatzfeld.
♦ Attentat auf den Dizekömg von Indien. Gegen den Eilenbahnzug des Dizekönigs von Indien, Lord Irwin, wurde eine Donrde gefchleu- I dert. Ein leerer Speisewagen wurde zerstört. Der Dizekönig ist nicht verletzt worden. Ein Zugbeamter wurde leicbt «wdO»h£.
5n der „Kölnischen Volkszeitung" lesen wir: .. 42 Millionen Wahlberechtigten im Deut'
djen Reiche haben noch nicht sechs Millionen ihre Stimme für das sogenannte Freiheitsgesetz abgegebem Berücksichtigt man, daß die hinter dem Volksentscheid stehenden Parteien und Gruppen b®V Aten Reichstagswuhl fast sieben Millio- nen Wähler aufbrachten, so könnte es eigentlich auch den polltlsch Blinden langsam dämmern, wie groß die Niederlage ist. die Die Hugenbergleute ßeftern erlitten haben. Trotzdem stimmt die „„Olf«n\tlfd,e,bpr,ffe äubelhymnen an. Allerdings mit bemerkenswerten Abtönun- gen. Die „Deutsche Zeitung" verkündet dreispaltig „Der Sieg des Volksentscheids", im „Tag" des Herrn Hugenberg wird ebenfalls in Balkenüber- schnft etwas bescheidener vom „Erfolg des Volksentscheids gesprochen, im .Lokalanzeiger" wird
Unsere Weihnachtstage seit dem Jahr des Ver- hangnisses 1914 hatten jedesmal ihr besonderes Gesicht. Wer sich zurückbesinnt, findet, wie sich in ihnen jedesmal das Gesicht des Jahres und feiner Auf- "Nd Niedergänge «piegelte. Hoffnung, Ent- taujchung, neue Hoffnung und neue Enttäuschung, Verzweiflung und tiefste Demütigung und wieder lei'er Schimmer kommenden Taa-s wechselten ab. Spartakusschüsse und das Böllern befreiter Gebiete bildeten unbegreifbare Gegensätze, Friedens- gelaute und freches Getön der Clairons in den Tagen des Ruhreinbruches gaben schreiende Dissonanz, der Gründungsjubel der Milliardenjahre vom Pleitegeier der Deftationszeit ange- krachzt. Und alles das und noch mancherlei mehr, es war einmal, als wir Weihnachten Vierten. Da bekam das Wort von der Deutschen Weihnacht" seinen ganz besonderen Klang Es war die Weihnacht eines aufs tiefste gequälten, hin-und herge- r:ffenen Volkes, das dennoch nicht sterben wollte.
Man mag am deutschen Volke soviel auszu- setzen haben, als nur immer, es bleibt doch wahr: Es rettete seinen guten Kern, von dem es heute noch lebt und der, wenn er bleibt, dis Sicherheit gibt, daß es auch morgen noch leben werde. Macht es m den Jahren der Krisis an der Ob-rfläche auch noch so toll und verrückt sich gebärden, mocht es scheinen, als habe nun und nun alle Frechheit und alle Derzweifelung die Oberhand für sich und als muffe jetzt und jetzt der letzte Tag und der letzte Schrecken anbrechsn — er brach nicht an, zum Bebauern all derer, die ihn fick rechts und links von uns aus Herzensgrunds ersehnten. Er konnte emsach nicht kommen, weil noch allzuviel Gesundes da war, weil es noch Menschen, Deutsche gab, die ganz drunten im schwankenden Schiffe, von niemand gesehen, durch niemand bedankt, ganz I X1‘" ■uuull““’1 «mureien rannte, -zeyn
glicht und treu dem inneren Ruf ihrer Ebre und I '5a9TC hindurch war er hier tätig. Dann über» ihres Gennssens folgten, tausendmal auf die " **"
Seme stellten, was andere in einem fort umwar- ftn und mit einer Geduld ohnegleichen das Kleinste betreuten, weil sie in ihm ein Stück des Großen sahen. Jawohl, jener Eisenbahner, dem V a/s erstem gegen die Ehre ging, daß das deutsche Volk weiterhin in verschmutzten Waggons seme Fahrten mache, hat mehr für den Aufbau getan, als Hundertundrei jener Leute, die die Programme des Aufbaues gleich im Akkord zu- 'ammenzuschneidern verstanden. Dieser Eisenbahner ist aber nur ein Beispiel für viele andere aus anderen schichten und Ständen. Diese, die Klei- nen, der Unscheinbaren, auf feine Ehre und keiner- lei Abzeichen Versessenen, sie stnds gewesen, die vas Gewicht abgaben, das das Kentern desSchif- fes verhinderte. War das leicht? Oh, beileibe nicht, es gehörte lehr viel dazu. Nicht schieben, wo alles schob, nicht verzweifeln, wo alles verzweifelte, nicht leichtsinnig sein, wo alles tanzte, ob das wohl leicht war? Ob das wohl leicht war überall als der dazustehen, der weltfremd, rückständig, ungescheit war, weil er die Dirne Gelegen- hsrt nicht beim Schopfe faßte? Ob es wohl leicht war, das verächtliche Lippenkräuseln aller derer zu tragen, die sich klug und weife dünkten, weil sie aller Verantwortung bar und jedes Gewissens ledig waren? Wir haben fein Grabmal des unbekannten Soldaten, laßt uns ein Ehrenmal rschaff für diesen unbekannten Deutschen, von dem kein Heldenlied singi und sagt, und von dem man fast sagen möchte, er habe das Schwerere fertig gebracht. a
.. , Staatssekretär im Reichsministerium für
öte befefetcn Gebiete, Schmid, der als volkspar- telltcher Relchstagsabgeordneter bei der Dertrau- ensabstkmmung gegen die Regierung stimmte, hat pie Reichsregierung um seine Beurlaubung aebe- teN' die ihm sofort bewilligt worden ist. Man darf wohl annehmen, daß er nicht wieder in sein 2unt zuruckkehrt, zumal ihm bereits von der Roh- stahlgemernschast ein Syndikusposten angeboten worden ist.
Hinanz-Diktalur?
■ .Von Mem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Wir sind die Letzten, die über das Wort „Finanz-Diktator" erschrecken würden! Ganz im Gegenteil: Ein bißchen Diktatorisches muß jeder Finanzmmister an sich haben! Und dieses „bißchen muß umso stärker und umso nachdrücklicher sein, i« größer die Momente und Widerstände b« anderen Seite sind, die sich den finanz- polinschen Maßnahmen der für das Finanzwesen verantwortlichen Persönlichkeit entgegenstellen.
Weil Hilferding so garnichts Diktatori- iSjeS an sich hatte, darum scheiterte er. Diese Weichheit und Nachgiebigkeit ging selbst den So-
m der Ueberschrift lediglich „Die überraschende Zu- nähme beim Volksentscheid" angeführt. Die „KreilZzeitung" sagt in ihrer Ueberschrift „5,8 Mil- Imnen Ja-Stimmen" und die „Deutsche Tageszeitung" gibt den Nachrichten und Betrachtungen über den Volksentscheid den farblosen Titel „Das Ergebnis des Volksentscheids". Also vom Sieg über den Erfolg zum nüchternen Ergebnis. Selbst der „Lokalanzeiger" scheint noch einen Rest des Gefühls dafür zu haben, daß trotz der „überra- fdjenöen Zunahme beim Volksentscheid" Hugen- berg keine Lorbeeren geerntet hat, denn er setzt ausführlich die Umstände auseinander, die gegen den Volksentscheid gesprochen und die Zahl der „Wachen und Wollenden" nicht noch mehr ver- größert haben. Die „Deutsche Zeitung" kennt
vorgelegten Antrag in den einstweiligen Ruhestand ver- sitzt.
2ch nehme die Uebersendung dieser Urkunde gern zum Anlaß, um Ihnen namens der Reichsregierung für Ihre m langen Jahren dem Deutschen Reich geleisteten großen Dienste aufrichtigen Dank auszusprechen. Sie haben die Finanzpolitik Deutschlands in zehn entscheidungsreichen Jahren maßgeblich beeinflußt. Ihrer wertvollen Mitar- b^t bei der ersten großen Steuergesetzgebung des Jahres 1919 folgte die von Ihnen wesentlich bestimmte Steuernotgesetzgebung des Jahres 1924, durch die die Grund- lagen für die Stabilisierung der deutschen Währung ge- schaffen wurden. Mit der bedeutsamen Finanzreform von 1925, die die Aufrichtung eines normalen Steuer» hntems nach der Stabilisierung zum Ziele hatte, wird Ihr Name stets verbunden fein. Auch Ihrer tätigen Mit- Bir‘un8 bei den Fragen der Reichsreform sowie Ihrer vorbereitenden Arbeiten für die bevorstehende Finanzre- form darf ich dankend gedenken.
In einer einzig dastehenden Weise haben Sie die schweren und umfassenden Probleme des Finanzausgleiches beherrscht und sich auf diesem Gebiete große Verdienste erworben. Bei all Ihren Arbeiten, die Sie mit besonderer Entschlußfreudigkeit und Tatkraft durchführten, haben Sie sich stets mit ganzer Kraft für die Staats» löee und Staatsautorität eingesetzt. Ihnen hierfür noch besonders zu danken, ist mir Bedürfnis.
Indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß sich Ihre große Arbeitskraft und Erfahrung im Interesse unseres ergebener meiter$in °uswirken möge, bin ich Ihr sehr
yalbemotraten auf die Nerven. Sogar der Reichs» tagsabgeordnete Friedrich Stampfer, der Chefredakteur des „Vorwärts", gibt zu, daß man schon seinerzeit, bei der durch Hermann Müller erfolgten Berufung Hilferdings zum Reichsfinanzminister m der Sozialdemokratischen Fraktion nicht ohne Bedenken war. Und er spricht weiter aus, daß Hilferding viele Sozialdemokraten alS Reichs- finanzminister enttäuscht hat.
. .A dem eigentlichen Kern der Frage geht freiltch die gesamte sozialdemokratische Presse vorüber. Es hat sich nämlich nichts Geringeres, als das glatte Fiasko der sozialdemokratischen Finanz- und Wirtschaftspolitik ergeben. Hilser- mng war gezwungen, in vielen Fällen genau das Gegenteil von dem zu tun, was er vordem theoretisch vertrat und was die Sozialdemokratie als Partei in ihrer Agitation verlangt. Man braucht ia nur daran zu erinnern, daß selbst Hilferding Agrarzölle befürwortete, in einem Ausmaß, das man früher von sozialdemokratischer Seite für unmöglich gehalten hätte.
Aehnlich ist es ja mit dem, was der Reichs, kanz-ler Müller in seinem Steuer- und Finanz- Programm verlangte. Nun könnte man sich ja der fortschreitenden Erkenntnis auf dieser Seite freuen, wenn man nicht auf Grund früherer Erfahrungen die Befürchtung haben müßte, daß die Sozial- demokratie den Unterschied zwischen Theorie und Praxis in ihrer Agitation im Lande wie bisher so auch künftig übersehen würde. Freilich wird ihr eine solche agitatorische Ausnutzung von Dingen, denen sie sich selbst nicht entziehen konnte, nun immer schwerer gemacht.
Man hat dieser Tage viel von der Finanr- Dlktatur Schachts gesprochen. In der „Vossi- schen Zeitung" steht sogar das Wort von „Mor- gan§ Sieg"! Und Friedrich Stampfer wirft im „Vorwärts" die Frage auf: „Ist es wirklich schon so wert, daß tm Konkurrenzkampf amerikanischer »anfen ein deutscher Finanzmmifter zum Sturz gebracht werden kann?" Tatsächlich liegen hier Entwicklungen und Zusammenhänge vor, die nur mit größter Sorge br.rachtet werden können. Eine Fmanzdiktatur kann gut, ja sogar notwendig fein, aber es kommt auch viel auf ihre Form an. Ein Zustand, wie der jetzige, verträgt sich nicht mit der Würde des Reiches und auch nicht mit dem Ansehen der Dolksvertreiung. Daß durch äußere Einflüsse ein offizielles RegierungS-Finanz- programm innerhalb 24 Stunden über den Haufen geworfen wird, ist jedenfalls in der deutschen Finanz- und Parreigeschichie noch nicht bagetoefen. Das Erlebnis der letzten Tage müßte aber allerseits das VerannvortungSbewußisein schärfen, um verhindern, daß wir jemals wieder in eine
Mähe peinliche Lage gebracht werden.
Marx folgte, trat er im November 1923 zurück und übte seither lediglich sein Reichstagsmavdat (für Westfalen-Süd) aus.
für den Gesetzentwurf
(Ja-Stimmen)
359 495
158 205
188 015
241 727
260 833
391 406
220140
152 150
100 052
233 166
230 083 356 757
190 318
162 023
179 794
215 194
104 597
90 820
171389
34161
39 715
46 272
65 716
129562
35126
311 343
32 481
202585
122 924
264 206
202 504
85 238 78308
46 792
147 375
Sfimmtteis
Zahl der Stimm» berechttgten zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928
Zahl der Eintragungen zum Volksbegehren „Ire helks- gesetz" (endgült. Ergebnis)
Überbauet
J K S.»>
1 Ostpreußen
2 Berlin
3 Potsdam II
4 Potsdam I
5 Frankfurt a. b. O.
6 Pommern
7 VreSIcm
8 Liegnitz
9 Oppeln
10 Magdeburg
11 Merseburg
12 Thüringen
13 Schleswig-Holstein
14 Weser-Ems
15 Osthannover
16 Südhannorer-Braunschweig
17 Westfalen Nord
18 Westfalen Nord
19 Hessen-Nassau
20 Köln-Aacben
21 Koblenz - Trier
22 Düsseldorf Ost
23 Düsseldorf West
24 Oberbayern-Schwaben
25 Niederbayern
26 Franken
27 Pfalz
28 Dresden-Bautzen
29 Leipzig
30 Chemnitz-Zwickau
31 Württemberg
32 Baden
33 Hessen-Darmstadt
34 Hamburg
35 Mecklenburg
1 341 042
1 540 882
1286 099
1 270 449
1 056 202
1 172 255
1 233 250
789 850
822 711
1 095 723
937 693
1 473 488
1 041 380
956 939
679 485
1302 321
1554 601
1 601 821
1644365
1 436 372
776 332
1 462 113
1121 280
1 610 676
794 509
1 620 203
590188
1 299 108
917 989
1 247 715
1 717 104
1 495 624
913 361
887 319
588 448
320 898
95 646
130 649
190 583
201 232
385 757
164 201
109 943
61989
181 437
174 341
241 378
140 844
112 044
134 532
143 739
59 881
51 159
89670
18 881
9916
29 370
35 412
69101
19 522
215 052
16 691
122 704
82 397 i
198 449 !
110 546
33 098 i
27 700
35 650 5
122 752 >
23,93 6,21
. 10,16
i 15,00
19,05
' 32,91
i 13,31
! 13,92
7,53 16,56 18,59 16,38
13,52
11,71
19,80 11,04
3,85 3,19
5,45
1,31
1,28
2,01
3,16
4,29
2,46
13,27 2,83
9,45
8,98
15,90
6,44
2,21
3,03
4,02
20,86