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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

_ Erscheint iechSmai wöchentlich. Mochenbeilagen: „Die Welt jll*, 29S 'w Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlas

Mittwoch, 25. Dezember 1929

56. Zghrg

Deutsche Weihnacht

gez.: Müller.

*

Das Echo des Volksentscheids et« Sa- __. f X

I keine Hemmungen. Sie ruft begeistert aus: „Ein 1 überwältigender Erfolg. Sechs Millionen Deutsche

Auf die einzelnen Wahlkreise verteilt sich das Ergebnis wie folgt:

Bon den gültigen Stimmen lauten

*) der Zahl der Stimmberechtigten zur Reichstagswahl 1928 (6p. 3).

gegen den Gesetz­entwurf (Nein-Stimmen)

27 528

6 235

8 330

13 710

16 275

25 888

18 496

12 038

13 447

14 227

14 781

10 607

6 429

10 201

15164

5 858

4 434

7130

2 658

2 584

2 863

3 905

7 896

2 580

10127

1884

12 058

7 411

12 885

5 333

3 830

4127

2 262

13 064

11 ----' ------ — - UHU V’VllUV

der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :

nahm er die Leitung des Zentral-Arbeitersekrr- tariats in Berlin, seiner Heimatstadt, wo er am Io. Mai 1864 geboren worden war.

Schon 1893 war er im 5. Berliner Wahl­kreis in den Reichstag gewählt worden, der ihm sedoch 1898 verloren ging. Bei den Wahlen von 1903 eroberte er ihn zurück und hatte ihn bis zum Ende des alten Reichstags inne. Im Januar 1919 wurde er in die Nationalversammlung ge­wählt. Bei der Bildung des ersten Parlamen­tarismen Kabinetts auf Grund der neuen vorläufi­gen Reichsverfassung wurde er Ernährung's- m i n i st e r. Dies Amt behielt er auch in dem folgenden Kabinett Bauer im Juni 1919 bei. Nach dem Rücktritt Wissells übernahm er Ende Juni noch die Leitung des R e i ch S Wirtschafts­ministeriums und führte es auch in dem um­gebildeten Kabinett Dauer vom Oktober 1919, ebenso in dem folgenden Kabinett Müller bis zu dessen Rücktritt im Juni 1920. Im Mai 1921 trat er dann wieder in das erste Kabinett Wirth in gleicher Eigenschaft ein und gehörte ebenso dem zweiten Kabinett Wirch vom Oktober 1921 an, mit dem er im Herbst 1922 zurücktrat. Am 13. August 1923 trat er als Wiederaufbaumini- st e r und Stellvertreter des Reichskanzlers wieder in das Kabinett Strefemann („Große Koalition") ein. Mit diesem Kabinett, dem das Kabinett

Monatlich 1,80 einschUetzt. Po-tgeoühr (48 Pf.» ohne 3uiteilq. Anieigcn-Preis« Kleinzeile (Sol.) lokal 0,15 Ut auswärts 0,20 *Mt. Reklamezeile: lokal 0,60 »Jl auswärts 0 80 R.K Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051

Der neue Reichswirtschaftsminister ist in sei­nem Amt kein Neuling, da er in den ersten Iah- ren der Republik bereits mehreren Kabinetten angehörte. Robert Schmidt ist einer der älte­ren Politiker der Sozialdemokratischen Partei» er hatte sich als Klaviermacher durch Selbststudium derart gefördert, daß er 1893 mit 29 Jahren als Schriftleiter am Vorwärts eintreten konnte. Zehn

Der neue Finanz-ANnister.

Reichsnnrkschaftsminisier Prof. Dr. Moldenhauec berufen und durch Robert Schmidt erseht. —

Staatssekretär Schmid beurlaubt.

Der Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers den bisherigen Reichswirtschafts­minister Moldenhauer zum Reichsfinanz­minister und den sozialdemokratischen Abgeord­neten Robert Schmidt zum Reichswirtschafts­minister ernannt.

Die Sozialdemokraten hatten ursprünglich den Antrag gestellt, daß wiedereiner der Ihren diesen Posten besetzen müßte, und hatten hierfiir den Elatsachoerständigen der Partei, den Reichstags­abgeordneten Hertz, vorgeschlagen. Dr. Hertz, der von Anfang an sich mit dem Hilferdingschen Fi- nanzprogramm nicht sonderlich befreunden konnte — dessen Durchführung das Reichskabinett trotz des Eingreifens Schachts ausdrücklich beschlossen hat —, hat jedoch nach längerem Bedenken abge- lehnt.

Man kam nun auf den ursprünglich von der Volkspartei gemachten Vorschlag zurück, das Fi­nanzministerium mit dem erst ernannten Reichs- wirtschaftsminister Moldenhauer zu besetzen und dafür den sozialdemokratischen Abgeordneten Ro- bert Schmidt, der den Posten schon einmal beklei- det hat, zum Reichswirtschaftsminister zu machen.

Der Reichskanzler hat an den Reichsfinanzwi- nister a. D. Dr. Hilferding das folgende Schrewen I gerichtet:

Sehr geehrter Herr Reichsmimster!

Im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten übermittle ich Ihnen die Urkunde, wonach der Herr Reichspräsident Sie in Genehmigung Ihres Antrages vom 20. Dezember dieses Jahres von Ihrem Amt als Reichsminister der Finanzen entbunden hat.

Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, bei dieser I Gelegenheit zum Ausdruck zu bringen, mit wie gro­ßem Bedauern ich Sie aus dem Reichskabinett scheiden sehe. Ihr reiches Wilsen auf allen Gebieten der Finanz- und Wirtschaftspolitik wurde von allen Mitgliedern des [ Reichskabinetts stets in hohem Maße geschätzt Ich ge­denke mit besonderem Dank Ihrer wertvollen Mitarbeit bei den während der Dauer Ihrer Amtstätigkeit geführ­ten Reparationsverhandlungen, insbelon- dere den schwierigen und verantwortungsvollen Unter­handlungen während der Haager Konferenz Noch in den letzten Tagen haben Sie maßgeblich zum Erfolg großer Gesetzeswsrke beigetraqen. Ick, nenne nur die soeben vom Reichstag verabschiedete Neuregelung der Zollgesetzgebung, deren Auswirkungen für unser gesamtes Wirtschaftsleben von größter Bedeutung sein werden. Auch für die kommende Reform der Finanzgesetzgebung des Deutschen Reiches ha­ben Sie durch Gestaltung des von der Reichsregierung dem Reichstag vorgelegten Finanzprogramms und einer Anzahl von wichtigen Gesetzesvorlagen eine Grundlage geschaffen, die für die späteren Arbeiten auf diesem Ge­biet von größter Bedeutung sein wird.

Wer mit Ihnen gemeinsam gearbeitet hat. weiß, daß diese Ihre unermüdliche Tätigkeit dem ernstesten Pfbcht- qefühl und stärkster Hingabe an die schmierigsten Auf­gaben entsprang. Ich darf Ihnen bei Ihrem Scheid-n weinen und aller Ihrer MinisterkoNegen aufrichtigen Dank aussprechen.

In vorzüglicher Hochachtung bin ich

Ihr sehr ergebener gez. Müller.

Der Brief des Reichskanzlers stellt die Antwort dar auf das stier schon mitgeteilte Schreiben des Reichsfinanzminrsters Dr. Hilferding vom 20 De- j tember 1929, in dem er sein Rücktrittsgesuch unter­breitet«.

An den Staatssekretär Dr. Popitz hat der Reichskanzler unter dem 23. d. M. das folgende Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Staatssekretär!

Der Herr Reichspräsident hat Sie auf Ihren, dem Herrn Reichsminister der Finanzen am 19. Dezember

• ®*&0- eber brachten Unbekannten es fer- ng? Weil sie guten Willens waren. Und die­sen guten Willen holten ste sich unter dem Ehrist- baum weg, auch die, die etwa gar nicht an das glaubten, wovon er ein Sinbild sein soll. Jawohl, man mag es drehen und wenden, wie immer was alles mst Ehre, Freiheit und Heiligkeit zußnnmen- hangt —, Ehre da nicht als äußere Popanz, son- den, als innere Haltung der Ehrfurcht vor sich und anderen, Freiheit nicht als tolle Zugellosig- keit, sondern als zuchtvolles Stehen zum Sinns des Menschseins, Frommsein nicht als säuselnde Rühr­seligkeit, sondern als entsagungsvoller Dienst am Bruder Mensch verstanden — hat an der Krippe seinen Ursprung. Aus der brennenden Einsicht wuchs es ihnen, daß es der Mühe wert sei, Mensch zu werden, da Gott selber es nicht ver­schmähte, Menschengewand zu tragen. Am Kinde zu Bethlehem wurden sie selber zum Kinde, das sein Werk tun muß, und es einfältig tut, auch wenn es darob von tau'end „verständigen" Men- schen durch die Lauge des Spottes geschleift wird. Und das olles konnten sie, weil auch in ihnen eine Tapferkeit war, die dem Beispiel des Stalles von Bethlehem Echo und Antwort zu geben ver­mochte.

Rein, man darf kein Feigling fein, wenn man an die Krippe tritt, und die Augen für ihre Bot­schaft, die eine Botschaft des Opfers ist, öffnet. Aber es brornstt noch mehr, noch viel mehr, die den Mut dazu haben, denn noch ist unser Volk nicht ge­rettet. Alles kommt darauf an, daß das Wort von der „Deutschen Weihnacht" aus einer bloßen Phrase zu blutnollcr Wirklichkeit werde, dadurch, daß der Kreis der Opferbereiten zur stchtbaren Mehrzahl wird. Aus der Geschichte vom Ringen Abrahams um das Schicksal Sodomas willen wir, daß es zu Zeiten um einen Einzigen halten kann Denken mir alle daran, wenn wir heilig Abend den Gang zur Mette antreten. 3. Hatzfeld.

♦ Attentat auf den Dizekömg von Indien. Ge­gen den Eilenbahnzug des Dizekönigs von In­dien, Lord Irwin, wurde eine Donrde gefchleu- I dert. Ein leerer Speisewagen wurde zerstört. Der Dizekönig ist nicht verletzt worden. Ein Zugbe­amter wurde leicbt «wdO»h£.

5n der „Kölnischen Volkszeitung" lesen wir: .. 42 Millionen Wahlberechtigten im Deut'

djen Reiche haben noch nicht sechs Millionen ihre Stimme für das sogenannte Freiheitsgesetz abgegebem Berücksichtigt man, daß die hinter dem Volksentscheid stehenden Parteien und Gruppen b®V Aten Reichstagswuhl fast sieben Millio- nen Wähler aufbrachten, so könnte es eigentlich auch den polltlsch Blinden langsam dämmern, wie groß die Niederlage ist. die Die Hugenbergleute ßeftern erlitten haben. Trotzdem stimmt die „„Olf«n\tlfd,e,bpr,ffe äubelhymnen an. Allerdings mit bemerkenswerten Abtönun- gen. Die „Deutsche Zeitung" verkündet dreispal­tig „Der Sieg des Volksentscheids", im „Tag" des Herrn Hugenberg wird ebenfalls in Balkenüber- schnft etwas bescheidener vom „Erfolg des Volks­entscheids gesprochen, im .Lokalanzeiger" wird

Unsere Weihnachtstage seit dem Jahr des Ver- hangnisses 1914 hatten jedesmal ihr besonderes Ge­sicht. Wer sich zurückbesinnt, findet, wie sich in ihnen jedesmal das Gesicht des Jahres und feiner Auf- "Nd Niedergänge «piegelte. Hoffnung, Ent- taujchung, neue Hoffnung und neue Enttäuschung, Verzweiflung und tiefste Demütigung und wieder lei'er Schimmer kommenden Taa-s wechselten ab. Spartakusschüsse und das Böllern befreiter Ge­biete bildeten unbegreifbare Gegensätze, Friedens- gelaute und freches Getön der Clairons in den Tagen des Ruhreinbruches gaben schreiende Disso­nanz, der Gründungsjubel der Milliardenjahre vom Pleitegeier der Deftationszeit ange- krachzt. Und alles das und noch mancherlei mehr, es war einmal, als wir Weihnachten Vierten. Da bekam das Wort von der Deutschen Weihnacht" seinen ganz besonderen Klang Es war die Weih­nacht eines aufs tiefste gequälten, hin-und herge- r:ffenen Volkes, das dennoch nicht sterben wollte.

Man mag am deutschen Volke soviel auszu- setzen haben, als nur immer, es bleibt doch wahr: Es rettete seinen guten Kern, von dem es heute noch lebt und der, wenn er bleibt, dis Sicherheit gibt, daß es auch morgen noch leben werde. Macht es m den Jahren der Krisis an der Ob-rfläche auch noch so toll und verrückt sich gebärden, mocht es scheinen, als habe nun und nun alle Frechheit und alle Derzweifelung die Oberhand für sich und als muffe jetzt und jetzt der letzte Tag und der letzte Schrecken anbrechsn — er brach nicht an, zum Be­bauern all derer, die ihn fick rechts und links von uns aus Herzensgrunds ersehnten. Er konnte emsach nicht kommen, weil noch allzuviel Gesun­des da war, weil es noch Menschen, Deutsche gab, die ganz drunten im schwankenden Schiffe, von niemand gesehen, durch niemand bedankt, ganz I X1‘" ■uuull““’1 «mureien rannte, -zeyn

glicht und treu dem inneren Ruf ihrer Ebre und I '5a9TC hindurch war er hier tätig. Dann über» ihres Gennssens folgten, tausendmal auf die " **"

Seme stellten, was andere in einem fort umwar- ftn und mit einer Geduld ohnegleichen das Kleinste betreuten, weil sie in ihm ein Stück des Großen sahen. Jawohl, jener Eisenbahner, dem V a/s erstem gegen die Ehre ging, daß das deutsche Volk weiterhin in verschmutzten Waggons seme Fahrten mache, hat mehr für den Aufbau getan, als Hundertundrei jener Leute, die die Programme des Aufbaues gleich im Akkord zu- 'ammenzuschneidern verstanden. Dieser Eisenbah­ner ist aber nur ein Beispiel für viele andere aus anderen schichten und Ständen. Diese, die Klei- nen, der Unscheinbaren, auf feine Ehre und keiner- lei Abzeichen Versessenen, sie stnds gewesen, die vas Gewicht abgaben, das das Kentern desSchif- fes verhinderte. War das leicht? Oh, beileibe nicht, es gehörte lehr viel dazu. Nicht schieben, wo alles schob, nicht verzweifeln, wo alles ver­zweifelte, nicht leichtsinnig sein, wo alles tanzte, ob das wohl leicht war? Ob das wohl leicht war überall als der dazustehen, der weltfremd, rück­ständig, ungescheit war, weil er die Dirne Gelegen- hsrt nicht beim Schopfe faßte? Ob es wohl leicht war, das verächtliche Lippenkräuseln aller derer zu tragen, die sich klug und weife dünkten, weil sie aller Verantwortung bar und jedes Gewissens ledig waren? Wir haben fein Grabmal des un­bekannten Soldaten, laßt uns ein Ehrenmal rsch­aff für diesen unbekannten Deutschen, von dem kein Heldenlied singi und sagt, und von dem man fast sagen möchte, er habe das Schwerere fertig gebracht. a

.. , Staatssekretär im Reichsministerium für

öte befefetcn Gebiete, Schmid, der als volkspar- telltcher Relchstagsabgeordneter bei der Dertrau- ensabstkmmung gegen die Regierung stimmte, hat pie Reichsregierung um seine Beurlaubung aebe- teN' die ihm sofort bewilligt worden ist. Man darf wohl annehmen, daß er nicht wieder in sein 2unt zuruckkehrt, zumal ihm bereits von der Roh- stahlgemernschast ein Syndikusposten angeboten worden ist.

Hinanz-Diktalur?

■ .Von Mem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Wir sind die Letzten, die über das Wort „Finanz-Diktator" erschrecken würden! Ganz im Gegenteil: Ein bißchen Diktatorisches muß jeder Finanzmmister an sich haben! Und dieses „biß­chen muß umso stärker und umso nachdrücklicher sein, i« größer die Momente und Widerstände b« anderen Seite sind, die sich den finanz- polinschen Maßnahmen der für das Finanzwesen verantwortlichen Persönlichkeit entgegenstellen.

Weil Hilferding so garnichts Diktatori- iSjeS an sich hatte, darum scheiterte er. Diese Weichheit und Nachgiebigkeit ging selbst den So-

m der Ueberschrift lediglich „Die überraschende Zu- nähme beim Volksentscheid" angeführt. Die „KreilZzeitung" sagt in ihrer Ueberschrift „5,8 Mil- Imnen Ja-Stimmen" und die „Deutsche Tageszei­tung" gibt den Nachrichten und Betrachtungen über den Volksentscheid den farblosen Titel „Das Ergebnis des Volksentscheids". Also vom Sieg über den Erfolg zum nüchternen Ergebnis. Selbst der „Lokalanzeiger" scheint noch einen Rest des Gefühls dafür zu haben, daß trotz der „überra- fdjenöen Zunahme beim Volksentscheid" Hugen- berg keine Lorbeeren geerntet hat, denn er setzt ausführlich die Umstände auseinander, die gegen den Volksentscheid gesprochen und die Zahl der „Wachen und Wollenden" nicht noch mehr ver- größert haben. Die „Deutsche Zeitung" kennt

vorgelegten Antrag in den einstweiligen Ruhestand ver- sitzt.

2ch nehme die Uebersendung dieser Urkunde gern zum Anlaß, um Ihnen namens der Reichsregierung für Ihre m langen Jahren dem Deutschen Reich geleisteten großen Dienste aufrichtigen Dank auszusprechen. Sie haben die Finanzpolitik Deutschlands in zehn entscheidungsreichen Jahren maßgeblich beeinflußt. Ihrer wertvollen Mitar- b^t bei der ersten großen Steuergesetzgebung des Jahres 1919 folgte die von Ihnen wesentlich bestimmte Steuer­notgesetzgebung des Jahres 1924, durch die die Grund- lagen für die Stabilisierung der deutschen Währung ge- schaffen wurden. Mit der bedeutsamen Finanzreform von 1925, die die Aufrichtung eines normalen Steuer» hntems nach der Stabilisierung zum Ziele hatte, wird Ihr Name stets verbunden fein. Auch Ihrer tätigen Mit- Bir‘un8 bei den Fragen der Reichsreform sowie Ihrer vorbereitenden Arbeiten für die bevorstehende Finanzre- form darf ich dankend gedenken.

In einer einzig dastehenden Weise haben Sie die schweren und umfassenden Probleme des Finanzausglei­ches beherrscht und sich auf diesem Gebiete große Ver­dienste erworben. Bei all Ihren Arbeiten, die Sie mit besonderer Entschlußfreudigkeit und Tatkraft durchführ­ten, haben Sie sich stets mit ganzer Kraft für die Staats» löee und Staatsautorität eingesetzt. Ihnen hierfür noch besonders zu danken, ist mir Bedürfnis.

Indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß sich Ihre große Arbeitskraft und Erfahrung im Interesse unseres ergebener meiter$in °uswirken möge, bin ich Ihr sehr

yalbemotraten auf die Nerven. Sogar der Reichs» tagsabgeordnete Friedrich Stampfer, der Chef­redakteur des „Vorwärts", gibt zu, daß man schon seinerzeit, bei der durch Hermann Müller er­folgten Berufung Hilferdings zum Reichsfinanz­minister m der Sozialdemokratischen Fraktion nicht ohne Bedenken war. Und er spricht weiter aus, daß Hilferding viele Sozialdemokraten alS Reichs- finanzminister enttäuscht hat.

. .A dem eigentlichen Kern der Frage geht freiltch die gesamte sozialdemokratische Presse vorüber. Es hat sich nämlich nichts Geringeres, als das glatte Fiasko der sozialdemokratischen Finanz- und Wirtschaftspolitik ergeben. Hilser- mng war gezwungen, in vielen Fällen genau das Gegenteil von dem zu tun, was er vordem theore­tisch vertrat und was die Sozialdemokratie als Partei in ihrer Agitation verlangt. Man braucht ia nur daran zu erinnern, daß selbst Hilferding Agrarzölle befürwortete, in einem Ausmaß, das man früher von sozialdemokratischer Seite für unmöglich gehalten hätte.

Aehnlich ist es ja mit dem, was der Reichs, kanz-ler Müller in seinem Steuer- und Finanz- Programm verlangte. Nun könnte man sich ja der fortschreitenden Erkenntnis auf dieser Seite freuen, wenn man nicht auf Grund früherer Erfahrungen die Befürchtung haben müßte, daß die Sozial- demokratie den Unterschied zwischen Theorie und Praxis in ihrer Agitation im Lande wie bis­her so auch künftig übersehen würde. Frei­lich wird ihr eine solche agitatorische Ausnutzung von Dingen, denen sie sich selbst nicht entziehen konnte, nun immer schwerer gemacht.

Man hat dieser Tage viel von der Finanr- Dlktatur Schachts gesprochen. In der „Vossi- schen Zeitung" steht sogar das Wort von „Mor- gan§ Sieg"! Und Friedrich Stampfer wirft im „Vorwärts" die Frage auf: „Ist es wirklich schon so wert, daß tm Konkurrenzkampf amerikanischer »anfen ein deutscher Finanzmmifter zum Sturz gebracht werden kann?" Tatsächlich liegen hier Entwicklungen und Zusammenhänge vor, die nur mit größter Sorge br.rachtet werden können. Eine Fmanzdiktatur kann gut, ja sogar notwendig fein, aber es kommt auch viel auf ihre Form an. Ein Zustand, wie der jetzige, verträgt sich nicht mit der Würde des Reiches und auch nicht mit dem Ansehen der Dolksvertreiung. Daß durch äußere Einflüsse ein offizielles RegierungS-Finanz- programm innerhalb 24 Stunden über den Haufen geworfen wird, ist jedenfalls in der deutschen Finanz- und Parreigeschichie noch nicht bagetoefen. Das Erlebnis der letzten Tage müßte aber aller­seits das VerannvortungSbewußisein schärfen, um verhindern, daß wir jemals wieder in eine

Mähe peinliche Lage gebracht werden.

Marx folgte, trat er im November 1923 zurück und übte seither lediglich sein Reichstagsmavdat (für Westfalen-Süd) aus.

für den Gesetz­entwurf

(Ja-Stimmen)

359 495

158 205

188 015

241 727

260 833

391 406

220140

152 150

100 052

233 166

230 083 356 757

190 318

162 023

179 794

215 194

104 597

90 820

171389

34161

39 715

46 272

65 716

129562

35126

311 343

32 481

202585

122 924

264 206

202 504

85 238 78308

46 792

147 375

Sfimmtteis

Zahl der Stimm» berechttgten zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928

Zahl der Eintragungen zum Volksbegehren „Ire helks- gesetz" (endgült. Ergebnis)

Überbauet

J K S.»>

1 Ostpreußen

2 Berlin

3 Potsdam II

4 Potsdam I

5 Frankfurt a. b. O.

6 Pommern

7 VreSIcm

8 Liegnitz

9 Oppeln

10 Magdeburg

11 Merseburg

12 Thüringen

13 Schleswig-Holstein

14 Weser-Ems

15 Osthannover

16 Südhannorer-Braunschweig

17 Westfalen Nord

18 Westfalen Nord

19 Hessen-Nassau

20 Köln-Aacben

21 Koblenz - Trier

22 Düsseldorf Ost

23 Düsseldorf West

24 Oberbayern-Schwaben

25 Niederbayern

26 Franken

27 Pfalz

28 Dresden-Bautzen

29 Leipzig

30 Chemnitz-Zwickau

31 Württemberg

32 Baden

33 Hessen-Darmstadt

34 Hamburg

35 Mecklenburg

1 341 042

1 540 882

1286 099

1 270 449

1 056 202

1 172 255

1 233 250

789 850

822 711

1 095 723

937 693

1 473 488

1 041 380

956 939

679 485

1302 321

1554 601

1 601 821

1644365

1 436 372

776 332

1 462 113

1121 280

1 610 676

794 509

1 620 203

590188

1 299 108

917 989

1 247 715

1 717 104

1 495 624

913 361

887 319

588 448

320 898

95 646

130 649

190 583

201 232

385 757

164 201

109 943

61989

181 437

174 341

241 378

140 844

112 044

134 532

143 739

59 881

51 159

89670

18 881

9916

29 370

35 412

69101

19 522

215 052

16 691

122 704

82 397 i

198 449 !

110 546

33 098 i

27 700

35 650 5

122 752 >

23,93 6,21

. 10,16

i 15,00

19,05

' 32,91

i 13,31

! 13,92

7,53 16,56 18,59 16,38

13,52

11,71

19,80 11,04

3,85 3,19

5,45

1,31

1,28

2,01

3,16

4,29

2,46

13,27 2,83

9,45

8,98

15,90

6,44

2,21

3,03

4,02

20,86