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Nr. 297.

Suldaer Zeitung (Amtliches kreisbtatt).

Dienstag, den 24. Dezember isrs.

Heimat

Fulda, neu L3 Dezember 1929

Gutes Weihnachtswetter?

. Tas Interesse an der Weihnachtswitterung wachst mit dem Quadrat der Zeit, in der wir uns den eigentlichen Festtagen selbst nähern. Schönes Wetter oder Wetterumsturz? Was sagen die Meteorologen dazu? Der scharfe Witterungs­wechsel, der in der zweiten Hälfte des Monats nach dem miiiden Regenwetter einsetzte, ist auf den Wechsel in den Luftströmungen zurückzuführen. Als die Zyklonentätigkeit, die diesmal besonders schwere Schäden anrichtete, erlahmte, kam es zu einem Wetterumsturz. Die in unsere Breiten ge­langten kalten Luftmassen führten zur Bildung eines Hochdruckgebietes über dem südwestlichen Europa, das den Luftwirbeln den Weg zu uns versperrte. An die Stelle warmer ozeanischer trat kalte kontinentale Luft, die durch eine frische Schneedecke bei eingetretener Aufheiterung eine weitere Abkühlung erfuhr. Der Winter hatte sei­nen Einzug gehalten. Das Hochdruckgebiet, das nunmehr die Herrschaft über unsere Wetterlage übernommen hat, wandert langsam nach dem öst­lichen Europa. Es fragt sich aber nun, wie lange es den wiederum vom Westen her vordringenden neuen Tiefdruckgebieten Widerstand leisten wird. Das anhaltende Fallen des Barometers ist kein günstiges Zeichen.

Es deutet auf einen Abbau des östlichen Wetter­maximums in seinem westlichen Teile hin. Hier­durch besteht aber die Gefahr des Vorrückens einer am Samstag von Schottland bis nach Spanien sich erstreckenden Regenfront. Damit ist aber das Schicksal des augenblicklichen Kälteeinbruchs noch keineswegs besiegelt.

Es ist nicht ausgeschllrssen, daß uns das Weih­nachtsfest den von allen Wintersportlern gewünsch­ten Neuschnee bringt, wobei aber das Thermometer allerdings bis in die sehr bedenkliche Nähe des Gefrierpunktes ansteigen kann. Aber — bei glei­cher Wetterlage tft es schon wiederholt vorge­kommen, daß die von Westen heranrückende Warm­lustwelle über Westdeutschland plötzlich Halt ge­macht hat, und daß die eingetretenen Schneefälle mit einem neuen Källeeinbruch einhergingen. Der Letztere Fäll aber dürfte für Weihnachten der Wunsch aller Menschen sein!

Goldener Sonntag.

Wohl noch nie hat ein Wahltag so große Men- fchenmassen auf die Beine gebracht wie der ge­strige Abstimmungstag zum Vollsentscheid. Ge­wählt wurde in einem riesigen Umfange, aller­dings nur zu einem kleinen Teil zwischen Ja oder Nein in den Abstimmungslokalen, sondern in der Hauptsache unter den Tausend schönen Gaben, die für den Weihnachtstisch in den Schaufenstern und in den Verkaufslokalen ausgebreitet waren. In den drei Abstimmungslokalen Leere und Lange­weile, die das Kartenspiel als Rettungsanker er­scheinen ließ, in den Derkaufsläden aber kolos­saler Andrang und riesige Geschäftigkeit. Für viele Erwerbstätige und viele Hausfrauen war der Gol­dene Sonntag der letzte Tag zur Beendigung des Weihnachtseinkaufs. Das Weihnachtswetter, das uns nun doch noch erreicht hat, trug nicht wenig zur Anregung der Kauflust bei, so daß man wohl mit Recht von dem Tag als Goldenen Sonntag sprechen kann. Politik und Goldener Sonntag. Auf die überwältigende Mehrheit der Menschen, die durch die Straßen eilten, hatte der politische Ein­schlag des Tages keinen Einfluß. Ihre Herzen waren erfüllt von dem Wunsche, den Menschen Liebe zu schenken, der seinen Ausdruck fand im Einkauf der Weihnachtsgaben. Die kommenden Weihnachtstage sind uns wie ein schönes Märchen aus dem Jugendland, und je näher wir den Fest­tagen kommen, desto stärker spüren wir, daß wir gerade in dieser sturmbewegten Zeit das rechte Christfest, die Botschaft vom wirklichen Frieden unter den Menschen brauchen.

Fuldaer Volksentscheid.

Für Hitler und Hugenberg entscheiden sich die Fuldaer so schnell nicht. Für Radika­lismus irgend welcher Art, mag es Bolsche­wismus oder Faszismus sein, besteht hier bei der großen Masse der Bevölkerung kein Sinn. Solche Neigungen bleiben auf Kreise beschränkt, die auch sonst eine besondere Rolle spielen, und starke Abweichungen von den in Fulda in den brei­ten Volkskreisen vertretenen Meinungen aufzeigen. Das bewies auch wieder der Volksentscheid am gestrigen Sonntag. Für das Volksbegehren, das 136 Personen unterschrieben hatten, Habern nur 405 Personen mit „Ja" gestimmt. 10 haben ihre Ab­neigung gegen Hugenbergs Aktion ausdrücklich durch ein Nein dokumentiert. Zwei machten sich die Mühe, zum Stimmlokal zu gehen, haben aber dann ungültig abgestimmt. Auf die 3 Wahl­lokale verteilten sich die Stimmen wie folgt:

1. Bezirk (Mitte und Osten):

Abgestimmt haben 211; mit Ja 204, mit Nein 6, ungültig eine Stimme.

2. Bezirk (Süden und Westen):

Abgestimmt haben 87; mit Ja 85, mit Nein 2.

3. Bezirk (Norden):

Abgestimmt haben 119; mit Ja 116, mit Nein 2, ungültig eine Stimme.

Stimmberechtigt waren 17193 Personen. Es haben davon mit Ja noch keine 3 Prozent ge­stimmt, statt 50 Prozent, die erforderlich waren.

Zu Vergleich sei angegeben, daß bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung am 17. Novem­ber allein die Nationalsozialisten 387 Stimmen erhielten, also fast soviel als überhaupt Ja-Stimmen für bas Volksbegehren in Fulda ab­gegeben wurden. Bei der Wahl zum Kommunal­landtag waren es sogar 602 nationalsozialistische Stimmen. In beiden Fällen wurde für die Hes­sische Arbeitsgemeinschaft, in der die Deutschnatio­nalen den Kernbilden, um 1500 Stimmen abgege­ben. Der Volksentscheid bat also auch nicht an« rahernd au« nur dieiensgen Veckhkrssi<> erfaßt, von

denen die Aktion ausging, die selbstverständlich die Aufgabe hatte, weit in die Kreise der anderen Par­teien hinein Mitwirkung zu finden.

Auf den Dörfern des Fuldaer Landes ist die Beteiligung noch geringer gewesen. Die meisten Dörfer melden, daß überhaupt nie­mand für den Volksentscheid stimmte. Andere Dörfern melden ein ober zwei Stimmen, darunter Stimmen, die von Auswärtigen auf Wahlscheine hin abgegeben wurden.

Landkreis Fulda.

Stimmberechtigt 27 501 abgegebene Stimmen 229, davon ungültig 4, Ja-Stimmen 207, Nein- Stimmen 22. Mit Ja stimmten also 0,75 Prozent.

kreis Hünfeld.

Stimmberechtigt 14 436, abgegebene Stimmen 1662, davon ungültig 16, Ja-Stimmen 1582, Nein- Stimmen 64.

kreis Gersfeld.

Stimmberechtigt 13 357, abgegebene Stimmen 1531, ungültig 19, Ja-Stimmen 1468, Nein­stimmen 44.

kreis Schlüchtern.

Stimmberechtigt 19 443, abgegebene Stimmen 3 433, ungültig 36, 3a=Stimmen 3 300, Nein- Stimmen 97.

Das vorläufige amtliche Endergebnis im Wahl­kreis 19 (Hessen-Nassau) lautet: Stimmberechtigt 1691 859, abgegebene Stimmen 180 541, davon gültig 178 519, ungültig 2 022, Ja-Stimmen 171389, Nein-Stimmen 7130. Beim Volksbegeh­ren zeichneten sich 92 725 Personen ein.

Im Regierungsbezirk Kassel allein ergeben sich folgende Zahlen: Stimmberechtigt 687181, abgegebene Stimmen 106 408, davon gültig 104 965, ungültig 1443, Ja-Stimmen 101177, Nein-Stimmen 3 788. Beim Volksbegeh­ren zeichneten sich ein 56 993.

Kraftpost Fulda-Giesel.

Die Kraftpost Fulda-Giesel verkehrt wegen des bevorstehenden Feiertages nicht Mittwoch, den 25., sondern Dienstag, den 24. Dezember.

Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmuh- fchriflen.

Ein Runderlaß des Preußischen Landwirtschafts­ministers führt nach Mitteilung der Deutschen Be­amtenbund-Korrespondenz folgendes aus: In einer Sitzung der Landjugendämter im Preußi­schen Ministerium für Volkswohlfahrt ist von ver­schiedenen Seiten hervorgehoben worden, daß b'.e Lehrerschaft (auch die Lehrerschaft der Fachschulen) sich noch nicht genügend an dem Abwehrkampf gegen Schund- und Schmutzschriften beteiligt, ver­mutlich deshalb nicht, weil ihr die Handhabung, die das Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- utro Schmutzschriften vom 18. Dezember 1926 bietet, nicht hinlänglich bekannt sind. Ich bitte daher die Lehrerschaft der höheren Landwirt­schaftsschulen und der Landwirtschaftsschulen, auf diese wichtige Aufgabe der Jugendpflege ihr besonderes Augenmerk zu richten. Wertvolle Hilfe kann die Lehrerschaft schon dann leisten, wenn sie die Landesjugendämter über die in ihren Schu­len vorgefundene Lektüre unterrichtet. Diese Mit­teilungen müssen folgende Angaben enthalten: Titel, Verfasser, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, Verleger der Schrift, des Buches, der Serien« romane oder der Zeitschriften, Mitteilung darüber, wo die Schrift gelesen worden ist (Großstadt, Mii- telstadt, Kleinstadt, flaches Land?), Alter und Ge­schlecht des Jugendlicken, bei dem die Schrift ge­funden wurde. Der Erlaß, der auf einen ähnlicken Erlaß des Preußischen Wohlfahrtsminister vom 1. Februar 1929 Bezug nimmt, ist den Schulaufsichts­behörden der höheren Landwirtschaftsschulen, sämt­lichen Landwirtfckaftskammem und der Preußi­schen Hauptlandwirtschaftskammer zugegangen.

Aber liebes Publikum!

Gestern, in den späteren Abendstunden, ent­stand durch Unvorsichtigkeit im Umgehen mit Feu­erzeug, in der Bahnhofstraße ein kleiner Keller­brand. Die Feuerwehr wurde alarmiert, ohne daß eigentlich Grund dafür vorlag. Pflichtgetreu eilten die braven Wehrmänner der Schleife zu ihrem Geräteschuppen. Was erlaubte sich das Publikum, das sich angefammelt hatte? Jeder Feuerwehrmann, der keuchend ankam, wurde, weil keine Gefahr mehr bestand, ausgelachk. Man sollte es nicht für möglich halten, daß den­kende Menschen sich an einem solchen Unfug be­teiligen können. R-rdien^n nickt die psi im---U'-'- gen Männer der Feuerwehr allgemeine Hochach­tung statt Spott« und Schadenfreude. Was gibt es doch in unserer angeblich so fortgeschrittenen Zeit für Kurzsichtigkeit, Denkfan'beit und Gemütsver- rohung. Publikum, bessere Dich!

Muß man einen eingeschriebenen Brief annehmen?

Diese Frage wird sehr oft gesprächsweise erör­tert, und man ist dabei in der Regel geteilter Mei­nung. Wenig bekannt ist, daß diese Frage schon mehrere Gerichte beschäftigt hat und juristisch ganz klar liegt. An sich ist bekanntlich niemand ver­pflichtet, irgendeine „unbestellte" Sache anzuneh­men, folglich auch nicht einen Brief. Da nun brief­liche Mitteilungen eine der vielen Formen darstel- len, in denen sich unser gesamter gegenseitiger ge­schäftlicher und privater Verkehr abwickelt, so kann man einen Brief nicht ohne weiteres als etwas „Unverlangtes" betrachten, am wenigsten bann, wenn er „eingeschrieben" ist, wenn man also schon hieraus schließen kann, daß der Inhalt des Brieles sehr wichtiger Natur sein muß und daß der Inhalt auch ganz sicher zu unserer persönlichen Kenntnis gelangen soll. Lehnt man also die Annahme eines Elchen Briefes ab, so bat man dazu das Recht; man ist aber auf clle Fälle haftbar, d. h. man hat die Folgen zu treuen, wenn d-r Jrckalt des Brie­fes sich auf irgendwelche Rechtsverhältnisse bezog. — So hat das Oberlandesgericht Celle einen Fall entschieden. Jemand nahm einen eingeschrie­benen Brief nicht an angeblich, weil auf dem Umschlag der Absender nicht ver­merkt war. Der Brief enthielt die Kündi­gung eines Arbeitsverhältnisses. Der Absender wies vor Gericht nach, daß die Kündigung Inhalt des eingeschriebenen Briefes war, auch rechtzeitig zur Post begeben, von biefer rechtzeitig bem Abref- faten noroelegt, die Annahm" ah"r abgelehnt wor­

ben fei. Irgendwelche Portokosten usw. wären bem Adressaten bei Annahme des Briefes nicht zugemutet worden. Demzufolge entschied das Ge­richt, daß der Inhalt des Briefes bem Abressaten gegenüber vollstänbig zu Recht bestehe.

Brandwache in Alarmbereilfchafl.

Am Heiligen Abend, wo es während der Bescherung in den Familien durch den im Lichter­glanz strahlenden Weihnachtsbaum oft leicht zu ge­fährlichen Bränden kommen kann, ist von 6 Uhr abends bis 12 Uhr nachts eine Brandwache unserer aktiven Feuerwehr ständig in Alarmbereitschaft. Es empfiehlt sich, bei etwa entstehenden Bränden sofort die Polizei-Wache (Nr. 21) telefonisch anzurufen. _____

keine Mielserhöhung zum 1. April.

Die immer wieder auftauchenden Pressemeldun­gen über Mietserhöhungen zum 1. April sind, wie von unterrichteter preußischer Seite mitgeteüt wird, unrichtig. Es haben in der letzten Zeit keinerlei Verhandlungen mit dem Ziele der Mrets- erhöhung ftattgefunben. — Da zurzeit keine Ge­meindewahl cm Himmel sieht, weiß man nicht mehr, warum auch jetzt Gerüchte über Mietserhö­hungen ausgestreut werden.

Zweckmäßige Hühnerfütterung.

Ein Legehuhn benötigt als Nahrung pro Tag 200—240 Gramm, davon in Form von Mifchfut- ter 100—200 Gramm und die gleiche Menge Grün­futter (Rüben oder gekeimter Hafer im Winter). Folgendes Trocken-Mischfutter hat sich bewährt: 40 Teile Gerstenschrot, 20 Teile Weizenkleie, 20 Teile Fleischmehl, 4 Teile Fischmehl, 6 Teile Lein­mehl..

Von dieser Mischung gibt man je Tier 50—60 Gramm und zwar morgens. Abends erhält jedes Tier 55 Gramm von folgendem Körnergemisch: 10 Teile Gerste, 15 Teile Hafer, 15 Teile Weizen, 15 Teile Mais.

Will man Weichfutter geben, so stellt man fol­gende Mischung zufammen und gibt dieselbe mor­gens: 20 Gramm gekochte Kartoffeln, 20 Gr. Wei- zenkleie, 15 Gr. Fleischmehl.

Das Weichfutter richtet man am zweckmäßigsten mit Wasser her; im übrigen hat man immer dar­auf zu achten, daß das Futter nicht in Säuerung gerät. Abends gibt man nach diesem Weichfutter wieder 55 Gramm von obigem Kömer-Futterge- misch.

Für Legehühner ist zwecks Erhöhung der Lei­stung ein dauernder Wechsel zwischen Trocken- und Weichfutter sehr am Platze. Man muß zu diesem Zwecke die Hühner von Jugend auf schon an die­sen Wechsel gewöhnen. Man gibt zweckmäßig 2 Tage Trockenmischfutter und einen Tag Weich- futter. Hat man im Winter keinen Auslauf, bann füttert man 3 Mal täglich unb zwar morgen» Trockenmischfutter, mittags Weichfutter unb abenbs ein Körnergemisch.

Man versäume nie, ben Hühnern Kalk in Foim von Schlämmkreide Kalkmörtel, zerkleinerte Eier­schalen unb Knochenichrot zur Verfügung zu ftel« len. Man vernachlässige ferner nie, ben Hühnern immer reichliches unb sauberes Trinkwasser ;ju verabreichen, besonders bei lang anhaltendem Trok- fenfutter. Man rechnet auf 10 Hühner pro Tag 1% Liter Wasser. In basselbe gibt man zweck­mäßig auf 1 Liter 5 Gramm Eisenvitriol unb löst zum Schutz gegen Infektionskrankheiten Chi- nosollabletten auf. Sielanb.

Sie Heizuugsanlageiu betSomfitdje.

Längst schon wurde die Beheizung des Domes als ein dringendes Bedürfnis empfunden, besonders ttn letzten harten Winter, wo monatelang 8 Grad Kälte darin herrschten Nachdem alle übrigen Kirchen der Stadt mit Heizung versehen waren, durste auch die Kathedrale nicht fehlen. So wurde mutig an den Plan herangetreten

Don vornherein stand es fest, daß eine Beheizung mit Elektrizität oder mit Gas nicht m Betracht kam aus Grün­den, deren Darlegung hier zu weit führen wurde. Das Domkapitel setzte sich mit der Firma (Sehr. Th. Mohr in Aachen in Verbindung. Diese hat schon 1500 Hei- zungsanlagen geschaffen, darunter im Munster zu Aachen und Tanten, in den Domen zu Erfurt und Worms, auch in der Marienkirche zu Danzig.

Am 27. Mai d. I. kam Generalkonservator Hiecke mit mehreren Vertretern des Kultus- und Finanzministerium- und der Regierung von Kassel hierher. Nach eingehender Besichtigung wurden Feuerungsstätten in dem unter­irdischen Raum unter der Orgel, in dem Sakrarium ne­ben der Sakristei und in dem Steinmuseum vorgesehen. Letztere stellte sich aber später als überflüssig heraus. Da« hiesige Preußische Hochbauamt wurde beauftragt, von bet Firma Mahr entsprechende Pläne einzufordern.

Herr Regierungsbaurat Bomätsch nahm sich tat kräftig der Sache an. Am 25. September wurde vom Domkapitel den Bauunternehmern G r o I ch und H i l- l e n b r a n d auf Grund der dem Hochbauamt eingereich- ten Kostenanschläge die Ausführung übertragen. 41 Ar­beiter wurden damit beschäftigt. Zuweilen glaubte man den Greuel der Verwüstung am heiligen Orte zu sehen Aber in fleißiger, überaus mühevoller Arbeit, bei der er manchmal Mauern von 3,80 Meter zu durchbrechen gab, wurde unter der Oberleitung des Hochbauamtes das Werk vollendet.

Auf der Westseite wurde in dem Sakrarium eine Feuerungsstätte und darüber eine Luftsammelkammer ge­schaffen. Davon geht aus ein Warmluftkanal unter dem Chor her durch das Museum in die Marienkapelle, ein zweiter Warmluftkanal in die Sakristei. Ein Rückluft- kanal geht aus von der Bonisatiusgruft und ein Frisch­luftkanal vom dem Hofe des Priesterseminars in die Luft- sammelkammer.

In diese ist eingebaut ein Exhaustor mit elektrischem Antrieb zur Beförderung der Rück- und der Frischluft. Mit dessen Hilfe ist es möglich, innerhalb einer Stunde die Lust in dem Kirchenraum von 46 000 Kubikmetern (übrigens ziemlich genau einem Viertel des Kubikinhaltes des Kölner Dornes) zu erneuern. Die Führung des Schornsteins bis zum Dachfirst über der Sakristei war nicht mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft

An der O st s e i te wurden in dem unterirdischen Raum drei Oefen aufgestellt und ein Platz für die Lagerung de- Heizungsmaterials geschaffen. Die "warme Luft tritt durch Güter unter der Orgel in die Kirche ein. Es wurden zwei symmetrische Schornsteine zur Ableitung desRauches und etwaiger schädlicher Gase erbaut, unten in die Mauer eingespritzt, auf der Orgel vorgebaut und dann weiter­geführt dis zum Dachfirst hinter die Salvatorstatue.

Am vorigen Freitag um H12 Uhr wurden nach der kirchlichen Weihe die vier Oefen angezündet, je einer von dem Domdechanten, von den beiden Domkustoden, Dom­kapitular Dr. Richter und Dompfar-er Schüler, und dem Domküster Heil. Schon am Nachmittag zeigte das Thermometer bei der Kanzel über 9 Grad Wärme. Und gestern werden die Besucher der Domkirche gewiß ange­nehm überrascht gewesen fein und die wohltuende Wir- tung der Heizung empfunden haben.

Noch ein Wort über die Kosten. Der Staat hat einen Teil davon getragen. Aber für den weitaus größeren mußte ein Darlehen ausgenommen werden Zu dessen Verzinsung und Abtragung, auch für die Beschaffung des Heizmaterials sind Spenden sehr willkommen. Solche nehmen dankbar entgegen Domdechant Dr. Leimbach und Dompfarer Schüler. Auch der Opferkasten mit der Aufschrift „Für die Domheizung" sei der Berücksichtigung wärmstens empfohlen.

Zum Schluffe sei allen herzlich gedankt, die sich um das Zustandekommen des bedeutsamen Werkes bemüh, haben.

D. L.

Sie Ferngasversorgung der Sladl Fulda und des Fuldaer Landes.

Von Gas- und Wasserwerksdirektor Helmut Scherer.

Die Erörterungen in den Tageszeitungen haben die Frage der Ferngasversorgung zum Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit gemacht. Der Ab­schluß der Verträge über die Ferngasversorgung der Städte Hannover und Köln durch die Ruhr- gas A.-G. ist allgemein bekannt. Im Süden un­serer Provinz sind augenblicklich lebhafte Verhand­lungen über die Ferngasversorgung im Gange. Sie werden einerseits durch die Ruhrgas A.-G. (im Einvernehmen mit den Saargruben), andererseits durch die Hekoga, Darmstadt geführt um die Ver­sorgung des Freistaates Hessen. Der Anschluß der unter dem Namen Süwega (Südwestdeutsche Gas- gesellschaft) zusammenge'chlossenen Gemeinden in Preußen und Baden, insbesondere Frankfurt am Main, Mannheim usw. wird seitens der Ruhrgas A.-G. erstrebt, anscheinend erfolglos.

Nachstehende Ausführungen werden angesichts dieser Lage einem großen Kreis unserer Mitbür­ger willkommen sein. Sie befassen sich mit der Ferngasversorgung der Stadt Fulda und des Ful­

daer Landes und sollen eine Frage beleuchten, über die in Laienkreisen viel Unklarheit besteht.

Es muß grundsätzlich unterschieden werden zwischen einer Ferngasversorgung der Stadt Fulda, die ja seit den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein eigenes Gaswerk besitzt, und einer Ferngasversorgung des Fuldaer Landes. Die erstere würde die Stadt Fulda als Gaseinkäuferin sehen, also eine eigentliche Ferngasversorgung sein, wobei es dahin gestellt sein mag, ob das Gas nun von Kassel, Hanau oder Frankfurt a. M. be- zogen wird; dagegen würde die Ferngasversor­gung des Fuldaer Landes, ihren Ausgang neh« mend vom Fuldaer städtischen Gaswerk,'die Stadt Fulda als Lieferantin sehen und als sogenannte Easgruppenversorgung anzusprechen sein.'

Bezüglich der Ferngasversorgung' der Stadt Fulda kann festgestettt werden, daß eine Verior- gung von Kassel her die unwirtschaftlichste Lösung dieser Frage darstetten würde, da sie die Ueber- brückung der weitesten Strecke bedeuten wurde und

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