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Ar. 297.

Dienstag, den 24. Dezember 1929.

Fuldaer Zeitung

3. Statt.

Druck der Fuldaer Acttendruckerei. Fulda

Der Ausklang des Zubilaumsjahres in Hom

23on unserem römischen Mitarbeiter:

Wollte man jeden einzelnen Zug dieser festlichen letzten Tage des einzigartigen Jubeljahres 1929 in 5tom festhalten, man müßte schon einen stattlichen Band schreiben. Hier versagt die Feder des Chro­nisten. Er muß die dringendsten Meldungen dem Telegraphen überlassen und selber ein paar Züge herausgreifen, die immerhin der Beachtung wert sind.

Voller Neid suchen die Feinde der Kirche diese Festesfreude zu stören. Und da sie sich der Wahr­heit nicht bedienen können, müssen Lüge herhalten. Aber Lügen haben kurze Beine. Der Fall R a m - stad erfuhr schon seine endgültige Aufhellung. Gleichzeitig las man, z. B. in der „Rheinischen Zeitung":

„Der Generalstab (!) der Citta del Vatikano hat vam italienischen Kriegsministerium zwanzig Maschinenge­wehre erworben. Die Bewaffnung des päpstlichen Mi­litärs wird nach den Forderungen neuzeitlicher militäri- scher Technik vollzogen werden. Die Maschinengewehre befinden sich bereits in den Kasernen des Vatikans: die Hebungen damit sind in vollem Gange."

Daran knüpfte die „Rheinische Zeitung" (und mit ihr ihre Gesingungsgenossen) dann einige nette Bemerkungen. Tanks, Handgranaten und Gas­bomben tauchten am Horizont auf. Es wurde so­gar von einer Schändung des Namens Gottes ge­sprochen.

Damll sich nun die Gemüter beruhigen können, >ei hiermit ausdrücklich erklärt, daß wir auf An­frage bei der zuständigen vatikanischen Stelle er­fahren haben, daß die ganze Mitteilung von An­fang bis zu Ende frei erfunden ist.

Aber man wird schon bald etwas anderes fin­den, mußte doch sogar die Kardinalerhebung Pa- cellis zu hämischen Bemerkungen herhaltertz was in vatikanischen Kreisen immerhin einiges Er­staunen erregt hat.

Nur wird das kaum die frohe und dankbare Stimmung der Kirche am Ende dieses denkwürdi­gen Jahres trüben können, vermochten es doch nicht einmal die Bosheiten, denen der Papst trotz des Lateranfriedens von faschistischer Seite wieder­holt ausgesetzt war. Als den großen Gewinn die­ser Verträge konnte der Papst das wiederherge­stellte Vertrauensverhältnis zum italienischen Volk, zu seiner Rechtlichkeit und seinem religiösen Empfinden, sowie die Wiederaufnahme freund­schaftlicher Beziehungen zum italienischen Königs­hause verbuchen. Und das bedeutet immerhin etwas!

Es handelt sich jetzt darum, welche Realitäten die Kirche aus diesem Jubiläumsjahre mitnimmt. Man wird die Bllanz getrost dem Heiligen Vater überlassen können, der in der von ihm angekündig­ten Enzyklika den Schlußstrich unter die Jahres- rcchnung setzen wird.

Aber was dabei herauskommt, ist doch nicht to^es Kapital. Hier Nbtilfet der Abschluß nur den historischen Einschnitt thtn großen Epoche, die Grundlage für eine neues Zeitalter der Kirche ist. Wer die Ereignisse nur rückschauend sieht, der ver­steht noch herzlich wenig von dem großen Puls- schlag der Zeit. Die Zukunft wird einmal die neuere Geschichte der Kirche bis zum Lateranfrie­den rechnen. Aber daran reiht sich unmittelbar die freiere Entfaltung der bislang so vielfach ge­bundenen Kräfte. Und diese Entwicklung ist schon im vollen Gange. So sind die Festglocken dieser Tage nicht nur solche des Dankes, sondern auch der

Sammlung und inneren Einkehr in einer Zeit höchstgespannten Wirkens.

Wer der Ernennug Pa c e l l i s zum Kardinal und feiner tiefgründigen Ansprache beiwohnte, der stand unter dem zwingenden Eindruck, daß hier eine starke, geistvolle und demütige Persönlichkeit in den engeren Kreis um den Papst trat, dessen Jubelmesse zugleich eine ernste Erinnerung daran ist, daß wohl der Papst und der einzelne Priester, nicht aber die Kirche altern kann, so wenig man diesem päpstlichen Jubelpriester die Wirkungen des Alters anmerkt.

Ein geistliches Ereignis war die Feier am 21. Dezember, nicht ein solches der Diplomatie oder der italienisch-vatikanischen Beziehungen, wozu manche tüchtigen Italiener es gar zu gern gestempelt hätten.

Zahlreiche Pilger aus Deutschland und Oester­reich haben das hohe Glück, in diesen Tagen in Rom zugegen sein zu dürfen. Mögen sie viel Se­gen davon mit in ihre Heimat bringen, in der so mancher noch nicht die Größe und Schönheit des römischen Geschehens begreift.

*

Die Feierlichkeiten aus Anlaß des goldenqn Priesterjubiläums Pius' XI. fanden ihren weihe­vollen Höhepunkt m der vom hohenpriesterlichen Jubilar über der Eonfessio von St. Peter zele­brierten stillen Mesie. Etwa 40 Kardinale, über 100 Bischöfe und 60 000 Menschen wohnten dem denkwürdigen Ereignis bei. Gegen 10.45 Uhr wurde der Pontifex unter den Klängen der Papst­hymne in die Basilika getragen. Ein nicht enden­wollender Jubel umbrauste den Heiligen Baier, bis er auf der Sedia Gestatoria den Altar über den Apostelgräibern erreichte. In diesem Augen­blick intonierte die Capella Giulia unter dem Mei­ster Lorenzo Perosi das Tu es Petrus. Eine viel­tausendköpfige Menschenmenge folgte gespannt dem Verlauf der heiligen Handliing. Als der Papst zur heiligen Wandlung niederkniete, spteüe die Musikkapelle der Nobelgarde in der Kuppel Michelangelos eine Hymne.

Wohl selten hat die größte Kirche des Erdkrei- fes eine eindrucksgewaltigere Kundgebung des priesterlichen Amtes und seines erhabenen Opfer­gedankens gesehen. Als zum Schluß die unge­zählten Scharen das Tedeum mitsangen und der Papst vom Altar aus den Segen spendete, da er­schienen die Worte, die in Eoldmosaik im Gesimse der Peterskuppel stehen, lebendigste Wahrheit zu werden: Von hier leuchtet der eine Glaube in die Welt, hier hat die Einheit des Priestertums ihren Ursprung.

Tirol trauert.

Am Grabe des Dr. Noldin.

Dr. Roldin, der fübtiroler Freiheitskämpfer, wurde am Mittwoch in der Familiengruft in Salurn unter riesiger Beteiligung von .Trauernden und Vertretern von allen größeren Gemeinden Südtirols beigesetzt. Die Leichenhalle in Bozen, in der die Aufbahrung Noldins bis Dienstag erfolgte, tcar ein Blumengarten. Zahl­reiche Kränze mit Schleifen, auf denen aber kein deutsches Wort stehen durfte, waren aus dem gan­zen Land geschickt worden. Eine weißrote Kranz­schleife wurde beschlagnahmt, obwohl auf ihr keine Aufschrift angebratf# war. Ebenso wurde ein

Kranz aus Tannengrün mit zwei Sträußchen Edel­weiß beschlagnahmt Ein Kranz mit schwarzer Schleife mit den Buchstaben „N" war der letzte Gruß der Mutter Noldins, die ihre Liebe nicht in fremder Sprache ausdrücken wollte. Tausende nahmen an der Ueberführung nach Salurn teil. Seit dem Begräbnis des Bozener Bürgermeisters Dr. Perathoner hat Bozen einen größeren Lei­chenzug nicht mehr gesehen.

Dor dem Dorf Saiurn erwarteten die deutschen Mitbürger Noldin, die den Toten durch die Stra­ßen des Ortes trugen. Während der Nacht pil­gerten die Salurner an den Sarg Noldins und beteten in deutscher Sprache. Bei der Beerdigung am Mittwoch sah man auch Kranzschleifen mit Inschriften neben zahllosen unbeschrifteten. An der Spitze des Trauerzuges schritten die Salurner und die Bevölkerung des unteren Etschtales. Alle beteten laut in deutscher Sprache. Der Trauerfeier wohnten wieder zahlreiche Polizisten bei, die sämtliche Nummern der Wiener Kraftwa­gen aufschrieben, die Trauergäste gebracht hatten.

Auch das katholische Deutschland wird die­sen aufrechten Mann, der jetzt zur Erde bestattet worden ist, nicht vergessen und auf ihn stolz fein und bleiben.

Hugenbergs Verlustliste.

Der Vorsitzende des Bildungsverbandes des Deutschnatioalen Handlungsgehilfenverbandes, Friedrich Martens, der sowohl im Verband wie auch in der Deutschnationalen Volkspartei in Frankfurt am Main eine Rolle spielte, ist aus der Deutschnationalen Bolkspartei ausgetreten. Seinen Austritt begründet er damit, daß die deutschnationale Vertrauensmänner-Verfammlung den Abgeordneten von Lindeiner- Wildau aufge­fordert hat, sein Mandat niederzulegen. Dadurch seien alle Hoffnungen der jüngeren Generation

innerhalb der Partei zuschanden geworden. Zu­gleich fordert Martens die deutschnationalen An­gestellten auf, seinem Beispiel zu folgen.

*

Anfang Januar wird die D e u t s ch n a t i o - nale Arbeitsgemeinschaft tn Frankfurt am Main zu einer Tagung zusammentreten.

Die dreizehn Abgeordneten der „Deutschnatio­nalen Arbeitsgemeinschaft" teilen mit, daß sie ihre Mandate nicht niederlegen werden, da seinerzeit Graf Westarp in der deutschnationalen Reichstags­fraktion erklärt habe, der Revers, in dem die Ab­geordneten vor ihrer Wahl zur eventuellen Man­datsniederlegung verpflichteten, könne auf den Fall der Abspaltung einer Gruppe von Abgeord­neten keine Anwendung finden.

Hom Mihmchlskaus in den Tod.

Sieben Tote bei einem Autounfall in Amerika.

totb. Claerand (Iowa), 21. Dezember. (Eig. Meld.) Ein Automobillastwagen, auf dem sieben Personen mit Paketen beladen von ihren Weih­nachtskäufen heimkehrten, wurde an einem Bahn­übergang von einem Personenzug erfaßt und zertrümmert. Sämtliche sieben Insassen fanden den Tod. ________

* Höllenmaschinen in Postpaketen. Havas be­richtet aus Bordeaux: Ein Rechtsanwalt und sein Bürovorsteher erhielten in ihren Wohnungen je ein Postpaket zugestellt, die beim Oeffnen explodierten. Es wurde festgestellt, daß es sich um Höllenmaschinen handelte. Beide wurden verletzt. Auf der Post wurden zwei weitere Pakete gesun­den, die ebenfalls Höllenmaschinen enthielten. Man glaubt, daß es sich um einen Racheakt handelt.

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer.

Die Zugspitzbahn Garmisch-Eibsee eingeweihl.

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Der festlich geschmückte erste Zug.

Bei prächtigem Winterwetter wurde das neue TeiPück der Zugspitzbahn Garmisch-Eibsee in An­wesenheit der Reichs- und Staatsbehörden feierlich eingeweiht.

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Dertteiet: f. Wohlgcmuth, ffutoa, peiersbeegetptape 34 Telephon 781.

Ersatzreservist Barth.

Von I. Lewald.

5! ----------

Wie er heimgekommen war, wußte Barth am an­deren Morgen nicht mehr. Ms geweckt wurde, war er nicht imstande, aufzustehen. Gleichmütig ließ er das Schelten des Unteroffiziers über sich ergehen, und selbst der Feldwebel, der zornschnaubend ankam, vermochte nicht, ihn zum Aufstehen zu bewegen. So rückte die Kompanie ohne ihn ab.

Mittags wurde er auf die Schreibstube befohlen und erhielt einen gewaltigen Anschnauzer vom Kompanie­führer. Die Strafe käme noch.

Beim Antreten zum Nachmittagsdienst schämte sich Barth doch mächtig. Wie hatte er sich nur so betrinken können! Er glaubte, in allen Gesichtern ein spöttisches Lächeln zu sehen. Aber nur der schwarze Schneider sagte: „Na, hast du dir mal einen eingewickelt? Das hätte ich gar nicht hinter dir gesucht Der Alte wird dich nicht schlecht angehaucht haben. Aber mach dir nur keine Sorgen wegen der Strafe, in ein paar Tagen gehts los, da bleibt keine Zeit mehr dafür."

Und es ging tatsächlich gnädig ab. Am nächsten Tage rief ihn der Kompanieführer beim Dienst vor, er mußte mit vollem Gepäck durch ein Hindernis kriechen, und damit war die Sache abgetan.

Es lag das Gerücht in der Luft, in den nächsten Tagen ginge es nach vorn. Barth ging am Abend nach dem Dienst einem kleinen Wäldchen zu. Beim Borbeimarschieren neulich hatte er dort ein steinernes Feldkreuz gesehen, wie man sie in seiner Heimat auch hatte. Das wollte er aufsuchen.

Als er beinahe dort war, sah er an einem Stamme vor dem Kreuz eine feldgraue Gestalt lehnen. Er blieb stehen, aber der dort hatte ihn schon gehört und wandte sich nach ihm um. Da ging Barth hinzu.

Es war der Mann, der neulich aus dem Heimmarsch mit dem Schneider gestritten hatte. „Willst du das Kreuz auch mal besuchen?" sagte er zu Barth, „ich bin schon oft hier gewesen. Gelt, du bist auch katholisch?"

Sie kamen ins Gespräch. Barth erfuhr, daß . der andere Emil Roth hieß und aus der Rhön ftnn.mtc. Er war verheiratet, hatte fünf Kinder und wohnte in einem Dörfchen in der Nähe der Wosserkuppe.

„In der Rhön bin ich auch schon gewesen auf einer Wanderung," sagte Barth, „es hat mir damals gut gefallen dort, besser als im Taunus Der ist schon zu sehr überlaufen. Aber die Wandertage in der Rhön damals vergesse ich nie, gerade weil es so still dort war. Auch die Menschen haben einen sehr guten Ein­druck auf mich gemacht, sie kamen mir so bieder und so treuherzig vor. Ich weiß noch, ich war mal auf einem ganz einsamen Hof und fragte wegen einem Glas Milch. Eine alte Frau war allein daheim, aber die hats so gut mit mir gemeint, sie holte mir auch noch Brot und Wurst, und als dann später der Mann dazu tarn, woll­ten sie mich mit Gewalt über Nacht dabehalten. Ich mußte aber weiter."

„Weißt du vielleicht noch den Namen von dem Hof?" fragte Roth.

„Der lag da in der Nähe von der Milseburg, es war etwas mit a, warte mal, ich glaube Brandershof oder so ähnlich."

„Das kann stimmen, einen Brandershof gibt es dort. Da freut es mich aber, daß es dir in meiner Hei­mat so gut gefallen hat. Gewöhnlich gucken sie einem von der Seite an, wenn sie hören, man wäre aus der Rhön und sagen, das müßte eine döse Ecke dort fein. Wenn man aber fragt, warum, da weiß es kein Mensch. Das hatten sie gehört, sagen sie."

„Du sagst, du kennst das Kreuz schon lange, Roth. Ich habe es gestern erst bemerkt, schade, ich wäre sonst manchmal schon hier gewesen."

„Ich bin jeden Abend nach dem Dienst hier," sagte Roth. „Es ist ein schönes, stilles Plätzchen, und man kann hier mal an etwas anderes denken als an den Dienst und an den Krieg. Den ganzen Tag freue ich mich auf den Gang hierher."

„Das kann ich dir nachfühlen. Aber sag mal, du bist da neulich mit dem Schneider hintereinander gewesen, kennst du den näher?"

„Wir sind schon über ein Jahr beisammen und sind sogar in einer Korporalschaft. Der ist eigentlich gar so kein übler Kerl, bloß hat er immer so verdrehte

Ansichten, da kommen wir von Zeit immer mal hinter­einander. Ader im allgemeinen vertragen wir uns recht gut."

„Ich hätte dem Kerl neulich am liebsten eine runter« gehauen, als er sagte, wir hätten den Krieg schon ver­loren."

„Es gibt noch eine ganze Menge bei uns, die alle geradeso denken, bloß es sagt es keiner. In der Be­ziehung ist der Schneider ein ehrlicher Mensch, der fagts, wie ers denkt und geniert sich auch vor keinem Offizier. Die nehmen sich alle ein bischen in acht vor ihm."

Sie brachen auf, es fing an zu dunkeln. Dor dem Auseinandergehen hatten sie noch verabredet, sich mor­gend abend wieder am Kreuz zu treffen.

Als Barth vor seine Haustür kam, stand Hermann Rauch fc6rt. „Gut, daß du endlich kommst," sagte der, „vorhin ist bekannt gegeben worden, daß morgen Be­sichtigung ist und übermorgen Abmarsch."

„Das geht ja schnell auf einmal. Geh noch ein bis­chen mit heraus, Hermann. Ich habe heute ein Paket- chen mit Kuchen bekommen, da kannst du dir ein Stück mitnehmen für morgen früh zum Kaffee," sagte Barth.

Rauch ging mit. „Mach so kein Gesicht, Hermann," sagte Barth, als er ihm den Kuchen gab. „Bleib noch ein bischen hier, wenn du Zeit hast."

Aber Rauch sagte, er wollte noch einen Brief schrei­ben. In der Stube waren sie alle eifrig dabei, ihre Sachen für die Besichtigung in Ordnung zu bringen. „Das muß ich ja auch noch manchen," dachte Barth und begann, seine Stiefel zu wichsen. Er mutzte dabei an Rauch denken. Was mußte dem armen Kerl das ganze Soldatenleben schwer fallen! Er hatte wieder so nieder­geschlagen ausgesehen vorhin! Da war der Roth doch ein ganz anderer Mensch. Der wäre sicher auch viel lieber daheim gewesen, aber geklagt hatte er nicht.

Barth holte sein Gewehr, und während er es putzte, hörte er auf die Reden der andern. „Mich bringen sie nicht nach vorn," sagte gerade einer. „Meinst du, ich wäre so dumm und ließe mir da vorn eine ver­passen Das könnte mir einfallen. Bei der nächsten besten Gelegenheit rücke ich aus."

Erstaunt horchte Barth auf, was wollte der?

„Hast du denn keine Angst?" fragte ein anderer, „du

weißt doch, Fahnenflucht vor dem Feinde wird mu Tode bestraft."

„Ach, laß dich nicht auslachen," sagte der erste wie­der, „wenn die alle mit dem Tode bestraft würden, die ausrücken, dann müßten sie viele totschietzen. Einge- sperrt wird man, das ist richtig, aber immer noch besser, als da vorne eine vor den Kopf."

Der das sagte, war ein junger Mensch, unverheiratet. Barth wunderte sich, wie ruhig die anderen das aus­nahmen. Keiner sagte ein Wort dazu. Das Gespräch ging wie über etwas Selbstverständliches ruhig weiter. Sie mochten denken, von dem Ahl, so hieß der Sprecher, könnte man nichts anderes erwarten. Er war in Zivst Landstreicher oder so etwas ähnliches. —

Sie schnitten gut ab bei der Besichtigung. Der Ge­neral, ein kleiner, dicker Mann mit vielen Ehrenzeichen und rotem Gesicht, hielt zum Schluß eine Ansprache an das Bataillon. Er hoffe, daß das Regiment seinem Namen Ehre mache und sein Teil dazu beitrage, den Ruhm der deutschen Waffen weiter zu erhöhen. Es sei zu Großem bestimmt, und er erwarte, daß es sein Ver­trauen, daß er zu Offizieren und Mannschaften habe, voll und ganz rechtfertige. Dann werde auch der Tag nicht mehr allzusem sein, an dem der Feind auf die Knie gezwungen sei. Dis dahin gelte es aber noch schwere Arbeit, und ihnen allen fiele die ruhmreiche Aufgabe zu, am schwierigsten Teil derselben mitzuwir- ken. Möchten sie alle dessen stets eingedenk sein.

Mit einem dreimaligen Hurra auf den Allerhöchsten Kriegsherrn schloß der General. —

„Habt ihr den Kerl gesehen mit seinem versoffenen Gesicht? Wißt ihr auch, wie sie den heißen? Das ist der Divisionsschlächter. So an die fünfzig Divisionen hat er schon ins Feuer gehetzt. Er selbst hats gut, und daß er nicht vom Kommißbrot und Marmelade lebt, das sieht man ihm an. Der muß uns für polizeiwidrig dumm halten, daß er uns so Sachen erzählt und schließ- lich denkt, wie glaubtens ihm auch."

Nachmittags war dienstfrei. Den katholischen Mann- schäften war Gelegenheit zum Sakramentenempfang ge­boten.

(Fortsetzung folgt.)

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