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Ar. 296

Sonntag» -en 22. Dezember 1929

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)

O d« fröhliche Weihnachtszeit!

.«4-Z

Der Baum wird geschmückt.

(Originalzeichnung von Fritz Oehlschlägel)

80

Seit 1829

Linoleum

Haben Sie

FaBbSäan?

Tapeten

Lederwaren

Der ganze deutsche Westen

hat bei dem Volksbegehren zum Ausdruck gebracht daß er von dem ebenso törichten, wie aussichts» losen, nur das Reich mit Millionen belastenden Ak­tion der Herren Hitler und Hugenberg nichts wissen will. Die knapp erreichte Annahme des Volksbegehrens kam zustande durch die Ein­tragungen in den östlichen Bezirken (Pommern, Mecklenburg usw.) Es ist nicht anzunehmen, nach, dem inzwischen in der Dsutschnationalen Volkspar­tei selbst ein großer Krach ausgebrochsn ist und Hugenberg sich einer offenen Rebellion gegenüber sieht, daß in Westdeutschland die Teilnahme an dem Volksentscheid größer sein wird. Rur der, dem jcbes Gefühl für die wirtschaftliche Macht-Vertei­lung fehlt, kann glauben, daß Deutschlands Wirt­schaft und damit die Lage der notleidenden Kreise besser sein würden, wenn eine Regelung der La­sten unterbliebe und der Dawes-Plan weiter be­steht. Niemand gehe zur Ab st immun g! Wer aber glaubt, sich einer Beeinflussung durch Dritte nicht entgehen zu können, d u r ch st'r e i ch e den Stimmzettel von einer Ecke bis zur andern.

Aus dem Rundschreiben des Ausschusses für das Volksbegehren teilt die „Frankfurter Zeitung" fol­genden bezeichnenden Satz mit:

„Die Ausführungen von Reichsbankpräsident Schacht, namentlich die Schlußbetrachtungen, sind weitestgehend zu benutzen, jedoch nicht in der Form, als ob Schacht für den Volksentscheid sei. Vielmehr muß bei der Agitation darauf Bedacht genommen werden, daß Schacht nicht Veranlassung nimmt, auf Grund der Agitation sich öffentlich

Wegen eines Schornsteinbrandes,

der gestern abend gegen 7 Uhr in einem Haufe am Breiter Weg ausbrach, wurde die Feuer­wehr alarmiert. Als sie anrückte, war der Brand bereits gelöscht.

Festgenommen

wurden gestern abend gegen 9.30 Uhr in der Sau- stratze zwei junge, widerspenstige Burschen, die in betrunkenem Zustande unnötigen Lärm geschlagen hatten. _________

Der „goldene" Sonntag.

Nun steht das hohe Weihnachtsfest schon vor der Tür. Nachdem am „Silbernen Sonntag" star- kes Regenwetter geherrscht hatte, ist es inzwischen recht kalt geworden. Damit ist wohl noch man­cher Weihnachtsbedarf aufgetaucht, an den man bislang nicht gedacht hatte. Am morgigen Sonntag, dem lebten Sonntag vorr Weihnachten, bieten die Geschäfte wieder reichlich Gelegenheit zum Einkauf. Sowohl in der Stadt Fulda als auch in den Orten des Landkreiss sind die Geschäfte am 22. De­zember von 12 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Was früher vielleicht noch in den Stunden des Weih­nachtsabends gekauft wurde, sollte jetzt restlos schon am Sonntag, wo überall das Personal dienstwillig bereit steht, eingekauft werden. Auf diese Weise läßt es sich ermöglichen, daß der f r ü h e Geschäfts­schluß am 24. Dezember, der solange von den Beteiligten ersehnt worden ist, reibungslos durch­geführt werden kann.

Der neue Magistrat.

Die Stadtverordnetenversammlung hat bekannt­lich in ihrer ersten Sitzung am 16. Dezember die unbesoldeten Mitglieder des Magistrats der Stadt Fulda neu gewählt. Durch diese Neuwahl ist gegenüber der lebten Wahlzeit eine starke Um­bildung in der Fuldaer Gemeinde-Verwaltungs­behörde eingetreten. Vorsitzender des Magistrats ist bekanntlich von Amtsweg'en der Oberbürgermei­ster. Außerdem ist der Stadtbaurat von Amts­wegen Mitglied des Magistrats. Die übrigen Mit­glieder der Körperschaft bekleiden ihre Stellen als Ehrenämter. Der langjährige erste Beigeordnete, Kaufmann Karl A rn d, war schon vor einigen Mo­naten aus Gesundheitsrücksichten ausgeschieden, nachdem er seit dem Jahre 1897 Mitglied der Ge meindevertretung und seit 1910 Stellvertreter des Oberbürgermeisters gewesen war. An seine Stelle trat im Herbst dieses Jahres Zimmermeister Joseph Fritz, der seit April 1898 der Stadtverordneten­versammlung und seit November 1914 dem Ma­gistrat angehört hatte. Er bekleidete von 1914 bis 1924 auch bereits das Amt des zweiten Beigeord­neten. Herr Fritz ist jetzt nach mehr als dreißig­jähriger Tätigkeit aus den städtischen Körperschaf­ten ausgeschwden, nachdem er schon vor längerer Zeit gebeten hatte, sein Amt der Zentrumspartei, zu der er immer treu und aufrecht zugestanden hatte, zur Verfügung stellen zu dürfen. Sein Scheiden, hat alle, die in den vielen Jahren mit ihm Zusammenarbeiten durften, schmerzlich berührt. Seine gediegenen Kenntnisse auf allen Gebieten des Bauwesens und der Technik, sein fein gebildeter Geschmack >n allen Fragen des Städte-Bildes hat­ten ihm ebenso viel Wertschätzung eingetragen, ebenso wie ihn seine stets freundlich« und zuvor­kommende Art beliebt gemacht hatte. Dem Ful­daer Handwerk namentlich hat er als ein weit­blickender, mit dem erforderlichen geistigen Rüst­zeug versehener Führer große Dienste geleistet, die ihm unvergessen bleiben sollen. Zweiter Bei- geordn.'ter war von 1924 bis 1929 Ingenieur

Franz Wißler, der als Vertreter der Bürger­partei in den Magistrat entsandt war. Die neu­gewählten Beigeordneten, die der Bestätigung durch die Staatsregierung bedürfen, sind Dr. Jo­hannes Kramer, der dem Magistrat seit Okto­ber 1919, und Metzgermeister Karl S u n k e l, der dem Magistrat seit März 1920 angehört, letzterer nachdem er schon vorher feit 1906 Mitglied der Stadtverordneten-Dersammlung war.

Von den bisherigen unbesoldeten Stadträten kehrt a's einziger wieder Gewerkschaftssekretär Karl Schmitt, der seit Oktober 1919 im Ma­gistrat tätig ist. Außerdem hat der von den Flü­gelgruppen gewählte Stadtrat Balthasar Mihm bereits für die Wahlperiode 1919/1924 dem Magi­strat angehört. Ausgeschieden ist Studienrat Prof. Felir Fleck, der im April 1919 in die Stadt­verordnetenversammlung und kurz darauf in den Magistrat eintrat, dessen Mitglied er über zehn Jahre war Prof. Fleck, der von der Deutsch- nationalen Partei gewählt war und sich besonders der evangelisch-kirchlichen Interessen annahm, hat die von ihm vertretene Sache stets mit großem Nachdruck verfochten, so daß hier und da einmal Meinungsverschiedenheiten mit katholischen Auf­fassungen zutage traten. Cs soll aber n’cht unter­lassen werden, anzuerkennen, daß Herr Fleck stets in ritterlicher Weise solche Meinungsver­schiedenheiten zum Austrag zu bringen wußte und er so als der Senior der Körperschaften sich im­mer allgemeiner Verehrung erfreut hat. Ferner ist ausaeschieden der von der demokratischen Par­tei gewählte Stadtrat Rühl, der lange Jahre in den städtischen Körperschaften tätig war. Er wurde schon 1913 in die Stadtverordnetenversammlung aewäblt und gehörte ihr bis zu seiner Wahl in den Magistrat im Jahre 1924 an. Auf vielen Gebie­ten der städtischen Verwaltung, namentlich auch in zablreichen Kommissionen, hat er gewissenbaft und sachlich mitaearbeitet. Der gleichfalls 1924 in den Magistrat gewählte Vertreter der Sozialdemokra­ten, Adolf K a tz e n st e i n, ist diesmal nicht wie­der in den Magistrat eingezogen.

Neu treten in den Magistrat ein der Kreisange­stellte Otto Heidt, der seit 1924 Stadtverord­neter ist und vor allem auch durch seine Tätigkeit in der Kriegsbeschädigten - Organisation hervorge- treten ist, Fabrikant Adagnus Keil, der von 1912 bis 1919 und dann von 1924 bis jetzt der Stadt- oerordnetenversammlung angehört bat, Schlosser- Eister Joseph Ruvpel, der seit 1924 der Stadtverordnetenversammlung angehört, Frl. Fanny Schmidt, die erstmals in die Körperschaf­ten eintritt, aber seit langem namentlich in der freiwilligen Wohlfahrtspflege und der katholi- lchen Frauenbewegung eine segensreiche Wirksam­keit entfaltet. Außer diesen von der Zentrums- "artei neu in den Magistrat entsandten Mitglie­dern ist von der Hessischen Arbeitsgemeinschaft der bisherige Stadtverordnete Syndikus Dr. Wey. m a r in den Magistrat gewählt worden. Die Zen­trumsfraktion hat diese Wahl, soweit erforderlich, unterstützt, um wiederum der evangAischen Ge­meinde eine Vertretung in der wichtigen Ge» memde-Bebörde zu sichern.

Die in den Magistrat gewählten 5 Mitglieder her Zentrumsfraktion, di« seit der Neuwahl ein Stadtoerordneten-Mardat bekleideten, legen dieses Mandat mit Antritt ihres Magistratsamts nieder, um einem größeren Kreis von' Persosten die Mit­arbeit in den städtischen Körperschaften zu errnög- stchen. Dem Vernehmen nach werden vom Wahl- mssckuß der Zentrumspartei zum Nachrücken beru- en: Maurermeister Sturmius Grosch, Kaufmann Hagedorn. Spediteur Peter Schulte, Gewerkschafts­sekretär Peter Steinbeck und Frau Rupperti.

Skadtkraftpostverkehr am Sonntag.

Die Omnibusse nertebren auf sämtlichen Linien ab 15 Uhr viertelstündlich. Fahrten nach Petersberg außer den fahrplanmäßigen Zei­ten nach Bedarf.

Krafiposkverkehr Fulda-tzosenfeld.

Am Sonntag verkehrt die Kraftpost Fulda-Ho- 'enfeld wie werktags: ab Hosenfeld 6.20 Uhr und 13 Uhr, an Fulda-Balrnhof 7,50 und 14.30 Uhr; ab Fulda-Bahnbof 10.30 und 17.50 Uhr, an Hosenfeld 12 und 19.20 Uhr. Außerdem wird noch "ine Fahrt narb Hosenfeld um 19.20 ab Fulda- Bahnhof, 19.30 Uhr ab Fulda-Postamt einge­legt.

Kraftpost Schlitz—Burghaun.

Samstag, den 21. Dezember fällt die Abend- 'ahrt von Langenschwarz ab 20.36 nach Schlitz und am Montag, den 23. Dezember die Frühfahrt von Schlitz ab 5.10 nach Langenschwarz aus. Dafür wird am Sonntag, den 22. Dezember nach folgen­dem Plan gefahren. Ab Schlitz fährt die Post um 12.40 u. 18.35 Uhr, ab Hutzdorf um 12.46 und 18.40 Uhr, ab Abzweigung Fraurombach 12.49 und 18.42 Uhr, ab Sandlofs 12.51 und 18.44 Uhr, ab Lan­genschwarz Schule 13.03 und 18.54 Uhr, ab Hechel­mannskirchen 13.11 Uhr, ab Kleinmoor 13.14 Uhr, ab Großenmoor 13.17 Uhr, ab Schlotzau 13.25 Uhr, ab Abzweigung Michelsrombach 13.32 Uhr. ab Mahlertshof 13.40 Uhr, an Burghaun Bahnhof 13.52 Uhr. Ab Bahnhof Burghaun verkehrt die Bost um 19.45 Uhr und kommt um 20.35 Uhr in Langenschwarz (Bürgermeisterei) an, Sangen» schwärz (Schule) verläßt das Auto um 18.55 Uhr und kommt in Schlitz 19.15 Uhr an. Zum ersten Male verkehrt das Auto ab Langenschwarz Schule) 12.01 und kommt um 12.20 Uhr beim Postamt Schlitz an.

Vorsicht!

In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß ent­weder in inländischen Zeitungen vom Auslande her Auskunft und Stellenvermittlung angepriesen wird, oder daß auf Anzeigen in inländischen Zei­tungen, worin der Inserent zu erkennen gibt, daß er eine Stellung im Auslande sucht, ausländische

Rufen S'e Nr. 234 an!

Brillier & Httcbwsr« railäa

(Inh.: H. Nüchter) — Im Friedhofsgäßchen

Fugenlose Steinholz- und Estrichböden.

Frans Kircher, Fulda, Schweinemarkt 10

Iuioa, öeu 21 Dezember IU29

Vierter Advenksonntag.

„Mache Dich auf, Sion, werde Licht!"

Es gibt keine andere Möglichkeit, als daß wir erst selber Licht werden, um für das Licht ein Or­gan und eine Aufnahmefähigkeit zu haben. War­um nehmen Luft und Glas das Licht auf und geben es weiter, und warum die Hauswand nicht? Weil Luft und Glas mit dem Lichte Verwandt­schaft haben, die Wand aber nicht. „Christi, das ist der lichte Tag", sang der Mönch von Salzburg. Warum kann dieser Tag so wenige von uns durch­leuchten, und warum dringt er in viele von uns nur gedämpft und trübe herein? Weil unsere Seelenwände mit den Spritzern und dem Staub unserer Weltgeschäftigkeit verschmiert, weil sie von den Plakaten der Sensation verpappt und verklebt wurden. Bei vielen wurde diese Schicht so dick, daß selbst die Brisanzgranaten des Weltkrieges die Seele nicht freizulegen vermochten. Was soll und muß denn eigentlich erst noch alles geschehen, bis die Menschheit, bis wir dem Lichte wieder ge­öffnet sind? Entweder brauchen wir Spitzhacke und Dampfwalze oder Gott braucht sie. Ein Drit­tes gibt es nicht. Jodokus.

Auskunft- und Dermittlungsbüros ihre Dienste anbieten. So erbietet sich A. Massenbach in Van­couver zur Vermittlung von Stellen für Kanada, John Fisher in Newyork für die Vereinigten Staaten und Carlos Hugo in Sao Paulo für Bra­silien, letzterer sogar mit dem Lockmittel der Ver­heißung freier Ueberfahrt. Die Schreiben der Vermittler lassen erkennen, daß es ihnen lediglich auf die Erlangung der Gebühr ankommt, die zu­nächst „für Unkosten" erhoben wird. Da die Ein­wanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika und nach Kanada auf festen Vertrag im allgemeinen verboten ist, ist die Inanspruchnahme von Vermittlungsbüros für diese Länder von vorn­herein aussichtslos, eben so wertlos ist die Verbin­dung mit C. Hugo, der nicht in der Lage ist, Frei­fahrten zu vermitteln. Auswanderungswillige tun daher gut, den Rat einer Auswanderer- steile einzuholen, ehe sie an ausländische Ver­mittler Zahlungen leisten.

Deutsch französische Dereinbarung.

Dom Landratsamt Fulda wird uns geschrieben: Anträge deutscher Arbeitnehmer, die im Rahmen der Vereinbarung zum Zwecke der beruflichen und sprachlichen Fortbildung zur Beschäftigung in Frankreich zuaelassen werden wollen, sind an die zuständige deutsche Zulassungsstelle zu rich­ten (für Hotel- und Gastwirtsangestellte: Fach­abteilung für das Hotel- und Eastwirtsgewerbe beim Landesarbeitsamt Südwestdeutschland, Zu­lassungsstelle im Verkehr mit Frankreich, in Baden- Baden, Arbeitsamt; für alle übrigen Berufe: Ar­beitsamt Köln, Zulassungsstelle im Verkehr mit Frankreich, Köln, Badstraße 8/10). Diese Verein­barung gilt für Angehörige eines der beiden Staa­ten, die sich in einem Handels- oder gewerblichen Unternehmen im Gebiete des anderen Staates beschäftigen wollen, um ihre beruflichen und sprach­lichen Kenntnisse zu vervollständigen („stagiaires"). Es können männliche oder weibliche Arbeitnehmer zugelassen werden. Sie sollen grundsätzlich das 30. Lebensjahr nicht überschritten haben. Die Zu­lassung wird int allgemeinen für die Dauer eines Jahres erteilt. Sie kann int Einzelfalle ausnahms­weise um 6 Monate verlängert werden. Der ge­naue Wortlaut der Vereinbarung kann im Land- ratsamt eingesehen werden.

Staatliche Prüfung für Lehrer der Einheits- Kurzschrift.

Die Wertschätzung, die die Einheitskurzschrift in amtlichen Kreisen genieß:, kommt erneut durch eine Verfügung des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Vollsbildung zum Aus­druck, der untertn 21. November 1929 verordnet hat, daß bis zum Erlaß einer am'li ehen Prü­fungsordnung für Einheitskurzschrift die von dem Lehrer-Prüfungsausschuß des Deutschen S'enogra- phcnbundes ausgestellten Lehrer-Zeugnisse in Preu­ßen als ausreichender Hinweis der Befähigung zum Unterricht in der Einheitskurzschrift ange» sehen werden. — Der Deutsche Stenographenbund hält vom 31. Juli bis 6. August 1930 seinen Stenographentag in Berlin ab.

Ausrufe« vo« Zugverspätungen auf den Bahn­höfen.

Nach den Bestimmungen der L'senbahn-Der- kehrsordnung brauchen Ztigverspätungen auf den Bahnhöfen nur durch Anschlag und auch nur inso­weit bekannt gegeben zu werden, als sie mehr als 15 Minuten betragen. Diese Art der Bekannt­machung genügt jedoch, wie die Erfahrung lehrt, in vielen Fällen nicht den gesteigerten Bedürf­nissen des Verkehrs und des reisenden Publi­kums. Vielfach werden die Anschläge von den Rei- Süden nicht wahrgenommen, so daß sie sich infolge nkenntnis der Verspätung unerwünscht lange zum Erwarten der Züge auf den Bahnsteigen -sc­halten müssen, was namentlich bei ungünstiger Witterung der Gesundheit abträglich ist. Aber auch wenn die Anschläge wahrgcnommen werden, Jo ver­leitet doch die Reifeunruhe und die Furcht vor etwaigen Aenderungen der Verspätungsanschriften zu unnötigen Wegen nach der Anschlagstelle oder zu häufigen Anfragen bei Bediensteten. Eine ergänzende Regelung der Bekanntgabe von Zug- Verspätungen machte sich daher notwendig. Es ist, wie die Deutsche Beamtenbund-Korrespondenz erfährt, angeordnet worden, daß auf größeren Bahnhöfen und dort, wo es besondere örtliche

Verhältnisse angezeigt erscheinen lassen, allgemein Verspätungen von mehr als 15 Minuten und wesentliche Aenderungen der bekannt gegebenen Verspätungen, unabhängig von der herrschenden Witterung, in den Warteräumen u >. auf den Bahnsteigen auch noch ausgerufen werden. In Verbindung damit wird zu den Zügen, deren Verspätung durch Ausruf bekannt gegeben war, auch abgerufen. Damit nicht beim reisenden Publi­kum die irrige Auffassung aufkommt, daß wieder zu allen Zügen abgerüfen wird, geschieht das Abrufen etwa tn folgender Form: „Einsteigen za dem als verspätet gemeldeten Zug usw."

Die Geschäftsräume der Reichsbank

sind am Dienstag, dem 24. Dezember, von 12 Uhr mittags an für den Verkehr mit dem Publi- kum geschlossen.

Wintersonnenwende.

Zum 22. Dezember.

Erst einige Tage hat der Winter, den Vor­schriften des Kalenders gehorchend, mit harter Källe seine Herrschaft angetreten. Das Thermo­meter sank sprunghaft auf —10 Grad Celsius. Auch in der vergangenen Nacht betrug die Mindest - temperatur —9,5 Grad Celsius. Die Kälte scheint also weiter anhalten zu wollen. Da das Barometer andauernd weiter fällt, ist die Hoffnung auf eine weiße Weihnachten nicht unbegründet. Auch der Wetterbericht kündet Niederschläge, bei dieser Källe also Schnee, an. Trotz der Kältewelle nähern wir uns aber schon wieder dem eigentlichen Be­ginnneuen Lebens, der Wintersonnenwende. Am heutigen Tag hat die Sonne ihren tiefsten Stand erreicht. Zwölf Nächte zwischen Winter­sonnenwende und Dreikönigstag, die alldeutschen „Weihnachten", da die Sonne still zu stehen scheint, leiten sie ein, die Zell des wieder z u - nehmendenLichtes. Das Jahressterben w eicht dem neuen Jahresleben. Sturm, Regen, Schnee sind noch in vollem Reinemachen von den letzten Spuren des vorjährigen Pflanzenlebens, da be­ginnt schon um die Zeit der Wende des Sternen­jahres der neue große Wendeprozeß in der Natur, lieber all dem Fröhlichen und Hellen, mit dem das Weihnachtsfest unser Leben umgibt, werden wir die ewig wiederkehrende Verjüngung der Na­tur kaum gewahr, zumal gerade um diese Zeit häufig Schnee und Eis Mutter Erde umfangen hallen. Aber wie wir selbst in diesen Tagen der Wintersonnenwende und des Jahresendes in stil­len Stunden, sofern uns solche beschieden sind, Abrechnung hallen mit dem Vergangenen und uns geistig und seelisch zu neuer Arbeit, zur Aufnahme des Kommenden rüsten, so geht auch die Natur nach kurzen Wochen der Ruhe und Besinnung unermüdlich erneut ans Werk. Mögen die Stürme heulen, mögen lichtarme, sonnenlose Tage unheim- llch schweigenden langen Winternächten früh zum Opfer fallen, wir wissen: Sonnenwende ist Son­nenaufgang! Es geht empor! Wie wundervoll ist es, daß das schönste Fest der Christenheit, die herllge Weihnacht, da der Erlöser auf diese Wel kam, zeitlich mit dem Beginn neuen Lebens in der Natur zusammenfällt.

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