Einzelbild herunterladen
 

irr. 293.

Fuldaer Zeitung (Amtliches kreisdlatt). Donnerstag, den 19. Dezember 1929

K 8-im al M

Fulda, Sen 18 Dezember 1929

lluf 3 Grad unter Null

sank das Thermometer in dieser Nacht. Auch schneite es gestern mittag schon ganz tüchtig, sodaß in den mitleidslosen Herzen der enttäuschten Ski­läufer schon die Hoffnung auf einen weißen Sonn­tag aufzukeimen begann. Wir glauben aber im­mer noch nicht recht an den Winter, der in einigen Tagen kalendermäßig beginnen soll, zumal uns erst gestern abend wieder ein recht lebenslustiger Zitronenfalter gebracht wurde, den ein hie­siger junger Mann am Mittag an der Geishecke gefangen haben will. Was soll man dazu sagen?

Die Rückflüsse aus Hauszinssteuerhypokhekeu.

Um für die Verwendung der Rückflüsse aus Hauszinssteuerhypotheken und ähnlichen Darlehen bestimmte Regeln aufzustellen, haben die Koali­tionsparteien einen Initiativantrag zur Er­gänzung des Gesetzes über den Geldentwertungs­ausgleich bei bebauten Grundstücken vom 1. Juni 1926 eingebracht. Danach sollen alle Rückflüsse aus Hauszinssteuerhypotheken und sonstigen Darlehen aus öffentlichen Mitteln für den Wohnung s- b a u, für die in irgend einer Form Steuermittel verwendet wurden, wiederum in vollem Um- fange dem Wohnungsbau und der länd­lichen Siedlung zugeführt werden. Die Kapital- und Tilgungsanteile müssen stets wieder unter der Auflage der Rückzahlung begeben werden. Eine Aenderung der Verwendungsart dieser Mittel durch die Gemeinden, die kommunalen Verbände und die sonstigen mit der Begebung der Mittel betrauten Stellen ist nur durch Reichsge - f e tz zulässig. Die Länder haben der Reichsregie­rung drei Monate nach dem Inkrafttreten des Ge­setzes eine Aufstellung über die Höhe der bisher hinausgegebenen rückzahlbaren Beträge vorzu­legen und alljährlich nachzuweisen, welche Rück­flüsse bei ihnen eingegangen und wie sie weiter ver­wendet worden sind. — In der Stadt F u l d a ist die jetzt vom Reich mit Recht geforderte Verwen­dung der Rückflüsse für weiteren Wohnungsbau auf Initiative des Zentrums hin schon seit längerer Zeit getätigt und so die Er­richtung zahlreicher Kleinwohnungen bei niedrigen Preisen ermöglicht worden.

Erhöhung der Arbeilsloseuversicherungsbeikräge.

Im Rahmen des Finanzprogramms der Regie­rung ist, so schreibt der Pressedienst der christlichen Gewerkschaften, die Erhöhung der Arbeitslosenver­sicherung ein besonderer Posten. Der Wunsch der Sozialdemokratie war eine Erhöhung des Versiche­rungsbeitrages um Prozent bis März 1931. Die Deutsche Volkspartei hingegen wollte für die Er­höhung eintreten, aber sie bis zum 31. März 1930 befristen. Wie wir hören, haben die Kompromiß­verhandlungen dahin geführt, daß die Erhöhung vorerst bis Ende Juni 1930 befristet wird. Die Beitragserhöhung um % Prozent wird im Monat die Einnahme der Reichsanstalt um un­gefähr 10 Millionen RM. steigern. Es ist ganz selbstverständlich, daß diese Erhöhung nicht ausreichen kann, um die Reichsanstalt zu sanieren bezw. um das R e i ch von der gesetzlichen Verpflichtung, Zuschüsse an die Reichsanstalt zu leisten, zu befreien. Es wird also notwendig sein, daß das Finanz gebaren der Reichsan­stalt einer besonderen Prüfung unterzogen wird. Bei der Beschleunigung, mit der vor Weihnachten das Finanzprogramm im Reichstag durchgepeitscht wird, besteht wenig Möglichkeit, eine grundsätzliche Neuordnung durchzuführen. Trotz alledem bricht sich immer mehr die Erkenntnis Bahn, daß die gesamte Sozialpolitik in Mißkredit ge» raten muß, wenn nicht hier eine Regelung gefun­den wird, die für längere Zeit von Be- stand ist.

Das gesiohlene Aula.

das erfreulicherweise schon wieder in Mannheim sichergestellt wurde, gehört nicht der Fa. Joseph Wehner, Lebensmittelgroßhandlung, sondern der Fa. mechanische Kleiderfabrik Richard Weber in Poppenhausen.

Welhnachks- und Neujahrsverkehr bei der Post. Am 22. Dezember ist Sonntagsdienst, es sind je­doch die Schalter für die Annahme und Ausgabe von Paketen von 8—12 Uhr geöffnet, auch findet an diesem Tage eine außergewöhnliche Paketzu­stellung statt. Am 24. Dezember werden die Schal­ter abgesehen von dem Schalter für die Annahme von Telegrammen und die Anmeldung von Ge­sprächen um 16 Uhr geschlossen, letzterer bleibt bis 19 Uhr geöffnet und verkauft bis dahin auch Post­wertzeichen in kleinen Mengen. Am 25. und 26. Dezember sind die Schalter wie an Sonntagen ge­öffnet. Am 25. findet hier als auch bei allen Land­orten eine Brief-, Geld- und Paketzustellung statt. Am 26. ruht der gesamte Zustelldienst. Die Lee- ning der Briefkasten erfolgt an den beiden Weih­nachtstagen wie Sonntags. Am 1. Januar fvb alle Schalterstellen wie Sonntags geöffnet und es findet allgemein eine Ortsbriefzustellung statt.

Die Stobt Fulda ehrk ihren Gründer.

Gedächtnisfeier des Fuldaer Gefchichksvereins zum 1150. Todeslag des hl. Sturmius.

Der 17. Dezember 1929 ist der 1150. Todes­tag des hl Sturmius, des Gründers des Klosters und der Stadt Fulda. Aus diesem Anlaß hatte der Fuldaer Geschichtsverein abends 8 Uhr zu einer Gedächtnisfeier in den Bürgervereins­saal einladen. Dem Rufe waren die geistig interessierten Kreise der Fuldaer Bevölkerung in erfreulich großer Zahl gefolgt. Der festlich mit Grün geschmückte Saal war voll besetzt. Die Feier wurde stimmungsvoll eimeleitet mit dem von ver­haltenem Leid durchbebten „Ases Tod aus der Peer Gynt Suite" von E r i e g.

Oberbürgermeister Dr. Antoni

als Vorsitzender des Fuldaer Ge­schichtsvereins entbot sodann den Erschiene­nen einen herzlichen Willkommengruß. Wenn man heute abend das Gedächtnis des hl. Sturmius feiere, so ehre man in ihm denjenigen, der den Grund legte zu dem berühmt gewordenen Ben- diktinerkloster. Mit der Grundsteinlegung des Klo­sters Fulda, die am 12. März 744 erfaßte, fällt die Gründung unserer Stadt zusammen. Sturmius hat zwar kaum eine Städtegründung beabsichtigt aber naturnotwendig wuchs im Schutze des Klo­sters rasch eine Siedlung heran. Ihre Bedeutung erhielt diese Siedlung durch die K l o st e r s ch u l e und die M i s s i o n s 181 i g k e i t der Mönche in Hessen, Thüringen und Sachsen. Fulda wurde auf lange Zeit der geistige Mittelpunkt dieser Länder. Ein Abglanz dieser großen 3eit fit auch noch auf uns gekommen. Wenn heute das Schulwesen in Fulda in so schöner Blüte steht, so ist das auf die Jahrhunderte lanae Tradition zu­rückzuführen. Unter dem Schutz des hl. Sturmius bat die Stadt alle schweren Stürme überwunden. Es waren ihrer nicht wenige, da Fulda an einer großen Heerstraße liegt. Die Stadt wird auch wei­tere Stürme, vor der sie Gott aber behüten möge, mit Stärke und Kraft überwinden. Wir denken heute mit Dankbarkeit und Verehrung des Grün­ders. Die Erinnerung an den Heiligen möge zu­gleich die Liebe zu unserer Vaterstadt befestigen und stärken Oberbürgermeister Dr. Antoni teilte sodann noch kurz die G r ü ß e des H o ch w H e r rn Bischofs mit, der gerne erschienen wäre, aber wegen seines gesundheitlichen Zustandes sich der Teilnahme an abendlichen Veranstaltungen enthal­ten müsse.

Nachdem ein wohldisstpliniertes Quartett des 5. Artl - Regt. noch das Andante cantabile aus Mozarts Streichgnartett Nr. 17 vorgetragen hatte, bestieg

Domkapitular Prof. Dr. Richter

das Rednerpodium, um einen etwa Inständigen Vortrag über

das Leben des hl. Sturmius zu halten. Mit Interesse folgten die Zuhörer den gründlichen, auf eingehendem Quellenstudium aufge­bauten, Darlegungen des Fuldaer Geschichtsgelehr­ten, der sich jahrelang eingehend gerade auch mit dem Lebensschicksal des Gründers der Stadt Fulda beschäftigt hat.

Die Quellen zum Lebensbilde des heiligen Stur­mius sind, wie schon in einem Aufsatze, der in der letzten Nummer der „Buchenblätter" erschienen ist, mitgeteilt wurde, nicht zahlreich. Im wesentlichen gehen sie alle auf Eigils Vita Sturmi zurück. Darüber hinaus bieten noch eine große Anzahl von Urkunden, die aus der damaligen Zeit erhalten sind, Aufschlüsse über die ersten Schicksale des Klosters Fulda unter dem Abte Stzrrmius. Sie befinden sich heute im Staatsarchiv Marburg; unter ihnen befindet sich sogar die älteste Urkunde über eine Königs­stiftung in Deutschland. Im wesentlichen sind diese Ur­kunden im Jahre 1913 in einer Veröffentlichung der historischen Kommission für Hessen und Waldeck erschie­nen. Wenn man ein Bild der Persönlichkeit des ersten AbteS von Fulda zeichnen will, so ist man aber fast ganz auf die Biographie seines Lieblingsschülers Eigil, des späteren Abtes von Fulda, angewiesen, da die Urkunden in der Hauptsache über Schenkungen an das Kloster abgefaßt wurden. Man sieht aus ihnen, wie der Besitz des Klosters rasch wächst, wie man annehmen darf, auch infolge der Geschäftstüchtigkeit seines ersten Abtes.

Eigils Biographie ist wohl die älteste Biographie, die in Deutschland geschrieben wurde. Bei allen Män­geln des Stiles, die sie aufweist, zeugt sie doch von dem einfachen, klugen und ftommen Sinn des Ver­fassers. Leider ist die handschriftliche Ueberlieferung nicht mehr so, wie man wünschen möchte. Von der Schrift Eigils ist keine Handschrift mehr zu finden, die in die Zeit vor 1300 zurückreicht.

Eigil will, wie aus seinem Vorwort zu ersehen ist, einen zuverlässigen Bericht geben, lieber die meisten Dinge kann er als Augen- und Ohrenzeuge berichten, da er seit 758 dem Kloster-Fulda angehört, lieber die vorausgehende Zeit hat er Erkundigungen bei den älteren Mönchen eingezogen. Nach enter Bestimmung mußte seine Schrift jedes Jahr am Todestag des ersten Abtes den versammelten Mönchen vorgelesen werden. Damit war eine Kontrolle für die Richtigkeit der Darstellung gegeben, andererseits kann man daraus aber erkennen, daß sie einen erbaulichen Zweck

hatte. Das ist wichtig, um zu wissen, welche Stellung man zu der Schrift einnehmen muh, deren Echtheit man mit Unrecht bezweifelt hat.

Sturmius stammt aus einem altbayerischen Adelsgeschlecht. Als sein« Heimat darf man wohl die Gegend um Freising annehmen. Der baye­rische Adel war um diese Zeit schon viele Jahre lang zum Christentum übergetreten. Als Bonifatius nach Bayern kam, bestanden dort schon viele Klöster. Es fehlte nur eine geordnete Diözesan-Einteilung. Auf den Wunsch seiner Eltern folgte Sturmius im Jahr« 735 Bonifatius nach Fritzlar. Er muß damals unge­fähr 25 Jahre alt gewesen sein, da et schon fünf Jahre später zum Priester geweiht wurde und man nach 6er damaligen Bestimmung nicht vor dem 30. Lebensjahr die Priesterweihe empfangen konnte. Im Jahre 738 übertrug ihm Bonifatius- das Amt eines Küchenmeisters. Das beweist, daß Bonifatius besonderes Vertrauen in die ökonomischen Fähigkeiten des Sturmi hatte. Nachdem er 740 zum Priester geweiht worden war, betätigte er sich zuerst mit Erfolg in der Seel­sorge in der Umgegend von Fritzlar.

Seiner ganzen Veranlagung nach sehnte et sich aber nach einem Leben in stiller Abgeschlossenheit. Sein Wunsch traf sich mit dem Plane des heiligen Boni­fatius, ein großes Kloster zu gründen, das zwar in einer abgelegenen sicheren Gegend, aber doch im Mittelpunkt Deutschlands liegen soll. Für die Ausführung seiner Lieblingsidee hatte der Apostel der Deutschen wohl schon die Gegend an der oberen Fulda, die buchonische Waldein öde, in Aussicht genommen. Sie lag ungefähr im Mittel­punkt der drei von Bonifatius gegründeten Diözesen. Das Kloster mußte, sollte es seinen Zweck erfüllen, mit einheimischen Mönchen besetzt sein. Sturmius war zum Abt dieses Klosters als Sprößling eines germanischen Adelsgeschlechtes wie geschaffen.

Als Sturmius dem Wunsche des hl. Vonisatius ent­sprechend auf die Suche nach einem geeigneten Platz für die Anlegung des Klosters ging, hatte er eine viel bescheidenere Absicht als Bonifatius. Er wollte ur­sprünglich schon in Hersfeld und dann in Rodenbach bleiben. Wegen der Nähe der Sachsen schickte ihn Boni­fatius aber weiter nach Süden. Eigil schildert dieses frühmittelalterliche Pfadsindertum im'germanischen Ur­wald sehr anschaulich. Bonifatius billigte die Anlegung des Klosters an der zuletzt von Sturmius an der oberen Fulda vorgesehenen Stelle, ohne die Gegend selbst vorher noch einmal besichtigt zu haben. Er wandte sich sofort an Karlmann, um sich den Platz rechtlich sichern zu lassen. Der König überließ ihm ein Gebiet, 6as vom Kloster aus 4000 Schritte nach allen Richtungen betr jg. 21 m 12. März 744 erfolgte dann d> e Grundsteinlegung zu dem Kloster Fulda. Im Jahre 747 wurde Sturmius von Bonifatius nach Italien geschickt, um die dortigen Klostereinrich­tungen kennenzulernen. Am längsten weilte Sturnvus in Monte Casfino, dem berühmten Kloster der Be­nediktiner. Durch den Aufenthalt des ersten Abtes in Italien wurde das neugegründete Kloster sofort in den großen Strom der geschichtlichen Entwicklung einge­schaltet.

Bonifatius bemühte sich darum, das Kloster unmit­telbar dem Papst zu unterstellen, weil er nicht wollte, daß seine Stiftung in die Abhängigkeit der zum Teil ziemlich verwettlichten Bischöfe geriet. Er erhielt auch das Privileg der Exemption, ein Privileg, das bisher nur wenige bedeutende Abteien in Italien und England hatten, das aber noch niemals einem fränki­schen Kloster gewährt worden war. Bonifatius liebte seine Gründung über alles. Er hatte die Absicht, sich dorthin zurückzuziehen, wenn er erst sein Amt als Erzbi­schof von Mainz niedergelegt hatte. Auf einer Missions­reise nach Friesland erlitt er aber den Martyrertod. Sem Leichnam wurde in Fulda beigesetzt. Der Umstand, daß Bonifatius, der Apostel der Deutschen, in Fulda zur letzten Ruhe gebettet worden war, machte das junge Klo st er bald berühmt. Der rasche Aufstieg .ft aber nicht weniger der Umsicht, Klugheit und der über­ragenden Persönlichkeit feines Abtes Sturmi zu danken. Biele Söhne des Adels traten in das Kloster ein. Die Zahl der Mönche wuchs rasch.

Sturmius hatte manchen Widerstand und manche Schwierigkeit bei seinem Werk zu überwinden. Schwie­rigkeiten machte ihm besonders ein anderer Schüler des hl. Bonifatius, der Bischof Lullus von Mainz, der Gründer des Klosters und der Stabt Hers^eld. Der Ausgangspunkt des Streites bildete wohl das päpstliche Privileg 6er Exemption. Die Fuldaer Mönche übten auf ihren Besitzungen im Gebiet der Diözese Mainz die Seelsorge aus, ohne Bischof Lullus unterstellt zu sein. Lullus hatte auch Parteigänger im Kloster Fulda selbst. Diese verklagten den Abt Sturmius bei Pippin, der ihn 763 in die Verbannung schickte. Daß Pippin auf de kat­schen Anklagen der Mönche hörte, ist wohl auf die p o - litischen Schwierigkeiten zurückzuführen, in denen Pippin sich damals befand. Der bayerische Her­zog Thafsilo strebte offensichtlich danach sich wieder selbständig zu machen. Der bayerische Fürst hatte auch großen Einfluß auf kirchliche Kreise. Es war bekannt, daß Sturmius in der Gunst Thassilos stand.

Lullus, der Nachfolger des hl Bonifatius, woltte dem Kloster Fulda gegenüber die gleiche Stellung einnehmen wie fein Vorgänger Er glaubte darauf ein Recht zu haben, zumal er annehmen konnte, daß das päpstliche Privileg nicht gegen ihn gelten sollte, ba er sein Amt I im Geiste bes hl. Bonifatius verwaltete. Währenb ber I Verbannung des Abtes Sturmius beanspruchte er sogar I die Verfügungsgewalt über das Klostervermögen und setzte einen neuen Abt ein. Dieser wurde aber von den Fuldaer Mönchen vertrieben, die sich einen Vorsteher wählten, der den Auftrag hatte, alles in Bewegung zu setzen, um den alten Abt wieder zurückzubringen.

Bald kam es auch zur Aussöhnung zwischen Pippn. u. Sturmius, da Pippin weniger argwöhnisch war. als seine politischen Sorgen nachließen. Nach einer Abwesen­heit von ungefähr 2 Jahren kehrte Sturmius ro’eber nach Fulda zurück Die Abtei wurde ihm unter A u s- schloß der Oberhoheit des Bischofs Lullus unterstellt Sturmius war durch die Autorität des Königs wieder eingesetzt, bas päpstliche P - > o > l eg war bamit auch von bem König beftätigt. Lullus grünbete jetzt bas Kloster Herstelb bas für ihn bas fein sollte, was Fulba hätte fein können.

Wir müssen es dem hl. Sturmius banken, baß er bie Unabhängigkeit bes Klosters Fulba ver- teibigt hat. In ber Abhängigkeit von einem bischöflichen Stuhl hätte bas Kloster nie bie Bedeutung erlangt, die es später hatte. Fulda wäre dann wohl auch heute kein Bistum.

Nach seiner Rückkehr aus ber Verbannung stank Sturmius noch 14 Jahre an ber Spitze bes Klosters Er bemühte sich eifrig, bie Klotter-Disziplin zu verbessern, bie Kirche auszuschmücken unb bas Lanb zu kultivieren. Im Klotter Ful6a befanden sich damals ungefähr 400 Mönche ohne bie Novizen unb sonstigen Insassen Dir enge Derbinbung. in ber bie beuttchen Kaiker unb Kö­nige zu bem Kloster Fulba standen, würbe eberfioll- durch Sturmius angebahnt. Besonbers eng waren die Beziehungen des ersten Abtes zu Karl bem Kro­ßen. Sturmius. vermittelte zwischen dem Banernher- zog Thafsilo und Karl und stellte das dauernde Freunb- schaftsnerhältnis zwischen beiben Fürsten her. So groß mar das Vertrauen Karl bes Großen zu Sturmius, daß er das gesamte scichkische Missionsgebiet bem Fuldaer Abte unterstellte. Mit Eifer machte sich Sturmius an bie Missionierung ber heidnischen Sachsen Er hat sich den Eh'.ennamen eines Apostels der Sachsen er­worben. Daß politische Momente bas Mis­st o n s w e r k hemmten, ist nicht seine Srfut'b Wenn er auch nicht als Märtyrer starb, so hat er sich bach auf dem Missionsfelb ben Tob zugezogen. Schwer kraul kehrte er nach Fulba zurück unb starb bart am 17. Dercmber 779.

Auf bem 2 Lateranischen Konzil im Jahre 1139 wurde er heilig gesprochen. Er ist der zweite unter den 150 Personen bie bisher von den Päpsten formell heilig gesnrochen worden sind.

Sein Andenken wurde in Fulda stets festlich began­gen. Bei der 1100 ^astr-Feier feines Todestages be­schloß der Fuldaer Stobtrat, ihm ein ro ü r b i g e s Denkmal zu setzen. Leider ist der im Lause von 40 Jahren gesammelte Denkmalssonds burch die Inflation zerstört worden In der Nachkriegszeit wurde zum Andenken an ben Heiligen die erste Fu'baer Not­kirche bem hl. SJurmius geweiht, fjoffenh'ith ist bie Zeit nicht mehr fern, ba bie Stabt unb die Diözese durch ein würdiges Monument den Grün­der Stabt Fulda ehrt.

Aufrichtiger Beifall folgte den Ausführungen des Redners. Ergriffen lauschte die Versammlung dann dem Adagietta aus „L'Arlessienne" von Bizet.

Prof. Dr. h. c. Vonderau

gab darauf einen interessanten Ueberblick über die baulichen Anlagen in Fulda aus den Tagen des hl. Sturmius, fotreit er sie durch seine jahr­zehntelangen Forschungen aufdecken konnte.

Es ist gelungen, die Lage des ersten Klosters wieder genau festzulegen. Auch die von Sturmius erbaute große Basilika ist zum großen Teil (n ihren Grundlinien festgestellt. Neue Aufschlüsse gaben vor allem auch die in biefem Jahre dürftige- führten Grabungen im Dome zu Fulda. Dabei wurde wohl ziemlich einwandfrei die Lage des Kreuzaltars und die Stätte, an der der Apostel derDeutfchen zuerst bestattet wurde, aufgefunden. Prof. Dr. Vonderau schloß seine interessanten, von Lichtbildern wirkungsvoll unterstützten Ausführungen, die vielen ganz' neue Aufschlüsse gaben mit der Feststellung: Den Ktr- chrnbauten der bvnifatianischen Benediktiner lag eine große Idee zu Grunde. Der römische Basi- likastil war die Grundlage für diese Bauten. Es war nicht einfache mechanische Nachahmung, son­dern eme bewußte Anlehnung auch in den äußeren Formen an Rom, der Haupt­stadt der Christenheit.

Der Beifall der Versammlung war aufrichtig und herzlich.

Oberbürgermeister Dr. Antoni sprach in seinem Schlußwort den beiden Rednern den herzlichen Dank der Versammlung aus. Beiden seien auf ihrem Gebiete hervorragende Gelehrte. Man muffe ih n deshalb besonders danken, daß sie sich zur Mit Wirkung an dieser Veranstaltung bereit gesund hätten. Danken walle er auch dem Bürgerverc der den Saal kostenlos zur Verfügung gef habe und den Herren, die durch ihre feinen n kalischen Darbietungen den Abend verschönt ten. Er zog die Schlußfolgerung aus den bc geschichtlichen Vorträgen, Sturmius, der Mann Tatkraft, der Klugheit, des festen, zähen Will'' müsse auch den Menschen, die in unserer schwere Zeit leben, zum Vorbild, Beispiel und Muster die­nen.

Mit dem Adagio Afsettuoso ed appafiionato aus dem Streichquartett Op. 18 Nr. 1 von Beet­hoven klang die Gedächtnisfeier aus.

Vorsicht mit Deihnachtsbäumen.

Die Weihnachtszeit rückt heran. Die Hes­sische Brandversicherngsanstalt etnp. fiehlt, bei der Aufstellung von Weihnachtsbäumen Vorsicht walten zu lasten, da sonst leicht Brände entstehen können, und gibt für die Behandlung derWeihnachtsbäume einige wichtige Richtlinien:

Zur Kunstausstellung in der Landesbibliokhek.

Die von ber Fuldaer Lanbesbibliothek zur Freude aller Kunstliebhaber veranstaltete Ausstellung, die neben den Tafeln des bei Fllser, Augsburg, erscheinenden Prachtwerkes „Denkmäler der Krippenkunst", eine Kol­lektivausstellung Gräuel—Lammeyer zeigt, erfreute sich bisher eines guten Besuches und einer recht günstigen Beurteilung von Seiten kritisch urteilender Kenner.

Die Ausstellung ist weiterhin täglich von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags geöffnet, auch an Sonn» unb Feiertagen.

Die Kollektivausstellung, bie uns einmal Gelegen­heit gibt, zwei jüngere heimatliche Künstler burch eine umfangreiche Schau intensiver kennen zu lernen, brängt ben Wunsch in den Vordergrund, einiges über den Wer­degang der Aussteller zu erfahren. Die gezeigten Werke sind in Nr. 285 dieser Zeitung ausführlich gewürdigt. Dem Bekanntwerden der interefffierten Kre-se mit den beiden Künstlerpersönlichkeiten selbst sollen die nachfol­genden biographischen Notizen dienen.

Anton Gräuel.

Krauel ist 1897 in Bad Soden bei Salmünster ge­boren. Nichts anderes als feine Begabung hat ihn von hier aus in die Künstlerlaufbahn gebracht. Künst­lerische Anregungen ernst zu nehmender Art kamen an bem kleinen Platz nicht in Frage. Protektoren auch nicht. Aber schon als Volksschüler zeigte er eine gewisse Neigung zum Zeichnen unb Mobellieren. Das würbe von bem Vater vernünftigerweise als Fingerzeig für ben au erroäblenben Beruf hingenommen. Damit er einmal

in Soben, wo bekanntlich Möbelinbustrie ansässig ist, einen orbentlichen Posten finden könne, gab er den Jungen zunächst zu einem Bildhauer und Bildschnitzer in die Lehre. So kam Gräuel nach Fulda zu dem da­mals hier tätigen Bildschnitzer Steinte, einem tüchtigen Techniker Münchener Schule, der später an den Kriegs­folgen gestorben ist. Graue! hat hier eine regelrechte handwerkliche Lehre durchgemacht. Die Interessen gin­gen aber damals schon über bas Hanbwerkliche hinaus zur freien Kunst. Sein Meister hat ihn in biefem Sinn beeinflußt. Das erste Buch, bas ber nach Fulba herein­gekommene Lehrling sich kaufte, war bas „Blaue Buch" über Michelangelo. Das ist gewiß nicht so ganz bie bei fünfzehnjährigen Hanbwerkslehrlingen übliche Lek­türe.

• Nach ber Lehre arbeitete Grauet in Frankfurt in Kunstwerkstötten für beforatioe Kunst. Auch hier war bie Weiterbildung eine rein handwerkliche. Sie dauerte bis zur Militärzeit.

Erst nach bem Kriege wandte sich Gräuel, dem inne­ren Zwang zum selbständigen Gestalten folgend, der freien Künstlerlaufbahn zu. Nun besuchte er jahrelang in der Städelschen Kunstschule die Bildhauerklasse von Gg. Bäumler. Nach Auflösung dieses Instituts wurde er 1925 Schüler von Richard Scheibe, des hochangesehe­nen Lehrers an der Frankfurter stöbt. Kunstschule. Seit ungefähr einem Jahre arbeitet ber Künstler in seinem eigenen Atelier.

Ueberaus wichtig im Leben eines Künstlers finb stets feine Reifen. Sie finb notwendig zur Erweiterung

des Horizontes. Sie üben oft entfdjeibenbe Einflüsse aus, zumal wenn sie in bie Ausbildungszeit unb in bie Zeit bes künstlerischen Reifens fallen, also normaler- weise in bie Jahre zwischen 20 unb 30. Ihre Wirkung ist befonbers segensreich, wenn planmäßig gereift wirb. Gräuel war zweimal in Italien, wo er ben Werken ber von ihm befonbers verehrten Altmeister der Plastik Dvnatellv und Michelangelo gegenübertreten konnte, ein­mal in Paris, um vor allem die geschätzten modernen Franzosen Rodin unb Maillol kennen zu lernen. In Deutschlanb führen seine Ausbildungsreisen hauptsächlich nach den Kunstzentren Berlin, Düsseldorf und München. Von ber beutfchen Plastik interessieren ihn befonbers mittelalterliche Bilbwerke unb bie Mobernen: Hilbe- branb, Kolbe, be Fiori, Haller, Albiker.

In bem Jahrzehnt seiner freien künstlerischen Tätig­keit ist Gräuel seinen Weg mit eiserner Konsequenz ge­gangen. Er kennt keine Richtung unb keine Mobe. Für ihn ist gute Plastik eben gute Plastik. Ob sie ägyptisch ober griechisch, Renaissance ober Moderne ist. Er ist der Natur sehr verbunden. Er häll Maß! Sein Weg führt auf einer wohltuenden Mitte zwischen Idealismus und Realismus. Das gibt feinen Bildwerken diese wohltuende und anerkennenswerte Ausgereiftheit. Seine Plastiken brauchen keinen Kommentar.

Gräuel arbeitet in jeder Technik, in Stein und Mar- mar, in Holz und Bronze. Seine handwerkliche Schu­lung hat ihm nur genutzt.

Man muß es bewundern, daß der Künstler auch in den jungen Jahren der sonst üblichen Sturm- und Drangperiode nie auf Modetorheiten hereinfiel unb auch in ben Jahren ber Not nie Konzessionen an den Un­geschmack der breiten Masse machte. Da dürfte ihm

seine urwüchsige, robuste Natur recht zustatten gekom­men sein. Das verlangt sehr viel Charakter unb gute Nerven.

Gräuel ist gegen sich unerbitlich streng. Darum bevorzugt er auch bie Aktbarstellung. Der Akt erfordert bas größte Können. Er duldet kein Vertulcheln unk verrät jede Schwäche. Wer den Akt beherrscht, für ber ist alles anbere leicht.

Auf ben beschickten Ausstellungen hat Gräuel dahei auch stets bie verbiente Beachtung unb Anerkennung ge funben. Auch in Fulda war er vor der jetzigen Kollek tioausstellung stets in den Ausstellungen des Fuldae Künstlerbundes vertreten. In Frankfurt hat er in be jährlichen Ausstellungen ber „Frankfurter Künstlerschaft seit 1925 regelmäßig ausgestellt. Daß er bort auch Bei fall fanb beweist bie Tatsache, baß bie Frankfurts städtische Ankaufskommission zweimal ein Bildwerk au seiner Werkstatt erwarb, ein „Stehendes Mädchen" ii Holz unb eine Kleinbronze „Abam unb Eva".

An weiteren Ausstellungen erwähne ich Worms (Mu feum) 1925, Aachen 1928, bie hefsen-nasiau-tchen An­stellungen in Wiesbaden 1926, 28 und 29. sowie du 6eutsche Kunstausstellung Kassel 1929.

Als einen besonderen Erfolg konnte es der Künstle, für sich buchen, daß zwei seiner Werke von der dies jährigen Herbstausstellung der Akademie der Künste zu Berlin angenommen wurden, die bekanntlich sehr wäh lerisch ist, daß sogar seine „Liegende" in dem offiziellen Ausstellungskatalog zur Abbildung gelangte, und daß er auch in recht kritischen Blättern eine ausgezeichnete Presse fanb.

Das gerabe herausgekommene Dezemberhcft ber be Cafsierer erfdjeinenben Zeitschrift ,Kunst unb Künstler"