56. Zchrg
Donnerstag, 19. Dez. 1929
;es (1. 11.
Auch eine Nein
Hilst Hugenberg
Also: nicht zum Volksentscheid gehen
kommissar für auswärtige Angelegenheiten, und der türkischen Regierung sind zu einem erfolgtet* chen Abschluß gebracht worden. Es wurde be- schlossen, den im Jahre 1925 in Paris unterzeichneten türkisch-russischen Freundschafts- und Neutra- litätsvertrag zu verlängern und zu festigen. Das Protokoll über die Verhandlungen der letzten Tage soll im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten unterzeichnet und veröffentlicht werden. Die Gerüchte über geheime Klauseln oder Aktenstücke, von denen in gewissen Blättern die Rede war, werden in vollem Umfange dementi-rt.
Die Vorkämpfer des Hugenberg - Hitlerschen Volksbegehrens behaupten, daß sie den von ihnen aufgenommenen Kampf letzten Endes führten, um zur Freiheit des deutschen Volkes, und dann zur allgemeinen Volksgemeinschaft zu kommen. In Wahrheit verfolgen sie aber ganz ändere Ziele. Es kommt ihnen letzten Endes gar nicht so sehr auf die Annahme oder Nichtannahme des Poungplanes an, — das ist ihnen nur Vorwand. Sie wollen auch gar nicht die Volksgemeinschaft, wenigstens nicht die wahre Volksgemenschaft, die doch nur die eine Bedeutung haben kann, daß sie alle Kräfte des deutschen Volkes ohne Unterschied der politischen Einstellung zusammenfaßt, die an der Wiederaufbauarbeit für das Vaterland teilnehmen wollen. Die Vorkämpfer des Hugenberg-Hitler- ^chen Volksbegehrens verstehen offenkundig unter Volksgemeinschaft etwas ganz anderes, nämlich die Zusammenfassung derjenigen. Elemente, die sich und anderen einreden wollen, nur sie hätten die Vaterlandsliebe in Erbpacht genommen, die anscheinend glauben, die Liebe zum Vaterland fei am besten dadurch zu beweisen, daß man den Mund recht voll nimmt und alles beschimpft, was ihrem Willen nicht folgen will. Es finden sich aber im eigenen Lager der chugenberg-chittler-Leute immer noch einige Unvorsichtige, die es sich nicht versagen können, ihren innersten Gefühlen hier und da Ausdruck zu geben und damit an den Tag zu legen, was der „tiefere Sinn" des ganzen Volksbegehren-Rummels nach ihrer Auffassung sein soll.
Eines der Blätter des Hugenberg-Konzerns gibt eine Beilage heraus, die den schönen Titel führt „Wege zur Volksgemeinschaft". In dieser Beilage bat sich ein -Hans Henning Freiherr Grote über den „tieferen Sinn" des Volksbegehrens in sehr aufschlußreicher Weise ausgelassen. Er gibt zunächst zu, daß die Aussichten des Volksentscheids ruf sthr schwachen Füßen stünden, und geht dann , U?r wache über. Er meint, den Doungplan zu ?all zu bringen fei zwar auch eine Aufgabe des
Verwegener Raub.
Dienstag nachmittag wurde in Stettin ein verwegener Iuwelenraub ausgeführt. In der Kleinen Domstraße warf ein Mann in ein Schaufenster des Juweliers Schell einen Stein, ergriff zwei Ständer mit NingenimWertevon50000 Mark, bestieg ein in der Nähe stehendes Lieferauto und suchte damit das Weite.
Die Kredit-Ermächtigung.
Ein dem Reichstag vorgelegter Gesetzentwurf ermächtigt die Reichsregterung, bezw. den Reichsminister der Finanzen, einen Betrag bis zu 465 Millionen Rm. im Wege des Kredits zu beschaffen. Die Begründung gibt die Reichsregierung wie folgt:
Im Haager Protokoll ist vorgesehen, daß der Generalagent für Reparationszahlungen im Benehmen mit der deutschen Regierung die notwendigen Maßnahmen treffen wird, um der Reichs- stnanzverwaltung bis zum Inkrafttreten des Aoungplanes alle Erleichterungen zu gewähren, die mit der Aufrechterhaltung der Rechte der Gläubigermächte vereinbar sind. Der Generalagent stellt dementsprechend die Unterschiedsbeträge zwischen dem Dawes- und dem Poungpla.a dem Reiche zur Verfügung, aber nur im Wege des Kredits. Run wird die in § 2 des Haushaltsgesetzes enthaltene Ermächtigung zur Aufnahme von Krediten zur Deckung des außerordentlichen Haushalts benötigt und die im § 5 des Haushalts- gesetzes vorgesehene Ermächtigung zur Beschaffung der erforderlichen Betriebsmittel der Reichshaupt- kaffe für diesen Zweck ebenfalls gebraucht. Andererseits ist die Reichshauptkasse mit dem Fehlbetrag aus dem Rechnungsjahr 1928 in Höhe von 154,4 Mill. Rm. und dem zu erwartenden Fehlbetrag aus 1929 belastet, bis im Falle der Annahme des Doungplanes die unten behandelte Haushaltserleichterung eintritt oder im Falle der Ablehnung die Fehlbeträge des ordentlichen Haushalts auf andere Weife gedeckt werden. Infolgedessen fehlt eine Ermächtigung zur Beschaffung der vorläufig bis zur endgültigen Regelung durch einen Nachtragshaushalt zur Deckung der Fehlbeträge erforderlichen Kredite. Der vorliegende Entwurf ist dazu bestimmt, diese Lücke auszufüllen.
Im Falle der Annahme des Poungplanes tritt — ohne Berücksichtigung des Dienstes der Industrieobligationen — eine Verminderung der Aus- aaben des ordentlichen Haushalts 1929 um 464,4 Mill. Rm. ein.
5n Höhe dieses errechneten Unterschiedsbetragb-; »wischen dem Dawes- und dem Younavlan ist eine Erhöhung der Ermächtigung zur Aufnahme von Krediten vcmgestben unter Abrundung auf volle 465 Mill. Die Erleichterung soll der Deckung der Fehlbeträge aus 1928 und 1929 dienen. Das wird I durch einen Nachtraashaushalt für 1929 erfolgen, her den gesetzgebenden Körperschaften zusammen I mit dem Poungplan vorgelegt werden wird.
Im Falle der Annahme des Poungplanes werden die auf Grund der Ermächtigung begebenen Kredite aus den dann etatsmäßig'zur Verstigung stehenden Beträgen von rund 465 Mill. Rm zu- rückgezahlt bezw. verrechnet. Im Falle der Ablehnung des Youngplanes wird durch den Nach- '
Ter Feiere Sinn des Volksentscheids-
tragshaushalt für die Fehlbeträge auf andere Weise Deckung beschafft werden müssen. Die in dem vorliegenden Gesetzentwürfe vorgesehene Ermächtigung kann also in jedem Falle mit der Verabschiedung des Nachtragshaushalts 1929 fort« fallen. ________________________
* Nervenzusammenbruch der Sklareks. Die Brüder Willi und Leo Sklarek haben im Moabiter Untersuchungsgefängnis auf die Nachricht von dem plötzlichen Tode des Obermagistratsrats S ch a l l d a ch, der ihr Hauptenlastungszeuge gewesen war, schwere Nervenzusammenbrüche erlitten. Willi Sklarek mußte sofort in das Lazarett übergeführt werden und auch Leo Sklarek ist bettlägerig. Map Sklarek wird bekanntlich gegenwärtig von Ministerialrat Dr. Bürger auf feinen Geisteszustand untersucht.
Festnahme eines Falschmünzers .
Dienstagnachmittag wurde in Saarbrück'en der 35 Jahre alte Arbeiter Ludwig L i n i k u s festg-nom- men, der in einer Dachstube des genannten Hauses sich mit der Herstellung von falschen F ü n f - Markstücken beschäftigte. Die Stücke find sehr geschickt nachgemacht worden. Es wurden bei der Durchsuchung des Zimmers noch 140 Falschstücke gefunden.
* Die französische Vertretung bei der Hochzeit des italienischen Kronprinzen. Die französische Regierung wird sich bei der Hochzeit des Kronprinzen Hubert von Italien mit der Prinzessin Marie Jose von Belgien, die vo m 6. b i s 9. I a n u a r in Rom gefeiert wird, vertreten lassen durch Marschall Petain, Admiral Vedel und den Chef des Protokolls Fouquieres.
Set neuen Pnrleiverhandlnngeu.
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
In der Montagssttzung des Deutschen Reichstages sprach Reichsfinanzminister Dr. Hilserding zum,Gesetz über Zolländerungen. Im Hause selbst herrschte, wenigstens im Plenum, ein sehr geringes Interesse. Kaum mehr als ein Dutzend Abgeord- nete fjcrten den übrigens sehr wichtigen und für hie Zukunst gerade der Landwirtschaft bedeutungsvollen Ausführungen zu.
Das kam daher, daß fast sämtliche Parteien vor und hinter den Kulissen im Reichs-ag erneut besonders über die Zollvorlage verhandelten. Es ist bekannt, daß die Deutschnationalen ebenso wie die Kommunisten neue scharfe Vorstöße vorbereitet haben. Man will wahrscheinlich diese Gelegenheit noch einmal benutzen, um gegen den Reichsfiuanz- mmister ein Mißtrauensvotum zur Abstimmung zu bringen, was ihnen am Samstag nickst geglückt ist. Doch dürfte auch dieses parteitaktische Manöver erneut scheitern.
Ernstere Debatten entfpinnen sich über das Zockgesetz, das noch vor Weihnachten erledigt mer= de» muß, weil der jetzige Zolltarif am Jahresende ablauft. Diese Debatten finden vor den Kuli'sen statt.
.^Hmter den Kulissen dagegen verspüren wir be- reits die Auswirkungen der besonders bei der Deutschen Volkspartei und den Sozialdemokraten wahrgenommen sonderbaren Haltung bei der Abstimmung über dos Vertrauensvotum für die Regierung am Samstag. Die Volkspartei besteht daraus, daß die Initiativgesetze eingebracht werden zur Durchiführung des „Sofort"-Programms. Hier entspmnt sich der Kampf um die Erhöhung des eirbeitslofenverficherungsbeitrages um 34 Prozent, ferner um die Erhöhung der Tabaksteuer.
Das am Samstag zur Annahme gelangte Vertrauensvotum hat aber dem Kabinett für die Duich- fuhrung all ihrer Pläne eine sichere Basis geschcü- roe“i)e hie beiden oben genannten Parteien ntdjf verlassen können, wollen sie nicht von vornherein wieder eine neue Verschärfung der Lage, e«l e' heraufbeschwören. Und doch null die Deutsche Volkspartei eine Auszabenfen- fung bei der Arbeitslosenversicherung herbeiführen Är, Beitragserhöhung selbst schreitet.' Dieser Absicht stemmen sich in erster Linie die Sozialdemokraten entgegen, die aber selbst das größte ^eresse daran haben mußten, der Regierung die Möglichkeit zu geben, schnellstens die Reichsanstalt zur finanziellen Gesundung zu bringen. Aber auch hier find wieder die alten parteitaktischen Manöver ausschlaggebend.
Wir haben schon immer darauf hingewiesen, daß es m Zukunft zur Durchführung aller der geplanten Sanierungs- und Reformmaßnahmen der unerschütterlichen Festigkeit des Reichskabinetts bedarf. Es darf sich durch Parteispiele niemals dahin treiben lassen, die eingeschlagene Linie auf= zugeben und vielleicht den Parteien dann die Verantwortung zu überlassen, wie das früher einmal der Fall war gerade in der Arbeitslosenversicherung. Bleibt das Reichskabinett fest, werden die Parteien von selbst oufhören, unangebrachte Schwierigkeiten aus parteitaktischen Gründen zu machen. ____________
* Hreundschafls- und Neukralitäksverlraa Zwischen der Sowjetunion und der Türkei. Die Agenee d' Anatolie teilt mit: Die Besprechungen zwischen Karachan, dem stellvertretenden Sowjet
sich die zuständigen Stellen bisher darauf beschränkten, bei bekanntwerdenden Verstößen auf die Bestimmungen hinzuweisen, und nur in schwereren Fällen Strafanzeigen erstatteten ,so kann eine gleiche Nachsicht in Zukunft nicht mehr erwartet werden. Die in Frage kommenden Kreise werden daher gut tun, sich in Zukunft mehr als bisher mit den Vorschriften des Futtermittelgesetzes zu befassen. Insbesondere werden die Vorschriften über Anmeldung, Benennung, Deklaration und Bezettelung nicht genügend beachtet. 1. Anmeldung. Wer ein Futtermittel, das bei Inkrafttreten des Futtermittelgefelp 1927) noch nicht im Verkehr war, in den Verke
Bestimmungen des Julkermitlelgesetzes.
Die Reichsregisterstelle für Futtermittel teilt mit: Obschon das Futtermittelgesetz seit mehr als zwei Jahren in Kraft ist, scheint die Kenntnis von den Bestimmungen dieses Gesetzes bei manchen Futtermittelherstellern und Händlern noch recht lückenhaft zu fein, wie die Verstöße zeigen, die fast täglich beobachtet werden können. Wenn
Erschein! ied)Smal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt 'm Bild' und „Buchcnblcitter". Rotationsdruck und Berlaa tFWV« w'-'v dn Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, itulbaer Acliendruckerei 1150 und 1151. ::
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1927) noch nicht im Verkehr war, in den Verkehr bringen will, hat dieses gemäß § 2 FMG. bei der Reichsregisterstelle für Futtermittel, Berlin W. 8. Kronenstr. 68=69, schriftlich anzumelden. Die Anmeldung hat also zu erfolgen, bevor das Futtermittel in den Verkehr gebracht
Grubenkatastrophe in Amerika
60 Bergleute ums Leben gekommen.
Wie aus M c'A l l i st e r in Oklahoma gemeldet wird, sind durch eine schwere Explosion im Kohlenbergwerk North-Mc' Allister 60 Bergarbeiter verschüttet worden. Die Rettungsarbeiten sind durch die eingetretene Zerstörung des Stolleneinganges außerordentlich erschwert. Von den verschütteten Bergleuten sind bisher zwölsalsLeichenge- borgen worden.
Nach den letzten Meldungen ist die H o f f n u ng auf gegeben worden, die noch eingeschloffenen anderen 48 Bergleute lebend aufzufin- den.
sön liehe Werbung zu legen. Wahrscheinlich hoffen sie, auf diese Weise die Leute sicherer an die Urne zu bringen. Für einen Anhänger der Zentrumspartei wie überhaupt für jeden realpolitissch denkenden Freund einer gesunden und stetigen Aufwärtsentwicklung ist es selbstverständlich, daß er am 22. Dezember nicht zum Wahllokal geht.
Unser Gesetz über den Volksentscheid ist etwas kompliziert. Je nachdem ob das dem Volksentscheid zugrunde liegende Gesetz einen verfassungsändernden Inhalt hat ober ob es nur einen einfachen Reichstagsbeschluß annullieren will, ist die Sache verschieden georbnet. Bei einem verfassungs- nnbernben Gesetz wirb verlangt, baß mehr als die a aller Stimmberechtigten, also mehr als 21
nen „I a" sagen.
Im anderen Falle, wenn nur ein einfacher Reichstagsbeschluß umgestoßen werden soll, genügt es, wenn sich mehr als die Hälfte der Stirnrnberech- tigen — einerlei ob zustimmend ober ablehnend — an der Abstimmung beteiligt und bann mehr als bie Hälfte ber Abstimmungsteilnehmer „Ja" gesagt hat.
Im Dorfiegenben Falle hanbelt es sich nach ber Stellungnahme ber Reichsregierung um ein ver- faffungsänbernbes Gesetz, bas zum Gültigwerben mehr als 21 Millionen Ia=Sti'mmen braucht. Aber auch wenn bem nicht so wäre, wäre es gerabe unsere Pflicht, zu Hause zu bleiben. Denn selbst wenn wir eine Nein-Stimme abgeben würben verbesserten wir bie Chance Hugenbergs, baß sich bie Hälfte ber Stimmberechtigten an bei Sache beteiligt. Wir haben oben gesehen, baß e« in biesem zweiten Falle für ihn genügen würde, bie Mehrheit ber Abstimmungsteilnehmer zu erhalten.
Es gibt also für uns am 22. Dezember gar keine anbere Möglichkeit, als ber Abstimmung u n t e i allen Umständen fernzubleiben
wird. Futtermittel find auch solche zur Verabreichung an Tiere bestimmte Stosse, die in erster Linie Vorbeugungsmittel gegen Krankheiten fein sollen. 2. Benennung. Dis Benennung von Futtermitteln muß ihrer Natur entsprechen. Mischungen sind dann ihrer Natur entsprechend benannt, wenn die Benennungen entweder die Zusammensetzung oder den Verwendungszweck der Futtermittel erkennen lassen. Außerdem muß die Benennung von Mischungen, die ganz oder überwiegend aus mineralischen Stossen bestehen, das Wort „Mischung" und in die Benennung anderer Mischungen das Wort „Mischfutter" ausgenommen werden. 3. Deklaration. Bet der Veräußerung von Futtermitteln in Mengen von 50 Ägr. und mehr hat der Veräußerer dem Erwerber neben der richtigen Benennung den Gehalt an wertbestimmeitden Bestandteilen und bei Miichungen weiterhin sämtliche Gemengteile und deren Hundertsätze schriftlich anzugeben. Bei Veräußerung von Futtermitteln in Mengen von weniger als 50 Kgr. in Verpackungen müssen die Verpackungen äußerlich mit Kennzeichnungen versehen sein, die die vorstehend erwähnten Angaben enthalten.
Ein FuNermittelgeseh auch in Polen.
Da. polnische Landwirtschastsministerium plant dis möglichst baldige Schaffung eines Futtermltetlgesetzes. Das Gesetz wird in erster Linie Vorschriften über die Futtermittesvereinfachung, über die Verwendung von Fleischmehl und Blutmehl enthalten.
Arn 22. Dezember wirb sich zeigen, wer im beutschen Volke realpolitischen Sinn besitzt. Die Drahtzieher bes Volksbegehrens reden ihrer Anhängerschaft ein, Reparationsverpflichtungen unb Kriegsfchulblüge ließen sich einfach baburch aus ber Welt schaffen, baß man erklärt: Wir tun | nicht mehr mit Sie verschweigen ihnen bie Tatsache, baß eine berartige Erklärung, wenn eine verantwortliche beutsche Regierung sie sich zu eigen machen wollte, von unseren ehemaligen Kriegsgegnern, bie ja nicht nur militärisch, fon« bern vor allen Dingen finanziell viel mächtiger sinb als wir, mit unerträglichen Vergeltungsmaßnahmen beantwortet mürbe. Die Herren um Hugenberg sagen ihrem Gefolge nicht, baß ber Abbau ber Reparationslasten unb bie Austilgung ber Kriegsfchulblüge, bie jeher Deutsche mit heißem Herzen herbeisehnt, nur burch gewissenhafte sachliche Arbeit, nur burch allmähliche Erschütterung ber psychologischen Grunblagen vollendet 'werden kann. Der Reichsausschuß für das Volksbegehren verschweigt, daß auf dem gekennzeichneten Wege tatsächlich schon sehr viel erreicht worden ist, daß die Repa- rationslaft im ersten Jahrzehnt der Deutschen Republik schon erheblich leichter wurde und daß an bie Kriegsfchulblüge Deutschlanbs auch im ehemals feinblichen Auslanbe nur noch diejenigen glauben, deren Geistesverfassung ber unserer Hugenbergfreunbe entspricht.
Wenn man in diesen Tagen die Zeitungen der Rechten durchblättert, findet man selbst dort nur eine verhältnismäßig geringe Begeisterung. Rur Hugenbergs eigene Blätter machen davon eine I Ausnahme. Seine nationalsozialistischen Freunde überlegen sich bereits, wie sie bie un- abroenbbare Nieberlage ihrer Wählerschaft gegenüber zurechtstutzen sollen.
Die Volksbegehrler scheinen biesmal mehr als auf Zeitungspropaganba Wert auf direkte per-
Volksentscheides, das Wesentliche des Kampfes sei aber, daß eine neue Front im Werden begriffen sei, ber bie Zukunft gehöre, wenn fee nur wolle. Wenn man auch an bem Sieg bes Volksentscheides im äußerlichen Sinne zweifeln könne, so besitze doch dieser Verstoß der Hugenberg - Hitler - Seldte einen tieferen inneren Sinn, ber sich bereits allerorten, nicht zuletzt auch burch den Abgang einiger „Auch deutschnationaler" Abgeordneter aus der Hugenbergpartei des neuen Willens zur Freiheit in seinen äußeren Auswirkungen anzeige und damit einen Erfolg der ganzen Aktion herbeiführe, um den allein sie sich schon gelohnt habe: das fei bie Scheibung, b. h. bie Vertiefung ber Kluft, die burch die Hugenberg-Hitlerfche Aktion im deutschen Volk aufgerissen worden ist. Dann, heißt es weiter, möge der Volksentscheid keine Mehrheit bringen. Wann jemals werde die wahre konservativ- revolutionäre Weltanschauung, die heute mit bem wirklichen Fiihrertum identisch sei, in der Mehrheit sein, wo doch der Törichten immer mehr seien denn ber Klugen, ber Aengstlichen mehr benn ber Streit» baren. Niemals habe eine Mehrheit bas Schicksal ber Völker, wie auch das Deutschland, gestalten und beeinflussen können. Endlich enthüllt der Freiherr Grote denn auch das Ziel, das ihm vor Augen schwebt. Er spricht es offen aus, es soll mit bem Kampf um ben Volksentscheid ber Angriff gegen bas „morsche unb abgelebte Stiftern", bas nach bekannter Ideologie durch den Marxismus allein bestimmt und beherrscht sein soll, auf ber ganzen Linie ber „neuen Front" eingeleitet werben.
Wer also ber „konservativ-revolutionären Weltanschauung" Vorschub leisten will, wer sich mit« schulbig machen will an der Zerstörung der deutschen Einheit, ber mag am 22. Dezember hingehen unb seine Stimme für den Volksentscheid abgeben. Wer jedoch bie friedliche Weiterentwicklung der deutschen Verhältnisse wünscht und den Bruderhaß unter Deutschen verabscheut, der bleibt am 22. Dezember zuhause.
FuldaerZertung
Anzeiger für bie Stabt Aulba unb ben Oanbkreis Aulba. Amtliches Areisblatk.
Adenauer wieder gewählt.
In der Siir.r l
Versammlung wurde Oberbürgermeister Dr. Adenauer bis zum ?-abre 1942 wiedergcwühlt, und zwar mit den ?5 den Zentrums, den
der Deutschen Volkspartei und ben drei der Demokraten. Dr. Adenauer erhielt mit der Stimme des Bürgermeisters Matzerath 4 9 Stimmen, während 47 Stimmen sich auf andere Kandidaten verteilten. Die Sozialdemokraten gaben 21 Stimmen ihrem Fraktionsoorsitzenden Görlinger. Die 13 Kommunisten stimmten für den kommunistischen Düsseldorfer Rechtsanwalt Obuch, bie sieben Wirtschaftsparteiler für ein Fraktionsmitglied namens Boos, die vier Nationalsozialisten für Dr. Frick (München) unb die zwei Deutschnationalen für Oberbürgermeister Dr. Lehr (Düsseldorf).
Die Haltung der Rechts- und Linksparteien entsprang lediglich politischen Quertreibereien, do keine der von ihnen gewählten Personen ernstlich für die bedeutsame Stellung als Kölner Oberbür- meifter in Frage kamen.
Aus den Parlamenten.
Der Reichstag nahm in feiner Dienstagsitzung die Reichsrichtlinien für das Wohnungswesen in der Ausschußfassung an, dazu in zweiter Lesung einen Antrag ber Regierungsparteien, wonach die Rückflüsse aus ben Hauszins steuerhypotheken in vollem Umfang wieder für Wohnungsbau und Siedlung verwandt werden sollen.