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Fuldaer Zeitung

gen

Mrd io dem Volk geholfen?

Originalzeichnung von Fritz Oehlschlägel.

Radau-Szenen im Berliner Sladlparlamenk.

RADIO I

200

Fahrrad-Faulstich eä

Seit 1829

Linoleum

Lederwaren

reizenden

erinnert

Riviera, früheres seelische

St. 290.

Konr»kag, den 15. Dezember 1929.

ebenfalls über die mehr zu

Malchen blieb bei Stella bis nach der Beerdigung lknd bestand darauf, daß ihre Freundin sie in das Her­renhaus begleitete, wo sie sie verhätschelte und mit be­sonderer Aufmerksamkeit behandelte, da sie den Kum­mer der seichten kleinen Seele um den Verlust der Liebe einer Mutter auch viel hoher veranschlagte, als Stella ihn wirklich empfand.

Inzwischen war der Anwalt Brand eifrig damit be­schäftigt, alle Nachforschungen über die Identität Mul­chens anzustellen, und mit den im Briefe Hallers an Frau Bendler gegebenen Aufklärungen ausgestattet, ge­lang es ihm denn auch nach nicht allzu langer Frist, die überzeugenden Beweise davon zur Stelle zu schaffen, daß Malchens Großmutter rechtmäßig in erster Ehe mit Georg Haller verbunden gewesen und daß die Er­bin des exzentrischen Gottfried Haller tatsächlich seine eigene Großnichte war.

Diese Tatsache wurde rechtzeitig auch dem Baron vnd der Baronin v. Eönnern mitaeteilt, was einen

ich gestehen. Du kannst dich verschlafen, und sie finden doch noch einen Zug, der zeitig genug an­kommt. Ist es kein Zug, dann ist es ein Flug­zeug. Liebe macht erfinderisch. Und läßt du ein Buch liegen, wie ich in Frankfurt, sie stellen es dir gratis wieder zu. — Ein Häslein habe ich mir mitgebracht, das solltest du sehen. Drücke ich auf ein Gummibällchen an einer langen Schnur, dann springt es wie im sungen Klee. Es sitzt auf meinem Tisch. Bis Weihnachten will ich damit mein Ver­gnügen haben. Dann bekommt es ein armes Kind.

Der Mann im Monde.

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Franz Kircher, Fulda, Schweinemarkt IO

Malchen gerade an alles, was sie vergessen soll, und ist überdies eine egoistische kleine Närrin. Sie würde sich an dem reizenden kleinen Oertchen, in das wir gehen, auch sehr langweilen, und ich dringe in Stella, mit ei­ner ihrer Freundinnen nach Cannes zu gehen."

land, von Frankreich. O du wunderbare Stadt Paris! Wenn der Deutsche nach Berlin fährt, nun, dann macht er ein grimmiges Gesicht, denn dort gibt es Hast und Arbeit und Geschäft. Oder er zwinkert lustig mit den Augen, denn dort kann sich der arme Provinzler für manche Entbehrungen des Wohllebens entschädigen. Wenn aber der Fran­zose nach Paris fährt, dann leuchtet sein Auge! Paris, das ist ein Märchen, das ist Frankreich, das ist die Welt. Als ich eine Stunde vor Paris fragte, wir seien wohl schon da, da erhielt ich als Antwort ein fragendes Gesicht. Wie, schon da? Nein, Paris . . . Sie wissen nicht . . ., das dauert noch eine Stunde . . . und verzückt schmunzelte er noch einmal: Paris! Man bleibt auch nicht am Platze, bis man da ist. Man steht lange vorher auf. Man rüstet die Koffer. Man ordnet seine Kleider. Man macht sich zurecht, wie vor dem Gang auf eine Hochzeit, oder auch wie der Lieb­haber vor der Brautschau. Eine herrliche Dame ist sie ja, Paris, die Königin von Frankreich, dis sich in tausend Spiegeln immerfort betrachtet.

Schließlich brausen wir in den Nordbahnhof ein. Und dann gleich zur Sitzung. Vorbei an den Boulevards, an den Denkmälern, .an den alten Palästen, an den Kirchen, oft aufgehalten vom Andrang des Verkehrs, dann aber pfeilgeschwind durch den Regen hindurch, und da sind wir schon am Ziel. Wie sich doch die Zeiten geändert haben, man begegnet uns freundlich^ gerade auch den Deuffchen. Die Idee der Verständigung hat wirk­lich Fortschritte gemacht. Wir sind herzlich zueinan­der, und wo die Sprache nickt reicht, da sprechen Auge und Herz deutlich genug. Dank allen jenen Menschen, die nun jahrelang an dem großen Ge­danken der Verständigung unter den Völkern Eu­ropas gearbeitet haben. Lassen wir uns nicht schrecken durch das Bild offizieller Verhandlungen in Finanzsachen, denn bei derlei Dingen, wo es ums liebe Geld geht, werden selbst gute Geschwister grätig. Wir waren auch bei aller Herzlichkeit nicht sentimental, sondern wußten um die Würde, die wir zu vertreten hatten.

Verhandlungen sind schwer und trocken, wie alle ernste Arbeit. Davon will ich schon nicht plaudern, wohl aber von dem Besuch im Hotel de Ville, dem prachtvollen Rathaus der Stadt. Säle sind da, flutend in Licht. An den Wänden Gemälde aus der französischen Geschichte. In kostbaren Truhen Geschenke der Welt an die Stadt Paris. Schon erscheint der Oberbürgermeister, ein feiner Mensch, mit elastischem Schritt. Don einem Blättchen lieft er die Begrüßung ab. Dann ein Tröpflein Schaumwein zur Bestätigung der Herzlichkeit. Das verstehen die Franzosen, das muß man ihnen las­sen. Wären sie nur erst wieder ganz aus den« Rheinland heraus, wir würden ihre Vorzüge noch viel herzlicher anerkennen. Ganz fi-cher, es wächst eine neue politische Idee empor. Sie heißt: Ver­ständigung zwischen Deutschland und Frankreick. Es ist die beste Garantie Europas. Amerika muß einen Schuldner haben, der ihm an Macht ge­wachsen ist. Dann wird es schon bescheidener wer­den.

Weiteres ein ander Mal. Für heute noch einen Dank an unsere freundlichen Reisebüros. Sie sind eine Wohltat der reisenden Menschheit, das mutz

Ma muß sie immer wieder warnen, unsere rieben jungen Mädchen, die so frisch und frei in die Welt schauen. Gewiß macht die Sittenver­derbnis Fortschritte, aber es gibt Gott sei dank doch auch heute noch Reinheit und Unschuld, auch noch die schone Blüte der Unschuld und die herrliche Treue von Gattin und Mutter. Aber gerade die Unschuld muß man in unserer Zeit mehr behüten, als früher. Zwar nicht so, wie man Treibhaus­pflanzen hütet, denn die Menschen smd einmal von Gott dafür bestimmt, ihre Probe mitten int Sturm des Lebens abzulegen. Dafür muß man die Jugend heranbilden, inzwischen aber auch wissen, daß sie manche Erfahrung noch nicht haben kann, mit der wir ihr helfen müssen. Da kommt neulich ein Auto gefahren und hält vor einem Hause an. Einige Geschäfte werden erledigt, und dann soll es weiter­gehen. Das harmlose Töchterlein bittet den Herrn des Autos, der ein alter Hausfreund ist, sie mit­zunehmen bis ans Ende des Städtchens, wo sie eine Tante wohnen hat. Was ist auch dagegen ein­zuwenden? Also aufgestiegen und davon. Aber an der Tante wird vorbeigefahren, und sie will immer weiter, aus lauter unschuldiger Lust an dem Auto. Bis sie schließlich in einer großen fremden Stadt sind, bis sie absteigen vor einem Quartier, bis, nun ja, bis es beinahe um die Unschuld ge­schehen wäre. Nur einem Zufall war es zu danken, daß das Mädchen seiner Mutter so zurückgegeben werden konnte, wie cs das Elternhaus verlassen hatte. Sie hatte bestimmt nichts Böses vor, aber wer kennt das Raffinement moderner Verführung. Laßt doch die Autos fahren! Vertraut euch doch nicht Menschen an, die ihr nicht ganz genau kennt! Nehmt in solchen Fällen vom Nächsten lieber das Böse an! Achtet doch die sehr christliche Tugend der Klugheit! Womöglich ist dieser Teufel von einem Mädchenräuber nicht einmal vor Gericht zu belangen. Allerdings, dem Richter da oben ent­geht er nicht ....

Uebrigens muß ich gestehen, daß doch bei uns manche alte schöne Sitten schneller abhanden kom­men, als in anderen Ländern. Da sah ich neulich in der zweiten Klasse eines Zuges, der von Aachen ,nad> Paris fuhr, eine vornehme Dame. Ich be- merfte sie, weil mir ihre kostbaren Ringe in die Augen blitzten. Aber was war in diesen rein ge­pflegten Händen? Mit Erlaubnis zu sagen: Ein Strickstrumvf. So ein richtiger, blauer, aus dicker Wolle. Die Nadeln tanzten, wie zu der seligen Großmutter Zeiten. Ueberall bemerkte ich in Frank­reich, daß die Leute gewissermaßen altmodischer oder genügsamer sind, als bei uns. Natürlich gibt es auch dort Pläsiermenschen, aber alles in allein lebt man seiner kleinbürgerlichen Art getreu. Ganz bestimmt lebt man billiger und das deshalb, weil man geringere Ansprüche macht. Das war also auf der Reise nach Paris, und nun wird man fragen, was ich eigentlich in Paris zu tun hatte.

Wir waren dort zusammen im Namen der in­ternationalen Weltpresse. Chefredakteure und Direktoren von Holland, von Spanien, von Deutsch­

Aus aller Welk.

* Die Unterschlagungen im Kreis 1 des Deut­schen Schwiinmverbandes. Zu den Unterschlagun­gen im Kreis 7 des Deutschen Schwimmverbandes teilt uns der Vorsitzende des Deutschen Schwimm- verbandes Dr. G e i s o w mit, Dr. Brun­ner habe für das Kreisheim über 600 000 Mark mobil gemacht. In das Kreisheim sind ver­baut worden 273 000 Mark; an Bäderbaudarlehen sind den Vereinen des Kreises 22 000 Mark gegeben worden. Der Rest ist unterschlagen worden. Es sind von einigen 20 Vereinen Bäderbaudarlehen von Dr. Brunner namens des Kreises von der Säch­sischen Wohlfahrtshilfe im Gesamtbeträge von 265 000 angesordert worden, von denen die Ver­eine nur 22 000 Mk. bekommen haben. Von die-

und dieses kleine süße Mädel hier stammt von ihr ab. Wir brauchen uns deshalb

Aehnlichkeil mit der schönen Diana nicht wundern."

„Glauben Sie wirklich daß ich von der

Diesen Rat zu befolgen, war Stella nur zu bereit. Schon lange vor Weihnachten war sie des ruhigen Le­bens auf dem Herrenhause überdrüssig geworden und sehnte sich stillschweigend nach einem abwechslungsrei­cheren und aufregenderen Dasein zurück, an das sie ge­wöhnt war. Sie hatte auch eine gewisse Furcht vor ihrer Patin, Frau Grau, die sie im Verdacht hielt, sick über sie lustig zu machen, und bei sich nannte sie Mal- chen zu „tüchtig" und zu sehr von ernsten Lebensan­schauungen durchsetzt, als daß sie ihr eine völlig gleich­gesinnte Freundin sein konnte, namentlich jetzt, wo der erste Kummer und die Erschütterung über den Tod ihrer Mutter langsam entwichen.

So reifte denn Stella mit einer Begleiterin, die mehr nach ihrem eigenen Herzen war, Anfang Fe­bruar nach Cannes ab, und wenige Tage später ver­ließen Frau und Malchen das Herrenhaus, um sich in ihr abgeschlossenes Ruheplätzchen zu begeben, hoch oben zwischen den Olivengärten, die die Bergwände im Osten Genuas schmücken.

21. Kapitel.

Arthur Darberg war einige Wochen nach den Er­eignissen auf Schloß Mainard heimgekehrt. Er hatte sich aber gescheut, Frau Bendler sowohl wie Sinzen­burg wieder zu besuchen. Dann drangen unbestimmte Gerüchte von Frau Bendlers geistiger Umnachtung zu ihm, daneben sogar Gerüchte von einer abermaligen Ehe Stellas, was ihn um so mehr davon abhielt, den Verkehr mit seinen früheren Freunden und deren Krei­sen wieder aufzunehmen.

Das Herrenhaus in Sinzenburg oder gar Fräulein Mühe aufzusuchen, kam ihm noch viel weniger in den Sinn. Fräulein Mühes erinnerte er sich teils spöttisch, teils ergötzlich, er nahm jedoch nicht einmal so viel Interesse an ihr, um darüber nachzudenken, ob sie sich seit der letzten zufälligen Begegnung mit ihm auf ihrem Besitztum entwickelt hatte und fortgeschritten war. Die komische Gestalt in dem Kattumöckchen und roten Hut, die zu ihren flammenden Haaren so wenig paßten, konnte ihm noch ein vergnügtes Lächeln abgewinnen.

Eines Tages kam das Gespräch aber auf Fräulein Mühe; und da fragte Arthur einen seiner Bekannten, was aus der Erbin eigentlich geworden fei.

Fortsetzung folgt.

Dame abstamme, deren Bild ich auf Ihrem Schloß sah?" fragte Malchen leuchtenden Auges. „Es scheint mir, als könne das gar nicht wahr sein."

„Aber es ist trotzdem so," entgegnete der Baron. „Sie und ich sind ohne Zweifel verwandt, wenn auch leider recht entfernt."

„Das wollte ich meinen — recht entfernt, und des­halb ist es um so freundlicher von Ihnen, diese Ver­wandtschaft überhaupt anzuerkennen," erklärte Mal­chen mit ihrem entzückenden Lachen. „Ich kann mei­nerseits kaum sagen, wie unbeschrechlich mir das Ge­fühl ist, plötzlich Verwandte zu besitzen, wirkliche Ver­wandte, außer Christian Mühe", fügte sie mit einem lustigen Blick auf Frau Grau hinzu.

Wieder kam es bei der Tagung des Berliner Stadtparlaments zu wütenden Radauszenen. Etwa __j jugendliche Kommunisten, denen es gelungen war, Zutritt zu der Versammlung zu erlangen, besetzten die Tribünen, Nebenräume und Garderoben, so daß sich die Stadtverordneten schließlich verdrängt sahen. Polizei muhte eingreifen und die sich heftig wehrenden Stören­friede aus dem Rathaus treiben.

Besuch des Schloßherrn von Mainard auf Sinzenburg zur Folge hatte. Der Baron erschient dort eines Nach­mittags im November in höchster Erregung und brachte eine große Kopie des Cönnerschen Stammbau­mes mit.

Seine Begrüßung, die er an Malchen in dem schö­nen Salon richtete, war höchst überraschend. Der alte Herr zog das Mädchen an sich und versetzte ihr einen herzhaften Kuß, indem er sagte:

„Ich habe Ihnen etwas sehr Interessantes rnitzu- teilen, und da wir beide Verwandte sind, so habe ich von dem Recht der Verwandtschaft Gebrauch gemacht." Er lachte über seinen eigenen Witz, als er sah, wie Mal­chen bei dem Kuß rot geworden war.

Frau Grau, die der Szene vergnügt zugeschaut hatte, fragte:

„Ist Malchen wirklich mit Ihnen verwandt? Was haben Sie entdeckt?"

„Ich habe alles darin," lautete die triumphierende Antwort, und dabei klopfte er auf die große Tafel, die er in der Hand hatte. „Sobald ich von der Beziehung von Fräulein Malchen zum alten Gottfried Haller hörte, erinnerte ich mich, daß mein Vater mir ein­mal gesagt hatte, die Cönnerns und Hallers seien ver­wandt. Und das ist auch ganz richtig. Die Dame, de­ren Bild im blauen Zimmer unseres Schlosses hängt, ist sowohl eine Ahne von Gottfried Haller als von mir.

Brähler & Nüchter

Inh. H. Nüchter Im Friedhofsgässchen — Fernsprecher 284

fen einigen 20 Vereinen bestehen 16 überhaupt nicht; die anderen haben nur geringe Bruchteile von der angeforderten Summe bekommen. Die Darlehensanträge dieser nicht bestehenden Vereine sind auf extra zu diesem Zweck angefertigten Bo- hergeftellt worden. Mit falschen eidesstatt-

den ich besonders gern habe, und wo sie ihr Gleichgewicht und ihre normale geistige und Gesundheit bald wieder gewinnen wird." „Geht die Baronin Banzler mit?" „Nein — das erlaube ich nicht. Sie

3. Bläh.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.

„Sie hat zu viel erlebt," sagte Frau Grau. „Ich denke, wir gehen an einen ruhigen Ort an die

Rund um die Woche.

Vorsicht, junge RMchen! — Diamanten und ötrickskrumpf. — Puris. — Leim Oberbürgermeister Deutschland vvd Frankreich. — Reisebüros.

„Ach, dem alten Herrn sind wir sehr zu Dank ver­pflichtet," meinte der Baron, „denn er hat uns zuerst auf die Spur Ihres Großvaters gebracht, Fräulein Malchen, und selbst ohne das Geständnis von Frau Bendler wären wir, Dank Christian Mühe, auf die richtige Fährte gekommen. Und nun habe ich nur noch die eine Bitte, daß Sie mir versprechen, sehr bald zu uns zu kommen und auf Schloß Mainard in Ihrer neuen Rolle als Cönnernfche Deszendentin einen langen, langen Aufenthalt zu nehmen."

„Ich würde gern Ihre liebenswürdige Einladung annehmen, aber Mama Grau besteht darauf, daß sie mich eine Zeitlang wieder auf Reisen führt. Sie glaubt —"

„Ich glaube nichts weiter, als daß Malchen in den wenigen Monaten feit unserer Heimkehr so vieles durch­gemacht hat, daß sie entschieden einer Luftveränderung auf kurze Zeit bedarf, damit sich alle trüben Ereig­nisse in ihrem Gedächtnis verwischen."

„Ich habe mir eine lächerliche Gewohnheit zu träu­men beigelegt," sagte Malchen. und versuchte die Sache leicht hinzustellen, „und zuweilen ist es auch Alpdrücken, so daß man mich schmählich fortschicken will, um das wieder zu erlangen, was der Arzt Spannkratt nennt."

Trotz ihrer anscheinenden Sorglosigkeit bemerkte der Baron nun, nachdem die Röte wieder aus ihrem Ge­sicht gewichen, wie blaß und abgespannt sie aussah, und daß dunkle Ringe unter ihren Augen lagen.

Ehe er Abschied nahm, erklärte ihm Frau Grau noch, daß Malchen seit Frau Bendlers Tod an Schlaf- losigkeit leide und dann wieder unter beängstigenden Träumen, in denen sie zuweilen klaffende Burzverließe sah und Mörder, die nach ihrem Leben trachteten.

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liehen Versicherungen sind sämtliche Großbanken Dresdens um Beträge von zusammen über 100 000 Mark geschädigt worden. Die Lage ist unhaltbar, weil 25 000 Mark ungedeckte Wechselschulden und 6000 Mark kontokorrentmähige Lieferantenschulden vorhanden sind, außer den Darlehen bei verschte- denen Schwimmkameraden. Dr. Brunnen gibt in einem privaten Schreiben an Herrn Ministerial­rat Meyer im sächsischen Ministerium sowohl die Unterschlagungen wie die Urkundenfälschungen und die Betrugsfälle zu und daß er seit zwei Jah­ren von diesem Gelds gelebt hat.

* Der Skandal bei der Berliner Brennstoffge- fellschast. Der Fall des Stadtoberingenieurs Möllerke, der vor zwei Tagen wegen Amts­unterschlagung und Urkundenfälschung in Haft ge­nommen wurde, wird der Staatsanwaltschaft Ver­anlassung geben, sich nicht nur mit den Verfehlun­gen dieses städtischen Beamten zu befassen, son­dern darüber hinaus in die höchst sonderbaren Ge­schäftspraktiken der Berliner Brennstoffgesellschaft, eines städtischen Unternehmens, hineinzuleuchten. Aber auch ohne ein Eingreifen des Staatsanwal­tes werden sich die Gerichte mit den Vorgängen zu beschäftigen haben, da das Bezirksamt Berlin- Steglitz, wie die „Voss. Ztg." erfährt, die Berliner Brennstoffgesellschaft für den ihm entstandenen Schaden in Höhe von 47 000 Mark regreßpflichtig machen will. Der Stadtoberingenieur Möllerke hatte die Aufgabe, Bescheinigungen auszustellen, nach denen bestätigt wurde, daß die für die Schulen und Rathäuser des Bezirksamtes Berlin-Steglitz in Rechnung gestellten Kohlen tatsächlich geliefert wurden. Der damalige Direktor der Brennstoff­gesellschaft, B r o l a t, der als Direktor der Stabt Verkehrsgesellschaft auch in der Sklarek-Affäre eine Rolle spielt, wußte darum, daß seine Brenn­stoffgesellschaft fingierte Rechnungen einreichte.

Wilhelm Hess!

Am Steinweg.

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MsNMkMSOllWMkS.

Roman von M. W. Sophar.

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,Zch bereue, bereue tief — ich wollte, ich wäre bes­ser gewesen — nun ist es — zu spät."

„Bei Gott ist es nie zu spät, glaube ich."

Ern sonderbares Lächeln stahl sich über das Gesicht üuf dem Kissen, ein Lächeln des Friedens, fast des Glückes.

„Küssen Sie mich," murmelte die schwache Stimme *- „wenn Sie mich küssen und mir verziehen haben, dann kann ich auch an Gottes Verzeihung glauben."

Sehr sanft zog Malchen das durchfurchte elende Ge­sicht an ihre Brust und küßte es, und als sie das tat, erglänzte plötzlich das Gesicht der Sterbenden und ge­brochen flüsterte sie:

„Mir ist von Ihnen verziehen — und von Gott ver­ziehen."

Bei diesen letzten Worten sank ihr Kopf auf die Kissen zurück, die Augen schlossen sich, und sie trieb auf dem Meere der Bewußtlosigkeit, aus der sie nicht wie­der erwachte. Nur einmal lächelte sie noch Stella an 'md murmelte das Wort: „Verziehen."

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