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Nr. 289.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Samstag, den 14. Dezember 1929.

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Julda, den 13 Dezember 1929

Städte und Finanzreform.

3m Rahmen eines Presseempfangs legte der Präsident des deutschen Städtetages, Dr. Mu­le r t, das Verhältnis der Städte zur bevorstehen­den Reichsfinanzreform dar. Die Städte wären durch Einzelheiten der Regierungsvorlage in schwerste Besorgnis gesetzt. Es müsse a-ls un­möglich bezeichnet werden, sich zu einer auf Jahre festgelegten Steuersenkung zu entschließen, solange nicht die Frage der Ausgabegestaltung, an der man leider bisher immer vorbeigegangen wäre, eine entscheidende Lösung gefunden hätte. Bei Senkung der Gewerbesteuer dürfe nicht sche­matisch vorgegangen werden. Völlig unmöglich sei für die Städte, sich damit einverstanden zu erklären, daß die Realsteuersätze des Jahres 1929 für die nächsten 5 Jahre nach der Durchführung der Senkungsaktion steuer­liche Höchstgrenze werden sollen. Von einer Uetzer - belastung des bebauten Grundbesitzes durch die Erundvermögenssteuer könne keine Rede sein. (Aber zusammen mit der Hauszinssteuer!) Inder Frage der E i n k o m m e n st e u e r steht der Stcdte- tag auf dem Standpunkt, daß die seitherige B e- teiligung der Gemeinden an dem Aufkom­men aus Einkommen- und Körperschaftssteuer er­halten bleiben müsse. Dr. Mulert wandte sich so­dann der Frage der Schaffung eines sogenannten beweglichen Einnahmefaktors zu, wo­bei er die Form der Kopfsteuer ablehnte und be­tonte, daß dieser bewegliche Faktor die Gesamtheit der Gemeindebürger erfassen, den sozialen Anfor­derungen genügen, finanziell ergiebig gestaltet wer­den und technisch leicht durchführbar sein müsse. Zum Schluß wandte sich Dr. Mulert der g e - planten Verstärkung der Staatsauf­sicht zu und betonte, daß doch in diesem Zusam­menhänge schon seit einiger Zeit in gewisser Hin­sicht seitens der Städte die Initiative ergriffen worden sei. Die diesbezüglichen Vorschläge wird der Vorstand des Städtetages schon in Kürze ver­öffentlichen. Die geplante Staatsaufsicht würde je­doch nur dazu führen, daß ein viel zu kostspieliger Apparat geschaffen werden müßte, der in der Lage wäre, den Befugnissen der einzelnen Kommunen gerecht zu werden. Dr. Mulert schloß seine Aus­führungen damit, daß im Interesse einer kommu­nalen Finanz- und Wi^'chaftsgebahrung im Reiche endlich mit der fotf ge ;X :en Arbeit der Eesetzge,- bungsmaschine Schluß gemacht werden müsse. Die Reichsfinanzreform dürfe aber in der bis jetzt vor­gelegten Fassung nicht Gesetz werden.

Arbeits-Jubiläum.

Herr Lorenz Hohmann aus Bronnzell begeht heute sein 25jähriges Arbeits-Jubiläum bei der Firma Emaillirwerk A.-G. Herr Hohmann ist ein führender Kollege tn der Katholischen Arbeiter­und Christlichen Gewerkschaftsbewegung. Von sei­nen Arbeitskollegen und seiner Firma wurden ihm besondere Ehrungen zuteil.

Zur Stadtverordnetensitzung.

Um dem erhöhten Interesse, das die Bürger­schaft an der ersten Sitzung der neu gewählten Stadtverordnetenversammlung hat, gerecht zu wer­den, wird das Büro der Stadtverwaltung Ein­laßkarten ausgeben. Die Mehrzahl der Kar­ten wird an die Fraktionen, 'ihrer Stärke ent­sprechend, abgegeben werden. Eine kleine Anzahl von Einlaßkarten wird außerdem am Montag vor­mittag. in der Zeit von 10 bis 12 Uhr, in der Kanzlei des Rathauses zu haben sein.

Todesfall.

In Folge des hier gemeldeten Unfalls ist Herr. Gutsbesitzer Dr. Andreas Brunn st ein in Margretenhaun verstorben. Herr Dr. Brunne stein, der das ehemals Herrleinsche Gut bewirt­schaftete, war in Stadt und Land, namentlich bei seinen Berufskollegen, eine angesehene Persönlich­keit. Bei der letzten Kreistagswahl wurde er auch von feiten der Hessischen Arbeitsgemeinschaft als Vertreter des großen Grundbesitzes in den Fuldaer Kreistag gewählt. Sein Mandat hat er nicht an­treten können. An dem Schädelbruch, den er bei dem Sturz aus dem Wagen erlitten hat, ist er ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, ge­storben. Der tragische Unglücksfall löst allgemein herzliches Bedauern aus.

Veihnackls- und Reniahrs-Glückwunfchkelegramme zu ermäßigter Gebühr.

Zum bevorstehenden Weihnachts- und Neujahrs­fest sind wieder Weihnachts- und Neuiahrs-Glück- wunschtelegramme zu wesentlich ermäßigter Ge­bühr in den Tagen vom 15. Dezember bis ein­schließlich 5. Januar zugelassen. Bei rechtzeitigem Eingang werden die Telegramme am 1. Weih- nachlstage bzw. am Nsujahrstage und an den Vor­abenden zugestellt. Im Jnlandsverkehr wer­den die Telegramme für die Empfänger sämtlich auf Sckmuckblatt ausgefertigt. Die Wahl des Schmuckblatts unter den vorhandenen 8 Schmuck­blättern bestimmt der Absender durch den vor die Anschrift zu setzenden Vermerk — GLx.. — nebst Schmuckblattnummer z. B. — GLx 7 —. Unter Nr. 7 steht ein dem Zweck besonders angepaßtes neues Kunstblatt „Weihnachtstanne und Sylvester­glocke" in Zweifarbenkupferdruck zur Verfügung. Die Inlandsglückwunschtelegramme künnen eine be­liebige Textfassung erhalten, nur muß der Text als Glückwunsch oder Gruß un-weifelhaft erkenn­bar fein. Man kann aber auch einen festen Text benutzen. Derartige, bei den Telegramm-Annahme­stellen einzusehende Texte sind zur Auswahl vor­handen. Jeder feste Text zählt nur als 1 Gebüh­renwort. Der Absender hat im Urschriftstelegramm in dem sonst für den Text benutzten Raum ledig­lich die der gewünschten Fassung entsprechende Nummer in Buchstaben anzugeben, z. B. — drei­ßigneun —; tn die Ausfertigung für den Empkän- ger wird der Text mit vollem Wortlaut ausgenom­men, z. B. in d->m gewählten Falle der Text Nr.

39: „Wir wünschen ein recht frohes Fest und grüßen herzlichst." Die Gebühren betragen ein­schließlich Schmuckblattausfertigung 1,50 Mark im Orts- und 1,75 Mark im Fernverkehr für ein Tele­gramm bis zu 10 Wörtern; jedes weitere Wort kostet 5 Rpf. Im Auslandsverkehr find Glück­wunschtelegramms zu ermäßigter Gebühr nur nach bestimmten Ländern zugelassen.

Wichtig für Wasser- und Wintersportler.

Schneeschuhe, ein- und zweisitzige Ro- de l s ch l i t t e n und Faltboote können vom 1. Dezember 1929 in der gleichen Weise wie Fahrräder mit der Eisenbahn befördert werden. Gleichzeitig ist auch die Beförderungsgrenze auf Fahrradkarte von 150 Kilometer auf 250 Klm. erweitert und die Gebühren neu festgesetzt wor­den. Die Fahrrad- und Sportgerätekarten kosten auf Entfernungen von 1 bis 25 Klm. 30 Pfg., 26—100 Klm. 50 Pfg., 101 bis 150 Klm. 80 Pfg. und 151 bis 250 Klm. 120 Pfg. Um Belästi­gungen von Mitreisenden zu vermeiden, dürfen Faltboote auf Bootwagen in die Personenwagen, auch in die Abteilungen für Reisende mit Trag­lasten, nicht mitgenommen werden. Das gleiche gilt für Bootswagen allein, wenn deren Räder nicht von der Achse abgenommen sind. Die Auf­gabe der genannten Sportgeräte auf Fahrrad­karte erfolgt in der gleichen Weise wie bei Fahr­rädern. Der Reisende hat also die Sportgeräte an den Gepäckwagen des Zuges zu bringen, auf Umsteigstationen für die Umladung zu sorgen und auf der Endstation der Reise am Packwagen wieder in Empfang zu nehmen.

Ein Aufruf an die Käuserschafl.

Das Gesetz über die Durchführung des Früh­schlusses am Heiligen Abend ist vom Reichstage am 10. Dezember beschlossen worden. Es liegt nun an der großen Käuferschar, zu beweisen, daß der Fünf-Uhr-Ladenschluß reibungslos d u r ch ge­führt wird. Die Käuferschaft hat bereits im Vor­jahr und in diesem Jahre erneut bekundet, daß sie willens ist, ihre Weihnachtskäufe so recht­zeitig zu tätigen, daß restlose Durchführung des Fünf-Uhr-Ladenschlusses am Heiligen Abend möglich ist. Sie hat sich auf den Fünf-Uhr-Laden- schluß am Heiligen Abend seit langem eingestellt und jeder an seinem Teil wird dafür sorgen, daß der frühe Schluß leicht zur Durchführung kommen kann, damit allen Menschen ,die tn den Laden­geschäften beschäftigt sind, ein schöner, feierlicher Weihnachtsheiligabend beschieden ist.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses Fulda schreibt uns: „lieber die Anstellungs-Verhältnisse der Landbürgermeister herrschen mancher­orts falsche Auffassungen. Im Landkreise Fulda sind sämtliche Bürgermeister bis auf eine große Ge­meinde ehrenamtlich tätig. Sie erhalten nur Ersatz ihrer Auslagen und eine kleine Vergütung für die aufgewendete Zeit und Arbeit. Auch nach 25 und mehrjähriger Tätigkeit erhalten sie kei­nerlei Pension oder Ruhegehalt".

Warnung vor ausländischen ölellenvermilklungs- bürtys.

P-W^Jn einem Rundschreiben an die Regie­rungspräsidenten hat der Pr. HaRielsminister dar­auf aufmerksam gemacht, daß tn letzter Zeit sich die Fälle mehren, daß entwder in inländischen Zei­tungen vom Auslande her Auskunft und Stellen­vermittlung angepriesen wird, oder daß auf An­zeigen in inländischen Zeitungen, worin der In­serent zu erkennen gibt, daß er eine Stellung im Auslande sucht, ausländische Auskunft- und Ver­mittlungsbüros ihre Dienste anbieten. Die Schrei­ben der Vermittler lassen erkennen, daß es ihnen lediglich auf die Erlangung der Gebühr ankommt, die zunächst für „Unkosten" erhoben wird. Aus- wanderungswilltge werden daher gut tun, den Rat einer Beratungsstelle, insbesondere der Verussver- bände, von denen einzelne, wie z. B. der DHV., eigene Geschäftsstellen im Auslande haben, einzu­holen, ehe sie an ausländische Vermittler Zahlun­gen leisten. ________

Skeuerkalender der Skadkkasse.

Bis zum 16. Dezember 1929 (ohne Schonfrist) sind folgende Steuern an die Stadtkasse zu zahlen: 1. Grundvermögenssteuer für Dezember 1929. 2. Hausstnssteuer für Dezember 1929.

Von den Steuern, die nach dem 16. Dezember 1929 zur Einzahlung gelangen, kommen 10 Pro­zent Jahreszinsen als Verzugszinsen zur Erhebung.

— Die komme ich zu einem Eigenheim? Man schreibt uns: Den Bestrebungen der Kommunen, als Mittel zur Einsparung von Geldmitteln und zur Sanierung der Gemeindefinanzen auch den Wohnungsbau wesentlich einzuschränken, steht nach wie vor ein unbedingter Wohnungshunger aller Volksschichten gegenüber (Ver­gleiche u. a. den Artikel „Für einen verstärkten Woh­nungsbau" in Nr. 288 dieser Zeitung). Die idealste Lösung dieses bestehenden Wohnungshungers aber ist für die meisten Volksgenossen das „Eigenheim". Der Verwirklichung dieses Wunsches nach einem Eigenheim steht nun in vielen Fällen die Lösung der finanziellen Seite entgegen. Kein Wunder daher, wenn im Laute der Zeit sich eine ganze Reihe von Organisationen mit dem Zweck gebildet hat, die Lösung der finanziellen Frage in irgend einer Form und auf die nach ihrer Ansicht günstigste Weife für den Baulustigen zu finden. Mancher dieser Organisationen kann man einen gewis­sen Idealismus nicht absprechen, bei vielen aber spielt der Egoismus eine unverkennbare Rolle. Allen Or­ganisationen aber ist eines gemeinsam: der Baulustige soll durch eigenes Sparen den Wunsch nach einem Ei­genheim fördern helfen. Der Baulustige wird sich nun umsomehr mit dem Spargedanken vertraut machen wenn ihm größtmögliche Sicherheit für sein Sparkapitel gewährt wird. Diesem Gedanken der unbedingten Si­cherheit verbunden gleichzeitig mit der größten Bereit­willigkeit durch eGwtzhrung von Darlehen zu helfen, hat die Preußischen Provinzen zur Schaffung von Oeffent- lichen Bausparkassen veranlaßt. In jüngster Zeit ist hier auch die Provinz Hessen-Nassau in Verbindung mit Hessen gefolgt. Hinter dieser öffentlichen Bausparkasse

des Regierungsbezirks Kassel steht die Landeskreditkasse, Kassel, die mit ihrem ganzen Vermögen und der Steuer­kraft des ganzen Regierungsbezirkes für die Sicher­heit der Spareinlagen garantiert. Die Landeskredit- kafse Kassel, vertreten durch die örllichen Sparkassen, will aber nicht nur die gegebene Verwalterin der Spar­einlagen fein. Sie will auch durch die öffentliche Bau­sparkasse durch Gewährung von unkündbaren Tilgungs- hypocheken die Möglichkeit bieten, schon lange vor der vollständigen Ansammlung des Baukapitals an die Er­bauung des Eigenheims denken zu können, und zwar gibt sie zu diesem Zweck Darlehn unter den gleichen Zinsbedingungen, unter denen sie die Spareinlagen verzinst. Gerade diese Tatsache sollte alle Bauluftigen veranlassen, die Errichtung der öffentlichen Bauspar­kasse in Hellen-N-m-n, -u beorüßen. Zwecke

und Ziele der öffentlichen Bausparkasse sollen jedem Interessenten aus berufenem Munde Mittwoch, den 18. Dezember, abends 8 Uhr, im Saale der Harmonie klar gelegt werden. Dort wird auch Gelegenheit geboten fein, in mündlicher Aussprache sich über alles Wis­senswerte zu unterrichten. Alle Baulustigen und alle Interessierten sind dazu herzlichst eingeladen. Alles Nähere ist aus dem heutigen Inserat ersichtlich. O. M

Diözesandelegiertentag der katholischen Arbeiter­vereine!

Der Hl. Vater hat in dem hier angekündigten Antwortschreiben an die katholischen Arbeiterver­eine Deutschlands besonders darauf hingewiesen, welch große Bedeutung heute die katholischen Ar­beitervereine haben in dem Kampf des Christen­tums gegen den Geist der Diesseitskultur und des Materialismus. Es !st daher zu begrüßen, daß in dem Diözesanverband Fulda der katholischen Arbeitervereine neuer Geist und neues Leben ein­gekehrt ist. Nach größtem Entgegenkommen und weitgehender Unterstützung des Verbandsvorftan- des konnte es ermöglicht werden, daß auch für die Diözese Fulda ein eigenes katholisches Arbeitersekretariat errichtet wurde.Sonn­tag, den 15. Dezember, 3 Uhr nachmittags, findet im großen Saale der Harmonie" ein Diöze- fan-Dele gierten tag statt, der der Auftakt werden soll zu einer Neubelebung der katholischen Arbeiterstandesbewegung. Zu dieser Tagung sind die Vertreter der katholischen Arbeiter- und Män­nervereine der Diözese Fulda herzlichst eingeladen.

Aus dem Gerichissaal.

An einem Septembersonntag d. Js. gelang es dem 19jährigen Arbeiter F. N. aus Esien-Stehle, ron dem Klingelbeutelertrag in der hiesigen Heiliggei st kirche einen Betrag von 35—40 Mk. zu stehlen. Er will den Diebstahl

wirtschastsgehilsen V. M. von Unterdörmbach wurde zur Last gelegt, unbefugt die Jagd aus­geübt zu haben. Trotz Vernehmung von vier Zeu­gen konnte nicht einwandfrei feftgeftellt werden, daß der Angeklagte tatsächlich für den in Frag* kommenden Jagdfrevel in Betracht kommt. Es muhte daher Freisprechung erfolgen. — Dem 20» jährigen Kraftdroschkenführer O S. von B. war wegen „Anlocken von Fahrgästen" ein Strafbefehl ^gegangen. Hiergegen hatte S. gerichtliche Ent­scheidung beantragt Er erzielte Freisprechung. —

aus Not begangen haben, um wieder in feine Heimat zu kommen. In Abwesenheit wurde N. zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Bei Zahlung von 20 Mk. Buße an die Heiliggeistkirche soll Straf­aussetzung auf drei Jahre erfolgen. — Weil er das Dorfahrtsrecht nicht gelassen hatte, stieß am 27. August der Kraftwagensiihrer H. B. aus Dirlos, der mit einer Tax» die Buttlarstraße herunterkam und nach dem Bahnhof wollte, an der Kreuzung der Leipzigerstraße mit einem Personenauto zu­sammen. Das Urteil lautete auf 25 Mark Geld­strafe oder 5 Tage Haft. — Dem 24jährigen Land-

,r.. Anerkennend muß hervorgehoben werden, daß Brockhaus die katholischen Belange auch von katholischen Fachmännern und Mitarbeitern ausarbeiten ließ. Es wird deshalb in den Ar­tikeln, wo die katholische Auffassung in Frage kommt, durchweg auch diese ausgesprochen..." Katholische Kirchenzeitung, Salzburg, über den „Großen Brodcnaus,,e

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Der Große Brockhaus neu von A-Z.

F. A. BROCKHAUS / LEIPZIG

„Katholische Vereine im Dienste der katholischen Mion".

Eine Volksvereinskonferenz für Fnlda-Skadt.

Die Katholiken stehen feit Jahren in Deutsch­land in der Gefahr, auseinanderzusallen. Der Zersetzungsprozeß unseres Volkskörpers hat auch schon den katholischen Volksteil ergriffen, in dem doch leichter der Geist echter, lebendiger Volksge­meinschaft lebendig sein kann, weil die Katholiken im Tiefsten geeint sind. Diese Zerfallserscheinungen treten auf, obwohl man in ganz Deutschland ein blühendes katholisches Vereinsleben 'eststellen muß. Viele sagen sogar, die Vielseitigkeit der katholischen Organisationen und Vereine, die mit mehr oder weniger begrenzten Zielen neben einander arbeiten, sei schuld daran, daß die Gemein­begrenzten Zielen sei schuld daran, daß die Gemein­schaft aller Katholiken 'm außerkirchlichen Leben

verloren geht. Dieser Vorwurf ist sicher ebenfi berechtigt, wie ein anderer, daß das starke Hervor­treten der Berufs- und Dtandesoereine das G e - meinsamezustarkindenHintergrund treten lasse, die Stände mit Miß- Stoßkraft des katholischen Dolks- teils in entscheidenden Stunden lähme. Es ist doch vielfach so, daß die katholischen Vereine oft nicht miteinander, sondern offen oder geheim gegen einander arbeiten, was naturgemäß beson­ders dann der Fall ist, wenn zwei Vereine ihre Mitglieder denselben Vostsschichten entnehmen. Es erscheint dringend notwendig, das Vereinsleben zu vereinheitlichen und zuvereinfachen. Die Vereine müssen sich durch die Tat als

Bunker Abend der Oberrealschule.

Wie alljährlich, so fand auch gestern wieder der im großen Stadtsaal von der Oberreaffchule veranstaltete „Bunte Abend" ein übervolles Haus. Nicht nur alle Plätze waren besetzt, sondern das Publikum stand auch an den beiden Saalseiten und im hinteren Teil des Saales noch Kopf an Kopf. Das sehr reichhaltige und abwechslungsvolle Programm zerfiel in zwei Teile. Den ersten Teil bestritten neben musikalischen und ge­sanglichen Darbietungen turnerische Vorführungen an Reck und Barren und Volkstänze, während im zweiten Teil das lustige Festspiel „K l e i n st a d t z a u b e r" über die Bretter ging.

Mit „einer kleinen Nachtmusik" v. Mozart leitete das Schülerorchester den Abend recht stimmungsvoll ein. Dann hieß Oberprimaner Beiderwieden im Na­men der Anstalt di« Anwesenden herzlich willkommen. Er wies darauf hin, daß die Einrichtung der „Bunten Abende" dazu beitragen solle, die Verbundenheit von Schule und Elternhaus zum Ausdruck zu bringen. Diese beiden Pole, zwischen denen sich das Leben des Schülers bewege, müßten harmonisch Zusammenwirken. Gerade in der Klein- und Mittelstadt seien für diese Harmonie besonders wertvolle Vorbedingungen gegeben. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, habe auch die Auf­führung des „Kleinstadtzaubers" einen besonderen Reiz.

Nach dem von dem aut geschulten Schülerchor unter der Stabführung de» Lehrers R ü b s a m recht wir­kungsvoll vorgetragenen russischen „Vespergesang" zeigte eine Musterriege aus Schülern der Oberstufe ihre Künste am hohen Reck. Die sauber und exakt ausgc- führten, teilweise recht schwierigen Leistungen fanden viel Anerkennung. Daß auch die Kleinsten schon über eine körperliche Gewandtheit verfügen, bewiesen die Vorführungen einer Riege der Unterstufe am Pferd. Reizvolle Volkstänze, von Schülern der Unterklassen im Verein mit Schülerinnen hiesiger Schulen ausge­führt, bildeten die Fortsetzung des Programms.

Dann folgte die feierliche Uebergabe der neuen S ch u l f a h n e, die bekanntlich nach einem Entwurf des Gewerbeoberlehrers Feldmann, Fulda, von den Chorfrauen der hiesigen Benediktinerinnenabtei gearbeitet worden ist. Ein Schüler, der die Fahne auf der Bühne dem Direktor der Anstalt übergab, betonte in seiner Ansprache, daß die Schülerschaft stolz darauf sei, die Mittel für die Anschaffung dieses Symbols der Zusammengehörigkeit aus den Erträgnissen des „Bun­ten Abends" selbst zusammengespart zu haben. Direk­tor Dr. L a u w a r tz übernahm die Fahne in die Obhut und das Eigentum der Schule, wobei er allen, die an der Herstellung des prächtigen Schmuckstückes Anteil ha­ben, innigen Dank sagte. Er feierte die Fahne als Symbol des gemeinschaftlichen Strebens und Ringens. Sie soll das Wahrzeichen der herzlichen Verbundenheit von Lehrern und Schülern fein, die sich in der Anstatt , zu dem Werke der Menschenformung durch Geistesbll- I

düng und Erziehung zusammengefunden haben. Dl, Fahne möge auch ein Zeichen der Erwartung sein, daß «s der Anstalt vergönnt sein möge, sich nach eigenen Gesetzen weiter zu entfalten und ein Ausdruck der Hoff­nung, daß doch noch einmal der Tag komme, wo das stärkste Band der Schulgemeinschaft durch Errichtung ei­ner eigenen Anstalt geknüpft wird. Die Symbole der Fahne: Erntefrüchte und Bienenkorb sowie der schlichte Kernspruch „Ohne Fleiß kein Preis" mahnen zu treuer Pflichterfüllung und zur Arbeit an sich selbst. Die Fahne trägt die Farben unserer Vaterstadt als Zeichen der Dankbarkeit, die die Anstalt ihrer Trägerin, der Stadt Fulda, schuldet. Damit ehren wir auch die Farben des Reichs, wobei wir uns Hindenburg zum Vorbild nehmen, der die alte Fahne ehrt und die neue grüßt. ,Jn diesem Sinne", so kbloß der Redner, „nehme ich denn Euern Schwur auf die neue Fahne ab Treue Nkll<^terfü'luna ieht und später Dienst an unserem geli-Men h.~r, p, rvyrg fejn “

Nach dem Vortrag des 'Liedes „Heil Dir mein Deutschland" von Händel und dem Schlußckwr aus der Chorfantasie von Beethoven durch den S.-bülerchor fand der erste Teil des Proqramms mit dem flott gespielten Priester-Marsch aus „Athalia" seinen Ausklang.

Der zweite Teil des Abends brachte die Auffüh­rung des Fefffpiels ..Kleinstadtzauber" von Franziskus Nagler. Das luftige Stück bot auch den Kleinsten Gelegenheit zu ausgiebiger Betätigung. Es waren köstliche Bilder aus der biedermeierischen Kleinstadt, die hier revueartig an dem Auge der Zu­schauer vorbeizogen und wohlwollend-ironisch von gro­ßen und kleinen Wichtigkeiten des geruhsamen Klein­stadtlebens von ehedem erzählten. Die Darsteller der einzelnen Rollen waren ganz in chrem Element Sie stellten die Typen z. Teil so echt und lebenswahr aus die Bühne, daß es ein Berufsschauspieler wohl kaum hätte besser machen können. Am köstlichsten war die Szene mit den Stadtmusikanten und dem kleinen Geiger. Die Unbefangenheit, mit der die Knirpse ans Sexta und Quinta sich auf der Bühne gaben, die Si­cherheit, mit der jeder sein Liedchen sang u. die deutliche Freude, die den Kleinen dabei aus den Augen sprang, gewannen im Sturme das Herz des Publikums. Reiz- war auch die lustige Zirkusszene. Auch das Kaffce- kränzchen ließ an Echtheit nichts zu wünschen übrig. Auf die anderen Details im einzelnen einzugehen, fehlt hier der Raum. Allen Spielern gebührt ein Gefamtlob. Das Publikum unterhielt sich glänzend und geizte nicht mit feinen Beifallskundgebungen. Ein kleiner Regiemangel war, daß das Programm etwas zu umfangreich war, so daß die Abwicklung zu lange Zeit in Anspruch nahm. Einige Kürzungen hätten nichts geschadet. Im Uebrigen aber ist auch der dies­jährige „Bunte Abend" der Oberrealschule, der erst nach 12 Uhr sein Ende erreichte, wohlgelungen.

Sportpark Waldheim

Sonntag, den 15. Dezember, nachmittags 2.30 Uhr

Abends 7.30 Uhr im Rath. Gesellenhaus

Theater-Abend

„Wenn Muttertränen fließen“

Schauspiel in 4 Akten.

Preise der Plätze: Numerierter Sperrsitz 1.50 Mk., Sitzplatz 1 Mk. — Kassenöffnung 7 Uhr.