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8t. 289.

Sonntag, den 14. Dezember 1929.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt

Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda.

Das ist der Fluch der bösen Tal...

kann, ist der Wille zur Zusammenfassung aller Kräfte des Bürgertums und der natio­nalen Arbeiterschaft über alle zu engen

IParteischranken hinweg, damit Deutschland nicht im Strudel eines zweiten 9. November» endgültig versinkt."

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Wir erhalten folgende Zuschrift:

Der Reichslandbund hat neuerdings efne Erklärung veröffentlicht, in der noch einmal versichert wird, daß er feine ganze Organisation beim Volksentscheid zum stärksten Einsatz bringen werde. Eine andere Haltung des Reichs­landbundes haben wir nicht erwartet. Er hat sich seinerzeit wider besseres Wissen in die Hugenberg-Hitlersche Front einreihen lassen. Wenn tr setzt, nachdem die Vorgänge in der Deutsch­nationalen Reichstagsfraktion, aus der Front aus­brechen würde, so würde das ein Eingeständ­nis eines begangenen Fehlers sein. Der Landbund wäre dann genötigt, seiner An­hängerschaft die Wahrheit zu sagen. Daß sich der Reichslandbund dieser unangenehmen Aufgabe nicht unterziehen will, ist menschlich begreiflich, aber es muß zugleich festgestellt werden, daß diese Haltung des Reichslandbundes in keiner Weife dem wahren Interesse der Landwirtschaft Rechnung trägt.

Wir können uns für die Richtigkeit dieser Be­hauptung auf das Zeugnis eines sehr angesehenen Mannes berufen, nämlich des Abg. Schlange- Schöningen, der in seiner Austrittserklärung festgestellt hat, daß die Entwicklung der Deutsch­nationalen Partei in den letzten Monaten einen Weg genommen habe, von dem er nicht glauben könne, daß er die Partei ihren nationalen Zielen nähersühre, und daß er die Ueberzeugung habe ge­winnen müssen, daß auf diese Weise der um ihr Leben kämpfenden Landwirtschaft keine w-irklich schnelle praktische Hilfe ge­leistet werden könne. Ein weiteres Zeug­nis. Der Vorsitzende der Christlich-nationalen Bauern- und Landvolkpartei, die sich gleichfalls im Gefolge Hugenbergs und Hitlers befindet, D r. G e r e ck e, hat in einer Versammlung in Eisenach am 6. Dezember u. a. festgestellt: Je stärker sich die Führer der Landwirtschaft mit staatsmän­nischem Weitblick für positive Arbeit entschei­den und von negativer Opposition distanzierten, um so stärker werden die Aussichten für eine erfolg­reiche Zusammenarbeit der gesamten deutschen Landwirtschaft. Nun ist es ja gerade die negative Oppositionspolitik der Hugenberg, Seldte und Hitler, die zu den Zersetzungserschei- n u n g e n in der Deutschnationalen Volkspartei geführt und die auch den Abg. Schlange-Schöningen zu der Erkenntnis gebracht hat, daß der Weg des Volksentscheids der deutschen Landwirtschaft nur abträglich sein kann. Wer sich am Volksent- schfeid beteiligt, deo handelt gegen die Interessen der gesamten deutschen Wirtschaft. Wir glauben, daß auch der Führer

Dle Zeitung

ist für den Landwirt

unentbehrlich. Täglich sind im reichhaltigen, weit ausgedehnten Handelsteil die Getreidepreife, zu finden. Weiterhin unterrichtet die Tages­zeitung den Bauer laufend über die Preise der wichtigen Diehmärkte und veröffentlicht den Marktverkauf. Ohne Zeitung kommt der Land­wirt zu Schaden.

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Roman von M. W. Sophar.

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Ihre Stimme erlosch, das Gesicht wurde leichenblaß, so daß Malchen ein Belebungsmittel, das auf dem Tisch neben dem Bett stand, an den Mund der Ster­benden führte, und nach einer langen Pause öffneten sich chre Augen wieder.

„Ich wollte meine Rache haben," murmelte sie dann.

„Rache?" Ungeheure Ueberraschung drückte sich in diesem einen Worte Malchens aus.

„Ja — Rache — an Gottfried Haller. Er — ich haßte ihn — ich wollte ihm Böses zufügen und über­trug meinen Zorn auf Sie — feine Erbin.

„Aber weshalb?"

„Weshalb?" Sie fühlte sich etwas stärker und rich­tete sich in den Kiffen auf. „Well — ach! — Ich will die Wahrheit nicht mehr verhehlen; der Tod ist mir so nahe, ich darf nicht länger täuschen. Ws wir beide jung waren, behandelte ich Gottfried schmählich. Ich gab ihm den Laufpaß eines Titels wegen, den ich nie bekam. Und er — er vergaß mir das nie. Er ver­machte Ihnen fein Geld aus zwei Gründen." Sie un­terbrach sich, um Atem zu schöpfen, und fuhr dann ruhiger fort: „Zuerst, well er es unter allen Umständen verhindern wollte, daß Stella Archur Darberg heiratete. Vielleicht dachte er, wie die Mutter, so die Tochter. Er wußte, daß sie sich ohne Geld nicht heiraten konnten. Und der zweite Grund, weshalb Gottfried Ihnen sein Gell» hinterließ —Sie blickte mit flackerndem Lächeln, das etwas Derfchlagenes, Listiges hatte, auf Malchen, die unwillkürlich zurückbebte. „Der zweite Grund war, well sie feine Großnichte waren."

„Also doch!" Malchen errötete, und ihre Augen wurden groß und hell.

„Ja, Sie sind die Enkelin eines Mädchens, das mit keinem jüngeren Bruder, Georg Haller, durchgebrannt war. Gottfried hat das aber erst kurz vor seinem Tode entdeckt und dann mit niemanden darüber gesprochen. Cs muß feinem exzentrischen Wesen zuzuschreiben fein, daß er diese Tatsache in feinem Testament unerwähnt

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Gottfried Haller.

des Mädchens

rief

den

wie das

„Sie haben gehört, als ich mein Testament machte?" fragte Malchen erstaunt, und ein beschämendes Erröten überflog das geisterbleiche Gesicht auf den Kiffen.

„Ich horchte — ich mußte das hören. Ich befand mich im Speisezimmer — dicht an den Flügeltüren —

suchte sie zu beruhigen.

Die Sterbende klammerte sich an

braunen Äugen. „Auch — auch, daß ich zweimal Versuch machte, Sie ums Leben zu bringen?"

„Auch das habe ich Ihnen verziehen."

„Ich wurde in Versuchung geführt. Ich hörte Sie Herrn Brand über Ihr Testament instruierten; verlockte mich zuerst "

„Und weshalb haben Sie das niemand mitgeteilt?" fragte Malchen, als sie den Brief zu Ende gelesen hatte.

„Weil ich Gottfried haßte — und Sie. Ich wollte nicht noch zu all Ihren übrigen Vorzügen den der Ge­burt hinzufügen. Ein weniger exzentrischer Mann als Gottfried hätte es sich bester überlegt, ehe er solche Mit­teilungen meinen Händen anvertraute. Ich habe sie bis heute verheimlicht und — ich bedauere das jetzt."

Malchen war einen Augenblick sprachlos. Auch konnte sie dem Zorn nicht Einhalt gebieten, der sie bei dem Gedanken durchfuhr, daß Frau Bendler zwei Jahre lang die Wahrheit über ihre Identität gewußt hatte, ohne ihr oder anderen ein Wort darüber zu sagen. Doch blieb ihr Zorn nur kurzlebig, und nichts als das tiefste Mitleid mit der Frau beseelte sie, deren Augen sie so sehnsuchtsvoll, rührend ansahen, und die sich, wie deutlich zu erkennen war, rasch jener Grenze näherte, von der kein Wanderer wiederkehrt.

„Darf ich diesen Brief mitnehmen? Ich möchte ihn Herrn Brand zeigen, damit die Angelegenheit verifiziert wird."

wenn Sie aus dem Wege geräumt wären, könnte Arthur Stella heiraten — und das führte mich in Versuchung."

„Ach! Sie arme Seese — Sie arme Seele! flüsterte Malchen voll innigstem Mitleid. „Welche Gewisfens­qualen müssen Sie erduldet haben?!"

„Ich glaube, ich habe die Hölle durchgemacht. Seit­dem Sie uns verließen, habe ich Sie gehaßt, ich sehnte mich danach. Ihnen Böses zuzufügen, und als ich Sie auf Schloß Mainard wiedersah, schön, umworben, ge­ehrt, da haßte ich Sie noch taufendmal mehr. Die Krone wurde meinem Haß aufgesetzt, als ich Ihre Aehn- lichkeit mit dem Bild in dem blauen Zimmer sah und Ihre Abkunft von den (Sönnern für zweifellos hielt Es war an dem Nachmittag — Sie erinnern sich —"

Sie unterbrach sich mit einem Schauer, und auch Malchen zitterte.

„Es packte mich wie Wahnsinn — nur ein Gedanke beherrschte mich — Sie um jeden Preis zu beseitigen — sicher zu fein, daß Sie für immer verschwunden waren — und — ich — ich — Sie wissen das Übrige." Aber­mals lief ein langes Schaudern durch ihre armselige Gestalt, und Malchen neigte sich zu ihr hernieder und

ließ. Ein halbes Jahr nach seinem Tode wurde mir ein Brief von ihm gesandt, den er wenige Tage vor sei­nem Ableben geschrieben hatte. In dem Briefe sagte er mir die Wahrheit."

„Sagte er Ihnen die Wahrheit?" wiederholte Mal­chen langsam, ließ die Hand finken, die sie noch immer gehallen hatte, und trat ein wenig von dem Bett fort. ,,©ie haben das also die ganze Zeit gewußt?. Sie wuß­ten, wer ich war, und hielten das verschwiegen?"

,/Ia — ich wußte es. Nicht zuerst, nicht früher als bis Sie zu mir kamen. Damals erfuhr ich es." Ihre Stimme wurde sehr schwach. „Ich wallte mich an Gott­fried rächen, well er Stellas Heirat mit Darberg ver­hindert hatte, ich wollte die Mehrheit für immer ver­borgen halten. Aber jetzt — jetzt —" Ihr Kops wan­derte ruhelos von einer Seite zur anderen — sie stöhnte.

„Jetzt haben Sie sich entschlossen, alles zu sagen?" fragte Malchen und näherte sich ihr wieder. Die Jäm­merlichkeit, die aus den Augen der Kranken zu ihr sprach, und die totenblassen Züge rührten ihr Herz.

,Ich — ich wollte Ihre Verzeihung. Ich kann sonst nicht sterben. Ich wollte Ihnen dies geben — ich konnte es nie vernichten, ich wollte es verbrennen, aber immer hielt mich etwas davon zurück. Jetzt können Sie es haben."

Sie zog unter der Bettdecke ein Kuvert hervor und reichte es Malchen, die cs mit einem wirren Gefühl nahm, als ob sie träume. Die Adresse in klarer, kleiner Handfchrift trug Frau Bendlers Namen, der kurze Brief war von derselben Hand geschrieben.

„Haus Singenburg.

Ich habe angeordnet, daß Ihnen dieser Brief sechs Monate nach meinem Tode zugehen wird, den ich als nahe bevorstehend betrachte. Mein Testament nrrb Sie wahrscheinlich sehr unangenehm überraschen. Sie werden Miranda Mühe für eine Paria halten, weit unter Ihrer Würde. Sie ist aber keine Paria. Ich habe vor kurzem die Entdeckung gemacht, daß sie die Enkelin meines Bruders Georg ist, der mit ihrer Großmutter rechtmäßig getraut wurde. Nach Georgs Tode heiratete die Frau, eine Johanna Mühe, einen Arbeitsmann namens Maddinger. Georgs Tochter aalt m Smaenbura als ein Kind dieses Warmes. Si«

wuchs heran und heiratete, uno man bat mich, oct ihrem Kinde, Miranda, die Patenstelle zu überneh- 1 men. Dieses Kind, meine Erbin, ist also meine Groß­nichte. Ich teile Ihnen diese Tatfache mit und bitte

„Nehmen Sie ihn nur mit, nehmen Sie ihn/ die Kranke heftig, „aber sagen Sie mir auch, daß Sie

mir verzeihen."

„Ich verzeihe Ihnen vollständig, beruhigen Sie sich.

Ich habe Ihnen alles vergeben."

„Alles?" Frau Bendlers Augen schwankten und senkten sich bann unter den Blicken der festen ruhigen,

feste Hand, als ob diese ein sicherer Anker der Hilfe und des Schutzes fei.

So schwach, daß Malchen kaum die Worte hörte, flüsterte sie dann:

„Und wenn Sie mir verziehen haben, wird mir auch Gott verzeihen? Wird er mir verzeihen? Ich fürchte — ich fürchte —Aus reiner Erschöpfung ver- sagte die Stimme. In ihren Augen stand aber noch bie qualvolle Frage, und Malchens Augen füllten sich mit Tränen.

„Ich habe Ihnen alles vergeben, und wenn ich Ihnen vergebe, so wird Ihnen der Allmächtige tausend­mal eher vergeben haben. Es gibt doch keine fo schwere Sünde, die Gott nicht verzeiht, wenn wir auf­richtig bereuen."

Die einfachen, warm empfundenen Worte gaben ber Hörerin einen Schimmer von Trost. Die Furcht in ihren Augen verringerte sich, und ber krampfhafte Druck ihrer Hand gab etwas nach.

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des Reichslandbundes, der Abg. Schiele von der Richtigkeit dieser Behauptung innerlich über­zeugt ist. Aber das ist eben der Fluch der böfen Tat, er und der von ihm geführte Landbund hat einmal A gesagt, und sie müssen nun auch B sagen, nachdem sie nicht den Mut gesunden haben, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Daß der deutschen Landwirtschaft Hilfe dringend nottut, ist eine un­bestreitbare Tatfache. Diese Ueberzeugung hatte denn auch schon dazu geführt, aussichtsreiche Schritte zu unternehmen, die Bildung einer Reichs- bauernfront, der sog. „Grünen Front", durch alle Parteien hindurch in die Wege zu leiten. Die deutsche Landwirtschaft und ihre Führer haben sich nicht mit Unrecht von dem Zusammenschluß aller Vertreter der deutschen Landwirtschaft über die Parteischranken hinweg Vorteile für die deutsche Landwirtschaft versprochen. Durch den Anschluß des Reichslandbundes an den Reichsausfchuß für das Volksbegehren aber ist die Bildung dieser Ein­heitsfront, wenn nicht verhindert, fo doch auf das ernsteste bedroht. Der Reichslandbund bekennt durch feinen Anschluß an den Reichsausschuß und durch feine neuerliche Erklärung, daß er alle seine Kräfte für den Volksentscheid einsetzen werde, in aller Oeffentlichkeit, daß er entgegen den Forde-' rungen feiner Unterorganisationen und entgegen den Interessen der gesamten Landwirtschaft nicht über den Parteien steht, sodern sich zum willfährign Werkzeug der negativen Oppositionsvokitik H u - genbergs und Hitlers hergegeben bat und hergeben will. Die deutsche Landwirtschaft wird in ihrer Gesamtheit den Schaden davontragen und mit ihr die gesamte deutsche Wirtschaft.

Die Folgen der negativen Opposftionspolitik Hugenbergs und feines Anhangs hat der bereits erwähnte Abg. Schlange-Schöningen in einer Zu­schrift an die ^,Berliner-Börsenzeituna" in geradezu erschütternder Weise wie folgt geschildert:

„Was uns von dem Parteiführer und feinem engeren Freundeskreis so sehr trennt, daß ein wei­teres Zusammenarbeiten zwecklos war, ist allein die tiefgehende Verschiedenheit der Auffasiung über die fachlichen Notwendigkeiten. Wir stehen in Deutschland über kurz oder lang nach menschlichem Ermessen vor der größten Krisis, die trir seit der Inflationszeit erlebten. Sie wird wahrscheinlich geradezu eine Lebenskrise fein, die gleich­zeitig auf allen Gebieten zum Ausdruck kommt . . . Ich sehe die Wirtschaft bis in die tiefften Tiefen er­schüttert. Wenn die Höfe im Osten erst verlassen stehen — und der Anfang ist schon gemacht — dann ist es zu spät, und wenn die Industrie in größerem Ausmaß ihre Tore schließen muß und wogende Arbeitermassen vergebens nach Brot und Arbeit rufen, dann wird das wirkliche Chaos ge­kommen sein: ohne Hoffnung auf Rettung — zu spät! An diesem „Zu spät" wollen wir dereinst nicht mitschuldig fein. Es ist zweifelhaft, ob Deutschland überhaupt noch zu retten fein wird durch Fraktionsarithmetik und Auszählen von Stimmen. Vielleicht nehmen die Dinge einen viel drängenderen Lauf, weil die Riefenprobleme, die vor uns stehen und bei denen es sich um Deutsch­lands Leben oder Sterben handelt, mit Fraktions­disziplin oder Parteischablonen überhaupt nicht mehr zu meistern sein werden. In solchen Augen­blick dürfen die Rechtskreise sich nicht isolieren in einem falsch verstandenen Aktivismus stark klingen­der, aber praktisch wirkungsloser Dekla­mationen. Der größte Aktivismus, den man für die kommenden Stunden der Gefahr bekunden

Schreüensszenen in einem Zuchthaus.

Hebet 1500 Gefangene meutern. — Wärter und Gefängnisleiter überwältigt. — Blutige Kampfe zwischen Sträflingen und Polizei 8 Todesopfer und zahlreiche Verletzte.

In dem Staatsgefängnis in Auburn (Staat Newyork) brach am Mittwochvormittag unter den Insassen eine schwere Meuterei aus, an der sich über 1500 mit eingeschmuggelten Revolvern bewaffnete Sträflinge beteiligten. Die Meuterer schossen den Hauptwächter nieder und überwältig­ten den Leiter des Gefängnisses Hen­nings und e t w a e lf W ä r te r, die sie als Gei­seln festhielten, um die Freilassung der etwa zwölf Rädelsführer der Meuterei zu erzwingen. Außer Polizei trafen Miliztruppen ein, die das Gefängnis umzingelten. Die Behörden zögerten zunächst mit einem Angriff aus bas Gefängnis, da sie befürchte­ten, Hennings und die anderen Geiseln würden von den Sträflingen getötet werden. Etwa 1000 Be­waffnete bildeten vor dem Gefängnistor ein Karree bereit zu feuern, falls die Sträflipge geschloffen her­auskämen und zu fliehen versuchten. Kurz nach 12 Uhr ließen die meuternden Sträflinge durch einen Sträfling, der bei der letzten Meuterei eine große Rolle gespielt hatte, den Behörden Mitteilen, daß, falls sie nicht innerhalb einer Vier- tel st undefreienAb zu gerhielten, Hen­nin g s und die Wärter getötet werden würden. Hennings ließ der Polizei durch einen treugebliebenen Sträfling eine Mitteilung zukom­men, in der er sie beschwor, alles zu bewilligen, was die Meuterer verlangten. Der Kommandeur der Miliztruppen erhielt die Weisung, falls die Sträflinge herauskämen, zu schießen, sonst in bas

Gefängnis einzubringen unb sich ber Meuterer zu bemächtigen.

Um 12.35 Uhr brang eine mit Tränengasbom­ben ausgerüstete Abteilung Staatspolizei in bas Gefängnis ein unb entriß ben 20 Rädelsführern, die sich in ber Haupthalle verbarrikadiert hatten, Hennings und vier andere Geifeln. Bei dem sich entwickelnden Kampf wurden drei Sträflinge ge­tötet. 1500 Sträflinge hatten sich im Gefängnishof gesammelt und bereiteten sich zum letzten verzwei­felten Widerstand vor.

Nach einer Funkmeldung vom Donnerstag ist die Ordnung nunmehr wieder vollständig herge­stellt. Die Kämpfe haben etwa 6 Stunden gedauert. Etwa 2000 Mann an Truppen, Polizei und Hilfs­kräften verschiedener Art waren aufgeboten. Die GesamtzahlderTodesopfer beträgt nach den letzten Feststellungen 8, davon 7 Sträflinge. Außerdem werden noch drei Wärter ver­mißt. Man glaubt aber annehmen zu können, daß sie am Leben sind unb sich verborgen halten. 5 Füh­rer ber Meuterei wurden in ber Ecke eines Zellen­blocks erschossen, nachdem sie sich geweigert hatten, sich zu ergeben. Die Zahl der Berletzten ist bis jetzt noch nicht festgestellt worben. Bisher würben 7 Gefängniswärter mit Verletzungen ins Kranken­haus gebracht. Hn ben anderen Staatsgefängnissen hatte man bei Bekanntwerben ber Meuterei um­fangreiche Vorbeugungsmaßregeln getroffen. Die Sträflinge mürben jedoch nicht daran gehindert, die durch Rundfunk verbreiteten Nachrichten über die Meuterei in Auburn mit anzuhören.

Das

staatliche Zuchthaus in Auburn (Staat New Jork), in dem wieder eine blutige ausgebrochen war.

Massenmeuterri