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irr. 285.

Dienstag, oen 10. Dezember 1929.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Heimat

3ulöa, öen 9 Dezember 1929

Eifenbahn-Psrfonennachrichken.

2er Lokomotivführer August Blackert beim Reichsbahn-Betriebswerk Fulda ist ab 1. 11. 29 rückwirkend zum techn. Reichsbahn-Ober-Sekretär befördert worden mit dem amtlichen Wohnsitz in Fulda.

Der „kupferne Sonntag"

brachte ein Wetter, das den Operationen der „Seh- Leute" sehr günstig war. So füllten sich auch, na­mentlich in den Abendstunden, die Verkehrsstraßen der Stadt mit langen Reihen von Spaziergängern, die d>e Pracht der Ausstellungen bewunderten. Tagsüber waren Landleute in bemerkenswerter Zahl als Einkäufer erschienen. Die städtischen „seh-Leute" ließen es freilich zumeist bei der „pla- tam scheu Betrachtung". Sie werden aber in den nächsten Tagen zur Tat schreiten und die Mahnung beherzigen: kauft am Platze, kauft rechtzei­tig, dann kauft Ihr gut.

Am die ffahrersanbms.

Durch Verfügung der Polizeiverwaltunq in §uld a war dem Waffenhändler K. in Fulda der Führerschein für Kraftfahrzeuge auf die Dauer von zwei Jahren entzogen worden. K. hatte in der Zeit vom Januar 1923 ab zahlreiche Bestrafungen erlitten und zwar wegen Zuwiderhandlung gegen die Verordnung über den Waffenbesitz, wegen Ver­gehens gegen die Verordnung über die Zurück- fuhrung von Waffen und Heeresgut, wegen Dieb­stahls, Zuwiderhandlung gegen das Rspüblikfchutz- gefetz und verschiedene Autoübertretungen, fahr­lässiger Körperverletzung. Auf die von'K. einge- legte Beschwerde verschärfte der Regierungspräsi­dent noch die Verfügung der Polizeibehörde. Nach erfolgloser Beschwerde beim Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau erhob K. Klage beim 2 e r verwaltungsgeri ch t, welches aber die Klage mit der Maßgabe abwies, daß es bei der Verfügung der Polizeibehörde verbleibe, und u. a. ausführte, durch die Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen von 1926 und den Runderlaß des preußischen Innenministers seien die städtischen Polizeibehörden zur Entziehung der erteilten Fahrerlaubnis für zuständig erklärt wor­den. K. habe alle Veranlassung gehabt, sich beim Fuhren von Kraftfahrzeugen der peinlichsten Kor­rektheit und Erfüllung aller Vorschriften zu be­

fleißigen, denn ihm sei die Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen unter Anwendung der Kann- vorschrift des § 14 (4) des Gesetzes als körperlich schwer behinderten Menschen erteilt worden. Vese Verpflichtung habe K. in gröblichster Weise verletzt, indem er sich ein- Reibe von D-ükten habe zuschul­den kommen lassen, welche zeitlich nach Erlangung der Fahrerlaubnis begangen seien. Wer sich über behördliche und gesetzliche Vorschriften hinwegsetze, könne nicht länger im Besitz der Fahrererlaubnis belassen werden. Die Verschärfung, welche der Re­gierungspräsident Habs eintreten lassen, sei indessen nicht zulässig, da diese eine Verschlechterung gegen­über der polizeilichen Verfügung darstellen würde.

Gebühren für Ausländsbriefe.

Briefsendungen nach den ehemals deutschen Ge­bieten, die durch den Versailler Vertrag vom Deut­schen Reich abgetrennt worden sind, sowie nach den Nachfolgestaaten der österr. ung. Monarchie werden vielfach immer noch fälschlich nach den Inlands- gebübrensätzen freigemacht. Besonders häufig ist dies bei den Sendungen nach der Tschecho-Slowakei der Fall. Die Inlandsätze gelten nur für Brief­sendungen nach Danzig, Litauen und Memelgebiet, Luxemburg, Oesterreich und dem Saargebiet.

Das Evangelische Allersheim Emmaus,

in welchies dos frühere Parkhotel in Fulda umge­wandelt worden ist. wurde gestern seiner Bestim­mung übergeben. Wie wir den „Kasseler Neuesten Nachrichten" entnehmen, wurde das Hotel durch die Kasseler Architekten Gerhart und Schäfer zu einem geeigneten Altersheim für etwa 50 Per­sonen umgebaut. Bei den Pfleglingen denkt man nach der gleichen Quells nicht nur an Fulda, son­dern auch an die weitere Rhön. Der Hessische Siochenhof in Hofgeismar konnte mit Hilfe einer größeren Sondergabe der Fuldaer Evangelischen Gemeinde die Anstalt einrichten.

Schwer verletzt

wurde gestern mittag gegen 1 Uhr ein junger Mann von hier in der Nähe von D o r f b o r n durch einen Fuldaer Lieferwagen, der die Ange­hörigen eines Vereins zu der Veranstaltung eines Nachbaroereins brachte. Der Verunglückte wollte mit einigen Freunden eine Radtour machen und wurde unterwegs von dem Auto von hinten an­gefahren. Das Rad wurde zertrümmert, der junge Mann erheblich verletzt. Nach Anlegung eines Notverbandes mußte er mit dem Auto eines Neu­hofer Arztes in das hiesige Landeskrankenhaus ge­bracht werden, wo innere Besetzungen festgestellt wurden.

Das 25 Me Jubiläum des 51 Josephsheimes

Evurde gestern in festlicher Weise begangen. Am Morgen wurde in der Kapelle von dem Bischös- lichen Kommissar der Anstalt, Herrn Domdschant Dr. Leimbach, Hochamt mit Predigt und Te Deum gehalten. Zu dem Festakt, der am Nachmittag stattfand, waren zahlreiche Gäste er­schienen, unter ihnen der Hochwürdigfte Herr Bi­schof. Herr Rentner Richard Müller, die ehrw. Eeneraloberin der Barmherzigen Schwestern, Frau Mutter Josephine Kramer, und der Superior, Herr Domkapitular Dr. Thielemann, Vertre­ter der Bischöflichen Behörde, Freunde des Hau­ses aus geistlichem und weltlichem Stande, mehrere Damen des ehemaligen Schutzvorstandes, an ihrer Spitze Frau Emma Wähler, die mit der be­reits verstorbenen Frau Pauline R ü b f a m 1885 den Arbeiterinnenverein auf Anregung des dama­ligen Hochw. Bischofs von Fulda Georg Kopp ins Leben gerufen und betreut hat, auch Vertre­ter des Vorstandes der Allgemeinen Ortskranken­kasse Frankfurt, mit der das Josephsheim schon 24 Jahre in Beziehungen steht. Dr. L e i m b a ch gab einen Ueberbfict über die Geschichte des Hauses. Er berichtete, daß ihm 1903 von dem hochseligen Bischof Adalbertus Endert der Auftrag erteilt wor­den fei, für die Gründung eines Arbeiterinnen- heims in Fulda zu sorgen, da die bisher vom Mut­terhaus feit 1886 für das Hospiz zur Verfügung gestellten Räume nicht mehr für diesen Zweck aus­reichten. Mit Herrn Superior Dr. Thielemann habe er sich in dieser Angelegenheit an den da­maligen Reichstagsabgeordneten, Herrn Richard Müller, gewandt. Dieser habe noch an demselben Tage, an dem die Besprechung stattfand, am 5. Januar 1903, seine Zusage bereitwilligst gegeben. Im Herbst war das Haus im Rohbau vollendet Am 4. Oktober 1904 wurde es bezogen und am 4. Dezember die erste Kapelle eingeweiht. Bald erwies sich das Haus gegenüber den vielen Auf­nahmegesuchen als zu klein. 1906 ließ Herr Mül­ler einen Anbau bis zur Ecke der Rangstraße Her­stellen. In demselben Jahre überließ er in edler ugd großmütiaer Gesinnung das gesamte Haus dem Bischöflichen Stuhle, unter Bedingungen, wie sie für die Anstalt tragbar erschienen. Im Jahre 1910 wurde von Herrn Müller ein neues Haus in der Rangstraße erstellt und auch dieses dem Josephs­heim angeschlossen. Zur selben Zeit war auch ein größeres Oekonomregebäude geschaffen worden, das 1922 noch eine Erweiterung erhielt. Die An­stalt war alsbald bei ihrer Gründung ein A r - beiterinnen - und ein Altersheim. Wäh­rend des Krieges diente sie auch als Reserve- l a z a r e t t und war mit 150 Betten belegt.

Nach dem Kriege traten die Stadt und die Lei­tung des Lehrerseminars an sie mit der Bitte heran, dis aus dem Felde heimgekehrten Seminari­sten aufzunehmen. 60 von ihnen haben mehrere Jahre darin gewohnt. Dann fanden wiederum auf Ersuchen in ihr Aufnahme Schüler der landwirt­schaftlichen Winterschule. Auch arbeitsfähiaen Kriegsinvaliden, sonstigen Arbeitern, Angestellten und Lehrlingen hat sie, wie allen übrigen Insassen, unter außerordentlich günstigen Bedingungen ein Heim geboten. Mehrere Winter hindurch stellte sie auf Ersuchen der Stadt Sozialrentnern einen Saal

zur Verfügung. Auch die Kongregation „Maria Hilf" ist 1904 aus dem Mutterhause in das Josephs­heim eingesogen, und ihre Mitglieder haben immer wieder darin Gelegenheit erhalten, sich auch in hauswirtschaftlichen Dingen und Handarbeiten auszubilden, wie dieses in dem Verein von seiner Gründung an gepflegt worden war. So darf man mit vollem Rechte rühmen, daß das Josephsheim in den 25 Jahren seines Bestehens sich als soziale und karitative, als gemeinnützige Anstalt bewiesen hat. Zum Schluffe brachte Domdechant Dr. Lei m- b a ch allen seinen Dank zum Ausdruck, die sich bis­her dem Josephsheim als tätige Freunde erwiesen haben.

Darauf sprach der Hochw. Herr Bischof vä­terliche und gütige Wort der Anerkennung, dankte auch seinerseits denen, die sich um die Anstalt Ver­dienste erworben haben, und spendete den Bischöf­lichen Segen. Herr Superior, Domkapitular Msor. Dr. Thielemann, überbrachte der mit dem sil­bernen Kranze geschmückten Tochter die Glück­wünsche der Mutter, nämlich des Mutterhauses, und hob die Bedeutung der Anstalt vom volkswirt­schaftlichen Standpunkte hervor. Sodann hatte Herr Reinke als Vertreter des Vorstandes der Allgemeinen Ortskrankenkasse Frankfurt lehr freundliche und anerkennende Worte für das Jo­sephsheim als Erholunasheim und sprach ihm auch für die Zukunft beste Wünsche aus.

Die Reden wurden in sinniger Weise von stim­mungsvollen Musikstücken, unter der Leitung des Herrn Lehrers Sauer gesungenen Liedern und von Gedichten umrahmt. Zum Schluffe des Fest­aktes wurde von dem Bischöflichen Kommissar allen Gästen und denen, die bei ihm mitgewirkt hatten, herzlicher Dank ausgesprochen, auch H--rrn Maler­meister Wehner,' der in sehr geschmackvoller Weise die Bühne geschmückt hatte.

Eine gemütliche Unterhaltung hielt nach der offiziellen Feier noch einige Zeit die Teil­nehmer zusammen. Während di"sir ergriff Herr Rentner Richard Müller das Wort, um seiner Freude über das gute Gedeihen des von ihm ge­schaffenen Werkes Ausdruck zu geben. Er er­klärte, daß von all den vielen Unternehmungen, die er im Laufe seines Lebens gemacht habe, ihm das Josephsheim das liebste fei. Auch er sprach der Leitung des Hauses, besonders feiner Oberin, SchwesterIoseph, seine Anerkennung und seinen Dank aus. Ihm erwiderte Domdechant Dr. Leimbach und hob noch einmal die großen Ver­dienste hervor, die sich Herr Richtrd Müller um das Iosenhsheim erworben, das an ihm stets einen tätigen Freund und klugen Ratgeber besessen habe. Durch Einzelzüge ergänzte er noch den Bericht, ' n er bei dem Festakt gegeben batte, und brachte zum Schluffe ein mit großem Beifall angenommenes Hoch a”f L^n M"U-r aus.

Herr Rektor Bilz erfreute sodann die Ver­sammln "* nach einer geistvollen Einleitun mit einem sehr stimmungsvollen Gedicht, worin der himmlische Schutzherr der Anstalt, der hl. Iofe *>, auch für di-- Folgezeit ihr seine Huld und Für­sprache zusicherte.

Ja, möge auch in der Zukunft der Segen Gottes auf dem Josephsheim ruhen, wie es in den ersten

25 Jahren seines Bestehens so sichtbar der Fall gewesen ist!

Wir geben im folgenden das sinnige Gedicht wieder, das von Herrn Pfarrer L. Nüdling verfaßt, bei dem Festakt vorgetragen worden ist.

Dem $f. Josephsheim in Fulda zum silbernen Jubiläum.

Josephsheim, laß uns mit silbernem Reis Heute dir schmücken die Tür und die Wand. Denn es schuf dir der Webstuhl der Zeit Nun auch ein festliches Jubelgewand.

Joseph, der einstens in Nazareth Sorglich ein Haus für Maria gebaut, Gab auch den schaffenden Händen allhier Schützend ein Heim, warm, wohnlich und traut.

Denn wer im Ringen ums tägliche Brot Mühsamer Arbeit sein Tagewerk weiht, Sollte hier finden den Tisch gedeckt, Freundlich den Platz auch zum Rasten bereit.

Und wenn die Jahre der Arbeit vorbei, Müde die Füße vom mühsamen Lauf, Tut auch Sankt Josef dem Alter die Tür Für einen sorglosen Wend hier auf.

Doch wo Sankt Joseph treu waltet im Haus, Wird auch die Mutter Jesu gern sein. Und so schafft auch „Maria-Hilf" Heil hier den Herzen im stammen Verein.

Was dieses Heim hier von Anfang erstrebt, Hat schon ein Vierteljahrhundert erprobt. Drum sei für allen Segen der Zeit Jesus, Maria und Joseph gelobt.

Dank auch den Edlen, die freudig zum Werk Immer Sankt Joseph geliehen die Hand, Denn wer den Brüdern ein Heim hier verschafft, Baut sich ein Haus auch im himmlischen Lano.

Dank auch den Schwestern, die Jahr für Jahr Treu hier gewaltet von Anfang an, Die der Maria und Martha Dienst Men im Josephsheim je getan.

Und eine Bitte zur guten Letzt:

Zuflucht der Arbeit und Heimstatt der Ruh, Schirme dich Gott und führ uns einst all Droben dem himmlischen Josephsheim zu!

— Jugend- und Jungmänner-verein der Skadlpfarrei. Im großen Saal des katholischen Gesellenhauses veran­staltete der Jugend- und Jungmännerverein der Stadt­pfarrei gestern einen Theaterabend. Das zugkräf­tige Stück Elmar, nach Webers Dreizehnlinden von Dr. F a u st bearbeitet, brachte den Veranstaltern ein vol­les Haus. Sportliche Darbietungen der D. I. K.-Abter- lung der Stadtpfarrei am Barren leiteten den Abend ein. Die anerkennenswerten Leistungen der von Herrn Lehrer Röder vorgeführten Musterriege wurden von dem Publikum immer wieder mit Beifall quittiert. Der Prä­ses des Jungmännervereins, Herr Kaplan Wald, der in seiner Begrüßungsansprache die Versammlung herzlich willkommen hieß, wies auf die erfreuliche Aufwärtsent­wicklung des Vereins hin und bat die Anwesenden, dem­selben auch in Zukunft ihre Unterstützung und Hilfe nicht zu versagen. Er gab dann eine kurze Erläuterung zu dem gewählten Theaterstück, das in der Zeit Ludwigs des Frommen (825) spielt und den Sieg des Christentums über das trotzige Sachsenvolk darstellt. Ort der Handlung in der Nethegau im Weserland. Die Aufführung des Stückes darf als ein voller Erfolg bezeichnet werden. Mit viel Verständnis hatten sich die Spieler in den Geist des Stückes eingelebt. Der Darsteller des Elmar machte aus seiner Rolle den sympathischen jugendlichen Helden, für den sich das Publikum begeistert, die Darstellerin der Hildegunde legte in die ihrige die ganze Innigkeit und Reinheit der zart erblühten Jungfrau. Der „schwarze Graf" war in Ausdruck und Sprache

eine eindrucksvolle Gestalt. Der Prior mit seinem gü­tigen Herzen, seiner Geduld und Sanftmut war gut ge­zeichnet. Der kleine E g g i, der vielleicht äußerlich etwas schmächtiger hätte sein dürfen, wurde seiner Schelmenrolle vorzüglich gerecht. Auch alle übrigen Spieler trugen nach Kräften zu dem Gelingen der Aufführung bei. die bei dem dankbaren Publikum starken Applaus erntete. Die Zwischenpausen wurden von einer eifrigen Musikkapelle angenehm verkürzt. Den Abschluß des wohl gelungenen Abends bildete ein „Lebendes Bild", das die Taufe Elmars darstellte.

Eine Fußballmannschaft verunglückt.

1 Toter — 6 Schwerverletzte — 4 Leichtverletzte.

Der Fußballklub „Britannia" Eichen­zell spielte am gestrigen Sonntag in Blitzen- rod bei Lauterbach. Die Fahrt ins Hessische ge­schah mit dem Lieferauto einer Fuldaer Firma. Dieses sauste auf der Rückfahrt zwischen Blitzenrod und Lauterbach gegen einen Baum. Der Wagen wurde vollkommen zertrümmert. Die Jn- saffen mußten fast alle mehr oder weniger schwer verletzt von der Unglücksstelle getragen, werden. Si< wurden in das Krankenhaus nach Lauterbach ge bracht, wo inzwischen einer der Spieler seiner schweren Verletzungen erlegen ist.Ins­gesamt liegen 6 Verletzte im Lauterbacher Kran­kenhaus, von denen einer noch in bedenklichem Zu­stande darniederliegt. Drei bis vier Perfoner konnten nach Anlegung von Notverbänden bh Heimreise antreten. Der Chauffeur blieb untrer- letzt. _______

Ein keun Schild für Die Autos der Aerzre.

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Das neue Schild für die Wagen der Aerztt vom Deutschen Touring Klub.

Der Deutsche Touring Klub hat ein Schild für die Autos der Aerzte herausgebracht, das bei Un­glücksfällen zu schneller Auffindung eines Heil­kundigen und sofortiger Hilfeleistung dienen wird. Es zeigt auf weißem Grund ein rotes Kreuz mit dem Zeichen des Touring Klubs.

Kunstausstellung in der Laudesbibllolhek.

Die Fuldaer Landesbibliothek hat unter der rührigen Leitung ihres erfreulich unternehmenden Direktors schon so manches für das kulturelle Leben unserer Heimat ge­tan. Run erwirbt sie sich von neuem ein Verdienst und unseren Dank, indem sie ihren schönen, großen Saal für eine Kunstausstellung geöffnet hat. Reben einer eigenen Schau „Denkmäler der Krippenkunst", die demnächst von berufener Seite besprochen werden soll, hat sie den bei­den in Fulda nicht mehr unbekannten Künstlern Fer­dinand Lammeyer und Anton Gräuel Ge­legenheit gegeben, eine Kollektivausstellung zu zeigen.

Die bildende Kunst hat in Fulda in den letzten Jah­ren etwas mehr Pflege gefunden als in früheren Jahr­zehnten und einige erfreuliche Ansätze gezeigt. Das Aus­stellungswesen kam einigermaßen in Fluß — ich meine nicht das geschäftsmäßige Ausstellen in irgend einem Schaufenster — sondern das repräsentative, von einer Künstler-Organisation mit Verantwortungsbewußtlein ge­tragene Ausstellungswesen, das uns durch eine Reihe von Jahren die gewohnte Sommerausstellung im Kai­sersaal brachte. Es hatte sich auch bereits eine kleine Gemeinde gebildet, die das Fuldaer Kunstleben mit In­teresse und Liebe verfolgte, eine kleine Gemeinde, die in ihren künstlerischen Interessen, geführt durch hei­mische Künstler, auch den Kontakt mit der Kunst der Gegenwart gefunden hatte. Gerade dieses ist nämlich das Kernproblem: ein Publikum, das sich für das Schaffen der Gegenwart interessiert. Ohne systematische Arbeit fehlt dieses kunstliebende und zeit­genössische Kunst verstehende Publikum. Ohne künstlerische Erziehungsarbeit hinkt die Oeffent- lichkeit, der ausnehmende, kunst-genießende Mensch na­turnotwendig fünf, zehn — manchmal auch fünfzig Jahre in feinen Anschauungen hinter dem schaffenden Künst­ler, der im Kontakt mit der Zeit lebt, hinterher. Wo aber die Künstler den Kontakt mit der Zeit haben und die Kunstfreunde den Kontakt mit den Künstlern, dort kann und wird ein Kunstleben blühen.

Einmal hat auch die öffentliche Hand und zwar die Stadt Fulda, wenn auch in bescheidenem Maße, durch Käufe in einer Ausstellung ihr Interesse bekundet, und ihr Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Kunst­pflege gezeigt. Ist es doch selbstverständlich, daß die Künstler nicht nur aus Nächstenliebe arbeiten können, sondern auch leben müssen. Es ist auch in armen Zeiten fehr begreiflich, daß der Künstler die stille Hoffnung hegt, auch von den verantwortlichen Organen der öffentlichen Kunstpflege gegen die Hingabe des vollen Gegenwertes in feinem Werke, wenigstens einen Bruchteil dessen zu er­

halten, was ihm von den Organen der öffentlichen Für­sorge gewährt werden müßte, wenn er das Arbeiten auf­gibt.

Nachdem nun in den letzten Jahren die Hoffnung auf- keimt, daß unsere Vaterstadt neben ihrer blühenden reli­giösen Kultur, neben ihrer beachtlichen und erfolgreichen Pflege der wissenschaftlichen Kultur, auch ein Eigenleben künstlerischer Kultur bekommt, war das Fehlen einer diesjährigen allgemeinen Kunstausstellung ein Rückschlag und nicht ganz ungefährlich. Es soll hier nicht die Ursache dieses Fehlens untersucht werden, ob es bei der Organisa­tion unserer schaffenden Künstler, ober bei den verant- wortungstragenden Stellen der Kunstpflege an dem nö­tigen Elan gefehlt hatte. Ganz sicher lag eine hauptsäch- liche Hemmung auch in der sehr schwierigen Raumfrage.

Die Landesbibliothek hat eine kulturelle Tat vollbracht und eine weite Auffassung ihrer kulturellen Sendung be­kundet, daß sie diese schmerzliche Lücke füllte und eine Kunstausstellung ermöglichte.

Wir sehen diesmal eine Kollektivausstellung, also eine Ausstellung, die uns nur mit einzelnen Künstlern, mit diesen aber umso gründlicher vertraut macht.

Das Bild der Ausstellung beherrscht Ferdinand Lam­meyer. Er ist wohl mit über fünfzig Arbeiten vertreten Darunter einiges von früheren Ausstellungen bekannt Aus Privatbesitz wurde hinzugezogen, was zur Abrun­dung des Bildes dienen konnte, soweit die Werke zu be- kommen waren. Alle Werke sind in den letzten 2—3 Jahren entstanden. Eines sieht man auf den ersten Blick, daß wir in Lammeyer einen fleißigen, fruchtbaren uni vielseitigen Künstler vor uns haben, und zwar einer Künstler, der den Kontakt mit der Zeit und mit der füh­renden zeitgenössischen Kunst hat.

Für den Besucher wird es trotzdem — ohne ihm zr nahe zu treten — nicht immer ganz leicht sein, sich tr dieser selten ausgeglichenen, abgewogenen, abgerundeter Schau heimisch zu fühlen. Es wird darauf ankommen ob er selbst den Kontakt zur Kunst der Gegenwart hat Diesen zu haben, ist in Fulda nicht ganz mühelos. Wei nicht gelegentlich die Ausstellungen der Kunstmetropolen besuchen kann, nicht wenigstens eine Kunstzeitschrift lieft, hat den vollen Kontakt selten.

Wer beim ersten Rundgang diese Zeitspanne zwischen sich und dem Künstler fühlt, der sollte zunächst ein biß-

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