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56. Zatzrg.

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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

I Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt I

im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Berlag I ••fA 1A4A

der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-1 ölCtlSlOO« 1U. XrClCttlOCC 1929.

:: leitung 1152, Fuldaer Acliendruckerei 1150 und 1151, :: |

Wahlen in

Zur «rbelkslosen versicherung

einem Eini

Wahlergebnisse vom Sonntag.

In Thüringen hallen sich die Sozialisten, die Ilalionalsozialisten geminnen ans Kosten der Deulschnalionalen. — Aehnliches Er-

Lieber Einzelheiten der Wahlen im Frei­staat Thüringen berichten wir an anderer Stelle des Blattes. Die Sozialdemokraten haben ihren Besitzstand gehalten. Die Kommunisten haben zwei Mandate verloren. Auch das Landvolk hielt seine Mandate, desgleichen die Wirtschaftspartei. Die Deutschnationale Bolkspartei und auch die Deutsche Volkspartei sowie die Volksrechtspartei haben Mandate verloren, die von den Nationalsozialisten erobert wurden.

Bayerische Wahlergebnisse.

Der neue Münchener Stadtrat wird sich wie folgt zusammenfetzen: Sozialdemokraten 17 (16), Deutschnationale 3 (6), Kommunisten 3 (2), Bayer. Dolkspartei 12 (14), National­sozialisten 8 (4), Erund und Hausbesitzer 2 (1), Freier bürgerlicher Mittelstand 3 (4).

Die aus Demokraten, DDP. und Reichspartei des deutschen Mittelstandes gebildete Freie bür« gerl. Mittelstandspartei, die bei der Wahl 1924 getrennt vorgegangen waren, hat demnach trotz des Zusammenschlusses einen Sitz verloren. Außer­dem si-nd im B'cünchener Stadtrat neu der Ge­werkschaftsring mit einem Sitz und eine Bayer. Mittelstandspartei ebenfalls mit einem Sitz vertre­ten.

— Fürth. Sozialdemokraten 19 (21), Kommu­nisten 2 (0), Bayr. Volkspartei 2, Nationalsoziali­sten 4 (1), Liste Selbstständigkeit 8 (früher bür- gerl. Arbeitsgemeinschaft, Bayr. Vpt., Demokra­ten, Hausbesitzer und Lehrer 6 Sitze), Sozialrent­ner 1, Fortschrittliche Arbeitsgemeinschaft 3, Volksaeminschaft (Deutschnationale) 1.

— Würzburg. Sozialdemokraten 10 (9), Deutsch- nationale und DDP. 2 (4), Demokraten 4 (5), Bayr. Volkspt. 16 (17), Wirtschaftspt. 3 (3), Na­tionalsozialisten 4 (1), Chriktl. soz. Reichspartei 1 (1). Wahlbeteiligung 66 Prozent.

' = Aschaffenburg. Sozialdemokraten 8 (8), Deutschnationale 1 (2). Demokraten 3 (4), Banr. Dvt. mit verbundenen Listen 14 (15), National­sozialisten 2 (0).

Bei den Gemeindewahlen in Ludwigs­hafen errangen die Sozialdemokraten 14 Sitze, das Zentrum 8, die Wirtschaftspartei 3, die Deut­sche Volksvartsi 4, die Demokraten 2, Kommunisten 3, Linke Kommunisten 1, Nationalsozialisten 3 und Ehristlicher Volksdienst 1 Sitz. <

gsbnis bei den Bayerischen Gemeindewahlen Danzig und Oberostschlesien.

Die Tumulte auf Haiti.

Fünf Tote.

Wie Associated Preß aus Haiti meldet, kan es in Aux Cayes zu einem Zusammenstoß zwischen einer amerikanischen Marinepatrouille und einer etwa 1500 Köpfe starken Menschenmenge, die mit Messern, Knüppeln und Steinen bewaffnet sich den Zutritt zur Stadt erzwingen wollte. Fünf der Angreifer wurden getötet und 20 verletzt. Die Stadt war heute ruhig. Dis ruhestörenden Elemente sind sämtlich vertrieben.

auch nach Ablauf der vorgesehenen Besetzungszeit von 15 Jahren die Entente berechtigt sein, das Rheinland wieder zu besetzen, wenn die Repara­tionskommission feststelle, daß Deutschland die Ver­tragserfüllung verweigere. Das Wort Vertrags­erfüllung ist natürlich soweit dehnbar, daß böser Wille Frankreichs immer einen „bösen Willen" Deutschlands konstruieren könnte. Man denke daran, wie die Ruhrbesetzung möglich wurde: der unmittelbare Anlaß war die Tatsache, daß Deutsch­land einige tausend Telegrapbenstangen zu wenig nach Frankreich lieferte. Eine derartige Auslegungistaberfalsch. Wenn der L o- carnovertrag vom 16. Oktober 1925 über­haupt einen Sinn hat, dann diesen, daß er die Kautschukbestimmung des Versailler Vertrages durch neue Abmachungen ersetzt. Im Artikel 2 beißt es: Deutschland und Frankreich verpflichten sich gegenseitig, in keinem Falle zu einem Angriff oder zu einem Einfall oder zum Kriege geaenein- ander zu schreiten. Eine militärische Wieder­besetzung wäre aber ein solcher „Einfall". Die Ausnahmen vom Artikel 2 betreffen allerdings die

42 und 43, nämlich einen Verstoß Deutschlands gegen die Entmilitarisierung der Rheinufer. Sie würden sich also keinesfalls auf eine Reparations- angeleaenheit beziehen können. Wenn der Artikel 6 des Locarnovertrages besagt, daß dieser Vertrag „die Rechte und Pflichten unberührt lasse, die sich aus dem Versailler Vertrag ergäben", so spricht auch dies nicht gegen die geschilderte Rechtsauffas­sung. Denn es handelt sich ja um eine Auslegung des Versailler Vertrags, um eine Ergänzung jenes unklaren Dokumentes in einem bestimmten Fra­genkomplex, nämlich den des Westens. Locarno sollte ia nach Anlage A „den Frieden in dem Ge­biete sichern, das so oft der Schauplatz der euro­päischen Konflikte gewesen ist".

Was nun die kommenden Haager Ver­handlungen betrifft, so befürchten weite Kreise in Deutschland tatsächlich, daß Frankreich j versuchen wird, Klauseln einzufügen, welche Ge­legenheit zu künftiger Sanktionspolitik geben kön- | nen. Einem solchen Verlangen Frankreichs müs- I sen die deutschen Unterhändler auf das bestimm­teste entgegentreten; denn es widerspräche durch­aus dem Poungplan und den bisherigen Abma­chungen der letzten Haager Konferenz. Es wider- fvräche auch dem (Seifte des Locarnovertrages. Schließlich ist es unmöglich, daß der Poung- plan Aussicht hätte, vom Deutschen Reichstag rati­fiziert zu werden, wenn die endgültige Abmachung Sanktionsbestimmungen enthält. Der viel und 1

Die Renommier-Trikolore der Franzosen auf Ehrenbreitstein ist gesunken. Die Fahne des Rei­ches weht wieder über Ehrenbreitstein, Koblenz und Aacken, wie sie über Köln und Bonn seit ge­raumer Zeit flattert. Bingen und Mainz werden im nächsten halben Jahre folgen, und schließlich auch Wiesbaden, der Sitz der Interalliierten Rhein­landkommission. Die Freude darüber in deutschen Landen ist groß. Aber die bange Frage will nicht verstummen: ist damit das Rheinland vollkommen frei und des Reiches Souveränität vollständig wieder- hergestellt?

Mit Besorgnis erinnern wir uns einiger fran­zösischer Kammerreden, welche diese Frage aus­drücklich verneinen wollen. Mit Besorgnis denken wir an einige Sätze des Versailler Vertrages, auf die gestützt Frankreich noch mancherlei Schikanen sich ausdenken könnte. Mie Besorgnis sehen wir den kommenden Haager Verhandlungen im Ja­nuar entgegen. Heißt es doch, daß die Franzosen versuchen wollen, in das Haager Vertragswerk neue Klauseln einzufügen, welche die Möglichkeit künftiger Sanktionen offen lassen.

Die Auffassung in Frankreich ist nicht einheit­lich. Der jetzige Minifterpräsident T a r d i e u drückte, freilich bevor er Ministerpräsident wurde, also noch als oppositioneller Abgeordneter in der f französischen Kammer, folgende Ansicht aus: das Rheinland braucht erst endgültig geräumt zu wer­den, wenn Deutschland den Poungplan nicht nur ■ angenommen, sondern auch erfüllt hat. Die Ver- - Pflichtung zur Rheinlandräumung hinge danach von umfangreichen finanzpolitischen Transaktionen ab, die Deutschland beim besten Willen nicht sofort, - sondern erst allmählich vornehmen kann — übri­gens in Uebereinftimmung mit dem Wortlaute des f Boungplanes. Diese Auffassung ist falsch.

Man kann sie als absurdum führen, wenn man sie logisch weiter denkt: der Poungplan erstreckt sich auf viele Jahrzehnte und wenn man so will, wie s Tardieu es meinte, märe er erst dann erfüllt, wenn der Zahlungsplan abgelaufen fein wird; und vor­her brauchte das Rheinland nicht geräumt zu wer­den. Das ist offensichtlicher Unsinn, denn dann würde die ausdrückliche Abmachung, daß die letzte, f nämlich die Mainzer Zone, spätestens am 30. Juni f. 1930 geräumt sein muß, keinen Sinn haben. | Gefährlicher ist die Berufung auf den Ver - ■tj ailler Vertrag. Sie würde zwar keine f "ingere Besetzungszeit rechtfertigen, ließe aber eine > | evtl. Wiederbesetzung im Bereiche- der Möglichkei- s len. Nach dem Versailler Vertrag sollte nämlich I

Zur Alrmrrzressrm.

Die demokratische Reichstagsfraktion erläßt, wie die „Voss. Ztg." berichtet, einen Aufruf, in dem die sofortige Finanzreform auf folgender Grund­lage verlangt wird:

1. In Verwaltung und Wirtschaft haben Reich, Länder und Gemeinden die äußerste Zurückhaltung und Sparsamkeit zu üben; 2. Die Einkommensteuer ist zu senken durch Heraufsetzung der steuerfreien Einkommen und durch Auseinanderziehung des Tarifs mit dem Ziel, die mittleren Einkommen zu entlasten und bei den hohen Einkommen verstärkte Kapitalbildung zu ermöglichen. 3. Die Gewerbe­steuer ist zu beseitigen. 4. Die Kapitalertragssteuer ist abzuschaffen. 5. Soweit für die Steuersenkungen Ersparnisse in den öffentlichen Haushalten und aus dem doungplan nicht ausreichen, sind die Steuern auf entbehrliche Genußmittel zu er­höhen. 6. Die Teilung des Steueraufkommens zwi­schen Reich, Ländern und Gemeinden ist klar und übersichtlich neu zu gestalten. Die Gemeinden müs­sen in stärkerem Maße auf die selbständige Ausbeutung eigener Steuerguellen verwiesen werden. 7. Die Finanznot der ländlichen Gemein­den ist durch einen Laftenausgleich zu beheben. 8. Anstelle der direkten Steuern ist dem Landwirt als Einheitssteuer eine Flächenertragssteuer aufzu­erlegen.

Die demokratische Reichstagsfraktion, fo heißt es am Schluß des Aufrufs, verwirft die Bewilli­gung aller unkontrollierbaren Ausgaben; sie ver­wirft weiter jegliche SubrentionsmirtWft, durch die unwirtschaftliche Betriebe aus Mitteln der öffentlichen Hand zu Losten der Gesamtheit künst­lich am Leben erhalten werden.

*

Gegenüber der Meldung, daß die Reichsregie­rung ein» Anleihe gegen Verpfändung der Telephonanlagen der Reichspost aufneh­men wolle, wird uns von unterrichteter Stelle mit« geteilt, daß der Reichsregierung und der Reichs- poft nichts davon bekannt ist. Die Deutsche Reichs­post denkt nicht an eine Verpfändung ihrer Tele­phonanlagen. _____________________

stellenweise mit Recht angefochtene Poungplan kann doch nur mit einem Argument gerechtfertigt werden. Dieses Argument lautet: unter dem Poungplan muß Deutschland zwar schwere Lasten tragen, aber es kann seinen Weg s e l b ft bestim­men und ist von schikanöser Einmischung fremder Militärs oder Politiker sicher.

Möge den deutschen Unterhändlern im Haag das Gespenst einer wiederaufsteigenden Trikolore über Ehrenbreitstein vor Augen stehen, wenn sie mit den Franzosen und Engländern über das End- dokument beraten.

Die Spitzenverbände der Arbeitgeberor­ganisationen veröffentlichten, veranlaßt durch die Nackricht, daß der Reichsarbeitsminister eine Vorlage vorbereite, wonach zur Beseitigung des Defizits in der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine Herauf­setzung der Beiträge der Arbeitgeber und I Arbeitnehmer um % Prozent beabsichtigt sei, eine ! gemeinschaftliche Kundgebung. In dieser erklärten sie u. a., daß sie einen derartigen Plan zur Er­reichung des Gleichgewichts von Einnahmen und Ausgaben in der Reichsanftalt weder mit den tat- sächlichen Verhältnissen der Anstalt noch mit ihrer Gesamtwirtschaftslage für vereinbar halten. Die Erklärung stellt fest, daß die am 3. Oktober ds. Is. vom Reichstag beschlossene Novelle nicht annähernd ausreichend sei, um bas laufende Defizit der Reichs­anstalt und darüber hinaus den Mehrbedarf für die Mintermonate 1930 zu decken. Weiter beziffert die Erklärung für die kritischen Monate Januar bis März die Mehreinnahmen aus der jetzt vorae- schlagenen Beitragserhöhung auf höchstens 50 Mil­lionen Mark. Demgegenüber bleibt aber immer noch ein ungedeckter Mehrbedarf von rund 250 Millionen Mark. Außerdem liegt noch aus früherer Zeit eine Schuldenlast der Reichsanstalt von 350 Millionen Maick dem Reich gegenüber vor. Somit sei der geplante Leistungsversuch nicht geeignet, die der Reichsanstalt drohenden ernsten Gefahren abzuwnhren. Die Erklärung erinnert daran, daß die Arbeitgeberverbände immer wieder gedrängt hätten, rechtzeitig, d. h. vor Jahresfrist eine Sanierung der Reichsanstalt im Interefse der Erhaltung ihrer notwendigen Leistungen für dis erwerbslose Bevölkerung durchzuführen. Mit umso größerem Recht und Machdruck müsse sie sich bei Bieter Sachlage schon jetzt dagegen verwahren, daß losgelöst von der unaufschiebbaren Frage der allge­meinen Finanz- und Steuerreform und im Gegen­satz zu der von allen Seiten anerkannten Notwen­digkeit der Entlastung unserer Produktion, auf .. .... 7. izelgebiet erhöhte Leistungen von Arbeit­gebern und Arbeitnehmern verlangt werden sollen, die im wirtschaftlichen Ergebnis einer Steuerer- Höhung zu Lasten der Arbeitgeber und Arbeit-

Hugeaberg und diekreuzzeikung

Herr Hugenberg und feine Getreuen erlaßen I einen Aufru s, in dem sie den aus der deutsch- I nationalen Reichstagsfraktion ausgefchiedenen I Abgeordneten einige Freundlichkeiten nachrufen, I und in dem versichert wird, daß die Deutfchnatio- nale Dolkspartei in engem Zusammenwirken Mi­schen Parteigliederungen und Fraktion ihr»n Weg gehen werde. Der Aufruf macht den Eindruck, als sei in der Deutschnationalen Dolkspartei alles in bester Ordnung, und die Absplitterung ohne jede Bedeutung. Die Mühe, den deutschnationa- len Aufruf auf seinen tatsächlichen Gehalt zu un­tersuchen, nimmt uns die Kreuzzeitung, das Organ des bisherigen Vorsitzenden der deutschna­tionalen Reichstagsfraktion, ab, indem sie zur glei- ! chen Stunde schreibt:

Die Deutschnatianake Bolkspartei ist in eine innere Krisis geraten. Es wäre verkehrt, es abwleugnen. Der Austritt von zwölf Rcichstagsabgeordneten, auch einiger Landtagsabgeordneter, aus den Fraktionen, zum Teil auch aus der Partei, kann unter Umständen von weittragender Bedeutung sein, die sich nicht durch die Behauptung entkräften laßt, die Fraktion sei nicht die Partei. Die eigentliche Wirkung des Schrittes wird sich erst in der kommenden Zeit erweisen. Man wird erst dann urteilen können ob fich die Vorgänge in der Reichs­tagsfraktion auch auf die Einstellung der deutfchnatio- nalen Wählerschaft im Lande in irgendeiner Form übertragen. Darüber kann allerdings längere Zeit vergehen. Deshalb wird man gut tun, mit feinem Ur­teil darüber zurückzuhalten, ob die zahlenmäßig nicht unbedeutende Absplitterung das Gefüge der Partei mehr gestört hat, als es einige Zeitungen wahr haben wollen, die in der Sezession jener zwölf zwar eine zahlen­mäßige Schwächung im Parlament, aber eine Stärkung der Einigkeit der Partei erblicken. Sehr wesentlich scheint uns ins Gewicht zu fallen, daß der Führer der deutschnationalen Fraktion, Graf W e - starp, fein Amt niedergelegt hat. Wer feine langjährig geübte Kunst kennt, Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fraktion, die ja auch in anderen Parteien durchaus keine Seltenheiten sind, immer wieder auszugleichen und voneinander abweichende politische Meinungen auf eine Linie zu vereinigen, der wird in diesem Schritt doch ein entscheidendes Symptom für in­nere Zwiespältigkeiten sehen, was nicht ober­flächlich abzuschätzen ist. Jedenfalls läßt sich daraus schließen, daß die Verhältnisse in der Reichstagsfraktion auch nach dem Ausscheiden jener zwölf noch nicht völlig geklärt sind. Man wird sich deshalb nicht der Illusion I hingeben dürfen, daß nach jener Absplitterung nun die Räder der Parteimaschine künftig wieder, wie neu geölt, I reibungslos laufen werden. Wenn diese Krisis Nutzen bringen soll, dann muß man auch den Mut haben, ihrem Ursprung nachzugeben und aus dieser Prüfung die nötigen Folgen zü ziehen.

Die Untersuchung, die das Organ des Grafen I Westarp dann über die Gründe der Krise anstellt, I mündet in der Erkenntnis, daß letzten Endes I alles Unheil von der Diktatur Hu gen- I bergs komme. Eine bessere Beleuchtung als I 'n dem Artikel der Kreuzzeitung konnte der neue I deutschnationale Aufruf kaum finden.

Der aus der deutschnationalen Fraktion ausge- | schieden« Reichstagsabgeordnete Pastor D. ♦

, Mumm hat bekanntlich in seinem Austritls- jchreiben, das er gemeinsam mit dem Adg. Beh­re n s an Graf Westarp gerichtet hat, auch auf den Inhalt der Hugenbergschen Presfeerzeugniffe und gewisser Filme der Ufa hingewiesen, die man den christlich gesinnten Kreisen der Partei gegenüber unmöglich verteidigen könne. Die „Nachtausgabe" suchte sich daraufhin an dem Abg. Mumm zu rä­chen, indem sie eine verzerrte Karrikatur von ihm veröffentlichte und ihm in einem ironischen Schrei­ben den Dank ausfvrach für die wirkungsvolle Propaganda, die er durch feine Kritik für das Blatt mache. D. Mumm hat darauf mit folgen­dem Schreiben geantwortet, das fich in feiner nor- nehmen Tonart sehr angenehm von den Witzeleien der ..Nachtausgabe" abhebt:

An die Hauptschriftleitung der „Nachtausgabe"!

Den Empfang Ihres eben eingehenden Schreibens bestätige ich. Wie Sie in Ihrer Redeweise schreiben antworte ich in meiner Redeweise. Es ist mir wertvoll, von Ihnen die Bestätigung zu erhalten, daß ich schon wiederholt, nicht erst in den l-t-ten Tagen, muh gegen die „Nachtausgabe" gewandt habe: das gleiche gilt von den schlüpfrigen Anzeigen in manchen Blat­tern des Scherl-Verlages. Je weiter verbreitet solches Straßenblatt ist, je verderblicher wirkt es, auch mitunter dort sich findende Erzählungen, wie „Urlaub von der Ehe". Die Karikatur meines Bildes habe ich meinen Kindern gezeigt, die ebenso wie ich Freude an Karika­turen haben; im übrigen muß ich um des In | e r a- tenteils willen Kinder von einem solchen Blatt fernhalten. Mir ist Ihre Zuschrift so wertvoll, well pe mir zeigt, daß die zersetzende Art Ihrer Redaktionsfuh- rung und Ihres Anzeigenteils nicht ohne Entgleisung, sondern Sy st em der Redaktion und offenbar auch des Verlages ist. Daß der Chefredakteur dieser „Nachtausgabe" ein Urteil darüber in Anspruch nimmt, wer zur nationalen Bewegung gehört und wer nicht, war mir interessant: ich arbeite seit mehr wie dreißig Jahren in der nationalen Bewegung, fühle mich aber aufrichtig geschieden von einer „nationalen Bewe­gung" auf dem Niveau der „Nachtausgabe". ^bren Brief und diese meine Zeilen übergebe ich der Dcffcnt- lichkeit. Höflichst gez. D. Mumm, M. d. R.

Das „Berliner Tageblatt" we tz dazu folgende pikante Einzelheit zu berichten, indem es auf dte Dorwürfe hinweist, die Hugenberg in diesem Punkte auch in der deutschnationalen Fraktion nn- mer wieder aus den Kreisen der christlich-nat'.o- nalen Arbeiterschaft r^macht wurden:

„Gegenüber diesen Vorhaltungen wie gegenüber s» vielen anderen hat sich der Parteichef, der große Schwer- ger, fast immer tot gestellt — seine altbewährte Bertel- digungsweise. Einmal jedoch ist das Unwahrscheinliche Ereignis geworden; der stumme Mund wurde wider willen aufgetan. In einer der letzten deutschnationalen Fraktionssitzungen geschah es. daß von christlichsozialer Seite über die „Nachtausgabe" Klage geführt wurde. Da rief der Parteiführer dazwischen: „Aus den lieber, schützen dieses Blattes werden Sie (die Partei) bezahlt!

Ein weiter.. Kor:-.:ntar dieses schön? kenntnisses dürfte sich erübrigen.

Die Trikolore am Rhein

Bon Dr. Alphons Nobel.

Die Gemeindewahlen in Pirmasens hatten folgendes Ergebnis: Sozialdemokraten 5, National­sozialisten 10, Bayerische Volkspartei und Zentrum 4, Kommunisten 5, Bürgerliche Mitte 3, Deutsche Bolkspartei 3.

In N e u st a d t a. d. Hardt erhielten Sozial­demokraten 6, Bayerische Volkspartei und Zentrum 5, Eewerbebund 2, Wirtschaftspartei 3, Mieterver­ein 1,Kommunisten 2, Demokraten 1, Protestanti­scher Bürgerblock 3, Deutsche Volkspartei 2, Natio­nalsozialisten 4 Sitze.

In Speyer erhielten die Sozialdemokraten 9, das Zentrum und die Bayerische Bolkspartei zu­sammen 9, Deutsche Volkspartei 5, Kommunisten 2, Demokraten 1, Wirtschaftspartei 2 und National­sozialisten 2 Sitze.

Danzig.

In den Danziger Landkreisen fanden in einer Reihe von Gemeinden Nachwahlen statt, die in­folge der Auflösung der Gutsbezirke notwendig wurden. Nach den bis gegen Mitternacht vorlieaen- den Nachrichten wurden in 29 Gemeinden klare bürgerliche Mehrheiten erzielt. Denen stehen fünf Gemeinden mit sozialdemokratischer Mehrheit ge­genüber. Die Polen konnten in keiner der Gemein­den eine Mehrheit gewinnen. Soweit sich bis jetzt überblicken läßt, sind gegen die letzten Wahlen nur geringfügige Aenderungen eingetreten.

Ost-Oberschlesien.

wtb. kakkowlh, 9. Dez. (Eig. Meld.) Nach dem in der Polska Zachodnia veröffentlichten halbamtlichen Bericht über das Ergebnis der ge­strigen Kommunalwahlen in den ostelbifchen Land­gemeinden entfallen auf die deutsche Lists „Deut­sche Wahlgemeinschaft" im Kreise Knttowitz 9 Mandate gegen 13 im Jahre 1926, im Kreise Tar- nowitz 9 (25), Ludbinitz 11 (78), Schwientochlowitz 63 (111), Bliß 68 (92) und Rydnik 37 (rund 100 Mandate weniger). Die deutsche Sozial­demokratie hat im allgemeinen ihre Mandaie behalten, bezw. in Orten, in denen sie erst 1928 festen Fuß gefaßt und bis dahin überhaupt noch nicht bestand, sogar 8 Mandate gewonnen, so in Rydutal und Schovynitz. Die Koranty-Partei hat verhältnismäßig starke Verluste zu verzeichnen, ebenso die nationalnchnische Arbeitervartei und die polnischen Sozialdemokraten. Endgültige Re­sultate liegen noch nicht vor.