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3. Statt.

Druck der Fuldaer Acklsndruckerei, Fulda.

b e r g e r Gericht. Der Staatsanwalt beantragte mit einem vom Schöffengericht Neustadt a. d. H. ausgesprochenen Urteil von einem Jahr sechs Mo­naten eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Das Gericht verurteilte den An­geklagten zu zwei Jahren Gefängnis un­ter Anrechnung der erlittenen Unterfuchungshaft.

Frankfurter Radio-Programm.

Dienstag, den 10. Dezember 1929.

16.00—16 50: Aus dem Kurhaus Wiesbaden nach Stuttgart: Konzert des Stadt. Kurorchesters Wiesbaden. — 16.50—18.45: Von Stockholm: Verteilung des No­belpreises. — 19.05: Von Stuttgart: „Aus dem Leben der Ueberseedeutschen auf der Mine" (ein Bild von der

. nach wie vor die Zeitschrift

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285.

skag, de« 10. Dezember 1929.

Nuntius Pacelli.

Der neue fiurien-fiarbinaL

[ Von einer besonderen Seite, die das Wirken von Mßuntius Pacesti aus nächster Nähe zu beobachten I Zelegenheit hatte, wird uns angesichts seiner Er- 1 ^biing zum Kardinal geschrieben:

Ungeteilte Freude herrscht nicht nur in Deutsch- Mtznd und in Europa, sondern in der ganzen Kultur- ■®ett über die Nachricht, daß Nuntius Pacelli in den Dhöchsten Senat der Weltkirche ausgenommen wird. M Zeine Erhebung zum Kardinal kommt nicht unrr- jgartet. Schon feit Jahren wußte man, daß Nun- jjur Pacelli wegen seiner überragenden Bedeutung gib feiner hervorragenden Fähigkeiten zum Kardi­al ausersehen war. Nur die langjährige Tätig- kit bei den Konkordatsverhandlungen brachte es int sich' daß er erst jetzt zur Kardinalswürde er­hoben werden kann.

i Der neue Kurien-Kardinal steht im 53. Lebens- jchre. Er wurde am 2. März 1876 in Rom gebo­ren, studierte dann Theologie und wurde bereits jungen Jahren von dem damaligen Papst Dene-

At XV. mit ganz besonderem Vertrauen ausge­zeichnet. Don 1911 bis zum April 1917 war Kar­dinal Pacelli Unterftaatsfekretär, bis der Hl. Ta- |$r ihn als apostolischen Nuntius nach Bayern ■jttfanbte. Im Jahre 1920 dann wurde er Nun» Lsis für das Deutschs Reich.

I Im Rahmen eines Artikels ist es nicht mög. Mch, auf die großen Berdienste von Nunütus Pa- M-elli hinzuweisen, die er sich für das kirchliche Le­ihen in Deutschland wie für die deutschen Katholi- ■ {en überhaupt erwarb. In der Geschichte der deut- I fiten Katholiken wird sein Name für aste Zeiten I mit goldenen Lettern eingetragen sein.

' Wer kannte ihn nicht, den hervorragenden För- I derer der Katholischen Aktion, mit seinem scharf ge- I Msttenen vornehmen Gesichte, seinen klugen Au- I gen, aus denen Güte, Verstehen, starkes Wollen

imd kraftvoller Energie leuchten. Sein liebenswür- diges Wesen, die zu Herzen dringende Kraft seiner Rede — Nuntius Pacelli beherrscht die deutsche Sprache vollkommen — machten ihn beliebt wie selten jemand. Wenn er auf den deutschen Katho- likentagen erschien, jubelte ihm, dem Vertreter des Hl. Vaters, Taufende und Abertausende von gläu­bigen Katholiken zu, lauschten mit Begeisterung sei- I ten Worten, hörten auf seine Mahnungen. Ge-

:ade diese Reden, die wir alljährlich hören dürf­en, sind mit das kostbarste Vermächtnis des nun leider bald aus seinem Amte scheidenden Nuntius Pacelli, aus dem wir für ewige Zeiten Krtsil und ! Stärke holen können für die katholische Betätigung

m Deutschland.

r.llnb so ist es eine selbstverständliche Dantes- Pflicht, die wir kaum in Worte kleiden können, daß die deutschen Katholiken dem neuen hohen kirch- kchen Würdenträger, dem Führer des deutsch.n diplomatischen Korps, unsere von Herzen kom­menden Glückwünsche entbieten für die hohe Aus­zeichnung, die ihm fegt der Hl. Vater zugedacht fat.

1 In diese Glückwünsche flechten wir ein unsere Africhtigen Wünsche für das weitere Wirken von Mntius Pacesti in seinem neuen hohen kirchlichen f Mte. Möge es ihm vergönnt fein, in gleichem «nmermüden Eifer zu sorgen und zu wachen für A katholischen Belange der ganzen Welt, als

Beauftragter des Hl. Vaters, zu arbeiten an der Erneuerung des katholischen Lebens, an der Ver­tiefung des katholischen Glaubens, an der Crwek-- dmg und Verinnerlichung.

Die Glückwünsche finden weithin in ganz Eu­ropa den freudigen Widerhall. Ist doch Nuntius | Pacelli bei allen europäischen Völkern gleich hoch I

Fuldaer Zeitung

angesehen wegen seines unbeirrbaren Gerechtig­keitsgefühls. Kein europäisches Volk gibt es, das nicht in steter Dankbarkeit die zielklare und ziel- bewußte Friedenstätigkeit des neuen Kurien-Kardi- nals dankbar anerkennt. Es gab eine Zeit im Weltkriege, in der Nuntius Pacelli während seiner Münchener Tätigkeit sich als unermüdlicher För­derer des Friedens bewährte, als Persönlichkeit von tief-europäischem Bewußtsein. Im Auftrage des großen Friedenspapstes Benedikt XV. ruhte und rastete er nicht, um einen Ausgleich unter den kriegführenden Völkern zu schaffen, die Kriegsfackel zum Erlöschen zu bringen. Ungezählt ftnb' seine Schritte, bte er unternahm, um ben von schwer­sten Kriegserschütterungen heimgesuchten europäi­schen Kontinent, wie auch bie gesamte Kulturwelt, einem gerechten Frieden zuzuführen. Ja, hätte man auf ihn gehört, wieviel Elend, wieviel Un­glück, wieviel Trauer und Heimsuchung wären den Völkern erspart geblieben. Der Kriegsgeist war aber stärker, als der Friedensgeist. Und tief- ster Schmerz erfüllte den friedensuchenden Nun­tius Pacelli, als er sehen mußte, daß alle seine Be- mühungen vergeblich waren. Und doch erlahmt­er nicht in seiner Arbeit. Sein ganzes vriester- ltches Herz gehörte den armen Völkern, die unter der Kriegsgeißel seufzten und litten. Unvergeß­lich bleiben seine Verdienste auf dem Gebiete echt christlicher Karitas.

Zwei Ereignisse aus der segensreichen Tätigkeit von Nuntius Pacelli für das katholische Leben in Deutschland gilt es noch zu nennen: ben Abschluß des bayerischen und preußischen Konkordates. Wir wollen ihm auch dafür von ganzem Herzen dan­ken, daß es feinen unerreichbaren Energien ge­lang, den Katholiken dieser beiden Länder endlich die Stellung im Staate zu erkämpfen, welche sie in die Lage versetzt, frei und ungehindert religiös sich zu betätigen, welche der katholischen Kirche bas feste Funbament geben für bte kirchliche Arbeit im Dienste des Volkes und des Staates.

Wir kennen aber auch das große Ansehen, das der scheidende Nuntius auch in allen nichtkatholi­schen Kreisen Deutschlands genoß. Wo er als Doyen des - Diplomatischen Korps auftrat, wo er* bei besonderen großen Veranstaltungen erschien, gewann er sofort bte Herzen aller für sich Man sah in ihm eine Persönlichkeit, besten Konzilianz mit lebhafter Genugtuung unb Dankbarkeit emp- funben würbe. Man fühlte ein Herz schlagen, das die Nöte der Zeit erkennt, das ringt und sucht nachj bessernden, reformierenden Methoden, blas Frieben schenken, Frieben verbreiten will.

Unb so sehen wir ben neuen Kurienkarbinal. unseren Nuntius Pacelli, trauernden Herzens von der Stätte seiner langjährigen segensreichen Tätig­keit scheiden. Sein Name bleibt unvergessen, fein Geist wird weiter unter uns leben, wird uns an- etfern; seine Persönlichkeit wird weiterhin unser leuchtendes Vorbild in der katholischen (Staubens« betätigung sein und bleiben.

*

Das Dankschreiben des Papstes an den Reichs­präsidenten von Hindenburg für die Glückwünsche zu seinem 50jährigen Priesterjubiläum hat in deut­scher Uebersetzung aus dem Lateinischen folgenden Wortlaut:

Dem ausgezeichneten und ehrenwerten Herrn Paul von Beneckendorfs und von Hindenburg, dem Dsuffchen Reichspräsidenten.

Pius PP XI.

Ausgezeichneter und ehrenwerter Herr, Gruß und Hell zuvor.

Durch Seine Exzellenz den Deutschen Boffchaster beim Heiligen Stuhle haben Wir zu unserer Freude das Handschreiben erhalten, durch das Du bei Gelegenheit Unseres 50jähirg. Priesterjubiläums Deine Wünsche für

I Unser Glück und Gedeihen zum Ausdruck brachtest, so- | wie das ein Wunderwerk der Kunst darstellende Ge­schenk, das Du in Deinem und des Deutschen Volkes Namen bei dieser Gelegenheit überreichen zu lassen die Güte hattest. Beide so liebenswürdige Gaben, die mit aller Klarheit bezeugen, welche Achtung und welche? Wohlwollen Du und das edle Deuffche Volk dem Apo­stolischen Stuhle entgegenbringen, haben Wir mit der größten Genugtuung entgegengenommen.

Deshalb sprechen Wir aus und bekräftigen Wir aufs neue mit diesem Handschreiben die Gesinnung Unseres tiefgefühlten Dankes, den Wir Dir durch Deinen Bot­schafter bereits haben übermitteln lassen. In diesem Gefühle der Dankbarkeit bitten Wir den Allmächtigen Gott inständig, daß er Dich und Dein Uns so treues Volk Mit seiner göttlichen Macht schützen und beglücken und Dich mit Uns in vollkommener Liebe vereinen möge.

Gegeben in Rom bei St. Peter am 30 Novemb.-r bes Jahres 1929, dem Sten Jahre Unseres Pontifikates.

Pius PP. XT

Das freudlose Zowselparadies.

Auch bie Weihnachtsbäume in Rußland verboten.

Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die Sow- mr?8*erun8 bQS Abschlagen von Tannen zum Weihnachtsfest mit der Begründung verboten, daß durch diese Tradition die russischen Wälder stark beschädigt mürben. Die Moskauer kommunistischen Organisationen haben beschlossen, zu den russischen Weihnachten neue Kundgebungen gegen dieKirchenzu veranstalten. Am 25. Dezember findet in Moskau ein antireligiöser Kar­neval zur Störung der Gottesdienste statt, an dem sich 40 000 Kommunisten beteiligen werden.

* Ern unverbesserlicher Betrüger. Der 34 Jahre alte Kaufmann Konrad B a e ch st ä d t aus F u l d a, der bereits über sieben Jahre Gefängnis wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu verbüßen hatte, stand wegen Betrugs erneut vor dem Heidel-

Westküste Südamerikas). Vortrag von Dr. W. Dra- scher. — 19.30: Von Stuttgart: Bunte Stunde. — 20.00 Aus dem Badischen Landestheater, Karlsruhe: Don Pasquale, Komische Oper in 3 Akten von Gaetano Donizetti. Neu bearbeitet in Text und Musik von O. I. Bierbaum und W. Kleefeld. — 22.30—23.00: Don Mannheim: Hebräische Gesänge. — 23.15—24.00: Von Mannheim: Jazz auf zwei Flügeln

Geburtatagrseier des Geueralfeldmarschallr tum Mackensen.

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Der 80jährige Generalfeldmarschall (X) nimmt die Glückwünsche der Besucher entgegen.

Auf Schloß Falkemralde bei Stettin versammelten sich anläßlich des 80. Geburtstags des General- feldmarschalls von Mackensen zahlreiche Besucher und ehemalige Regimentskameraden, um dem greifen Heerführer ihre Glückwünsche auszusprechen.

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( 44] ------------

Auf Malchens Erzählung folgte ein langes, langes Stillschweigen; Frau Grau machte keine weitere Be­merkung zu dem, was sie gehört hatte. Sie streichelte Mir liebkosend des Mädchens Haare und blickte chr gärt- "ch in das blasse Gesicht, das noch di« Spuren des Schreckens und der Seelenqualen zeigte, die es ausge­standen hatte.

! Malchen sprach zuerst wieder und mit dem Lachen, ®as ihre Pflegemutter schon vorhin erschreckt hatte.

„Sie hat zum zweitenmal es versucht, mich zu er­morden. Aber dieses Mal werde ich sie nicht mehr schützen oder frei ausgehen lassen. Wenn mich jetzt "och jemand fragt, was sich gestern zugetragen hat, so Merde ich die Wahrheit sagen."

Während einer zweiten langen Pause blickte Frau Erau in Malchens Gesicht und bemerkte da zum ersten­mal eine harte, ernste Mene, einen strengen, finsteren Ausdruck in den Augen. Sie schien unschlüssig, ob sie «em Mädchen eine Mitteilung machen sollte, und ent­schied sich endlich dafür.

[ . „Ich glaube, mein Liebling, dir nach allem, was du mir erzählt hast, etwas sagen zu müsten."

„Was ist das denn? Ist etwas Besonders passiert? W Frau Bendler wirklich fort? Oder ist sie doch noch hier?"

, „Nein, sie ist nicht mehr hier. Seit gestern nach- JJttttag war sie schon nicht mehr bei Verftand, und torte in aller Frühe ist sie aus dem Schlöffe geschafft worden — sie ist tobsüchtig geworden."

18. Kapitell

. „Dir muffen doch die Wahrheit schließlich heraus- ekommen," sagte der Baron o. Gönnern mit ernster totschiedenheit.

Frau Grau, die ihm in der Bibliothek auf Schloß Ttainard gegenübersaß, nickte ihm zustimmend zu, doch n war Frau o. Gönnern, di« antwortete:

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„Ich werde auch nicht eher ruhen, bis ich genau weiß, wieso Fräulein Mühe der hitttschen Ahne Richards so ähnlich sehen kann — es ist aber noch etwas ande­res aufzuklären."

„Und was ist das?" fragte Frau Grau.

„Es bezieht sich auf etwas, was die unglückliche Frau Bendler in ihren Rasereien in der Nacht nach dem Unglück im Schloßverließ gesagt hat. Es scheint mir auf eine Beziehung zwischen dem Unfall und Herrn Gotffried Haller hinzudeuten, dem Paten chrer Pflege­tochter, meine liebe Adele, und —"

„Wie kann denn der alte Herr Haller mit dem Un- fall in Verbindung gebracht werden, er ist ja schon fast drei Jahre tot?"

„Ja, das weiß ich, aber in irgendeiner mir noch unverständlichen Weise hat Frau Bendler ihn doch mit dem, was sich im Verließ ereignete, in Zusammenhang gebracht. Ich saß während jener schrecklichen Nacht an ihrem Bette, und jedes Wort chrer Phantasien ist mir in Erinnerung geblieben."

„Was sagte sie denn?"

„Sie wiederholte fortwährend: „Ich habe meine Rache gekühlt, Gotffried, ich habe mich gerächt." Und jedesmal, wenn sie an diese Stelle kam, lachte sie, und das Lachen ließ mir fast das Blut stocken.

„Was hatte sie denn mit Haller zu schaffen?" fragte der Baron.

„Das kann ich dir nicht sagen. Sie muß aber im­mer aufs neue geglaubt haben, er sei neben ihr im Zim­mer. Zuweilen streckte sie die Hand aus, als ob sie ihn willkommen heiße, und sagte: „Na, da bist du ja endlich, Gottfried". Und dann kreischte sie wieder und befahl ihm fortzugehen sie in Ruhe zu lasten und ihr nicht mit seiner Rache zu drohen. Mitunter aber sagte sie auch sehr höhnisch: „Ich habe dich diesmal doch untergekriegt, Gottfried: sie ist tot — tot — tot." Ihre Stimme sank alsdann wieder zum Murmeln herab, als sei sie erschöpft, und ich verstand nur einzelne Worte, wie — der Strom — die Felsen — Rache an Gottfried — Gottfrieds Pläne vereitelt."

„Was du uns erzählst, liebe Helene, beweist, daß zwischen Herrn Haller und Frau Bendler allerdings Beziebunaen bestanden haben muffen, aber das aibt

uns doch nicht den geringsten Anhaltspunkt über die Aehnlichkeit zwischen Fräulein Miche und dem Bilde im blauen Zimmer."

„Nein — es ist mir aber ganz so, ols müßten die beiden Dinge etwas miteinander zu tun haben," meinte Frau von Sönnern nachdenklich. „Ich habe zwar gor keine Gründe für diese Vermutung, sie entflammt le­diglich einem weiblichen Kopf und ist somit ziemlich unlogisch. Immerhin liegt offenbar ein Geheimnis vor, das Frau Bendler, Herrn Haller und Fräulein Mühe umgibt und auch deine Diana Connern mit einschließt. Und das Geheimnis auszullären, soll unsere Ausgabe fein."

,Zch werde sofort nach meiner Heimkehr den alten Ehristian Mühe aufsuchen," meinte Frau Grau, „und wenn ich ihn nur einmal in seinen lichten Augenblicken treffe, werde ich ihn schon ausforschen."

„Andere Mittel und Wege, etwas über Fräulein Mühes Vorfahren herauszufinden, gibt es wohl nicht?"

„Nein, daß ich nicht wüßte, wenn nicht" — Frau Grau stockte — „wenn nicht Frau Bendler Kenntnis von Dingen hat, die wir nicht wissen. Ich fürchte je­doch, daß man sie nicht befragen kann."

„Nein, wirklich nicht. Sie war, wie Sie wissen, vollständig tobsüchtig, als man sie von hier forffchaifte und ich erfuhr heute morgen, daß ihr Zustand sich noch nicht geändert hat. Das schließt jede Möglichkeit aus, sie zu fragen."

„Dann muß ich eben sehen, aus dem alten Christian alles herauszubekommen, vielleicht gibt Ihnen Ihre Familienchronik auch einen Aufschluß."

„Vielleicht Ich werde sie sorgfältig durchstöbern. Mich interessiert die Frage zu sehr, um sie ruhen zu lasten: sie muß gelöst werden."

„Auch mich," erklärte Frau Grau. „Und Christian Mühe soll mich häufig bei sich sehen, sobald wir he-m- kehren. Sie misten." wandte sie sich an die Baronin „daß wir nicht mehr zu mir gehen, sondern zu Mal­chen, die das Herrenhaus als Besitzerin beziehen will."

„Und was wird aus Ihrem eigenen schönen Heim?" „Während unserer langen Reise hatte ich es ver­mietet, und die netten Leute, die dort wohnen, sollen auch noch ein halbes Jahr da bleiben. Malcken meint,

das Herrenhaus müßte wieder geöffnet werden, und ich kann ihr darin nur beipflichten. Sie ist aber doch zu jung, um allein zu hausen, und behauptet, niemand lieber bei sich zu haben als mich."

„Das überrascht mich nicht," meinte die Schloßher- rin in herzlichem Ton. „Es ist aber auch wieder un- gemein gut von Ihnen, Ihr hübsches eigenes Heim noch länger zu entbehren, um mit Ihrem Molchen zusam­men zu bleiben."

„So besondere Güte steckt da gar nicht drin. Ich bleibe nicht mit chr zusammen, weil ich das augenblick­lich für meine Pflicht halte, sondern aus ganz selbst­süchtigen Gründen — sie ist mir so teuer und lieb ge­worden, daß ich nicht weiß, wie ich es ertragen soll, von chr getrennt zu leben."

„Sie ist ein liebenswürdiges und sehr anziehendes Geschöpf. Ich wundere mich sogar, daß Sie sie noch nicht verloren haben, meine liebe Adele. Es ist doch auch nicht wahrscheinlich, daß sie noch lange unverhei­ratet bleibt."

„Ich habe mich schon oft glücklich geschätzt, sie zwei Jahre behalten zu haben, und daß sie noch immer Mi­randa Mühe heißt, ist sicherlich nicht deshalb, weil sie noch niemand gebeten hat, ihren Namen zu verändern. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viele Anträge si» im Laufe der letzten zehn Monate erhalten hat."

„Es hat doch wohl niemand in ihrem früheren Leben ihr Herz genommen?" fragte die Baronin. „Irgend je­mand aus ihrem Stande, den sie nicht zu vergessen ver­mag?"

Frau Grau schüttelte den Kopf.

„Das holte ich durchaus nicht für wahrscheinlich. Je länger ich mit Molchen zusammenlebe, desto schwerer finde ich es zu glauben, daß sie je etwas anderes war als die liebenswürdige, vornehme Dame, die sie jetzt iP und ich frage mich oft, zu welchem Stande sie eigenll-ch gehört. Und doch weiß ich. daß sie einige Monat*, w ich sie kennen lernte bas Mädchen für alles bei ehw Zimmervermieterin vierten Ranges in der HauptstaSt gewesen ist und daß sie ein unglaublich schlechtes und fehlerhaftes Deuffch gesprochen hat."

Fortsetzung folgt.