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Der Vorstand

Dr. Dr. h. c. Antoni, Oberbürgermeister, Vorsitzender.

i

Sonntag, -en S. vezemver isrs.

Fuldaer Zeitung (9lmtl? hes Kreisblatt).

«r. 284.

Von -er Landesbibliothek.

Die Landesbibliothek veranstaltet in der Zeit vom 8. Dezember bis 6. Januar einschl. tagt, von 11—4 Uhr in ihrem großen Saal eine Kunstaus­stellung. Aus ihren eigenen Beständen werden die Denkmäler der Krippenkunst ausgelegt. Auf rund 120 Tafeln werden hier die Prachtstücke alter Krip­penkunst aus Italien, Spanien und Süddeutschland gezeigt, wie sie vor allem die berühmte Schme- derersche Sammlung des Bayerischen National­museums zu München enthält. Es wird damit eine historische Ergänzung zu der jüngst im Kaisersaal gebotenen schönen Krippenschau gegeben. In Ver­bindung damit ist in der Kollektivausstel- lung Lammeyer-Graul Mei heimischen Künstlern Gelegenheit geboten, ihre Werke einem größeren Kreise vorzuführen. Ueber beide Aus­stellungen wird in Kürze besonders berichtet wer­den. Schon jetzt wird darauf hingewiesen, daß die Bibliothek vom 23. Dezember bis 1. Januar geschlossen ist. Es empfiehlt sich deshalb, feinen Lesebedarf für die Weihnachtsferien bald zu decken. $ünf Staaksvatsmilglieder für die Provinz Hessen- Nassau.

Wie wir hören, hat das Preußische Staats­ministerium ungeachtet der Einverleibung der drei Kreise des Freistaates Waldeck in den Regierungs­bezirk Kassel die Zahl der vom Provinzial-Aus­schuß zu wählenden Mitglieder des Preußischen Staatsrats nicht erhöht, sondern bestimmt, daß die Provinz Hessen-Nassau auch weiterhin fünf Ver­treter der beiden Kommunallandtage als Mitglie­der des Preußischen Staatsrates zu wählen hat. Bisher waren als Vertreter für den Kommunal- Landtag des Bezirksverbandes des Regierungs­bezirks Kassel zu Mitgliedern des Preußischen Staatsrats gewählt: Landeshauptmtnn in Hessen Dr. v. Gehren in Kassel, Oberbürgermeister Dr. Antoni in Fulda, Landesrat Häring in Kas­sel. Der am 10. Dezember im Sitzungszimmer des Ständehauses zusammentretende Landesausschuß wird nun den Tag bestimmen, an dem der neue Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Kassel zusammentreten wird. Wie wir hören, ist hierfür die zweite Hälfte des Monats Januar vorgesehen. Dieser Kommunallandtag wird den neuen Landesausschuß wählen, der wegen der Wahl der Mitglieder zum Preußischen Staatsrat Vorschläge machen wird, indem er die für diese Wahl in Vorschlag zu bringenden Vertre­ter benennt, während die Wahl dieser Vertreter zu Mitgliedern des Preußischen Staatsrats bann tver

Fulda, öen 7. Dezember 1029

Das St. $turmius*3ubiläum.

aurn 1150jährigen Jubiläum des hl. S tu r - ■ jus, des ersten Abtes des Klosters Fulda, in Sm auch die Stadt Fulda ihren Gründer verehrt, St der h o ch w. Herr B i s ch o f von Fulda e - n cm die Diözesanen gerichtet. Es 3is,eßt mit dem Wunsche, daß der Geist der Fröm- i SLfeit und des Apostolats, die St. Sturmius aus- ■ Sjchneten, alle Diözesanen durchdringen möge. Das Ajrtenwort lädt zum Besuch der Andachten ein, die

15., 16. und 17. Dezember gehalten werden und Lpar in allen Pfarr-, Kuratie- und Klosterkirchen. Das Hirtenwort wird am 3. Ad­ventssonntag verlesen.

Anläßlich des 1150. Todestages des hl. Stur­mius wird vom Fuldaer Geschichtsverein im schlich­ten Rahmen am 17. Dezember, 20 Uhr im Bürger­oereinssaale auch eine weltliche Gedächtnisfeier stattfinden, auf die heute schon hingewiesen wird. Herr Domkapitular Prof. Dr. Richter wird über den hl. Sturmius und seine Zeit sprechen, während Herr Prof. Dr. B o n d e r a u das Gesamtergeb­nis der bisherigen Bodenforschungen, soweit sie auf die Zeit des hl. Sturmius sich beziehen, erläu­tern wird unter Borführung von Lichtbildern. Der Würde des Abends entsprechend, wird ein Streich­quartett und zwar unter Leitung des Herrn Ober- musikmeisters Hewers, Mitwirken. Wer an der Feier teilnehmen will, ist herzlichst eingeladen.

Zweiter Adventsonntag.

„Bist Du es, oder?" (Ev.)

Oder, oder — ein verhängnisvolles Wörllein. verhängnisvoll deshalb, weil die Menschen eine Leidenschaft haben, es gerade da zu setzen, wo es garnichts mehr zu „odern" gibt. Die Johannesfrage war eine Frage aus höchster Not. Wenn sie denn schon in ihm selber nicht das Werkzeug Gottes und feiner Sendung sahen, so sollten sie doch das heil selber, das unter ihnen stand, nicht auch noch, ver­kennen. Die Meuchen ober, die diese Frage hörten, klammerten sich an das „Oder". Konnte es denn da überhaupt noch' eine Wahl geben, da das heil so offen und unverkennbar darlag? Kann einer die Finsternis wählen, wenn er einmal im Lichte war? Wer aber glaubt, daß die Mehrzahl der Menschen ihr Tun und Lassen nach dem gesunden Menschen­verstand richten, den äfft eine arge Täuschung. Sie finden immer noch ein „Oder", das zur Wahl steht. Soll ich die Wahrheit sagen oder soll ichs nicht? Soll ich ehrlich bleiben oder nicht? Soll ich verzeihen oder soll ichs nicht? Und so ins Unendliche. Immer wird das mit kalten Händen abgewogen, so als habe dieses „oder" ein wirliches Recht. Tatsächlich ist es aber so, daß der ganze Jammer schon auf- gedeckt, der Verrat am einzig Nötigen schon ge­schehen ist, wenn es überhaupt schon in Erwägung steht. Wenn ich nun die Frage stelle: „Soll es Weihnachten werden oder nicht?", so ist die Ant­wort aus jeglichem Munde die gleiche. Gerade diese Antwort schließt aber als Vorbedingung ein, daß man allem falschen „oder" den Abschied gebe.

______ Jodokus.

Handwerks gehören. Hierunter sind zu begreifen die Deckung der Bedürfnisse der Bevölkerung nach Qualitätsware und die Erledigung von Arbeiten, die masfenmätzig nicht hergestellt werden können, sondern der jeweiligen Bedürfnislage des Kunden angepaßt sind. Als Lieferant von Qualitätsware und als Befriediger örtlicher und spezieller Be­darfsdeckung wird also das Handwerk für alle Zei­ten seine Bedeutung behalten.

Im Verlause der Umwandlung der deutschen Volkswirtschaft von einfacheren Formen zu indu- striellen und kapitalistischen Produktionsmethoden sind viele Handwerkszweige verschwunden. Vor­eilige Gelehrte und Praktster haben aus der Be­trachtung dieses Vorganges den voreiligen Schluß gezogen, daß das Handwerk als Produktionsform unrettbar verloren fei und im Laufe der Zeit in einer mechanisierten Produktionsform aufgehen werde. Aus dieser Denkweise sind die vielfachen Versuche zu erklären, die daraus abzielen, den Prozeß durch Errichtung kapitalistischer Gesell­schaften zu beschleunigen. Wir denken hierbei vor allem an die Sozialisierungs- und Kommunali­sierungsversuche, die, auch wenn die geschaffenen Gesellschaften einen geldlichen Erfolg hatten, in den meisten Fällen nur das eine bewirkten, eins große Zahl selbständiger Existenzen zu zerstören, und damit wertvolle seelische Kräfte brachlegten.

Die Bedeutung des Handwerks als Befriediger der örtlich auftretenden Bedürfnisse ist nach den vorliegenden Größenverhältnissen der Ortschaften verschieden. Sie erscheint im Verhältnis zu den anderen Berufszweigen am ausgeprägtesten zu fein vor allem in den Mittelstädten, zu denen auch Fulda gehört. Auf dem flachen Lande treffen wir das Handwerk sehr oft nur in Verbindung mit der Landwirtschaft: ausgesprochene Handwerksbetriebe sind dort verhältnismäßig selten. In den Groß­städten und erst recht m den Millionenstädten sind sehr viele Handwerksbetriebe über das fönst üb­liche Maß hinaus gewachsen, was sich in einer Spezialisierung der Berriebsmethoden und vor al­lem in dem Umstande kennzeichnet, daß der In­haber persönlich nicht mehr mitarbeitet, sondern sich aus die Leitung des Betriebes beschränkt. In den mittleren Städten dagegen treffen wir dasjenige Handwerk an, in welchem der Betriebsinhaber per­sönlich noch sehr viel mitarbeitet, also durch fein persönliches Beispiel wirksam wird. Es ist selbst­verständlich, daß diese Tatsache von großem Nutzen ist für die geschichtliche Aufgabe des Handwerks, den Facharbeiternachwuchs zu erziehen. Auch trägt die persönliche Mitarbeit sehr zur Ausgleichung der sozialen Gegensätze bei.

In den mittleren Städten, auch in Fulda, ist im übrigen das Handwerk im Gegensatz zu den Großstädten noch viel stärker beteiligt an der Ver­waltung der örtlichen Gemeinde durch die Heber» nähme voi Ehrenämtern, wodurch der in der zen­tralen Staatsverwaltung zu beobachtende Prozeß der Verbürokratisierung aufqehalten wird. In den mittleren Städten kommt darum die Mitarbeit des sachverständ.Handwerksnoch am ehesten zur Geltung.

Wenn wir nun die Bedeutung des Fuldaer Handwerks im Rahmen der örtlichen Wirtschaft recht erkennen wollen, so fei der Blick auf die nach* folgende Zusammenstellung gelenkt.

Betriebe Desellen Lebrl. Angestellte

Nahrungsmittelgewerbe.

Bäcker

45

40

48

5

Konditoren

5

7

4

3

Müller

1

9

—

——

Fleischer

42

33

44

10

93

89

96

18

Bekleidungsgewerbe

Schneider

70

65

63

—

Schneiderinnen

41

5

67

—

Mützenmacher

4

2

1

Schuhmacher

53

31

34

—

Sattler

6

6

8

—

Friseure

33

18

30

-

207

127

203

3

Metallgewerbe

Schlosser

21

48

61

4

Schmiede

7

7

10

——

Kupferschmiede

2

2

—

—

Messerschmiede

4

—

1

—

Klempner

12

29

31

1

Graveure, Gold-

u.

Silberschmiede

6

10

6

Mechaniker

33

20

44

——

Uhrmacher

10

5

3

——

Elektriker

14

52

45

——

Büchsenmacher

3

—

—

—

112

173

201

5

Baugewerbe

Maurer

16

547

39

12

Zimmerer

3

40

13

3

Steinhauer

—' ■

——

—

—

Stuckateure

2

71

13

1

Pflasterer

1

33

2

——

Stein-u.Holzbildhauer 7

10

10

—

Maler u. Weißbinder 44

67

92

——

Glaser

11

12

6

—-

Dachdecker

6

18

2

•—W

Ofensetzer

1

——

—

—

Tapezierer und

Dekorateure

4

1

1

——

Schornsteinfeger

3

3

3

——

Polsterer

12

7

9

——

110

809

190

16

Holzgewerbe

Schreiner

40

58

73

——

Wagner

6

7

3

—

Drechsler

1

——

3

——

Küfer

1

——

2

——

Korbmacher

2

4

25

—

Holzschuhmacher

—-

——

——

—

Musikinstrumente

2

*—

52

69

106

— ' »

Provinzial-Ausschuß vornimmt, der sich aus den Vertretern der beiden Landesausschüsse von Hessen- Kassel und Nassau-Wiesbaden zusammensetzt. Die Mitglieder des Reichsrates, deren Zahl, wie w'.r hören, gleichfalls unverändert gelassen werden soll, wählt in öffentlicher Sitzung der Provinzial-Land- tag, der sich aus beiden Kömmunal-Landtagen in Kastel und Wiesbaden zusammensetzt. Es verlau­tet, daß Oberpräsident Dr. Schwander den Pro- v i n z i a l - L a n d t a g, den ersten nach den Wah­len, für Ende Februar ober für Anfang März 1930 nach Kassel zu einer längeren Tagung einbe­rufen wird. Dieser Provinzial-Landtag wird bann auch die Mitglieder des Provinzial-Ausschusses wählen, die ihrerseits die fünf Vertreter der Pro­vinz Hessen-Nassau als Mitglieder des Preußischen Staatsrats durch ihre Wahl bestimmen. §§

3m fast vollendeten SS. Lebensjahr

starb Herr Rentner Eduard Henrich, ein ange­sehener wackerer Fuldaer Bürger. Vor einiger Zeit war es ihm beschieden, das seltene F-'ü der diamantenen Hochzeit mit seiner Ehefrau zu be­gehen.

Ehrung ländlicher Selbstverwalkungsbeamten.

Bom Verband der Preußischen Landgemeinden wurde nachstehendem Herrn für langjährige treue Dienstleistung eine Ehrenurkunde verliehen: Ge­meindeschöffen Damian Greif in Welkers, Kreis Fulda für 30 Jahre.

Taten beweisen i

Wohl noch feiten hat man die soziale Span­nung in unserem Volke so deutlich und so ver­derbendrohend wahrgenommen rote in diesen letz­ten Wochen des Jahres 1929. Zwar gibt es auch jetzt noch Leichffinn und unverantwortliche Ver­gnügungssucht. Aber die Mehrheit unseres Volkes spürt doch, welche Krisen wirtschaftlicher und

polii scher Art wir durchleben und welche Gefah­ren ms umringen. Wenn die sozialen Gefahren geb. nut werden sollen, dann brauchen wir Ta- t e n. Mit W o r t e n ist n i ch t s mehr zu machen. Mag auch hier und da noch einer der in Not Ge­ra! men so töricht fein, von tönenden Worten etwas zu erwarten; auf die Dauer werden die Bedräng­ten doch einsehen, daß nur die ihre wahren Freunde sind, die durch Taten ihnen zu Hilfe kommen. Wec erkannt hat, daß nur die Tat in unserer kritischen Zeit etwas zu bedeuten hat, der öffne jetzt seine Hand fürdasWeihnach tsliebes- werk 192 9. Nur auf diesem Wege kann etwas geschehen, um das Weihnachtsfest zu einem Fest des Friedens zu machen. Aus leeren Stadt­kassen wird auch der wortgewaltigste Agitator nichts herausholen. Die Notleidenden werden in ihrer Mehrzahl gut einsehen, daß jeder schlichte Mann, der für das Hilfswerk fein Scherflein bei» gesteuert hat, ihnen ein besserer Freund ist, als wer große Programme entwickelt, die finanziell vollständig undurchführbar sind.

Der „Kupferne Sonntag“.

Am morgigen 2. Adventssonntag werden in der Stadt Fulda, aber auch in den Ortschaften des Landkreises Fulda, die Geschäfte von 1 Uhr nach­mittags bis 6 Uhr abends geöffnet fein. Die Ge­schäftswelt hat sich in jeder Beziehung für das Weihnachtsgeschäft gerüstet. Mögen die Hoffnun- nungen, die auf dieses Jahr gesetzt werden, sich möglichst erfüllen.

Wer eines Ratgebers für ein geplantes Weih­nachtsgeschenk bedarf, sei auf den reichhaltigen Anzeigenteil der heutigen Nummer der Fuldaer Zeitung verwiesen. Sie umfaßt insgesamt 20 Seiten.

Fuldaer Geschichts-Verein

Eniwilklullg und Bedeutung des Ndaer Handwerks.

Don Dr. W. Snsgraber, Syndikus des Handwerks- u. Gewerbeamtes Fulda.

Auch wer vom inneren Wesen der Handwerker­arbeit und ihrer kulturellen Bedeutung für die ge­samte Nation eine nur verschwommene Vorstel­lung hat, muß bei der Betrachtung des altertüm­lichen Städtebildes non Fulda zu der Ueberzeu- gung gelangen, daß schon zur Zeit der Blüte des mittelalterlichen Zunftwesens das Fuldaer Hand­werk in allen feinen verschiedenen Zweigen zu einer bedeutsamen Entwicklung aufgestiegen ist. Die vielen Kunstschätze, die uns in Gestalt der Bau­ten und Denkmäler aller Art, in Pergamenten und Urkunden und in den zahlreichen Gebrauchsgegen­ständen vergangener Zeiten hinterlassen sind und die dem Sammler und dem Kunstkenner einen dauernden inneren Genuß verschaffen, sind ein le­bendiges Zeugnis dafür, daß auch das Fuldaer Handwerk in vergangenen Jahrhunderten feinen Mann gestanden hat. Es ist indessen nicht Auf­gabe des Verfassers dieser Zeilen, die Bedeutung des Fuldaer Handwerks in längst vergangene Zei­ten zu schildern; naheliegender für ihn ist die Er­örterung der Frage, ob sich das Fuldaer Handwerk auch heute noch als ein bedeutender Faktor des heimischen Wirtschaftslebens darstelst und welche Aussichten bestehen, um diese Bedeutung des Ful­daer Handwerks nicht nur zu erhalten, sondern sogar noch zu steigern.

Auch heute, also in einer Zeit, in welcher das Schlagwort von der Notwendixffeit der Anwendung amerikanischer Produktionsmethoden wie eine Seuche in Deutschland herumgeht, verdient der Umstand nachdrückliche Erwähnung, daß dem Handwerkerstände als der dezentralisierten Pro- duktionsform nach der kulturellen und der ethi­schen Seite eine nicht zu leugnende große Bedeu­tung innerhalb unseres volkswirtschaftlichen Lebens beizumeffen ist. So berechtigt wir find, mit Stolz auf die Leistungen unserer Industrie zu blicken, so sehr muß festgehalten werden, daß alle geisti­gen und technischen Leistungen unserer industriellen Größen nahezu zur Ergebnislosigkeit verurteilt sind, wenn das Handwerk seiner seitherigen Aufgabe nicht mehr gereäjt werden kann .nämlich der In­dustrie die große Masse des Facharbeiternachwuch­ses zu liefern. Wohl ist es wahr, daß die Indu­strie mit unleugbarem Erfolge sich bestrebt, auch ihrerseits zur Erziehung eines gut ausgebildeten Jndustriearbeiternachwuchses beizutragen: doch

bleibt wohl für alle Zeiten es eine Hauptaufgabe des Handwerks, die Lehrlingsausbildung praktisch durchzuführen.

Industrie, Landwirtschaft und Handwerk zu­sammen sind die sogenannten schaffenden Stände. Sie sind die Säulen der Volkswirtschaft, ohne die eine geordnete Staatswirtschaft nicht denkbar ist. Von ihrer Produktionsfähigkeit ist das Wohl­ergehen breitester Schichten des deutschen Volkes abhängig, die entweder direkt oder nur indirekt im Dienste der Produktion stehen oder für deren Ab­satz sorgen. Ohne die Produktionsfähigkeit der schaffenden Stände ist auch eine Sicherheit der deutschen Währung nicht möglich. Das umlaufende Geld ist ja im Grunde genommen weiter nichts als der Ausdruck dafür, daß die schaffenden Stände einen Gütervorrat erzeugt haben, an dem alle Schichten der Bevölkerung Besitz ergreifen. Sv beruhte der Wohlstand und Aufstieg des deutschen Volkes der Vorkriegszeit nicht zuletzt darin, daß das Handwerk in feinen vielen Verzweigungen und Verästelungen der Vermehrung des Güterbestan­des in der Form von Bauten, Einrichtungsgegen­ständen, Möbeln, Kleidern, Schuhen u. a. m. nach besten Kräften diente. Die ethische Bedeutung der dezentralisierten Produktionsweise, wie sie sich im Handwerk darstellt, beruht vornehmlich darin, daß der Handwerker sich tagtäglich bemühen muß, den gefahrdrohenden und wechselvollen Ereignissen des täglichen Lebens durch fortgesetzte Anspannung al­ler Geistes- und Körperkräfte erfolgreich Trotz zu bieten. Gerade die Tatsache, daß der Handwerker die Gefahr des täglichen Unterganges vor sich sieht, wenn er nicht feine Pflicht und SchuldigSeit tut, ist das Geheimnis für die große Zähigkeit, mit der die große Maffe auch der kleinsten Handwerker die Selbständigkeit aufrecht zu erhalten weiß. Darum würde ein wertvolles, kulturelles Gut verfchwin- den, wenn durch Aufsaugung der immer noch zahl­reichen handwerklichen Existenzen die Zahl der Un­selbständigen vergrößert würde. Gewiß ist zuzu­geben, daß die massenmäßige Erzeugung von Gü­tern durch die industrielle, d. h. zentralisierte Pro­duktionsform in sehr vieler Beziehung ihre Be­rechtigung hat. Doch muß man sich davor hüten, diese dezentralisierte Produktionsform auch auf den Gebieten zu bevorzugen oder anzuwenden, die ihrer Bestimmung nach in den Arbeitsbereich des

Gedächtnisfeier'

an den 1150. ffodesta# des <KL Stuanius

am Dienstag) dem 17. Dezember 1929, 20 Uhr im Bürgervereinssaale.

1. Vortrag des Herrn Domkapitulars Professor Dr. Richter über den Hl. Sturmius und seine Zeit.

2. Vortrag des Herrn Professors Dr. Vonderau über die baulichen Anlagen in Fulda aus den Tagen des Hl. Sturmius.

3. Musikalische Darbietungen durch das Streichquartett des Trompeterkorps d. Artillerie-Regiments.

Zu dieser Veranstaltung ist jedermann herzlichst eingeladen. Saal ist geheizt! Eintritt frei!

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