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t. 283.

MSkag, den 7. Dezember 1929.

Agrar-Vorlagen.

Von Johannes Blum, M. d. R.

Den Dauern geht es schlecht. Das wird allge- anerkannt. Auch zeigt man sich in allen Karteien von rechts bis links geneigt zu helfen, -b-r über die Mittel ist man sich nicht einig. Das ■ £ jn kurzen Worten der Stand der Agraraktion. " Ja, Aktion — im großzügigsten Sinne des «Zortes — müßte es schon fern, wenn man die I Arsche Agrarkrisis beheben oder doch so wesent- «ck mindern will, daß sie von den Dauern ev- • tragen werden kann. Politik auf weite Sicht. Die bat aber wieder stabile Koalitionen und eine larauf gestützte Dauer-Regierung zur Voraus- lktzung. Aber auch innerhalb einer solchen Regie- uit<5 müßte schon «ine einheitliche klare Linie volkswirtschaftlicher Einstellung vorhanden sein.

Die ist nicht da. So hilft man sich mit Not- fvrogrammen und Einzelmaßnahmen. Die bringen attade so wenig einen Erfolg, wie das Vordrin- L eines Heeresflügels den Sieg in der Schlacht schon bedeuten kann. Aber soll man darum Teil- ektionen ablehnen. Durchaus nicht.

Wir leben nun einmal in einer Etappenzeit. Mr kommen auf allen Gebieten nur schrittweise ,oran. Somit sind wir auch allen dankbar, die Ljt uns wenigstens diese Etappen schaffen und Bibern helfen.

| Die Zollvorschläge des Reichsernährungsmini- tsstts beziehen sich in erster Linie aus die Bewirt- lichaftung des Getreides. Wir scheiden da Brot- Igekeide und Futtergetreide. Die Weltgetreide- I Erzeugung ist heute überall, auch da, wo sie ftüher ! extensiv war, zur intensiven übergegangen. Da­her werden wir Uebererzeugung haben und be­halten, auch wenn einmal Mißernten hier und ioit entstehen. Der Weltverbrauch kann die Welt- nzeugung nicht aufnehmen.

Aber der Verbrauch an Brotgetreide mindert Ich auch, besonders in Deutschland. Es vollzieht ich eine vollständige Verschiebung in der Er­nährung, und zwar in der Richtung von der schwe- irren zur Feinkost.

Der Minderverbrauch an Roggenbrot ist nur 25—30 Prozent, der an Weizenbrot nur 15 Proz. - Dagegen hat sich der Konsum und die Einfuhr an Südfrüchten um das Vierfache gesteigert. Ge-

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Acliendruckerel, Fulda.

Slliili

Prof. Louis Lewin,

M berühmte Erforscher der Gifte, ist im Alter m 79 Jahren gestorben. Er war Professor an Iler Berliner Universität und galt als Autorität für 'ttte Fragen der Toxikologie. Auch als gerichtlicher kachoerständiger hatte Prof. Lewin oft Gelegen-- feit, sein gefährliches Wissen in den Dienst der Rechtsfindung zu stellen. !

gen Mode und Geschmack Helsen keine Mahnungen, i Jn manchen öffentlichen Gebäuden hängen Pla- I kate mit der Aufschrift: Eßt Roggenbrot. Die 1 müßte man schon zweckmäßiger in die Sahnekuchen- Cafes aufhängen. Aber da würden sie auch nicht beachtet werden.

Da kann nur eine entschlossene Handelspolitik Wandel schaffen, Erfolge haben. So etwa ä la Mussolini. Er läßt in Italien ein Emheitsbrot backen aus inländischem Getreide und sperrt das ausländische Feinmehl.

Die Debatte über wirklich wirksame Mittel zur Abwehr ausländischer Getreide-Einfuhr, zur Hebung der Preise für das Inlandsgetreide ist noch nie zu einem einheitlichen Resultat gekommen. Monopol oder Zölle, so stand, so steht die Streit­frage noch immer.

Außer den grundsätzlichen sprechen so viele technische Bedenken gegen ein Monopol, daß wohl kein verantwortlich sich fühlender Politiker und Wirtschaftler den Mut haben würde, ein solches einzuführen, selbst wenn dazu eine parlamen­tarische Majorität sich fände.

Es bleiben denn Zölle. Kein Allheilmittel, kein sicheres Mittel. Diese Parolen sind so sehr Allgemeinüberzeugung, daß man sie gar nicht mehr erwähnen darf. Bei den Zöllen ist zu aller Zeit gestritten worden über die Höhe und die Art derselben.

Niedrige Zölle — etwa auf der Grundlage von 5.— Mark pro Zentner — nutzen gar nichts. Ein­mal hat das einführende Ausland immer nur so viel niedrigere Erzeugungspreise; dann aber wer­den solche Zölle von Uebersee her einfach durch Dumping abgelöst. Stellt man die Zölle etwa aus die Grundlage von 10 Mark, so wird schon ein besserer Ausgleich für die billigeren Erzeugungs­kosten der Konkurrenzländer geschaffen. Dann wird man sich sehr überlegen, ob dagegen ein Dumping durchzuführen und aufrecht zu erhalten ist. Es würde sich das Dumping schon gegen die Ueber­erzeugung richten und so ein normaler Ausgleich zwischen Welterzeugung und Weltkonsum allmäh­lich sich gestalten.

Dann bewegt sich die Diskussion über feste oder gleitende Zölle. Das ist auch eine alte Streit­frage, die so oft zur Debatte stand, als es galt, Zolltarif« zu machen und Handelsverträge zu schließen. Man hat sich früher immer gegen glei­tende Zölle entschieden. Sie sind ein Anreiz für die Spekulation. Den Nutzen haben auch zumejst die Spekulanten und nicht die Bauern. Diese Bedenken bestehen auch noch heute. Aber wir haben ja schon den gleitenden Zoll beim Zucker. Wenn er 21.— Mark notiert oder mit Lager­spesen 22,35, soll der Zucker von 25.— Mark den Salto-Mortale-Sprung auf 10.— Mark machen. Allerdings kann man der Gefahr einer öfteren Spekulationsverschiebung des Zolles dadurch be­gegnen, daß man den Preis, bei dem der gleitende Zoll nach unten rutschen soll, so hoch setzt, daß er auf dem Welt- und Jnlandmarkt nicht oder nicht oft erreicht wird. Gemäß der Vorlage der Regie­rung soll der Normalpreis für Weizen mit 25,— bis 27/ Mark je Doppelzentner angenommen werden. Bleibt es bei diesen Preisen, soll auch der bisherige Zoll von 7,50 Mark bleiben. Unter­schreiten die Weizenpreise die untere Grenze von 23.- Mark, soll der Zoll auf 9,50 Mk. steigen. Ueberschreiten aber die Wei'envreise Ml. 27,— pro Doppelzentner, soll der Zoll auf 5,50 Mark herabgesetzt werden.

* Die Zersetzungspolitik der Kommimisten. Die ^Kommunisten, das muß man offen zugestehen, lentfalten in der letzten Zeit «in« äußerst rege iPropagandatätigkeit, welche große Ge­

fahren im Gefolge haben kann. Für das politische, wie für das wirtschaftliche Leben. Augen­blicklich sind die Gefahren auf letzterem Gebiete größer. Ueberall machen sich bei den freien Ge­werkschaften große Zersetzungstendenzen bemerk­bar, zurüHuführen auf das hetzerische Treiben der Kommunisten, welche ihre Parteizellen auch in die wirtschaftlichen und industriellen Betriebe ver­pflanzen und durch sie „wilde Streiks" Hervor­rufen wollen. Diese Störung des Wirtschafts­friedens, diese Radikalisierung der Arbeitnehmer­schaft soll ihnen dann als wirksame Waffe die­nen für die Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Dabei schrecken sie nicht vor Gewalttaten zurück. In den letzten Tagen wurden auf dem Reichskon­greß der revolutionären Gewerkschaftsopposition neue Richtlinien aufgestellt, welche „die Auflö­sung und Führung von Wirtschaftskämpfen durch die revolutionäre Gewerkschaftsopposition neue Richtlinien aufgestellt, welche „die Auslösung und Führung von Wirtschaftskämpfen durch die revo­lutionäre Gewerkschaftsopposition" bezwecken sol­len. Diese Politik soll den „revolutionären Vor­marsch der Arbeiterfront" und die „Propagierung des wilden Auszuges aus den Betrieben" ver­folgen. Vergebens bemühen sich die Führer der freien Gewerkschaften, diesen Zersetzungsprozeß auf­zuhalten, der nur dazu dient, den wirtschaftlichen Aufftieg zu verhindern und die Arbeiterschaft neuem Elend auszuliefern. Eine eigene revo­lutionäre Gewerkschaftspresse wird geschaffen. Das sind Gefahrenmomente, die schärfst« Beobachtung und wirksamste Gegenmaßnahmen erfordern.

Sie Auswertung der eebensverfichemuseu.

Von cand. jur. Paal Schaefer, Fulda.

Wenn man die beiden Worte Lebensversiche­rung und Aufwertung im Zusammenhang hort, nimmt man diesen gegenüber eine etwas sleptlsche Haltung ein. Es sind nun über vier Jahre her. daß das Aufwertungegesetz vom 16. Juli 192-j (Reichs-Ges.-Blatt I S 117) in Kraft getreten rst. Hiernach ist die Aufwertung gewisser Arten von Ansprüä-en, wie z. B. die hypothekarisch gesicherten Ansprüche, verwirklicht worden. Nicht aber ist die Auswertung der Versicherungsansprüche im Sinne der §8 59 ff. des genannten Gesetzes bis zum heu­tigen Tage erledigt worden. Worin hat das fei­nen Grund?

Dis erste Voraussetzung für die Auswertung von Versicherungsansprüchen ist die, daß vor allen Dingen das Vermögen der Versicherungsunterneh­mungen, wenn auch nicht ganz, so doch zum größ­ten Teil aufgewertet sein mutz, weil ohne diese Aufwertung nicht errechnet werden kann, was dem einzelnen Versicherten zufallen wird. Zweitens erfordert die Errechnung der einzelnen Auswer- tungsquoten einen ebenso ungeheueren wie müh­seligen Aufwand an Arbeit, die man sich kaum vorstellen kann, und die im Vergleich zu Spar­kassen z. B. viel größer ist als bei der in Frag« kommenden von Versicherungsgesellschaften.

Die Versicherungsgesellschaften haben, um die Versicherungsgelder rentabel anzulegen, den Ge­meinden, Kreisen oder anderen öffentlichen Verbän-

Die größte Drücke Deutschlands dem verkehr übergeben

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Oben: Die Einweihungsfeier vor dem Fährgasthaus der Warthebrücke. Unten: Die neue Brücke.

Vor einer großen Menschenmenge wurde die größte Brücke Deutschlands, die neue Straßenbrücke über die untere Warthe bei Fichtwerder, von den Vertretern der Behörden feierlich dem Verkehr übergeben. Die Brücke, deren Bau 3 Millionen kostete, hat eine Länge von über 700 Metern.

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Roman von M. W. So pH ar.

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' „Ich kann nicht von hier fort," entgegnete Frau (Brau und raffte sich mit hastiger Gebärde aus seinen schützenden Armen. „Wenn mein geliebtes Kind, mein Molchen, dort unten ist, so wlll ich warten — bis — bis wir das Schlimmste wissen."

Fritz Distelman unterließ jeden weiteren Versuch, sie Ron der grausigen Stätte fortzugeleiten. So stand sie neben ihm während dieser qualvollen Minuten, die wie stunden schienen — nein, wie Tage, Monate.

Endlich, endlich erschallten laute Schritte und Stim­men, man sah das Aufblitzen von Fackeln und Lichtern <tuf der Treppe, und einen Augenblick später wurden die Umstehenden von einer Anzahl erregter, HUfsbereiter Diener umringt, die von Max Anstrut geführt wurden und denen die Damen folgten, die bisher oben gestanden hatten.

Austritt hatte ein starkes. Sell mitgebracht, und der Haushofmeister trug eine lange hözerne Stange, an deren Spitze sich ein Haken befand, wie man sie zum Offnen und Schließen hochgelegener Fenster gebraucht. 5 Frau v Sönnern trat bleich und aufgeregt zu chrem ®atten heran.

„O, Richard, was ist denn geschehen? Frau Bendler st wie eine Wahnsinnige und — wo ist Fräulein Mühe? ^ich habe Diener mitgebracht — falls —"

Ihre Stimme erstarb, als sie ringsherum die ernsten Gesichter sah, Zeugin der von Anstrut und Distelman in Angriff genommenen Vorbereitungen wurde, und wie fie bann bemerkte, wie alle Blicke sich auf die Mündung des Derließes richteten

„Sie ist doch nicht dort unten?" brach es dann von stren Lippen. „Sie kann doch nicht da hineingefallen fein _ da hinein?"

Auch sie lehnte sich jetzt gegen das Geländer und sah m die dunkle Tiefe, die in diesem Augenblick durch die öielen Lichter, die jetzt im Raum leuchteten, noch dunkler Whcil

„Es mutz jemand mit hinuntergelassen werden," sagte der Schloßherr. „Wenn sie dort — überhaupt zu erreichen ist — so muß sie bewußtlos sein, oder sie hätte uns rufen hören. Es muß jemand hinunter."

„Ich wlll," rief Distelman eifrig und schlug das Seil­ende fest um feinen Körper. „Seien Sie nur sehr vor­sichtig, wenn Sie mich hinunterlassen; das Seil muß ganz langsam gleiten, damit ich nicht etwa auf Fräulein Mühe stoße und sie hinabstürze, wenn — wenn sie noch oben ist," fügte er leise hinzu.

In einem gespannten Schweigen, daß man es förm­lich fühlte, wurde das Sell an einem gewaltigen eisernen Ring befestigt, der in der Mauer hing, und bann von den übrigen Herren und Dienern gehalten, während sich Distelman langsam und mit größter Vorsicht über den Rand des Verließes hinabgleiten ließ, und in noch tie­ferem Schweigen beobachteten die am Geländer Stehen­den, wie er allmählich immer weiter nach unten kam und dann allen Blicken entschwand. Laternen und Fackeln wurden über die Oeffnung gehalten, aber ihr Licht drang doch nicht tief genug, um für die oben stehen­den Beobachter von praktischem Wert zu fein, und außer der beständigen Bewegung des Seiles, das di« Leute, die es hielten, langsam weitergleiten ließen, war van Distelmans Fortschritt nichts zu bemerken. Abermals kam es denen, die in furchtbarem Zweifel und Grausen warteten, vor, als müßten Jahre verstrichen fein, ehe sich ein dumpfes Geräusch hören ließ, das aus der Tiefe kam. Im selben Augenblick blieb das Sell ruhig, nach­dem es zuvor einen scharfen Ruck erhalten, der es den Händen der Haltenden fast entrissen hätte.

Noch einmal kam aus der Tiefe der unbestimmte Laut, und dann wurde das Seil plötzlich so fest ange­zogen, daß einer der vorne stehenden Diener das Gleich­gewicht verlor. Zu gleicher Zeit klang die Stimme aus der Tiefe deutlicher, und Anstrut, der sich weit über bas GAänder hinab gebeugt hatte, vernahm die Worte:

„Zieht hinauf — schnell!"

Der Befehl wurde von ihm schnell wiederholt, die Leute am Ring an der Mauer arbeiteten mit allen Kräf­ten, und wenige Augenblicke später wurden die mit vor- gestrecktem Halse Zuschauenden des glatten braunen Kopfes und der breiten Schultern von Fritz Distelman

ansichtig, und bann tanzte das Licht über rote Haar- maffen, u. ein nicht zu unterdrückendes Freudengefchtei erscholl, als man sah, daß auf dem Arm des jungen Mannes das totenblasse Gesicht von Malchen Mühe ruhte.

Distelman selbst aschfahl und von Schweiß bedeckt; dunkle Linien unter feinen Augen, er rang nach Atem, und sobald er die Oberfläche erreichte und eifrige Hande ihn von der leblosen Last des Mädchens befreiten, sank er auf dem Steinboden vor Erschöpfung ohnmächtig zu­sammen.

Liebevolle Arme trugen Molchen ins Schloß, hinauf in ihr Zimmer und legten sie auf ihr Bett, wo fie stun­denlang bewußtlos und fast ohne zu atmen verharrte.

Nachdem Distelman wieder an die frische Luft ge­führt war, erholle er sich rasch und war imstande, eine kurze Erklärung zu geben. Aber nur wenig war es, was erjagte.

„Fragen Sie mich nicht zu viel", gab er den ihn Umringenden auf ihr eifriges Verlangen zur Antwort. ,Hch kann über das Gräßliche nicht sprechen, es läßt sich mit Worten gar nicht schildern. Ich weiß nur, daß ich fühlte, als ich in die Dunkelheit hinunter kam, daß dort jemand, dicht an der Mauer fein mußte — ich nahm sie in meine Arme und rief nach oben, mich hinaufzuziehen. Das ist alles. Ums Himmelswillen, sprechen Sie nicht mehr davon."

Wenn ein fo starker junger Mann davor zurück- schreckte, über den dunklen, grauenhaften Schacht zu sprechen, fo konnte es nicht überraschen, daß Maschen, als sie endlich aus der stundenlangen Bewußtlosigkeit erwachte, es rundweg ablehnte, das Thema ihres schreck­lichen Unfalles überhaupt zu erwqhnen.

Frau Graus Gesicht war bas erste, auf das ihre fchreckensvollen Augen fielen, als diese langsam öffnete.

„Sie sind es?. Ich glaubte, der Tod — der Tob —", sie bebte am ganzen Körper, und ihre Augen schlossen sich wieder, während fich Frau Grau liebreich über fie beugte und ihr bas Haar aus dem Gesicht strich.

„Ich bin hier bei bir, liebes Kind", sagte sie, und ihre sanfte Stimme übte den beruhigendsten Eindruck auf des Mädchens angstvollen Zustand. „Du bist nicht mehr

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in Gefahr. Du liegst in deinem Bett, ich stehe neben bir."

„In meinem Bette." Ihre Augen öffneten sich wie­her, sie richtete sich langsam auf und blickte verwundert im Zimmer umher. „Ich dachte der Strom käme immer näher und näher und die Dunkelheit — ach, bringe mich aus der Dunkelheit heraus." Sie drückt« eine Hand an die Augen, sank zitternd in die Kissen zurück und griff fieberhaft mit der freien Hand nach Frau Grau, indem sie sich wie ein verschüchtertes Kind an fie schmiegte. ,

Während der Nacht traten ähnliche Krampferschei- nungen mehreremal ein, und erst gegen Morgen versank fie in einen schweren Schlaf, aus dem sie nicht früher erwachte, bis die Helle Sonne ins Zimmer schien. Frau Grau, die noch neben ihr wachte, bemerkte zu ihrer Freude, daß die Augen des Mädchens den Ausdruck der Furcht verloren hatten, auch war ihr Verhalten ruhiger.

„Weshalb sitzest du hier?" war ihre erste Frage dann flutete ihr die Erinnerung wieder zu, und sie flüsterte heiser:

„Ach, ich weiß, — ich weiß, aber frage mich nicht. Niemand soll mich fragen. Ich kann dir nicht sagen was, wer, ich kann nicht darüber sprechen," schloß sie plötzlich, und ihre Augen schweiften unbehaglich durch das Zimmer, als ob sie fürchtete, etwas Gräßliches zu sehen.

Genau dasselbe wiederholte sich, als fie später am Tag hinunter ging und seitens aller Gäste herzlich be­grüßt wurde. Bei der ersten leisen Frage nach dem Er­eignis des gestrigen Tages wurde sie blaß, ihre Au­gen weiteten sich vor Bestürzung, und sie sagte schnell:

„Bitte — bitte, fragen Sie mich nichts — *4 — kann nicht darüber sprechen. Fragen Sie mich nicht."

Gegen Fritz Distelman drückte sie ihre Dankbarkeit Ichlicht und ruhig aus, aber auch ihm sagte sie n:cht mehr. Sie konnte es eben nicht ertragen^ über den Unglücksfall zu sprechen. Jedermann im Schlosse re­spektierte ihre Wünsche, und sie wurde von keinen Fra­gen behelligt.

lFortjetzung folgt)