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leichlerung der Ehescheidung?

»ickskanzler a. D. Dr. Marx, M. d. R.

III,

haben in den vorhergehenden Aufsätzen ,en einer Erleichterung der Vorschriften des n Gesetzbuches über die Ehescheidung , ’-nt. Wir können und wollen nicht Der« L‘o6 auch in katholischen Kreisen vielfach um geäußert wird, man könne angesichts Bänderung der gesellschaftlichen und wirt- n Lage, die die Zeit so mit sich gebracht mehr an der strengen Auffassung der Kirche, daß die Ehe unauflöslich sei. Man müsse der Entwicklung der Dinge „na tragen. Ja, man hört sogar die Mei- werde die katholische Kirche selbst tn engen Vorschrift auf die Dauer nicht fest- 'können, sie werde eine Erleichterung selbst n müssen, wenn nicht ganz schlimme Foi- fiir das katholische Volk eintreten soll-

i6 letzteren Gedanken können alle diejenigen, etwa erwägen sollten, ruhig fahren lassen!

^gten sich mit aller Bestimmtheit darauf t>er= "daß die katholische Kirche niemals, solange behaupt besieht, und das ist nach unserer fei« Ueberzeugung bis an das Ende der Welt ll, von ihrer auf Christus selbst zurückgehen- jßarschrift irgendwie abweichen wird. Es sind Ar ja auch nicht nur kirchliche oder moralische Mchtspunkte maßgebend.

Unzweifelhaft richtig ist, was ein sehr angese­hener Moralist sagt: „Die Unantastbarkeit des Mchen Bandes ist eines der lebenswichtigsten Mer der menschlichen wie der staatlichen Ge- inernschaft. Wenn die Ehe auch durch den Privat­villen der Parteien zustandekommt, so dient die

rcskag. den S. Dezember 1929.

Wider vom Tage.

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Obermusikmeister Schmidt tobe zum Nachfolger des kürzlich verstorbenen Kichswehr-Musikinspizienten Hackenberger ernannt

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Professor Bruno Waltere _____

kr ehemalige musikalische Leiter der Städtischen ßpcr Berlin ist von der Direktion des Leipziger Mwandhauses als eriterDirigent engagiert worden. WMWrSWMWlrl

Roman von M. W. S o p h a r.

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I ,3a, mehrere Male. Die Geschichte scheint er Mal- 1 He» während eines kurzen lichten Augenblickes erzählt I ij* haben, denn wie oft ich ihn auch besuchte, so ist sein I Mt niemals klar genug gewesen, um mir irgendetwas I Zusammenhängendes zu antworten."

W »Aber selbst, wenn es Ihnen gelingt, die Verwandt- I^llft zwischen Ihrer reizenden Pflegetochter und dem I Ein Haller festzustellen, so hilft mir das doch um kein I Ma mit Bezug auf ihre Ähnlichkeit mit der unglück- ■ Wn Baronin Diana. Der Fall ist mir aber so inte« ■ telfont, daß ich mich mit meiner Familienchronik ein- I behend beschäftigen werde, um ihn doch vielleicht aufzu- aaren."

»Ich werde meinerseits den Versuch wiederholen, den Een Christian Mühe bei klarem Verstand anzutreffen, El Malchens Beziehung zur Familie Haller genau fest- Wellen," entgegnete Frau Grau, als der Baron die W des blauen Zimmers wieder abschloß und sie beide W beeilten, der übrigen Gesellschaft zu folgen.

16 Kapitel.

»Und das hier ist das berüchtigte Schloßverließ." Die ^uwme des Barons v. donnern hallte unheimlich von tn Steinmauern und dem gewölbten Dache des unseli- schlecht erleuchteten Kerkers wider, in dem er mit !etnen Gästen versammelt war, und seine Worte wur- Jn mit einem Stillschweigen ausgenommen, das durch ,le trübe und niederdrückende Umgebung verursacht zu schien. Die Gesellschaft hatte die oberen Zellen, die Eer dem Erdboden lagen, besichtigt und war von diesen "nig einladenden stillen Orten über eine schmale, zum J’1 eingebrochene Treppe in das unter der Erde belind- Ae Verließ gelangt, dos in vergangenen Zeiten zum terbezimmer für manchen Feind des Cönnern'schen ^schlechtes geworden war.

.Das Tageslicht, das durch ein vergittertes Fenster DEN, war sehr spärlich. Das Gitter lag ganz hoch in

Fuldaer Zeitung

3. BK

Druck der Auldaer Acktendrackerei, $ulou.

Ehe doch in erster Linie nicht Privatinteressen der Parteien, fondern den großen sozialen Aufgaben der Menschheit. Diese soziale Bindung der Ehe untersteht weder der Willkür der Ehegatten, noch dem Gutbefinden der staatlichen Autorität." Das ist der zweifellos unerschütterliche Grundsatz der katholischen Auffassung.

Interessant ist es, nun dem gegenüber die Gründe kennenzulernen, die zugunsten des Hauptantrages vorgebracht werden, der den Beratungen des Rechtsausfchusses im Reichstag zugrundeliegt. In der Begründung des von sozialdemokratischen und demokratischen Abgeordneten gestellten, von dem früheren Reichsjustizminister Dr. Koch herrühren­den Antrag heißt es: „In den letzten Jahrzehnten haben sich auch die weltanschaulichen Gegensätze, die in den verschiedenen Teilen der Bevölkerung in der Beurteilung des Problems bestehen, vertieft. Während weite Volkskreise, wesentlich unter reli­giösen Gesichtspunkten, nach wie vor grundsätzlich an dem Gedanken der Unlösbarkeit der Ehe fest­halten und jedenfalls eine Erweiterung der Schei­dungsmöglichkeiten nachdrücklichst ablehnen, sieht man auf der anderen Seite in der heutigen Rege­lung der Eheauflösung eine übermäßige Einschrän­kung der Individualrechte und fordert in größe­rem oder geringerem Ausmaß eine Erleichterung der Ehescheidung.

Daß gerade diese Auffassung in den letzten Jah­ren stark an Boden gewonnen, wird nicht bestritten werden können. Die Ursache liegt wohl in der aus der weitgehenden sozialen Umschichtung zu erklä­renden höheren Wertung der Perfönlichkeitsrschte sowie ein Gefühl gesteigerter Selbstverantw-ortlich- keit. Es besteht gegenwärtig nach Auffassung wei­ter Kreise ein tiefer Zwiespalt zwischen dem Schei­dungsrecht, wie es ist und wie es ihrer Meinung nach sein follte." Schon hieraus ergibt sich daß, wie auch schon von vornherein für jeden Tieser- derckenden erkennbar ist, es sxh bei der ganzen An­gelegenheit um eine Frage handelt, die schließlich je nach der Weltanschauung verschieden beantwor­tet wird. Die Begründung des genannten An­trags, die doch eine solche mit Rechtsgründen sein will, wird ganz offenbar von der liberalen Welt­anschauung getragen, die das Recht der Einzel­persönlichkeit in besonderem Maße hervorheben und wahren will.

Nichtsdestoweniger hütet sich auch diese Begrün­dung, die schließlich unabwendbaren Konsequenzen jetzt fchon zu ziehen. Sie will unbedingt „an der alten deutsch-rechtlichen, and)1 in Artikel 119 der Reichsverfassung zum Ausdruck gebrachten Auffas­sung festhalten, daß die Ehe als die Grundlage von Staat und Gesellschaft ihrem Wesen nach eine überwiegend soziale und insoweit dem Jndividual- willen der Ehegatten entrückte Einrichtung ist." Sie lehnt deshalb „jene weitgehenden Bestrebungen, die, von einer grundsätzlich individualistischen Auf- fasfung der Ehe ausgehen, deren Lösbarkeit nach Art eines privatrechtlichen Vertrags zum Ziele ha­ben" ausdrücklich ab.

Hier liegt offenbar der wunde Punkt der gan­zen Einstellung. Man will die Individualrechte zwar höher werten, und ihre Auswirkung in wei­tem Umfange gewährleisten, man scheut sich aber die Konsequenzen voll und ganz zu ziehen, die os- fenbar auch von dieser Seite in ihrer Auswirkung als geradezu vernichtend und zerstörend erkannt und gefürchtet werden. Alle schönen Worte wer­den nicht mehr helfen, wenn einmal die schiefe Ebene der „höheren Wertung der Pevfinlichkeits- rechte" beschritten ist. Bald wird man vor der traurigen Erfahrung stehen, daß die objektive Zer­rüttung „nicht mehr als genügend" für die „Wah­rung dieser Wertung" angesehen wird. Man wird zwangsläufig weiter „erleichtern" müssen: Das Ende ist die Auflösung der Einrichtung der Che als solcher!

An einer anderen Stelle der Begründung heißt es „daß der Staat die Lösung der Ehe durch sei­nen Richterspruch nur dann sanktionieren könne, wenn dem einen Ehegatten durch eine weitere Bin­dung an den anderen mehr aufgebürdet würde, als die durch die Ehe begründeten sittlichen Ge­bote und die mit ihrer Eingehung übernommenen Pflichten verlangen, d. h. mehr als ihm zugemutet werden kann". Derselbe Gedanke wird von Dr. Landsberg in einem Artikel in Nr. 537 des „Vor­wärts" vom 15. Nov. ds. 3s. durch Gegenüber­stellung zum Ausdruck gebracht: „Ehe oder Hölle?" Dr. Landsberg versichert, die Anhänger der Re­form dächten nicht daran, das Institut der Ehe an­

der Mauer, und war (o dicht mit starken eifernen Stan­gen besetzt, daß kein menschliches Wesen, selbst wenn es an der glatten Mauer hätte hinaufzukltetern vermocht, sich durch die engen Vierecke hindurchzwängen konnte. Der steinerne Fußboden war rauh und durch Feuchtig­keit schlüpfrig: grüner Schlamm bedeckte die Mauern, und man hörte das Tropfen der herabriefelnden Feuch­tigkeit von dem gewölbten Dache.

„Welch schrecklicher Ort!" wagte endlich jemand zu flüstern, und selbst dieses Flüstern klang unheimlich wie ein Echo von den Wänden wider, bis es sich in einer Seufzer verlor.

Fräulein Knopf flüsterte Frau Bendler zu:

„Ich kann mich nicht erinnern, an einem unheim­licheren Orte gewesen zu sein. Ich wollte, ich könnte da dinuntersehen und dann aber schnell von hier fort­kommen."

Sie erhielt keine Antwort und war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um das merkwürdig blasse und ver­zerrte Gesicht von Frau Bendler in der trüben Beleuch­tung zu beachten, und sie vergaß in der nächsten Minute ihre Freundin vollständig über dem Eifer, das zu sehen, was Herr von Sönnern der Gesellschaft zeigte.

„Sie sehen, meine Herrschaften, daß wir die Oeff- nung hier durch ein Geländer ringsherum geschützt haben, doch muß ich Sie trotzdem bitten, sehr vorsichtig zu sein. Der Boden ist schlüpfrig, an manchen Stellen abschüssig."

Mit furchtsamen Schritten näherten sich die Gäste vorsichtig dem Platz, auf dem der Schloßherr stand, und guckten durch die Düsterkeit auf eine große runde Oeff- nung in dem Boden, die mit einem eisernen Geländer umfriedet war. Der Baron hatte eine Laterne ange- steckt und hielt sie nun über das Wasser.

Die Mündung der Höhle streckte sich vor den bebenden Blicken der Gäste weit aus, ihre dunklen Tiefen wür­ben durch das Laternenlicht noch schwärzer und grausi­ger, und ihre glatten Seitenwände, auf denen die Feuch­tigkeit in schweren Tropfen lag, gaben den Worten des Schloßherrn eine nachdrückliche Bedeutung.

„Sie sehen, hier an den Mauern ist weder für Hand noch Fuß ein Stütz- ober Haltepunkt. Wer einmal in bie Oeffnung hineingerät, kann nie wieber heraus. An nichts kann sich bie Hand anklammern, nichts bas töd-

zutasten und meint, daß der Ehe von ter An­nahme der im Rechtsausschuß gestellten Anträge keine Gefahr drohe. Aber der Staat habe kein Interesse „an der Unlösbarkeit der Ehe, die für die Gatten und die aus ihrem Bund hrrvorgegan- genen Kinder die Hölle bedeute."

Was in einzelnen wenigen Fällen zutreffen! kann, soll als Grund für eine der schlimmsten Ge­fährdungen des Instituts der Ehe selbst verwendet werden. Daran denkt niemand auf liberaler Seite, daß das wertvollste Ziel auch auf dem hier tn Betracht kommenden Gebiete ist, möglichst weite Kreise des Volkes zu sittlicher Charakterstärke zu erziehen, die auch schwere Lasten im Hinblick auf die Wahrung hoher idealer Güter zu tragen ver­stehen.

Nicht in der Erleichterung aller Lebensver- hAtnisse liegt die Rettung der Menschheit. Man erleichtert das Strafgesetz, man verlangt vom Rich­ter möglichst milde Bestrafung, man will die To­desstrafe abschaffen, die das äußeffte Notwehrmit­tel des Staates darstellt, man will die Strafvoll­streckung zu einem möglichst angenehmen Zeitab­schnitt gestalten, aber niemand will erkennen, daß auf diesem Gebiete keine endgültige Besserung un­serer moralischen und sittlichen Zustände erreicht wird.

Nur die Hebung der Volkssittlichkeit im allge­meinen, die Stärkung der Einzelpersönlichkeit zum Kampfe mit den inneren schlachten Trieben kann die Menschheit zur Höhe und zur Rettung führen. Der Gedanke an die Unauflöslichkeit der Ehe wird hier von außerordentlicher, segensreicher Wirkung sein!

Religion und weltliche Schule.

Die Ortsgruppe Kassel des Bundes ber freien Schulgesellschaften hielt in der vorigen Woche eine Mitgliederversammlung ab. Nach dem Bericht des sozialdemokratischen Volksblattes ist der Kampf um die weltliche Schule noch nicht zu einer Massenbewegung geworden, aber die rege Teilnahme und Mitarbeit an den Versammlungen des Bundes der freien Schulgesellschaften beweise, daß das geistige Fundament für die weltliche Schule auch in Kassel gelegt ist. Der Genosse Leh­rer Sternberg hielt einen Vortrag über „Die Stel­lung der weltlichen Schule zur Religion". Er be­tonte, daß es nötig sei, zunächst ein tiefgehendes Interesse für die neue Schule, ihren Wert, ihre Methoden zu schaffen. Tradionelle Bindungen und Vorurteile fallen weggeräumt, neue Erkennt­nisse und neue Gefühlswerte sojlen gewonnen und gefestigt werden. Jeder einzelne soll davon über­zeugt werden, daß die weltliche Schule weder das Gefühlsleben schlechthin, noch Gesinnung und Sitt­lichkeit bekämpfe. Was das letztere angehtz so

braucht man sich doch nur an die Auffassung des Berliner Schulrats Löwenstein zu erinnern, der gegen einen geschlechlichen Verkehr zwischen höhe­ren Schülern beiderlei Geschlechts nichts einzuwen­den hatte. Und was die „Verfeinerung und Ver­tiefung des Gefühlslebens" angeht, so gibt die Ber­liner Lehrerzeitung vom 31. 10. Aufklärung. „Es hat sich in Berlin an einigen weltlichen Schulen zwischen Eltern- und Lehrerschaft ein Verhältnis herausgebildet, daß man in einem Falle von einer regelrechten „Schulschlacht" sprach, welche Eltern und Lehrer sich lieferten. An anderer Stelle rich­tete sich der Unmut der Eltern gegen den Rektor und Teile des Kollegiums der Schule, die (Sozia­listen) für die durch ansteckende Krankheiten hervor- gerufenen Zustände verantwortlich sein sollen. Ver­handlungen bleiben meist ohne Erfolg; darum — in diesen Schülerkreisen kennt man die modernen Kampfmittel — passive Resistenz, Schulbesuch ohne Schulbücher, Nichtbeteiligung am Unterricht, Pro­klamation des allg. Schulstreiks, Stellung von Streikposten zwecks Fernhaltung von „Schulwilli­gen" aus dem Schulhause usw. Das ist alles an­dere als eine „Verfeinerung des Gefühlslebens". Die Sozialdemokratie, welche die weltliche Schule als i h r Schulideal betrachtet, hat in der kommu­nistischen Partei einen scharfen Konkurrenten ge­funden, der fid) die Führerschaft in der Schule ver­schaffen will. Da müssen solche Folgen oben ge­kennzeichneter Art sich ergeben. Da wagt man noch davon zu reden, man wolle eine Schule schas­sen, die wahrhafter und lebendiger sei als die ge­genwärtige mit ihrer formalen Religion, die ein Nebeneinander von Wirklichkeit und phrasenhaftem Gerde nicht duldet! Man würde sich mit dem, was in der weltlichen Schule vorgeht, nicht weiter zu besaffen haben, wenn deren Befürworter die anderen Schularten in Ruhe ließen. Aber der Kampf gilt — und bas geht auch uns Katholiken an — „der Lebenssremdheit des gegenwärtigen Religionsuntrrichts mit seinen konfessionel­len Spaltungen". Wenn die Sozialdemo­kratie und die in dieser Beziehung an einem Strang ziehende KPD. einmal die Mehrheit hätten, so würden sie ihr Schulideal — keinerlei reli­giöse Beeinflunsung in der Schule — sicher durchführen, llebrigens erfährt die Kampf- sront der freien Schulgesellschaften nach dem Be­richt des „Kass. Volks'blatt" eine Verstärkung in dem Verband für Freidenker und Feuerbestattung, welcher Sammelklassen einrichten will, um den Proletariern mehr Einfluß auf den Geist der Schule zu verschaffen. Es ist ja bekannt, daß die Freunde der weltlichen Schule darauf drängen, daß jeder Genosse seiner proletarischen Pflicht nach­kommt, indem er seine Kinder aus der „bürgerli­chen" Schule herausnimmt, aber auch die Durch­setzung der bestehenden Bekenntnisschulen durch

Das Geschenk der Reichsregierung zum papf(-3ubiläum

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Stücke aus dem sogenannten „Roten Tafelservice".

Anläßlich des 50jährigen Priesterjubiläums des Papstes ließ die deutsche Reichsregierung dem Hl. Vater eine Nachbildung des sogenannten „Roten Tafelservices" Friedrichs des Großen durch den Gesandten von Bergen feierlich überreichen.

liche Abrutschen unb Versinken aufhalten. Das Opfer muß unbedingt gleich auf ben Grund des Verließes in den Strom fallen, dessen Rauschen Sie von unten herauf Horen können."

Nachdem er zu Ende gesprochen, trat wieder ein lan­ges Stillschweigen ein, während dessen sich alle anstreng- ten bas Geräusch des unterirdischen Stromes zu Horen. Ja, man konnte das Rauschen jetzt deutlich vernehmen. Tief, unten mußte es sein, wo dieses Wasser schnell da­hinfloß, und als in der nächsten lautlosen Stille bas Rauschen immer klarer herausklang, durchlief die ganze Gesellschaft ein nicht zu unterdrückendes Schaudern. Je­der zog sich von dem Geländer, das die gefährliche Stelle umschloß, möglichst weit zurück, und alle Augen wand­ten sich instinktiv von der dunklen Tiefe ab. Nein — nicht alle Augen. Frau Bendlers Blicke blieben auf die schlüpfrigen Seitenwände des Verließes geheftet; es schien, als ob es ihr eine Freude bereite, in die grausige Tiefe zu schauen, denn ein eigenartiges Lächeln ruhte auf ihren Zügen.

„Herr von Connern," klang jetzt die lustige Stimme von Fritz Distelman und gab der Spannung des Augen­blickes eine willkommene Ablenkung, „es ist zwar von mir ein wenig unbescheiden, ich mochte aber bald be­haupten, daß das Geländer gar keinen Schutz bietet."

„Keinen Schutz?" fragte der Angeredete bestürzt.

„Nein, wirklich nicht, da Sie sagten, baß ber Fuß­boden abschüssig ist. Wenn durch einen unglücklichen Zufall jemand auf dem Boden ausgleitet und hinstürzt, so ist die Eisenstange des Gländers viel zu hoch ange­bracht, um ihn davor zu bewahren, in die fatale Mün­dung hineinzurollen. Wenn ich mir einen Vorschlag ge- geftatten darf, so würde ich für aufrechtstehende Eisen­stangen sein, wie sie um das Denkmal auf dem inneren Schloßhofe angebracht sind."

„Ich bin Ihnen für bie Anregung sehr bankbar," sagte ber Baron in herzlicher Weise, „unb werbe ihr Folge leisten, llebrigens wirb bas ganze Verließ stets verschlossen gehalten, außer mir kommt niemanb hinein, nur bei Gelegenheiten wie heute, unb ich habe stets ge­glaubt, baß es keiner größeren Vorsicht bebarf, als wie sie mein Großvater zur Anwendung brachte. Ich stimme Ihnen aber trotzdem zu, das Geländer wäre bei einem

Unglücksfall nur von mäßigem Nutzen, und ich will es ändern lassen. Und nun, meine Damen und Herren, wenn Sie sich mit Grausen genügend versorgt haben, lassen Sie uns wieder hinaufgehen und an angenehmere Dinge als an Verliehe mit unterirdischem, abgrundtiefem Wasser denken."

Ein Murmeln herzlicher Zustimmung durchlief die Versammlung, und die Bewegung auf die Tür zu nahm fast die Form eines eiligen Rückzuges an. Ein hörbarer Seufzer der Erleichterung stieg von den Gästen auf, als sie langsam die beschädigte Treppe hinaufstiegen.

Fräulein Knopf meinte: „Ich freue mich, daß ich nicht mehr in die greuliche Tiefe zu sehen brauche. Sie auch, verehrte Frau Bendler?"

Die Frage blieb unbeantwortet, und als das Fräu­lein sich nach links wandte, wo sie Frau Bendler ver­mutete, entdeckte sie zu ihrer Ueberraschung, daß sie nicht neben ihr ging.

Fräulein Knops sah noch einmal in die Dunkelheit nach unten zurück, bemerkte aber keine Spur von ihrer Freundin.

„Ich trage kein Verlangen, je solches Verlieh ober ähnliche Schauerlichkelten wiederzusehen," sagte sie zu Frau Grau, nachbem sie bie obere Tür gesichtet hatte, . bei ber ber Baron stand, als ein heftiger Ausruf des Barons sie plötzlich zum Schweigen brachte.

„Wir — wir find nicht alle hier," rief er, feine Gäste überblickend. „Wo ist Frau Bendler — und — wo —", er schwenkte seine Laterne in der Richtung nach der Treppe, dann in dem oberen Kerker umher, wo die Uebrigen standen —, „wo ist Fräulein Mühe? Ich sehe sie auch nicht hier."

„Molchen?" Frau Grau rief den Namen voller Angst. „Sagen Sie, daß Molchen nicht hier wäre — und Frau Bendler — auch nicht — weshalb — wo —"

Ihre Worte unterbrach ein so furchtbarer Schrek- kensruf, der so entsetzlich, so bluterstarrend Rang. daß sich die Gäste einen Augenblick ganz ratlos, wie von Angst gebannt, anftarrten, bann wandte sich der Schloß- Herr zur Treppe zurück unb stürzte mit aschfahlem Ge­sicht und mit vor Schreck irren Augen hinunter.

(gprtfetiunc folgt.)