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* Fulda, den 29. November 1929.

I Wen, -rleischbeschauer.

I fcer tm hiesigen Schlachthofe unter Vorsitz des I -^aierungsrates Oellerich abgehaltenen W^ina erhielten nachstehende Herren das Defä- I friiVn^5uqni5 für Fleischbeschauer und Trichinen- I VS1*11®. «Raul Richter aus Fulda, Aug. Hahn ans ■fy'x Kr, Hünfeld, Christoph Kammerdiener, x NelN-ll ^' Damian Schmitt aus Lüder-

I. xa»n, ^oizph Auth aus Bronnzell, Karl Weber, I Karbach-'

kUnachlS' und Reujahrsverkehr bei der Post.

I most bittet, mit der Versendung derWeih- i /'sXfe möglichst frühzeitig zu beginnen, aucn sich die Pakete in den letzten Tagen Fest und gelangen mit Verzögerung in I vor oe ber Empfänger. Ferner wird gebeten, b_ie s Rakete recht dauerhafte Derpackungsstoffe I M DX^tben, die Aufschrift haltbar anzubringen ZU ve damen des Bestimmungsorts unter nä- ""r Bezeichnung seiner Lage besonders groß $ h f-n'üS niederzuschreiben. Auch darf nicht un- r «en werden, auf dem Paket die vollständige | ^rwtt ieS Abfenders anzugeben und in das Pa- 7t nbenaufein Doppel der Aufschrift zu legen muffen die Päckchen haltbar verpackt und ^verschnürt werden, etwaige Hohlräume sind WM Murolle oder anderm Füllstoff auszufüllen, Sendungen bei der Beförderung in | iSyt und beim Stapeln nicht eingedrückt werden Sljen. Sie müssen deutlich als „Briefpäckchen" Z „Päckchen" bezeichnet sein. Am Dienstag, Mn 24. Dezember, wird bei den Postanstalten wie Vorjahren der Dienst im Verkehr mit dem Publikum eingeschränkt. U. a werden die Post- kalter im allgemeinen nur bis 16 Uhr offengehal- iEn werden. Im Telegrammnanahme- und Fern- ■ Xchdienst treten keine Beschränkungen ein. Auch /er Verkehr am Jahreswechsel wickelt | «ch glatter ab, wenn die Neujahrsbriefsendungen WMöglichst frühzeitig aufgeliefert und mit vollständiger Anschrift des Empfängers (Straße, Hausnummer, Gebäudeteil, Stockwerk und Zustell- Postanftalt) versehen werden. Durch die Angabe der Zustell-Postanstalt auf den Briefsendungen „ach Berlin und andern Großstädten wird deren Ueberkunft wesentlich beschleunigt. Es wird auch dringend empfohlen, die Freimarken für Neu- , sahrsbriefe nicht erst am 30. und 31. Dezember, sondern schon früher einzukaufen, damit im Schalterverkehr keine Stockungen eintreten.

vurchdruck von Telegrammen, die durch Fernspre­cher aufgegeben werden.

Der Absender eines Telegramms kann bei der Aufgabe durch Fernsprecher gegen eine Gebühr von 20 Rpfg. einen Durchdruck verlangen, wenn er diesen Wunsch vorher mit dem Worte „Durchdruck" zu erkennen gibt. Der Durchdruck wird mit der nächsten Briefzustellung übersandt. Er kann auch nach dem Schließfache, postlagernd oder gegen die Eilbotengebühr sofort durch besonderen Boten zu- gestellt werden.

lieber die verfütterung von Kartoffeln an Milch­kühe.

In vielen landwirtschaftlichen Betrieben ist in diesem Jahre die Futterrübenernte erheblich unter dem sonstigen Ertrage geblieben und es tritt an manchen Landwirt die Frage heran, wie er dieser Futterknappheit begegnen kann. In vielen Fällen wird die Kartoffel als Ersatz herangezogen werden müssen und daher soll an dieser Stelle das Wich­tigste über die Kartoffelfütterung an Milchkühe mit­geteilt werden. Gegen die Verwendung der Kar­toffeln als Futter im Rindviehstall besteht vielfach eine gewisse Abneigung, die aber nur dann berech­tigt ist, wenn zuviel Kartoffeln gegeben werden, oder zu unvermittelt zu den vollen Gaben über- gegangen wird. Kartoffeln können immer mit Vor­teil in die Fütterung des Milchviehes eingestellt werden. Wie die Rüben sind die Kartoffeln ein sehr wasserhaltiges, eiweißarmes Futter, das aber einen verhältnismäßig hohen Stärkemehlgehalt be­sitzt. Bei der Zusammenstellung der Fütterung ist dies besonders zu berücksichtigen. Die Runkelrüben haben einen Stärkewert von etwa 5—7, die Kartof­feln einen solchen von etwa 15—18. Wie bei der Verabreichung von Rüben ist auch bei den Kar­toffeln aus die Zugabe von eiweißreichem Beifutter zu halten. Gesunde Kartoffeln können ohne Nach- teil gegeben werden. Rohe Kartoffeln wirken auf

Fuldaer Zeitung (Amtliches kreisblatt). Samstag, den 30. November 1920.

die Milchergiebigkeit günstiger ein als gekochte oder gedämpfte Kartoffeln. Bei der Verftitterung roher Kartoffeln an Rindvieh ist darauf zu achten, daß die Kartoffeln gewaschen werden, so daß sie von allen Bestandteilen befreit sind. Man kann bei Milchvieh, mit kleinen Mengen beginnend, täglich bis zu 20 Pfund Kartoffeln und noch darüber aus 1000 Pfund Lebendgewicht gehen, bei Mastrindern bis zu 30 und 35 Pfund. Bei Arbeitskühen liegt die Grenze bei etwa 15—20 Pfund. Die Verabrei­chung der rohen Kartoffeln erfolgt am besten in ge­schnittenem oder gestampftem Zustand und dann vermischt mit Häcksel oder guter Spreu. Ergän­zungsfuttermittel zu Kartoffeln sind bei Milchvieh neben gutem Heu namentlich Oelkuchen und so besonders Palmkern-, Erdnuß- oder Sesamkuchen. Wenn gut eingebrachtes Kleeheu zur Verfügung steht, dann läßt sich an anderem eiweißreichem Zu­futter sparen. Bei Verabreichung roher Kartoffeln an Milchvieh vermeide man tunlichst die Zufütte­rung von Rübenblatt, Sauerfutter, Melasse oder beschränke doch die Gaben dieser Futterstoffe auf ein geringes Maß. An Jungvieh, wenigstens in der Zeit des stärksten Wachstums, gebe man keine Kartoffeln, ebenso auch nicht an trächtige Kühe. Ir­gendwie nicht ganz einwandfreie Kartoffeln sollen nur in gedämpfter Form zur Verabreichung kom­men. Das Dämpfwasser ist wegzugiehen, da es nachteilige Wirkungen hat. Wenn gegen das Früh­jahr Kartoffeln, die zur Fütterung bestimmt sind, auskeimen, so muß man die Keime sorgfältig ent­fernen, da sie besonders reich an Solanin sind, einem der Kartoffelpflanze eigentümlichen Giftstoff, der aber in der Knolle selbst nur in geringem Grade vorhanden ist, so daß er hier nicht schädlich wirkt. Auch solche Kartoffeln, die infolge von Licht­einwirkung ergrünt sind, weisen diesen Giftstoff in stärkerem Maße auf. S.

Beleuchtung von Fahrrädern.

Es liegt Veranlassung vor, darauf hinzuweisen, daß die Fahrräder bei dem ständig zunehmenden Verkehr und zur Verminderung von Straßenunfül- len während der Dunkecheit und bei starkem Ne­bel mit einer hellbrennenden Laterne, sowie mit einem Rückstrahler (Katzenauge) versehen sein müs­sen. Uebertretungen sind gem. § 20, Ziffer 3 der Polizeiverordnung über den allgemeinen Verkehr auf öffentlichen Wegen (Straßenverkehrsordnung) des Oberpräsidenten in Kassel vom 24. 9. 26 und noch Artikel I der Polizeioerordnung des Oberprä­sidenten in Kassel vom 26. 1. 20 unter Strafe ge­stellt. Die Beamten des Außendienstes sind an­gewiesen worden, den Radfahrern erhöhte Auf­merksamkeit zuzuwenden und insbesondere Ueber­tretungen des tz 20 der vorerwähnten Polizei-Ver­ordnung zur Anzeige zu bringen.

Skoffverkauf an Beamter

Vom Handwerksamt wird uns unter obiger Spitzmarke geschrieben: Eine auswärtige Firma, die Wollstoff-Aktiengesellschaft in Köln kündigte eine Musterausstellung für Mittwoch und Donners­tag, den 27. und 28. November an. Wie schon wiederholt geschehen, sei auch diesmal wieder die einheimische Bevölkerung ermahnt, bei ihren Stoff- verkäufen sich an die ortsansässige Gefchäftswelt zu erinnern, die bei Reklamationen leicht zur Ver­antwortung gezogen irsrden kann, während dies bei auswärtigen Unternehmungen erheblich schwie­riger ist. Cs liegt auch kein Grund vor, anzu­nehmen, daß eine auswärtige Firma, die bei ihren Stoffverkäufen mit erheblichen Unkosten arbeiten muß, die Fuldaer Geschäftswelt billiger und preis­würdiger zu bedienen in der Lage ist, als dies die ortsansässigen Geschäfte tun können. Auch hier ist Lokalpatriotismus am Platze.

Vortrags-Vereinigung Fulda.

Dr. phU. P. Expeditus Schmitt über den „Roman als Kunstwerk und Kulkurerscheinung."

Am Dortragstische im Bürgeroereins-Saal stand der schlichte Ordensmann, dessen Name leit einem Vierteljahrhundert in den Kreisen, die sich für die schöngeistige Literatur interessieren, guten Klang hat, der Franziskaner-Pater Expeditus Schmitt, früher in München, jetzt im Kloster Det- telbach bei Würzburg. Biele Zuhörer waren ge­kommen und wurden für eine Stunde durch den Redner gefesselt, orientiert und — da dem Pater Expeditus der Schalk im Nacken sitzt — auch oft erheitert. Er sagte lachend manche Wahrheit. Sein literarisches Urteil und seine ethische Bewertung der Literatur-Erzeugnisse ist im wesentlichen ab­geklärt, leidenschaftslos, literarhistorifch. Als wir ■II— !■! » HBMmHH il IIMbilll1 IIMaBMamaaMWIMWMMHM

junge Studenten waren, bedeutete in den Litera­turkämpfen, die damals auch im Leben der deut­schen Katholiken eine so große Rolle spielten, der Name des literaturfreudigen Paters Expeditus eine Richtung: Aufgeschlossenheit für das Gute und Große, wo immer es sich zeigt. In Zeitschrif­ten und Broschüren wurden die Meinungen aus­getauscht, oft heftig, aber doch unendlich fein im Vergleich zu den Meinungsstreiten, in denen sich über Hakenkreuz und ähnliche Probleme in unse­ren Tagen die geistig arbeitende Jugend mündlich und in Druckschriften aller Art „auseinandersetzt".

Pater Expeditus Schmitt von heute überschaut die Entwicklung des Romans als intimer Kenner und als verantwortungsbewußter Führer der ge­bildeten Volkskreise in ihrem Verhältnis zur gei­stigen und künstlerifchen Werte-Schaffung. Deut­lich zeigte er die Stufen der Entwicklung des deut­schen Romans als einer dichterischen Schöpfung, die als Form zwar oft mißbraucht wird, aber doch die Mo- ait zu großartiger Gestaltung und zu dokumentarischer Sviegelung be« «rn^Tnen Menschen und einer Zeitepoche bieten kann. Frei­lich müsfen die Leser es gelernt haben, auch Dich­tungen zu lesen und das Wertlose, was nur um des Stoffes willen geschrieben ist, scheiden kön­nen von dem Gehaltvollen, aus dem sich geistig und moralisch Aufbauendes gewinnen läßt. Das Publikum dankte dem Redner herzlich, wenn auch mancher vielleicht eine ausgedehntere Schau über Romane als Kunstwerk und Kulturerscheinung aus unserer Zeit erhofft hatte, als sie der Vortra­gende, der nur zwei, drei zeitgenössische Namen nannte, bot. ik.

Don Neuhof nach Weidenau mit der krafipost.

Am 30./11., 4./12., 7 /12., 11./12., 14./12. u. 18./12. wird die Kraftpersonenpost Neuhof—Haus* wurz versuchsweise bis Weidenau durch­geführt. Um den verkehrswichtigen Anschluß an den Personenzug nach Frankfurt (Main) — ab Neuhof 9.10. — zu erreichen, wird die Fahrt Nr. 1 nach Weidenau um 7.20 ausgeführt. Für die oben- angegebenen 6 Tage tritt ein Fahrplan in Kraft, wonach Wagen verkehren ab Neuhof (Bahnhof)

7.20 Uhr, ab Rommerz 7.30 Uhr, ab Hauswurz 8.00 Uhr, an Weidenau 8.10 Uhr, ferner ab Neu­hof 15.50, an Weidenau 16.40 Uhr. — Ab Weide­nau verkehrt der Wagen 8.15 Uhr, Hauswurz 8.25 Uhr, Rommerz ab 8.50 Uhr an Neuhof 9 Uhr und ab Weidenau 16.43 Uhr, an Neuhof 17.25 Uhr.

Aus dem Gerichtssaal.

Aus der Strafhaft vorgeführt wurde der schon zweimal wegen Einbruchdiebstahls vorbe­strafte 21jährige A. H., der zuletzt in Harmerz beschäftigt war. Als er in diesem Frühjahr zu Besuch in Neuhof weilte, stieg er frühmorgens gegen 5 Uhr durch ein offenstehendes Fenster in eine Wirtschaft und entwendete ein Paket mit Ravenklau-Zigaretten. Für diesen Einbruchsdieb­stahl erhielt er 3 Monate Gefängnis. — Der Schreinermeister Sch. von hier hatte 1928 bei einigen seiner Leute längere Zeit hindurch ihre Beiträge für die AngesteUten-Versicherung bei Lohnzahlungen einbehalten, aber diese Gelder nicht für die Versicherung verwendet. Es handelt sich um insgesamt 132 Mk., um die die Angestellten geschädigt wurden. Mit Rücksicht auf die miß­lichen Verhältnisse des Sch. verurteilte ihn das Gericht zu 60 Mk. Geldstrafe. - Am 19. Okt. wurden spät abends im ersten Stock eines Hauses kn der Langebrückenstraße eine Fensterscheibe mut- willig zertrümmert und die Bewohner in großer Schrecken versetzt. Von den an dem Unfug beteilig, ten 2 Personen wurde der 38 jährige F. H. er­kannt, während der andere Beteiligte unerkannt blieb. Für diesen großen Unfug erhielt H. 5 Mk Geldstrafe. Der mitangeklagte A. S. wurde freige- sprochen. Kurze Zeit nach diesem Vorfall ent- jtaTi) in der oberen Langebrückenstraße eine Schlä- gerer. 'Wegen dieser Schlägerei standen F. H. und A. S. ebenfalls unter Anklage. Da ihre Be­hauptungen, sie seien angegriffen worden und hätten sich verteidigen müssen, nicht widerlegt wer­den konnten, erfolgte ihre Freisprechung. — Der 41jährige I. R. von hier gab am Abend des 5. Oktober in der Löherstraße vor einer Wirtschaft einem Arbeiter ohne jede Veranlassung eine Ohr­feige. Das Urteil lautete auf 5 Mk. Geldstrafe

Handwerkskammer für Kurhessenund Walderk

Die neuen Kammer-Bezirke.

Am Donnerstag fand im Sitzungszimmer der Hand­werkskammer zu Kassel die Herbst-Vollversammlung der Handwerkskammer unter Vorsitz des Präsidenten Wilhelm Zimmermann statt: Regierungspräsident Dr. Friedens­burg war vorübergehend erschienen. Zunächst berichtete der Präsident der Industrie- und Handelskammer Bankier Dr. K a r l L. Pfeiffer über den P o u n g p l a n, der nach seinem Dafürhalten für das H a n d w e r k auch Vor­teile enthalte, sodaß man sich mit ihm einverstanden er­klären könnte. Die Anfeindungen des Doungplanes feien nicht zu rechtfertigen, denn die unverkennbaren Vorteile beständen gegenüber dem Dawesplan darin, daß die Freigabe der Pfänder erfolge, daß die Befreiung der Rheinlands damit verbunden sei, weshalb auch das Rheinland sich für den Volksentscheid nicht erwärmen konnte, wie ja die überaus dürftige Abstimmung bewiesen habe, und schließlich seien die Zahlungserleichterungen doch so groß, daß man diesen Poungplan- ruhig unter der Bedingung annehmen könnte, daß man ihn als Diktat betrachte, weil er eben voll und ganz niemals durchführ­bar fei. In der sehr eingehenden Aussprache wurde be­tont, daß man in der Handwerkskammer keine Politik zu treiben beabsichtige, aber doch für eine fachmännische Auslegung der wichtigsten Bestimmungen des Doung- planes dankbar sei, weil auch das Handwerk wissen müßte, was für Lasten bezw. Erleichterungen Daroes» und Poungplan für sie brächten. Mit Rücksicht auf diese Stellungnahme wurde von einer Entschließung abgesehen, die zunächst von einem Kammermitglied angeregt worden war.

Syndikus Dr. ®erland-Kassel berichtete über die Stellungnahme des Handwerks zu den Wohnungs - Zwangswirtschafts-Gesetzen und kam zu dem Ergebnis, daß es sich empfehlen dürfte, aus grundsätzlicher Erwägung heraus auf eine Beseiti- Oder Wohnungs-Zwangswirtschafts-Gesetze zum 1.

[ 1930 hinzuarbeiten. Der Ein- und Ausbau eines sogen, sozialen Mietrechts durch Abänderung der entspre­chenden Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches sei jedoch unbedingt abzulehnen. Dahingegen könnte man dem Mietskartensystem und seiner Einführung zustim­men, da sich die Mietskarten überall bewährt hätten. Eine weitere Herabsetzung der Mietsätze nach dem Wohnungs­mangelgesetz sei unbedingt geboten, da die Mietsätze, die eine Freistellung vom Wohnungsmangelgesetz begründen, auch heute noch zu hoch seien.

Syndikus Dr. Hartman n-Kasiel berichtete über die neuen Satzungen der Handwerkskammer zu Kasiel. Danach entfällt die Handwerkskammer für Kurhesfen und Waldeck in sieben Teilbezirke unter Ausschluß der Kreise Rinteln und Schmalkalden. Teil­

bezirk I umfaßt die Kreise Kassel-Stadt und Land, Hof­geismar und Wolfhagen, Teilbezirk II die Landkreise Eschwege, Witzenhausen und Rotenburg. Teilbezirk III die Landkreise Fritzlar, Homberg und Melsungen, Teil­bezirk IV die Landkreise Fulda, Hünfeld, Hersseld und Gersfeld (Rhön) sowie den Stadtkreis Fulda. Teilbezirk V den Stadtkreis Hanau und die Landkreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern, Teilbezirk VI den Stadtkreis Marburg, die Landkreise Marburg, Frankenberg, Kirchhain und Zie­genhain, Teilbezirk VII schließlich die Landkreise der Eder, der Twiste und des Eisenberges (Waldeck). Die Zahl der Mitglieder der Handwerkskammer wird von 22 auf 30 erhöht, die Zahl der vier Zuzuroählenden bleibt jedoch unverändert. Davon entfallen auf den Teil­bezirk I sieben, auf die Teilbezirke V und VI je fünf, auf den Teilbezirk IV vier und auf alle übrigen Teilbezirke je drei Mitglieder. Die einzelnen Gewerbe wer­den so gegliedert, daß das Metalle verarbeitende Gewerbe fünf Mitglieder, das Ausbau-Gewerbe und das Rohbau- Gewerbe zusammen sechs, das Bekleidung?- und das Holzgewerbe ebenfalls je sechs, das Nahrungsmittelge­werbe vier, das Leder und Papier verarbeitende Gewerbe je ein und zusammengefaßt: Verschiedene Gewerbe auch ein Mitglied stellen.

Der Aufstellung von Vorschriften für die öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen durch die Handwerkskammer für Kurhessen und Waldeck wurde zugestimmt, ebenso den Vorschriften für die Tätigkeit der von der Handwerkskammer Kassel öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Diese Sachverständigen werden für eine Zeitspanne von höchstens fünf Jabre bestellt und vereidigt; ihre Tätigkeit besteht in der Er­stattung von Gutachten und Urteilen in Streitfällen von einem Schiedsgericht oder einem ordentlichen Gericht.

Es wurde angeregt, die Lehrzeit für das Dachdecker­gewerbe auf mindestens 3'A Jahre festzulegen, wobei be­stimmt werden müßte, daß im Dachdeckerhandwerk jeder Lehrling volle vier Bausommer gearbeitet haben müßte. Rach längerer Erörterung wurde beschlossen, wegen der Schwierigkeit der ganzen'Angelegenheit noch einmal die Bauhandwerker-In'nungen zu hören und zu diesem Zwecke die Entscheidung auf einige Zeit zu vertagen: der Vor­stand der Handwerkskammer wird sich mit den einzel­nen Anträgen noch beschäftigen und dann diele Anträge der nächsten Frühjahrs-Vollversammlung vorlegen.

Der Abnahme der Jahres-Rechnung für 1928=29. die nur in einzelnen Abteilungen kleine Veränderungen ge­gen den Voranschlag aufweist. wurde zugestimmt. Nach einer vertraulichen Sitzung wurde die Vollversammlung gegen 17 Uhr geschlossen. §§

Amerika-Brief aus 1857.

3m Zeitalter der Ozeanflüge und der Schnelligkeits­rekorde moderner Riesendampfer dürfte ein Brief von Interesse sein, den ein Auswanderer aus unserer hes­sischen Heimat über seine Reise und seine erste Ein­drücke in Amerika an seine Angehörigen in der Heimat richtete im Jahre.1857. Er ist datiert aus Newyork und lautet:

Lieber Vatter!

Mit Freuden ergreife ich die Feter, um euch einmal Zu schreiben. Wenn es euch bei guter Gesundheit an­trifft, freut es mich herzlich. Ich bin Gott sei Dank stisch und gesund, und es gefällt mir ganz gut in Ame­rika, bin auch froh, daß ich aus dem alten Deutschland gereist bin und in eine ganz neue Welt gekommen sind. Den 3. September bin ich in Hamburg Mittag 12 Uhr uuf das Schiff gestiegen und um 1 Uhr abgefahren. Den ersten Tag gefahren bis Glücksstadt. Da wurde den Abend getanzt bis 12 Uhr. Wir hatten Musikusse °uf unferm Schiff. Da wurde jeden Abend getanzt wenn kein Sturm war, auf dem Schiff ging es ganz, lustig zu. Den 4 September mittags 12 Uhr ginge ouf die offene See, auf die Nordsee, den 9. September in den Ozean und den 20. September in das Große nngeheure Weltmeer bis nach Amerika. 28 Tage auf bem Wasser gesegelt und 4800 Meilen entfernt von zu Huus, da gingen mir die Augen auf. Auf dem Wasser jeden Morgen nichts wie Himmel und Wasser und ei­nige Meerenten (wahrscheinlich sind Möven gemeint) zu fefien, aber auch ganze große Fische, die so groß sind wie große eichene Bäume und auch so dick und 20 bis 30 Fuß lang. Manchen Tag auch, das bedeutet Sturm, jedesmal ganze Scharen kleine, die aber so groß sind wie die größten Schweine. Auch einige Wal- sische, aber von dem Schift entfernt, die spritzen das Wasser oben aus dem Kops wie ein Rohr.

Der Bürgermeister kann jetzt meinen Paß wieder bekommen, denn ich habe den Paß gar nicht brauchen oufzuzeigen und hätte gar keinen gebraucht. Wenn ber Bürgermeister den Paß haben will, so will ich ihm den Paß schicken, denn es ist ein ekliger, schlechter, «Naulschwetziger Bürgermeister. Bei mir schwätzt er

ganz schön, aber wenn er von mir war, da war ich ein schlechter Mensch. Jetzt komme er uns (f. Götz v. Ber- lichingen) und bekümmere sich um sich und lasse an­dere Leute in Frieden, die ihn nichts angehen. Denn er hat mit sich genug zu tun, der Lumpes. Ebenso machs auch der Schmied, der eklige Schweinehund, die können sich jetzt alle beide selber. . . (s. oben).

Hier in Amerika ist eine ganz andere Lebensart. Schwarzbrot gibt es hier nicht. Weißbrot das ist wie Neujahr bet uns, wird Butter, Käse, Schinkenfleisch draufgemacht, denn gegessen, das ist ein Tag wie der andere, jeden Tag zweimal Fleisch und Sier. Hier sind ganz andere Sitten, wer sie lernen will, muß kommen. Es wird viel verdient, aber schaffen muß man. Ich treibe mein Geschäft, kriege Kost und Bett und freie Wasch und den Monat 20 Dollar. Ich schaffe bei einem Landsmann von mir, bei Eisenach zu Hause, mit fünf Arbeitern noch. Die Arbeit wird ganz anders geschafft wie in Deutfchland, alles feiner und viel fester, und so geht es mit jeder Arbeit. Alle Einwanderer müs­sen das Arbeiten viel anders lernen, viel geschwinder und wer das nicht will, der kann bleiben wo er ist Denn es muß erst verdient werden, hier ist einer wie der andere, der Aermste wie der Reichste, hier wurden keine Komplimente gemacht, hier heißt es wie das Sprichwort sagt: Vogel friß oder stirb.

Keine Bekannte hab ich von zu Hause her noch nicht angetroffen, bleibt sich gleich, ob ich Bekannte antreff oder nicht, frage auch nichts danach.

Die Sprache ist schwer zu lernen, wenn man aber nichts anderes hört, muß man halt mit ihnen dolmet- schen. Die Schiffahrt hat mich 50 rth. gekostet, 3% Mr. Mattatzen, 6 Thaler Eisenbahn bis Hamburg. In Kassel im Gasthof Altenau beim Bring habe ich die elfte Nacht kaschiert, waren viele Mansbacher Juden da. In Hamburg bei Langel habe ich 11 Tage logiert, habe 18H Thaler gebraucht, do bin ich beigetan worden

llebrigens hat mir die ganze Reise gut gefallen auf der See. Gabs aber Sturm, kam das Wasser oben auf Deck und das Schiff schwang hin und her rote e’ne Fahne, die vorn Wind getrieben wird. 28 Tage haben wir gesegelt. Feisch und Zwieback gabs, fo viel ich essen konnte, hab auch viel Fleisch ins Wasser geworfen die anderen auch. Es war zu salzig, man konnte es

nicht essen, cs war ein Schweinefraß. Wir haben ei­nige Sonntage Pferdefleisch gekriegt, das war das beste Essen. Und Hebes und Zweftchen mit Sirup. Das Pferdefleisch war in Blechbüchsen fest zu. Es wurde warm gemacht und jedesmal unter 8 Mann geteilt. Die Seekrankheit hatte bei mir gar nichts zu bedeuten. Ich habe den Finger in den Hals gesteckt, daß ich mußt kotzen wie die Anderen auch. 280 Personen waren auf dem Schiff, gestorben sind 16 Mann an der Cho­lera. Wurden gleich in ein Tuch genäht und zum Was­ser nein geworfen. Und immer viel Regen auf der See. Hier in Amerika wird es immer 7 bis 10 Stunden später Tag wie in Deutschland. Ich bin bei lauter Meck­lenburgern, Plattdeutschen gewesen, die konnte ich auch schlecht verstehen, sie verstanden mich gar nicht. Keine Läufe und Flöhe habe ich auf dem Schiff nicht gehabt Das Schiff hat Trikter Barch geheißen, wo wir brau? waren. Wir tarnen erst alle in ein Krankenhaus, von drei Schiffen 760 Personen, dann in Castle garten be: Newyork Es waren alte Leute von 60 bis 70 Jahre auf dem Schift, sind aber alle gestorben. Ich will aut- hören zu schreiben, sonst wird mein Papier alle Es ist gut zu segeln auf dem Wasser, man braucht nicht zu arbeiten. Ich habe aber doch den Matrosen die Stie­feln gesohlt, es waren gute Menschen, lauter Deutsche.

Lieber Vater, Bruder, Schwester und Schwäger, icf* grüße Euch vieltausendmal, sprechen tun wir doch nicht mehr miteinander all mein Leben. (Es folgen Grüße an die Bekannten). Die Gegend, das Vieh, die Frucht ist grab fo wie in Deutschland, Schweine haben keine Borsten, auch Zweftchen gibt es keine hier.

Newyork, den 16 November 1857.

« (Unterschrift.)

— Ein infereffanfer Veleuchkungsvergleich. Vor nun­mehr 50 Jahren hat die elektrische Glühbirne ihren Sie­geszug durch die Kulturstaaten der Welt angetreten und dabei in ständig zunehmendem Maße Petroleumlampe und Gaslampe verdrängt ohne sich allerdings das Ge­biet der öffentlichen Beleuchtung bis heute restlos erobern zu können. Denn bislang ist die Stadt Bremen die ein­zige unter den deutschen Großstädten, die sich zur Be- leuchtung von Straßen und Plätzen einzig und allein der

Elektrizität als Lichtauelle bedient und dazu etwa 12 000 Lampen benötigt. Fast ausnahmslos hat sich auch in verhältnismäßig kurzer Zeit die überseeische Personen- schiffahrt die ihr durch die Elektrizität gebotenen Vorteil« dienstbar gemacht. So besitzt beispielsweise der Schnell­dampfer Bremen des Norddeutschen Lloyd zur Erzeugung des für Licht- und Heizzwecke an Bord benötigtenStroms ein Elektrizitätswerk, das so groß ist, wie das der Städte Lübeck ober Heidelberg. Der zurzeit noch im Bau be­findliche Lloydfchnelldampfer „Europa" wird die gleiche Einrichtung erhalten. Jeder der beiden Dampfer besitzt rund 300 000 Brennstellen. zusammen also 600 000. Wenn auch die Lichtstärke der einzelnen Brennstellen auf den Schiffen geringer ist als die der elektrischen Lampen für die städtische Beleuchtung, so entbehrt doch der rein zah­lenmäßige Vergleich zwischen der Beleuchtung von Schiff und Stadt (Bremen 30000, Stadt Bremen 12 000) nicht des Interesses, weil aus ihm ohne weiteres ersichtlich ist welche Bedeutung die epochemachende Erfindung Edison- für die Ueberseeschiftahrt hat.

— Das heute alles „los" ist. Papiere wertlos, Auf Wertung hoffnungslos, Börse lustlos, Zahlungsverkehi bargeldlos, Ehrlichkeit kreditlos, Wechsel deckungslos, Stundung sinnlos, Pfändung fruchtlos. Entlassung frist­los, Hunderttaufende arbeitslos, Schulden bodenlos, Steuern endlos. Die Menschen sind gottlos, die Jugend zuchtlos, Ansprüche hemmungslos, junge Eheleute woh- nungslos, Ehegatten lieblos. Die Kunst ist jurylos, das Publikum kritiklos, die Literatur saftlos, Politik kopflos, Proteste sinnlos, Zahnziehen schmerzlos, Nächte ruhelos, Krafträder zahllos, Besserung aussichtslos, Klagen zweck­los; da steht man machtlos, denn jeder ist schuldlos.

— Ich schnitt es gern In alle Rinden ein. Ein büb- lches Geschichten kursiert in Titschendorf. Schnitt da vor einem Menschenalter ein junger Mann, als er mit keiner Liebsten im Walde lustwandelte, in die Rinde eines Waldbaumes feinen und seiner Liebsten Vornamen . Walter" und „Liefet" und zog um die Buchstaben ein etwas schief geratenes Herz. Als er nun nach Jahr­zehnten an dem Baume wieder vorbeikam. mußte er entdecken, daß das Holz die Anfangsbuchstaben feiner Inschrift überwachsen hatten. Was noch lesbar war, hieß jetzt . . . alter . . . efet