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Ilr. 276

Julda, öen 28 November 1929.

Vas wird aus dem Wohnungsbau?

In der Korrespondenz der christlichen Gewerk­schaften lesen wir:

A:n 31- Oktober fand eine Sitzung des Deut- icken Städtetages in Frankfurt a. M. statt, an der I .'ämtsdje Bürgermeister der deutschen Städte Mer 50 000 Einwohner teibnahmen, um zu der per Finanzgestal'tung der Gemeinden Stel- Lina zu nehmen. Man war sich klar darüber, daß Einschränkungen bezüglich der Ausgaben erfolgen ■Zflfeten um die Gemeindefinanzen in Ordnung ^u bringen- Man machte sich jedoch die Arbeit sehr Licht indem man beschloß, den Wohnungsbau in ^n kommenden Jahren zu drosseln. Man be- <n-iindete das damit, die Gemeindefinanzen wür- durch den Wohnungsbau sehr in Anspruch ge­nommen, außerdem würde, wenn die Bautätig­keit in dem gleichen Umfange wie im Jahre 1928 fortgesetzt wird, in etwa fünf Jahren schon ein UebelfÄh an Wohnungen vorhanden sein, ferner wären die Mieten so teuer, daß sie doch nicht auf- oebracht werden könnten. Diese Argumentierung L nicht ganz richtig. Die Eemeindefinan- 1 n-erden gar nicht allzu stark durch den Woh- L^ngsbau in Anspruch genommen. Die Finan­zierung erfolgt mit den Erträgnissen aus der Hauszinssteuer und mit Hypothekengeldern. Die Gemeinde gibt nur geringe Zuschüsse. Es ist auch ” Mt richtig, daß in etwa fünf Jahren schon ein Wohnungsüberfluß vorhanden ist. Nach der NeichswohnungszähSung des verflossenen Jahres fehlen in Deutschland noch rund 1 Million Woh­nungen. Auch den vom Reichsarbeitsminister dem Reichstag und Reichswirtschaftsrat vorgelegten Reichsrichtlinien für den Wohnungsbau ist zu ent­nehmen, daß jährlich 330 000 Wohnungen gebaut werden müssen, um bis zum Jahre 1940 die Woh­nungsnot zu beheben. Mögen die Schätzungen und die statistischen Angaben auch etwas differieren, jedenfalls steht das eine fest, daß die Wohnungs­not in fünf Jahren nicht behoben ist, wenigstens nicht in den Mittel- und besonders nicht in den Großstädten, wenn in dem bisherigen Umfange weiter gebaut wird. Auch das Argument, daß die Mieten zu hoch seien, kann doch nicht einfach dazu führen, nun das Bauen ganz einzustellen oder einzuschränken. Dann müssen eben Maßnah­men ausfindig gemacht werden, um die Mieten zu senken, sei es, daß man den Anteil aus der. Hauszinssteuer für den Wohnungsbau erhöht, daß man der Forderung, die Hauszinssteuer in größe­rem Maße dem Wohnungsbau zuzuführen, endlich stattgibt, oder daß man Mittel zur Verfügung stellt, zur Senkung der Zinsen aus den Hypotheken. Der Reichsbankdiskont ist jetzt auch wieder um 1/2 Prozent gesenkt worden, was sich günstig auf die Mietgestaltung auswirken wird.

Wenn das das einzige Rezept ist, das die Ver­treter der Städte als Sanierungsmaßnahme in Vorschlag zu bringen wissen, dann ist das sehr dürftig. Was auf der einen Seite gespart wird, wird auf der anderen Seite wieder durch große Ausgaben für Arbeitslosen-, Wohlfahrtsunter­stützung oder zur Erhaltung der Gesundheit (Kin- derverschickung, Erholung usw.) ausgegeben wer­den müssen, ganz abgesehen davon, daß das Elend, unter dem heute die Wohnungslosen und die in überfüllten Wohnungen wohnenden Familien lei­den, nicht gemindert, sondern eher vergrößert wird. Von diesem Standpunkte aus gesehen muß der Beschluß, den die Städtevertreter gefaßt haben, nur bedauert werden. Es steht zu erwarten, daß die Stadtparlamente oder auch die Länderparla­mente und der Reichstag sich noch zu diesem Be­schluß äußern werden. Würde er durchgeführt, dann würde das von' absehbarer Tragweite für unser gesamtes Wirtschaftsleben sein, was sich auch ungünstig in sozialer, volkswtttschaftlicher und moralischer Beziehung auswirken würde. Die Parole kann nur lauten: Förderung des Woh­nungsbaues und Sparsamkeit auf anderen Gebie­ten, wo es noch manches zu sparen gibt.

Von der Reichswehr.

Einer Korrcspondenzmeldung zufolge ist Ober­musikmeister S ch m i d r vom 3. Bataillon des Jn- fanterieregimtens 10 in Dresden mit der Wahr­nehmung der Geschäfte des Armeemusikinspizienten betraut worden.

Kloster Frauenberg.

Wiederum ziehen aus dem Mutterkloster drei Missionare in unsere H e i d e n m i s s i o n nach Japan; nämlich P. Robert Klitsch (aus Großenlüder), Br. S i l o n i s Steinmetz und Br. O p t a t u s Bur. Am kommenden Sonn­tag, den 1 Dezember, nachmittags 4 Uhr, findet die kirchliche Abschiedsfeier auf dem Frauenberg

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Freitag, den 29. November 1929.

statt, wozu alle Missionsfreunde und Gläubigen eingeladen find. Die Missionäre besteigen am 12. Dezember in Genua den Dampfer „Coblenz" und werden in 6—7 Wochen am Ziele ihrer Sehnsucht in Japan landen.

Vorsicht bei Kreditauskünfken.

Ueber Haftung für falsche Kreditauskunft hat sich das Reichsgericht in einem Urteil vom 22. Oktober 1929, wie die Deutsche Beamtenbund- Korrespondenz erfährt, folgendermaßen ausgespro­chen: Käufer wollte den Kaufpreis mit einem Wechsel bezahlen, der außer dem Aussteller den Namen eines Gutsbesitzers trug. Um sicher zu gehen, erkundigte sich der Verkäufer telefonisch bei ber Kreissparkafse des Kreises S., mit der er in laufender bankmäßiger Geschäftsverbindung stand, nach der Kreditwürdigkeit der auf dem Wechsel ge­nannten Person. Der Direktor D. der Kreisspar­kasse erwiderte ihm, er solle das Geschäft unbe­sorgt abschließen, die Leute seien gut. Diese Aus­kunft erwies sich bei Vorlegung des Wechsels als falsch. Weder von dem Käufer noch von den an­deren zwei auf dem Wechsel genannten Personen war Geld zu bekommen. Daraufhin verklagte der Verkäufer den Kreis auf Zahlung von 4 500 J*. als Schadenersatz. Das Landgericht Glogau wies die Klage ab, weil weder eine vertragliche Haftung des Kreises bestehe, noch ein außervertragliches Verschulden vorliege. Das Oberlandesgericht Bres­lau dagegen hat den Kreis zur Zahlung verurteilt. Ebenso hat das Reichsgericht ent­schieden, indem es die Revision des Beklagten zu- rückgewiefen hat. Der Beklagte haftet für" die Ge­schäfte der Sparkasse und gemäß § 278 BGB. auch für ein Verschulden seines gesetzlichen Vertreters oder Erfüllungsgehilfen. Svarkasiendirektor D. fei ohne Zweifel ein Erfüllungsgehilfe des Be­klagten. Ein Verschulden des Direktors liege aber vor, weil ihm bekannt war oder bei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt hätte be­kannt fein müssen, daß die beauskunfteten Per­sonen sich in ungünstiger Vermögenslage befanden und der Gutsbesitzer bereits Wechsel zu Protest hatte gehen lassen. Für den durch die falsche Aus­kunft entstandenen Schaden haftet der Beklagte we­gen unerlaubter Handlung gemäß § 831 BGB.

Der nächste Viehmarki.

Am 5. Dezember findet hier ein Viehmarkt statt. Der Abtrieb des Viehes am Vor-Markttage von der Vishladerampe am hiesigen Bahnhof er­folgt über die Straßenecke Kurfürstenstraße—Zie- herserweg nach der Straße „Am Viehmarkt" und von da unmittelbar nach den einzelnen Stallun­gen in der Stadt. Der Auftrieb des Diebes zum Markt am Markttag; selbst beginnt um IV» Uhr und muß um 10 Uhr beendet fein. Hierbei ist das nichtuntersuckte Vieh durch die Schloßstraße, das voruntersuchte Vieh durch die Lindenstraße aufzutreiben. Im Interesse der ungehinderten Ab­wicklung des Marktverkehrs wird die Bevölkerung ersucht, auf die vorstehenden Verhältnisie Rücksicht zu nehmen.

Reue Polneiverordnung über das freie Umherlau­fen von Hunden.

Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat eine neue Polizeiverordnung über das freie Umherlaufen von Hunden erlassen. Die Verord­nung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Sie wird in Kürze in den Regierungsamtsblättern veröffentlicht werden.

Jubiläum.

Am 1. Dezember 1929 kann die Firma Os­kar Schleicher, Fulda. Papier- und Schreib­warenhandlung, auf ein 25jähriges Bestehen zu­rückblicken.

Erleichterungen im telefonische« Fernverkehr.

Der Reichspostminister führte in einer Sitzung des Arbeitsausschusses des Derwaltungsrats" der Deutschen Reichspost zur Finanzlage u. a. aus, daß die Einnahmen in den ersten sieben Monaten des Rechnungsjahres 1929 hinter den Erwartun­gen zurückgeblieben feien: es fei aber möglich, daß in den verkehrsstarken Wintermonaten der Rück­stand aufgehoft werden könne. Der Arbeitsaus­schuß nahm einige vorgeschlagene Aenderungen der Fernivrechordnung an. Sie betreffen hauvt- sächlich Verbesserungen im Fernverkehr. Bei dringenden Ferngesprächen kann der Anrnetder künftig eine bestimmte, feste Zeit für die Her­stellung der Verbindung vorfchreiben. Die Höchst­dauer der Ferngespräche wird von sechs a u f zwölf Minuten erweitert. Für Tagun­gen, für die Uebertragungen von Reden usw. kön­nen Fernverbindungen auf eine Stunde und Inn» aer bereit gefielst werden. Eine Reihe von Er- leichterungen ist für das Zustandekommen von Ge­sprächen vorgesehen, für die eine Person zu einer Sprcchstelle herbeigerufen wird. Schließlich soll es ebenso wie im alten Reichspostgebiet künftig auch in Banern und Mnrttembero zulässig sein.

daß die Teilnehmer ihre Nebenstellenanlage durch die Privatindustrie Herstellen lassen. Die Aende­rungen treten am 1. Februar nächsten Jahres in Kraft.

Lin harter Dinker

ist uns auch wieder für dieses Jahr prophezeit wor­den. Unser Vertrauen auf die Wetterpropheten ist aber sehr erschüttert worden, als gestern kurz hinter einander zwei Frühlingsboten ihren An­trittsbesuch bei der Redaktion machten. Zuerst kam ein bunter Schmetterling, der irgendwo ausgekrochen war, aber ob der ungewohnten Zeit doch etwas schüchtern und verzagt schien. Um so lebhafter und durchaus lebensfreudig war ein „Mai"-Käfer, der beim Ausschachten in der Nähe d'' Schulbaufe-- 'm Koblbgus ans Taaeslir'' -be­kommen war. Wir waren durch den unerwarte­ten Besuch natürlich etwas verblüfft und geben auch beute unserem Erstaunen über dieses unru­hige Maikäfervolk — es sind in diesem Herbst näm­lich schon eine ganze Reihe dieser braunen Gesel­len in die Redaktionsstube gesummt — den ge­bührenden Ausdruck.

Helferdienst am Bahnhof.

Allbekannt ist die Tätigkeit der Bahnhofs- Mission. Sie sorgt für die schutzbedürftigen rei­senden Mädchen und Frauen. Daß es ober auch eine Einrichtung für die männlichen Hilfsbe­dürftigen gibt, wird den meisten Lesern neu fein. Der „K a t h o l i s ch e B a h n h o f d i en st" (Bahn- hofdienst deutet darauf hin, daß es sich um die Hilfe für Männer und männliche Jugend handelt), ist noch jung; er besteht erst feit dem Jahre 1926. Trotzdem sind bereits in 27 Städten solche soziale Hilfsstellen am Bahnhof geschaffen worden, in denen Rat und Auskunft erteilt, Hilfe und Unter­stützung gewährt werden. Im Jahresbericht für das Jahr 1928 finden wir auf Grund der statisti­schen Aufzeichnungen von 18 örtlichen Bahnhofs- btenftfteUen, oatz diese insgesamt in 37 287 Fällen tätig waren, fti es durch Auskünfte, Ratschläge aber sonstige Hilfeleistungen. Die Ausgaben hier­für, bte nur von 15 Vahnbofsbienststellen angege­ben werden, betrugen insgesamt 20 815.33 Rm. Ne­ben den Erträgnissen der Bahnhofssammlungen, die für diele Zwecke verwendet werden und nur etwa 10 Prozent der Ausgaben zu decken vermögen, müs­sen von Behörden und vor allem von den Organi­sationen der freien Liebestätigkeit Zuschüsse gege­ben werden, damit die Arbeit des Bahnhofsdienstes aufrecht erhalten werden kann.

Nun mag mancher Leser denken, diese neuartig; Fürsorge für Männer am Bahnhof sei unnötig; sie habe unter Umständen ihre Berechtigung für die Weltstadtbahnhöfe, im übrigen könne aber auf sie verzichtet werden. Wer so spricht, dem sei empfoh­len, einmal selbst in den Spätabend- und Nacht­stunden an den Bahnhof zu gehen und das Leben und Treiben dort genauestens zu beobachten. Viel­leicht entdeckt er bann doch einen armen Menschen, der nicht weiß, wo er diese Nacht unternommen soll, vielleicht sieht er da einen kaum der Schule entlassenen Jugendlichen, der müde von der Fabrik­arbeit auf der Bank schläft und seinen Zug ver­paßt, vielleicht kann er selbst einem Blinden, einem Gebrechlichen helfen, indem er ihn in fein Quartier bringt, ihm den Koffer trägt. Wer so den Bahn­hof sieht, der wird bald zur Ueberreugung kom­men, daß die Dahnhoshilfe nicht umsonst arbeitet. Opferbereite und arbeitswillige ehrenamtliche Hel­fer braucht der Bahnhofsdienst immer. Wer stellt sich dieser Fürsorgetätigkeit zur Verfügung? Aus­kunft und Rat erteilt bereitwillig und aern die Geschäftsstelle des Katholischen Bahnhofdienstes Freiburg i. Br., Werthmannhaus.

Elektrizität im Haushalt.

Vortrag im Stadtfaal in Fulda.

Das Neberlandwerk Fulda hatte auf Mittwoch abend die Mitglieder der hiesigen Frauenvereine in den gro­ßen Stadtfaal eingeladen, um die vielseitige Verwendung der Elektrizität im Haushalt kennen zu lernen. Diele hundert Frauen waren gekommen. Cs gab da viel zu sehen und zu hören. Die hiesigen elektrischen Installa­tionsgeschäfte und das Ueberlandwerk hatten eine grö­ßere Ausstellung von elektrischen Haushaltungsgeräten veranstaltet, die bei manchem Besucher den Wunsch weckte, das eine oder andere Gerät zu Weihnachten un­ter dem Christbaum zu finden. Es waren da zu sehen neben den mächtigen elektrisch beleuchteten Christbäu- men die verschiedensten Heizapparate, Schnellkocher, Strahlöfen. Strahlsonnen, Kochherde, Backmaschinen, Bügeleisen, Lampen in großer Auswahl. Staubsauger, Trockenföhne, Bettwärmer, Heißwasserspeicher, Heißwas- serspender, Waschmaschinen, Nähmaschinen und noch vieles andere. Selbstverständlich waren auch die Radio- Seräte und die Lautsprecher vertreten, sodaß auch für nterhaltungsmusik gesorgt war.

Herr Direktor Schmiedgen vom Ueberlandwerk Fulda machte mit einem neuen Wohnungstarif zur Lichtentnahme für Haupt- und Nebenräume bekannt, bei dem neben monatlichen Gebühren für eine Kilowatt­

stunde 10 Pfg berechnet werden. Dieser Tarif soll nach und nach erniedrigt werden. Man hörte dann, wo tue elektrische Energie für Fulda herkommt: vom Koh­lenkraftwerk Borken, von der Edertalsperre, von der Werra, von Hannover und vom Wasserkrastwerk am Main. Das Fuldaer alte Elektrizitätswerk dient als Ersatzwerk bei vorkommenden Störungen. An einer guten Veranschaulichungstafel wurde gezeigt, wie der elektrische Strom entsteht von der Kohle bis zum fer­tigen Gebrauch. Im Stadtgebiet sind die 130 Volt-Lam- pen zu benutzen. Herr Ingenieur Scholl-Friedberg sprach in längerem Vortrag über Verwendung, Vorteile und Annehmlichkeiten der Elektrizität im Haushalte. Zur Heißwasserbereitung für ein Bad seien 18 Psg. Strom- verbrauch nötig. Interesse erregte der „Elektro-Oeko- nom" für gleichzeitiges Kochen von Fleisch, Kartoffeln, Gemüse in übereinandergestellten Töpfen. Hiervon, so­wie auch von Kuchen, Kaffee und Braten wurden Kost­proben verteilt, die nach allgemeinem Urteil vortreff­lich ausgefallen waren. Die Gerichte wurden während des Vortrages hergestellt und dabei gute Fingerzeige zu ihrer Herstellung gegeben. Zum Schlüsse kamen fünf elektrische Bügeleisen zur Gratisverlosung. Die glück- liche Gewinnerin des ersten Preises war eine Schülerin der Haushaltungsschule des Theresienheims. Von den vielen Besuchern hatten gar manche den Wunsch, sich auf die eine oder andere Art die elektrische Energie im Haus­halt zunutze zu machen.

— windlhorstbund Fulda. Heute abend 8.15 Uhr treffen sich die Mitglieder mit einigen Gästen im „Hal­ben Mond". Schriftleiter Dr. Auster mann spricht über „Unsere Stellung zum Doungplan". Gesinnungs­freunde aus der katholischen Jugend sind, auch wenn sie keine besondere Einladung erhalten haben, herzlich will­kommen. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder wird erwartet.

— Wiedersehensfeier her Stadtschüler des Jahrg. 1905. Zwecks Abhaltung einer Wiedersehensfeier der Schulentlassenen des Jahrganges 1905 der Stadtschule werden alle ehemaligen Schulkameraden höfl. gebeten, an der Vorbesprechung, die am Freitag, den 29. November im „Hotel Lindenhof" (Vereinszimmer) um 20 Uhr stattfindet, teilzunehmen.

Lichtspielschau.

3m „Reuen Theater"

laufen zwei Filme amerikanischen Fabrikats, du das Problem „Liebe" behandeln. Die Amerikaner ha­ben einen eigenen Geschmack, der uns meist abstößt und verhindert, daß sie der Frage auf den Grund ge­hen. Sie machen oft aus den rührendsten und feinster seelischen Regungen einen furchtbar sentimentalen uni oberflächlichen Kitsch. Bei den jetzt im „Neuen Theater' gezeigten Filmen ist es nicht so schlimm. Sie wirke, deshalb auch auf das Publikum, zumal in einer meist abenteuerlichen und aufregenden Geschichte erstklassige Kräfte Mitwirken.

John Gilbert gibt dem jungen Reporter in dem Film mit dem unnötig anreißerischen Titel „Mann, W e ib, Sünde", eine packende Verkörperung. Wie schwär­merisch und rem ist dieser Junge, dessen erste Liebe auf die Geliebte seines Chefs fällt und der deshalb in die­sem Weib etwas sieht, was chm höher und erhabener scheint, als selbst seine Mutter. Aus diesem Film hätte mehr gemacht werden können.

Der Film „Pflicht und Liebe" packt durch seine echten Bilder aus dem Seemannsleben, durch die Schilderungen der Seemannsprügeleien und Kämpfe mit den Meuterern. Durch das Ganze flicht sich der durchaus glaubhafte Kamps in dem Herzen des jüng­sten der vier Brüder Schorn zwischen Pflicht und Liebe. Trotz aller blutigen Kämpfe steckt viel Humor in der Handlung, die auch mit der glücklichen Vereinigung der beiden Liebenden endet, weil der Junge sich selbst über­wunden hatte. _______________

— Elkernversammlung im evangelischen Gemeinde­haus. Man schreibt uns: Das Lehrerkollegium der evgl. Volksschule hatte für den 25. b. Mts. zu einer Elternoersammlung eingeladen. Der große Saal des evgl. Gemeindehauses war bis zum letzten Platz besetzt. Herr Rektor Goebel begrüßte die Anwesen­den und sah die zahlreiche Versammlung als ein gutes Vorzeichen einer fruchtbringenden Verhandlung an. Nach seinen einleitenden Ausführungen über die fort­schreitende Entwicklung der Lehrerbildung und der Volksschule erteilte er Herrn Lehrer D ö l l das Wort zu seinem Vortrag über das Thema: „Welche Aus­sichten haben unsere Kinder durch den Besuch der Volksschule für ihr späteres Fortkommen?" Die Frage behandelte Herr Doll folgendermaßen: In der Zeit vor Ostern werden die Eltern vor die wichtige Entscheidung gestellt: Welche Schule soll unser Kind besuchen? Da gibt es zweierlei zu bedenken. 1. Wie lange können und wollen die Eltern chr Kind zur Schule schicken. 2. Hat das Kind die erforderliche Begabung, eine weiterführende Schule mit Erfolg zu besuchen? Von der Beantwortung dieser Fragen muß es abhängen, welche Schule weiterhin ge­wählt werden soll. Wir Lehrer raten den Eltern nur gut beanlagte Schüler den höheren Schulen zuzuführen, die andern aber in der Volksschule zu belassen; denn eine gute, abgeschlossene Vo l ks s ch u lb > l- bung ist für den späteren Beruf nützlicher als eine vorzeitig abgebrochene höhere Schulbil- düng. Für solche Kinder, die am Schluß des 4. Grundschuljahres wegen mangelnder Reife die höhere Schule nicht besuchen konnten, besteht die Möglichkeit, bei günstiger geistiger Entwicklung, doch noch bas Zeug­nis ber mittleren Reife ober bas Abitur zu erlangen, indem sie nach erfolgreichem 7jährigen Besuch ber Volks­schule zur Aufbauschule gehen. Außerdem wer­ben manche Eltern, deren Kinder gut begabt sind, ihre

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