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Auldaer Zeitung

es preutzische Staalsoetmögen

Die deutsche Zugspihenbahn vor der Eröffnung

NIVEA-CREME^

durch

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Der neue Haushaltsplan des Preußischen aates für das Rechnungsjahr 1930 gibt aua) eingehende Darstellung über das Preußische Ltaatsoermögen und die preußischen Staatsschul-

Vor dem Kriege wurde das preußische Aaatsvermögen in roher Schätzung des Wertes aVf etwa 30 Milliarden Mark beziffert. Die Staats­bahnen figurierten in dieser Summe mit ihrem Anlagekapital in Höhe von 18*4 Milliarden Mar». Legt man den Ertragswert zugrunde, so würde der Wert des preußischen Staatsbesitzes in der „rkriegs'eit ach rund 40 Milliarden Mark be- taufen haben. 1913 stand diesem Vermögen eine Rentenschuld von rund 10 Milliarden Mark gegen-

Rm. und zur Beseitigung von Hochwasser- und Sturmflutschäden rund 23 Millionen Rm.

Iw Bereich der Finanzverwaltung sind rund 5,3 Mill. Rm. Darlehen, insbesondere für die Aus­gestaltung des Bades Pyrmont, gemährt. — Für den Bau von Bolksschulen in den Grenzbezirken und von Höheren Schulen, sowie für sonstige Zwecke im Bereich der Kultusverwaltung smd ins­gesamt rund 23 Millionen Rm. Kredite gegeben worden.

3n der Wohlfahrtsverwaltung find für Wasser- versorgungs- und Entwässerungsanlagen Kredite in Höhe von 5,2 Mill. Rm. gegeben worden. Die Darlehen zur Milderung der Arbeitslosigkeit im Wege der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge be­laufen sich auf rund 215 Mill. Rm. auf dem Ge­biete der Wohnungsfürsorge sind insgesamt an Darlehen und Hypotheken rund 746 Mill. Rm. ver­ausgabt, wovon rund 665 Mill. Rm. auf Haus­zinssteuerhypotheken entfallen. — Aus der lieber- lasfung der Staatseisenbahnen an das Reich steht dem Preußischen Staat noch eine Forderung (Rest­kaufgeld) von rund 5,1 Milliarden Rm. zu. Die nach der Befestigung der Währung notwen­dig gewordene Neuregelung der Abfindungs­frage hat bisher noch nicht zum Abschluß gebracht werden können. Der Gesamtwert des durch den Friedensvertrag verlorenen Preu­ßischen Saatseigentums ist ohne den Wert der Saargruben auf rund 2,5 Milliarden Gm. ge­schätzt worden. Obwohl das Reich grundsätzlich seine Verpflichtung zur Entschädigung dieser Schäden an­erkannt hat, hat es bisher an Abschlagszahlungen

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,276.

xjkag, den 29. November 1929.

Die neue bayerische Zugspihen-Bahn vor der ersten Probefahrt.

Im Hintergrund das Weltersteingebirge.

Die neuerbaute bayrische Bahnlinie zwischen Garmisch und Eibsee, die eine schnelle und bequeme Verbindung mit den Orten am Fuße des Zugspitzen Massivs herstellt, wird in den nächsten Tagen in Betrieb genommen werden.

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denen Körperschaften des öffentlichen Rechts und des Privatrechts.

Unter Leitung des Staates steht die Preußische Zentralgenossenschaftskasse, deren wesentliche Auf­gabe ist, den genossensrltaftlichen Personalkredit der mittleren und kleineren Landwirte und Handwerker zu pflegen. Die Stammeinlage des Staates an dieser Kaffe beträgt 75 Millionen Rm. Von dem Grundkapital der Preußischen Landespfandbrief­anstalt besitzt der Staat 27,1 Millionen Rm. An der deutschen Girozentrale ist der Staat mit einer Einlage von 10 Millionen Rm. beteiligt.

Die wichtigste privatrechtliche Beteiligung des preußischen Staates stellt der Besitz des gesamten Aktienkapitals der am 8. März gegründeten „Ver­einigten Elektrizitäts- und Bergwerks A.-G" in Berlin in Höhe von 180 Millionen Rm. dar, in die der Staat seine Aktien der Preußischen Bergwerks­und Hütten A.-G., der Bergwerksgesellschaften Hi- bernia und Recklinghausen, sowie der Preußischen Elektrizitäts A.-G., eingebracht hat. Die Bedeu­tung der Beteiligung mag daraus ersehen werden, daß in den Bergwerken der genannten Gesellschaf­ten im Jahre 1928 rund 15,5 Millionen Tonnen Steinkohlen, rund 210 000 To. Braunkohle, rund 400 000 To. Roherze, rund 700 000 To. Kaliroh- salze gefördert und daß rund 240 000 To Stein- und Siedesalz und rund 430 000 Kg. Rohbernstein gewonnen wurden. Die gesamte Stromabgabe der Preußischen Elektrizitäts A.-G. betrug im Jahre 1928 rund 370 000 000 kWh. Der Preußische Staa» besitz ferner die gesamten Aktien der Preußischen Druckerei u. Verlags-A.-G. über 2,6 Millionen Rm. Er ist an verschiedenen Hafengesellschaften betei­ligt, insbesondere der Duisburger-Ruhrorter Hafen- A.-G. mit 12 Millionen Rm. (= 66% v. H.), der Em- der-Hafenumfchlagsgesellschaft m. b.H.mit 200 000 Inm. (— 100 v. H.), der Hamburg - Preußischen Hafengemeinschaft G.m.b.H. mit 35 Millionen Rm. (= 50 v. H.), der Stettiner Hafengesellschaft m.b.H. mit 25 Mill. Rm. (— 50 v. H.)_ An weiteren Be­teiligungen sind insbesondere zu nennen: die Betei­ligung an der Deutschen Lufthansa A.-G. sowie an 12 Flughafengesellschaften mit einem Kapital von insgesamt rund 8,3 Mill. Rm., an zwei Rund­funkgesellschaften mit einem Kapital von 110 000 Rm., an der Deutschen Revisions- und Treuhänd- A.-G. mit einem Kapital von 300 000 Rm., der Deutschen Holzwirtschastsbank A.-G. mit 272 000 Rm., 7 Privateisenbahnen mit rund 6,2 Millionen Rm., 146 Kleinbahngesellschaften mit rund 60,8 Mill. Rm., 15 gemeinnützigen Siedlungsgesellschak- ten mit rund 14,9 Mill. Rm. und 18 gemeinnützi­gen Wohnfürsorgegefellschaften mit rund 32 Mil!. Rm.

Daneben sind von Preußen an verschiedene In- dustrieunternehmungen sRLchling, Oberschlesische Hüttenwerke, Niederschles. Bergbau-A.-G., Mecher- nicher Werke, Sommerfeld), an die Ostpreußische Mittel- und Kleinindustrie und an mehrere Hafen­gesellschaften und Schifsahrtslinien Kredite im Ge­samtbeträge von 45 Mill. Rm. gezahlt worden. — Zur Förderung der Landwirtschaft, so für land­wirtschaftliche Siedlungen, Meliorationen, Land­wirtschaftliche Umschuldungen und dergleichen sind an landwirtschaftlichen Krediten rund 137 Millio­nen Rm. verwandt worden. — An Gemeinden und Eemeindeverbände sind aus verschiedenen Fonds insgesamt 47 Mill. Rm. Kredite gegeben, davon allein an Gemeinden des Ruhrgebietes 9 039 000

Angenehmes Rasieren, Ersparnis an Klingen i

Der unglückliche Aus gang des Krieges, der Ver­lust blühender preußischer Provinzen mit zahlrei- tfcn wertvollen Domänen, Forsten, Gestüten, Bergwerken usw. mußte das preußische Staatsver- niögen sckwer treffen. Seinen wertvollsten 23er- mcaensbestandteil, die Eisenbahn, die trotz des Einflusses und der Nachwirkungen des Krieges ihren Goldwert ,m wesentlichen behalten hatte, mußte außerdem dem Reich überlassen, um die Erfüllung der Reparationen zu ermög­liche!^

■BfS jetzige Staatsvermögen ist entsprechend hei Zweckbestimmung entweder Verwaltungsvermögen, I Mit es einem öffentlichen Dienst oder Gebrauch' „ewidmet ilt und zur Erfüllung des Staatszweckes benutzt wird, oder Finanzvermögen, soweit es näm- ffrii nach wirtschaftlichen Grundsätzen zur Erzielung von Einnahmen verwendet wird.

Das Verwaltungsoermögen besteht in den einem Crwerbszweig nicht dienlichen staatlichen staatlichen Grundstücken, Landtags-, Justiz-, Regie- runqs- und sonstigen Verwaltungsgebäuden, staat­lichen Opernhäusern und Theatern, Staatsbiblio­theken, Universitäten und Hochschulen mit Klini­ken und Instituten. Akademien, Versuchsgütern und fforschungsanstalten, Gymnasien und sonstigen Sstuleu, Museen, Kunstsammlungen und Schlös­sern. Dazu kommen das vorhandene Inventar, die m den Museen. Bibliotheken usw. vorhandenen wertvollen Kunstschätze, Sammlungen usw.

Bezüglich des Finanzvermögens spielen zunächst die Staatsgüter und Staatsforften eine Rolle. Der preußische Staat ist auch heute noch der größte deutsche Grundbesitzer. Seine Domänen haben eine Größe von 371 000 Hektar. Die Forsten umfassen eine Flache von fast 2,5 Millionen Hektar. Der Wert der Domänen kann mit 650 Millionen, der der Forsten mit 4,5 Milliarden beziffert werden.

Der Grundbesitz der preußischen Gestüte (4 stäupt- und 16 Landgestüte) wurde bei der Auf­nahme der amerikanischen Anleihe auf rund 21,4 Millionen beziffert.

Zu den sonstigen Staatsbetrieben gehören die Staatliche Münze, die Staatliche Porzellanmanu- saktur, der Deutsche Reichs- und Preußische Staats» onzeiger, der zusammen mit dem Reich geführt unrd, die Staatslotterie, die Preußische Staatsbank (Seehandlung), ferner das Staatliche Leihamt und die staatlichen Häfen in Emden, Norddeich, Nor- deney, lDesermünde, Harburg-Wilhelmsburg, Glück- ftadt, Büsum, Saßnitz, Swinemünde, Kolberg, Rü- Mwaldermünde, Stolpmünde, Pillau und Neu- kuhren.

, Sehr interessant sind die Mitteilungen über die Beteiligungen des Preußischen Staates an verschie­

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für die Preußische Forderung nur eine Summe von rund 57,1 Mill. Gm. gezahlt.

Im Ganzen kann das heutige Vermögen des Preußischen Staates auf eine Summe von rund 70 Milliarden Reichsmark geschätzt werden.

* Vorwürfe gegen die Leitung des Kürburgrin­ges. Eines der führenden Mitglieder der preußi­schen Landtagsfraktion des Zentrums, Abg. Dr. Heß- Ahrweiler, beschäftigte sich in einer Klei­nen Anfrage mit dem am 28. Sept. ds. Js. auf der Autoprüfungsstraße erfolgten tödlichen Unfall und mit einem weiteren Unfall am 30. Ott. ds. Ss. Die Unfälle hätten sich an der sogenannten Steilstraße ereignet, die seiner Zeit aus wohler- wogenen Sicherheitsgründen nur halbseitig beto­niert worden sei, damit die Wagen eventuell auf die halbe Weichseite in Fällen von Gefahr über­gehen könnten. Die neue Verwaltung der Nürburg­ring G.m.b.H. habe diese Seite ebenfalls betonie­ren lassen. Das Staatsministerium soll prüfen, ob diese Unfälle vielleicht damit in Zusammenhang stehen. Weiter wird behauptet, daß die neue Ver­waltung ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen wäre, ein Krankenauto für die Beförderung des Verletzen nach Adenau zu stellen, wodurch dieser schwer gefährdet worden sei. Das Staatsministe­rium soll diese Vorfälle nachprüfen und dabei fest­stellen, ob wegen des Verhaltens der Nürburg- verwaltung sogar der Tod eines nicht rechtzeitig abtransportierten Verletzten eingetreten sei. Bei der Prüfung dieser Vorwürfe soll die frühere Ver­waltung des Nürburgringes mit herangezogen werden.

BOllIltimiSS

W NmöWsSMleü We».

Roman von M. W. Sophar.

35] ---------

„Ich log ihm etwas vor," unterbrach Stella sie ru­hig — „oder vielmehr du tatest das für mich. Du sag­test ihm, ich liebte ihn nicht genug, um seine Frau zu werden, und dabei liebte ich ihn aufrichtig und — heiratete einen anderem"

Ihr kurzes Ehereben hatte Stella gelehrt, mutiger gegen ihre Mutter zu sein, so daß sie ihr nicht mehr so gefügig war als in früheren Zeiten.

„Wenn du Archur wirklich so geliebt hast, wie du jetzt behauptest, dann wundere ich mich, daß du so schwächlich warst, ihn aufzugeben," sagte sie höhnisch.

„Wunderst du dich wirklich darüber, Mutter?" Stella trat plötzlich neben Frau Bendler und sah in ihrem langen schwarzen Kleid sehr groß und imponierend aus. „Du weißt reecht gut, was mich Arthur aufgeben ließ " sagte sie, heftiger werdend. „Du warst stets imstande, mich das tun zu lassen, was du wünschtest. Vielleicht „Du weißt recht gut, was mich Arthur aufgeben ließ," den Arm schlaff mit der hilflosen Gebärde herabsinken, die für einen schwachen Charakter so bezeichnend ift „Ich vermute, du schmiedest fetzt schon wieder Pläne für mich," fuhr sie nach einer kleinen Pause fort, indem sie ihrer Mutier Gesicht, auf dem noch ein verächtliches Lächeln schwebte, mit forschenden Blicken betrachtet hatte. „Weshalb hast du mir das von Arthur gesagt?" Willlst du uns wieder zusammenführen? Was hätte das für einen Zweck? Ich bin nicht reich, er ist es auch nicht, wenn er nicht in Australien ein Vermögen erworben Hai — was könnte es also ihm oder m-r nützen, wenn wir uns wieder sähen? Er täte besser daran, Malchen Mühe zu heiraten. Matchen Mühe ist allgemein beliebt — weil sie Geld hat."

Stella hatte mit wachsendem Verdruß gesprochen, und die letzten vier Worte erinnerten an die Art eines erzogenen neidischen Kindes. Sie trat von Frau Bend­ler zurück und durchwanderte das Zimmer, während ihre Mutter sie mit verächtlichem Lächeln beobachtete.

„Du kommst in einem Atemzug zu hundert Schlüs- I sen," sagte die Aeltere endlich, „deshalb ist es schwer, |

zu wissen, ob du rationellen Vorschlägen zugänglich bist und sie verstehst."

„Was hast du für Vorschläge zu machen? Wenn du neue Mittel und Wege hast, Geld zu schaffen und mir eine große Mitgift geben kannst, dann hat es Sinn und Zweck, daß ich Arthur wiedersehe. Er hatte mich sehr lieb" — ein verliebtes Lächeln überzog langsam ihr reizendes Gesicht — „ja, er hatte mich sehr lieb, er besaß gerade die anbetende, lächerliche Verblendung, wie sie manchen Mann betört, und ich glaube, er würde sie noch haben, wenn er mich wieder sieht. Ich — ich habe mich doch nicht sehr verändert." Stella blieb vor dem hohen Spiegel am Kleiderschrank stehen und be­trachtete ihr Bild mit einiger Befriedigung. Sie ge­hörte zu den glücklichen weiblichen Wesen, denen tiefe Trauer ungemein gut steht, ihr Gesicht und Hals blen- beten geradezu durch ihre Weiße, die sich von dem sie umgebenden tiefen Schwarz abhob. „Jedenfalls doch nicht zu meinem Nachteil verändert, Mutter?" Die Frage klang stöhlich.

„Nein, das haft du nicht — du hast dich sogar zu deinem Vorteil verändert und weißt das ganz gut," ent­gegnete Frau Bendler. „Und du wirft ohne Zweifel noch weiter diese tiefschwarzen Kleider tragen und so­lange du nur irgend kannst, weil sie dir vorzüglich ste­hen — nicht etwa aus Trauer um den braven Edgar."

„Der brave Edgar. Nein, um ihn trauere ich nicht sehr tief. Weshalb sollte ich das auch? Ich habe ihn nie geliebt, und er war schon einen Monat nach unserer Hochzeit gar nicht mehr nett gegen mich. Aber sicher­lich trage ich noch einige Monate Schwarz; es steht mir ja so vorzüglich."

„Ja, — Schwarz steht dir ganz vorzüglich, und ich gebe dir auch gern zu, daß du ein sehr hübsches Gesicht haft, aber ich frage mich — glaubst du, daß du auch Gemüt besitzest?"

Stella hielt in ihren langsamen Bewegungen vor dem Spiegel inne, um ihre Mutter mit ihren weitge­öffneten blauen Augen überrascht anzustarren. Ihre kindlichen Lippen bebten.

„Gemüt? Weshalb sprichst du so, als ob du daran zweifeltest?"

„Das tue ich auch," lautete die schroffe Antwort. „Denfft du wohl jemals an etwas anderes als an deine Toiletten und dein Aussehen?"

I Die reizenden Lippen kräuselten sich in rührender | Weise, in die blauen Augen treten Tränen.

„3ch weiß nicht, weshalb du so hart und unfreund­lich mit mir sprichst," sagte Stella kläglich. „Ich habe nichts getan, das dich dazu veranlassen könnte. Ich weiß nicht, weshalb du mich so schlecht behandelst."

„Benimm dich nicht unsinnig," sagte die Mutter streng und in dem Ton, der nie versagte, die hysteri­schen Anfälle Stellas zu unterdrücken. Du hast übri­gens gar keinen Grund zum Weinen. Ich bin weder hart noch unfreundlich gegen dich. Im Gegenteil, ich erzähle dir eben, daß Arthur Darberg, den du zu lieben .vorgibst, bald nach Deutschland zurückkommt, und daß ich alles tuen werde, euch wieder zusammenzubringen."

„Aber das hat doch keinen Zweck, wenn weder er twd) ich Geld habe," seufzte Stella. „Es wird dann wieder das alte Elend sein. Er heiratete besser Malchen Mühe — Malchen hat Haufen Geld — und — und Schönheit und alles."

„Aber, liebe Stella, deine Phantasie läuft mit dir davon. Malchen Mühe steht jetzt weit über Arthur. Sie wird höher steigen wollen, als zu einer solchen Rull, wie er ist. Ich glaube, Frau Grau denkt an ei­nen Grafen für sie."

Mit der beharrlichen Hartnäckigkeit eines schwachen Charakters wiederholte Stella: „Also was nützt es, daß ich Arthur wiedersehe. Wenn er kein Vermögen hat, können wir uns doch nicht heiraten. Er soll sich nur in Malchen verlieben."

„Er soll Malchen nicht heiraten — wenn ich in die Speichen des Rades greifen kann", sagte Frau Bend­ler mit einem so boshaften Blick und voll Haß, daß Stella sich entsetzte. „Gottfried Hallers Geld muß an Arthur kommen — und an dich als Arthurs Frau Malchen Mühe soll Arthur nicht heiraten, so lange ich das verhindern kann. Das lächerliche Testament muß umgangen werden."

„Weshalb erregst du dich denn noch immer so über das Testament?" sagte Stella nachdenklich, „und ich wundere mich, daß du so entschlossen bist, Malchen an der Erfüllung der Wünsche ihres Paten zu verhindern. Cs scheint, als ob —"

„Als ob was?" fragte Frau Bendler scharf. Ihre Nerven waren gespannt, ihre Stimmung auf einen un- I erträglichen Grad der Siedehitze gebracht. 1

„Als ob du Grund hättest, dem verstorbenen Herrn Haller zu trotzen," antwortete Stella, „sonst wüßte ich nicht, weshalb du Arthur mir aufdrängen und von Mal­chen zurückhalten solltest."

Ohne ein Wort der Erwiderung abzuwarten, ver­ließ Stella das Zimmer — sie hatte ihren Pfeil abge­schossen.

Ihre Mutter rang nach Atem.

„Als ob du Grund hättest, dem verstorbenen Herrn Haller zu trotzen." Die Worte schienen noch in Stellas klarer Stimme im Zimmer widerzuhallen, und einen Augenblick überwältigte sie die entsetzliche Furcht, daß ihre Tochter in der neuerwachten Schlauheit zu tief in ihrer Mutter Hoffnungen und Pläne eingedrungen sei-

„Es kann doch nur ein Zufall gewesen sein." dachte sie dann nach einigen Minuten ruhiger Ueberlegung. „Stella kann den Schlüsiel zur Vergangenheit nicht be­sitzen. sie kann ihre Hand nicht darauf legen — und doch ist es sonderbar, daß sie gerade das gesagt hat."

„Als ob du Grund hättest, dem vverstorbenen Herrn Haller zu trotzen", und ehe das Echo dieser Worte ver­klungen war. erhoben sich aus längstvergangenen Zeiten Visionen und starrten ihr wieder ins Antlitz.

„Ein Trotz gegen — Gottfried Haller?"

Wie lange war es her, daß sie und — und ein an­derer in dem Unterholz gestanden hallen, das neben dem Garten ihres Vaters lag. Es war das Reine Ha- felnußwäldchen, in dem sie in den noch weiter zurück­liegenden Tagen ihrer unschuldigen Kindheit Schlüssel- bhinten gepflückt hatte. Der andere, der neben ihr in dem Haselnußbusch gestanden, halle eine feste Hand ihr auf die Schulter gelegt an jenem Aprilmorgen, eine feste, aber zärtliche Hand, die mit einer sanften und doch zwingenden Berührung auf ihr gelastet. Seine Stimme klang ihr so deutlich in den Ohren wie eben noch Stellas Stimme, und die Worte, die er zu ihr gesprochen, und die ein halbes Menschenalter unter der Decke der Selbstsucht und des Bösen, das sie darauf ge­häuft, verborgen gelegen, kehrten jetzt zu ihr zurück.

„Bedenke wohl — ich setze auf dich, meine Geliebte, mein ganzes Vertrauen. Wenn du mich enttäuschest, werde ich meinen Glauben an Weiblichkeit und Güte füi immer verlieren."

(Fortsetzung folgt)