56. Zahrg
Ilr. 274
Mittwoch, 27. November 1929
Zum Tode George Llemenceaus
Der Höhepunkt im Leben des „Tigers
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Clemenceau beispricht mit den Führern der Entente- Mächte die Einzelheiten des Versailler Vertrags. Don links nach rechts: Lloyd George (England), Orlando (Italien), Clemenceau, Wilson (Amerika).
Das Leben Clemenceaus, den die Franzosen selbst den „Tiger" nannten, gipfelte im Diktat von Versailles, mit dem er die Niederwerfung Deutsch lands verewigen wollte. Auf seinen Einfluß ist
in ihrer Macht steht, tun, um die K r i e g s s ch u ld- frage zur endgültigen Lösung zu bringen. Sie mutz jedoch in der Wahl der Mittel und des Zeitpunktes ihrer Anwendung die Entschließungsftei- heft behalten.
Die deutsche Autzenpolitik hat in den vergangenen Jahren ihr ganzes Bemühen darauf gerichtet, den Anspruch Deutschlands aus alsbaldige Befreiung der besetzten Gebiete durchzusetzen. Es hat sich erwiesen, daß dies ohne gleichzeitige Neuregelung der Reparationsfrage nicht möglich war. Die Lossagung von den auf der Haager Konferenz gei- troffenen Vereinbarungen würde deshalb die Räumung des Rheinlandes völlig ins Ungewisse stellen und eine schnelle Regelung der Saarfrage unmöglich machen.
In der Entwicklung der Reparationsfrage sieht die Reichsregierung den Bericht der Sachverstän- digen vom 7. Juni 1929 trotz ihrer schweren Bedenken gegen die darin vorgesehene Belastung Deutschlands als einen Fortschritt gegenüber der jetzt geltenden Regelung an. Eine endgültige Stellungnahme zu dem Bericht, sowie die Würdigung seiner Einzelheiten mutz Vorbehalten bleiben, bis die im Gange befindlichen internationalen Verhandlungen über feine Inkraftsetzung abgeschlossen sind. Schon jetzt kann aber festgestellt werden, datz der Bericht eine Ermäßigung der deutschen Zahlun- gen und die Beseitigung der ftemden Aufsichtsinstanzen vorschlägt. Aus diesem Grunde hat die Reichsregierung in Uebereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit des Reichstages sich entschlossen, auf der Grundlage des Planes in die internationalen Verhandlungen einzutreten. Sie ist auch heute noch der Ueberzeugung, datz die Rückkehr zu der Regelung des Dawesplanes für Deutschland eine sehr viel schwerere Belastung bedeuten würde.
auch der Umfall des Friedensfreundes Wilson bei der Konferenz zurückzusühren.
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Die Beisetzung Clemenceaus erfolgte Montag bei La Roche-sur-Pon in der Vendee in der Zeit von 12.05 bis 12.30 ohne Zeremonie in Anwesenheit der Familienmitglieder und von etwa 20 Freunden. Reden wurden nicht gehalten
Laut Voss. Ztg. sind sich die Regierungsparteien darüber einig, daß, solange die Verhandlungen über die neue Reparationsregelung nicht endgültig abgeschlossen sind, es ratsam ist, große Debatten über den Noungplan oder gar Beschlüsse, die die Reichsregierung irgendwie sestlegen könnten, zu vermeiden.
Die Saarbesprechungen.
Die im Kommunique der Eröffnungssitzung der Saarkonferenz vorgesehenen offiziösen Besprechungen zwischen den Führern der deutschen und der französischen Saardelegationen haben begonnen. Die Beratungen, an denen auch die Vorsitzenden der inzwischen innerhalb der beiden Delegationen gebildeten drei Unterausschüsse teilnahmen, dienen der Aufstellung eines Arbeitsprogramm es dieser drei Unterausschüsse. Als Ergebnis der Besprechungen kann festgestellt werden, daß schon in den nächsten Tagen die Kohlen- und die Wirtschaftskommission ihre gemeinsamen Arbeiten beginnen werden.
Jasper zurückgekreken.
Aus Brüssel verlautet: Der belgische Ministerrat trat am Montag zu einer Besprechung über die Genter Universitätsfrage zusammen. Die Besprechung wurde damit abgeschlossen, daß das Kabinett seinen Rücktritt des chloß.
Ministerpräsident Iaspar begab sich am Dienstag vormittag ins Schloß, um dem König das Rücktrittsgesuch des Gefamtkabinetts zu überreichen. Der zurücktretende Ministerpräsident hatte mit dem König eine mehr als einstündige Unterredung.
Eine Tagung der Bayrischen Volksparkei
Dr. Hetz für die Erhaltung Preußens.
Die Bayrische Volkspartei hielt in München ihre Landesversammlung ab, die einen außerordentlich starken Besuch aufwies, und an der u. a. Ministerpräsident Dr. Held, Reichspostminister 5i)t. Schätzet und prominente Mitglieder des deut- wen Zentrums und der Christlich-Sozialen in Oesterreich sowie der Präsident des Saarländischen Landesrates Scheuer teilnahmen.
In seiner Eröffnungsansprache legte der Parteivorsitzende Landtagsabgeordnete Schäffer kurz die Ziele der Bayrischen Volkspartei, die eine Weltanschauungspartei sei, fest. Damit das Reich nach außen hin, so erklärte er u. a., geschlossen dastehen könne, bedürfe es der inneren Frei- .heit. ES müsse aufgebaut sein auf freien Bundesstaaten. Der Wille sei stahlhart, den Kampf zu führen bis zum letzten.
Einen der Hauptpunkte der Tagesordnung bildete das Problem
„Großdeutscher Gedanke und Föderalismus", wozu Parteivorsitzender Schäffer-München und Nationalrat Schuschnigg-Innsbruck Referate erstatteten. Schäffer äußerte in seinem Referat u.a.:
Den süddeutschen Ländern verweigere man die Erfüllung bindender Derttäge; man breche Gesetze, die zum Schutze dieser Länder gegeben seien, !'a man verletze sogar die Verfassung, wenn sie dem lebenswillen der Länder diene. Wolle man die großdeutsche Zukunft wählen, so dürfe man nicht auf staatlichen Zwang, nicht auf einer Politik
Matt im Auswörkigen Ausschuß
Kabinettskrise in Belgien.
sUldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Aus Berlin wird gemeldet: Nach Pressemeldungen hat der preußische Zentrumsführer Dr. Heß in München erklärt, daß Ministerialdirektor Dr. Bercht, wenn er sich auf der Länderkonferenz für die Zerschlagung Preußens eingesetzt habe, nicht die Auffassung der Mehrheit des Preußischen Landtages hinter sich habe. Dr. Brecht hat darauf, wie der Amt!. Pressedienst mitteilt, an Dr. Heß telegraphiert, daß die Herrn Heß zugegangene Information, Brecht sei in den Unterausschüssen der Länderkonferenz für eine Zerschlagung Preußens eingetreten, vollständig unwahr sei: das Gegenteil treffe zu. Er werde Dr. Heß sogleich nach seiner Rückkehr persönlich informieren.
gangspunkt und ganz andere Ziele. Ist man sich darüber klar bei allen Deutschen, daß es eine unglaubliche Illoyalität gegen diejenigen darstellt, die 1919 für die Weimarer Verfassung gestimmt haben, wenn man ihnen jetzt nachträglich zumutet, und zwar unter Zwang zumutet, die Grundpfosten dieser Verfassung umzustürzen ohne Rücksicht auf die Auffassungen, die beim Zustandekommen maßgebend waren? Solange Bayern und die übrigen Staaten sich selbst treu bleiben, solange wird uns nichts passieren. Ein sehr wirksames Mittel gegen die Aushöhlung der Länder wäre die Einigkeit der Länder untereinander.
In der weiteren Debatte ging der Vertteter der preußischen Zentrumsfraktion Landtagsabgeordneter Heß auf die Frage der Wiedervereinigung der Bayerischen Vollspartei mit der Zentrumspartei ein, die beide dem Herzen nach zusammen gehörten. Es sei das Recht der Bayerischen Volkspartei, darauf zu dringen, daß gewisse grundlegende Fragen vorher geregelt werden. Die wich- ttgste Voraussetzung für die Wiedervereinigung der beiden Parteien bestehe darin, daß die Deutsche Zentrumspartei dem Problem Reich und Länder gegenüber einen Standpunkt einnimmt, der für Bayern und die Bayerische Volkspartei tragbar sei. Er wandte sich gegen die Zerschlagung Preußens und sagte zur Haltung der „Kölnischen Äolkszeitung" und der „Germania", die Selbständigkeit der Presse dürfe nicht so weit gehen, daß sie die von den maßgebenden Instanzen der deutschen Zentrumspartei genehmigten Richtlinien zum Problem Länder und Reich einfach nicht beachten. Hier wo es sich um eine lebenswichtige Frage handle, müsse sich die gesamte deutsche Zentrums- presse darüber klar sein, daß sie Sonderstandpunkte nicht vertreten dürfe. Zu der Haltung des Landeshauptmanns der Rheinprovinz Dr. Horion, auf der Länderkonferenz könne er nur sagen:' „Wir haben uns Herrn Dr. Horion nicht ausgesucht." Ministerialdirektor Dr. Brecht habe mit seinen Auffassungen nicht dieMehrheit desPreu- ßischen Landtages hinter sich, und es werde sich bald Gelegenheit bieten, das zu zeigen.
Finanzminister Dr.Schmelzle legte die Stellungnahme des Ministers und der Regierung zu den neuen Finanzplänen der Reichsregierung dar und erklärte:
Wir lehnen es ab, daß die finanziellen Verpflichtungen, die das Reich nach dem Poungplan zu übernehmen im Begriffe steht, etwa dazu benutzt werden, uns finanziell zu vergewaltigen und auf dem Wege der finanziellen Untergrabung unserer staatlichen SelbständigkeitBayern zur Provinz eines großpreußischen Einheitsstaates zu machen. Sollte der Poung-Plan dazu benutzt werden, dann wäre damit wohl auch unsere Zustimmung zur Annahme des Poung-Planes in Frage gestellt.
Am zweiten Tag sprach Reichstagsabaeordneter Leicht über Fragen der Politik im Reich. Er betonte, Zentrum und Bayerische Volkspartei seien völlig einig in der Auffassung, daß die Reichskoa- litton für beide Parteien nicht mehr bestehe, wenn gMen ihre Weltanschauung im Reichstag so weiter vRgegangen werden sollte. Die Fraae der Annahme des Poungplanes könne heute noch nicht abschließend beurteilt werden.. Am Volksentscheid werde sich die Bayerische Volkspartei nicht beteiligen.
Reichsminister a. D. Dr. Bell erklärte unter lebhaftem Beifall: Beide Schwestervarteien, Zentrum und Bayerische Volkspartei, müßten, solange sie noch getrennt marschieren, jedenfalls bei den großen Schlachten vereint schlagen. Bezüglich des Poungplanes decke sich die Auffassung des Zentrums restlos mit der Dr. Leichts. Das Zen
trum und auch andere große polittsche Parteien hätten sich die endgültige Stellungnahme nach jeder Richtung hin v o r b e h a l t e n.. Seine Partei unterschätze die schweren Bedenken gegen den Poungplan, die von Tag zu Tag stärker würden, nicht. Das Zentrum werde auf das gewissew- hafteste die Vorteile uyd Nachteile gegeneinander abwägen.
Fraktionsvorsitzender Abgeordneter Dr. W o h I- muth sprach über die Frage der bayerischen Lan- despolittk und die bayerische Koalitionsfrage. Die Koalitionskrise in Bayern beginne an dem Punkte, wo sich die Deutschnationalen einer Politik mitverschrieben haben, die auf die Zerstörung der Ordnung in Bayern und auf die Revolution hinausläuft.
In einer Entschließung wurde betont, daß die Annahme des Poungplanes nicht mehr tragbar scheine, wenn die Räumung der dritten Zone bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht gesichert sei, die Verhandlungen über das Schicksal des Saar-- gebietes unbefriedigend verlaufen und der Poung- plan zur Aushungerung der Länder benutzt werde.
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Aus München wird gemeldet: In einem Nachwort der offiziellen Parteikorrespondenz der Bayerischen Volkspartei zur Tagung der Bayerischen Volkspartei in München wird betont, daß dieser Landesparteitag eine große Manifestation der inneren Einheit der drei weltanschaulich gleichgerichteten politischen Parteien auf deutschem Boden war: Der Bayerischen Volkspartei, der Deutschen Zentrumspartei und der Christlich-Sozialen Partei Oesterreichs. „Diese drei Parteien", so wird u. a. ausgeführt, „sind in München zusammengekommen, um auszusprechen, daß in ihrem Lager immer noch das alte Großdeutschland nicht nur als Erinnerung und Romantik, sondern als ein Ziel der Zukunft wohne". Der Parteitag sollte und wollte, so heißt es dann weiter, keine Anschlußkundgebung sein, aber er war eine Manifestation einer Zusammengehörigkeit, die innerlich garnicht mehr des Zusammenschlusses bedarf, weil sie da ist. Dieser Parteitag werde für immer einen Platz in der Geschichte des deutschen Verfassungskampfes einnehmen, weil diesmal eine Stimme aus Preußen sich in aller Oeffent- lichkeit erhob, die nicht nur Bayern, sondern alle süddeutschen Staaten und alle deutschen Länder, die sich lebensfähig fühlen, zum Durchhalten aufforderte. Was der Abg. Heß, eine führende Persönlichkeit des Zentrums in Preußen, im Namen der preußischen Landtagsfraktion des Zentrums über die deutsche Frage ausführte, werde für die weitere Entwicklung der sogenannten Reichsreform bedeutsamer sein, als die ganzen bisherigen Beschlüsse der Länderkonferenz. Man werde in Deutschland darauf hören müssen, wenn das preußische Zentrum auf bayerischem Boden erklären läßt, daß es keineswegs gewillt sei, jene Lösungen der preußischen Frage mitzumachen, wie sie zur Zeit auf der Länderkonferenz ausgeheckt wurden.
der Macht, der Ueberstimmung und der Unterdrückung aufbauen.
Dr. Schuschnigg zeichnete in knappen Zügen das, was man in Oesterreich unter deuffcher Sendung verstehe. Die öffentliche Meinung in Oesterreich sei sich mit wenigen Ausnahmen ziemlich klar, daß eine länderweise Loslösung vom alten Staat und ein separater Anschluß einzelner Länder nicht in Frage kommen könne. Für das neue Reich könne es nur ein auch seinerseits bundesstaatlich gestaltetes Oesterreich geben.
In der Aussprache wandte sich Ministerpräsident Dr. Held den aufgeworfenen Problemen zu. Er stellte zwei Zeiterscheinungen als besonders verhängnisvoll heraus, nämlich die Ersetzung des Rechts durch Gewalt und Gewalttätigkeit und die ftivole Außerachtlassung des Prinzips der Wahrhaftigkeit im politischen Leben. Der Ministerpräsident watzdte sich dann dagegen, daß man den Kampf um die Reichsreform in einem Augenblick aufgerollt habe, wo wir ganz andere Dinge viel notwendiger zu tun hätten. Er erklärte: Will man denn die Zwangslage des Volles dazu ausnutzen, besondere Ziele zu erreichen, die man sich sonst nicht zu er- reichen traut? (Stürmischer Beifall.) Auch wir sind der Ueberzeugung, daß die Weimarer Der- fassung verbesserungsbedürftig ist, und wir haben dementsprechend eine Reihe von Vorschlägen gemacht. Was aber der Gegenstand der Reichsreform ist, hat einen ganz anderen Aus-
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VDZ. Berlin, 26. Nov. (Eig. Meld.) Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages, der unter dem DoM des Abg. Scheidemann (Soz.) stattfand, erstattete zunächst Reichsminister des Auswärtigen, Dr. C u r t i us, einen ausführlichen Bericht über die Haager Konferenzen. An den Verhandlungen des Ausschusses nahmen auch die Reichsminister Dr. Wirth, Dr. H i l f e r d i n g und Dr. Ste gerwa ld teil.
Die Aussprache wurde durch umfangreiche tri- tische Aeußerungen des Abgeordneten Graf Westarp (Dtn.) eröffnet. Als weitere Redner sprachen Abgeordneter Freiherr von Rheinbaben (-. V. P.) und Abg. Stoecker (kom.). Es ist an= Chmen, daß im Laufe der sehr eingehenden tte die beteiligten Minister noch verschiedentlich zu den einschlägigen Fragen das Wort nehmen. Die P o l e n f r a g e soll später behandelt werden.
Das Reichstags-Programm.
Der Reichskanzler hatte am Montag eine Besprechung mir den Führern der Reichstagsparteien. Dabei wurde die technische Seite der Reichstag, session beraten. Ueber die Besprechung berichtet das Berl. Tageblatt: Ueber die Behandlung des sogenannten Freiheitsgesetzes im Reichstag herrschte völlige Uebereinstimmung unter ben Regierungs- Parteien. Die von den Anhängern des Volksbegehrens geforderte Beratung in einem besonderen Reichstagsausschuß wird von den Regierungsparteien nicht zugestanden,- das parla- mentarische Schicksal der Vorlage soll sich im Reichstag so schnell wie möglich entscheiden. Die Regierungsparteien sollen sich hierbei auf die Abgabe ganz kurzer Erklärungen beschränken. Ueb- ttgens dürfte die Beratung nicht am Donnerstag, sondern erst am Freitag dieser Woche möglich werden, weil die Fristen für das Gesetz gewährt werden müssen.
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| Die Stellungnahme der Reichsregierung M dem Entwurf eines „Gesetzes gegen die Ver- Mvung des Deutschen Volles" lautet:
M, Das Volksbegchren macht den Versuch, die ^^mien der deutschen Außenpolitik für die Zukunft m weitem Umfange durch ein Reichsgesetz festzu- egen. Em derartiger Eingriff in die Handlungs- Wttiheit der Reichsregierung ist schon an sich ein beginnen, das mit einer gedeihlichen Führung der Staatsgeschäfte unvereinbar ist.
Roch ernster sind die Bedenken, die gegen den Inhalt der einzelnen Bestimmungen des begehrten Gesetzentwurfes sprechen. Der Entwurf ist aufgebaut auf dem Gedanken, daß durch den einseitigen schriftlichen Widerruf der Bestimmungen des Vertrages von Versailles über die Schuld am Kriege eine neue Grundlage für die Erreichung der Ziele der deutschen Außenpolitik geschaffen werden könne und müsse. Er geht davon aus, daß auf dieser Grundlage die förmliche Beseitigung jener Vertragsbestimmungen, die so- fertige und bedingungslose Befreiung der befehlen Gebiete und eine vorteilhafte Regelung der Reparationsfrage zu erzielen sei. Diese Annahme ist falsch.
Jede deutsche Regierung hat den einseitigen Schuldspruch des Vertrages von Versailles in feier- sichen Erklärungen zurückgewiesen und mit fortschreitendem Erfolge die gegebenen Möglichkeiten benutzt, um die Welt über die wahren Ursachen des Krieges aufzuklären. Die Reichsregierung vird selbstverständlich auch in Zukunft alles, was
MMitfa