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Hulda, den 23 November 1929

Der neue Landesausschutz.

■nie kommenden Wahlen im Kommunallandlag.

Don unserem Kasseler ^-Mitarbeiter wird uns kolaendes geschrieben:

' ~.r ritzte Landesausschuß in seiner jetzigen Zusam- «vnieNunq wird am Montag, den 9. Dezember und ähnlich auch noch am Dienstag den 10. Dezem. „ Dassel im Sitzungssaals des Standehauses zu ' .„' Sitzung zusammentreten, um zunächst die Wah.

twm 60. Kommunallandtag für den Regierungs- ' k.»,irk Kassel zu prüfen und die einzelnen Mitglieder I xinem bestimmten Rechnungsmodus auf die einzel. " «en Kreise zu verteilen, worauf dann beschlossen werden mird den n e u e n Kommunallandtag für die erste Hälfte ! «nnüar 1930 nach Kassel einzuberufen, der dann | Einerseits den neuen Landesausschuß zu wählen hat.

Wenn das Büro des neuen Kommunallandtages sich ge- < bildet haben wird, das aus dem Präsidenten und dem stellvertretenden Präsidenten und vier Beisitzern besteht, und Zwar zwei Schriftführern und zwei Stellvertretern, muß die Neuwahl des Landesausschusses vorgenommen werden, denn der Landesausschuß ist die eigentliche Ver­waltungsbehörde des Bezirksoerbandes für den Regie­rungsbezirk Kassel. Wie wir hören, ist nicht beabsich­tigt, die Zahl der Mitglieder des Landesausschusses durch den Hinzutritt der Kommunallandtagsabgeordneten aus dem ehemaligen Freistaate Waldeck zu erhöhen; auch nach Hinzunahme der Abgeordneten für die drei chemalig Waldeckischen Kreise soll die Zahl der Mit­glieder des Landesausschusses auf zwölf beschränkt bleiben. Diese zwölf Mitglieder hat der neue Kommu­nallandtag zu wählen. Nach dem bisherigen Rechnungs­modus werden auf die einzelnen Parteien folgende Stim­men für den Landesausschuß entfallen. Wenn die H e s s. Arbeitsgemeinschaft lediglich mit der Deut­schen Volkspartei zusammengeht, kommen auf diese vergrößerte Arbeitsgemeinschaft vier Mitglieder für den Landesausschuß, wenn zu dieser Arbeitsgemeinschaft auch noch die Wirtschaftspartei hinzutritt, was, wie wir hören, beabsichtigt ist, so wird diese Parteigrup­pierung mit fünf Mitgliedern im Landesausschuß ver­treten sein. Auf die Sozialdemokratische Par­tei entfallen dann vier Mitglieder für den Landesaus­schuß, auf das Zentrum würden zwei M i t g l i e- der für den Landesausschuß entfallen, aber, da auch die Kommunisten, ebenso die Nationalsozia- ! i st e n nach ihrer Parteistärke Anrecht auf je einen Sitz im Landesausschuß haben, aber doch eben nur zwölf vitzg,vorhanden sind, so müssen diese drei Parteien um ^lhre Sitze losen, das heißt in diesem Falle darum, ob das Zentrum einen zweiten Sitz im Landesausschuß erhält und in diesem Falle, wer von den beiden andern Parteien, den Kommunisten oder Nationalsozialisten auszuscheiden hat. Würde die Wirtschaftspartei sich nicht an die Hess. Arbeitsgemein­schaft bezw. mit dieser und der Deutschen Volkspartei zu dem neuen Rechtsblock im Kommunallandtag zusammen­schließen, so würde höchstwahrscheinlich das Zentrum ohne weiteres seinen zweiten Sitz im Landesausschuß * erhalten und die Wirtschaftspartei, die Kommunisten und die Nationalsozialisten müssen unter sich losen, wessen Vertreter nicht in den Landesausschuß kommen kann. Man sieht, daß es sich um ziemlich komplizierte Fragen handelt, die gleich beim Zusammentritt des neuen Kom- munallandtages akut werden. Die Wahl der übrigen Ausschüsse, wie des Hauptausschusses, des Eingaben-und Wahlausschusses, dürften sich verhältnismäßig einfacher gestalten, ebenso die Wahl der Beisitzer für die Landes- 'reditkasse in Kassel, die der neue Kommunallandtag Mmfalls vorzunehmen haben wird.

Ob man sich in Kassel auch die Vertek- lungszahlen schon ausgerechnet hat, wenn das Zentrum mit den Sozialdemokraten und den Demokraten so zusammengeht, wie man das Zusammengehen von Hess. Arbeits­gemeinschaft und Wirtschaftspartei für selbstver- ftändlich hält, entzieht sich unserer Kenntnis.

Das Schulgeld muß überwiesen werde«.

Bisher wurde an den Fuldaer Höheren Schulen aufgrund eines Ministerialerlasses vom 6. März 1925 das Schulgeld in bar an besonderen Hebe­tagen an der Schule entrichtet; nunmehr hat durch Erlaß vom 31. Oktober 1929 der Herr Minister die frühere Bestimmung aufgehoben und angeord­net, daß „an den öffentlichen Höheren Schulen das Schulgeld ausnahmslos durch Überweisung auf das Postscheckkonto der Schule gezahlt wird".

krafipostverkehr Fulda-Hosenfeld.

Infolge Straßensperrung verkehrt die Kraftpost Fulda-Hosenfeld vom 23. bis 27. November über Oberrode, Besges, Oberbimbach, Großenlüder, Kleinlüder.

Die können die Fernsprechteilnehmer an der Ver­besserung des Fernsprechbetriebes mitwirken?

Die Rationalisierung des Betriebes der Fern- fprechvermittlungsstellen im Sinne einer wirt­schaftlichen Betriebsführung ist feit langem bei der Deutschen Reichspost insbesondere durch die Um­wandlung der Handämter in selbsttätige Anlagen, sowie durch sorgfältige Auswertung der Verkehrs­beobachtungen und durch verbesserte Ausbildung des Personals erfolgreich gefördert worden. Recht erheblichie Schwierigkeiten stellen sich aber der Erreichung des günstigsten Wirkungsgrads durch überraschende Verkehrs st eigerung en außerhalb der regelmäßigen Haupt­verkehrszeiten entgegen, weil sie die Be­reithaltung unwirtschaftlicher technischer und Per­sonalreserven erfordern, die besonders bei den klei­nen und mittleren Handömtern nicht in ausrei­chendem Maße zur Verfügung gehalten werden können. Solche Schwierigkeiten ließen sich viel­fach leichter überwinden, wenn auch die Fernsprech­teilnehmer alles vermeiden würden, was unnützen Aufenthalt verursacht. Besonders in kleineren Ortsfernsprechnetzen denkt der Anrufer oft nicht daran, daß auch noch andere Verbindungsheischende

Fuldaer Zeitung (s mtUches Kreisblatt).

Sonntag, den 24. Aovemver 1929.

vorhanden sind, und nimmt daher die Dermitt- lungsbeamtin unnötig lange in Anspruch. An ei­nem stark belagerten Fahrkartenschalter entrüstet man sich mit Recht über den Vordermann, der den Schalterbeamten durch nicht zugehörige Fragen aufhält, sich große Geldscheine wechseln läßt oder gar lange Auseinandersetzungen mit ihm beginnt. Die gleichzeitig anrufenden Fernsprechteilnehmer aber sehen ähnliche Hemmungen der schnellen Ab­fertigung nicht und erklären alle Verzögerungen sogleich als Vetriebsmöngel. Wenn der Fernsprech­teilnehmer sich nur um die gewünschte Verbindung bemüht und unnötige Fragen usw., an die Be­amtin unterläßt, wirkt er nicht unwesentlich mit cm der Verbesserung der Fernsprechbetriebe.

Ellern, habt Acht auf Eure Linder.

Einige Vorfälle in den letzten Tagen lassen er­kennen, daß es auch in Fulda notwendig ist, die Kinder vor den Uebergriffen schmutziger Menschen zu schützen. Das kann dadurch geschehen, daß die Passanten auf den Straßen besser aufpassen, was um sie herumgeschieht, und dadurch, daß die Eltern sich darum bekümmern, wo ihre Kinder hingegan­gen sind. Sobald sich verdächtige Menschen an Kinder heranmachen, sollten die Vorübergehenden rücksichtslos einschreiten. Vor verderblichen Ele­menten müssen die Kinder mit allen Mitteln ge­

schützt werden. Kinder dürfen auch nicht in her Dunkelheit durch einsame Straßen geschickt werden. So sollten am Donnerstag abend zwischen 18 und 19 Uhr zwei Kinder einer Familie aus dem Lerchenfeld in der Stadt etwas besorgen. Beim Wallweg wurden sie von einem auswärtigen Auto überholt. Dieses hielt an, ein Mann stieg aus, fragte die Kinder um Auskunft und forderte sie dann auf, mit einzusteigen. Als die Kleinen sich weigerten, versuchte der Mann den Jungen mit Gewalt in den Wagen zu zerren. Die Schwester zerrte aber auf der anderen Seite, und beide schrien aus Leibeskräften um Hilfe. Als darauf Leute herbeieilten, sauste der Mann im Auto davon. — Auch in der Florengasse machte sich gestern abend gegen 5.30 Uhr ein unbekanter Mann an zwei 5 und 7 Jahre alte Kinder heran, die in einem Laden­geschäft etwas für die Mutter holen sollten. Er schickte den Jungen fort, und lockte das Mädchen in eine kleine Nebengasse, wo er unzüchtige Handlun­gen an dem Kinde vorzunehmen versuchte. Durch die ihr Kind suchende Mutter wurde er aber ver­scheucht. Wenn man auch geneigt ist, anzunehmen, daß die Menschen durch die grauenhaften Düssel­dorfer Vorfälle aufgeregt sind und deshalb auch harmlose Dinge schlimmer beurteilen, so erscheint die Mahnung angebracht: Habt Acht auf die Kinder!

Dank!

Fester nach jedem Sturm

Stehet der Zenlrumsfurml

Ein glänzender Wahlerfolg war uns am 17. November besdiieden. Mit uner­schütterlicher Treue haben unsere Wähler zur ruhmbedeckten Fahne des Zentrums gestanden und den Ansturm, der von allen Seiten gegen den Zentrumsturm vor­getragen wurde, abgeschlagen.

Wir sagen daher unserer treuen Wählerschaft den herzlichsten Dank. Unsere besondere Anerkennung aber gilt all den unermüdlichen Helfern und Werbern, be­sonders der begeisterten Jugend, die sich bis zur letzten Stunde bemühten, die säumigen Wähler zur Wahlurne zu bringen.

In alter Treue wollen wir auch in Zukunft fest und unerschütterlich zur Fahne des Zentrums stehen, für die unsere Väter in schweren wie in guten Tagen gekämpft haben.

Unsere Devise sei immerdar:

Für Wahrheit, Freiheit und Redii!

Und wenn die allen Fechter Sinken im harten Strauß, Dann kommen neue Gesdilediler Und fechten ihn mutig aus.

Der Vorstand der Ortsgruppe Fulda der Deutschen Zentrumspartei Singer, Vorsitzender.

Zeulrums-MhlslaWk aus Kurhessen.

Es ist interesiant, die Entwicklung der Zentrums­stimmen im Regierungsbezirk Kassel sich zu ver­gegenwärtigen. Es erhielt für die Wahl zum Kom­munallandtag am 17. November das Zentrum in den einzelnen Kreisen folgende Stimmen, denen die Stimmen bei den Neichstagswahlen am 20. Mai 1928 und am 7. Dezember 1924 ge- genübsrgestellt sind:

Landkreis Fulda: Stadtkreis Fulda: Gelnhausen: Hünfeld: Gersfeld: Kirchhain: Schlüchtern Kassel Stadt: Hanau Land Hanau Stadt: Fritzlar:

Marburg Land: Marburg Stadt: (Stadt und Land:

18173 (15 939);

9119 (6 668) , ♦)

7 211 (6146 und 6 600);

6 767 (4 170 und 7 668);

5 538 (4 841 und 6 279);

5 018 (4 337 und 4 755);

4 200 (3 290 und 3 625);

3 772 (4170 und 4 607);

2100 (1 987 und 2 954);

1685 (1723 und 1960);

1 031 (1097 und 1259);

760;

579*

1 415 und 1496).

3n diesen Kreisen des Regierungsbezirks Kassel mit mehr als 500 Zentrumsstimmen hat also das Zentrum bei der Wahl am 17. November geaen- über der Wahl imJahrel928 in allen' Krei­sen seine Stimmzahlen, zum Teil sehr erheblich, gesteigert, mit Ausnahme der Kreise: Kassel Stadt, Hanau Stadt, Fritzlar und Marburg.

Bei der Wahl im Dezember 1924 hatte das Zentrum überall sehr hohe Wahlziffern erreicht lieber diese Wahlziffern ist das Zentrum diesmal in einer Reihe von Kreisen noch hinausge- kommen. Es erreichte höhere Zahlen als im Jahre 1924 in den Kreisen. Fulda Stadt und Land, Gelnhausen, Kirchhain, Schläch­ter n. Diesen Kreisen gebührt für ihre rührige Werbearbeit deshalb ein besonderes Wort der An­erkennung.

*) 1924 erhielt das Zentrum im Kreis Fulda, dem damals die Stadt Fulda noch angehörte 26 314 Stim nen. Am 17. November waren es zusammen 27 292 Stimmen.

roenn es sich um ehrenhafte Männer und Frauen han­delte, die wirklich etwas gelernt haben. Aber fast aus­nahmslos handelt es sich um unlautere Heilgewerbler. Unser Vaterland ist das einzige Land, das, abgesehen von dem kleinen Schweizer Kanton Appenzell Kurier- fr e l h e i t hat. Und so fallen hunderttausende von Menschen vorbestraften Individuen, Schwindlern und Verbrechern, stets aber Menschen, die nichts gelernt ha­ben und die durch betrügerische Reklame suggestiv wirken, in die Hände.

Wie kann man sich gegen diese unlauteren Elemente schützen? Zunächst durch eigenes Nachdenken Man muß sich fragen, wo ziehen diese Leute ihre Kennwisfe her? Entweder sind sie angelesen, oder sie sind bei an­deren Heilkiinstlern erworben, da kein Arzt Heilkundige ausbildet. Hier zeigte der Redner im Lichtbild Anprei­sungen von „Heilinstituten", die in „2—3 Wochen, eines sogar in 3—4 Tagen", eine gewissenhafte Ausbstdu-ig versprechen 75 Prozent der Heilkundigen haben eine Lehrzeit von weniger als 2 Monaten genossen, wie die amtlichen Nachprüfungen ergeben haben.

„Weg mit Gift, Spritze und Messer", ruft der Heil­kundige, weil er an die wirksamen Mittel, die nicht im freihändigen Verkant zu haben sind, an die Medikamente, nicht heran kann, weil er aus wissenschaftlichem Unver­mögen und mangelhafter Ausbildung Spritze und Messer des Arztes nicht zu handhaben weiß Wo wären wir in dem letzten Kriege geblieben ohne Messer, Medikamente und Injektionsspritze? Und wohin kämen wir mit Leu­ten, die z. B. alle Krankheiten mit Leitungswasser be­handeln, oder einen Flohbiß nicht von syphilitischen Hautausschlägen unterscheiden können?

Der Kampf gilt nicht den Naturheilver­einen und den Bestrebungen zur gesundheitlichen Er­tüchtigung, die sich, wie die naturärztlichen Zeitungen schreiben, stets gegen den Unfug z. B. der Augendiag- noge gewandt haben. — Die Augendiagnose ist ohne jeden wissenschaftlichen und praktischen Wert. Tau­sendfache Nachprüfungen haben ergeben, daß aus der Regenbogenhaut wohl Krankheiten festgesiellt werden können, die diese selbst ergriffen haben, wie Zucker­krankheit, Lues, Tuberkulose' Aus der gesunden Regen­bogenhaut ist die Erkennung von Krankheiten nicht möglich.

In gründlichen Ausführungen behandelte der Red­ner dann die neueste und modernste Kurpfuschermeth-de, die Biochemie. Alle Salze, mit denen die Biochemie arbeitet, sind schon im Milchzucker enthalten. Die ärzt­liche Wissenschaft ist längst über die ganz veralteten An­schauungen der Biochemie hinweggeschritten. Eiweiß­stoffe. Fette und Kohlenhydrate haben uns im Kriege gefehlt, nicht aber Salze. Es gibt Krankheiten aus Ueberfluh an Mineralstoffen, aus Mangel an organischen Stoffen, und es gibt Infektionskrankheiten, die die Bio­chemie nicht berücksichtigt.

Die vielen Lichtbilder die ein anschauliches Bild von der gewissenlos-betrügerischen Reklame zahlreicher Kur­pfuscher und Heilinstitute gaben, unterstützten die Aus­führungen des Redners in wirkungsvoller Weise.

Die Zapfenernke hak begonnen.

Im Amtsblatt der Regierung zu Kassel 46 vom 16. November ds. Js. ist eine Verordn^ der Minister für Landwirtschaft, Domänen unS Forsten und für Wissenschaft, Kunst und Boltsbil- dung veröffentlicht, wonach im hiesigen Bezirk der Beginn der Zapfenernte für Fickten auf den 15. Oktober und für Kiefern auf den 15. November jeden Jahres festgesetzt ist.

Drei Arbeitsjubiläen.

Man schreibt uns: In angenehmem Gegensatz zu den fast allgemein herrschenden Bestrebungen der Großindustrie und Großfmanz, alte Kräfte abzu­bauen, stehen die Verhältnisse in der bodenständi­gen Fuldaer Industrie, wo nach alter kultureller Ueberlieferung ein starker sozialer Einschlag sest- zustellen ist, ohne daß deshalb der Stand der hie­sigen Wirtschaft ein schlechterer wäre als in an­deren gleichgroßen Städten. — Ein dreifaches Arbeitsjubiläum wird heute in der hiesi­gen Wachswarenfabnk Fuldaer Wachswerke E i ck e n s ch e i d t A -G. gefeiert, und zwar das 25- jährige der Packerin Frau Katharine Hohmann, Leipzigerstraße 49, das 30jöhrige des Wachsziehers Magnus Jahn, Pröbel 10 und das 35jährige des Wachsbleichers Damian Bug in Welkers bei

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Fulda. Die Jubilars wurden seitens der Firma, des Personals und der Behörden durch Geschenke und Auszeichnungen geehrt.

Dom neuen Skadkparlament.

In Ergänzung unserer gestrigen Notiz sei noch mitgeteilt, daß der fett 1924 dem Sladtp trlament angehörende und jetzt wieder gewählte Fabrikant Magnus Keil auch bereits in den Jahren 1912 bis 1916 und von 1916 bis 1919 Stadtverordneter war.

Der Betrug am kranken Menschen.

Ein Aufklarungsvorkrag im grotzen Stadtsaal.

Brechend voll war der große Stadtsaal, als der Chemiker Dr. Lehmann- Berlin gestern abend über das Thema „Betrug am kranken Menschen" sprach. Cs ist erfreulich, daß der Aufklärungsvortraz einen solchen Massenbesuch aufzuweisen hatte. Was der Redner in fast zweistündigen recht lebendigen und be­merkenswert sachlichen Ausführungen über das volks­schädigende und oft geradezu verbrecherische Treiben des heutigen Kurpfuschertums sagte, war so überzeugend, daß es wohl auf jeden im Saale einen tiefen Eindruck machte. Man ging mit dem Gedanken nach Hause, daß die Kurpfuscherei, wie sie sich heute vielfach breit macht, einen Krebschschaden darstellt, dessen Bekämpfung im In­teresse des Volkswohls nur begrüßt werden kann.

Es ist ein aller Grundsatz, so führte der Redner un« gefähr aus, geh' zum Fachmann, da wirst du am besten

und billigsten bedient. Wenn es sich aber um das köst­lichste Gut des Menschen, um die Gesundheit handelt, dann gibt es hunderttausende von Menschen, die sich nicht dem Fachmann, dem Arzt, sondern dem Heilkundi- 9™ anvertrauen. Während Arzt ein ganz fest umriff e- ner Begriff ist, stellen sich die Heilkundigen in bunter Vielheit vor. Keiner von ihnen ist wirklich vorgebildet, viele sind moralisch und geistig minderwertig. Gewiß ist nicht jeder Arzt ein Genie, aber wer zum Arzte geht, hat wenigstens die Sicherheit, zu einem Mann zu kom­men, der feine Arbeit gelernt hat. Die wissenschaftliche Medizin arbeitet mit sämtlichen Heilfaktoren; mit Medi­kament, Serum und Messer nicht weniger als mit Sonne Wasser, Luft und Diät. Sie unterstützt den Heiltrieb, der jedem Organ innewohnt. Nichts wäre gegen eine Ausübung der Heilkunde durch Nichtärzte einzuwenden,

Diebische handwerksburschen.

Gestern sprachen zwei Handwerksburschen ge­meinsam bei einer hiesigen Familie vor und hielten um ein Almosen an, das ihnen bereitwilligst ge­geben wurde. Beim Verlassen des Hauses entwen­deten sie aus einem Mantel, der im Hausilur hing, einen Geldbetrag. Die hiesige Polizei, die man verständigt hatte, konnte die Burschen drei Stun­den später am hiesigen Bahnhof sestnehmen und dem Amtsgericht zuführen.

Aus dem Gerichtssaal.

Am 14. April d. I. wurde auf der Landstraße zwischen Rhina und Rothenkirchen der 18jährige K. Kr. von dem Personenauto des Kaufinamis Th. B. von Frankfurt a. M. angefahren. Kr. etitit außer anderen Verletzungen auch einen Ober- schenkeibruch. Der Verunglückte war 26 Wochen 'im hiesigen Landeskrankenhaus und leidet heute noch an den Folgen des Oberschenkelbruches. Das Bein ist sogar um 2 bis 3 Zentimeter kürzer

Sooden undJCellei”

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