Einzelbild herunterladen
 

ar. 2zi. fulbdct ^eituna

Hsmssiag, den 23. JtOöCttlbCt 1929. fe»Jy V V* V V* W*jÄ Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda

................................................................III

Deutschland und Polen.

Als eines der schwierigsten Nachkriegsprobleme zeigt sich immer wieder die Bereinigung des deutsch-polnischen Verhältnisses. An Versuchen deutscherseits, eine Entgiftung der Atmosphäre an der deutschen Ostgrenze herbeizuführen, hat es ge­wiß nicht gefehlt. Die deutschen Katholiken be- trachten es als eine besondere Aufgabe, bei diesem Derständigungswerk nach besten Straften mihutötr» fen. In diesem Zeichen standen auch der Ostpar­teitag des Zentrums und die vom Friedensbund deutscher Katholiken zu Pfingsten dieses Jahres nach Berlin einberufene deutsch-polnische Verständi­gungskonferenz.

Die polnische Einstellung zur Minderheitenfrage, die Behandlung unserer Volksgenossen in den ab­getrennten Gebieten, namentlich aber die man­gelnde Einsicht der polnischen Oeffentlichkeit gegen­über der Notwendigkeit einer Grenzrevision waren zu diesen Bestrebungen nicht gerade ermunternd. Aber auch angesichts der Tatsache, daß selbst aus­gesprochene Pazifisten in Polen bei Behandlung der angedeuteten Fragen von rein nationalistischen Erwägungen beherrscht sind, ändert nicht unseren Wunsch, daß eine paritätische Aussprache- und An- näherungsmöglickkeit auf katholischer Grundlage zwischen den beiden Völkern, die in ihrer Haltung zueinander mehr und mehr in den Mittelpunkt des Weltgeschehens rücken, auch weiterhin zur Besei­tigung der gegenwärtigen Erschwernisse beitragen tröge.

Diese grundsätzliche Bereitschaft bedingt eine klare und feste Zielsetzung. Und da ist es in erster Linie notwendig, den gegebenen Tatsachen mutig ms Auge zu blicken, und unumwunden die Schwie­rigkeiten anzuftihren, deren Beseitigung ein vor- auszusetzendes Erfordernis ist. In diesem Zusam­menhang ist es notwendig, ein ernstes Wort an diejenigen zu richten, die bedenkenlos einem so­genannten Ostlocarno das Wort reden. Dieser Gedanke, wann und wo er sonst in der deutschen Oeffentlichkeit aufgetreten ist, hat stets eine ableh­nende Behandlung erfahren. Völl'g abwegig ist es auch, Schuld und Hemmungen nur beim eigenen Volke zu suchen und, wie manche unserer Pazr- fisten das tun, durch einseitige Darstellungen bei der Gegenseite und in der öffentlichen Meinung falsche Vorstellungen zu erwecken, die sich früher oder später röchen müssen.

Um nicht mißverstanden zu werden, fei einmal klar ausgesprochen, was wir von einem Ostlocarno grundsätzlich halten. Eine Garantie der gegen­wärtigen Ostgrenze, also die Uebertragung der in Locarno getroffenen Bestimmungen bezüglich der Westgrenze (Elsaß-Lothringen), ist für uns, ab­gesehen von gefühlsmäßigen Gründen, die dagegen sprechen, aus nationalen und realpolitischen Rück­sichten, aber auch unter dem Gesichtspunkt histori­schen Rechts, vollkommen untragbar. Selbstoer-

fftanftavin4Ä3Ä F Pastille* Grmipe B CACPIDINIUMDEff/VAT)

fiel WWW "■-'M1

stündlich hat der in Locarno gewährleistete Ver­zicht auf eine gewaltsame Rückeroberung Elsaß- Lothringens auch für den Osten und Süden (Süd­tirol) seine Gültigkeit. Andererseits gilt die im­mer wiederkehrende Forderung des deutschen Vol­kes, ihm auf friedlichem Wege Gerechtigkeit wi­derfahren zu lasten, an alle diejenigen gerichtet, die das Recht der Selbstbestimmung gepredigt,

praktisch aber die Macht des Sieges immer noch zur Unterdrückung des Schwachen mißbrauchen.

Es wäre überflüssig hier erneut den deutschen Erfüllungs- und Versöhnungswillen bekunden zu wollen. Die Weltmeinung hat sich längst ihr Ur­teil darüber gebildet. Nicht zu Unrecht spricht man heute auch außerhalb Deutschlands von dem „schlechten Gewissen Europas". Der polnische Wunsch nach einem Ostlocarno ist schlechthin nichts anderes als ein Symptom dieses „schlechten Ge- wistens", das letzten Endes in dem Bewußtsein der Fehlerhaftigkeit der Friedensdiktate begründet liegt. Der in Locarno ausgesprochene „freiwil­lige Verzicht" auf kriegerische Rückeroberungen mar nicht mehr und nicht weniger als ein freiwilliges Bekenntnis des beutfdjien Friedenswillens. Es darf hier darauf hingewiesen werden, daß d e Vertreter der führenden Fraktionen im November 1925 im Reichstag einmütig erklärt haben, daß dieser freiwillige Verzicht nicht etwaige Rechte ein­schließen kann, die Deutschland auf friedlichem Wege (etwa durch eine Volksabstimmung) wieder zukommen könnten. Eine Preisgabe des Rechts­standpunktes, der uns in den Verträgen als ultima ratio angewiesen ist, wäre — Selbstaufgabe.

Die Grenzziehung des Versailler Vertrages la­stet schwer auf der Brücke und gerade auf der Brücke zu einer deutsch-polnischen Verständigung. Zu unerträglichen Spannungen hat die willkürliche Teilung Oberschlesiens, die Abtrennung Ostpreu­ßens vom Reiche durch den unmöglichen Korridor, die „Lösung" der Danzig-Frage geführt. Dieser Zustand ist durch die Bedrückung unserer Volks­genossen, die rücksichtslosen Bodenenteignungen und alle behördlichen Schikanen, denen sie ausgesetzt sind, gewiß nicht gemildert worden. Aus all die­sen Gründen dürfen wir die Forderung nach Her­stellung eines gerechten und dauerhaften Zustan­des, der Gegensätzlichkeiten ausgleicht und somit die Erhaltung des Friedens gewährleistet, nicht verstummen lassen. ,

Aktive Handelsbilanz.

Zum ersten Male seit drei Jahren ist die deutsche Handelsbilanz im Oktober dieses Jahres aktiv ge­wesen. Der Ausfuhrüberschuß belief sich auf 147 Millionen. Damit ist die Passivität von 122 Mil­lionen für die ersten neun Monate des laufenden Jahres ausgeglichen. Schon für das erste Halb­jahr 1929 ergab sich im Vergleich zu früheren Jah­ren eine beträchtliche Steigerung der Ausfuhr bei gleichzeitiger Senkung der Einfuhr. Die Passivität der Handelsbilanz, die im ersten Halbjahr 1928 1356 Millionen betragen hatte, belief sich im er­sten Halbjahr 1929 nur noch auf 273 Millionen. Der Grund hierfür ist in erster Linie in einer Ver­minderung der Passivität im Handel mit Lebens­mitteln und Getränken infolge der guten inländi­schen Ernte des vergangenen Jahres zu suchen. Die Passivität in diesen Waren ging von 1786,9 Millionen auf 1498,6 Millionen zurück, während der Rückgang der Passivität im Handel mit Roh­stoffen und halbfertigen Waren nur verhältnis­mäßig geringfügig war. Er betrug gegenüber 2416 Millionen im ersten Halbjahr 1928 in den Mona­ten Januar bis Juni 1929 immer noch 2248 Mil­lionen.

Diesem Einfuhrüberschuß an Lebensrnitteln, Rohstoffen und Halbfertigwaren stand indessen schon in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein beträchtlicher Ausfuhrüberschuß an Fertigwaren gegenüber, der von 2808,8 Millionen im gleichen

Zeitraum des Vorjahres auf 3526,3 Millionen ge­stiegen ist.

Die günstige Entwicklung unseres Außenhandels wurde lediglich im Juli mit einer Passivität von 132 Millionen unterbrochen. Da der Juli jedoch der übliche Abrechnungsmonat für zahlreiche Im­porte ist, kann diese Verschlechterung unserer Han­delsbilanz keineswegs als symptomatisch für die allgemeine Tendenz der Außenhandelsentwicklung angesehen werden. In der Tat haben die daraus folgenden Monate August, September und Oktober die günstige Entwickelung des ersten Halbjahres 1929 nicht nur bestätigt, sondern die bisherige Passivität unserer Handelsbilanz sogar in eine Ak­tivität verwandeln helfen. Von besonderer Bedeu­tung ist hierbei die fortgesetzte Verminderung der Einfuhr an Fertigwaren bei gleichzeitiger rapider Steigerung der Ausfuhrziffern in der gleichen Warengattung. Während die Einfuhr von Fertig­waren im Monatsdurchschnitt 1927 noch 211,6 Mil­lionen, im Monatsdurchschnitt 1928 immerhin noch 204,9 Millionen betrug, ist sie im April dieses Jahres auf 199 9, im Juli auf 184,4, im Sep­tember auf 180,2 gefallen und auch im Oktober nicht über 189,8 gestiegen. Andererseits betrug die Monatsdurchschnittsziffer der Ausfuhr an Fer­tigwaren im Jahre 1927 643,6, im Jahre 1928 725,1, im April dieses Jahres dagegen bereits 876,3, im August 883,5 und im Oktober 923,2.

Es liegt auf der Hand, daß die Aktivierung un­serer Handelsbilanz auch auf unsere reparations­politische Lage zurückwirken wird. Während es bisher unmöglich war, Reparationen aus Aus­fuhrüberschüssen zu bezahlen, und die Reparations­annuitäten nur durch Anleihen flüssig gemacht wer­den konnten — Anleihen, die uns immer tiefer

an das Ausland verschuldeten —, eröffnet sich jetzt für Deutschland zum ersten Mal die Möglichkeit, aus Exportüberschüssen Mittel zur Abtragung der Reparationslasten zu erzielen — vorausgesetzt, daß die Aktivität der Handelsbilanz anhält.

Technik und Verkehr.

— Der erste deutsche Zwölszylinder-Krastwogen: ein neuer Maybach-Typ. Die Maybach Motorenwerke in Friedrichshafen haben als erste deutsche Firma den se­rienmäßigen Bau eines neuen Zwölszylindermotors für Kraftwagen in Angriff genommen, dessen Konstruktion auf Grund der Erfahrungen mit den Zwölfzylinder-Luft, schisfmotoren des „Graf Zeppelin" ausgearbeitet wurde. Schon in nächster Zeit soll mit dem Verkauf eines neuen Zwölfzylinder-Großklassewagens begonnen werden, nach- dem die seit Frühjahr des Jahres laufenden Versuche und die ausgedehnten Prüsfahrten zur vollen Zufrieden­heit der Konstrukture ausgefallen sind.

Wie wird das Wetter?

Mitteleuropa liegt an der Westseite eines kräftigen kontinentalen Hochdruckgebiets, das über Deutschland und Frankreich einen ausgedehnten trockenen und war­men Luftkörper entwickelt hat Während die Mittelge­birge daher allenthalben abnorm hohe Temperaturen bei ganz geringer Bewölkung aufweisen, sind die Nie­derungen von einer flachen Kaltluftschicht bedeckt, in der Nachts Nebelbildung und vielfach Frosttemperaturen auftreten. Diese Anordnung: oben warm, unten kalt, ist sehr stabil und läßt die Strömungen der ozeanischen Zyklone nicht gegen dar Festland, sondern nordwärts weiterwandern. Es ist daher zunächst noch Bestand der trockenen Witterung wahrscheinlich.

Witterungsaussichten für Samstag: Keine we­sentliche Aendenmg abzusehen.

Zum Beginn der Saarnerhandlunge«.

HMW

—fi«

- M 'M •

V

■ _ « S t H d ---

HiililU

Das französische Außenministerium, in dem die Saar-Verhandlungen stattfinden.

Links: Der Vorsitzende der deutschen Delegation Staatssekretär a. D. Dr. Ernst von Simsm.

Die deutsch-französischen Verhandlungen über die Ablösung der französischen Grubenverwaltung in Saargebiet haben am Donnerstag in Paris begonnen. Den Vorsitz der deutschen Delegation führt Staatssekretär a. D. Dr. Ernst Sirnson, den Vorsitz der französischen Delegation Arbeitsminister Pemot. i

Im ersten Jahrzehnt nur

Prei's 70 Pfg.

•tmang.

f ♦ W2S/3»

Hautporen ein und macht sie frei für eine gesunde Haut-

Sie ist nach ärztlicher Vor­schrift besonders für die emp­findliche Haut des Kindes hergestellt. Ihr seidenweicher

NIVEA KINDERSEIFE

cnETtE

Gegen spröde Haut

schützt Sie beim Wintersport, überhaupt immer, wenn Sie sich bei Kälte, Wind und Wetter im Freien aufhalten

NIVEA« CB FM

Nivea-Creme enthält als einzige Hautcreme das dem Haut­fett verwandte Eucerit, und darauf beruht ihre Wirkung. Sie dringt, ohne einen Glanz zu hinterlassen, vollständig in die Haut ein und macht die Gewebe der Haut geschmeidig und widerstandsfähig; sie nährt, kräftigt und pflegt die Haut Dosen tu RM. 0.20- 1.20 / Tuben aus reinem Zinn zu RM. 0.60 ü. 1.00

MMMluisSlWeUMls.

Roman von M. SB. Sophar.

10] ----------

„Schon recht," entgegnete sie und reichte chm noch- inals mit strahlendem Lächeln ihre Hand. „Ich trage niemand etwas nach. Ich bedauere nur, daß ich das alles bekommen habe, was Ihr Eigentum sein sollte." Sie schwenkte den Arm gegen den Park und Garten. „Und wenn ich mich hier niederlasse, so müssen Sie und Stella mich besuchen und so lange, wie Sie wollen, hier bleiben."

Ärttjm zuckte zusammen.

„Sie haben offenbar von Stella in den letzten drei Lagen nichts gehört?" fragte er forschend.

„Sie t)at mir schon seit längerer Zeit nicht mehr ge- schrieben."

„Dielleicht hat sie auch keine Lust dazu", versetzte Archur, und der sarkastische Ton machte Molchen 'tutzig.

„Was meinen Sie damit? Sie haben sich doch mit Stella nicht etwa gezankt?"

„Durchaus nicht." Er sprach ruhig, bebte aber doch abermals. „Durchaus nicht, in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes, gezankt. Indes hat Stella recht­zeitig entdeckt, daß — daß sie mich nicht genug liebt, um meine Frau zu werden — deshalb —"

„Sie wollen mir doch nicht sagen, daß Stella Ihnen einen Tritt gegeben hat?" In den Augenblicken der Ueberraschung versagte bei Malchen das Bestreben, sich vornehm auszudrücken. „Nein, das kann sie unmöglich getan haben!"

Trotz der Bitterkeit, die in chm wühlte, mußte Ar­thur lächeln.

„Sie hat es aber doch getan, und ich — ich mache ihr keinen Vorwurf daraus, Fräulein Mühe. Es ist doch ein Glück, daß sie ihren Irrtum vor der Heirat erkannte. Unsere Verlobung ist zu Ende und —"

„Run, da schlage —" unterbrach Malchen ihn rote« ter. „Ich wette, was Sie wollen, da steckt hie alle

Katze hinter. Stella hat das aus eigenen Stücken nicht getan!"

„Die alte Katze?" wiederholte Archur fragend, woraus Malchen mit einem Kopfnicken erwiderte:

„5a — Frau Dendler — ihre Mutter! O, ich wußte längst, daß sie eine Katze ist. Sie brauchen mich nicht so entsetzt anzusehen, weil ich das sage. Gott sei dank, ich habe sie erkannt, und deshalb bin ich auch zu Frau Grau gegangen, aber darüber will ich jetzt nicht reden. Sie h„t Stella veranlaßt, Ihnen den Laufpaß zu geben, sie ist es gewesen. Ich möchte ihr woyl einmal sagen, wi« ich über sie denke."

Malchens Augen sprühten so wild, daß Arthur un­willkürlich wieder lächeln mußte, so komisch wirkten ihre sonderbare Ausdrucksweise und die Heftigkeit ihres Aer- gers auf ihn.

„Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß Frau Bend- ler in diesem Falle kein Vorwurf treffen kann. Stella schrieb mir selbst, und es war vollkommen klar, was sie wünschte."

„Gott im Himmel, was sie wünschte: als ob sie wünschen dürfe. Cs sind die Wünsche ihrer Mutter! Wenn sich die etwas vorgenommen hat, so darf Stella kein Wort dreinreden. Möglich, daß Frau Bendler der Ansicht geworden ist. Sie seien für Stella nicht reich genug."

Arthur sah sie voller Zweifel an.

„Glauben Sie das? Glauben Sie, daß Stellas Mutter sie gezwungen hat, mich aufzugeben?" Seine Stimme zitterte vor Erregung. „Wenn ich denken müßte, daß das wahr fein könnte, so würde ich selbst noch versuchen, sie zu überreden, zu mir zu halten — trotz Frau Bendler."

„Versuchen können Sie es, aber es wird Ihnen nicht gelingen." Malchen schüttelte den Kopf. „Es ist nicht so leicht Frau Bendler zu überwinden. Ich kenne sie."

Malchen errötete und senkte die Augen.

„Ach, lassen Sie das ruhen. Frau Bendler und ich — wir kamen nicht gut miteinander aus, und da hielt ich es für das Beste, gleich davon zu gehen und kein weiteres Aufhebens zu machen. Ein Streit hat nicht stattgefunden, es ist nur besser, daß Frau Bendler und ick aetrennt leben. Und — wenn Sie meinem Rat

folgen wollen, Sie täten auch richtiger, ihr aus dem Wege zu gehen. Jedenfalls hat es keinen Zweck, daß Sie versuchen, ihr zuwiderzuhandeln."

Archur kniff den Mund ein. Er verspürte nicht die leiseste Absicht, sich von einem so jungen Ding leiten zu lassen, einem früheren Dienstmädchen, das erst eine Dame zu werden hoffte.

Er nahm deshalb die eisige Haltung von vorhin wie­der an. „Es ist wohl möglich, daß Stella zu dem Brief gezwungen wurde, und deshalb werde ich sie zu spre­chen suchen, damit die Wahrheit an den Tag kommt."

Malchen zuckte unmerklich die Achseln, ober ihre auf sein trübes Gesicht gerichteten Blicke zeigten eine An­hänglichkeit, die geradezu rührend war.

„Ich halte Frau Bendler für zu schlau, als daß sie sich von Ihnen übervorteilen läßt" — und in einem traurig klingenden Tone — „aber ich hoffe, daß Sie glücklich werden."

Der in seine eigenen Sorgen vertiefte Mann be­merkte nicht, wie ihr der Atem stockte.

„Glücklich! Man rechnet nicht mehr auf Glück, wenn einem das Liebste entrissen wird. Ich sage Ihnen aber offen, daß ich beabsichtige, Frau Bendler zuzu­setzen und sie doch noch zu übervorteilen, wie Sie es nennen."

Sie schwiegen beide, und dann wurde die drückende Stille des heißen Nachmittags durch das Schlagen einer Uhr unterbrochen, die langsam die vierte Stunde an­kündigte.

„Ach Himmel! Ich muß gehen," rief Malchen. „Ich hatte keine Ahnung, daß es so spät ist. Wenn ich etwas gesagt haben sollte, was Ihnen nicht gefiel, so bedauere ich es. Bleiben Sie, bitte, so lange hier, wie es Ihnen gefällt. Martin und seine Frau werden sich sehr freuen, wenn Sie im S^oß mnhnen und sobald es Ihnen be­liebt, kommen Sie wieder hierher."

Ich komme nicht so bald wieder. Ich werde Deutsch­land in den nächsten Tagen verlassen. Wenn Stella mich liebt, wird sie mit mir gehen. Wenn nicht — reife ich allein."

„Sie wollen auswandern?" Die Farbe wich aus ihren Wangen, und der Glanz aus ihren Auge»

Er gewahrte nichts davon. „Ja, ich habe meiner Abschied eingereicht und will im Ausland etwas Neues beginnen. Hier habe ich das Leben satt."

„Sie kommen also nie wieder hierher, und ich muß Ihnen jetzt Lebewohl sagen?" Ihre Stimme bebte, abei auch das merkte er nicht und ergriff ihre Rechte ganz mechanisch.

„Nein, das werde ich wohl nicht, es fei denn, daß Stella" — Er unterbrach sich und ließ ihre Hand fallen — „ich möchte Sie nicht länger aufhalten. Sie haben mir eben Glück gewünscht, auch ich wünsche Ihnen da» Gleiche. Sie werden sich sicherlich hier an diesem herr­lichen Orte sehr glücklich fühlen. Es ist nicht wahrschein­lich, daß ich nach Deutschland noch einmal zurückkehrh aber wenn —"

„Wenn Sie es tun — so versprechen Sie mir da» eine", rief sie, ohne kaum zu wissen, weshalb.

„Was soll ich Ihnen versprechen?"

„Hierherzukommen — das Gut zu besuchen und — mich und — Frau Grau."

Ihre Verlegenheit amüsierte Arthur, doch seine an1 geborene Gutmütigkeit wurde durch die Bitte ihrer braunen Augen gerührt, obgleich ihm der Grund ihrei Sehnsucht verborgen blieb.

„Ich glaube, Ihnen das ruhig versprechen zu kön­nen" — und im Geist fügte er hinzu — „weil ich je doch nicht wieder nach Deutschland gehen werde. Aiso wenn ich heimkehren sollte, besuche ich auch das Herren­haus hier, da haben Sie meine Hand darauf."

Ihre Hände trafen sich wieder, dann schlug Arthur die Richtung nach dem Schloß ein, während Malcher durch den Park eilte.

Sie blieb nur einmal stehen, um seiner langsam verschwindenden Gestalt nachzublicken, und dann sagte sie leise und schluchzend: „Ich wallte, er ginge nicht gleich fort. Das Herz brauchte ihm wegen Stelal nicht zu brechen — wenn ich — wenn ich —"

Nun überzog Purpurröte ihr Gesicht vom K>nn bis zum Haar, und sie flog den schmalen Waldweg wie ein erschrecktes Reh entlang, hielt keine Minute still, um sich umzusehen oder Atem zu holen, bis sie vor dem weißen Hause von Frau Grau angelangt war.

tifortfetiuna folgt)