Fuldaer Zeitung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Ar. 270
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblütter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» n leitung 1152, Fuldaer Acliendruckerei 1150 und 1151. ::
Freitag, 22. Aovember 1929.
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56. Zahrg.
Das Wahlergebnis
Es wird noch längere Zeit vergehen, ehe das ist. Material der Kommunal- und Provinzial-
während schließlich östlich ing der Gutsbezirke
en.
ftatist. Material der
landtagswahlen vom letzten Sonntag nach allen Seiten hin gesichtet und interpretiert ist. Aber gerade die Ausdeutung dieser Wahlergebnisse ist von großer Wichtigkeit, damit wir zu unserem Nutzen lernen können, nach welchen allgemeinen psycholo- gischen Gesetzen sich die staatsbürgerliche Willensbildung in unserer Demokratie und ihren Verwaltungsbezirken vollzieht und wie wir uns zu verhal- txn haben, wenn wir eine zweckmäßige Verwaltungsführung herbeiwählen oder herbeiagitieren wollen.
uchenden in die Großstädte, haben ein deutliches Wort mitgesprochen. Im Westen hat die Umgruppierung und Zusammenlegung mehrerer wichtiger Städte und Landkreise gänzlich neue Zahlenverhältnisse geschasst . ' y; '
der Elbe die Aufhebung der Gutsbezirke zu einer ausgedehnten Befreiung der politischen Geister geführt hat, was in dem auffallenden Aufschwung der demokratischen und sozialdemokratischen Stimmen-Mengen seinen sichtbaren Ausdruck gefunden hat.
Immerhin läßt sich nirgendwo der katastrophale Rückschlag der Hugenberg'schen Aktion auf die deutschnationale Wählerschaft verkennen. Die Nationalsozialisten haben den Hauptvorteil davongetragen, aber auch dem Zentrum sind erhebliche Stimmen-Mengen wieder zugutegekommen, die in ♦en letzten Jahren zur Deutschnationalen Volks-
Das Eine wird man jedenfalls schon sagen können, daß der Einfluß der hohen Politik auf die Wahlresultate nicht der einzige gewesen ist, daß er vielmehr in mancher Beziehung durch die lokalen Verhältnisse, z. B. durch neue Wählerschichtungen, wie auch durch die lokalen Erfahrungen des Gemeinde-Insassen ergänzt und korrigiert wurde. Die Perschiebungen im Verhältnis der Parteistärken sind nämlich recht mannigfaltig, der Versuch, sie insgesamt auf einen einheitlichen großen Nenner zu bringen, gelingt nicht. Die Bevölkerungsver- chiebungen, insbesondere der Andrag der Arbeits
partei abgewandert waren Das gilt besonders für die ländlichen Bezirke des deutschen Westens. Hier ist der ganze Erfolg, den die Deutschnationale Dolkspartei seit 1920 durch ihre Oppositionshaltung im Reiche einheimsen konnte, wieder verloren gegangen. In einem unaufhaltsamen Vormarsch hatte diese Partei, deren Basis das alte ostelbische Junkertum gewesen war, die Weser- und Ems- linie überschritten, hatte am Rhein festen Fuß fassen und vor allem die Bauern westlich dieses Stromes — nicht zuletzt durch ihren Kacholiken-Aus- schuß — für sich gewinnen können. Schon die Einzeichnungen für das Hugenberg'sche Volksbegehren ließen erkennen, daß die Politik des neuen deutschnationalen Führers mit der Psyche der Deutschen westlich der Elbe nicht recht vertraut war. Der Ausfall der Kommunal- und Landtagswahlen hat diese bedeutsame Erscheinung vollauf bestätigt. Hu- genberg wird der „Deutschen Tageszeitung" nichts Sachliches erwidern können, wenn diese jetzt auf Grund des Ausfalls der Wahlen vom 17. November ihr Klagelied über das Wiederauftauchen der „Elblinie" wiederholen sollte. Ja, die Agrarier haben das allerwenigste Interesse daran, daß Westdeutschland sich politisch und psychisch von Ostdeutschland getrennt fühlt.
Abgesehen von den stark katholisch durchsetzten Gebietsteilen zeigt sich übrigens allenthalben eine Verschärfung der sozialen Klassenlinie, sie ist nicht überall mit einer Verstärkung des Radikalismus verbunden, z. B. in Sachsen nicht, sie drückt sich aber durch die Einschrumpfung der Mitte aus. Unser kapitalistisches Bürgertum ist sich wohl klar darüber, daß die Wirkungen des Krieges und des Versailler Friedensdiktates unser Volk proletarisiert haben und weiterhin proletari- sieren. Diese Tatsache der Proletarisierung bedeutet wahlpolitisch, daß es ein unsinniges Beginnen ist, durch Aufstellung von gemeinsamen bürgerlichen Kampffronten werbende Kraft gegen die Sozialdemokratische Partei zu entfalten. Wenn sich schon das Bürgertum mit einheitlicher Frontstellung und sehr gewagten Agitationsmitteln a l s Bürgertum gegen den Sozialismus stellt und diesen im Verein mit dem Radikalismus rechts und links aller Sünden beschuldigt, deren eine politische Partei überhaupt nur fähig sein tonn, dann muß aus solcher Agitation, weil sie ja die Proletarisie- rung unseres Volkes selbst nicht wettmachen kann, mit ganz natürlicher Konsequenz >-ie Verstärkung des Radikalismus erwachsen. Unter den heutigen Verhältnissen ist wohl eine Verschiebung innerhalb der bürgerlichen Parteien möglich, also zwischen Deutlihnationol»n, Zentrum, Wirtschaftspartei, Demokraten und Deutscher Volkspartei, aber schwerlich ist ein Rückfluß des Proletariats aus den ausgesprochenen Proletarierparteien zum Bürgertum zu bewerkstelligen. Das Zentrum hat jedenfalls ein verdienstliches Werk damit getan, daß es die Bildunq bürgerlicher Einheitsfronten grundsätzlich a b l e h n t e. Don der agitatorischen Auswertung z. B. des Sklarek-Falles in Berlin gegen die Sozialdemokratie hat keine bürgerliche Gruppe Vorteil gehabt, wohl aber die Kommunisten, und schon erscheint eine Mehrheitsbildung ohne die Kommunisten im Berliner Stadtparla- we^t recht schwierig. Die Lehre mag sich jeder selbst- ^ehen.
* Bischof Dr. Schreiber beim Reichspräsidenten Der Administrator des neuen Bistums Berlin •Bifäof Dr. Christian Schreiber, stattete am Dienstag dem Reichspräsidenten von Hindenburg aus Anlaß der Uebernahme seines neuen kirchlichen Amtes feinen Antrittsbesuch ab. Der Bischof verteilte etwa eine halbe Stunde beim Herrn Reichspräsidenten und beaab lick anschließend au einem
Besuche nach der Reichskanzlei, wo er von Staatssekretär Pünder begrüßt und von Reichs- kan.zler Müller in ebenfalls etwa halbstündiger Audienz empfangen wurde. Ein dritter Besuch galt dem preußischen Ministerpräsidenten Braun.
* Falsche Gerächte über den Reichspräsidenten. Die Donnerstag vormittag verbreiteten Gerüchte, die von einem Schlaganfall, ja sogar vom Ableben des Reichspräsidenten wissen wollten, entbehren, wie zuverlässig festgestellt werden kann, jeder Grundlage. Der Reichspräsident befindet sich vollkommen wohl.
* Einberufung des hessischen Landkages. Der Präsident des Hessischen Landtages hat die nächste Plenarsitzung auf den 26. November 10 Uhr vormittags einberufen. Der Beratungsstoff umfaßt 49 Punkte, die noch in derselben Woche erledigt werden sollen.
Der Hugenberg-Varleitag.
wtb. Kassel, 21. Nov. (Eig. Meld.) Hier begann heute der 9. Parteitag der deutschnationalen Volksparteitag. Er wird eingeleitet durch Sitzungen der verschiedenen Ausschüsse der Partei, die im Laufe des Bormittags bereits zusamemngetreten sind. Heute nachmittag tritt der Parteivorstand zusammen, um zunächst den Bericht des Parteiführers Dr. Hugenberg über die politische Lage und über die Entwicklung der Partei entgegenzunehmen. Dabei werden die Fragen im Vordergrund stehen, die mit dem Volksbegehren und mit dem Volksentscheid Zusammenhängen. Die erste Vollversammlung wird morgen, Freitag, beginnen. Noch dem Bericht des Parteiführers werden die Vertreter aus dem Lande zu Worte kommen. Es wird angenommen, daß die Aussprache und damit die Tagung am Samstag mittag zu Ende ist.
Akademiker und Staat
Beachtenswerte Aeußerungen zu einem interessanten Thema.
Im Rahmen der Vortragsabende der Arbeitsgemeinschaft Akademischer Verbände zu Berlin sprach der Präsident des Bundesamts für das Heimatwesen, Ministerialdirektor Dr. Falck, über „Akademiker und Staat". Das Verhältnis beider stehe, wie der Redner ausführte, im Brennpunkt unserer inneren Politik. Zwischen Akademikern und Staat bestehe aber noch eine starke Spannung, und doch sei die Lösung dieser Frage nötig zur Gesundung unserer innerpolitischen Zustande. Nur auf der Grundlage der parlamentarischen Regierungsform sei ein Wiederaufbau unseres Vaterlan,des denk bar. Weltkrieg, Staatsumwälzung und Währungszerfall haben der Akademikerschaft ein neues Gepräge aufgedrückt. Das gelte nach der Einführung des demokratischen Systems und der parla- mentarischen Staatsform für das ganze Volk. Bestimmenden Einfluß auf die Leistung des Staates und den notwendigen Ausgleich der verschiedenen Interessen könne man heute n u r i m Parlament erreichen. Das Streben nach Aufstieg im Volke sei zu begrüßen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit trete immer stärker in den Vordergrund. Dadurch werde auch auf wirtschaftlichem und kultu.rellem Gebiet ein neuer Antrieb gegeben.
Auf diesen parlamentarisch betriebenen sozialen Volksstaat müsse sich der Akademiker einfteilen. Diese Staatsform sei die gegebene, wenn er seine derzeitige Stellung erhalten und wieder verstärken wolle. Eine geistige Oberschicht, die überwiegend dem Staat feindlich gegenüberstehe, könne fein Staat auf längere Zeit ertragen^ unb mit allgemeinen Steuermitteln ausbilden. Selbst Bismarck sei, allerdings erst nach ferner Verab
schiedung, in seiner Ansprache an die deutsche Studentenschaft in Jena für das parlamentari» sch e System eingetreten. Eine Diktatur, ob von rechts oder links, würde unseren mühsam aufge- bauten Staat auf lange Zeit vernichten.
Der in akademischen Kreisen vertretenen Auffassung, daß für die Bekleidung von Staatsämtern wissenschaftliche Bildung Vorbedingung sein müsse wie für den Arzt ober Anwalt, setzte der Redner den Hinweis entgegen, daß es feine Prüfungskommission gegeben habe, die einen Napoleon, Bismarck, Friedrich Ebert oder Hindenburg vorher unter die Lupe genommen habe. Die überwiegende Zahl derer, die nach dem Kriege an höherer Stelle gestanden haben, hätten — wie Dr. Falck weiter äusführte — beachtenswerte Führereigenschaften besessen. Die Akademiker gehörten mit einem hohen Prozentsatz der Gruppe der Nichtwähler an. Zum Schluß kam er ausführsich auf das heutige Verhalten der Studentenschaft zu sprechen und warf die Frage auf: Muß die Studentenschaft um die Liebe des Staates werden oder der Staat um die Liebe der Studentenschaft? Er stellte dieser Frage nur die andere Frage entgegen: Wie soll ein Verwaltungsbeamter oder Richter mit Erfolg im heutigen Staat' arbeiten, den er bekämpft!
Bischof Dr. Schreibers Rede.
Die Katholische Aktion von Berlin veranstaltete am Buß- und Bettag im Sportpalast in Berlin eine große Kundgebung, bei der der neue Bischof von Berlin und der Mark Brandenburg Dr. Schreiber zum ersten Male sich öffentlich zeigte. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Sportpalast war unter sachkundiger Leitung des Reichskunstwartes Dr. Redslob mit den Fahnen des Reiches, Preußens, der Stadt Berlin und der weiß-goldenen Kirchensahne geschmückt. Neben vielen'geistlichen Würdenträgern waren die Minister von Guerard, Dr. Schätz!, Steiger, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, der badische und der hessische Gesandte und andere staatliche Würdenträger erschienen. Nach Degrüßungsworten von Ministerialdirektor Dr. Klausener sprach Bischof Dr. Schreiber. Seine Ausgabe sei es, nicht nur für die Katholiken, sondern' für das Wohl sämtlicher Volksgenossen in Liebe zu sorgen. Don minutenlangem Beifall unterbrochen legte der Bischof ein Treubekenntnis zur Verfassung ab. Obwohl er mit dem Papste eng verbunden sei, habe er in erster Linie eine ganz große Siebe zum deutschen Daterlande, und es werde für ihn immer eine große Pflicht sein, die nationalen Belange des deutschen Volkes zu wahren. An den Papst und an Reichspräsident von Hindenburg wurden Huldigungstelegramme gesandt.
Die Rede werden wir im Wortlaut veröffentlichen. Sie hat gewaltigen Eindruck auf alle gemacht, die sie unmittelbar ober durch den Rundfunk hörten.
* Teilweise Einstellung des Dromberger hoch- verralsverfahrens. (Eig. Meldg.). Wie die polnische Telegraphenagentur aus Bromberg meldet, ist aufgrund einer Entscheidung des Untersuchungsrichters die gegen 37 Mitglieder des vor sechs Jahren in Bromberg aufgelösten Deutschtumbundes eingeleitete Untersuchung wegen Hochverrates eingestellt worden. Gegen ca. 5 Mitglieder bleibt die Untersuchung wegen Vergehens gegen § 129 des Strafgesetzbuck-es aufrecht, ebenso gegen 8 weitere Mitglieder, die- wegen staatsfeindlicher Tätigkeit angeklagt sind.
* vorläufig keine Ausreisegenehmigung für deukschstämmige Kolonisten in Rußland. Wie der Vertreter des WTB. erfährt, verweigern die Verwaltungsbehörden die Ausreisegenehmigung für die deutschstämmigen Kolonisten und überlassen die
Preußen und die Finanzreform.
Zum preußischen Haushaltsplan für 1930.
Von unserem finanzpolitischen Mitarbeiter:
Der soeben dem Staatsrat vorgelegte Haushaltsplan Preußens von 1930-31 ist nur formell ausgeglichen, weil mit Rücksicht auf den in Aussicht genommenen Finanzausgleich die Reichssteuern in gleicher Höhe wie im alten Haushaltsplan vorgesehen sind. Das mag für den ersten Augenblick bedenklich erscheinen. Eine andere Regelung war aber nicht möglich, weil Preußen nicht bis zur letzten Entscheidung warten konnte.
In der dem Etat beigegebenen Würdigung wird nun ganz besonders auf den Umstand hingewiesen, daß die preußischen Finanzen der letzten Jahre in erheblichem Maße dadurch beeinflußt wurden, weil die Beschränkung der Länder als Steuergläubiger an den Reichsüberweisungssteu- ern, ferner die Erhöhung der Personalausgaben zunahm. Infolgedessen schloß schon das Haushaltsjahr 1929 wesentlich ungünstiger ab. Die Besoldungserhöhung wirkt sich setzt in vollem Umfange aus. Des weiteren sind bei der Forstverwaltung ungünstige Umstände hinzugekommen infolge des Rückganges der Holzpreise unter anderem, bei der Justizverwaltung durch eine Verdoppelung der Belastung infolge der reichsgesetzlichen Neuregelung der Gebühren der Rechtsanwälte in Armensachen. Das wirkte sich schon im Haushalt 1929 aus. Hinzu kommt für 1930 die neue Belastung infolge der Er- Höhung der Volksschullasten, durch die Errichtung der pädagogischen Akademien — einstweilen werden aber nur eoanaeliscke Akademien errichtet —
sowie durch vermehrte Aufwertung und Verzinsung der Staatsschuld.
Im neuen Haushalt ist gespart worden bis an die Grenze der Möglichkeit. Eine weitere Kürzung des Haushalts ist nach Ansicht des preußischen Finanzministers durch schematische Abstriche nicht mehr möglich. Das gilt besonders auch für die Verminderung der Beamtenzahl, zumal der Volks- schullehrer und Polizeibeamten. Hier kann nur eine größere Ersparnis durch Verminderung der Personalkräfte kommen, wenn endlich die große Verwaltungsreform zur Durchführung gelangt Und hier hat das Reich den ersten entscheidenden Schritt zu tun.
Das Wichtigste scheint uns aber der Standpunkt Preußens zur Finanzreform zu sein, weil in ihm auch die Stimmung der übrigen Länder zum Ausdruck kommt. Wir können dem preußischen Finanz- Minister beipflichten, wenn er sagt daß bei der Reform nicht nur der Haushalt des Reiches, sondern auch die Sicherung der Haushalte der lebensfähigen Länder berücksichtigt werden müssen. Dazu gehört vor allem eine befriedigende Steuerverteilung und jedes Aufgeben gefährlicher Experimente auf dem Gebiete des öffentlichen Finanzwesens. Das Reich kann sich nicht gesund machen auf Kosten der Länder, die schon genug Opfer gebracht haben und nun auf die Erschließung neuer Einnahmequellen unbedingt angewiesen sind, wenn überhaupt ein Haushaltsplan balanciert werden kann. Im übrigen zeigt der preußische Etat ein gesundes Streben nach Sparsamkeit und wnd auch einer positiven Kritik standhaften können.
Entscheidung der Frage dem Rote der Volkskommissare. Welche Gründe für diese Entschließung, die vollständig unerwartet kommt, vorliegen, ist nicht bekannt.
* Die englischen Bergarbeiter nehmen die Vorschläge der Regierung an. Die nationale Delegier- len-Konferenz des Bergarbeiterverbandes beschloß in einer Zusammenkunft, die in London abgehalten wurde, mit großer Mehrheit, die Regierungsvorschläge anzunehmen. Nur die Vertreter von Dorkshire und Forest os Dean stimmten dagegen. Die Vorschläge enthalten u. a.: Die Verkürzung des Arbeitstages auf 7% Stunden, die Schaffung eines nationalen Lohnamtes für die Kohlen- bergroerfrnöuftrie, die obligatorische Einführung einer Vorschrift zur Regelung her Förderung und der Preise sowie den allmählichen Erwerb von Bergrechten durch den Staat.
* Besuch des spanischen Minister des Innern in Berlin. Donnerstag morgen traf in Begleitung des deutschen Botschafters in Madrid, Grasen W e I c z e ck, der spanische Innenminister, General Martinez Anido auf Bahnhof Friedrichstraße zu einem inoffiziellen Be such De utschlands ein. Der Minister wird sich drei Tage in Berlin aufhalten und dabei u. a. die Einrichtung der Schutzpolizei und Berliner Lungenheilanstalten besichtigen. Er begibt sich dann nach Hamburg und weiterhin ins Rheinland.
Die Reichsjustizreform.
Die preußische Staatsregierung hat laut „Germania" an die Reichsregierung eine Denkschrift gerichtet und darin Vorschläge für eine gesetzliche Regelung der Reichsjustizreform gemacht. Diese Reichsjustizreform würde nach den Auffassungen des preußischen Staates eine Vereinfachung der Justiz mit sich bringen und würde außerdem eine Verminderung der in der preußischen Justizverwaltung beschäftigten 50 000 Personen zur Folge haben. In der Denkschrift wird vorgeschlagen, die Erhöhung der Zuständigkeit der Amtsgerichte in Zivilsachen, die Erhöhung der Berufungssumme in Zivilfachen und die Ersetzung der Zivilkammern der Landgerichte durch den Einzel- richter in vermögensrechtlichen Streitigfeiten. Weiter wird vorgeschlagen eine Betreuung mehrerer Amtsgerichte durch einen Richter, die Zulässigkeit der Uebertragung der Zivilsachen für die Bezirke mehrerer Amtsgerichte auf den Richter eines Amtsgerichtes und schließlich die Herabsegung der Gebühren für Rechtsanwälte in Armensachen.
* 13 Selbstmorde und Selbstmordversuche am Bußtag in Berlin. (Eig. Meldg.) Nicht weniger als 13 Personen verübten am Mittwoch in Berlin Selbstmord oder versuchten ihn zu begehen. Besonders bemerkenswert ist, daß sich unter den Selbstmördern eine Frau von 84 Jahren befindet.
Bilder vom Tage.
Kanonikus Verdier.
Generalsuperior des Priesterseminars von St. Sufc pice, wurde der Nachfolger des verstorbenen Kardinal Dubois, des Erzbischofs von Paris,
Prof. Dr. 3. Radler,
der Königsberger Ordinarius für Literaturgeschichte, erhielt den diesjährigen Gottfried Keller-Preis, die höchste literarische Auszeichnung der Schweiz. Sein Hauptwerk ist die „Vierbändige Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landichasten."