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irr. 268.

Auwaer Zelkung (AmMches Areisdlatt). Dienslag, den 19. November 1928.

Der Fuldaer Zenlrumslum stehl lest.

9119 und 7319.

r Das Zentrum gewinnt für die Stadtverordneten-Versammlung 4 Mandate. — Den 20 Zentrums- Mandaten stehen 12 Mandate der verschiedenen Rechts- und Linksgruppen gegenüber. — Der ab­geschlagene Generalangriff. Das glänzende Ergebnis der Kommunallandkagswahlen.

Große Genugtuung erfüllt uns Zentrumsan- Hänger. In Gedicht und Prosa wird aus dm Rei­hen unserer Wähler der Schriftleitung der Jubel über den gestrigen Erfolg spontan zum Ausdruck gebracht. Schon gestern abend, als die Ergebnisse bekannt wurden, gab es viel Freude. Der Zen­trumsturm wackeli nicht. Ersteht f e st. Bei uns in Fulda und überall im Reiche, wo gestern wieder der Turm verteidigt worden ist. Für den Kommunallandtag haben wir 9119 Stimmen aufge­bracht. 1925 waren es nur 4646 Zentrumsstimmen für die Kommunallandtagswahl gewesen. Und für die Gemeinde sind es 7 315 Stimmen, während 1924 nur 5 710 Stimmen für das Zentrum abge­geben wurden. Fulda soll Fulda blei­ben! Diese Forderung ist von der Mehrheit der Wähler eindeutig bekräftigt worden. Freilich ist es für dis Partei und ihre Vertrauensmänner in den Körperschaften nun ein schwerer Auftrag, der ihnen zu Teil wird, in Fleiß, Gewissenhaftigkeit und Voraussicht für das allgemeine Wohl manche schwere und oft sehr undankbare Aufgaben auf sich zu nehmen. Der 17. November und sein Ergebnis möge ihnen allen frische Kraft und neues Ver­trauen ins Herz senken. Mit Gott ans Werk!

Der Wahlfonnkag.

Der Sonntag stieg herauf mit Regen und in November-Trübe. Bewegt wie dieser ganze Wahl­kampf war trotz dieses düsteren Wetters der Vor­mittag des Wahltages. Schon ehe um 9 Uhr die Wahllokale geöffnet wurden, standen zahlreiche Wähler vor den Türen. Lebhaft wurde diskutiert. Noch einmal hatten verschiedene Parteien mit Flug­blättern sich zu Wort gemeldet. Balthasar Mihm hatte dabei sich eine Taktik gestattet, die unter der glaubenstreuen katholischen Bevölkerung Fuldas vom ersten Augenblick ihres Bekanntwerden berech­tigte Entrüstung hervorrief. Er hatte den Hirten­brief des Hochw. Herrn Bischofs benutzt, um die katholischen Wähler irre zu führen. Die Fuldaer Zeitung hatte ja schon am Samstag von dieser ihr im Voraus bekannt gewordenen Absicht Mitteilung gemacht. Daß die Sache so bedenkenlos durchgeführt werden würde, hatte aber wohl niemand erwartet, obwohl man von Herrn Mihm allerlei gewöhnt ist. Die Aktion hatte die Folge, daß der Hochw. Herr Bischof von allen Kanzeln der Fuldaer Kirchen in den Vormittagsgottesdiensten feierlichen Protest ge­gen dieses Unterfangen des Herrn Mihm erheben ließ. Kirchentreue Katholiken sahen hier noch ein­mal mit aller Deutlichkeit, was sie weltanschaulich von ihm zu erwarten haben. Die Aufgabe des Zen­trums, einen festen Wall um Glauben und Kirche gegenüber offenen und versteckten Feinden zu bil­den und zu erhalten, wurde noch einmal weitesten Kreisen vor Augen geführt. Die Fuldaer Katho­liken können stolz darauf sein, daß in ihren Reihen dieses Täuschungsmanöver offenbar keine Verwir­rung angerichtet hat. Die staatsbürgerliche Schu­lung unserer Freunde nimmt hier in Fulda einer Aktion von vornherein die Aussicht, die sie bei voli- tischen Halb-Analphabeten haben könnte. Die Wäh­lerschaft des Herrn Mihm setzt sich aus den geschwo­renen Feinden des Christentums zusammen: aus Kommunisten und anderen radikalen Elementen mit rasch wechselnden politischen Ansichten. Daß fjerr Mihm, dem mit zwei seiner Freunde ja ein Mandat zugefallen ist, jetzt ebensowenig gol­dene Zeiten heraufführen wird, wie er es während seiner Amtszeit nach 1919 fertig brachte, ist sicher, lieber seine Geistesrichtung kann, nach dem Vorgehen am Wahlsonntag, aber auch kein einziger Mitbürger mehr im Unklaren fein.

Die anderen Flugblätter, die noch verteilt wur­den, fanden wenig Beachtung mehr und flatterten schnell in den Straßenschmutz. Zahlreiche Wahl­autos fuhren durch die Straßen. Der „wackelnde Zentrumsturm", den Herr Mihm auf einem Koh­lenauto herumfahren ließ, hat zweifellos noch man­chen Katholiken zur Wahlurne geführt aus Grimm über die Verhöhnung des Zentrums, das jeder einigermaßen gebildete Katholik schon wegen seiner geschichtlichen Vergangen­heit, die mit den Namen eines Windthorst und Hitze verbunden ist, hoch schätzt.

84 Prozent Wahlbeteiligung bei Kommunal­wahlen ist sehr hoch! In vielen Bezirken hat alles gewählt, was irgendwie gehen konnte und in Fulda tatsächlich anwesend war. Der harte Wahlkampf hat die günstige Folge der hohen Wahlbeteiligung gehabt. In den späten Mittagsstunden wurde es in den Wahllokalen ruhiger. Die meisten waren schon dagewesen. Die Ermittlung der Ergebnisse ging in den 23 Wahllokalen verschieden schnell oorän. In den späten Abendstunden konnten wir In einem Extrablatt die Wahlziffern bekannt geben, nachdem wir sie vorher unzählige Male am Fern­sprecher zugesprochen hatten. Wenn dabei auch Vorkämpfer einer Partei, die am Vormittag in der übelsten Weise die Ehre der Zentrumspresse imgegriffen hatte, jetzt solche Dienste von uns er­baten, so zeigt das, für wie gutmütig man in jenem Lager uns doch eigentlich hält, trotz der harten Worte, die man uns an den Kopf wirst.

Daß gestern abend der Zentrumserfolg im La­ger der treuen Zentrumsanhänger große Freude yervorrief, ist zu verstehen. Was hatten wir alles in Spott, Hohn, Verdrehung und Beleidigung da- für einstecken müssen, daß wir als Rathausmehr­heit in fleißiger und umsichtiger Arbeit für die Vvlksgefamtheit, für Fulda gearbeitet hatten. Fetzt hat uns der Lenker der Geschicke, der auch in dieser Wahlschlacht allein das Gelingen gegeben, durch einen Sieg für die Ideale der Donifatiusstadt

erfreut. In der Harmonie wurden bei überfüllten Sälen von don Führern unserer Sache die Ergeb­nisse des Tages in zündender Rede gewürdigt und ein frohes u. fröhliches Bekenntnis von jung u. alt zur Zentrumspartei äußerte sich in manchem kräf­tigen Hoch.

Sprechende Zahlen.

Im folgenden spiegelt sich die Entwicklung der Parteien in der Stadt Fulda seit der letzten Stadtverordnetenwahl am 4. Mai 1924.

Hessis ch e Arbeitsgemeinschaft । (Deutschnationale und Deutsche Volkspartei) erhielten diesmal für die Gemeindewahl 1450. Stimmen. Bei der Gemeindewahl am 4. Mai 1924 erhielten die Deutschnationalen 900 und die Deutsche Volkspartei 495 Stimmen, zu­sammen 1395 Stimmen; bei der Reichstagswahl am 20. Mai 1928 erhielten die Deutschnationalen 608 und die Deutsche Volkspartei 580 Stimmen, zusammen 1188. Die Rechtsgruppe hat sich also, wohl auf die Arbeit aus den positiven evange­lischen Kreisen hin, der Stimmenzahl nach ver­stärkt. Ihre Vertretung im Stadtparlament bleibt mit drei Mandaten in der bisherigen Stärke bestehen.

Für die Kommunallandtagswahl hat die Hes­sische Arbeitsgemeinschaft, die mit einer von Dr. Weymar geführten besonderen Liste vorging, 1510 Stimmen aufgebracht. Es haben also Kreise, die für die Stadtverordnetenversammlung nicht deutsch- national wählten, die Kommunallandtagsliste der Deutschnationalen gewählt, wahrscheinlich vor allem evangelische Mieter. Bei der letzten Kommu­nallandtagswahl am 29. November 1925 hatte die Hessische Arbeitsgemeinschaft in der Stadt Fulda nur 579 Stimmen erhalten.

Die Sozialdemokraten erhielten gestern für die Gemeindewahl 972 Stimmen. Sie hatten 1924 in der Stadt Fulda 1247 und bei der letzten Reichstagswahl sogar 1832 Stimmen erhalten. Es sind ihnen demnach erhebliche Stimmen verloren gegangen, die wohl bei Balthasar Mihm und bei den Mietern gelandet sind. Ihre Mandate gehen von 3 auf 2 zurück. Für die Kommunalland­tagswahl haben sie wenig mehr Stimmen als für die Eemeindewahl: 989. (1925: 691).

Das Ergebnis für dgs Zentrum ist bereits gewürdigt.

Die Demokraten verschwinden aus dem Stadtparlament. Die Mieter haben sie Wohl vor allem aufgezehrt. 1924 hatten die Demokraten immerhin noch 593 Stimmen, jetzt nur noch 236. Bei der letzten Reichstagswahl hatten sie 444 Stimmen. Auch für den Kommunallandtag haben sie nur 241 Stimmen aufgebracht gegen 268 bei der letzten Kommunallandtagswahl. Daß der stets für sachliche Politik eintretende Herr Dr. Büttner aus dem Stadtparlament verschwindet, wird auch bei uns bedauert.

Die Kommunisten haben seit 1924 fast alles verloren. Damals hatten sie 1094 Stimmen, jetzt nur noch 241. Noch bei der letzten Reichsl- tagswahl hatten sie 682 Stimmen aufgebracht. Gegen die Werbungsmittel des „Christlich-Sozia­len" Führers konnten die Kommunisten auch bei ihren treuesten Anhängern nicht aufkommen. Im­merhin haben 465 Kommunisten Bei der Kommu­nallandtagswahl die Treue gehalten. Aus der Stadtverordnetenversammlung verschwinden die bei­den Herren, die auf das kommunistische Programm gewählt waren.

Der Nationalsozialist hat Glück gehabt. Er kehrt, allerdings nur auf eine knapp ausrei­chende Wahlziffer gestützt, wieder. Don einem nationalsozialistischen Erfolg in Fulda, der etwa den häufigen Versammlungen enffprechen würde, die heuer von den Nazis gehalten wurden, kann keine Rede fein. Die Fuldaer Radikalen hatten eine lockendere Persönlichkeit vor sich als der nationalsozialistische Spitzenkandidat. Die Nazis haben 387 Stimmen für die Stadtverordneten- Versammlung erhalten (1924:399; 1928: 571). Ro­land Freister, der Kandidat der Hakenkreuzler für den Kommunallandtag erhielt 602 Stimmen. Die Erklärung für den Unterschied der nationalsozia­listischen Stimmen für Stadt und Bezirk ergibt sich wohl unschwer aus dem konfessionellen Moment.

Die Bürgerpartei hat gestern nur 907 Stimmen aufgebracht und damit die Hälfte ihrer Mandate verloren. 1924, als sie zum ersten Male auftrat und man nur ihr Pro gramm kannte, hatte sie 1456 Anhänger. Man kann angesichts der wenig positiven Leistungen der Partei verstehen, daß manchen früheren Freunden die Augen aufgegangen find. Die Partei versuchte am Samstag noch durch einen Aufruf im Fuldaer Anzeiger sich Bei den evangelischen Wählern in empfehlende Erinnerung zu bringen, nachdem es im katholischen Lager nicht mehr viele geben konnte, die eine Politik lediglich aus dem Wirt­schaftlichen heraus noch mitmachen. Auch der von einem bisherigen Zentrumsmann geführte Fuldaer Haus-und Grundbesitz er verein suchte der Bürgerpartei noch durch sin Flugblatt, das von einem solchen der Wirtschastspartei Be­gleitet war, zu Hilfe zu kommen. Ein offenbar von Herrn Fritz Fuchs verfaßtes Flugblatt, das dem Zentrum und der Zentrumspresse ans Leder wollte und uns Schlimmstes nachsagte, weil wir den Wahlkampf mit Enfflhiedenheit und Aus­dauer geführt haben, fand keine Beachtung. 250 Anhänger der Bürgerpartei sind auch so vernünftig gewesen, für den Kommunallandtag Zentrum zu wählen und sich nicht auf die kühne Hoffnung

des Hausbesitzervereins zu verlassen, daß der F u I- daer zweitstellige Kandidat der Hanauer Haus­besitzerliste (alter Verein! es gibt in Hanau zwei Hausbesitzervereine, einen neuen und einen alten, die verschiedene Politik machen!) auch noch ge­wählt werden könnte. Die Wirtschastspartei erhielt für den Kommunallandtag nicht alle Stimmen der Bürgerpartei, sondern 727 Stimmen (1925: 302).

Die Radikalen Fuldas sammelten sich bei der Christlich-Sozialen Reichspartei. Sie erhielt 1361 Stimmen. Wenn man die bei den Kommunisten und Sozialdemokraten gegen früher fehlenden 1028 Stimmen berücksichtigt und die Mehrwähler aus den linksgerichteten. jugendlichen Kreisen beachtet, ist die Zahl schnell erklärt. Aus dem Lager des Zentrums, auf das der Angriff ja eigentlich angelegt war, ist Herr Mihm nichts zugefallen.

Die Mieterpartei hat 703 Stimmen auf­gebracht und damit einen Stadtverordneten durch­gebracht, Dr. Wilms. Er ist Demokrat wie Dr. Büttner. Die Fuldaer Mieter wären übel daran, roenn nicht die berechtigten Mieterintereffen — auch vom Zentrum wahrgenommen würde, sondern der Mann der Mieterpartei das allein machen müßte. Man erkennt die po­litische Torheit der Splitterlisten, deren Stimm- Reste übrigens völlig unverwertbar sind.

Nicht vertreten war diesmal die Liste der Kriegsbeschädigten, die 1924 insgesamt 495 Stimmen erhielt. Viele Kriegsbeschädigte ha­ben diesmal Zentrum gewählt, auf dessen Liste eine Reihe von ehemaligen Frontsoldaten und Kriegsbeschädigten stehen.

komunallandkagsw ahl.

wtb. Frankfurt a. 2N., 18 Nov. (Tel.). Bis um 3.30 Uhr morgens lagen beim Wahlleiter für den Kommunallandtag Kassel aus 2 6 von 2 9 Krei­sen die Resultate vor. Insgesamt wurden ge-ählt:

Sozialdemokraten 171 282. Zentrum 35 627, Demokraten 24 502, Kommunisten 34 373, Christl. Volksdienst 21757, Deutsche Volkspartei (nur in drei Kreisen eigene Listen) 17 180, Nationalsozia­listen 31 700, Wirtschaftspartei 28 405.

Nach einer vorläufigen Berechnung wird ficb der neue Kommunallandtag wahrscheinlich wie folgt zusammensetzen: Hessische Arbeitsgemeinschaft 12 (15), Sozialdemokraten 15 (15), Zentrum 6 (7), Demokraten 2 (3), Kommunisten 3 (3). Christlicher Volksdienst 2 (0), Nationalsozialisten 3 (0), Wirt­schaftspartei 2 (0).

Es ist indeß möglich, daß die christliche Volks­partei nicht die gestellten Verteilungszahlen auf­bringt und infolgedessen ganz ausfallen muß. In diesem Falle würden die beiden Mandate ent­weder an die Wirtschaftsvartei und das Zentrum oder an die Deutsche Volkspartei fallen.

7. Fuldaer Weihnachksmesse.

4600 Besucher am ersten Tage.

Am Sonntag eröffnete die FuldaerMesse- oereinigung in den Stadtsälen ihre traditio­nelle Weihnachtsmesse. Es ist das 7. Mal, daß die angefchlossenen Firmen ihre Waren und Erzeugnisse in gemeinsamer Schau vor dem Ful­daer Publikum ausbreiten. Die Ausstellung wurde um 11 Uhr vormittags von Herrn Drogist S t e y e r mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in der er auf Ziel und Zweck der Messe hinwies. Sie soll den Bewohnern der Stadt wie des stachen Landes eine begueme Gelegenheit geben, sich über die Qualität und die Preise der ausgestellten Waren zu orien­tieren.

Der Andrang des Publikums war gleich am ersten Tage außerordentlich stark. Wurden doch nicht weniger als 4600 Besucher gezählt, das sind 1000 mehr als am ersten Messetag des Vorjahres. Die Ausstellung mußte in den Nachmittagsstunden wegen Ueberftillung vorübergehend gesperrt wer­den. Wie seither, so bietet auch in diesem Jahr die geschmackvoll aufgebaute Ausstellung in ihrer strahlenden Lichterpracht und der bunten Fülle ihrer tausend Herrlichkeiten ein imponierendes Bild. Zauberhafte Weihnachtsstimmung liegt über dem «Samen. Die Zahl der Aussteller ist gegen das Vorjahr wieder etwas gesunken. Außer den ge­wohnten hochwertigen Erzeugnisien und Qualitäts­waren, findet man auch in diesem Jahre wieder manch Neues in den verschiedensten Branchen. Ein Rundgong durch die interessante Schau gibt ein eindrucksvolles und überzeugendes Bild von der Leistungsfähigkeit des Fuldaer Handels und Ge­werbes und dürfte eine glänzende Rechtfertigung unserer an dieser Stelle schon oft ausgesprochenen Mahnung fein: Fuldaer, kauft am Platze!

Die Ausstellung ist nur bis einschließlich Don­nerstag geöffnet. Wie auch in vorigen Jahren er­hält jeder 500te Besucher eine wertvolle Prämie. Die ausgelosten Zahlen, auf welche ein Gewinn gefallen ist, werden am Dienstag bekannt gemacht.

Ein Gastspiel der Frankfurter Rundfunkkünfiler.

Im Rahmen der Weihnachtsmesie fand am Sonntag­abend Im großen Saale des Bürgervereins ein ® a st- spiel des Frankfurter Senders mit persön­lichem Auftreten der Künstler statt. Der Andrang zu der Veranstaltung war riesig. Der Raum reichte nicht aus, um alle zu fassen. Die Deranstaltungsleitung schien auf einen derartigen Massenandrang nicht gefaßt gewesen zu sein. Es entstanden einige Organisations­schwierigkeiten, die eine erhebliche Verzögerung des Beginns der Veranstaltung zur Folge hatten. Mit die- !em äußeren Mangel wurden die Besucher aber durch >ie Darbietungen des „Bunten Abends" schnell wieder ausgesöhnt. Alle populären Künstler des Frankfurter Rundfunks, deren Stimme den meisten so bekannt und vertraut ist, sah man einmal leibhaftig vor Augen. Drei Stunden lang verstanden die Frankfurter Gäste das Fuldaer Publikum glänzend zu unterhalten. Da sah man zunächst, von Hermann Schramm mit seinem köstlichen „Fernsehapparat" herbeigezaubert, Hans N e r k i n g und Lene L b e r m e i e r bei der Morgen­

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gymnastik auf der Bühne. Dann gab Opernfänge. Schramms herrlicher Tenor Proben feiner Sanges, kunst. Leonore von O b st f e l d e r als Gast des Rund funks erfreute durch anmutige Tanzdarbietungen, du viel Applaus ernteten. Der Ansager O. Studtmann unterhielt sich mit dem Publikum über Störungen tm Rundfunk und gab Winke zu ihrer Behebung. Opern­sänger G a r e i s zeigte, daß er nicht nur ein hervor­ragender Sangeskünstler, sondern auch ein Taschenspieler von unglaublichem Talent ist. Emil Franz riß mit seinem glänzendenTylophonvortrag den Saal zu stür­mischem Beifall hin. Der den Sportfreunden bekannte Dr. Paul Laven präsentierte sich den Anwesenden in einem witzigen Zwiegespräch mit seinem Freund Studt­mann. Nerking imitierte köstlich die „Stunde des Zoos". Opernsängerin Elisabeth Friedrich bot den Zuhörern durch gesangliche Darbietungen mit ihrem herrlichen Sopran einen selten künstlerischen Genuß. Kapellmeister Mertens zeigte sich bei einem Geigensolo als hervorragender Violinvirtuose. Das Publikum war von dem Gebotenen, das in allen Details zu schildern hier der Raum fehlt, hoch befriedigt und Zeigte dies immer wieder durch stürmischen Applaus. Wohl für jeden Rundfunkhörer hatte es einen hohen Reiz, einmal die Persönlichkeiten von Angesicht zu Angesicht zu sehen, deren Stimme er so oft am Lautsprechr gelauscht. Die Gelegenheit zu diesem Kennenlernen gegeben zu haben, ist das Verdienst des Fuldaer Drogisten Steuer, durch dessen rührige Initiative der Frankfurter Rundfunk für den Abend gewonnen wurde. Ihm gebührt hierfür herz­licher Dank.

Konzern und Liederabend.

Am 17. November veranstaltete die Gesangs abteilung des kath. Gesellenverein- einen Konzert- und Liederabend, der sich trotz des um günstig gewählten Zeitpunktes eines zahlreichen Be­suches zu erfreuen hatte. Die Zuhörer brauchten nicht zu bereuen, daß sie in das Gesellenhaus geeilt waren; denn sie verlebten einen genußreichen Abend, an dem sowohl die Sänger wie auch das mitwirkende Streich­quartett der Reichswehrkapelle, das den instrumentalen Teil des Konzertes übernommen hatte, beteiligt waren. Die Gesangsabteilung des Gesellenvereins verfügt über ein gutes Stimmaterial, das von dem Chorleiter Herrn Jos. Ebert, in unermüdlicher Arbeit geschult und zu einem einheitlichen Ganzen zusammengeschlossen wurde. Es ist vor allem die Belebung dieses Materials, die den Leistungen eine besondere Bedeutung verleiht. Es werd nicht bloß schön gesungen, sondern es wird besonderer Wert auf Vertiefung des Inhaltes, auf dramatisch be­lebten Ausdruck gelegt. Da ist kaum eine Silbe, dir nicht in ihrer Betonung durch eine sinngemäße Ein­stellung zum Ganzen ihren natürlichen Wert erhält, die nicht aus tief empfindender Erfassung dessen, was als das Richtige erkannt wird, klingendes Leben erhält. Es ist ein frisches impulsives Musizieren, durch das den Vorträgen imponierende Eigenart verliehen wird. Der herrliche in duftigem Pianiffimo erstrahlende Einlei- tungschor „Nacht" von Schubert ließ die Schönheit der Tenöre in schönstem Licht erstrahlen. Kein Wunder, daß darum eine Tonschwankung in diesen Stimmen an einer Stelle des Liedes leicht überwunden wurde. Im wetteren Verlaufe des Konzertes brachte der Chor Werke von Mathäus Gondlach, Nagl, Jof. Reiter, Rich. Trunk ufro. zum Vortrage, Lieder, die erkennen ließen, daß der Gesellenverein unter einem guten Stern steht. Den meisten Anklang fanden wohl die „Grenadiere" von Krämer, ein Chor, der wegen seiner warm fließen­den Melodik und seiner tonmalerischen Momente dem Konzerte eine besondere künstlerische Note gab. Zum guten Gelingen des Abends trug nicht wenig bei das Streichquartett der Reichswehrkapelle, das in gewohnter Meisterschaft Kompositionen von unseren Klassikern Haydn, Mozart und Beethoven zum Vortrag brachte. Die Zuhörer lauschten mit größtem Interesse dieser klassischen Musik, ein Beweis, daß in der Zett der mo­dernen Schlager und der Jazzmusik der Geschmack an den Klassikern noch nicht erloschen ist. Wir können dem Gesellenverein danken, daß er uns einen solch schönen Abend bereitete, der gezeigt hat, daß die Jugend auch andere als sporttiche Genüsse uns zu bieten ver­mag. E. S.

Personennachrichlen.

Zum Studiendirektor an der Hohen Landes­schule in Hanau ist Studienerat Griesbach, bis­her Studienrat am Realgymnasium in Oschers­leben (Provinz Sachsen) ernannt worden.

80 Jahre.

Am 21. November ist es der Witwe Karoline Helmke, wohnhaft Rittergasse 11, vergönnt, ihr 80. Lebensjahr in geistiger und körperlicher Frische zu vollenden.

Auskünfte in der Angssiellkenversicherung.

Berwaltungsinspektor Thomas von der Reichs­versicherungsanstalt für Angestellte wird am Freitag, den 22. d. Mts., zwischen 15^ und 18^ Uhr in den Räumen des Städtischen Dersiche- rungsamtes (Ausgabestelle der Versicherungskar­ten) Auskünfte in Fragen der Angestelltenversiche­rung erteilen. Interessenten können zu der an­gegebenen Zeit mft ihren Versicherungsunterlag«- dort vorsprechen."

Kraftpost.

Am Mittwoch, den 20. November (Buß. und Bettag) verkehrt die Krastpost Neu- Hof-Heubach wie Sonntags. Die an diesem Tage ausfallenden Fahrten werden am Donnerstag den 21. November ausgeführt.

Unzulässige Briefumschläge.

Aus Derfenderkreifen wird darüber geklagt daß die Post die Bestimmungen über die Erfor­dernisse der Briefumschläge usw. verschieden aus- legen. Nachstehende werden daher nochmals die Vorschriften über die Anordnung von Aufdrucken auf der Außenseite der Bciefsendungen aufgeführt. 1. Bei gewöhnlichen und eingeschriebenen Brieffendungen sollen Absenderangaben sowie Werbeanzeigen auf die Rückseite und das linke Drittel der Vorderseite der Briefsendungen usw. beschränkt bleiben. Zu den Briefsendungen zählen hierbei Briefe, Drucksachen, Warenproben, Ge­schäftspapiere, Mischsendungen, Briefpäckchen sowie sonstige Päckchen. Die Bestimmungen beziehen sich nicht nur auf Briefumschläge, sondern auch auf Streifbänder (für Druckfachen), Taschen (für Wa­renproben), aufzuklebende Anschriftzettel u. dgl. 2. Umschläge usw. mit Aufdrucken, die

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