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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

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Erscheint lechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Wett im Bild' und „Buchcndlätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. ,Fernrufe. Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Acliendruckerei 1150 und 1151. ::

Sonntag, 17. November 1929.

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56. Zahrg.

Eine wuchtige Zenlmms-Kundgebuug.

Fulda sott Fulda bleiben! Wir wollen keine Moskauer Zustände!

vergebliche Störungsversuchc kommunistischer Eindringlinge. — Die Fuldaer Katholiken sind auf Ihrem Posten. — Domprobst Linneborn, der kulturpolitische Führer im preußischen Landtag, legt die geissigen Grundlagen der Zentrums-Politik dar. — Sfabln. Eduard Schmitt spricht über die Ge-

! meindepolitik. — Magiskratsrat Dr. Danzebrink über den Kommunallandkag und das Fuldaer Für­sorgewesen. — Alle Redner ernten stürmischen Beifall. — Die alle Stünde umfassende, zielbewutzte und arbeitswillige Zentrumspartei ist der sichere Hort von Bürgerfrieden, wirtschaftlichem Fort­schritt und geistig-sittlicher Gesundheit in unserer Stadt. — Die grosie Kundgebung hat noch einmal alle ausgerüktelt. — Alle glaubenskreuen katholischen Männer und Frauen wählen am Sonntag die

Liste der Zentrumspartei.

Der Vorstand der Ortsgruppe Fulda der Deut­schen Zentrumspartei hatte auf Freitagabend die katholischen Männer und Frauen der Stadt Fulda, die auf dem Boden der Zen­trumspartei stehen, zu einer Kundgebung in den Stadtsaal gerufen. Die Eingeladenen waren in gewaltigen Massen dem Rufe gefolgt. Schon lange vor dem festgesetzten Beginn war der Stadt- saU voll besetzt. Immer neue Scharen strömten herbei, sodaß kurz nach 8 Uhr der Saal so überfüllt war, daß buchstäblich kein Apfel mehr zur Erde fallen konnte. Die Polizei mußte den Saal schlie­ßen. Hunderte von Zentrumsanhängern, die et­was später kamen, mußten unverrichteter Dinge umkehren. Uneingeladen hatten in dem Saal, und zwar nach einem durchdachten Störungs- plan, einige Hundert kommuni st ische Ele­mente Posten gefaßt. Die Absicht, die Versamm­lung zu stören, war bekannt und entsprechend den Anordnungen des preußischen Innenministers an die Polizeibehörden, die Wahl-Vorbereitungen ge­gen jeden Terror zu schützen, hatte die Polizei die entsprechenden Maßnahmen getroffen. Die Kom­munisten, meistens Leute, die infolge ihrer Ar­beitslosigkeit schon während des ganzen Tages Ge­legenheit hatten nehmen können, demonstrierend durch die Straßen der Stadt zu ziehen, und auch auf dem Wehmarktplatz eine Versammlung unter freiem Himmel gehalten hatten, machten den Ver­such, die Versammlung gleich unter ihren Willen zu zwingen und die Mehhreit, 95 Proz. der Er­schienenen, die als Katholiken und Zentrumsleute gekommen waren, um Vertreter ihrer Anschauung sprechen zu hören, mit kommunistischen Redensar­ten zu bedenken. Der Versuch verlief zeitweilig etwas stürmisch, ist aber dann voll und ganz m i ß- l U n g e n. Einige kommunistil<^e Parteigänger, es handelte sich durchweg um reif* junge, in ein­zelnen Fällen wohl nicht einmal wahlberech­tigte Leute, die nach ihrem ganzen Benehmen erst vor kurzem aus abgelegenen dörflichen Ver­hältnissen nach Fulda gekommen sein können, wur­den von der Polizei in eindrucksvoller Weise an die Luft befördert. Nach diesem Reinigungspro­zeß konnte dann das Programm der Veranstal­tung in Angriff genommen werden.

Der im ganzen katholischen Volke Preußens, so weit es an dem Leben und den Geschicken seiner Kirche Anteil nimmt, hochverehrte Domprobst Linneborn aus Paderborn, der Führer des Zentrums bei den schwierigen Verhandlungen über das Konkordat, ein kerniger Westfale, nahm das Wort. Anfangs suchten ihm die eingedrunge­nen Schreier hie und da Schwierigkeiten zu ma­chen. Aber umsonst. Der Redner setzte sich durch und hat dann in packendster Weise seine Gedanken

dargelegt, so daß anzunehmen ist, daß, falls sich auch Katholiken unter den kommunistischen Zuhörerschaft befunden haben sollen, ihnen doch einige ernste Gedanken aufgestiegen sein dürften.

Der Redner ging aus von der Lage unseres Volkes in den Tagen nach dem schauerlichen Kriegsende. Er hob die Verdienste des ersten Reichspräsidenten Ebert 'und auch seiner Mitarbeiter aus der Zentrumspartei um die Rettung des so schwer geschlagenen Staates her­vor. Dann zeigte er, wie in würdiger und Erfolg ver­sprechender Weise der Kamps

gegen die Kriegsschnldlüge

geführt werden muß. Richt etwa durch das aussichts­lose Volksbegehren, das auch die Last unserer Kriegs- trißute, mögen sie in Form des Dawesplanes oder des Noungplanes uns auferlegt fein, nicht von uns nehmen kann. Es kann sich nur darum handeln, wie wir die schreckliche Last, die der verloren gegangene Krieg uns auferlegt hat, gemeinsam tragen, indem wir sie gerecht verteilen. Diesem Zweck dient die bevorstehende Finanzresorm, die eine Senkung na­mentlich auch der Realsteuern bringen muß, um eine Neubildung des Kapitals zu ermöglichen. Bis jetzt ha­ben wir von Anleihen gelebt, deren Verzinsung uns neue Lasten gebracht hat. Wenn wir fortfahren, mehr einzuführen als auszuführen, so wird eines Tages das Volksvermögen aufgezehrt fein. Trüb ist unsere Lage und mit Entsetzen gedenken wir auch des über das Ma­terielle hinausgehenden Jammers, den uns der Krieg gebracht hat, der Witwen und Waisen, der Kriegsbe- fchädigten und der unzähligen Toten. Deshalb geloben wir, alles zu tun, daß *

kein neuer Krieg

kommt. Deshalb gilt unsere Arbeit dem Ausbau der Schiedsgerichte für die internationalen Beziehungen > der Völker. Unsere Hoffnung setzen wir auf das Ehri- • stentum, das schon mit Schlimmerem fertig geworden ist als mit dem Wahnwitze des Krieges. (Stürmischer Beifall.)

In einer Zeit, in der so gewaltiges Unheil über uns liegt, wendet sich nun leider im deutschen Volk einer ge­gen den anderen mit einer Leidenschaft, die man nicht begreifen kann. Die Stände stehen gegeneinander auf und unsere Kraft, die wir gegen außen gebrauchen könnten, wird im inneren Hader verzehrt. Gegenüber dieser Lage soll und muß die Innenpolitik des Zen­trums getragen fein

vor dem Gedanken des Ausgleichs

und der Versöhnung der Stände im Zeichen der christ­lichen Gerechtigkeit. Wenn das Zentrum nicht wäre, so müßte es um dieser Mission willen heute gegründet werden. (Stürmischer Beifall.) Für den Gedanken des Ausgleichs, für diese Grundidee staatserhaltender Arbeit, setzt sich das Zentrum selbstopfernd ein. Es wird diesen Gedanken nicht preisgeben und wenn es darüber sterben müßte. (Stürmischer Beifall.) Volks­gemeinschaft und Verbundenheit der Stände ist für uns Katholiken Glaubenssache. Sie ist Gottes Wille und wir glauben an Gott und an den Sohn Gottes.

Ein Kommunist ruft „Pharisäer!" Der Redner stellt den jugendlichen Zurufer wegen seines lächerlichen Zu­rufs und verlangt von ihm, daß er erkläre, ob er in der Sage fei, die Ansicht eines Mannes, der das Leben, feine Not und feine Sorge kenne, zu achten ober nicht. Er, der Redner, respektiere die Ansicht eines anderen Menschen, verlange aber mit aller Entschiedenheit für seine Ansicht die gleiche Achtung. Die Mehrheit der Versammlung gab lang anhaltend ihre Zustimmung zu dieser verdienten Zurechtweisung. Abg. Linneborn konnte feststellen, daß 95 Prozent der Versammelten seine Ueberzeugung teilten. Er legte dann in packen­der Weise dar,' warum wir Katholiken in allen Ständen einschließlich der katholischen Arbeiter uns

um das Kreuz

scharen und von diesem Kreuz, das dem Arbeiter Er­lösung und Gleichberechtigung und Würde gegeben hat, nicht trennen lassen. (Stürmische Kundgebung.) Der Redner verbreitete sich dann über die Notwendigkeit, daß auch im demokratisch-republikanischen Staat die be­rufsständigen Organisationen für die Ehre ihres Standes wirken und ihn verteidigen. So die Ar­beiter in den christlichen Gewerkschaften. Im Zentrum wird der Gedanke hoch gehalten, daß der, der die Arbeit nicht zu werten weih, sich los sagt van der chrisllichen Anschauung. Wer den Menschen aber nur ansieht als Maschine, als ein Stück Materie, der tritt die Würde der Menschheit mit Füßen. Weil der Mensch eine un­sterbliche Seele besitzt, deshalb ist naoi unserem Glauben der einfachste Arbeiter jedem anderen Volksgenossen gleich zu achten. Der Redner ging dann auf die be­dauerliche Tatsache ein, daß der Nachwuchs in den aka­demischen Berufen in zu geringem Umfang sich auch aus deck arbeitenden Schichten ergänzt. Nur bei den katholischen Theologen ist der Prozentsatz der Studierenden aus dem Arbeiterstand und dem Mittel­stand erheblich größer. Deshalb hat aber auch gerade der katholische Klerus ein warmes Herz für die notlei­denden Schichten in der Masse des Volkes und so ist es feDstverständlich, daß das Zentrum

die soziale Fürsorge vorbehalllos bejaht.

Freilich sind diejenigen die ärgsten Feinde der sozialen Fürsorge, die diese Fürsorge, der sie teilhaftig werden, mißbrauchen.

Auch den Verhältnissen der schwer ringenden Landwirtschaft

wurde der Redner gerecht Er warnte die Bauern je­doch vor einer Isolierung, von einer Loslösung van den anderen Volksgenossen, sonst würden sie bei den anderen Ständen lein Verständnis mehr finden für eine vernünftige Zollpolitik in den Grenzen der Ge­rechtigkeit, für die gerade die in den christlichen Gewerk­schaften vereinigten Arbeitermassen in dem entscheiden­den Augenblick tzas,.größte.Mrständnis gezeigt hätten. Für die Jungbauern heiße es „Lernen", damit die land­wirtschaftlichen Methoden auf die Höhe gebracht würden. Auch der genofsenschaftl che Weg muß von den Dauern im wachsenden Umfang beschritten werden, zumal so auch dem Verbraucher vielleicht etwas geholfen werden könne. Dor allem aber müsse das flache Land durch die Erhaltung von Zucht und Sitte und durch den Schutz gegen großstädtische Verflachung sich zu sichern wissen, damit das Land auch in der Zukunft eine Quelle neuer Kraft für die Städte bleibe.

Die, Arbeit des Zentrums

für den Mittelstand

charakterisierte der Redner durch einen Hinweis auf die Vorgänge bei der Nationalversammlung in Weimar. Damals, als die durch die Revolutionen so mächtig ge­wordenen Linksparteien dem Mittelstand den Hals he'- umdrehen wollten, da hat das Zentrum, das in jenen Tagen bekanntlich nicht in gleicher Weise wie die Rechtsparteien ins Mauseloch gekrochen war, den Mittelstand gerettet und unter Führung des be­kannten Zentrumsabgeordneten Dr. Hitze in" der Ver­fassung die Sicherung der Mittelstands-Interessen durch­gesetzt und den Schutz des Privateigentums vorgenommen. Damals gab es noch keine Wirtschafts­partei, die heute in demagogischer Weise um die Stim­

men des Mittelstandes wirbt, wobei sich kürzlich em wirtschaftsparteilicher Agitationsredner der Phrase be­diente: „Weg mit ben Steuernl". Solange es kein anberes Mittel gibt, um ben Staat zu erhalten, können wir nicht auf Steuern verzichten. Wer etwas anberes sagt unb verkündet, ist ein Schiss der Wüste, das verdient, daß ihm noch ein dritter Häcker wächst. (Stür­mische Heiterkeit.)

Auch für das Berufsbeamtentum tritt das Zentrum ein und die Beamten sollen anständig bezahlt werden, damit sie vor Versuchungen bewahrt sind. Wir verlangen dabei allerdings, daß sie sich voll und ganz bewußt sind, daß sie für das Volk unb nicht das Volk für sie da ist.

Schließlich umfaßt das Interesse der Zentrumspartei auch in gerechter Würdigung die Arbeit der Män­ner der Wirtschaft und Technik, die für wirt­schaftlichen Fortschritt ihr ganzes Sein unb Können in bie Schanzen schlagen.

Wer kann bem Zentrum einen Verstoß gegen biefe Grunbsätze ausgleichender Gerechtigkeit nachweisen?

Der Kampf des Zentrums geht aber vor allem auch für bie

kulturelle und sittliche Entwicklung

unseres Volkes. Aus biefem Grund unser Eintreten für die Kirche. Aus diesem Grund die Bedeutung des Konkordats, das im wesentlichen den Kampf abgeschlossen hat, der seit den Tagen Bismarcks tobte und darum ging, ob sich der Gedanke der Staatsall­macht durchsetzen konnte ober ob dieser Staatsvergöt­terung ein christlicher Staatsbegriff, der den Gedanken der Duldung kennt, gegenüber gelte«* und anerkannt wurde. Wir Kacholiken wollen uns mit dem Staat verständigen und können es, wenn die Kirche an­erkannt wird Das ist !m Konk-rbat nescheben. Mögen für Einzelbestimmungen noch Bedenken bestehen. Im Großen ist die Frage gelost und bas freut uns deswegen, weil wir in früheren Jahrzehnten gerade vom preußi­schen Staat nichts Gutes gewöhnt waren. Wir wissen, wie schwer

die Faust diese, Staate, auf uns gelegen hat. Deshalb freuen wir uns, daß der neue Staat an seinen Anfang das Konkordat als Akt der Toleranz gestellt hat. Wir sind eine Minderheit unb deshalb freuen wir uns besonders über den Beweis des Entgegenkommens. Der Redner lieh dann die Parteien in ihrem Verhältnis zu den Konkordatsverhandlungen Revue passieren. Außer dem Zentrum hat keine der Parteien aus Sympathie für das Gesetz selbst sich eingesetzt, sondern höchstens aus parteitaktischen Erwä­gungen dem Gesetz keinen Widerstand entgegengesetzt.

Den Zwischenruf eines Kommunisten, das Zentrum benutze die Religion zum Machtgewinn, trat der Red­ner in packender Weise entgegen. Er zeigte, was

christliche Sitte für den Staat

und feine Erhaltung zu bedeuten hat. Wie die Arbeit des Zentrums für die Sittlichkeit, für die Unterbindung des verheerenden Mordes der Ungeborenen, gegen die Erleichterung der Ehescheidung im Interesse des Staa­tes und auch der Menschheit liegt! Unser Kampf gegen die Ehescheidung und ihre weitere Erleichterung soll verhindern, daß es

noch mehr unglückliche Menschen

gibt als heute. Wir kämpfen dafür, daß den Kin­dern das Glück des Elternhauses, das Glück der Vater- und Mutterliebe erhalten bleibt.

Bei diesen packenden Ausführungen des Redners er­laubte sich abermals ein Kommunist einen Zwischenruf, der aber von dem Redner unter stürmischen Beifall des Hauses so gründlich abgeiührt wurde, daß von diesem Augenblick an wesentliche Störungen durch die Zwi­schenrufe eigentlich nicht mehr zu verzeichnen waren.

Abgeordneter Linneborn wies dann noch die lächer­liche Behauptung zurück, daß die Arbeit der Zentrums­partei der Unterbringung von katholischen Akademikern in fetten Pfründen diene. Freilich verlangen wir Anerkennung unserer staatsbür­gerlichen Gleichberechtigung und werden allen Beschimpfungen zum Trotz diese Forderung um Gerech­tigkeit zu wahren wissen. Gerade Kommunaloerwal-

Das katholische Volk tut seine Pflicht.

Die Schmähungen und Verleumdungen des Dahlkampfes sind erfragen.

Am Sonntag hat der Stimmzettel zu sprechen.

katholische Männer, katholische Frauen!

Seid einig und treu.

Wir «len die Listen derZentrmsMtei » 3