Fuldaer Zeitung
Chicagos Oper die größte der Welt
* Den achtzigjährigen Vater ins Irrenhaus gebracht. Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Potsdam begann am Donnerstag der Prozeß gegen die beiden Töchter des achtzigjährigen Ober- ämtsmannss a. D. Steinbarth aus Werder wegen Freiheitsberaubung. Die beiden Angeklag
könnte. Interessant ist. daß diese schwere Zeit doch mehr und mehr Menschen weckt, die entschlossen dem Schicksal die Stirne bieten und kräftig 55anb ans Werk legen. Besonders ist mir allenthalben ausgefallen, daß da die sogenannte Kriegsgeneration sich deutlicher zum Worte meldet. Diese Generation war im Felde, während die Alrersge- nossen vielfach in der Heimat Karriere machen konnten. Sie fanden die Stühle besetzt, die Uniert bestimmt gewesen wären. Viel dumpfer Groll hat sich darum bei ihnen angesammelt. Nun wachen sie auf. In der Eisenschmiede von Verdun sind ihre Muskeln gehärtet worden. Da schreibt zum Beispiel Schauwecker ein Kriegsbuch mit dem Titel „Der Aufbruch der Nation". Es ist eines der allerbesten Kriegsbücher, die wir haben, könnten auch einige soldatische Derbheiten ohne Schaden für das Ganze darin fehlen. Noch nie habe ich eine so grausige Schilderung der Schlacht um Verdun gelesen, noch nie aber auch eine Stelle, die so packend aus diesem fürchterlichen Ringen das ideale Gefühl für die Nation emporsteigen ließe . . „Die Nation war nur noch hier draußen, einzig und allein in der Front. Zwanzig Kilometer dahinter fing das Elend schon an samt dem Amüsement und dem Fresien und dem Saufen." Auch aus Richard Euringers „Fliegerschule 4" brechen ähnlich starke Gedanken und Leidenschaften hervor, und solche Bücher sollten jene lesen, die da in Remarque das Kriegsbuch des deutschen Soldaten sehen. Diese Generation also wacht auf. Sie hat die eiserne Prägung des Schicksals, fehlt ihr gleich auch die Klarheit eines zielsicheren Programms, einer alle verpflichtenden Idee, eines irgendwie greifbaren deutschen Reichsgedankens.
Immerhin ist dieser Idealismus erfreulich, und man muß in diesen Lagen der Not nach etwas sehen, was für gewöhnlich nicht in die Zeitung kommt. Alles nationale Empfinden hat sich doch zu bewähren in der Praxis, und da läuft es hinaus auf die wirkliche Teilnahme an der Volksgemeinschaft. Jener Studentenseelsorger hat wtrklich ein gutes Werk getan, als er eine ganze Korporation dazu brachte, in die Baracken zu gehen und den armen Menschen dort zu helfen. Nachdem man es den jungen Herren gesagt hatte, waren sie alle freudig dabei. Wie schnell würde der Student wohl wieder die populäre Figur werden, die er in den früheren Zeiten war, wenn er wie einst den Weg zum Volke fände. Manchmal genügt es in dieser Zeit schon, nur ein freundliches Lächeln zu zeigen, und man wirkt Wunder damit. Jeder ist ja verärgert, jeder in Sorge, jeder nervös, und so fällt buchstäblich jeder dem anderen auf die Nerven. Was waren das nicht gelegentlich für Bilder, die sich bei den Kommunalwahlen dargeboten haben! Es gab aber auch andere. Ich nenne einen Fall, wo man wenigstens 9 Listen aufstellen wollte, bis ein vernünftiger Mensch dazwischen trat und ganz schlicht zum Frieden redete. Im Handumdrehen waren die Probleme gelöst, und man sah ein, daß man sich doch besser friedlich eint, als daß man sich dauernd einander bekämpft. Ihr Frohsinnigen, ihr still Zufriedenen, heraus! Da war irgendwn
40 Stockwerk hoch reckt sich die neue Oper (rechts) aus dem Wolkenkratzerzentrum von Chicago.
Chicago, die Weltstadt am Michigansee, schickt sich an, New Port zu übertrumpfen. Sein neue» Opernhaus, das Ende November eingeweiht wird, stellt New Yorks Metropolitan - Oper bei weitem in Schatten. Der riesige Zuschauerraum ist mit dem raffiniertesten Luxus ausgestattet, das Buhnenhaus weist die letzten Errungenschaften der Bühnentechnik auf. lieber der Oper erhebt sich 40 Stockwerke hoch ein Wolkenkratzer, in dem Büro räume untergebracht sind.
ein Pfarrer und ein Kind seiner Pfarrei, das von ihm nichts wissen wollte. Dieser Pfarrer nun, der zufällig jenem Mann auf der Straße begegnete, grüßte trotzdem immer zuerst. Anfangs grüßte der andere kaum wieder. Nach einiger Zeit grüßte er schon korrekt. Dann wurde der Gegenaruß anständig, dann höflich, und eines Tages, es war inzwischen ein Vierteljahr verlaufen, da grüßte das verärgerte Pfarrkind zuerst. Und dann, nun, man weiß ja, wie es geht, wenn man sich einem richtigen Pfarrer einmal freundlich nähert. Bald faßen sie herzlich zusammen, und ganz sanft stiegen Licht und Gnade vom Himmel herab.....
Noch eins zum Schluß, einen Gruß von der Saar. Ich war dabei, als dort weit über tausend Menschen, einig in ihrer Liebe zum gemeinsamen deutschen Vaterlande, ihre Brüder grüßten. Hoch .wallte über dieser Versammlung das Banner unseres Reiches, das uns gerade in den Tagen der Not besonders teuer fein muß. Farben bin und Farben her, wenn es nur ein Banner ist, christlich und deutsch, heraufkommend aus den Jahrhunderten unserer Geschichte, leuchtend voranwehend zu einem neuen Tag der Nation.
Der Wann im Monde.
8t. 267.
Kormkag, den 17. November 1929.
3. Blatt.
Druck der Fuldaer Artiendruckerei. Fulda
Rund um die Woche.
Ne Frau im Monde und die Zvvgfrau von Orleans. — Die Kriegsgeneration. — Slvdenl und Volk. — Der freundliche Waner. — Ein Gruft vou der deutschen Saar.
Endlich ist es mir gelungen, die „Frau im , Monde" einmal zu sehen. Aber Eva, wie hast du mich enttäuscht! Gewiß, der neue Großfilm ist ein Triumph der Technik, wie er auch die Technik verherrlicht. Namentlich an der Stelle, wo t>ie Mondrakete losfährt, um wie ein flammendes Geschoß durch die Sterne zu ziehen, ein Stern selber, von Menschenhand gesteuert, ist man ganz Senommen. Auch die ^Detektivgeschichten am
mg läßt man sich noch gefallen, und es ist auch da noch ein großer Zug, wo die Dämonie des Goldes auf dem Monde den Unglücklichen in den Abgrund stürzt. Aber das Liebestheater da oben, das ist nicht das Erleben einer modernen Frau, sondern eher das einer mondänen, die einer verstossenen Zeit angehört. So schwammige Herzen und so seufzende Turteltauben passen nicht hinein in die Kraft des gigantischen technischen Geschehens, das Nerven braucht, die von Stahl sind. Wie ganz anders wirkt demgegenüber die Jungfrau von Orleans. Dieser Film läuft jetzt in einer Reihe son großen Städten und erzielt überall ergreifende Wirkung. Ich habe Menschen getroffen, die jahrelang treue Theaterbesucher waren und die dennoch ihrem eigenen Geständnis gemäß noch niemals vor einer Bühne so erschüttert worden sind, wie vor diesem Film. Manche gingen schon nach einigen Akten hinaus, weil sie ihrer Bewegung nicht mehr Herr werden konnten. Andere beschäftigten sich tagelang noch mit den Bildern, die sie gesehen hatten und sannen über das Leben nach, das so tragisch ist. In der Verbindung von beiden, von der Technik der Frau im Monde und von der künstlerischen Handlung der Jungfrau von Orleans, liegt die Hoffnung der Zukunft. Eines aber muß sich jeder Denkende diesen Filmen gegenüber sagen: Die Zeit, in der man am Film mit einem hochmütigen Achselzucken vorbeigehen konnte, ist endgültig dahin. Entweder man arbeitet mit, um die Filmbühne zur Stätte guter Unterhaltung, wertvoller Belehrung und gelegentlich auch idealer Erhebung des Herzens zu machen oder aber, es wird diese Erfindung die breitesten Schichten unseres Volkes zerfetzen und verseuchen. Ein Kaplan in Frankreich, der eine Kirche bauen wollte und das nötige Geld nicht zusammenbekam, gab sich einfach daran, ein Kino anzulegen. Schon bald hatte er mit dem Film so viel verdient, daß er die Kirche über dem Theater einrichten konnte. Ein Symbol ist dieser Vorgang: So muß es fein: lieber der technischen Kultur und von ihr mitgetragen muß sich die Kuppel des Heiligtums erheben.
Im übrigen kommt kein Film heute an die Bewegtheit der Wirklichkeit heran. Was wird aus den Menschen, von denen jener Flieger erzählte, die in Amerika zwischen glühenden Lavaströmen eingefchlossen sind? Was wird aus den deutschen Bauern, die vor Moskau liegen und auf die Ausreiseerlaubnis aus der bolschewistischen Hölle warten? Schwere Verwicklungen drohen in Polen, in Oesterreich, und bei uns schwebt der Pleitegeier über bankerotten Städten. Die Wasser der Not sind wieder im Steigen, und ängstlich schauen die Menschen aus nach einer Arche Noah, die retten
ten Frau Kaspohl und Frau Bankiersgattin Klei- finger hatten m-t Hilf- eines ärztlichen Attestes die Ueberführung ihres Vaters in eine Irrenanstalt veranlaßt, da er nach ihren Behauptungen sie seit Jahren maßlos gequält habe, hochgradig erregt fei und aus geringsähigen Anlässen zu Gewalthand- lunqen schreite. Die unmittelbare Ursache für die Unterbringung in einer Anstalt sei ein Selbftmorö« versuch des alten Mannes gewesen. Frau Kaspohl mußte zugeben, daß >hr Mann schon feit 3abren die Entmündigung ihres Vaters betreibe. Der Hausarzt des Oberamtmannes fugte aus, daß von Geistesverwirrung keine Rede fein könne, chst iem Eingreifen hin fei Steinbarth aus der Anstalt fo- fort' entlaffen worden. Das Schöffengericht verurteilte die Bankdirektorsgattin Frau Paula Klet» finger wegen vorsätzlicher Freiheitsberaubung, zu einem Monat Gefängnis ohne Bewahrurigs- frist.. Die mitangeklagte Schwester, die Maiors« gattin Frau Kaspohl, wurde freigesprochen.
Wie wird das Wetter?
Im Bereich eines Kaltlufteinbruchs ist der Suftbrud über Deutschland vorübergehend gestiegen und es ist eine Beruhigung des Wetters, vielfach auch Aufklärung cingelreten. Diese Besserung ist jedoch nur ganz be> schränkt und vorübergehend. Neuerdings vordringend! warme Lust führt über den Kanal bereits wieder untei starken Niederschlägen zur Ausbildung eines neuen Sturmwirbels, der allerdings, wie auch seine Vorgarn ger, einen sehr südlichen Kurs nimmt. In Nordeuropo hält Druckanstieg und die Ansammlung kalier Lustmas- sen an, sodaß nur vorübergehend milderes Wetter eintritt.
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Roman von M. W. Sophar.
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Molchen lächelte eisig, und Frau Grau zitterte wiederum.
„Wie eine Maus schlich ich die Treppe hinunter und zur Haustür hinaus. Als ich auf der Straße stand, überkam mich aufs neue die entsetzliche Angst, und ich lies davon, als ob sie hinter mir her sei, ich blieb keine Sekunde stehen und blickte mich nicht um, bis ich eine ganze Strecke vom Haufe fort war. Dann nahm ich mir eine Droschke und fuhr zur Bahn. In einer Minute hate ich mich entschlosfen, zu Ihnen zu kommen. Ich wußte, bei Ihnen bin ich sicher und geborgen."
„Sie sind hier geborgen, liebes Kindl" sagte Frau Grau ernst, „und Sie können so lange hier bleiben wie es Ihnen beliebt. Morgen wollen wir Herrn Brand bitten, zu uns zu kommen, und chn um Rat fragen. Jetzt muffen Sie aber einfchlafen."
Es dauerte indes noch sehr lange, bis die kleine alte Dame sich von Malchens Bett entfernen konnte, beim bis tief in die Nacht hinein warf sich das Mädchen umher, stöhnte und richtete sich voll Schrecken in die Höhe, vom Kopf bis zum Fuß in Schweiß gebadet und kläglich rufend:
„Ich will es nicht trinken, ich sage Ihnen, ich w'l! es nicht trinken! Weshalb wollen Sie mir Leid antun? Ich habe Ihnen doch nichts Döfes zugefügt!"
Am anderen Morgen depeschierte man Herrn Brand, und die Flasche mit der Limonade wurde seiner Obhut anvertraut. Er war zuerst geneigt, die ganze Geschichte als das Phantasiegebilde eines hysterischen Mädchens aufzufasien, und rümpfte die Nase bei dem bloßen Gedanken, daß eine fo reizende Same, wie Brau Bendler, einer fo nichtswürdigen Handlung überhaupt fähig fein könnte, deren Molchen sie bezichtigte. Mehr um Frau Grau zu beruhigen, als weil er selbst in der Angelegenheit irgendwelchen Zweifel hegte, nahm er die Limonade mit zur Stadt und versprach, sie analysieren zu lassen. Er empfahl Malchen aber in sehr gemessener Form, sich nicht durch alberne Einbildungen beeinflussen
zu lassen, und bestand daraus, daß Frau Bendler drahtlich benachrichtigt wurde, wo sich Malchen befand.
Als jedoch am nächstfolgenden Morgen Frau Grau, die sich mit Malchen im Salon befand, der Anwalt wieder gemeldet wurde, und er mit ganz verstörtem Gesicht eintrat, wußte sie sofort, daß etwas sehr Ernstes geschehen fein 'mußte.
-Ich hielt es für das beste, gleich selbst herauszukommen," sagte er in einer Aufregung, die von feiner gewöhnlichen Ruhe sehr abstach, „und ich bitte Sie um Entschuldigung, Fräulein Mühe, gestern Ihre Worte angezweifelt zu haben. Die mir übergebene Limonade ist analysiert worden und — sie enthält ein Quantum Aconitum, das hinreicht, um den Tod von mindestens drei Menschen sofort zu verursachen."
Es trat Schweigen ein.
Malchens Gesicht wurde leichenfahl, und sie sank in die sie umfassenden Arme von Frau Grau, die sich chr genähert hatte, als der Anwalt zu sprechen begonnen.
Nach einer Weile sagte Brand:
„Es ist entsetzlich, ganz entsetzlich und geradezu unfaßbar. Weshalb soll Frau Bendler den Tod eines absolut unschuldigen Mädchens herbeiwünschen, besten Anwesenheit in ihrem Hause geradezu von wesentlichem Vorteil für sie ist?!"
„Kennt sie vielleicht den Inhalt von Malchens Testament?" fragte Frau Grau. Der Anwahlt fuhr zusammen und starrte Frau Grau an, als habe sie etwas ganz Außerordentliches gesagt.
„Ihr Testament — bas Testament von Fräulein Mühe? Glauben Sie, baß ber Inhalt Frau Bendler zur Kenntnis gelangt ist? Wenn das der Fall wäre fo unwahrscheinlich es auch klingt, dann hätten wir wenigstens den Grund für ihre Handlungsweise gefunden, die sonst ebenso unmotiviert wie unverständlich bleibt. Haben Sie mit ihr über das Testament gespro- chen, Fräulein Mähe?"
„Nein, ich habe ihr fein Wort von dem Inhalt gesagt. Sie war ja Zeugin, konnte aber bei ihrem Unterschreiben nichts von dem Testament selbst lesen, well Sie das zusammengefallet hatten. Von mir hat sie nichts erfahren."
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„Es ist eine gräßliche, unbegreifliche Sache. Daß ein Vergiftungsverfuch oorliegt, läßt sich nicht bestreiten. Was wollen Sie nun tun, Fräulein Muhe? Wollen Sie die Anklage erheben?"
„Gegen wen? Gegen Frau Bendler? Ach, nein. Zwischen uns hat nie Liebe bestanden, aber ich möchte doch Stellas Mutter nicht vors Gericht bringen. So oberflächlich Stella auch ist, ich liebe sie und möchte ihr nicht wehe tun. Lasten wir Frau Bendler laufen. S'e soll nur erfahren, weshalb ich nicht zu ihr zurückkehre, weiter will ich nichts."
„Sie erhält von mir eine sehr deutliche Erklärung, aus welchem Grunde Sie nicht wieder zu ihr zurückkom- men," sagte Herr Brand mit einer ihm sonst ganz fremden Heftigkeit. „Ich bin mir aber doch noch nicht klar darüber, ob Ihre Großmut wirklich fo weit gehen darf, sie für ihren versuchten Mordanschlag unbestraft zu lasten."
„Ach, sprechen wir nicht mchr darüber. Sie hat keine Gelegenheit mchr, mir das noch einmal anzutun. Wenn Sie und ich ihr schreiben, so wird sie erschrecken und recht böse Stunden durchleben, und wenn sie ein Gewissen besitzt — so tut das das übrige."
Ob sich Frau Bendlers Gewissen wohl besonders regte? Immerhin erlebte sie keinen geringen Schrecken, als sie an dem Morgen, der der zweiten Fahrt des Anwalts nach Singenburg folgte, zwei Briefe erhielt. Das e-stte Schreiben rüyrte von Brand her und ™ar kurz und. erröt, hrb-m r- tebMi* konstatierte, daß unter Frau Bendlers Dach das Leben von Fräulein Mühe gefährdet fei, und diese deshalb mit seiner Zustimmung bei Frau Grau im Weißen Hause bei Singenburg ihren Wohnsitz ausgeschlagen habe, welche Dame fortan ihre Beschützerin sein würde. Bon weiteren Schritten habe er auf den großmütigen Wunsch von Fräulein Mühe hin Abstand genommen.
Genügte dieser Brief schon, um seine Empfängerin aufs höchste zu bestürzen, so versetzte der zweite, von Malchens kritzelnder Hand geschrieben, sie in einen Zu- stand von Wut und Raserei, die an Wahnsinn grenzten.
„Es ist jammerschade, daß Sie den Versuch machten, mich umzubringen, weil ich Ihnen und Stella immer aut gesinnt gewesen bin. Es ist doch nicht meine
Schuld, daß Herr Haller mich zu feiner Erbin machte. Ich weiß, daß Sie mich stets gehaßt haben, und wenn ich Stella nicht lieb hätte; würde ich Herrn Brand nicht gebeten haben, von einer Anklage abzufehen, damit Sie ins Gefängnis kämen weil Sie in mein Glas Gift schütteten. Ich habe Stella aber wirklich lieb und werd» deshalb mit niemand darüber sprechen, was Sie getan haben. Nur Frau Grau und Herr Brand misten es. Und wenn Sie doch noch einmal solche Dinge unternehmen. bann sehen Sie sich vor und lassen keine Spiegel an der Wand hängen. Miranda Mühe."
Malchen trieb ihre Großmut so weit, auch an Stella zu schreiben. „Es wird Frau Bendler nicht leicht fallen, Stella zu erklären, weshalb ich so plötzlich ausgerückt bin," sagte sie zu sich selbst. „Ich will ihr deshalb ein Wort schreiben."
Wenn die Erklärung, die sie Stella abgab, die wenig intelligente junge Dame mich nicht völlig Überzeugte, fo wurde diese doch wenigstens dadurch davon abgehalten, nach einem Grund für Malchens plötzliche Abreise zu suchen, der ihre eigene Mutier verdächtigen konnte.
Die drei Briefe erreichten das Bendlerfche Haus zur Frühstückszeit, und Stellao fuhr erschreckt zusmmen, al« sie den Ausdruck boshafter und enttäuschter Wut in den Mienen ihrer Mutter bemerkte.
„Ach, Mutter, wie komisch von Malchen," Dabei reichte sie ihr deren Bries über den Tisch hinüber. „Sie schreibt einfach, sie sei von uns und zu Frau Grau gegangen. Wirklich sonderbar!"
„Sehr sonderbar!" zischte Frau Bendler, „aber doch genau das, was man von einem solchen Mädchen erwarten darf" Sie blickte ihre Tochter forschend an ob in Stellas überraschten blauen Augen nicht ein Argwohn lauerte.
„Das sagt Molchen ungefähr selbst. Wir sollten uns über ihr seltsames Benehmen nicht wundern, sie wäre nun einmal ganz anders wie wir erzogen und ihre und unsere Art seien von Grund aus verschieden."
„Das trifft allerdings zu! Ich bedauere, daß ich dem Mädchen überhaupt erlaubt habe, mein Haus zu betreten. Es war von Anfang cm geaen mein besseres Wissen." (Fortfetz.. folgt.)