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Ilr. 266

Fuldaer Zelmng (Amtliches Kreisblatt)

Samstag, den 16. November 1929

Fulda, den 15 November 1929.

Katholische Frauen!

Auch an Euch ergeht heute nochmals ein Auf­ruf, in klarer Erkenntnis der Wichtigkeit der Sa­che, um die am 17. November mit dem Stimm­zettel gerungen wird, zur Stelle zu fein. Die ka­tholischen Frauen Fuldas, immer Hüterinnen und Schützerinnen des Glaubens und der Sitte, wer­den dem Zentrum auch an dem Tage der Ge- meindewahlen in Fulda treu bleiben. Das Zen­trum hat aus ihren Reihen 5 Frauen auf die Vorschlagsliste gesetzt. Neben der Ar­beiter-Hausfrau steht die Frau des Handwerksmei­sters. Die berufstätigen Frauen und die Witwen haben eine Vertreterin. Auch die Frau, die im fo- zial-karitativen Wirten ihren Lebensberuf sieht, fehlt nicht. Jetzt ist es an den Frauen als Wäh­lerinnen die Pflicht zu tun. Treue um Treuei Fuldaer Frauen, auf zur Wahl!

Perfonennachrichien.

Der Land- und Amtsgerichtsrat Heß in Hanau ist zum Oberlandesgerichtsrat ernannt und nach Köln versetzt worden.

Den 85. Geburkslag

begeht am 15. November Frau Katharina B r a n d t in der Lengsfeldergasse 14. Sie verrich­tet bei guter Gesundheit noch viele häusliche Ar­beiten.

Der hak den ermordeten Scheel am Samskag in Fulda gesehen

In der Mordsache Schee l-Kohlgrund ist es von der größten Wichtigkeit, festzustellen, mit wem der Ermordete am Samstag, den 9. Noo., nachmittags in Fulda zusam- mengewefenist. Feststeht, daß er den ganzen Samstag über in Fulda zugebracht hat. Für den Vormittag bis 1 Uhr mittags konnte im einzelnen festgestellt werden, wo er sich aufgehalten hat. Für die Z e i t v o n 1—6 Uhr nachmittags — kurz nach 6 Uhr ist Landwirt Scheel mit dem Kremer'schen Auto von Fulda nach Dietershausen zurückgefahren — fehlt aber jeder Anhaltspunkt. Es ergeht die dringende Bitte an die Fuldaer Ein­wohner, jede, auch die kleinste Angabe über den Aufenthalt des Ermordeten während dieser Zeit der Kriminalvolizei mitzuteilen. — Die Unter­suchung der Mordkommission am Tatorte und in den umliegenden Dörfern ist noch nicht zu Ende. Auch gestern weilte die Kommisson wieder in der Rhön. Bis zur Stunde konnte die Tat aber noch nicht aufgeklärt werden. Die beiden Verhafteten sind, wie wir hören, noch nicht entlassen worden. Hoffentlich gelingt es, Licht in diese dunkle Sache zu bringen. — Das vorgefundene und untersuchte Blut ist als Mensche n-Blut festgestellt worden, doch weiß man noch nicht, ob es von dem Getöteten stammt. Das wird noch untersucht.

Von der Vürgerparkei.

Am Donnerstag abend hielt die Bürgerpartei im großen Stadtfaal eine Wahlversammlung ab. Das Referat hatte Herr Beigeordneter W i ß l e r übernommen. Er verbreitete sich in etwa einstün­diger Rede über die b-sherige Tätigkeit der Bür- gerpartei im Stadtparlament und ihre Aufgaben für die Zukunft. Seine Ausführungen blieben leider infolge der wenig lauten Stimme des Red­ners für die weiter hinten sitzenden Versammlungs­teilnehmer zum großen Teil unverständlich. Um den Eindruck des Vortrags zu erhöhen, machten die Veranstalter von dem Mittel des Lichtbilds Gebrauch, das neben Propagandatexten Aufnah­men der Siedlungsbauten in der Sandhohle, an der Wiesenmühlenstraße und im Kohlhäuserfeld Zeigte.

In der Aussprache ergriff zunächst der Geschäfts­führer des Fuldaer Mietervereins, Herr Claus, das Wort. Im Gegensatz zu dem Vorredner stellte er die Bürgerpartei als gleichbedeutend mit der Wirtschaftspartei hin. Ferner wehrte er sich gegen die Behauptung des Referenten, daß die Bürger- Partei auch die Interessen der Mieter vertrete. Die Bürgerpartei sei im Gegenteil mieterfeindlich. Als weiterer Redner trat ein bekannter jugendlicher Erwerbsloser auf den Plan, der sich hauptsächlich in Glossierunaen der einzelnen Kandidaten auf der Bürgervarteiliste erging. Zum Schluß sprach noch der wirtschaftsparteiliche Landtagsabgeordnete, frü­here Staatsanwaltschaftsrat und jetzige Rechts­anwalt Dr. Rohde aus Frankfurt, der sich an­geblich zufällig auf der Durchreise befand.

Die Versammlung, die von Herrn Malermeister Fuchs eröffnet und geleitet wurde, fand gegen %12 Uly nachts mit einem kurzen Schlußwort des Hauptreferenten ihr Ende.

Letzte Klarstellung.

Angesichts der wilden Angriffe, die zurzeit von den Parteien unternommen werden, die Besitz u. Besttzrechte mehr oder minder verneinen, ange­sichts dieser hemmungslosen Ausbrüche klassen- kämpferischer Gruppen, die den „feisten Bürger" der Verachtung überliefern wollten, sollte es im mehr oder weniger selbständigen, bodenverwachse­nen Mittelstand keinen schwächenden Kampf ne­ben. Angesichts solcher Bedrohung ist gegenseitige Bekämpfung der im wesentlichen mittelstländisch interessierten Kreise nicht nur unfruchtbar, son­dern auch gefährlich. Deshalb kommen wir auch nur kurz auf das zurück, was die Wirtschaftspartei und die mit ihr Personen- und wesensverwandte Vürgerpartei in den letzten Stunden noch in den Wahlkamvf geworfen hat. Es ist wirklich nicht die Drucksckwär-e mehr wert, die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftsvartei und Bürgerpartei bar» zuleqen, wenn auch der frühere Staatsanwalt­schaftsrat, jetzige Rechtsanwalt Rhode, eine füh­rende Persönlichkeit der Wirtschaftspartei, in der gestrigen Versammlung der Bürgerpartei nur ganz „zufällig" als Diskufsionsredner auftrat, wenn es wahrscheinlich auch „nur Zufall" ist, daß das Flugblatt der Bürgerpartei in einem Umschlag mit dem gegen das Zentrum fo gebäffigen Appell der Wirtschaftsvartei in Sachen Besitzrecht ver­sandt wurde. Mag die Taktik etwas anderes verlangen, in der politischen Praxis ist Wirtschafts­partei und Bürgervartei dasselbe. Wenn die Wirt­schaftsvartei ein Blatt mit heftigen Angriffen ge­gen das Zentrum verbreitet, dann kann sich die Bürgerpartei nickt wundern, wenn darauf die ent­sprechende Antwort erfolgt. Das Zentrum ist doch nicht so würdelos, daß es sich von den Gegnern an­

rempeln läßt und still schweigt. Die Gegner aber brauchen gar nicht so entrüstet zu tun, wenn ihre Ausfälle gegen das Zentrum nun auch heimgezahlt werden. Den Vorstoß der Wirtschaftspartei-Wahl- ztg. gegen die „Zentrums-Priester", die eine Wa­renbeschaffungsstelle gründeten, haben wir mit dem Hinweis erwidert, daß auch einer der führenden Männer der Bürgerpartei in Fulda, Herr Fritz Fuchs, auf dem Gebiet der Warenbeschaffung tätig gewesen sei. Das stimmt. Wir wissen von dieser Warenbeschaffungsstelle noch zahlreiche Ein­zelheiten. Einige Mitbürger, die gleichfalls mit der Sache vertraut sind, haben uns anschließend an unsere Veröffentlichung noch weiter informiert. Nun schickt uns das Handwerksamt Fulda eine Zuschrift, in der einleitend unsere Zurückweisung des Vorstoßes g e g e n b i e „3 e n» trumspriester" gebilligt wirb, bann aber ge­sagt wirb, baß Herr Fuchs ber Wirtschaftspartei

nicht angehört unb bamals in ber Inflation bie Er­richtung ber Wirtschaftsstelle bes Hanbwerksamts notwenbig gewesen sei unb bas Handwerk Herrn Fuchs und seinen unverdrossenen Mitarbeitern für die selbstlose Führung der Wirtschaftsstelle Dank und Anerkennung schulde. Es ist wohl selbstver­ständlich, daß auch die Warenbeschaffungsstelle in Bayern von den an ihr Beteiligten ähn­lich beurteilt wird, wie die damaligen Einrichtun­gen in Fulda. Hier spielt immer das Grund­sätzliche eine Rolle. Und wir meinen, genossen­schaftliche Warenbeschaffung ist genossenschaftliche Warenbeschaffung. Hier wie dort! Gestern wie heute! Eine Gruppe, die gegen das Zentrum, das bekanntlich in Bayern gar nicht vertreten ist, den schweren Vorwurf des Verrats am Mittelstand er­hebt, muß es sich gefallen lassen, daß auch ihre Wortführer nicht mit Handschuhen angefaßt wer­den.

Bischöfliches Hirlemvorl zur Wahl.

Wer offenen Auges die Entwickelung unseres öffentlichen Lebens in feinen vielgestaltigen Äuße­rungen beobachtet, ber erkennt klar unb deutlich, daß der Kampf für unb gegen ben christlichen Glauben unb bas Sittengesetz in befonberer Weise das beherrschende Zeichen unserer Zeit geworden ist. Dieser Kampf wird nicht bloß in den großen P' ' menten bes Reichstages unb der L. ' :^go ausgetragen, sondern greift in steigendem Maße auch in die Verhandlungen und in die Betätigun­gen der Gemeinde- und sonstigen Kom­munalvertretungen ein. Der Geist, der in den Gemeinden und in den Kommunalverbän- den herrscht, ist vielfach mitentscheidend für die Beschlüsse der großen Parlamente.

Die katholische Presse hat in den letzten Wochen in dankenswerter Weise auf die zahlreichen Ange­legenheiten hingewiesen, in denen den Gemeinde- und Kommunaloertretungen ein weitgehender, be­stimmender Einfluß zur Geltendmachung christlicher Grundsätze und Lebensanschauung zusteht. Ich erinnere hier nur an das so unendlich bedeutsame Gebiet der christlichen Schule und Erzieh­ung unserer Jugend, an den Schutz ber christ-

lichen freien Wohlfahrtspflege für alle Arten menschlicher Not und Hilfsbedürftigkeit, der Erhaltung der Seelsorge in Anstalten sowie christlicher Sitte in ber Oeffentlichkeit überhaupt.

Das kommunale Leben wirb immer mehr ein ausschlaggebender Faktor für bie christliche ober un­christliche Ausgestaltung unseres gesamten Staats- unb Volkslebens . Die Ausübung bes Wahlrechts am 17. November ist darum fürjedenKatho- liken eine ernste Gewissenspflicht, jeder muß an der Wahlurne erscheinen.

Aber nur solchen dürfen und müssen sie ihre Stimme geben, die mannhaft für die höchsten Gü­ter der katholischen Christenheit eintreten.

„Suchet zuerst das Reich Gattes und feine Gerechtigkeit, bas Ucbrige wirb Euch hinzugegeben werben".

Wer für bie christlichen Lebensgrundsätze eintritt, ber sorgt bamit auch am besten für bie irbische Wohlfahrt bes gesamten Volkes.

t Joseph Damian,

Bischof.

An die Mitglieder der katholischen Arbeitervereine!

In dem Kampf für oder gegen bie christliche Weltanschauung wird ber Ausgang ber am Sonn­tag stattfindenden Kommunalwahlen von größter Bedeutung sein. Als kath. Arbeiter stehen wir in vorderster Front in diesem großen Ringen unb wie wir bisher als Mitglieber ber kathol. Arbeiterver­eine in diesem Kampf unseren Mann gestellt haben, so wollen wir auch Sonntag restlos unsere Wahl- pfsicht erfüllen. Nach ihrem bisherigen Wirken

und auf Grund ihrer kath. Tradition, kann für uns nur einzig und allein die Zentrumspartei in Frage kommen. Wir fordern deshalb unsere Mitglieder in Stadt unb Land aus, ihrer Wahl­pflicht zu genügen unb nur die Listen bes

Zentrums zu wählen.

Bezirksvorstand ber kathol. Arbeitervereine Fulba.

Sieht das nach Schwäche aus?

Der Vormarsch des Zentrums.

Die Aenlrumsparkei hat in Baden einen glänzenden Sieg errungen. Der Stimmenzuwachs betragt 25 Prozent oder fast 80000 neue Wähler. Die Zahl der Zenkrumsmandake wurde um 6 vermehrt. Dieser Erfolg, den keine andere Partei aufweifen kann, hat in ganz Deukfchiand freudigen Widerhall gefunden und Helle Begeisterung ausgelöst.

Der Pessimismus der letzten Jahre ist einem freudigen Optimismus gewichen, und die Mb - seilsstehenden haben sich zurück gefunden. Die einseitige Standes- und Jnleressenpoli- tik, die nur Zwietracht unter die Berufsstande bringt, diese besonders von der wirtschafispartei be­triebene Politik, ist beim Zentrum überwunden.

Es hat die Erkenntnis wieder Platz gegriffen, daß nur echte Heimat- und Volkspoli­tik, die den B l i ck a u f s Ganze richtet, das entscheidende Gewicht haben müssen.

Nicht Stand gegen Stand, sondern alles zum Wohl aller ist unsere Parole.

„Es sucht der Bruder feinen Bruder, und wo er helfen kann, da hilft er gern."

Die Ienlrumsparlei geht auch in Fulda und im Fuldaer Land in geschlossener Front voran!

Sie hat

Liste 3

für die Stadtverordneten-, kreis- und Provinziallandtagswahlen am nächsten Sonntag.

Landwirtschaft undGrotzwahttag

Aus landwirtschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben:

Nur noch Stunden trennen uns von dem Wahltag, an dem es auch in die Hand unserer Landbevölkerung und Landwirtschaft gelegt ist, durch die Abgabe ihrer Stimmen darüber zu entscheiden, was und wer in den nächsten vier Jahren im Leben unserer kommunalen Körperschaften bestimmend sein soll. Diesmal wird es ein Großkampftag erster Ordnung sein von entschei­dender und nachhaltiger Bedeutung für die Landwirtschaft, deren Schicksal mit dem Auf­bau unserer kommunalen Selbstverwaltungskörperschaf­ten in den Gemeinden, Kreisen und Provinzen und mit der künftigen Gestaltung unserer Kommunalpolitik über­haupt aufs engste verknüpft und verkettet ist.

Wer die Wahlvorbereitungen auf dem Lande mit­erlebt hat, wird nicht bestreiten können, daß auch unser Bauernstand in sehr vielen Gemeinden und in den mei­sten Kreisen und Provinzen in klugem Weitblick alles getan hat, um in ehrlicher und offener Gemeinschaft mit den übrigen Ständen unter dem Leitgedanken der christ­lichen Bolksgemeinschaft eine Kampffront zustande zu bringen, die auch diesen Wahlgang erfolgreich bestehen wird.

Wesentlich ungünstiger liegen aber die Verhältnisse überall da, wo die Landwirtschaft diesem großen Gesichts­punkte keine Rechnung getragen, wo krasse Machtbestre­bungen, Standesegoismus und materalistische Eintags­politik den Ausschlag gegeben und wo man den tieferen Sinn und die Tragweite der kommunalen Wahlen ver­kannt hat oder nicht hat erkennen wollen. Hier werden sich diese Fehler und Mängel über kurz oder lang in der einen oder anderen Form bemerkbar machen zum Schaden nicht allein der kommunalen Körperschaften, sondern auch des Bauernstandes selber. Die Folgen fallen hier denen zur Last, die sich trotz aller Erfahrungen im praktischen kommunalen Leben und unbekümmert um ihre an sich gesunde polnische Grundeinstellung zu der irreführenden Meinung verleiten ließen, die Kommunalwahl en seien lediglich als eine ört­liche, unpolitische und rein Wirtschaftliche

Angelegenheit anzusehen, bei der polltische und weltanschauliche Gesichtspunkte überhaupt keine Rolle spielen.

Es ist ein Verhängnis, daß unser für eine gesunde, christliche Kommunalpolllik kaum entbehrlicher Bauern­stand vielerorts und zumeist gerade da, wo seine zahlen­mäßige Minderheit eine Zusammenfassung aller welt­anschaulich gleichgesinnten Kräfte in seinem Interesse un­bedingt erforderlich machte, seine eigenen Wege geht.

Wiohin würde es führen, wenn alle Stände das Gleiche tun würden? Würden wir nicht allenthalben in unseren Kommunen Standes- Parlamente erhalten, in denen kein Stand die Mehrheit hätte und bei jeder Gelegenheit der Kampf aller gegen alle entfesselt würde? Bei einer politischen Orientierung nach einseitigen Wirtschafts- und Standesinteressen wür­den wir gerade in unseren Landgemeinden und -Kreisen eine unheilvolle Zersplitterung erleben, die alles bis­herige in den Schatten stellen und gerade für die Land­wirtschaft katastrophale Auswirkungen zur Folge haben würde.

Einsichtige Kommunalpolitiker des bäuerlichen Berufsstandes haben das schon längst er­kannt. Sie lehnen daher alle einseitigen Klas­senparteien, mögen sie nun Bürgerblock, wirtschaft- liche Vereinigung oder sonstwie heißen, grundsätzlich ab. Die Vertreter dieser zumeist aus solchen Personen zusam- mengewürfelten Parteien, die das Altbewährte aus ir­gend einem Grunde der Verärgerung preisgegeben ha­ben oder als verkappte Eigenbrötler und Postenjäger eine Rolle spielen wollen, können nach den Erfahrungen der Nachkriegszeit in der Tat als Bauernvertreter oder Bauernfreunde ernstlich nicht angesehen werden.

Eine kluge Bauernpolitik, die auch bei den kommu­nalen Wahlen getrieben werden muß, erstrebt überall — das zeigen zur Genüge die Vorbereitungen zu den Kreis- und Provinziallandtagswahlen — ein Zusam- mengehen mit großen, altbewährten und von dem christlichen Weltanschauungsge­danken durchdrungenen Parteien. In ihnen allein können die wertvollen Kräfte unseres Bau­erntums zur vollen Auswertuno aelanaen und sich troh

zahlenmäßiger Minderheit einen Einfluß sichern, bei allerdings nicht das Ergebnis öden Ständekampfes, jon. dern der engen weltanschaulichen Verbundenheit bei Stände innerhalb der Partei, einer friedlichen Verstäw digung und gerechten Berücksichtigung aller Berufe unb Stände zu verdanken ist. Warum sollte diese elementare Erfahrungstatsache, deren Richtigkeit sich in jahrzehnte­langer Praxis immer wieder erwiesen hat, nicht auch für unsere Landgemeinden gelten? Auch hier wird von einer alle Stände umfassenden Partei, die schon ihrem Wesen nach rücksichtslosen Mehrheitsbeschlüssen und bru­talen Vergewaltigungen ber in ihr vertretenen Gruppen abhold und jeweils auf einen billigen Ausgleich in ge­genseitigen Zugeständnissen an jedes berechtigte Inter- esse bedacht ist, dem Bauernstand weit mehr geholfen werden können als von verkleisterten Stanbesparteien, bie sich auch in unseren Dörfern nur von ftanbes« egoistischen Erwägungen leiten lassen unb in Ermangelung einer volksgemeinschaftlichen Denkweise ge- rade beshalb bet Abstimmungen so häufig auseiander- fallen.

Auf eine gerechte Ausgleichs- unb Dolksgemein- schafspolitik kann aber unser bäuerlicher Berufsstanb im oolksstaatlichen Leben, ohne sich selbst am meisten zu schaben, am wenigsten verzichten. Dies gilt auch bann, wenn wirtschaftlich-finanzielle Fragen in unseren Ge­meindeparlamenten zur Debatte stehen. Selbst der ein­seitigste Verfechter des Ständegedankens, der bie Praxis unserer ländlichen Kommunalvertretungen kennt, wird zugeben müssen, daß z. B. bie Festlegung ber Grund­steuer- und Gewerbesteuerzuschläge und deren Verhält- nis zueinander durch eine Partei, die alle Stände aus einer Mittellinie vereinigt, viel gerechter erfolgen kann als durch gegenseitig abgeschlossene, die Wahlzersplitte­rung fördernde Standes- und Interessengruppen.

Aber auch in weltanschaulicher Hinsicht kann der Ausgang unserer Kommunalwahlen dem Bauernstände als Träger einer alten christlichen Kultur nicht gleich­gültig sein. Das sollten alle Landwirte endlich begrei­fen, bie ungeachtet aller kommunalpolitischen Geschehnisse der letzten Jahre unbedacht das alte liberale Schlagwort nachbeten, daß Politik nicht aufs Ratshaus gehöre unb ber Aufgabenkreis unserer Kommunalvertretungen sich lebiglidj auf wirtschaftliche Fragen beschränke, bie aber sonst bei jeber Gelegenheit bas Wort von ber Er­haltung eines „christlichen" Bauernstandes im Munde zu führen pflegen. Als ob es nicht in jeder Gemeinde, auch in jeder Landgemeinde, Fragen genug gäbe, die mit der Weltanschauung aufs engste Zusammenhängen, und in denen es, z. B. bei Fragen der Wirtschaft, des Schulwesens, ber Fürsorge, der Kranken-, Armen- unb Waisenpflege christliche Grundsätze zu vertreten unb zu verteidigen gilt! Auch für den christlichen Bauer gibt es überhaupt keine Frage, die sich von der Welt­anschauung vollständig lösen läßt. Dafür sorgen schor bie sozialistischen Gruppen, die jede kommunalpolitische Frage weltanschaulich abzustempeln wissen und in vieler Fällen ihrem weltanschaulichen Zusammenschluß leider Erfolge verdanken, die sie niemals erzielt hätten, wenn unser Bauernstand Gemeinschastspolitik getrieben unb seinen Anschluß an seine Weltanschauungspartei nicht aufgegeben hätte.

Auch in Zukunft wirb in unseren Dorf-, Kreis- unb Prooinzparlamenten ein festes, bestimmtes Auftreten» wie es unzählige Kommunalangelegenheiten verlangen, nur in einer eifern zusammengeschloffenen Fraktion möglich fein. D'" Grunblage zu einem solchen Zusam­menschluß kann f> - unsere Landwirte und all die, welche keine Jllusionspolitik treiben wollen, nur die gleiche Weltanschauung sein. Nur auf diesem Wege, den un- fere Zentrumspartei als die Partei der christlichen galt gewollten Volksgemeinschaft feit jeher mit großem Er e begangen hat, kann auf die Dauer in geschlossener

ehr aller äußeren und geistigen Widerstände libe­raler und sozialistischer Herkunft in unseren ländlichen Gemeinwesen der wahre christliche Gedanke erhallen und in die Tat umgesetzt werden. .

Legt unser Bauernstand in diesem Sinne zusammen mit den anderen weltanschaulich gleichgesinnten Ständen am 17. November alle seine verfügbaren Stimmen in bie Wagschale, bann wirb unsere altbewährte Zentrums­partei auch in den kommenden Jahren wie bisher in ber Lage fein, als verantwortungsbewußte, christliche unb bie wahre Partei aller schaffenden Stände in un­seren kommunalen Parlamenten mit Erfolg zu wirken und bie wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Be­lange unseres Bauernstandes so zu hüten und zu schützen, wie unsere Bauernfamilien es ihren Ahnen und Kindern schuldig finit

Hunderttausende

oort Mark werden im Lauf der Jahre von de, Fuldaer Steuerzahlern für den Bezirksverbani Kassel aufgebracht. Soll kein Vertreter Fuldas bei der Verwendung dieser Gelder als Kommunal- landtagsa^geordneter mit sprechen? Jeder ver­nünftige Wähler muß wünschen, daß ein Fuldaer in das Bezirksparlament gewählt wird. Das geht nur mit Hilfe der Zentrumspartei. Bei der Reichstagswahl im Jahre 1928 erhielten Stimmen:

das Zentrum 6668,

die Deutschnationalen, jetzt Hessische Arbeits­partei 608,

die Wirtschafispartei 593.

Das Zentrum kann also das Ziel erreichen. Je­der echte Fuldaer sollte zu dem Ziele, unbe­hindert durch sonstige politische Meinungsverschie­denheiten, Mitwirken!

Wir brauchen einen Wann in Kassel.

Deshalb wählen alle Fuldaer für den Kommu­nallandtag:

die Liste der Zenkrumsparlei, Nr. 3.

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Aus dem Gerlchlsfaal.

Am 23. September kam der 30jährige Molkerei kutscher F. H., in Bachrain wohnhaft, mit einen Motorrad und Soziusbegleiter von einer Radtour

KATHOUKEfi

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