jtr. res.
Heimat
Suwa, den 14 November 1929
Wählt;
"flirte hohe Wahlbeteiligung ist ein Nachweis k-r politischen Reife in einer Ge-
»in de. 17100 Wahlberechtigte gibt es in der I fyuiba am 17. November. Sorgen wir alle daß möglichst viele dieser Bürger, die in Wahlliste stehen, auch ihr Bürgerrecht aus- fcg’n In der Stadt Fulda ist immer gut gewählt "Vrden. Nur feiten hat hier Interesselosigkeit ge= wrfÄt.' Wir müssen wieder eine vorbildliche I LLlbe'teiligung erzielen. Männer und Frauen, s, die das 20. Lebensjahr erreicht haben, müssen Nrthl gehen. Dann wird auch das Ergebnis sr Wohl für Fulda erfreulich sein. Tue doch jeder Micht. Warte er nicht, bis der „Schlepper" ennnnt um zur Ausübung des Wahlrechts einzu- , K»n ' Man benutze zum Wählen die Dormittags- ,?rnhert Von 9 Uhr ab sind die Wahllokale ge- llnei Da zahlreiche Wahllokale zur Verfügung En braucht niemand zu warten. N u r e i n i g e Minuten Zeit sollen dem Wohle der Ge- «»irbc geopfert werden. Versagen wir uns nicht, q™ Bewußtsein, unsere Pflicht getan zu haben, wir dann der Zukunft der Bonifatiusstadt Ruhe ins Auge schauen.
70 Geburtstag.
'Herr Forstmeister Emmelhainz feiert am 15 d. Monats in voller Rüstigkeit seinen 70. Ge- wirtstag. Herr Emmelhainz verwaltete von 1910 5is 1925 die Oberförsterei Fulda. Ab April (925 übemahm er die Oberförsterei Rhaunen im Hunsrück, wo er die Waldungen von 30 Gemeinden zu betreuen hat.
Nauwahl der Landwirtschaftskammern.
Bei der Mehrzahl der bisherigen Landwirt- fchaftskammern sollen am Anfang des nächsten Jahres Neuwahlen von Mitgliedern statt- smden. Bekanntlich ist dem preußischen Staatsrat vor einigen Tagen der Entwurf eines neuen Land- wirtschastskammergesetzes zugeleitet worden, der eine Umgestaltung der Landwirtschaftskammern be-
KfiTHOLIKED
UtöHlT UNIKUM
imtnuci
BENAHMT H ZERTRUm
EUEREPOUTIKHE EIDHEI1
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblalt). FreUog, de« IS. Nouemver 1929.
absichtigt. Im Falle dieses Gesetzentwurfes würden allgemeine Neuwahlen für die Landwirtschafts- kammern notwendig werden. Mit Rücksicht auf diese Neuregelung empfiehlt es sich deshalb, die Wahlzeit der bisherigen Mitglieder und der Vorstände der Kammern umeinJahrzuverlän- gern, um zu vermeiden, daß gegebenenfalls in kurzen Zwischenräumen mehrere Wahlen zu den Landwirtschaftskammern stattfinden müssen. Das preußische Staatsministerium hat deshalb dem Staatsrat den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, demzufolge die Mahlzeit der Mitglieder der Land- wirtschastskammern um ein Jahr verlängert wird, daß es auch einer Neuwahl des Vorstandes für die verlängerte Wahlzeit nicht bedarf.
C. D.-Tagung in Fulda.
Anfang nächster Woche hält der Alcherrenbund des Cartellverbandes der farbentragenden deutschen Studentenverbindungen in Fulda eine Ver- bands-Ausschuß-Sitzung ab. Den Vorsitz führt Geheimrat Dr. P o r s ch, Vizepräsident des Preußischen Landtages.
Ansers schlimmsten Gegner!
Der Oberbürgermeister Dr. Bracht von Essen schreibt uns:
Wo stehen die stärksten Gegner des katholischen Volksteils jetzt bei den Gemeindewahlen? Sind es die Linksparteien? Ich glaube kaum; denn dort, wo Sozialdemokraten. Kommunisten, oder gar ihre undefinierbaren Helfershelfer in holdem Verein Proben ihrer „Ver- waltungskunst" gegeben haben, schrecken die Wirkungen über das eigentliche Betätigungsfeld hinaus jeden verständigen Wählern ab.
Gefährlicher sind beim gegenwärtigen Wahlkampf dem Zentrum ebenso wie den anderen großen bürgerlichen Parteien die große Partei der Nichtwähler und die Parteien und Grüppchen der Eigen b rödle r.
Die N i ch t w ä h l e r: Es ist leider eine alte Erfahrung, daß, je radikaler die politische Bewegung ist, je geschlossener sie alle ihre Anhänger an die Wahlurne bringt. Demgegenüber hält es viel schwerer, gerade die ruhigen Bürger und Arbeiter, die nur ihrem Berufe und ihrer Familie leben, zur Ausübung ihres Wahlrechts zu bewegen. Wahlrecht bedeutet auch Wahl pf l i ch t' Wer am kommenden Sonntag bei der Wahl fehlt, darf sich in Zukunft nicht beklagen, wenn in der Gemeinde alles anders läuft, als er erwartet. Das mögen sich namentlich auch die Frauen und Mütter vor Augen halten.
Die Eigenbrödler: Wer will es leugnen, daß die Zahl der Verärgerten groß ist in allen Lagern und, namentlich in den Reihen derjenigen Parteien, die feit mehr als einem Jahrzehnt zumeist unter schwierigsten Verhältnissen die Verantwortung in den Parlamenten des Reichs, der Länder und der Gemeinden oft schweren Herzens übernommen haben. Versprechungen waren in allen diesen zumeist bitterbösen Jahren so ungeheuer billig, Leistungen so außerordentlich schwer. Deshalb haben es politische Gruppen und Grüppchen, die sich sorgsam davor hüten, die politische Verantwortung zu übernehmen und sich auf beguueme Opposition und billige Kritik beschränken, so leicht, für sich Stimmung zu machen.
Das gilt namentlich für den gewerblichen Mi t- te Ist and, dem immer wieder eingeredet wird, daß er, namentli* bei den Kommunalwahlen eine eigene politische Grumx oder gar mehrere bilden müßte. Was helfen ihm einin* Mandate im Stadl- oder Gemeindeparlament, die für sich allein stets eine hoffnungslose Minderheit bilden, wenn sich für die Wünsche des Mittelstandes nicht mehr die großen bürgerlichen Par
teien und namentlich das Zentrum wie bisher einsetzen würden.
Eine katastrophale Lage für diesen bodenständigen und für die Selbstverwaltung außerordentlich wertvollen Berufsstand wäre die Folge. Die Zersplitterung im bürgerlichen Lager bewirkt bei jeder Wahl, daß 10 und mehr Prozent der abgegebenen Stimmen ins Leere fallen. Möge sich das der gewerbliche Mittelstand bei den Kommunalwahlen vor Augen halten!
Arippenausstellung.
Wieder naht das Weihnachtsfest, das uns an das Wunder der hl. Nacht zu Bethlehem erinnert. Die Begebenheit, die uns das Evangelium des Wechnachts- festes erzählt, wird uns bildlich durch die Krippe vorgeführt. Niemand wird bezweifeln, daß die Krippendarstellung einen tiefem, nachhaltigen Eindruck auf den Beschauer ausübt, als das gesprochene Wort. Bei Betrachtung der Krippe zieht der Festgedanke des Weihnachtstages an uns vorüber. Wir erleben das Wunder der hl. Nacht gleichsam mit Die uralle Sitte Krippen aufzubauen, reicht Jahrhunderte zurück. St. Franziskus wird genannt als der erste, der die volkstümliche Weihnachtskrippe 1223 im Walde von Greccio aufstellte. In den letzten Jahrzehnten ist die Aufstellung der Krippe neuaufgeblüht und wie in vergangenen Jahrhunderten haben es namhafte Künstler nicht unter ihrer Würde gehalten, Krippendarstellungen anzufertigen. Heute sind wir soweit, daß auch der einfache Mann für wenig Geld eine künstlerische Darstellung der Geburt Christi am Weihnachtsfest in seinem Heim aufstellen kann. Allerdings, und das ist sehr zu bedauern, wird auch noch viel minderwertiger Kitsch ver- und gekauft, der trotz seiner anscheinenden Billigkeit noch viel zu teuer ist. Dieser hat leider auch in manchen Gotteshäusern einen Platz gefunden. — Viele kennen die herrlichen Krippendarstellungen, die wir in unseren Häusern aufbauen können, noch nicht. Wir sehen wohl die eine oder andere Krippe in einem Schaufenster ausgestellt, aber einen Ueberblick über den Stand der heutigen Krippendarstellungen fehlt uns: Nun hat sich der rührige Kunschändler, Herr Oskar Kramer, Buttermarkt, in dessen Schaufenster schon so manche schöne Krippe die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich lenkte, der großen Mühe unterzogen und die nicht geringen Kosten nicht gescheut, uns hier in Fulda im Kaisersaal des Schlosses eine große Anzahl Krippen, auch aus Privatbesitz, zu einer Ausstellung zusammen gestellt. Dieselbe ist vom 17. bis 24. November, täglich von %11—6 Uhr für den geringen Eintrittspreis von 20 Pfg. zur Dek- kung der Kosten geöffnet. Cs muß gleich vorausgeschickt werden, daß die Ausstellung auf Vollständigkeit, bei der großen Anzahl vorhandener Werke, weder machen will noch kann. Die große Mehrzahl der ausgestelllen Krip- pen haben einen Anspruch auf künstlerischen Wert; weniger künstlerischen Anforderungen entsprechende haben um deswillen Aufnahme gefunden, um das Bild des heute in Krippendarstellungen Gebotenen mehr zu vervollständigen. Die Ausstellung ist noch umrahmt von einigen wertvollen Drucken und Plastiken, welche das Wunder der M. Nacht darstellen.
Der Besuch dieser interessanten Krippenausstellung hat für jeden Wert und muß aufs wärmste nicht nur her Stadt-, sondern auch der Landbevölkerung empfohlen werden. Jeder Besucher wird dort eine Krivpe finden, die er in seinem Hause aufstellen könnte. Selbst Kinder werden reiche Anregung bekommen, sich selbst eine Krippe anzufertigen. Besuche geschlossener Schulklassen wäre sehr zu empfehlen. So mögen sich denn zahlreiche Besucher, entweder als Besucher oder auch als Käufer, einfinden und mit dazu beitragen, der Weihnachtskrippe wieder zu dem ihr in Kirche und Haus gebührenden Platz zu verhelfen. Eine Besprechung der ausgestellten Krippen bleibt vorbehalten. Krämer.
— Iugendwandern im Alpengebiet! Man schreibt uns: Die Sektion des deutschen und österreichischen Alpenvereins hat in der Vorstandssitzung am 8. 11. 1929 beschlossen, bei genügender Beteiligung eine Jugend- fahrt in das Alpengebiet in die Wege zu leiten. Sie glaubt damit dem neuerdings in ganz Deutschland auflebenden Wanderbedürfnis der Jugend in die Alpenwell auch im hiesigen Sektionsbezirk entgegenkommen zu müssen. Geplant ist eine Wanderung im Jahre 1930 und eine im Jahre 1931. Die Höchstteilnehmerzahl bleibt für beide Wanderungen auf 11 Jugendliche beschränkt.
Au die katholische Zagend!
Jugendvereiaker! Jungmänner und Jungfrauen! Jngeadkraftler und Windthorstbüudler!
Jugendbewegke aller kakholischen Jugendbünde!
Laßt die Tätet und Müller nicht allein am 17. November!
kein Fußball wird geplant für den Wahltag.
Der einzige Sport ist am 17. November der wahlsport.
Es mutz einen hohen Sieg nach Punkten geben.
Alle Wanderungen müssen abgesagt werden.
Es gibt nur ein Wanderziel am 17. November: Das Wahllokal!
Unsere Zentrumslisten sind keine Spietzerlislen!
Sie enthalten auch echt jugendbewegte, der Jugend befreunvete Menschen.
Euere Ideale sind ihre Ideale.
Darum holt alle herbei, die zu uns gehören!
Macht eure Freunde und Freundinnen mobil!
Denkt besonders an die Neuen, die seit der vorigen Wahl 20 Jahre all geworden sind!
Alle müssen wählen!
Alle müssen Zentrum wählen!
Die Führung übernimmt ein Mitglied der Sektion Fulda, das über reiche alpine Erfahrung verfügt und dem die Sorge für das körperliche und geistige Wohl der Jugendgruppe obliegt Teilnehmer brauchen einer Sektion nicht als Mitglied anzugehören. Die großen Fahrt- begünftigungen (50 Proz. der Eisenbahnfähre wie auch die Begünstigungen für Uebernachtungen dürften das Ziel, sich einer Wanderung anzuschließen, für manchen näher rücken. Nähere Ausführungen zu den geplanten Wanderfahrten werden gelegentlich der nächsten Generalversammlung der Sektion am 22. 11. 1929 gemacht werden. _________
Kem Hanauer, kein Kasselaner kann die Interessen der Stadt Fulda im Kommunal landlag wirksam vertreten. Ein Fuldaer kommt nur durch, wenn alles für den Kommunallandtag
die Liste der Zentrumspartel
Nr. 3 des amtlichen Wahlvorschlages wählt. Wir betteln nicht um die Stimmen anderer Parteigruppen. Wir appellieren nurandengesunden Menschenverstand. Möge jeder, der in einem anderen Weltanschauungslager steht, für. was er als S u l d a e r verantworten kann.
--- Samiliennachrichten. Den Eheleuten Sebastian P a p p e r t und Frau Elisabeth, geb. Kramer, ist es vergönnt, am Freitag, den 15. November 1929, ihr 25jähri- ges Ehejubiläum zu feiern.
Au die Vorstände und Obmänner der Zenlrumsparkei
ergeht die dringende Ditte, in allen Wahlbezirken, auch auf dem Lande, am Sonntag die säumigen Wähler zur Wahlurne zu holen. Eine hohe Wahlbeteiligung hängt in erster Linie vom Eifer unserer Vertrauensleute ab. Ein freundliches Wort, «ine ernste Mahnung wird in fast allen Fällen den gewünschten Erfolg haben. Auch der letzte Mann und die letzte Frau müssen zur Urne! 3tt alter Treue! Für Wahrheit, Freiheit und Recht! ;
Der Arbeitsausschuß der Zentrumspartei.
H. Büttner, Fulda
Friedrichstrasse 14
empfiehlt sein grosses Lager im
Damenkleiderstoff en
Seidenstoffen
Weisswaren
Herrenanzugstoffen.
Ilovemberanftmg in Paris.
Von Ludwig Sebald, Thalau.
Fest der Heiligen.
Auf den Straßen nicht wie sonst ein Jagen, Schnaufen und Rasseln der Autowagen. Nichts spürt man von großen Werktagsrennen auf den Boulevards. Eine breite, feierliche Ruhe liegt über der großen Stadt, und ein geheimnisvoller Odem weht durch ihre Straßen und ®affen.
Tausend Schritte eilen nach dem großen Portale her St. Vinzenz von Paul's Kirche und der Notre- Dame, und zahllose Menschen verschwinden unter den Mächtigen korinthischen Säulen der Madelaine.
Brausender Orgeljube^ herrlicher Chorgesang, getragen von großer heiliger Kunst, durchschwebt den ehrwürdigen Gottesraum. Das Volk sitzt in den Stühlen, lauscht und betet und horcht immer wieder. Es vergißt sich und singt hinein in den Sang der Großen. Wieder braust die große Orgel; der Grand-maitre dirigiert sein Instrument und läßt alle seine Stimmen Alleluja fingen, lind drunten in Chore triumphieren die Geigen ob des großen Festes.
Noch sind kaum zwei Stunden vergangen, da das Postludium der großen Orgel in Sankt Magdalen verhallt, da hebt ganz Hinterm Altäre, ein Cello an, nicht jubelnd und frohlockend wie am Morgen, ganz traurig "ur, fast wehmütig klingt feine Melodie, und mit ihm weint in traurigem Mollakkord eine Harfe, und dann singt der Chor vorn Leden des Menschen und der Weisheit Gottes wie es in den Sprüchen steht.
Totenfeier.
' Man gedenkt der Toten, die draußen auf den Feldern schlummern, gestorben für die große Nation im großen Kriege; man denkt an sie, die auf den großen Gottesäckern ihre letzte Ruhe gefunden, draußen auf dem $ere Lachaist, Montparnaffe, Montmartre.
Vn der Kanzel bringen ernste Worte in die Seele bes Volkes, vom Tod und feinem Grauen und von den
Tisch-Weine a Kranken- und Stärkungs ■ Weine a
Schaum-Weine v
H Spirituosen H
> Liköre. <>
a Weih-Mülier x
G ...................... (•)
tPfandhausstraße 5, Fernspr. No. 851 A
LlndenstraBe 4, Fernsprecher No. 93 (l)
Gardinen
neuzeitlich und preiswert bei:
Ges-dtäWs-
DrackMchai
In Sthwarzdrudt und einfarbigem Buntdruck, sowie in Mehrfarbendruck liefert schnell und billig
Fuldaer Aeliendnidcerel, Fulda.
Toten. Und das Volk weint. Dann letzte Orgelklänge begleiten den Beter aus der Kirche und klingen ihm endlos wehmütig nach. — —
Nicht allein hinter den Wänden eines Gotteshauses gedenkt Paris seiner Toten. Fast mehr noch wird einem draußen bewußt, daß es um eine große Totenfeier gilt, wenn man die vielen Blumen steht, die in bunten Mengen auf der Straße und in allen Blumenhäusern angeboten werden.
Bevor noch die Kirche Allerseelen feiert, steht am Allerheiligentage die französische Nation drüben am Grabe des „Unbekannten Soldaten". Zwei Spaliere der französischen Garde, die zuerst den allgemeinen Zutritt verwehrt, sind umringt von vielen Menschen, lieber dem Grabe erhebt sich der große Triumphbogen, wie wenn er heute und immer die Wache hallen wollte am Grabe des unbekannten Helden.
An das Grab tritt ein greifet General M. Gou- raud, verstümmelt im großen Kriege, und grüßt den Unbekannten.
Aus feinem Wagen steigt ein älterer Herr. Vornehm und ernst geht er durch die Reihen der Soldaten — allseitiges Grüßen von Militär und Volk — und legt einen kostbaren Kranz am Grabmal nieder. Die Trikolore leuchtet aus dem Bunt des Kranzes. Es ist M. Dou- tnergue, der Präsident der Republik, der diesen Blumenschmuck fürs ganze Vaterland dem unbekannten und allen Toten widmet.
Jetzt ziehen an das Grab die Repräsentanten der Stadt und der Sektionen, woran leuchtet in zahllosen Wimpeln und Fahnen die Trikolore, und bald prangt das Grab in schönstem Grün und Sunt, das nur immer die herbstliche Natur uns schenkt.
Eine blinde Mutter wankt noch hin zum Grabesstein, hilflos und geleitet von ihrem Kinde, und meint um ihren toten Sohn. Und bald stehen dort viele Menschen, die in stillem Leid und Gedenken ihren Blumenflor den Toten schenken.
Allerseelent
Seltsamer Himmel mit traurigem Gewände liegt über dem „Steinernen Meere". Die Kirchen der Stadt
sind in schwarzem Flor. In den halbfinsteren Gängen ihrer Schiffe, wo nur mattes, dürftiges Licht durch die Fenster bringt, knien in den Stühlen Menschen wie Silhouetten, undeutlich und unkennllich, gebeugt und versunken in den Schmerz des Gedankens der Toten. Durch die Kirche bringen die schweren Stimmen der Orgel und fingen das „Requiem".
Draußen an den Toren der Friedhöfe drängen sich die Menschen, und mehr als eine Million zieht von Grad zu Grabe. Regen fällt in Strömen, und fein Geplätscher begleitet die frommen Schritte der Trauernden. An den großen Monumenten liegen die Kränze von Staat und Stadt. Auf dem Friedhof von Jvri ehrt der deutsche Gesandte die deutschen Toten.
Eine große Feier vollzieht sich im Bois de Vincennes, an der Totenstätte der Indo-Chinesen. Vielgenannte Persönlichkeiten, an ihrer Spitze die hohen ausländischen Gäste (S. M. Dao Bai v. Annam), stehen an den Gräbern der fremden Toten.
Auf dem „Sere Lachaise", dem bedeutendsten Friedhof in Paris, wohlbekannt auch jenseits der Grenzen des Landes, sind die meisten Besucher. Die seltsamen Gräber werden reich geschmückt. Alle Menschen stehen vor der großen Schöpfung des Bildhauers Bartholome. Ich sah nie ein ergreifenderes Totendenkmal. In großen Lettern steht feine Widmung über dem mächtigen, seltsamen, traurigen Bilde: „Aux Morts".
Meister Bartholme, der in diesem Werke den harten Tod vorausgeschaut, weill nun auch schon ein Jahr bei den Toten.
Zahlreiche Menschen stehen staunend vor dem hohen Beaujour-Mausoleum, das mit 32 Meter Höhe auch die größten Grabeshäuser überragt.
Ebensoviele hatten am Grabe des Dichters Alfred de Müsset und lesen seine letzte Bitte:
„Meine lieben Freunde, wenn ich sterben werde, Pflanzt eine Weide auf das Grab.
Ich liebe ihr herabhängendes Laubwerk,
Die Bläffe ist mir dabei fo mild und lieb, Und ihr Schatten wird mir leicht fein In der Erde, da ich schlafen werde." ]
Hinter dem Grabe sitzt auf hohem Sockel feine Mutter und schaut wie abwesend über ein Buch, das sie in den Händen häll. Unter dem ergreifenden Bilde lieft man:
„Die, die immer war die treue Hüterin
Deines Ruhmes, o Dichter,
Und die gottselig war
Beim Gedenken deines Ruhmes,
Muß bei dir schlafen in ewigem Frieden." —
Die Dämmerung senkt ihre ersten Schatten über d!e grauen Totenhäuser. Harte Trommeffchläge schallen hohl und hölzern, mit unheimlichem Echo, durch den großen Gottesacker und künden, daß nun der Friedhof geschloffen wird. Hie ein Weiblein, dort ein aller Mann, die ein letztes Gebet noch zum Himmel senden. Und bann strö- men sie alle hinaus, die vielen Menschen, aus dem Totengarten auf die großen, hellbeleuchteten Straßen der Stadt
— Geschmacksnerven in den Ohren. Eine intereffante Entdeckung hat der ftanzösische Arzt Dr La Touche gemacht. An den verschiedensten seiner Patienten, die schwerhörig waren, konnte er beobachten, daß die Geschmacksnerven nicht in derselben Weise reagierten, wie bei Menschen, die im Vollbesitze aller ihrer Sinnesorgane waren. Dr. La Touche führt diese Erscheinung aber nicht daraus zurück, daß bei schwerhörigen Menschen alle Sinnesorgane geschwächt sind, nein, er hat herausgefunden, daß in den Ohren besondere Geschmacksnerven sich befinden, deren Funktionen mit dem Hören beginnen und aufhören. Menschen, die sich die Ohren verstopften, hatten geringere Wahrnehmungen des Geschmackes, als Menschen, die mit normalem Ohre hörten. Eine Tatsache, die jeder an sich selbst erproben kann. Auch in den Augen sollen sich Geschmackszentren befinden, man hat wenigstens die Entdeckung gemacht, daß leidenschaftliche Raucher mit diesem Genüsse aufhörten, wenn ein grausames Geschick ihnen das Augenlicht nahm. Hier handelt es sich jedoch lediglich um eine entschwundene Vorstellung, eine nicht mehr vor- handene Sinneswahrnehmung, die lediglich zur Wahrnehmung des Genusses beitrug.