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Roman von M- W. S o p h a r.
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„Ihre Großmutter?' Frau Grau starrte Matchen en.
„Anderes läßt sich aus des alten Mannes Reden kaum entnehmen. — Sie hieß Johanna, sagte er. und ging mit ihm spazieren, als sie beide sung waren. Dann gab sie ihm aber den Lauspaß — eines vornehmen Herrn wegen."
„Eines vornehmen Herrn wegen. Nannte er Ihnen dessen Namen?"
„Er sprach nur von einem Herrn Georg: den Familiennamen nannte er nicht."
Frau Grau unterdrückte einen Ausruf des Erstaunens und fragte dann weiter:
„Was erzählte er Ihnen sonst von dieser Johanna?"
„Er sagte, sie sei in die Stadt gegangen, von dort nach langer Zeit mit ihrem Mann, namens Maddmger, zurückgekommen, und sie hätten ein kleines Mädchen mitgebracht. Das Mädchen muß meine Mutter gewesen sein."
„Das kann zutreffen." Frau Grau hatte sich von ihrer Verwunderung noch nicht erholt. „Als ich Herzog, hörte ich noch viel über die Schönheit dieser Johanna reden, obgleich sie schon längst tot war. Also, der alte Christian hat Sie anfänglich für diese Johanna gehalten?"
„Ja, als ich über die kleine Gartenpforte sah. Ich glaube, das kam von meinem Haar, aus das die Sonne schien. Das muß ihm seine Johanna in Erinnerung gebracht haben. Und er schien zu glauben, daß durch meine Erbschaft von Herrn Haller seiner Johanna etwas Gutes geschehen sei. Was kann nun wohl Herrn Hallers Geld mit meiner Großmutter zu tun haben?"
„Es ist richtig, daß er kindisch ist, und man kann sich das, was der alte Christian sagt, nicht immer zusammenreimen," meinte Frau Grau ausweichend. „Er spricht zuweilen ganz kindisch und vergißt auch manches. Der brave Mann hat ein sehr einsames Leben ge- führt, und jetzt ist er recht arm."
„Das soll er nicht länger bleiben," erklärte Malchen fröhlich. „Ich werde Sorge tragen chaß es ihm bis an sein Lebensende an nichts mehr fehlt. Könnte man nicht eine saubere Frau hier bekommen, die ihn pflegt?"
„Das wäre vortrefflich, und wenn Sie wollen, helfe ich Ihnen gern, eine solche zu suchen, und werde alles tun, damit sich der alte Mann behaglich und glücklich fühlt. Ich nehme an, daß Sie nicht so bald wieder nach Singenbuvg zurückkommen?"
„Ich werde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie das für mich übernehmen wollen," sagte sie seufzend. „Ich weiß wirklich nicht, wann ich einmal wieder hier sein werde. Frau Bendler und Stella sind nicht gern auf dem Land, ihr Herz hängt an der Stadt, und Herr Brand meint, ich müßte auch dort bleiben, um all die vielen, mir bisher noch ganz unbekannten Dings kennen zu lernen. Ich hätte nie geglaubt, wie viel das ist, was man zu lernen hat, ehe man überhaupt noch zu wissen beginnt, was eine Dame weiß." Sie schloß mit einem Seufzer.
Frau Grau lächelte voll Mitgefühl. Ihre Hand berührte Malchens Schulter; es war wie eine Liebkosung.
„Mein liebes Kind! Wahr und rein zu fein, für andere zu leben, das ist es, was eine echte Dame ausmacht. Alles übrige ist unerheblich".
Malchen ergriff plötzlich Frau Graus Hand und rief: „Ich wollte, ich könnte mit Ihnen Zusammenleben. Ich würde von Ihnen alles lernen, denn Sie verstehen mich. Sie sehen mich nicht in einer Minute hart, zornig und verächtlich an und lächeln mir in der Minute darauf freundlich zu."
„Später im Sommer müssen Sie auf längere Zeit zu mir kommen," erwiderte Frau Grau und gab sich den Anschein, die Andeutungen Malchens nicht zu verstehen. „Ich denke, das läßt sich leicht einrichten, wenn Frau Bendler längere Zeit bei Freunden zu Besuch weilt. Und wenn Sie irgendeinmal in Verlegenheit geraten und einer Freundin bedürfen sollten, so wenden Sie sich an mich. Ich werde mich immer freuen. Ihnen nützlich fein zu können."
Die Unterhaltung ging auf andere Dinge über, aber diese Worte prägten sich Malchens Gedächtnis tief ein.
Ms sie nach einer Stunde zu ihrem Bedauern Ab- kchied nehmen mutzte, tnia sie mit dem beruhigenden
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Fuldaer
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.gitog, de« 15. Nov. 1929.
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Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda.
Genf, im November 1929.
Wir sprechen gern von unserem „aufgeklärten Zeitalter", und davon, wie „herrlich weit wir es gebracht" haben, und vom „finsteren Mittelalter", in dem es so schlimme Dinge wie Sklaverei und Leibeigenschaft gab. Aber wie die meisten Schlagworte halten auch diese nicht vor der Wirklichkeit stand. Gewiß ist Leibeigenschaft und Sklaverei eine schlimme Sache, aber wir tun dem Mittel- Iter — das nicht etwa eine finstere, sondern so- oar eine sehr helle Zeit war — bitter Unrecht, roenn wir ausschließlich ihm die Duldung der Leibeigenschaft zuschreiben. Gar nicht zu sprechen davon, daß man bis vor wenigen Jahrzehnten noch die Lage der modernen Lohnarbeiterschaft in manchen Staaten mit der der Sklaven verglich und sogar das Wort „Lohnsklaven" prägte — in zahlreichen sogenannten halbzivilisierten Ländern Asiens und Afrikas leben heute noch regelrechte Sklaven, die gekauft und verkauft werden, die man als Ware behandelt, als Sache, nicht als Menschen, ganz wie die Sklaven zu alter Zeit.
Wie so viele Fragen, die nur auf dem Wege internationaler Uebereinkunft zu lösen sind, hat sich auch mit dieser der Genfer Völkerbund seit Jahren beschäftigt. Nicht nur Opium, Kinder- und Frauenhandel, sondern auch die Sklavenjagd will er verfolgen, und hat bereits einen Konventionsentwurf ausarbeiten lassen, der bezweckt, den Sklavenhandel entweder ganz zu unterdrücken oder allmählich aus der Welt zu schaffen. Aehn- lich wie bei der Mädchenhandels-Konvention haben auch zum Entwurf dieses Vertrages die Experten des Völkerbundes in den Ländern, die für den Sklavenhandel in Frage kamen, ausführliche Studien gemacht. Sie haben mit den Sklavenhändlern gesprochen, haben ihre Transporte begleitet, ohne daß jene wußten, wer ihre Begleiter waren, und haben später alles, was sie erfahren hatten, in ihren Berichten niedergelegt.
Das Studium dieser Berichte ist aufschlußreich und fruchtbar zugleich. Es enthüllt die entsetzlichen Bilder der Sklavenmärkte, das unbeschreibliche Elend der Sklaven, die auf langen Märschen durch die heiße Wüste getrieben werden, und die Grausamkeit der Händler, die beim Elend ihrer Opfer nichts empfinden. Aber mehr noch: Man erkennt wie grenzenlos verschieden die Menschen sind, und daß dieses Nichtempfinden beim Sklavenhändler oft nicht nur Gedankenlosigkeit oder Egoismus, sondern einfache Selbstverständlichkeit ist, und er sich gar nicht vorstelkt, daß das, was er tut, eine furchtbare Verletzung der Menschenpflicht bedeutet.
Die Sachverständigen — noch während der letz- <en Versammlung des Völkerbundes wurde die
Entsendung einer Studiengesellschaft nach Liberia beschlossen — haben festgestellt, daß in neunzehn Ländern noch Sklaverei und Sklavenhandel vorkommen. Sie liegen meistens in Afrika, vor allem im Norden des Erdteils, sowie in Asien, im Fernen Osten. Abessinien, selbst Mitgliedstaat des Völkerbundes, ist das klassische Land der Sklaverei, sodann der Araberstaat Hedschas, Kufra, Liberia, Marokko, Rio d'Oro und die Saharagebiete, Tripolis und zahlreiche Gebiete in China. In den letzten Jahren sind mehr als eine Million Menschen verkauft, gekauft und verhandelt worden, und ins- gefamt leben in diesen Ländern jetzt noch fürsi Millionen Menschen in der Sklaverei . .
In den arabischen Gebieten ist die Sklaverei eine so selbstverständliche und von der Tradition bestimmte Angelegenheit, daß in den Dörfern ständig ein großer Platz für die Sklavenmärkte reserviert ist — und hier entrollt sich dann das für den Europäer entsetzliche Bild des Verkaufs lebendiger Menschen gegen Geld. Die Opfer, die oft in tagelangen, erschöpfenden Märschen durch die glühende Wüste herangetrieben worden sind — wer nicht mehr sich weiterschleppen konnte, wurde am Boden liegen gelassen und dem Verschmachten preisgegeben —, sind ein paar Tage vorher gepflegt worden, damit sie dem Käufer einen wohlgenährten und leistungsfähigen Eindruck machen. Sie werden mit Fett eingerieben, damit ihre Körper schön glänzen. Bevor der Markt beginnt, sprechen die Händler, die in schönen weißen Burnussen erschienen sind, das Gebet; in dem sie Allah um Segen für ihre Geschäfte bitten. Nach dieser Zeremonie beginnt der Verkauf. Im Nu füllt sich der ganze, meist sehr geräumige Platz mit Menschen, die durcheinander schreien, die Vorzüge ihrer lebendigen Ware anpreisen, und von der nervigen Kraft der jungen Männer oder der weichen Schönheit der Frauen erzählen, je nach dem Opfer, das sie feilbieten. Die Preise, die erzielt werden, sind verschieden, manchmal hundert, zuweilen fünfhundert oder gar tausend Mark. Der letzte Preis wurde kürzlich in Hedschas, wie ein Berichterstatter erwähnt, für eine schöne siebzehnjährige unberührte Jungfrau bezahlt ....
Wie Opium- und Mädchenhändler, haben auch die Sklavenhändler ihr eigenes System, ihre eigenen Spione, die ihnen die Gelegenheit auskund- schäften und sie warnen, wenn etwa, eine Ein-- mifchung einer der Kolonialmächte, der Engländer, Franzosen oder Italiener, droht. Diese Spione siedeln sich für eine Zeit lang in einem noch un» berührten Eingeborenendorf an und versuchen, was meist nicht schwer ist, eine Partei des Dorfes gegen die andere auszuhetzen. Ist der Streit so west ge-
Zentrumspartei
Liste
Bet Mkerbimd lagt Sttaoetijäget.
(Von unserem Genfer Mitarbeiter.)
Das „finstere Mttelalier" und wir. — Auch heule gibt es noch Sklaverei. — Die SNaven-konven- tion des Völkerbundes. — In den nordafrikanischen und asiatischen Ländern. — Fünf Millionen moderner Sklaven. — wie gehl es auf einem Sklavenmarkl zu? — Tausend Mark für eine schöne Jungfrau. — Die Tricks der Sklavenhändler. — Sklaven als Mekkapilger.
SozmldemakrMe und Religion
tige Elemente des philosophischen Denkens und so
Zwei Minuten Schweigen
griffe in politischen Problemen wenn nicht verziehen, so doch weniger schwer angerechnet.....
schürt, daß beide bewaffnet aufeinander losgehen, so schich-n die Sklavenhändler ihre gedungenen Leute, die mit leichter Mühe die Kämpfenden daun ihrerseits überwältigen, „um die Ordnung wiederherzustellen", und sie dann als Sklaven wegführen. Oft geschieht aber auch die Versklavung auf weniger gewaltsame Weise, indem die Eltern ihre Kinder direkt verkaufen, um sich zu bereichern oder gar, um mit dem Erlös eine Pilgerfahrt — etwa nach Mekka —zu bestreiten, wie einer der Be- richterftatter erzählt .... Die Händler bringen dann ihre Sklaven auf versteckten und wenig bekannten Wegen fort, weil sie immerhin einen Eingriff der „Fremden" fürchten. Sind sie einmal in einem der Häfen, im Roten Meer oder an der nordafrikanifchen Küste, so sind sie ziemlich sicher, denn sie haben so schnelle kleine Schiffe, daß sie, damit vor allem nachts allen Verfolgungen entgehen können, zumal da sie die Küste genau kennen. Manche sind auch auf den Trick verfallen, die Sklaven, die aus dem fernen Osten nach Hedschas verkauft werden, besonders junge Mädchen, als Pilger auszugeben, die eine Reise nach Mekka un-
Ein Spiel mit Worten kann in müßigen Stunden durchaus amüsant sein. Sofern es aber un Kampfe der Meinungen als Roßtauscherkmff herhalten muß, um mittels der Verwirrung der Begriffe Parteigeschäfte machen zu können, ist es, gelinde gesagt, eine rabulistische Unehrlichkeit.
Unter Religion hat die Menschheit feit Jahrtausenden die Verbundenheit mit Gott, und zwar mit einem persönlichen Gott, verstanden. Und als die Sozialdemokratie den Grundsatz aufstellte: „Religion ist Privatsache", da glaubten manche an öie proklamierte Neutralität, trotzdem Lehrgebäude und Handlungen der Sozialdemokratie 9°^ *tn’ zweideutig den Geist materialistischer Geschichtsauffassung und haßerfüllter Gottesverneinung atmeten. Wohl um die „Freidenker" zu beruhigen, hat nunmehr der „Vorwärts" (Abendausgabe,vom 6. November 1929) erklärt, was die Sozialdemokratie unter „Religion" verstand und ver- steht, wenn sie dieselbe als Privatsache hinftellte. Zunächst unterstreicht er noch einmal den vtunat der Sozialdemokratie, die er damit als Weltanschauung gewertet wissen will: „Die Partei ist tu erster Linie interessiert nicht daran, ob eurer zur Messe läuft oder nicht, sondern ob er als Sozialist seinen Mann steht oder nicht. Sie darf aber mcht an dem kulturellen Klärungsprozeß vombergehen.
temähmen.
Die Bekämpfung des Sklavenhandels durch den Völkerbund steht also vor ungeheueren Schwierigkeiten und auch, wenn die Konvention selbst einmal angenommen und ratifiziert ist. ist der Sklavenhandel noch nicht aus der Welt geschafft. Aber man Darf eine Sache nicht aufgeben, weil sie unerreichbar scheint, und gerade der Völkerbund, der in so vielen politischen Fragen enttäuscht hat, muß noch einen großen Vertrauenswechsel einlöfen: । an wm muum«» Wenn er wirklich etwas gegen die „unpolitischen weil die ©ebantenroel des Sozlalismus so wich. Schäden" erreicht, so seien ihm seine vielen Miß- I f’y ""
Zwei Mimiken Arbeitspause auf dem Felde am Waffenstillstandstage.
Arbeit. Zwei seinen
Alljährlich am Waffenstillstandstage ruht in ganz England 2 Minuten lang alle Die Bahnen bleiben stehen, dem Arbeiter entsinkt das Werkzeug, alle entblößen den Kops. Minuten Schweigen — zwei Minuten Nachdenken über das, was der Krieg war m allen Schrecken und seiner furchtbaren Heimsuchung für die Völker. In Deutschland hat sich die 1'mm- reiche Wacherhaltung des schaudernden Zurücker mnerns des ganzen Volkes an den Krieg leider nicht durchgesetzt. ____________________________________ -
1 Pfund 55 Pfennig
len des Donners, und ein Zittern durchlief die Bäume,
wäre — ich bin jetzt in Not.
auf den Stufen reichte, das eine
Lohe eines blauen Blitzes deutlich erkennbar war.
Gefühl des Friedens und mit sich fort, daß sie in wahre Freundin gefunden
Frau Gran blickte dem
der Sicherheit die Gewißheit Frau Grau eine aufrichtige, hatte.
fortgehenden Mädchen lange über die sie mit Malchen ge-
nach. Bon allen Dingen, sprachen, blieb ihr doch am längsten, was sie ihr von
Daher nur,,Seelig’s kandierten Kornkaffee"das gesunde deutsche Familiengetränk
Frau Grau stieß einen Ruf unbeschreiblichen Erstaunens aus, als sie ihre Hand dem jungen Mädchen Sekunde lang in der
g’s Korn-Kaffee |
Die hochwertigen Extraktstoffe, welche das Roggenkorn besitzt und die so außerordentlich dazu geeignet sind. Kornkaffee als gesunden Ersatz für echten Kaffee zu verwenden, werden bei „Seeligs Korn-Kaffee durch die wertvolle Kandierung konserviert.
dem alten Christian erzählt hatte.
11. Kapitel.
Frau Grau sah die Damen aus dem Herrenhaufe vor ihrer Rückkehr in die Stadt nur an dem Dienstag wieder, der dem Besuch Malchens folgte. Aber von mehr als einer Seite hörte sie die junge Dame, die die Hallerfche Erbfck^aft angetreten, in den begeistertsten Ausdrücken preisen. Der Pfarrer, Herr Schweizer, sprach über Malchens Großherzigkeit; sie hatte den Wunsch ausgesprochen, alles zu tun, was in ihrer Macht lag, um das Wohl der Dorfbewohner zu heben, und hatte den Worten die Tat folgen lassen. Sie mußte allem Anschein nach, ohne sich von Frau Bendler oder Stella begleiten zu lassen, am Montag morgen einen Rund gang durch das Dorf angetreten haben, um sich persönlich nach allem zu erkundigen, wessen die Armen bedurften.
Frau Graus Gedanken beschäftigten sich in diesen Sommertagen recht häufig mit dem Mädchen, das sie so sehr interessiert hatte. Sie grübelte oft darüber nach, an wen sie durch Malchen erinnert wurde, ob sie sie gar felbst schon früher gesehen habe; aber alles Sinnen und Grübeln brachte ihr die Lösung nicht.
Auch an einem schwülen Juliabend, etwa drei Wochen nach der Abreise der Damen, dachte Frau Grau wieder auf das lebhaftste an Malchen und deren Zukunft. Der ganze Tag war sehr heiß und drücken- gewesen, und beim Sonnenuntergang waren aus dem Süden dunkle Wolken aufgestiegen, als sichere Vorboten des herannahenden Gewitters.
Ein gewaltiger Blitzstrahl durchkreuzte das dunkle, massige Gewölk im Westen und ließ jeden Baum und Strauch, jede Blume mit gespenstiger Deutlichkeit eine Sekunde lang erkennen, um dann nach seinem Der- fchwinden die Dunkelheit noch tiefer erscheinen zu lassen. Aus den fernen Wäldern tlana es wie das leite Grol-
bis jedes Blatt zu beben schien.
Frau Grau stand schweigend am Fenster, das herannahende Gewitter zu betrachten, bis ein wilder Windsturm über das Wiesenland einhersauste, die Aeste bog und dann um das Haus stöhnend herumjagte wie eine klagende Seele Mit dem Wind fetzte auch ein starker Regenguß ein, der Frau Grau zwang, dar Fenster zu schließen und sich in die Ecke des Salons zurückzuziehen, wo ihr Zimmermädchen die angezim- bete Lampe auf einen Tisch stellte und dabei ängftllche Blicke zu den Fenstern warf, die jede paar Sekunden durch glänzende Blitze erleuchtet wurden.
Ihre Herrin sah sie fteundlich an.
„Ich will die Jalousien schon selbst herunterlassen, Berta; das Gewitter ist sehr stark."
Ach, gnädige Frau," schrie das Mädchen nut schreckensbleichem Gesicht. „Ich habe so em Gewitter noch nie erlebt. Es hört ja keine Minute mit Donnern und Blitzen auf — und oh — was ist denn das'. eie kreischte aus, denn trotz des gewaltigen Donners horte man die Klingel an der Haustür scharf ertönen. Das ängstliche Mädchen zitterte am ganzen Körper und blickte voll Entsetzen auf ihre Herrin. Die Zahne klapperten ihr ,als sie sagte: „Wer kann denn an einem solchen Abend nur kommen--und so spät?" „
„Gleichviel, wer es ist, wir müssen doch offnen, sagte Frau Grau etwas streng. „Bei einem so furcht- baren Wetter läßt man doch keinen Hund draußen.
Das Unwetter raste jetzt mit einer geradezu dämonischen Heftigkeit. Da sich sonst niemand un H°Pe befand, eilte Frau Grau die Treppe hinunter in die Em- gangshalle. Der Sturm umtoste das Haus und heulte, als ob zehntausend Teufel losgelassen waren. Als sie nun die Haustür öffnete, brauste ein Windstoß tn die fnatle und trieb eine märfitiae Reoenwelle hinein, wah- renb eine Stimme aus der Dunkelheit draußen seufzend anhob- Wollen Sie mich einlassen? Sie sagten mir, bak ick, zu Ihnen kommen dürste, wenn ich in Not
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