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56. Zahrg.
Donnerstag, 14. Rov. 1929.
ü *>RA. im Bild' und „Buchenblatter". Rotationsdruck und Verlac lit*, der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift
:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag
uldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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schluß der aktiven Reserven . die jene Mächte zu bestimmen haben, kann für uns । Millionen. Diese Zahl sei , gar nicht tie f genug liegen."
Ambesehungen in der russischen Politik
Vas der Reichstag erledigen mufc
Die Reichskagsfrattion des Zentrums prüft die Lage
ner betrage mit 6in! nicht weniger als 30 um nahezu 10 Millionen großer als vor dem Kriege. Dagegen weise die Zahl der Kampfschisfe infolge der Zerstörung der deutschen Kriegsflotte und infolge der auf der Washingtoner Konferenz beschlossenen Beschränkung eine gewisse
* Strafantrag Hitlers gegen die Telegramm« zeitung. Der von Adolf Hitler angekündigte Strafantrag gegen den verantwortlichen Schriftleiter der „Münchener Telegrammzeitung" liegt, Wiedas Blatt mitteilt, nunmehr vor. Es handelt sich bekanntlich um den Artikel .Zitier bedroht Kron- vrinr Rupprecht" vom 1. November.
Der Vorschlag des Präsidenten in seiner Rede zum Waffenstillstandstag, die Lebensmittelschiffe im Kriegsfälle wie Hospitalschiffe zu behandeln, wird in der gesamten Presse als ein Schritt von epochaler Bedeutung begrüßt, die für den Ausbau des Völkerrechts schlechterdings nicht überschätzt werden könne.
Hinsichtlich seiner Besprechung mit M a c D o> nald führte Hoover aus: „MacDonald und all« übrigen Staatsmänner, mit denen ich in Berühr rung gekommen bin, haben über die sie berührenden Probleme in einem Geist gesprochen, aus dem ein Gefühl der Verantwortlichkeit nicht nur hinsichtlich des Friedens und der Sicherheit der Welt sprach. Wir haben miteinander laut gedacht, wir haben unseren innersten Gedanken Worte verliehen, so wie es Männer bei der Abfassung von diplomatischen Noten nicht tun können. Wir sind keine Bindungen eingegangen, wir haben keine Besprechungen bis zum endgültigen Abschluß durchgeführt, wir haben aber gemeinsam die Gebiete ab- gesucht, auf denen man möglicherweise Aufbauarbeit für den Frieden leisten kann. Wir haben offen und ohne Vorbehalte die Fallgruben untersucht, die auf dem Wege der internationalen Beziehungen liegen. Nachdem wir so ein besseres Verständnis für die beiderseitigen Ziele und für die Schwierigkeiten, die sich uns bieten, erlangt haben, kann jeder von uns auf seinem Gebiet zur Förderung des gegenseitigen Wohlwollens beitragen und die Kräfte unterstützen, die für den Frieden der Welt arbeiten, und die Kräfte bekämpfen, die Mißtrauen und Streit anzufachen suchen."
ein. Hoffentlich werden die jungen Leute mit Nachdruck dazu gebracht, die staatliche Ordnung zu respektieren und sich ihrer Hauptaufgabe, dem Studium, zu widmen. Nur fo lohnt es sich, daß das Volk so hohe La st en für d i e höheren Bildungsstätten übernimmt.
* Der Bischof von Hildesheim will laut „Vossi- scher Zeitung" denFreistaatBraunschweig verklagen. Er nimmt den Standpunkt ein, daß die vom braunschweigischen Minister für Volksbildung zum Gebrauch als Lehrbuch für den Geschichtsunterricht in den braunschweigischen Volksschulen eingeführten „Geschichtsbildern" eine parteipolitische, materialistische und atheistische Tendenz haben. Der Bischof wandte sich beschwerdeführend an das Braunschweigische Staatsministerium, da nach einem Vertrage der konfessionelle Charakter der katholichen Bürgerschulen der Stadt Braunschweig gewährleistet sei. Da das braunschweigische Staatsministerium auf diese Beschwerden nicht eingegangen ist, will die bischöfliche Behörde den Klageweg beschreiten.____________
2ius dem Reichstag wird uns geschrieben:
Die gesamtpolitische Lage hat es erforderlich gemuckt daß i'ch die Zentrumsfraktion des Reichs- mas nod) einmal in Berlin am Dienstag, den 12. November, nachmittags 3 Uhr, oerfammelte, um iu den schwebenden Fragen, die in den letzten Wo- ck-n eine Rolle spielten und in den nächsten Wo- cken zur Entscheidung stehen, Stellung zu nehmen. ^Das große Interesse, das die Mitglieder der Reichstagsfraktion an dieser Sitzung hatten, bewies her überaus zahlreiche Besuch, trotzdem in dieser Loche die letzten Wahlkämpfe für die Kommunalwahlen noch auszutragen sind. Auch die Zentrumsminister Dr. Wirth, Dr. Stegerwald und v. ®uer» „rd nahmen an der Sitzung teil.
Zu Beginn der Sitzung widmete der Vorsitzende, Abgeordneter Dr. Perlitius, dem kürzlich verstorbenen früheren Reichstagsabgeordneten des Zentrums Sinn- Aachen einen ehrenden Nachruf, während sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben. Der Verstorbene habe in selbstloser Weise in der Fraktion hervorragende Arbeit geleistet, bis !hn eine schwere Krankheit zwang, fein Mandat niederzulegen. Der Tod hat ihn von feinem Leiden erlöst.
Sodann würdigte Dr. Perlitius das Wahlergebnis von Baden und beglückwünschte die Badische Zentrumspartei zu den großen durchschlagenden Erfolgen. ’ Abgeordneter Dr. Föhr sprach im Namen des badischen Parteichefs, Prälat Dr. Schäfer, der Gesamtpartei, wie besonders der Reichstagsfraktion, den herzlichsten Dank aus für die große Hilfeleistung im Wahlkampf. Im Auftrage der Reichstagsfraktion bat Abgeordneter Perlitius den Abgeordneten Föhr, der Badischen Zentrumspartei noch einmal die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Der Erfolg der badischen Wahlen ist auch von großer Bedeutung für die Gesamtpartei. Er stärke das Vertrauen der Wählerschaft zu den Idealen unserer Partei und brachte vor allem ein stetig zunehmendes Interesse an der Parteiarbeit. Wir sind einen großen Schritt weitergekommen in der Konsolidierung und Vereinheitlichung unserer Partei.
Im Anschluß daran besprach Abgeordneter Per- iitius die Geschäftslage. Er gab bekannt, daß am 26. November wahrscheinlich schon der Reichstag zusammentrete, mindestens aber am 27. Er werde zuerst über den Gesetzentwurf zum Volksbegehren zu entscheiden haben. Man rechnet jetzt schon mit Bestimmtheit, daß dann der Volksentscheid am 15. oder 22. Dezember zur Durchführung komme.
Aber auch sonst steht der Reichstag vor einer Fülle von Gesetzesaufgaben. Rund 20 Gesetzentwürfe find durchzuberaten. Darunter das Gesetz über die Standesherrenrenten, das Republik fchutzgefetz, ferner die Aenderung des Zwischenzolltarifs. Infolgedessen wird es wahrscheinlich dazu kommen, daß der Reichstag vom 26. oder 27. November ab bis kurz vor Weihnachten tagen müsse.
Einen großen Raum in den Erörterungen nahm weiter der letzte Schritt des Zentrums im Rechts- ausschuß ein. Dr. Perlitius gab noch einmal Sie ganze Entwicklung bekannt und wies vor allem Sarauf hin, daß gerade dieser Schritt des Zentrums einen großen Resonanzboden im ganzen Lande gesunden habe. Hier handelt es sich nicht darum, daß das Zentrum irgend einen Druck auf andere Koalitionsparteien ausüben wollte, sondern um die grundsätzliche Stellungnahme der Partei tu dem wichtigsten Kulturproblem der Reform der
Links: Raskolnikow, wurde zum Nachfolger des obersten Zensors Swiderski ernannt. Mitte: Tschitscherin, der nunmehr endgültig zurückgetretene Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten. Rechts: Sokolnikow, der voraussichtlich neue Botschafter in London.
Sowjetrußland ist das Land der ständig wechselnden politischen Führer. So wurde zum obersten Zensor der frühere Gesandte in Afghanistan Fedor Raskolnikow ernannt. Der bisherige Außenminister Tschitscherin ist endgültig aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten. Sein Nachfolger wird der bisherige stellvertretende Volkskommissar Litwinow werden. Schließlich wurde zum künftigen Sowjetbotschafter in London der bisherige Leiter des russischen Naphtasyndikats Sokolnikow ausersehen. Drei hochpolitische Ereignisse innerhalb weniger Tage.
Gegen das Blockaderecht wandte sich Präsident Hoover in einer Rede, die er zum 11. Jahrestag des Waffenstillstandes hielt. Hoover sprach in einem der größten Säle Washingtons, vor einer von dem Verband der amerikanischen Kriegsteilnehmer ver- inftalteten Versammlung. Dabei führte er aus: ,Die Aushungerung müsse aus der Zahl der Kriegs- Mittel ausgeschaltet werden, indem man Lebensmittelschiffen die Gleich st ellungmitHospi- talschiffen während eines Krieges einräume und sie gegen jeden Angriff sicherstelle." Hoover betonte, daß die friedliche die einzige Lösung der alten Streitfrage über die sogenannte Freiheit der Meere sei. Er wies auf den Krieg hin und führte aus: „Schon feit vielen Jahren und auf Grund bitterer persönlicher Erfahrungen bin ich der Ansicht, daß Lebensmittelfchiffe während eines Krieges vollkommen freien Weg haben sollten. Ich würde alle Schiffe, die nur Lebensmittel als Fracht mit sich führen, in dieselbe Kategorie wie Hospitalschisfe bringen. Die Zeit ist gekommen, in der wir
Me Aushungerung von Frauen und Kindern nicht mehr als Kriegsmiklel
benutzen sollten. Die rasch anwachsende Bevölkerung hat in den letzten 50 Jahren in vielen Ländern eine Einwohnerschaft geschaffen, für die die eigene Lebensmittelerzeugung bei weitem nicht mehr ausreicht und durch welche die natürlichen Verteidigungsmittel der betreffenden Länder immer weiter geschwächt worden sind.
Hoover zeigte dann, wie die ständige Be- schützung der einzuführenden Güter eine der Haupt- ursachen für erhöhte Marinerüstungen und mili-
WaffensliUslandslag und Hoover-Rede
Hoover gegen die Hungerblockade.
* Abberufung eines österreichischen Iruppen- kommandeurs. Der Neuen Freien Presse wird aus Innsbruck gemeldet: Der Kommandeur der 6. Brigade, Generalmajor Kirsch, wurde von seinem Dienstposten in Innsbruck abberufen. Wie die Innsbrucker Nachrichten melden, fei feine Abberufung darauf zurückzuführen, daß dienstliche Papiere abhanden gekommen seien.
* Gefangennahme eines Franziskanerpakers in China. Der Franziskanerpater Ulrich Kreutzen, der amerikanischer Staatsangehöriger ist, wurde bet Weiyuenkau, etwa 120 Klm. südöstlich von Hankau, von Wegelagerern, die sich als Kommunisten bezeichneten, gefangen genommen. Sie fordern ein Lösegeld von 10 000 Dollar für die Freilassung des Missionars.
Verminderung auf, aber, rief Hoover aus, die Luftwaffe und die anderen Zerstörungsmittel sind noch weit vernichtender als die während des großen Krieges. Unter den Völkern herrsche Mißtrauen und das schmerzliche Gefühl erlittenen Unrechts. Nachdem er dieses düstere Bild entworfen hatte, fuhr der Präsident fort: „Wir können aber festftellen, daß die Welt in wachsendem Maße von aufrichtigem Friedenswillen erfüllt ist. Die Sucht nach Vorherrschaft und Angriffen, Furcht und Argwohn sind im Schwinden begriffen. Die alten Mittel einer ränkevollen Diplomatie werden durch freimütige und öffentliche Verhandlungen ersetzt, deren Ziel die Erhaltung des Friedens ist. Ein wirklicher Fortschritt auf dem Wege der Friedensversicherung kann indes nie erreicht werden, wenn die Völker sich in ihrem täglichen Verhalten von realen und zweckmäßigen Gesichtspunkten leiten lassen." Der Präsident kommt dann auf den Völkerbund zu sprechen, in dem die europäischen Völker sich ein Mittel geschaffen hätten, um ihre Meinungsverschiedenheiten zu schlichten. „Wir haben es abgelehnt", erklärte er, „auf diesem Weg mitzugehen, denn wir sind, wenigstens auf der westlichen Erdhälfte, der Ansicht, daß die K r a f t d e r ö s f e n t l i ch e n M e i n u ng genügt, um jeden Ausbruch von Gewalt zu verhindern. Das ist die Straße für Friedenssicherung, die wir uns erwählt haben und auf der wir fortzuschreiten gedenken."
Weiter führte der Präsident aus, einer der tiefer liegenden Gründe für Streit und Mißgunst liege in dem Wettrüsten, das eine schwere Belastung der Völker sei. „Unsere vornehmste Aufgabe", erklärte er, „muh es fein, uns von dieser Gefahr zu befreien. Zu diesem Zweck habe ich wieder Verhandlungen über die Seerüstungen eingeleitet, und ich erwarte zuversichtlich, daß die Konferenz, die im Januar zusammentreten soll, einen Erfolg bringen wird. Wir sind bereits mit Großbritannien übereingekommen, daß zwischen uns hinsichtlich der Seestreitkräfte Parität herrschen soll, wobei unsere Stärke zur See in einem gewissen Verhältnis zu den anderen Mächten stehen würde. Diese brauchen nur noch zu sagen, wie weit sie mit ihren Ma- rinerüftungen heruntergehen wollen . Die Grenze,
tansche Bedürfnisse gewesen sei. Der Zweck sei stets der gewesen, die Zufahrtsstraßen, die in allen Kriegen der jüngftcn Vergangenheit eine hervorragende Rolle spielten, offen zu halten. Der Schutz der Zufuhr bezw. der Blockierung wäre ein wichtiger Bestandteil der Kriegsführung aller in den Weltkrieg verwickelten Länder gewesen. „Aber wir können keine einzelne Nation verurteilen", betonte Hoover, „faft alle haben daran teilgenommen. Die Welt muß früher ober später anerkennen, daß die angeführten Gründe die wichtigsten Ursachen für die 93eroaffnung find. Aber die Aushungerung darf nicht in die Kriegsmittel eingefchloffen werden." Der Präsident wies dann auf die Tatsache hin, daß die Unterstützungskommission für Belgien während des Krieges tausende von Schiffsladungen mit Le- bensmiteln durch zwei Blockadegebiete gebracht hatte. Hoover fuhr fort: „Der Schutz der Lebensmittelzufuhr in Kriegszeiten werde den wichtigsten Bestandteil des Rechts aller Parteien, ob sie Neutrale ober Kriegsteilnehmer finb, barstellen. Gleichseitig würbe er ben Zwang für starke Kriegsflotten lockern. Die Zufuhr an Lebensmitteln mürbe ungefähr 25 Prozent ber auf bem Meer schwimmenden Tonnage ausmachen, aber der Handelswert würde einen viel höheren Prozentsatz darstellen." Die Behandlung dieser Frage werde auf der Fünf- mächte-Konferenz in London nicht vorgenommen werden.
Der Präsident erklärte, die Friebensaus- fichten für bas nächste halbe Jahrhunbert feien günstig. Aber es hanble sich babei trotz allem nur um einen bewaffneten Trieben. Die Zahl der in der Welt unter Waffen stellenden Män-
Frau Zoubkoff tot
Der Tod hat feinen Schleier über eine unerfreuliche Szene fallen lassen. Die Prinzessin v. Preußen, die Schwester des ftüheren Kaisers, dre im Alter von mehr als 60 Jahren einen jugendlichen russischen Abenteurer namens Zoubkoff geheiratet hatte, bann in Schulden geriet und ihre Bonner Villa versteigern lassen mußte, ist jetzt im Bonner Franziskus-Hospital einer Lun- gen-Entzündung erlegen. Die L-rndnrä- f>n von Hessen, ihre Schwester, deren Mann und einige Kinder weilten an bem Todesbett der Tante.
.Die Heimgegangene hat ein Prinzessin-Leben geführt, das leider nicht viel Erhebendes aufweist. Ernste Tätigkeit ist ihr nicht nachgewiesen. Es ging ihr um Lebensgenuß. Das Tollste war die Ehe mit dem Zoubkoff. In ihr hat die Frau allerdings auch schwer gebüßt. Das Drama, das über sie hereinbrach, kann zu Mitleid stimmen. Sie ist darüber arm und krank geworden und jetzt gestorben. ______________________
* Um den „Universiläks Ball". In ber Berliner Universität hat es heftige Zusammenstöße gegeben. Die antisemitischen Stubenten ärgerten sich, weil der Rektor Schmidt nicht zulassen wollte, daß sie eine Ballveranstaltung als „Universitäts-Ball" bezeichneten. Sie hielten eine Protestversammlung ab, zu deren Schluß es in den Universitätsräumen > zu Gewalttätigkeiten gegen jüdische und sozialistische Studenten kam. Zeitweilig griff Polizei I
Ehescheidung, wobei es für das Zentrum niemals, jetzt und in Zukunft, irgend einen Kompromiß geben könne. Das Zentrum habe erreicht, was es wollte, traft feiner energischen Haltung. Es werde diese Haltung immerdar einnehmen.
Was nun die letzte Ergänzung des Reichs- kabinetts anlange, so habe das Zentrum zu den Fragen, die dabei eine Rolle spielen mußten, nur indirekt Stellung genommen. Wir haben die Ergänzung vollziehen lassen, ohne uns positiv dazu zu äußern. In einer ruhigeren Zeit werden wir unsere direkte Stellungnahme allerdings bekanntzugeben haben. Für den Augenblick handelt es sich darum, daß die Regierung voll und ganz arbeitsfähig wird.
In ber Aussprache äußerten sich bann zu bem Schritt bes Zentrums im Rechtsausschuß besonders die Abgeordneten Dr. Bell, Dr. B o k - kius und Reichskanzler a. D. Dr. Marx, die diesen Schritt nicht nur restlos erläuterten, sondern wertvolle Ergänzungen über die eigentlichen Absichten verschiedener Koalitionsparteien machten.
Am Schlüsse der Aussprache wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen:
„Die Fraktion billigt einmütig bas Verhalten der Fraktionsleitung und ber Vertreter im Rechtsausschuß bes Reichstags, das sie in der Verteidigung der grundsätzlichen Auffassung der Zentrumspartei zur Erleichterung der Ehescheidung eingenommen haben."
Abgeordneter U l i tz k a behandelte anschließend dann das mit den Polen geschlossene Liguibations- abkornrnen und die Verhandlungen über den deutsch-polnischen Handelsvertrag.
lieber das. wichtigste außenpolitische Problem, den Poungplan, referierte Reichsminister Dr. Wirth. Daran knüpfte sich eine eingehende und außerordentlich ergiebige Aussprache.
Außerdem wurde die Kleinrentnerfrage behandelt, ebenso verschiedene landwirtschaftliche Fragen unter Berückfichtugng des vom Reichstag seinerzeit beschlossenen großen Hilfsprogramms.
Abwehr.
Von besonderer Seite wird uns geschrieben: _ Eine Rede, die der Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald letzten Sonntag im rheinisch-westfälischen Industriegebiet gehalten hat, ist, soweit sie sich mit Beamtenfragen beschäftigte, teilweise zusammenhanglos, teilweise selbst tendenziös verbreitet worden. Stegerwald hat mit keinem Wort davon gesprochen, daß „Gehaltskürzungen unvermeidbar" seien, daß „demnächst 20 Prozent Gehaltskürzungen eintreten" und „daß die Beamten in den nächsten Monaten auf einen größeren Teil ihres Gehaltes verzichten müßten".
Stegerwald hat in Wahrheit die politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenhänge in Verbindung mit dem Dawesplan und dem Poungplan und die schwierige finanzielle Lage des Reiches im letzten Frühjahr und Sommer auseinandergesetzt und im Anschluß daran ausge- führt, daß, wenn der Poungplan abgelehnt werden sollte, auf den verschiedensten Gebiete drakonische Maßnahmen, darunter auch Lohn- und Gehaltskürzungen, unvermeidbar seien.
Kein Teilnehmer der Versammlungen hat in diesen Darlegungen eine Spitze gegen die Beamten sehen können und gesehen. Im Gegenteil: Die stark besuchten Versammlungen, an denen auch zahlreiche Beamten teilnahmen, sind alle im besten Einvernehmen verlausen.