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Aus -er Wahlbewegung.

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verufsgruppen unb Wahl.

Der Vorstand des Ortskartells Hanau bes Deut- scheu Beamtenbundes veröffentlicht folgende Er­klärung:

Der Deutsche Beamtenbunü ist eine partei-politisch neutrale Organisation und greift in politische Wahlen nicht unmittelbar ein. Er überläßt es vielmehr seinen Mitgliedern, die allgemeinen und beruflichen In­teressen innerhalb ihrer politischen Parteien zu vertreten. Dieser allgemeine Standpunkt gilt auch für die Kommu­nalwahlen. Nur dort, wo die Wahlen nicht durchweg parteimäßig aufgezogen werden und die Beamten die ihnen zukommende Berücksichtigung bei Auf­stellung der Listen nicht finden, kommt die Aufstellung einer eigenen Liste in Frage. Da das Ortskartell Hanau des Deutschen Beamtenbundes über 1600 Mitglieder hat, verfügt es, unter Hinzurechnung der wahlberechtigiSN Ehefrauen und Kinder über schätzungsweise 2600 Wäh­ler. Obwohl also die Aufstellung einer eigenen Liste sehr aussichtsreich wäre, hat der Vorstand unter Würdi­gung aller in Betracht kommenden Verhältnisse von der Aufstellung einer eigenen Kandidatenliste abgesehen. Mit Rücksicht auf die Bedeutung der Kommunalwahlen erwartet er aber von seinen Mitgliedern, daß sie restlos ihrer Wahlpflicht nachkommen und je nach ihrer politischen Anschauung die Listen der politischen Parteien wählen, die die Gewähr leisten, daß sie bei der Förderung der allgemeinen Interessen auch für die Er­haltung und Stärkung des im Brennpunkt des öffent­lichen Meinungsstreites stehenden Berufsbeamten, tu ms eintreten, das sich als Diener der Gesamtheit dem Volksganzen verbunden fühlt.

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Vom Deutschnationalen handlungsgehilfen-Verband wird uns geschrieben:

Im Wahlkampf entdecken plötzlich alle Parteien ihr Herz für die Angestellten. Man weiß, daß die Ange­stellten eine wichtige Wählerschaft darstellen und in der Volkswirtschaft eine bedeutsame Gruppe sind. Insbe­sondere bemühen sich die Sozialdemokraten mit hochtönenden Versprechungen, die Angestellten für sich zu gewinnen, indem sie auf das vermeintliche gemeinsame Arbeitnehmerschicksal, daß die Angestellten mit den Ar­beitern angeblich teilen sollen, Hinweisen. Schlagworte wie „Hand- und Kopfarbeiter sind eins" und „Gewerk­schaften und Sozialdemokratie sind eins" sollen bedeu- ten, daß die Angestellten am besten fahren, wenn sie auch bei den Kommunalwahlen den sozialdemokratischen Listen ihre Stimme geben. Demgegenüber kann nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden, daß die Sozialdemokratie sich immer als ein Feind eines selb­ständigen Angestelttenstandes erwiesen und bei allen sozialpolitischen Gesetzen jede Sonderstellung für die An­gestellten bekämpft hat. Auch trifft das Wort „Sozial­demokratie und Gewerkschaften sind eins" nur auf die freien Gewerkschaften zu. Die Angestellten stellen heute zu einem großen Teil den neuen deutschen Mittel­stand dar Weite Kreise unseres deutschen Mittelstandes sind durch die verheerende Inflation verarmt und aus ihm ausgeschieden. Die kulturelle, bedeutsame Schicht der Angestellten ist mit berufen, den so dringend not­wendigen Mittelstand tn unserem Volke neu zu bilden. Wer Gegner einer kulturlosen und unterschiedslosen Masse eines Volkes ist, sich zu dem Grundsatz bekennt, daß em Volk in verschiedenen Schichten organisch ge­gliedert sein muß, um auf dieser Grundlage eine Ge­meinschaftsarbeit des ganzen Volkes herbeizuführen, der muß sich gegen die Erfasiung der Angestellten durch die alles gleichmachenwollende Sozialdemokratie wehren. Die Sozialdemokratie ist ein grimmiger Gegner einer selbständigen Angestelltenversicherung, die einen Eck­pfeiler für eine eigene Standespolitik der Angestellten darstellt: sie will die Angestellten in die leider sehr weni­ger leistungsfähige Arbeiterinvalidenversicherung ein­gliedern. Ebenso wenig gönnt die Sozialdemokratie den Angestellten ihre besonderen Berufskranken­kassen, weil sie weiß, daß darin eine starke Stütze für eine selbständige Versorgung im Falle der Krankheit in bie allgemeinen, meist von Sozialdemokraten beherrschten Ortskrankenkassen einbeziehen. Dort aber würden die Angestellten, genau wie in der Arbeiterinvalidenverstche- rung, nur gute Beitragszahler fein, im übrigen als Minderheit in der großen Masse der sozialistisch einge­stellten Arbeiter bedeutungslos bleiben. Ein gleiches Beispiel erleben die Angestellten bei der Arbeitslosen­versicherung. Hier bemühen sich die Angestelltenverbände, in Sonderheit der Deutschnationale Handlungsgehilfen- Verband, eigene Crsatzkassen für ihre Mitglieder zu schaf­fen, die gleichberechtigt mit der staatlichen Arbeitslosen­versicherung stehen und besseres leisten würden. Auch inbezug auf das Arbeitsnachweiswesen versucht die Sozialdemokratie, die gemeinnützigen Stellennachweise der Angestelltenverbände zu beseitigen, obwohl diese auf die Eigenart der Angestelltenberufe zugefchnitien sind und vorzügliches leisten Cs ist immer zu beobachten, »aß die Sozialdemokratie für die berechtigten Sonder­wünsche und Sondereinrichtungen einzelner Berufs­stände nichts übrig hat. Wer sich nach ihrer Meinung vor der unterschiedslosen Masse nicht beugt, wird rück­sichtslos bekämpft. Die Angestellten würden deshalb ihre eigene Grube bereiten, wenn sie bei den Kommu­nalwahlen sozialistischen Kandidaten ihre Stimme ge- ben würden. Alle großen sozialpolitischen Gesetze für die deutschen Angestellten sind fast ausschließlich gegen bie Sozialdemokratie und mit den Stimmen der bür­gerlichen Parteien zustande gekommen. Das möge je­

der Angestellte bedenken, wenn er am 17. November an die Wahlurne tritt.

„Wahrheit und Klarheit.

Es wird eine „neue Religion" verkündigt.

Sn einer politischen Versammlung im Fuldaer Stadt­saal wurde einmal von einem Redner der Satz geprägt: „Alle Clowns haben den größten Zulaus, auch die politischen." Wenn ich diesen Satz an den Anfang meiner Bemerkungen über die von Herrn Balthasar Mihm am Samstagabend veranstaltete Versammlung stelle, so will ich damit keineswegs den Redner des Abends zum „Clown" stempeln» sondern nur anbeuten, daß bie Massen, bie zum Stadtsaal geströmt waren, nicht deshalb gekommen waren, weil sie von Herrn Mihm die Rettung der angeblich bedrohten.Stadt Fulda erhoffen, sondern weil sie sich eine Sensation versprachen. Diese Zuschauer kamen auch sicher in mancher Beziehung auf ihre Kosten, zumal noch einige Kommunisten den Abend wirkungsvoller gestalten hal­sen.

Die Versammlung wurde, wenn wir recht gesehen haben, von dem Spitzenkandidaten der Christlich-Sozia­len im Landkreise Fulda, Polsterer Brösle-Bach- rain, geleitet. Zur Einführung verlas er einige Leit­sätze der „Christlich-Sozialen Reichspartei". Im kapi- talistischen System bildeten sich immer deutlicher zwei Klassen heraus, die Ausbeuter und die Ausgebeuteten. Der Mittelstand werde langsam zerrieben; das Riesen­heer des Proletariats wächst immer stärker an, die Pro­duktionsmittel gelangen in den Besitz einer kleinen, mächtigen Schicht. Deshalb seien die Ziele der Christ­lich-Sozialen Partei: die Massen geistig und ethisch zu befähigen, die Macht zu erobern, den Kapitalismus ohne Blut aber mit allen sittlich erlaubten Mitteln zu stür­zen und an seine Stelle das Wirtschastssystem der plan­mäßigen Bedarfsdeckung zu setzen. Das seien die Vor­aussetzungen für eine sittliche Reform. Mit der Er­oberung der politischen Macht seitens der Massen müsse auch eine Vertiefung der sittlichen Auffassung kommen.

Das klingt .ilfo ganz revolutionär, enthält auch sehr viel Richtiges, ist aber durchaus nichts Neues, und vor allem sehr verschwommen. Auch kann bie Christlich- Soziale Reichspartei das Wesentliche ihres Programms nicht als ihr geistiges Eigentum beanspruchen. Man braucht nur manche Reden auf dem letzten Katholiken­tag nachzulesen, das Buch von Dessauer „Kooperative Wirtschaft" durchzublättern, die Stimmung auf vielen katholischen Tagungen zu verfolgen, um zu merken, daß große Teile des katholischen Volksteils und bie Kirche gegen den Kapitalismus mehr ober weniger Front machen, aus der klaren Erkenntnis, daß wahres religiöses Leben nur auf dem Boden gesunder natür­licher Verhältnisse blühen kann. Die Christlich-Sozialen haben deshalb sehr unpolitisch gehandelt, als sie bie Möglichkeit cmfgaben, innerhalb der Zentrumspartei, die doch immer noch die politische Organisation der Katholiken ist unb ohne Zweifel in Zukunft wieder entschiedener und notwendiger sein wird, ihre Erkennt­nisse durchzusetzen. Statt dessen haben sie sich immer stärker isoliert, sind zur Sekte geworden; an die Stelle eines entschiedenen katholischen Glaubens ist ein unklares Christentum getreten. Daß Herr Mihm am Samstagabend als Spitzenkandidat der Christlich-Sozia­len in Fulda auftrat und eine neue Religion verkündete, liegt ganz in der Richtung, in der sich ent Teil der Christlich-Sozialen entwickelt hat. Man denke nur an Milli Hammelrath, den einstigen Jesuiten- Novizen. Diese Entwicklung rechtfertigt auch bie War­nung der Bischöfe. Andere, besonders die Jugendbeweg- ten stehen in starker Opposition zur Reichspartei, be­kennen sich nicht mehr zu ihr, wie die Iugendtagnng in Koblenz gezeigt hat. Nikolaus Ehlen, der den Christlich-Sozialen bei der letzten Reichstagswahl bie vielen Stimmen aus dem Lager der Jugendbewegten gebracht hat, erklärte auf der diesjährigen Mndthorst- bund-Tagung in Osnabrück ganz offen, er würde sich nie wieder als Kandidat der Christlich-Sozialen auf­stellen lassen; bie Partei sei auf dem falschen Wege. Junglehrer Droste, einer der Kandidaten für bie Land­tagswahl, gab eine ähnliche Erklärung ab. Die Christ­lich-Soziale Reichspartei ist kein Faktor mehr, den man in seine politische Rechnung ein­stelle n kann. Ich .hoffe aber, daß bie wert­vollen Kräfte unter der christlich-sozialen Jugend sich wieder mit dein Jungzentrnrn zu einem gemeinsamen politischen Vorstoß zusammen- finben. Voraussetzung dafür ist freilich, daß allgemein bie Erkenntnis wächst, baß man nicht aus lauter Idealismus bie Zentrumspartei, bie dem katholischen Volksteil in Deutschland Achtung und Schlagkraft ver­schafft Hai, zerschlagen hilft. Denn bann wird jede Möglichkeit fehlen, daß aus dem Kathollzismus auf­bauende Kräfte in unser politisches Leben hineinströ­men. der katholische Volksteil wird gesellschaftlich ge­drückt werden und ihm jeder Einfluß auf den Staat und bie Gestaltung der staatlichen Einrichtungen unb Gesetze fehlen.

Der stärkste Eindruck, den die anwesenden Zentmms- leute an der Versammlung des Herrn Balthasar Mihm hatten, war der, daß die Gegner sich zum

Generalangriff gegen den Zentrnmsturm in Fulda sammeln. Eine ganze Anzahl von Parteien hoffen in der Person des Herrn Mihm einen brauchbaren Sturmführer zu finden. Herr Mihm Bat das ausdrück­lich gesagt: er habe sich aber den Christlich-Sozialen zur Verfügung gestellt, weil sie ihm keinen Frak­tionszwang auferlegt und ihm volle Frei­heit gelassen haben. Es scheint sich also das in letz­ter Zeit aufgetauchte Gerücht, daß auch die Bürger­partei sich um Herrn Mihm bemüht, dieser ihr aber einen Korb gegeben habe, zu be­

wahrheiten. Ob nicht manchen „Bürgern" all­mählich die Augen aufgehen? Von den Fuldaer Natio­nalsozialisten hört man ähnliches.

Das erste Auftreten des Herrn Mihm als Bewerber um einen Stadtverordnetenposten — aus einer seiner Bemerkung könnte man sogar entnehmen, daß er sich sogar als ehrenamtlichen Bürgerrneisterfür unsere Stadt präsentiert — hat allgemein enttäuscht. Was er sagte, war zum Teil schon von anderen viel stüher gesagt, war falsch, beruhte auf einem Irrtum usw. Daß die bisherige Politik der Zentrumsfraktion im Stabtparlament verfehlt war, konnte er nicht bewei­sen. Was er aus m setz en hatte, sind Kleinigkeiten, Dinge, bie in Bezirksversammlungen bei Zentrums­organisation in unserer Heimatstadt schon längst kriti- fiert worden sind. Ich werde im einzelnen darauf zu- rückkommen. Seine sogenannten „Enthüllungen" waren so verschleiert und vorsichtig, daß ihn keiner zur Rede stellen kann.

Herr Balthasar Mihm suchte am Anfang feine Spitzenkandidat»:: für die Christlich-Sozialen zu rechtfer­tigen. Er tat das in einer etwas plumpen Weife, in­dem er einigen Sätzen in der „Fuldaer Zeitung" einen sehr willkürlichen Sinn unterschob. Wir hätten geschrieben, weil bie Christlich-Sozialen schärfere Fol­gerungen aus christlich-katholischen Folgerungen gezogen hätten, besljalb seien bie Bischöfe gegen die Partei vorgegangen. An diese Behauptung knüpft er die Frage, ob im Urchristentum so etwas möglich gewesen sei? Herr Mihm sucht also in sehr dreister Weise sogar die „Fuldaer Zeitung" als Kronzeugin für die Be­rechtigung seiner mehr ober mtnber versteckten Anfein­dungen gegen die katholische Kirche anzurufen. Wir haben nur objektiv festgestellt, daß die Christlich-Sozialen mit ben kirchlichen Lehren in Wiberspruch geraten finb, unb baß beshalb ein Einschreiten ber Bischöfe notwen­dig war. Daß sich bie Christlich-Sozialen aber in bem angegebenen Widerspruch befinden, dafür gab ihr Ful­daer Führer, Herr Mihm, durch die Verkündigung der Lehre des Dr. Steiner sogar wieder einen unzweideu­tigen Beweis. Mit ber sozialen Frage hat bas Einschreiten ber Bischöfe nichts zu t u n. Wer bas, wenn auch noch so verblümt, behauptet, lügt. Herr Mihm betätigte sich überhaupt hervorragend als Schriftausleger. Wie er aber den Ausdruck: „Der aus ber Revolutionszeit bekannte Herr Balthasar Mihm" interpretierte, war amüsant. Da aber Herr Mihm genügend bekannt ist, braucht man darüber kein Wort zu verlieren.

Man war allgemein gespannt, was Herr Mihm „ent­hüllen" würde unb was er über „Wahrheit unb Klarheit im Stabtparlament" zu sagen hatte. Per­sönliche Anwürfe gegen Beamte der Stabt würben so angebracht, daß man ben Herrn Mihm nicht fassen kann. Ich habe die Tage nicht gezählt, an denen Oberbürger­meister Dr. Antoni dienstlich außerhalb Fuldas geweilt hat. Daß es oft war, ist nicht feine Schuld. Dr. Antoni war ein Oberbürgermeister, ber auch in ben übergeorb- neten Körperschaften mit Erfolg bie Interessen ber Stabt Fulba wahrnehmen konnte. Deshalb war er ein viel­beanspruchter unb angesehener Mann im Kommunal­landtag, im Landesausschuß des Bezirks Kassel, im Pro­vinzialausschuß ber Provinz Hessen-Nassau, im preu­ßischen Staatsrat, im Reichsstädtebunb. Seine Dienst­reisen als Mitglieb bieser Körperschaften finb nie ohne Vorteile für unsere Stadt gewesen und es ist ebenso klein­lich wie kurzsichtig, bie durch biefe Tätigkeit bebingte häufige Abwesenheit bes Oberbürgermeisters kritisch ge­gen ihn zu verwerten. Hoffentlich erhält Dr. Antoni einen Nachfolger, ber auch außerhalb Fulbas für un­sere Stabt mit Erfolg wirken kann. Für die Zukunft unb ben Fortschritt Fulbas wird bas von größter Be­deutung fein.

Die Verhältnisse im Stabtparlament sind Herrn Mihm sehr unklar. Vieles war birett falsch. Wenn man über bie Kommunalpolitik in Fulda sprechen will, muß man, um ein richtiges Bild zu entwerfen, zuerst sest- stellen, daß die Finanzen ber Stabt in bester Ordnung sind. Kaum eine Stadt in gleichen Verhältnissen hat so einen günstigen Vermögens st and wie Fulda, und dabei sind die städtischen Steuern niedriger als in allen Städten, die man mit Fulda vergleichen kann. Daß bas so ist, ist nicht bas Verdienst bes Herrn Mihm unb berjenigen, bie ihn als Sprachrohr benutzen.

Was Herr Mihm bei ber Besprechung bes biesjähri- gcn Haushaltsplanes über ben Posten von 11 9 0 0 0 Mk. als Miete für bie Kaserne gesagt hat, ist grunbfalsch. Er behauptet, baß bas Regiment mit Bestimmtheit weg­komme unb schließt baraus, baß bann diese Einnahme „in die Binsen" geht Das ist fehlgeschossen. (Vgl. ben Aufsatz: „Garnison und Gemeindewahl" in ber gestrigen Nummer ber „Fulbaer Zeitung.") (Es würbe zu weit führen, wenn man im einzelnen wei­terhin Herrn Mihm richtig stellen wollte. Daß bie Actienbruckerei bie eingesetzten 20 000 Mark für bie An­fertigung neuer Stabtpläne erhält ober erhalten hat, ist eine Lüge. Auch irrt sich Herr Mihm gehörig, wenn er meint, bie 18 000 Mark für Drucksachen flößen ber Actienbruckerei zu. Die Actienbruckerei genießt, obwohl sie ein leistungsfähiges heimisches Gewerbeunternehmen ist, bei ber Vergebung von Druckarbeiten feinen Vorzug. Wir könnten zu biesem Kapitel sogar manches kritische Wort sagen, was wir aber mit Rücksicht auf die anderen beteiligten Fuldaer Druckereibetriebe unter­lassen wollen. Die Veröffentlichung ber Vierteljah­resausweife geschieht übrigens laut gesetzlicher Vorschrift. Bedauerlich, wenn ein Kommunalpolitiker bas nicht weiß.

Was Herr Mihm über bie Sanbhohle unb bie Vade- frage sagte, ist nicht originell. Ich glaube, bie Stabt ist gerne bereit, jebem Hausbesitzer, ber einen Bewohner ber Sandhohle in fein Haus aufnimmt, bie Kosten für ben Ausbau ber Wohnung zu ersetzen. Wegen bes An­kaufs bes für bas Bab benötigten Geländes finb Ver­handlungen im Gange. Alle Schwimmer, auch bie Zen­trumsleute, wünschen, daß sie schneller vorwärts gingen, wobei aber ein „Bodenreformer" wie Herr Mihm, be» denken sollte, daß bie Stabt, um nicht im allgemeinen bte Grundstuckspreise Hochzutreiben, es oermeiben muß,

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bem Fiskus jeben Preis zu bewilligen, bett er

Darum geht zurzeit ber Kampf. an9t.

Auf bie weiteren Angaben bes Herrn Mihm toir>. vielleicht noch zurückgekommen werden. Es ist nur Frage, ob es sich lohnt. Denn, was Herr Mihm vorm bringen hatte, war doch zu gering. Gut war, daß Mihm endlich in seiner Schlußbetrachtung über die Dr Steinersche Lehre seine ablehnende Haltun» zur katholischen Kirche bekannte. Jetzt «e» man wenigstens, woran man ist.

Was die in ber Diskussion auftretenben Kommt, nisten sagten, paßte in ben Rahmen bes Abends. Dak sie die Christlich-Sozialen bezw. Herrn Mihm als Bun. besgenoffen begrüßten, ist bezeichnend. Die Listen.' genossen des Herrn Mihm blieben im Hintergrund. Dem einen oder anbern mag es bebauerlich sein, daß er i« eine solche Gesellschaft geraten ist. In einem Fall tnöch. ten wir eine sehr schwere Gehörstörung unb andere Sor­gen für den Entschluß, in Herrn Mihms Liste zu stehen als Entschuldigungsgrund betrachten. ~

„Ich wähle mehl".

Man schreibt uns:

Hat jemand schon Anhänger der materiali stischen Weltanschauung — ob arm oder reich — sagen hören, daß sie nicht wählen, weil dem Einer dieser, dem Anderen jener Name auf der Bov schlagsliste nicht gefällt? — „Sie Kinder dieser Welt sind in ihrer Art klüger als die Kinder des Lichtes". Hier eint dieselbe Weltanschauung die Proletarier einerseits, die Kapitalisten anderseits. „Ihr Endziel ist das gleiche," das nur mit ver­schiedenen Mitteln erstrebt wird. Die Katho­liken könnten Staunenswertes wirken im Reiche, obgleich sie nur ein Drittel der Bewohner bilden^ wollten sie nur alle so konsequent arbeiten aus Grund ihrer Weltanschauung, wie die Materialisten auf der ihrigen. Sa hört man Katholiken sagen: „Ick wähle nicht, der N. N. ist mir keine RespÄs- person. Zentrumsleute haben mir nicht zu meinem Recht verhalfen, bin materiell geschädigt." Der X und der A (die wohl zur Partei, aber nicht zum Parlament gehören) haben mich bei Aufträgen übergangen und selbe an Mitglieder anderer Pare teien übergeben." „Das Zentrum hat bei der Aus­wertung nicht seine Schuldigkeit getan!" Wie viele andere Ausreden mögen noch diese Nichtwähler vorbringen. In erster Linie gilt es auch für das Zentrum das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit zu suchen. Denn, „die Gottseligkeit ist zu allem nütze." „Dem Gerechten wird es an keinem Gute mangeln." Der Materialismus bringt nohrenbtg den Kampf Aller gegen Alle. Die katholische Kirche hat ein unfehlbares Lehramt. Welche andere Re­ligionsgemeinschaft kann sich dessen rühmen? Da hört der Katholik die ewigen Wahrheiten über Ziel und Ende des Menschen; über Familie, Eigen­tum, Staat u. s. w. Das Zentrum muß diesbe­zügliche Forderungen auf obige Wahrheiten gründen. Welche Partei besitzt eine solche „Säule und Grundfeste der Wahrheit," die selbst unwür­dige Zentrumsvertreter in den Parlamenten nicht zu erschüttern vermögen? Diese Zeilen richten sich an die Glaubensgenossen. Sagt z. B. Einer, daß er nicht wähle, weil ihm dieser oder Jener nicht paßt, bann fagt ihm: Du mußt trotzdem wählen. Willst du unfern Gegnern eine Freude bereiten? Zunächst ist unsere Weltanschauung zur Geltung zu bringen; oder sollen neben den krassen Materia­listen auch jene hochkommen, deren Morgen- und Abendgebet ist: Wirtschaft! Wirtschaft Wirtschaft! Besitzrecht! Besitzrecht! Besitzrecht! Mieterschutz, Mieterschutz! Mieterschutz!

Also wähle! Bedenke, wenn Feuer ein Eigen­tum bedroht, daß man da zunächst die wertvollsten Güter zu retten versucht. Laß die Wahlen nicht deinen Verstand verwirren, wie es schon bet Brän­den geschehen sein soll, daß die Heimgesuchten um ihr Porzellan zu retten, selbiges zum Fenster btnausroarfen, dagegen Federdecken. Kleiber, Wäsche u. bergt, sorglich aus dem Hause getragen haben. Nochmals wähle! Laß dich weder durch Verstimmung noch durch die Reden oder Schriften der Gegner abhalten so zu wählen, wie du als katholischer Christ es vor Gott verantworten kannst.

Neues in kürze.

Unter bem bringenben Verdacht, ber Mörder ber 36jährigen Margarete Seidel zu sein, wurde in Bre­merhaven der etwa 40jährige angebliche Kunstmaler Ernst Stoll fest genommen.

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Der Frühexpreß Atlanta—Cincinnati ifi bei Oakbale entgleist. Drei Eisenbahnangestellte und ein Passagier würben getötet. Neun Personenwagen, irt denen sich Ausflügler befanden, stürzten um. In Chat- tanooga ist ein Hilfszug mit 40 Verletzten eingetroffen.

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(Einen eigenartigen Selbstmord verübte in Curtißfield (Lang Island) ein junges Mädchen. Es mie­tete sich ein Flugzeug zu einer Rundfahrt unb [prang in einer Hohe von etwa 600 Meter aus bem Flugzeug ab.

Druckfehlerberichligung.

„Der Sonntag in Rußland". Die katholischen Sozialpolitiker, die für die Sonntagsruhe eintre­ten, hießen Buß (nicht Leuß) und Ketteier.

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