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Erscheint iechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

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Ui* 2ü0 Lm und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

Samstag, S. November 1929

56. Zahrg

:: Leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151,

Franzosen wird von gut informierter Seite fol­gendes ausgeführt: Die Räumung der dritten Zone, ,zu der auch Kreuznach und der Mainzer Brücken­kopf gehört, kommt zunächst hier nicht in Frage, sodaß von einem Stoppen der Räumung hier nicht gesprochen werden kann. Abtransporte aus der drit­ten Zone erfolgen zurzeit infolge des Ersatzes der alten Mannschaften durch Rekruten. Treffen diese, wie das z. B. für Mainz festgestellt werden konnte, nicht programmäßig ein, so ist eine Aenderuno der Abmarschbefehle für die alten Truppen notwendig. Diese Abänderung mit dem französischen Kabinetts­wechsel zu motivieren, liegt kein Grund vor.

I Niederungen und alle wichtigen Hafenplätze nicht im Gebiete dieser Monarchien liegen. Denn der größte Teil Indiens mit rund 250 Millionen Men­schen liegt im Bereich der sogenannten Provin- o e n, an deren Spitze ein englischer Gouverneur steht. Aber die Herrßhaft dieser englischen Gouver­neure ist längst nickt so uneingeschränkt wie die der indischen Fürsten. Es gibt überall Parlaments, zu denen nur etwa 2J4 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt ist. Diesen Parlamenten ist wenig­stens ein Teil der Minister verantwortlich. Be­greiflicherweise fällt nicht gerade der wichtigste Tel der Verwaltung in das Ressort dieser verantwort^ lichen Minister. Die übrigen ernennt und ent­läßt der Gouverneur nach eigenem Gutdünken. Ar der Spitze der gesamtindischen Verwaltung steh! nun der V i z e k ö n i g, wie der Titel des General- aouoerneurs lautet. .Ihm untergeordnet ist ein Parlament, bestehend aus Oberhaus und Unter­haus. Das Oberhaus oder der Staatsrat ist zur Hälfte gewählt und zur Hälfte ernannt. Das Un­terhaus^ oder verfassunggebende Versammlung ist zu zwei Drittel gewählt und zu ein Drittel er­nannt. Die Engländer haben sich zwar daran ge­wöhnt, die Abstimmung dieses Parlamentes soweit wie irgend möglich zu respektieren, aber staatsrecht­lich sind sie nicht dazu gezwungen — beide Kam­mern haben in der Hauptsache nur beratende Be- iugnisse.

Ehe wir die Unterschiede dieser bisherigen Staatsform zu der versprochenen andeuten, möch­ten wir an die früheren Zustände erinnern. Die beratenden Befugnisse des zentralindischen Parla­mentes und dis Institution der verantwortlichen Minister in den Provinzen bestehen erst seit dem Kriege. Die Unantastbarkeit der indischen Monar­chien wurde von den Engländern vor der Errich­tung des Kaiserreichs nicht respektiert. Die indi­schen Provinzen sind ja dadurch entstanden, daß die ostindische Gesellschaft irgendeinen Streit mit einem solchen Maharadscha vom Zaune brach und nach seiner Besiegung das Land einfach einzog.

Wenn der Bizekönig nun die Verfassung eines Dominion versprach, so kann doch nicht davon die Rede sein, daß in Britisch-Indien über Nacht eine moderne Demokratie wie Südafrika, Austra­lien oder Kanada würde. In diesen englischen Do­minions wird der Gouverneur (der als Staatsober­haupt die Stelle eines Staatspräsidenten einnimmt) zwar von der britischen Krone ernannt, ist aber doch tn seinen gesetzgeberischen Befugnissen fast völlig von den freigewählten Parlamenten der Dominions abhängig. Aber selbst bte indischen Füh- !;£r. können nicht wünschen, daß der indische Vize­könig in seinen Befugnissen so beschnitten wird; und das englische Mutterland kann es noch viel weniger zugeben. Der heikle Punkt betrifft natür­lich das Wahlrecht. Die Demokraten in Ka­nada, Australien und Südafrika beruhen auf der .ortgeschrittenen Bildung der zahlenmäßig übrigens geringen Bevölkerung (Australien hat etwa 6 Millionen, Kanada 9 Millionen Einwohner). Dec größte Teil aber der indischen Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben. Das Wahlrecht muß hier abgestuft werden, am wahrscheinlichsten dürfte ein korporativer Aufbau auf Grund eines indirekten Wahlrechtes werden.

Doch auch diese Zugeständnisse erschrecken viele Engländer. Im Unterhaus wurden in diesem Zu- ammenhang der Arbeiterregierung schwere Vor­würfe formaler und sachlicher Natur gemacht. Die formalen Vorwürfe beziehen sich auf den Zeit­punkt des Manifestes: Macdonald habe den Be­richt der Simon-Kommission, welche gerade eine Cnquente über Indien veranstaltet hat, nicht ab­gewartet; und außerdem habe das englische Paria-

Kommunisien-Terror.

wtb. Hamburg. 8. Noo. (Eig. Meldg.). In der vergangenen Nacht versuchten Kommunisten an mehreren Stellen der inneren Stadt zu demon­strieren. Die Ordnungspolizei löste die einzelnen Züge auf und machte, da tätlicher Widerstand ge­leistet trurbe, von ihren Gummiknüppeln Gebrauch. Ein schwerer Zusammenstoß ereignete sich auf dem großen Neumarkt, wo ungefähr 500 Kommunisten die einschreitenden Beamten angriffen und mit Mauersteinen, Bauholz und Asphaltbrocken bewar­fen. Auch aus den Fenstern der umliegenden Häusern wurden Gegenstände auf die Beamten ge­schleudert. Unter Johlen, Pfeifen und Rufen wie „Schlagt die Bluthunde tot" drang die Menge aus die Beamten ein, bi» schließlich von ihren Schüße waffen Gebrauch machten, worauf bie Angreife' flüchteten. Drei Personen konnten festgenomme' werben, mehrere Beamte sinb burch Steinwürfs verletzt worben. Ob sich auch unter ben Kommu­nisten Verletzte befinben, ist nicht bekannt.

ferslautem getroffen worben. 46 Autolinien dienten als Vorwanb für Manöver mit Last­automobilen von 40 PS. Motorenkraft. Deutsch- lanb baue fünf Autostraßen, auf benen die beut« scheu Divisionen binnen zwölf Stunden über die belgische und luxemburgische Grenze für einen neuen Einfall nach Frankreich herantransportiert werden können. Ueber die Saarfrage zu verhan­deln, wäre zurzeit ein großer Fehler. Stresemann und General von Sekt hätten aus dem Versailler Vertrag ein Instrument des deutschen Wiederauf­stiegs gemacht. Es dürfe keinen Franzosen geben, der es nicht als feine absolute Pflicht betrachte, die Augen offen zu halten und an dem Wohl des Landes zu arbeiten.

Nach der Rede Franklein Bouillon, die a n d i e schlimmsten Zeiten der Jahre 1920 bis 1923 erinnert, ergriff der sozialdemokratische Abg. Frossart das Wort, um seine Interpellation über die allgemeine Politik der Regierung zu be­gründen.

Mit starkem Sarkasmus spottete er über das vielköpfige Ministerium und dessen heterogene Zu­sammensetzung. Er fragte Briand, ob er die Poli- tik von Locarno oder die von Bar-le-Duc betrei­ben wolle, ob er zu Maginot sich bekehrt habe oder Maginot zu Briand? Die europäische Ent­spannung und die Friedenspolitik seien das wich­tigste. Briand müsse deutlich erklären, wie er mi diesem Kabinett seine Politiker fortfetzen wolle.

Der Abg. Cachin wandte sich gegen die Regie­rungserklärung, die er als ein Sammelsurium von Versprechungen bezeichnete. Er griff Tardieu als Innenminister wegen feiner Kommunistenvrfolgun- gen an.

Hierauf wurde die Weiterberatung auf Freitag nachmittag vertagt.

des Reichstags, fchaft in allen ihren Teilen diejenige feste und Dauerhaftigkeit versprechende Basis geschaffen werden kann, die ihr im Interesse des Wiederauf­baus unseres Vaterlandes unerläßlich ist.

*

Wie dem Düsseldorfer Berichterstatter der „Köl­nischen Zeitung" aus Kreisen der rheinisch-west- Mischen Wirtschaft versichert wird, werde Reichs­tagsabgeordneter Professor Dr. Mvldenhauer (Köln) mit der Leitung des Reichswirtschaftsmini­steriums betraut werden. Mit seiner Ernennung sei bereits am Samstag zu rechnen.

Wie die „Kölnische Zeitung" weiter erklärt, hat Professor Moldenhauer, der am 9. November von seiner Amerikareise zurückkehrt, bereits tele­graphisch seine Zustimmung gegeben, den Posten des Reichswirtschaftsministers zu übernehmen.

Der Schritt des Zentrums.

Die Auffassung der Zenkrumsftaktion fehl sich durch.

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Der Schritt der Vertreter der Zentrumsfraktion im Rechtsausschuß hat von der zentrumsgegneri­schen Presse eine sehr verschiedenartige Deutung er­fahren. Man wollte dieses Vorgehen des Zen­trums sogar mit der Frage der Umbildung, bezie­hungsweise Ergänzung des Reichskabinetts in Ver­bindung bringen.

Davon farm natürlich nicht im geringsten die Rede fern. Das Vorgehen des Zentrums steht in keiner Wetze in Zusammenhang mit dieser Kabi- nettsergän5ung. Es handelt sich vielmehr darum, daß das Zentrum die Dinge an einem Punkte an­gelangt sah, an dem für die Zentrumspartei in Wahrung ihrer grundsätzlichen Auffas- s u n g e n noch weiter nachzugeben einfach eine Un­möglichkeit war.

Als die gegenwärtige Koalition gebildet wurde, hat das Zentrum, da es sich über die Haltung der Koalitionspartner in Bezug auf kulturpolitische Fragen keiner Illusion hingab, bindende Abma­chungen dahingehend gefordert, daß solch« Fragen grundsätzlicher Natur nur im vollen Einvernehmen mit sämtlichen Koalitionsbeteiligten in Angriff ge­nommen und durchgeführt werden können. An diese Abmachungen hat sich die Gegenseite nicht gehal­ten. Immer wieder drängte man, trotzdem wahr­haftig übergenug an anderen politischen und wirt­schaftlichen, unmittelbar aktuellen Fragen zu behandeln war, just auf die Beratung der Reform der Ehescheidung. Seit April hat das Zentrum aeroamt und immer wieder vergeblich versucht, seinen grundsätzlichen Auffassungen auch bei den anderen Parteien Respekt und Geltung zu verschaf­fen. Nachdem auch ein dahingehender Schritt beim Reichskanzler erfolglos blieb, gab es für das Zen­trum gar keine andere Möglichkeit, als nachdrück­lich die Gegenseite an ihre Verpflichtung zu erin­nern.

Die Aktion des Zentrums hat nun zu dem ge­wünschten Ergebnis geführt. Der Reickskanzler hat den vom Zentrum feit Monaten geforderten

Die englische Arbeiterregierung fällte eine Ent­scheidung, welche die Weltgeschichte als einen der großen Wendepunkte in der Entwicklung des bri­tischen Reichs aufzeichnen wird. Diese Entscheidung betrifft Indien; sie ist ebenso groß wie der Eut- scklluß der Königin Äiktoria, nach dem indischen Bürgerkrieg 1858 der ostindischen Kompanie die indischen Provinzen wegzunehmen und aus ihnen ein englisch-indisches Kaiserreich zu machen.

Lord Irwin, Bizekömg von Indien, hat im Auf­trage der englischen Regierung von seiner neuen Residenz Neu-Dehli aus ein Manifest an In- dien erlassen, in dem Indien die Verfassung eines Dominion versprochen wird.

„Wir schätzen die Aufrichtigkeit dieses Mani­festes. Wir hoffen, gemeinsam mit der Regierung seiner Majestät einen Entwurf für die Dominion- Derfassung aufftellen zu können, wie es Indien be­sonderen Bedürfnissen entspricht; freilich müßten besondere Notwendigkeiten erfüllt werden und manche strittige Punkte noch geklärt." So beginnt die Antwort Gandhis, Motilal Nehrus, Mala- viyas Alis, Sastris, Annie Besants, Patels, Nai- dus, Sen Guptas und anderer bedeutender Führer und Führerinnen der indischen Nationalbewegunq auf das Manifest des Vizekönigs. Sie fordern dann eine Amnestie, Heranziehung zu den kommenden Verhandlungen und Berücksichtigung des Nationul- kongreffes. „Wir halten es für sehr wesentlich, daß die Oesfentlichkeit Indiens fühlt, daß von heute ab eine neue Aera beginnt." Auch die indischen Für­sten, für die der Maharadscha von Bikaner Wort­führer ist, begrüßten das Manifest des Vizekönigs. „Die indischen Fürsten blicken auf die Einheit In­diens wie ihre Freunde die politischen Führer in den indischen Provinzen. Die Fürsten müssen nur darauf bestehen, daß bei der Errichtung des Do­minions auch ihre Meinung eingeholt wird."

Damit hat die britische Regierung einen außer­ordentlichen Erfolg errungen. Wenigstens in Indien. Denn trotz der Vorbehalte, welche die indischen Führer in dem oben erwähnten Schrift» stücke machen, kommt doch ihre Zufriedenheit mit dem britischen Schritt unumwunden zum Ausdruck. Dieselben Führer aber haben noch vor einem Jahre der englischen Regierung mit Steuerstreik, Gehor­samsverweigerung und Boykott gedroht, Drohun­gen, hinter denen nichts anderes als allgemeine Rebellion lauerte, denn es wäre ausgeschlosien, daß die Wünsche Gandhis in Erfüllung gingen, einen solchen Freiheitskamvf unblutig zu führen. Die englische Regierung kann sich rühmen, die Gefah­ren, welche aus Indien über das brstllcke Weltreich heraufftiegen, zerstreut tu haben. Mit dieser Er­klärung des englifcken Bitekönigs ist Indien fester in der Hand Englands als je zuvor.

Nicht so zuirieden ist die Stimmung in England. Niemand gibt gern Rechte• auf, die er besitzt und ererbt bat. Niemand verzichtet gern reiwillig auf Titel und juristische Ansprüche,' zu­mal wenn sie viel Geld einbringen. Das ist auch der Fall der meisten englischen Großen mit In­dien.

Der heutige staatsrechtliche Zu st and Indiens fft etwa dec: von den 320 Millionen In- ■ i)em leben 70 Millionen in ziemlich unumschränk­ten Monarchien, deren Zahl einige hundert beträgt. Solche Monarchien gibt es in allen Grö­len von Haiderabad anaefangen, dessen Aerrfdjer „Nizarn" eine Würde hat, "bie zwischen Königtum und Kaisertum liegt, bis zu den kleinen Dorfteu- dalen. die mehr Gutsherren mit eigener Gerichts­barkeit gleichen. Die Enalönder taffen in gewissen Grenzen diese Fürsten macken, was sie wollen. Die 4-ribute. welche sie dort erheben, sind relativ ge­ring. Sie können das, weil der wertvollste Teil Indiens, vor allen Dingen die fruchtbaren Fluß-

politischen Schritt in dieser für das Zentrum le­benswichtigen Frage der Ehescheidungsreform un­ternommen und damit ergab sich eine veränderte Situation, die es den Zentrumsoertretern ermög­lichte, an den Verhandlungen des Rechtsausschus­ses wieder teilzunehmen. Praktisch wird es bar» auf hinauskommen, daß die Frage der Eheschei­dungsreform, in welcher die prinzipielle Stellung­nahme des Zentrums unentwegt dieselbe bleibt wse bisher, parlamentarisch nicht weiter behandelt wird, daß man vielmehr zunächst mit den unmittel» bar drangenben politischen unb wirtschaftlichen ^omemert unb sie einer Lösung entge­

genführt. Wirb bann bie Ehescheibungsfrage er» neut jur Debatte gestellt, bann wird das Zentrum mit derselben Entschiedenheit, wie das jetzt der Fall war, feine grundsätzliche Auffassung auch den Koa­litionspartnern gegenüber wahren.

2^6 die Stellungnahme des Zentrums rein sachlicher Natur und keineswegs etwa durch personale Wünsche beeinflußt ist, ergibt sich schon daraus, daß das Zentrum es für eine Notwendig­keit halt, gerade in diesem Augenblick das Justiz» salmsterium beizubehalten, um die Inangriffnahme wlcher Grundsatzfragen in einem der Zentrumsauf- faffung nicht entsprechenden Sinne zu verhindern. Die Forderung des Zentrums aber nach besserer Vertretung im Kabinett angesichts der Last der Ver­antwortung, die das Zentrum zu tragen hat, bleibt nach wie vor bestehen. Das Ziel der Zentrums­partei ist nichts anderes, als die Sicherung einer Koalition unb Regierung, bereu Mitglieber ver­antwortungsbewußt ihre Kräfte zum Wohle ber Gesamtheit einsetzen.

* Keine Unterbrechung der Räumung. Zu ber

angeblichen Unterbrechung ber Räumung burch bie

Das Manifest an Indien

Von Dr. Alphons Nobel.

FnldaerZeitung

Anzeiger für bie Stabt Fulda unb ben Lanbkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

In ber französischen Kammer unb im Senat wurde bie Erklärung ber neuen Regierung Tarbieu- Srianb verlesen. Es kam im Anschluß baran zu einem scharfen Vorstoß gegen bie Haager Verhanb- lungsergebnisse. Der Abg. FranklinBouil- lon kritisierte bie Haltung ber französischen Ver­treter im Haag unb forberte Aufklärung über eine Reihe von Punkten, insbefonbere bie Liquibations- fragc unb bie Reparationsbank, sowie über bie Kommerzialisierung ber deutschen Schulden. Frank­reich habe in finanziellen Fragen und in Sicher­heitsfragen nachgeben müssen. ‘ Warum solle man sich wegen des Poung-Planes überstürzen? Dis amerikanische Regierung habe ein Sonderabkom­men mit Deutschland abgeschlossen, so daß sie keine Fühlung mit der Bank haben werde. Franklin Bouillon fragte sodann: Liegt es im Interesse Frankreichs, die

Räumung der dritten Zone

zu beschleunigen? Die Anwendung des Boung- Planes basiere dann einzig und allein auf der Ehrlichkeit und dem guten Willen Deutschland. Die Garantien, die Frankreich besessen habe, kämen in Fortfall. Franklin Bouillon erklärte zum Volks­begehren, bie Hugenberg-Presse und vier Millio­nen Deutsche lehnten mit Gleichmut den Doung- Plan ab, ber boch ber Triumph ihres Laubes sei, weil sie bie Politik bes Haffes vorzögen. Das sei die sehr ernste Wahrheit.

Deutschland bereite einen modernen Krieg

in ben Gegenben vor, bie bie Franzosen ohne Ga­rantien verlassen wollen. Bei Trier habe man 16 Rangierlinien für bie Mobilisierung von 110 Zügen angelegt, während ber Verkehr solche Rangierlinien nur für vier Züge benötigt. Aehnliche Vorbereitungen seien auch bet Kai-

Das Programm

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben:

Der Beschluß der Parteiführer, den Reichstag möglichst rasch einzuberufen, kann nur durchaus begrüßt werden. Schon allein die mit der Ein­bringung und der Annahme des Volksbegehrens verknüpfte politische und wirtschaftliche Unsicher­heit nötigt zu einer raschen Klärung der Lage. Darum wird der vielleicht schon am 27. November, spätestens aber am 2. Dezember zusammentretende Reichstag in erster Linie dieses sogenannte „Frei­heits-Gesetz errebigen, um bann noch vor Jahresschluß den Volksentscheid durchführen zu können.

Erst mit dem Abschluß dieser Aktion wird man auf festerem parlamentarischen Grunde stehen. Erst dann wird man auch zu einer einheitlichen Kräft e - anspannung für bie Erleb igung bes Etats und für bie Beratung des Poung-Plans unb ber damit untrennbar verbundenen Wirtschasts- und Finanzreform kommen können.

Man möchte nur wünschen, daß sich angesichts so großer Aufgaben, die richtunggebend für auf viele Jahre hinaus berechnete politische und wirt­schaftliche Maßnahmen sein werden, nun auch als­bald eine möglichst große Front aller positiv schaffenden Elemente im Parlament zusammen- findet, die der Verantwortung der Stunde sich bewußt und bereit sind, das Mandat, das sie vom Volk erhalten haben, auch im Interesse des Staats­und Dolksganzen auszuüben. Es wird sich, wenn der Reichstag zu neuer Arbeit schreitet, rasch Herausstellen, ob das möglich ist und ob auf Grund der kommenden Betätigung des Parlaments die Äng gerechtfertigt ist, daß das gewaltige lwerk auch wirllich mit vereinter Kraft in Angriff genommen und durchgeführt werden kann.

Der Reichstag wird bei seinem Zusammentritt eine ganze Reihe toidjtiger Gesetzentwürfe vor­finden. Unter denjenigen Gesetzen, die politisch von größerer Bedeutung, aber auch geeignet sind, die politisch-parlamentarischen Schwierigkeiten wie­der neu aufzuzeigen, ja vielleicht noch verstärkt in die Erscheinung treten zu lassen, wären neben dem „Freiheits"-Gesetz auf Grund des Volks­begehrens noch zu nennen das Gesetz zum Schutze der Republik und das Gesetz zur Abfindung der Standesherren. Dazu kommen umfassende Aktio­nen wirtschaftlicher Art, unter denen die agrar- politischen hervorragen, denen eine besondere I Dringlichkeit zugesprochen werden muß angesichts der geradezu existenzvernichtenden Zuspitzung der Notlage der Landwirtschaft in allen Teilen Deutsch­lands. Der Ausfall der Kaufkraft der Landwirt­schaft, die gerade um diese Jahreszeit ganz be­sonders fühlbar in di« Erscheinung getreten ist und befruchtend auf den Kreislauf der Wirtschaft wirfte, macht sich jetzt schon in verhängnisvoller Form im Rahmen der gesamten deutschen Volks- schast bemerkbar.

Die kommende Reichstagstagung wird die Probe aufs Exempel dafür abgeben müssen, ob nun mit Hilfe der politischen Kräfte der deutschen Wirt-

Wem hat Hugenberg genützt?

Die französischen Rationalisten verwerten das „Volksbegehren" der deutschen Rationalisten gegen Deutschland. — In der sranzö- fischen Kammer kann Franklin Bouillon eine Rede hatten, die an die schlimmsten Zeiten von 1920—1923 erinnert. — Werden

i die Völker ihre nationalistischen Störenfriede abschütteln?

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