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Donnerstag, 7. Hot). 1929

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Der Berliner Oberbürgermeister erklärt.

auch immer die Entscheidung über den Poungplan falle, unter allen Umständen zu gleicher Zeit die schwerwiegenden Fragen der inneren Ordnung, in erster Linie einer vernünftigen Finanzreform und Lastenverteilung gelöst werde. Das sei eine Auf­gabe von solcher Positivität, daß für sie Stadt und Land, Ost und West, alle Kreise der Verständigen, und zwar im Kampf gegen den Sozialismus, zu« fammengefaßt werden müßten.

* Emigrantenverhaftungen in Litauen. Aus Kowno wird gemeldet: Die Polizei hat in dem in der Nähe der Grenze gelegenen Orte Vievis zwei Pletschkaitis-Anhänasr aus dem 38 Klm. entfernten Wilna verhaftet." Man fand bei ihnen vier Re­volver, zehn Bomben und eine Höllenmaschine, die im Augenblick der Verhaftung explodierte. Sie erklärten, nach Litauen aekommen zu sein, um das Militärkasino und die Polizeidirektion in Kowno in die Luft zu sprengen. Instruktionen und Geld rehielten sie von einem gewißen Vavlauskas, dem aegenwörtigen Leiter der Organisation litauischer Emigranten tn Polen

3. Zwischen den ©ebrübern Sklarek und mir oder meiner Familie haben niemals persönliche oder gesellschaftliche Beziehungen irgendwelcher Art bestanden. Ich und meine Familie sind niemals bei ihnen zu Gast gewesen, ebenso wenig wie die Gebrüder Sklgrek bei uns.

4. Eine Begünstigung der Gebrüder Sklarek durch mich ist niemals erfolgt und auch niemals

Die Saar>Verhandlungen.

Dr. h. c. Hermann Röchling nicht der Führer der deutschen Delegation bei den Saarverhandlungen.

In diesen Tagen wurde in verschiedenen Blät­tern das Gerückt verbreit-st. daß Kom.-Rat Dr. h. c. Hermann Röchling zum Führer der deutschen Dele­gation bei den bevorstehenden Saarverhandlunzen ernannt worden -fet. Herr Kom.-Rat Dr. h. c. Hermann Röchling-Völklingen ermächtigt uns zu der Mitteilung, daß dies Gerücht in. jeder Form unzutreffend sei und erklärte, daß in dieser Angelegenheit niemals eine Anfrage an ihn er­gangen sei, und daß man im Saargebiet die Wahl des Staatssekretärs Simson allgemein als eine sehr glückliche aniehe.

Prinz Max von Vaden f.

wtb. ftonftanj, 6. Roo. (Tel.). Prinz Max von Baden, der letzte kaiserliche Reichs­kanzler, ist heute früh 5.45 Uhr gestorben.

*

wtb. Konstanz, 6. Nov. (Eig. Meldg.). Zum Tode des Prinzen Max von Baden erfahren wir, daß gestern abend um 8.30 Uhr eine katastrophale Verschlimmerung im Befinden des Prinzen ein­trat. Von 9 Uhr ab machte der Kräfteversall so jähe Fortschritte, daß mit dem Ableben des Prin­zen stündlich gerechnet wurde. Um 5.45 Uhr mor­gens ist der Prinz dann ruhig und ohne Schmerzen entschlafen.

Die Ueberführung der Leiche wird nach Salem, dem letzten Wohnsitz des Prinzen erfolgen. Die Beisetzung findet voraussichtlich in der dortigen Familiengruft am Freitag statt. Zur Beisetzung werden sämtliche Verwandte des Prinzen und fei­ner Gemahlin erwartet. Auch die früher? Groß­herzogin von Baden wird an den Beisetzunssfeier- lichkeiten teilnehmen. Die Mutter der Prinzessin, die Herzogin von Cumberland, ist am Dienstag in Konstanz eingetroffen.

der Reichshauptstadt verhaftet.

, in Frage gekommen. Ich habe niemals auf ihre Lieferungsgeschäfte oder Kreditgeschäfte Einfluß genommen oder auch nur Einfluß zu nehmen ver­sucht. Nach der Dezernatsverteilung und der be­stehenden Organisation habe ich mit den Liefe- rungs- und den Kreditgeschäften zwischen den Ge­brüdern Sklarek und der Stadt nichts zu tun gehabt.

5. Es ist mir niemals gemeldet worden, daß dw Gebrüder Sklarek hohe Millionenkredite von der Stadtbank erhalten haben. Ich habe von den ho­hen Millionenkrediten der Gebrüder Sklarek erst während der zweiten Hälfte meiner Amerikareile erfahren. Ich bin von jeher grundsätzlich gegen hohe Kredite der Stadtbank an private Unterneh­men gewesen. Ich habe bereits im Jahre 1925 mit dem damaligen Stadtkämmerer und dem Ge­schäftsführer Schmitt von der Berliner Stadtbank ausdrücklich vereinbart, daß hohe Kredite der Stadtbank an Private nicht gegeben werden sollen.

6. Ich verurteile aufs schärfste, daß zwischen den Gebrüder Sklarek und der Stadt Berlin ein Monopolvertrag ohne die städtischen Körperschaf­ten abgeschlossen worden ist. . Ich habe von diesem Vertragsabschluß erst in Amerika gehört.

Alle Behauptungen, die mit den vorstehenden Erklärungen nicht übereinstimmen, sowie allen sonstigen über mich aufgestellten Behauptungen, die darauf hinauslaufen, daß ich unerlaubte Vor­teile irgendwelcher Art in Anspruch genommen habe, sind unwahr und werden von mir gerichtlich verfolgt werden.

(Gez.) Böß, Oberbürgermeister."

Der Untersuchungskommissar des Oberpräsiden­ten hat dem Oberbürgermeister mitgeteilt, daß das Geheimkonto „Gustav" nach dem Ergebnis der Er­mittelungen n i ch t s mit feiner Person zu tun hat.

Aus Parteikreisen wird uns geschrieben:

Die für Mittwoch, den 6. November, vorge­sehene Besprechung der Parteiführung der Regie­rungsparteien hat eins sehr große Bedeutung für die kommenden schweren Entscheidungen des Win­ters.

Wenn beschlossen wird, daß Minister Dr. Eur- tius endgültig das Reichsaußenministerium über­nimmt, wird die Frage seiner Nachfolgerschaft akut. Wir kennen die Wünsche und Forderungen der Deutschen Volks Partei, die darauf hinzie­len, unter allen Umständen wieder das Reichs­wirtschaftsministerium zu besetzen. Es sind in erster Linie Wirtschaftskreise, denen persönliche Interes­sen näher zu liegen scheinen als die Interes­sen des Staates und des gesamten Volkes. Gegenüber diesen Bestrebungen der Deutschen Volkspartei haben trir berechtigte Bedenken, die nur auf sachlichem Gebiet liegen und in keiner Weise personelle Wünsche betreffen. Wir wieder­holen, was unser Führer Prälat Dr. K a a s schon in Dortmund ausgesprochen hat:

„Die Zentrumspartei hat in klarer Erkenntnis ihrer vaterländichen Pflicht sich entschlossen, trotz starker kritischer Einstellung in den Einzelheiten, ihre positive und entschlossene Mitarbeit zur Ver- ffigung zu stellen. Sie besitzt im gegenwärtigen Kabinett kein Ministerium von ausschlaggebender Bedeutung. Trotzdem hat sie sich dazu entschließen müssen, einen über ihre personale Vertretung hin- ausgehenden Teil der Regierungslasten und Re­gierungsverantwortungen zu tragen. Die nicht sel­ten hervortretende Verantwortungsscheu anderer Koalitionspartner, sowohl rechts wie links, hat mehr als einmal durch unsere Initiative überwun­den werden müssen. Dieser Zustand ist aus die Dauer nicht tragbar."

In diesen Erklärungen ist alles ausgedrückt, was wir auch bei den kommenden Besprechungen dem Reichskanzler zu sagen haben. Dazu kommt noch ein anderes gleichwichtiges Moment. Wir ha­ben früher schon darauf hingewiesen, daß die Zu­stände, wie sie sich in den Verhandlungen im Strafrechtsausschuß des Reichstages herausstcllten, bei den Beratungen über die Gotteslästerung, die Erleichterung der Ehescheidung, es uns nicht mehr möglich machen, den anderen Koalitionsparteien gegenüber Rücksicht zu nehmen, welche in keiner Weise den Standpunkt des Zentrums respektieren. Wir pflichten hier vollkommen den Ausführungen des Führers der Reichstagsfraktion der Bayerischen Volksvartei, Prälat Leicht, bei, die er in Bam­berg jetzt machte. Wir stehen in einer geschloffenen Front mit der Baneriichen Bruderp'artei. Das mögen sich die i!bria°n Parteien merken. Sie wer­den auf Granit beißen.

Gerade diese Fragen spielen für das Zentrum bei der Neubesetzung des Reichswtrtfchaftsministe- j riums ebenfalls eine große Rolle. Wir werden keine Verantwortung äblehnen, aber die Respek­tierung unseres Standpunktes in allen Fragen mit vollem Nachdruck verlangen.

*

Der Rechtsausfchuß des Reichstags verhandelte «m Mittwoch in Abwesenheit der Zentrums­vertreter überdieReformdesEherechts weiter.

kommt die Besinnung?

Die deutschnationalen Siegesglocken ob des „er­folgreichen" Ausganges des Hugenberschen Volks- I begehrens sind bereits verstummt, und wenn auch I hie und da in der Provinz noch der Mund recht voll I genommen wird, in der Führung der Partei sehen die Gefühle erheblich anders aus. Man hätte I nicht glauben sollen, daß diese Besinnung so schnell I kommt, aber schon hat die Kritik an der Hugen- I bergschen Führung an prominenter Stelle die I Flucht in die Oesientlichkeit ergriffen. Es gibt I deutschnationale Kreise, die am liebsten bereits das I Signal geben möchten: „Das Ganze halt!"

Man lese nur die „Deutsche Tageszeitung" vom I 3. Nov. Das Blatt findet, wie schon mitgeteilt, j es als einen traurigen Nachteil der Hugenbergschen I Aktion, daß sie einen Schnitt durch das Bürger- I tum gewaen habe. Und noch unangenehmer ist I ibm die Erkenntnis, daß sich jetzt im deutschen I Volke eine neue Elblinie herausgebildet habe. Das I Blatt schreibt* „Das scheint uns ein Beweis dafür zu fein, daß man bei der Einleitung des Unter- I nehmens doch mancherlei Stimmungen und Im- I ponderabilien nicht ausreichend abgewogen hat. I daß man ihnen gegenüber der Parteidisziplin, ja I vielleicht sogar der Parteidogmatik einen zu großen Raum gewährte. Jedenfalls wird man bei fünft!» I gen Parosen ähnlicher Art aus diesen Erschemun- I gen seine Lehre ziehen."

Weiterhin aber schreibt die Zeitung, daß man I mit beträchtlichem Mißbehagen habe konstatieren müssen, daß im deutichnationalen Kreise unver­kennbare Blüten nationalsozialistischer I P h raseoloa > e ihren Einzug gehalten hätte I Die Kreise der Rechten, die auf politische Ernsthaf­tigkeit Ansnruch erhöben, hätten allen Anlaß, nicht I in einen Wettlauf des Radikalismus mit den Na- tionaFfo’ianffen ein-utreten, bei dem sie immer nur zweiter Sieaer bleiben könnten. Die „Deutsche Tageszeitung gebt stgar so weit, daß sie die Frage I stellt, ob es überhaupt einen politischen Sinn habe, I es noch auf den Volksentscheid ankommen zu las­sen. Sei nicht vielmehr die zwingende Aufgabe I ■ darin zu erblicken, unter Einsatz aller Kräfte und I | aller taktischen Klugheit dafür zu sorgen, daß, wie 1 1

Die „Deutsche Tageszeitung", das Blatt der deutschnationalen Agrarier, will also nicht mehr mitmachen. Der Deutsche Landbund unter der Führung Schieles ist zwar nie recht bei der i Sache gewesen, wenn auch Schiele selber sich in be­sonderen Aufrufen an der Agitation für Hugen- berg beteiligt hat. Das Verhalten Schieles war eine merkwürdige Sache. Er hat im vorigen Jahre, auch noch zu Beginn dieses Jahres eine gan» | Reihe von Reden gehalten, die zwar nicht in der I Form, so aber in der Sache ganz unver- I kennbar gegendieFührungHugenbergs gerichtet waren. Auch seine Stellung zur Demo« I fratie war eine sachlichere als die des deutfchnatio- I nalen Parteiführers. Trotzdem hat er sich schließ­lich bereit finden lassen, dem Reichsausschuß für I das Volksbegehren beizutreten, und er ist auch wei- I terhin darin tätig gewesen, obwohl der von ihm I angefeindete § 4 des Volksbegehrens nur sehr not­dürftig verbessert worden ist. Man muß diese I Haltung üm so mehr merkwürdig sinden, als Schiele zu den Führern der sogenannten „Grü­nen Front" gehört, ein bewußt überparteili­ches agrarisches Intsressengebilde, das eben durch feine Ueberparteilichkeit und seine breite Grundlage einen großen Einfluß auf die wirtschaftspolitische Gesetzgebung in Deutschland zu erhoffen glaubte und beanspruchte. Diese „Grüne Front" war kaum gebildet, da machte Schiele, dessen deutschnationales I Mandat einmal sehr gefährdet war, weil die „Grüne Front" die parteipolitischen Bindungen ! ihrer Führer nicht gerne sieht, den gewagten Sprung in den Höllenkessel Hugenbergs, der dann obendrein noch die offene Ablehnung des Reichs­präsidenten erfahren mußte.

In der Tat, man kann es verstehen, wenn jetzt als das erstes Blatt der deuffchnat. Agrarier zum Rückzüge bläst. Es ist zwar noch keine offene Re­bellion, aber doch ein ernstes Signal. Der Ver­fasser des Artikels muß von der Verärgerung im deutschnationalen Lager gegen Hugenberg einen sehr starken Eindruck bekommen haben, denn sonst hätte er wohl seine harte Kritik nicht gewagt. Hu­genberg ist nicht der Mann, der mit den Leuten in der Partei, die sich ihm nicht fügen wollen, glimpflich umzugehen pflegt, selbst Schiele hat die Drohungen Hugenbergs in Kauf genommen und sich gefügt. Aber die Pleite ist nun einmal dock' zu offensichtlich. Vor allem muß es ja die Deuts.ch- nationalen sehr bekümmern, daß sie jetzt wieder auf eine ostelbische Gutsbefitzerpartei zürückgedränkt worden sind, daß sie den politisch klügeren Westen und Süden des Reiches wieder verloren haben, während ihre zum Radikalismus hinneigenden An- bänger in das phrasenreiche Lager der National­sozialisten abaeschwenkt sind. Auch die „Kreuzzei- tuna" ist verstimmt, und Zwar in Hinsicht auf das badische Wahlergebnis. Doch gibt sie vorsichtiger­weise ihrem Groll noch nicht in dem Maße Aus­druck. wie es die „Deutsche Tageszeitung" getan hat.

Inzwischen bat der Hugenberglche Reichsaus­schuß b-kannt gegeben, daß der Kampf wei­te r g e h t. Es wird wohl auch schwer fein, ihn abzublasen. Der Würfel ist ins Rollen gekommen | und wird wohl noch mehr Legionen der Deutsch- I nationalen Volkspartei erschlagen. Der Volksent- | f<f)eib_ kann jetzt nicht mehr aufgehalten werden, I es müßte denn fein, daß die verärgerten Deutsch- I nationalen selbst dem Reichswahlleiter dabei be­hilflich wären, ibm die zahlreichen Listen befonnt« zugeben, die in Bommern, Ostpreußen und Schle- I fien auf ungesetzliche Weise zustandegekom- I men sind. Einen anderen Weg zur Rettung gibt I es nicht mehr.

Graf Dohna gegen hugenberg.

Noch deutlicher als in der „Deutschen Tagesztg." kommt die Auflehnung gegen das Regime Hugen­berg-' in einem Artikel des deutschnatloncllen Gra­sen Dohna, des Vorsitzenden'des deutsch- nationalen Kreisvereins in Rosenberg lWestnreußen), hm die Berliner „Börlenzta." ver- öffentl-cht, znm Ausdruck. In diesem Artikel heißt es u”ter näherem:

„Das Volksbegehren ist vorüber, und es ist notwen­dig. aus dem Geschehenen das Fazit zu ziehen. Der Reichsausschuß für das Volksbegehren hat verkündet, die innervdlitische Wirkung seiner Aktion werde die Aufrüttelung des Volkes und die Schaffung eines na­tionalen Blockes fein. Das Resultat liegt nun vor uns und es ist gekommen, wie es kommen muhte: anstelle eines wahrhaft großen nationalen Blockes ist die Nation heute mehr denn je in zwei Teile zerspalten, von denen der des Reichsausschusses der sehr viel kleinere und der völlig isolierte ist Nun aber ist es genug. Die Geister scheiden sich in der Tat und die Stunde ist gekommen, in der die jüngere Generation in der größten Rechts­partei Absage erteilen muß an einen Nationalismus, der sich in verblendeter Ueberfteigerunq seinen eigenen Zielen entnegenstellt, Absage erteilt an die ganze Frage­stellung „National — nicht national". Der Reichsaus­schuß wolle weiter kämpfen bis zur Entscheidung. Hierzu aber sagen wir: „Nein!" Wir haben keine Lu st, in eineSackgasse hineinaeführt zu werden, aus der es eines Tages keinen M>er nur einen schlimmen Ausweg geben kann, von Männern, die sicher­lich nach früheren Begriffen glühend« Patrioten sind.

Vor schweren Entscheidungen

Feste und zielklare Haltung der Zentrumsparkei.

Die „Frankfurter Zeitung" schreibt noch zu der Angelegenheit:

Oberbürgermeister Böß habe selbst mit den Sklareks feinerlei Verkehr gehabt Seine Frau habe b:e Brüder jedoch gelegentlich einer Gesellschaft kennenge­lernt, bei der diese sich sofort an Frau Böß herange­drängt und ihr an geboten hätten Pelze zu Gelegenheits­preisen bei ihnen zu kaufen. Frau Böß habe zunächst davon keinen Gebrauch gemacht, sich aber später bei Gelegenheit einer Reise nach Bad Gastein an das An­gebot erinnert und schriftlich von dort aus. übrigens in Abwesenheit ihres Mannes, eine Pelz- jacke bestellt. Als der Oberbürgermeister davon erfuhr, habe er sofort von, der Firma Sklarek eine Rechnung eingeforbert, die dann auf 375 Mark lautete. Böß hielt diesen Betrag für unzureichend und schrieb den Sklareks, daß er 1000 Mark zur Äerr-'-ndunL für wohltätige

i aber, wie ihre GedankengSnge und Mechoden vermuten I lassen, gewisse unwiderrufliche Aenderungen, die durch I Krieg und Revolution in Deutschland entstanden sind. I doch wohl nicht ganz begriffen haben und die I infolgedessen das Verhältnis zwischen den eigenen und | den gegnerischen Kräften doch wohl nicht ganz richtig I einfchätzen! Wir, die wir heute an der Schwelle des 1 I Mannesalters stehen, sind nicht deshalb nach dem Krieg

I mit den größten Hoffnungen in die Deutschnationale I Volkspartei eingetreten und ihr 10 Jahre lang trotz । I allem treu geblieben, um sie in den Händen der

I Alldeutschen enden zu sehen."

Junge, Lunge!

Auch die „Alldeutsche n" haben den „Feld- I Wg gegen die Kriegsschuldlüge", der bekanntlich I das „Volksbegehren" darstellen sollte, mitgemacht, I obwohl gerade diese Gruppe ebensowenig bei dem I für sie heiklen Thema mitsprechen sollte wie | einer, der lange erfolgreich die „Stellung in der I Heimat" gehalten hat, sich am besten ruhig I verhält, wenn von Schlacht und Krieg die Rede I ist. Herr El aß aber vom Alldeutschen Verband I sagte in Frankfurt über den Mißerfolg des Volks- I begehrens im Westen folgendes:

I „Die ultramontanen Gruppen hätten I wieder einmal bewiesen, daß sie Todfeinde der I nationalen Sammlung seien und lieber mit den rötesten Roten zusammengingen als mit denen,

I die Deutschland retten wollen; heute könne man I ohne weiteres sagen, daß auf dem Boden, auf den ba§ Zentrum einmal getreten sei, die deutsche

I Sache nicht gedeihen könne."

Herr Claß will uns Katholiken und Zentrums- I anhänger in unserer nationalen Gesin- I nung verdächtigen und uns beleidigen. Man I wünscht doch manchmal, daß ein Katholischer I Frontkämpferbund sich bildete, um mit ge- I wissen Leuten zuweilen derart abzurechnen, daß I es für sie unvergeßlich bliebe.

Aachklänge.

I . Wie der amtliche Preußische Presiedienst mit« I teilt, hat der Generalstaatsanmalt aufgrund des I Strafantrages des Reichsinnenministers Severin g I frei dem Landgericht I Berlin beantragt, die Ge- I nehmigung des Reichstages zur Strafverfol- I 8ung des Abg. Dr. Hugenberg herbeizufüh- I ren.

3m württembergifchen Landtag wandte sich der sozialdemokratische Abg. Keil da­gegen, daß sich Kultusminister Dr. Bazille und Fmanzminffter Dr. Derlinger, zwei Deutsch- I nationale, zum Volksbegehren eingezeichnet und in« folgedessen die Befreiuung deutschen Gebietes von fremder Besatzung zum mindesten verzögert hätten.

I Er beantragte eine Erklärung der roürttembcrgi« schon Regierung zum Verhalten der beiden Mini­ster, gegebenenfalls eine Stellungnahme des Land-

I tages. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit.

I Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchrnblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, zkuldaer AcNendruckerei 1150 und 1151. ::

Zwei kommunistische Stadtrüte I ..'5"^Nachrtchtenamt der Stadt Berlin veröfsent- | Böß- °^en^e Erklärung des Oberbürgermeisters I »®’*e ungeheuerlichen, ehrverletzenden

Angriffe, die in meiner Abwesenheit, ohne daß I ich davon Kenntnis erhielt und mich dagegen weh­ren konnte, gegen mich erhoben worden sind, haben rmch aufs tiefste erschüttert. Umso schwerer habe

I A. es empfunden, daß ich mich auch nach meiner I Rückkehr nicht sofort öffentlich dazu äußern durfte, I 9® •®) verpflichtet war, vorher die Vernehmung in dem von mir beantragten Disziplinarver­fahren abzuwarten. Nachdem diese erfolgt ist,

| siebe ich folgende Erklärung ab:

I 1- Die meiner Frau von den Gebrüdern Sklarek I gelieferte Pelzjacke ist ihr als ein besonders I günstiger Einkauf von Pelzfellen aufgedrängt worden. Nach Lieferung der Jacke habe ich die ueVersendung der Rechnung verlangt. Da mir der Rechnungsbetrag zu niedrig erschien, ich mich andererseits mit den Gebrüdem Sklarek nicht in Verhandlungen. über den Preis einzulassen wünschte, habe ich mich der peinsichen Erörterung dadurch entziehen wollen, daß ich einen Betrag zur Linderung von Not verwandte und die Gebrü­der Sklarek hiervon benachrichtigte. Ich erkenne natürlich heute, zumal nach den jetzigen Auf- klarungen über die Persönlichkeit der Verkäufer und den Wertder Pelzjacke, daß es unvorsich- tig gewesen ist, den Pelzkauf zu dulden und — entgegen meinem ursprünglichen Gefühl — die Pelzjacke nicht zurückzugeben. Einer rechtlichen und sittlichen Schuld bin ich mir nicht bewußt. Die Pelzjacke ist wenige Stunden nach meiner Rückkehr dem Konkursverwalter der Firma Sllarek zur Verfügung gestellt worden. Andere Pelzsachen haben ich und meine Famille von den Gebrüdern Sklarek nicht bezogen.

2. Es ist unrichtig, daß eins meiner Kinder bei per Firma Sklarek ein besonderes Konto „Böß fr." gehabt hat. Ich und meine Familie haben vor mehreren Jahren vereinzelt Bekleidungsstücke von der Firma Sklarek bezogen und nach Lieferung ordnungsmäßig bezahlt. Daß ich überhaupt Waren von der Firma Sklarek genommen habe, erklärt stw aus der Uebernahme der städtischen K. V. E. durch die Gebrüder Sklarek,

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.