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NILS
Im Nebel.
Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder.ist allein.
Doll von Freuden war mir die Welt, Ms noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fallt, Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise, Der nicht das Dunkel kennt, * Das unentrinnbar und leise Don allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern. Jeder ist allein. Hermann Hesse.
Me junge GeuersAn im Wchlkkmps.
Der Diözesanpräses der Katholischen.Gesellenvereine, Studienrat P i ck, Wittlich, sagt mit Recht in seinem Aufruf an die Kolpingssöhne und die katholische Jugend:
„Es ist wahrlich Zeit, daß die katholische Jugend erwacht, daß sie sich Gedanken macht über das, was ist und was werden soll. Sie muß anfangen zu verstehen, daß wir in einem demokratischen Staate leben, und daß jeder berufen ist, die Zukunft mit zu formen. Jeder ist dreifach dazu verpflichtet, wenn er sich bewußt ist, daß seine Weltanschauung mit dem Wohl und Wehe des Staates auf das Engste verknüpft ist."
Politik ist klare Entscheidung für oder dagegen.
Es gibt nur zwei konsequente Lebensrichtungen. Die eine ist die radikale, der Atheismus, die vollendete Gottlosigkeit, die den Menschen als seinen eigenen Herrn und Gesetzgeber ausruft und allem Einfluß des Göttlichen auf das Leben, überhaupt allem Uebernatürlichen den Krieg ankündigt.
Die andere ist jene, welche an den Zusammenhang von Himmel und Erde, von Natur und llebernatur glaubt, jene, welche in allen Dingen, in zeitlichen wie in ewigen, in Haus, Schule, Politik und Kirche die Mahnung befolgt, vor allem Gottes Reich und seine Gerechtigkeit zu suchen.
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In der Presse-Korrespondenz der Deutschen Jugendkraft wird im Hinblick auf die kommenden Wahlen geschrieben:
Eines können wir mit Bestimmtheit annehmen: Wird der katholische Volksteil keine starke Partei mehr haben im Staat und in den Gemeinden, dann wird man über uns Katholiken, aber auch über die Deutsche Jugendkraft zur Tagesordnung übergehen. Leider hat die Generalanzeigerschaft schon zu viel in unseren Reihen Unheil angerichtet. Ein Jugendkraftler kann nicht zu jenen halben und gemächlichen Leuten gehören, die ihr Leben verzehren und nicht wissen, zu wem sie eigentlichen stehen, jene Merweltsmenschcn, die grundsatz- 'unb gedankenlos mit allen halten, mit gut und bös, mit kalt und warm, mit Gott und Welt, wie es eben öffentliche Meinung und Gelegenheit mit sich bringen, indes sie den Ausgleich, den sie vermutlich selbst für unmöglich erachten, auf gut Glück dem barmherzigen Gott, der Zeit, dem Sterbebett überlassen. Wir sind bewußte katholische Sportler und haben als solche für unfern Glauben nicht nur in der Kirche, sondern auch im öffentlichen Leben ganz besonders einzutreten, besonders dann, wenn wir uns durch die Abgabe des Stimmzettels zu entscheiden haben für Christus oder wider Christus. Für einen noch gläubigen Katholiken gibt es keine Trennung von Religion und allen anderen Fragen des öffentlichen Lebens. Religion ist keine P riv a t f a ch e.
Das freie Wort von freien Männern wollen wir achten. Mut ist eine Tugend. Unwürdig für einen Jugendkraftler ist es, als Namenloser seine Meinung vertreten zu wollen. Der Ueberzeugungstreue deckt seine freie Meinungsäußerung mit seinem Namen.
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So oft ist Klage darüber geführt worden, daß die Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre eine vernünftige Politik in Deutschland gefährde, weil die jungen Wähler vornehmlich den radikalen Parteien ihre Stimme geben. Inwieweit und ob das richtig ist, soll hier nicht untersucht werden; aber das darf man namens der jungen Generation im Hinblick auf die Begleiterscheinungen der bevorstehenden Kommunalwahlen sagen: die Totengräber der Politik und der Demokratie sind nicht die Jungen, sondern jene engstirnigen, kleinlichen, nur ihr eigenes armseliges Ich sehenden Politikaster, die heute das Volk mit immer neuen Wahlvorschlägen Überraschen. Und was haben sie für Gründe? Sie sind von einer anderen Gruppe nicht an sicherer Stelle aufgestellt worden; sie sind so überzeugt von der Bedeutung ihrer eigenen Persönlichkeit, daß sie ein eigenes Wahlprogramm aufstellen müssen. Sie gehören einer Berufs- oder Interessengruppe an, die sich auf den Listen der großen Parteien nicht genügend berücksichtigt glaubt. Zugegeben sei, daß auch manchmal ein Idealismus, der
sich mit den Dingen der Wirklichkeit nicht abfinden kann, zur Bildung von neuen „politischen" Grüppchen drängt. So kommt es, daß heute zur Wahl einer kleinen Körperschaft 20 und mehr Wahloorschläge eingereicht werden.
Der traurige Zerfall der großen politischen Gruppierungen in kleine machtlose Grüppchen, ist eigentlich nur im'bürgerlichen Lager festzustellen. Diese Tatsache verstärkt den Eindruck einer fortschreitenden Auflösung der bürgerlichen Welt. Es fehlt die Kraft, das öffentliche Leben, das Gemeinschaftsleben unseres Volkes nach einem höheren, in die Weite und die Zukunft zielenden politischen und wirtschaftlichen Programm zu gestalten. Statt dessen geht der Bürger nur gegen den nächstliegenden unangenehmen Gegenstand, der ihm augenblicklich Verdruß schasst, z. B. eine Steuer usw. vor und gründet zu diesem Zweck eine Partei. Selbstverständlich haben die alten politischen Parteien geglaubt, dieser Geisteshaltung eines großen Teiles der Anhänger Rechnung tragen zu müssen. Kein Wunder, daß deshalb die Jugend so schwer für die alten Parteien gewonnen werden kann. Man macht es sich zu leicht, wenn man sagt, das liege lediglich an der Unreife und der aus der Vorliebe für Sport resultierenden politischen Uninteressiertheit der jungen Generation.
Die Zentrumspartei ist vielleicht noch am wenigsten davon bedroht, daß die Massen ihrer Wähler ihr davonlaufen, weil sie als Zusammenfassung des katholischen Dolksteils auf dem politischen Gebiete entstanden ist und als solche auch heute noch in Deutschland als notwendig erachtet wird, und auch tatsächlich notwendig ist. Wir Haden als gläubige Christen keine Freunde, weder rechts noch links. Dessen ist sich auch die katholische Jugend bewußt. Und zum Verdruß der Gegner sieht man deshalb, daß in die Zentrumspartei immer wieder junge Kräfte einströmen. Sie mögen mit der augenblicklichen Lage in der Partei unzufrieden fein. Sie mögen unwillig darüber fein, daß man nur von dem — gewiß notwendigen Ausgleich der wirtschaftlichen und politischen Gegensätze spricht und den Vorstoß in der Regel anderen überläßt, die sich verrennen müssen, weil sie nicht das Glück haben, auf dem Boden einer christkatholischen Weltanschauung stehen zu können. Aber die jungen Katholiken wissen, daß Disziplin gerade heute notwendig ist. Und sie hoffen und glauben, daß es so weit kommt, daß die Zentrumspartei vor allem und zuerst wieder Katholische Aktion auf dem Gebiete der Politik ist. Vorläufig und für jetzt werden die Jungen in der Zentrumspartei auch in diesem Wahlkampf ihren Mann stehen. Die Listen der Zentrumspartei in unserem engeren Bezirk beweisen ja, daß die Partei den Wünschen der Jugend sehr entgegen gekommen ist.
Verufsständische Bünde.
Der Beruf hatte von je eine gemeinschaft- bildende Kraft. Auch über bloß wirtschaftliche Berufsgemeinschaft hinaus kann diese Kraft in natürlicher Folge zu starker und inniger Lebensgemeinschaft führen. Die katholische Jugend lehnt in ihrer großen Mehrheit berufsständische Gliederung innerhalb ihrer gesellschaftlichen Gemeinschaft für di« Jugendzeit ab; doch sind große Teile katholischer Jugend, zumeist Jugendgruvpen, die an die Standesverbände Erwachsener angegliedert sind, auch in ihrem Gemeinschaftsleben berufsständisch organisiert, zeigen starkes, blühendes Eigenleben u. schenken ihren Mitgliedern ein sonniges Ju- gendland. Sie suchen van sich aus den ganzen Menschen zu erfassen und zu erziehen, pflegen die Berufsausbildung und den Standesgedanken, bieten wirtschaftliche Hilfe und Wohlfahrtseinrichtungen; pflegen aber auch in ihrem Gemeinschaftsleben Geist und Gemüt, Leib und Seele. Und dieses Letzte, die Pflege der Seele, ist ihnen wie allen katholisck>en Bünden düs Erste.
Der Jugenddmib im S. S. V., dessen Ziel mit dem einen Satz: katholischer Kaufmann als gestaltende Kraft im Wirt- s,ch a f t s I e b e n" umschrieben ist, ist bereits in Nr. 128 d. Bl. eingehend gewürdigt worden
Der katholische Junglehrerbund der Deutschen Reiches ist eine Gemeinschaft von Arbeitsgruppen junger Lehrer und Seminaristen, die bewußt nach katholischer Sehens- und Berussgestaltung streben und in tiefer wirtschaftlicher Not einander helfen wollen. Der Bund will seine Mitglieder hinführen zur Mitarbeit in vorderster Front am Volksganzen und Dolkswohle, zum Dienste an Volk und Staat. Die Mitgliederzahl ist 3000. Soviel uns bekannt ist. hat sich der Bund auf seiner letzten Tagung mit dem Katholischen Lehrerverein zusammengeschlossen.
Derkjugcnd,
gegründet 1925, schließt die Jugend der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands in ihren Ju- genbabteilungen zusammen. Dor kurzem waren in der Werkjugend schon 30 000 Mitglieder zusammengeschlossen. Die Werkjugend will vor allem den jugendlichen Industriearbeiter gewinnen und ihn zu einem brauchbaren Berufs- und Gesellschaftsmenschen
heranbilden, zu einem gottoerbunbenen, vaterländischen, in Berus und Stand verwurzelten, lebensfrohen Menschen. Freudiges Bejahen des deutschen Volksstaates, sozial-wirtschaftliche und sozial-ethische Kurse, Pflege von Arbeiterdichtung und Sttrbeitcrtultur sind ihr besonders eigen. Ihre Zeitschrift ist „Die Werkjugend".
Der katholische Jugendbund werktätiger Mädchen Deutschlands
erfaßt die Jugend der beiden kacholischen Frauenberufsverbände: „Verband katholischer Vereine
erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands" und „Katholischer Verband der weiblichen kaufmännischen Ange st eilten und Beamtinnen Deutschlands, Ber- l i n". Der Bund hat das Ziel, die werktätigen Mädchen in Zusammenarbeit mit Familie und Kirche zu klaren, festen, um ihr Lebensziel wissenden und ringenden B e < rufst rauen heranzubilden und bewußt an der Durchdringung der Berufsarbeit mit katholischen Grundsätzen mitzuarbeiten. Der Bund gibt die Zeitschrift „Di# Schaffensfrohen" heraus.
Die
Von Ki m m e I, Lehrer.
auf dem Laude.
Im Hinblick auf den kommenden Borromäus- Sonntag, an dem besonders für das gute Buch geworben werden soll, bringen wir den Aufruf eines Mitarbeiters, der schon durch feine jahrelange uneigennützige Arbeit für die DJK. bewiesen hat, daß er ein treuer Freund der Jugend ist. Aus ihm geht wieder einmal hervor, daß noch vieles bei uns im argen liegt, weil uneigennützige und opferbereite Menschen fehlen.
Deutschlands Katholiken haben in manchen Dingen geradezu glänzende Einrichtungen geschaffen, die saft immer aus einem Notzustand geboren wurden. Der Kulturkampf brachte die politische Organisation, die Zentrumspartei, die Gefährdung der Jugend den kath. Gesellenverein und den Jugend- und Jungmännerverein und die vielen anderen Bünde unserer Jugend mit den verschiedensten besonderen Zielen, die schrankenlose Sportwut nach dem Kriege die tat. Sportorganisation „Die Deutsche Inge n d k r a f t". Es sind dann noch zu nennen der S t. Raphaelsverein, der Karitasverband, der Volksverein für das kath. Deutschland, der K a t H^F r a u e n b u n b, die Kath. Schulorga- nifation und andere mehr. Alle sind großartige Schöpfungen zur Pflege des kath. Lebens in Deutschland. Eine Organisation der deutschen Katholiken, die besonders in unserer heutigen Zeit genannt und hervorgehoben werden muß,'ist der Verein vom hl. Karl Borromäus mit der Zentrale in Bonn am Rhein, die eine Sammel- und Beratungsstelle eines guten Schrifttums nach kath. Grundsätzen ist. Sie will dem guten Buche den Weg bereiten in der Familie, in der Gemeinde und in der weiteren Oeffenilichkeit. Durch die Schaffung von besonderen Bibliotheken in den Pfarreien will sie dem schlechten und verderblichen Schrifttum, bas überall auf den Bahnhöfen, im Buchhandel, in Schaufenstern dem Volke vorgesetzt wird, einen wirksamen Wall entgegensetzen.
Man fragt sich oft: Kann man überhaupt der verderblichen Flut von Schmutz und Schund, den feindlichen und farblosen Blättern, Illustrierten und Büchern noch entgegenarbeiten? Hat es überhaupt einen Wert, sich dagegen zu wehren? Eine Verneinung dieser Frage hieße Verrat üben, der gewaltigen Schmutz- und Schundliteratur schrankenlos den Weg öffnen zum katholischen Landvolk, das sich noch größtenteils unberührt fühlt von dem literarischen Schmutz. Es ist aber höchste Zeit, mit aller Energie ans Werk zu gehen. Man sieht hie und da Kolporteure von Haus zu Haus gehen, die systematisch ganze Gegenden bearbeiten und irgend eine Zeitschrift anpreisen, die unter Umständen noch eine Versicherung gegen Unfall, Haftpflicht gewährt. Es fallen viele auf die illustrierten Schmutzblätter, die alle möglichen und unmöglichen Titel tragen, hinein. Die Gefahr für bas Landvolk wächst zusehends, mit jedem Jahr. Die neue Schule führt die Jugend ein in das deutsche gute Schrifttum, macht die Jugend bekannt mit der Art des richtigen Lesens, gibt ihr Fingerzeige mit zur richtigen Weiterarbeit. Aber es fehlt fast allerorts der Jugend die Gelegenheit zum Lesen nach der Schulentlassung. Die Schülerbibliothek ist burch- gelesen. Wohl kommt noch manchmal ein Einzelner unb bittet um Bücher aus ber Bibliothek bes Lehrers, ber ihm Freunb geworben. Mancher Lehrer fühlt sich auch feiner schulentlassenen Jugenb gegenüber verpflichtet und öffnet seinen Bücherschrank und kann damit dem einzelnen helfen. Aber halb kommt ber vergiftende Einfluß. Man sieht kitschige Räuber- unb Detektivromane in ben Händen ber Jugenb, Sachen, bie von Honb zu Hanb burch bas ganze Dorf roanbern. Jrgenbeiner, ber Stabtluft gerochen, hats gekauft, ober ein Besucher Hais liegen gelassen. Nun ifts bas Futter zum Stillen des Lesehungers ber Sanbjugenb.
Hat denn die Landjugend überhaupt Gelegenheit, anderswo ihr fiefebebürfnis zu befriebigen? Gewiß, es gibt an vielen Pfarrorten unserer Diözese Bvrrvmäus- bibliotheken. Die Statistik von 1928 weist in ber D i ö- zese Fulda unter 164 Seelsorge stellen 73 Borromäusbibliotheken auf. Unsere Diözese steht unter allen preußischen Diözesen mit 44.5 Prozent an zweitletzter Stelle. Unter 224175 Katho-
i liken weist unsere Diözese nur 2226 Mitglieder des Bor- romäusvereins auf unb steht mit 0.99 Prozent an brittletzter Stelle. Die Zahl ber Leser beträgt 5187 mit 57 664 Ausleihungen. Es kommen also elf Bücher auf einen Leser.
Sinb diese Zaken nicht geradezu erschreckend gegenüber ber Tatsache, daß in Deutschland alltäglich 100 Neu- erscheinungen ins Volk wandern, ein Zeichen, daß in Deutschland sehr viel gelesen tksird. Ja, aber warum schreitet man bann nicht zur Aktion? Wie sieht es benn teilweise in ben bestehenden Bibliotheken aus? Schlafen sie nicht auf irgendeinem Hausboden den Dornröschenschlaf? Sind sie nicht vielfach veraltet? Weiß denn bas Volk überhaupt etwas von bem Vorhanbensein einer solchen Bibliothek? Es gibt keine Entschuldigungs- grünbe für das Vergessensein. Niemand darf sagen, es liest doch niemand. Wer das spricht, kennt die Volks- feele nicht und schaut nicht die Gefahren, in denen unfer kath. Volk durch gewisse Nachlässigkeiten gebracht wird. Das muß anders werden. Nur frisch ans Werk! Es gelingt.
Da heißt es zunächst einmal gründlich Staub ab- blasen, neu ordnen nach verschiedenen Gesichtspunkten, uralte Schwarten, die doch niemand lieft, läßt man weiter schlafen. Nur das gute Material ordnet man einstweilen neu ein.
Bei der Neuordnung benutze man vor allen Dingen die Handhaben, die uns der Borromäusverein bietet. Das beste, einfachste, praktischste unb auch billigste Mittel für die Neuorbnung ist bie Kartothek. Der Kasten, vom Dorfschreiner gemacht, kostet höchstens 5—6 RM., bazu bie Buchkarten (100 Stück 1.60 RM.). Die gesamten Unkosten ber Neuorbnung in ber Kartothek kommen auf 15—20 RM., aber sie ist für bauernb.
Die Glieberung ber gesamten Bücherei erfolgt am besten inJugenbbüchereiu. in eine solche für Erwachsene. Diese Hauptgruppen müssen sich wie- herum gliedern nach dem Inhalt; etwa in Unterhaltungen, religiöse-, belehrende-, geschichtliche-, naturkundliche Bü- cher. Für jede Gruppe wählt man einen Kennbuchstaben. U — Unterhaltung, R = Religiöse, I = Jugend usw.
Zur äußeren Kennzeichnung der einzelnen Gruppen wählt man für jede Gruppe eine besondere Farbe ber Leihkarten, blau, gelb usw. sowie eine besonbere Farbe der Aufklebezettel auf ben Rücken bes Buches übereinftim- menb mit ber Farbe ber Buchkarte bes Buches. Jebes Buch hat eine besonbere Nummer unb zwar beginnt am praktischsten jebe Gruppe mit Nr. 1, währenb im Zuwachsbuch bie fortlaufende Nummer den Vestanb ber Bücherei verrät.
Für jeden Leser gibt man noch Lesekarten aus, auf der die Personalien unb Nummer bes Lesers, sowie auf der Rückseite die Nummer des entliehenen Buches unb bie Tage ber Entleihung unb ber Rückgabe bes Buches einzutragen sinb. Als Leihgebühr kann man eine Pauschale ober auch ein Stückgelb von 5 ober 10 Pfg. erheben. Beibe Arten haben ein Für und Wider. Bei ber Pauschale hat man einen gewissen Voranschlag ber Gesamteinnahmen unb kann mit ber Summe, bie am Anfang bes Jahres eingeht, neue Bücher beschaffen unb bamit bas Interesse bes Lesers wachhalten. Der Leser wirb burch die Vorauszahlung für bas ganze Jahr veranlaßt, der Borromäusbibliothek treuzubleiben. Mit dem Abfchwen- ten der Leser muß man an größeren Orten mit mehreren Bibliotheken rechnen. Ist diese notwendige Arbeit der unbedingten Drbnungsgeftaltung geschafft, bann macht die Arbeit eines Bibliothekars auch Freude. Die Leser selbst werben von ber Ordnung in der Bibliothek erbaut sein, ihr Buch rein unb orbentlidj halten unb es pünktlich zurückbringen.
'Mögen biefe Zeilen, bie aus einjähriger Praxis einer neugegrünbeten Borromäusbibliothek stammen, an vielen Orten Anklang finden unb Anregung geben zur frischen unb frohen Arbeit am Volke unb befonbers an ber Jugend. Lassen wir bie im Vorjahre gefaßten Beschlüsse । unserer Fuldaer Bischofskonferenz nicht verhallen, son- I dern helfen wir sie durchführen in treuer Arbeit.
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Verantwortlich für „Das Blatt ber Jugenb": Dr. oec. publ. Joseph Sauer-Fulba.
Em Geländespiel bei Nacht.
Ein Fuldaer Junge erzählt von bem letzten nächtlichen „kriegsspiet" feiner Gruppe.
Nun hausten wir schon fast eine Woche in einem versteckten Walbtal, bas von einem munteren Büchlein durchflossen wirb. Immer neue Schönheiten wurden entdeckt, tagsüber beim Umherschweifen im Walde, oder während der Nachtwache am Lagerfeuer.
Als Abschluß ber Lagerwoche unb weil wir unseren »Hunger nach Abenteuern" stillen fällten, hatte bre Lagerhauptmann für bie letzte Nacht ein „Kriegssviel" angesetzt, bei bem mir, bie wir so eine nächtliche Schleicherei im Walbe noch nicht mitgemacht hatten, alle bas Gruseln lernten, lieber dieses Geländespiel möchte ich berichten.
Es kommt mir aber nicht darauf an, die Geschichte möglichst gruselig zu erzählen, sondern zu zeigen, wie so ein Spiel am besten gemacht wird.
Vor dem Dunkelwerden machten wir uns langsam fertig. Nach der Abendmahlzeit wurde zum Sammeln geblasen. Schnell wurden zwei Zelte abgerissen, um sie im Kriegslager wieder aufzubauen. Es wird befohlen, die Decken Mrd auch noch etwas zum Essen mit- zunehmen.
Als es dunkel geworden war, marschierten wir ab, nachdem die Insassen bes Lagers in zwei gleich große Horden eingeteilt waren. Bei Taschenlampenbeleuchtung trennten sich die „feindlichen Parteien" cm einer Wegkreuzung. Zwei Höhen chatten wir uns vorher auf der Karte als Soielaelänbe ausaesucht. Damit man
aber wußte, wo jede Partei sich befand, ging der Führer mit zum anderen Lager. Unser Lagerplatz war in einem hohen Buchenwald, während ber feindliche Platz in dichtem Unterholz lag.
Unser Kriegslager war bald erreicht. Wir schlugen trotz der herrschenden Dunkelheit aus den Zettbahnen ein niedriges Zett auf. Um 11 Uhr schlief bereits die ganze Bande, in die Decken eingehüllt, nachdem tüchtig gefuttert, der Plan gründlich durchgesprochen und die Nachtwache bestimmt worden war. Als die Geisterstunde vorüber war, wurde geweckt. Alle mad)ten sich kampfbereit! (was heißt das ? D. Schriftl.) unb nahmen ihre Plätze runb um bas Zett ein.
Die Aufgabe war nämlich bie: Jede Partei schickte eine Streife von brei Mann aus, die einen greifbaren Gegenstand z. B. einen Teller ober Becher usw. bei sich trugen. Auf irgenb eine Weise mußte dieser Gegenstand in bas feindliche Zett gebracht werben. Die Partei, ber bas in einer bestimmten Zeit gelang, hatte gewonnen.
Punkt zwei Uhr nachts begann das Spiel. Zu britt — unser „Hauptmann", mein Gruppenführer und ich ber Jüngste von uns dreien —, jagten wir in der Richtung auf das feindliche Lager los. Nach einer Viertel- stunde waren wir schon am Fuße ber Höhe, auf ber ber Gegner sich gelagert hatte, und bemerkten einen dort ausgestellten Posten. Kriechend überquerten wir den Weg. Wir wollten uns nun durch das dichte Unterholz her aufmachen, aber bald war es uns zu naß. Wir beschlossen daher, den Berg zu umgehen, um von ber anberen Seite her uns anzuschleichen. Salb kriechend, bald aufrecht gehend, je nach dem Gelände, tarnen wir
auf einen breiten Weg, von dem wir vermuteten, daß er in bas gegnerische Lager führe. Wir schlichen uns neben diesem Weg auf die Höhe hinauf.
Als wir oben waren, hörte der Wald auf; nur einige mächtige Bäume und einige Bufchinseln lagen vor uns. Wir bemerkten bald, daß wir uns in ber Nähe bes Lagers befanben, denn wir hörten in ber Stille ber Nacht immer wieder einmal einen Vorlauten sprechen.
Gegen Uhr waren wir ganz nahe „am Feind". (Gut, daß er nicht schießen konnte. D. Schriftl.) Nun begann der interessanteste Teil unserer Aufgabe. Wir mußten versuchen, möglichst nahe an bas Zelt heranzu- tommen unb vielleicht unbemerkt, ben Teller, ben wir bei uns trugen, unb uns selbst barin zu verstecken. Wir rafften alle unsere Kenntnisse, bie wir aus unserer gründlichen Karl-May-Lektüre (natürlich! D. Schriftl.) besaßen, zusammen unb wählten bas, was uns für ben Augenblick paffenb erschien, aus. Wir legten uns also auf ben Bauch unb schoben uns, jebes Aestchen aus bem Wege räumenb vorwärts. Bald lagen wir hintereinander, bann nebeneinander unb bann roieber weiter von einander entfernt, wie es das Gelände erforderte. Gebüsch unb Schatten wurden ausgenützt. Nur ganz langsam — das Herz klopfte ordentlich — rückten wir vorwärts und tarnen auch mit großem Glück durch bie feindliche Postenkette. Aber das Zelt und die Feindlichen sahen wir nicht, obgleich wir sie sehr gut hörten.
Plötzlich bemerkten wir, daß ein Wachtposten scharf nach uns lugte. Schon versuchte er auch, durch Zeichen seine Freunde auf uns aufmerksam zu machen. Jetzt hieß es handeln. Wir krochen leise und schnell weiter
vor. Da uns mehrere bemerkten, sprangen wir auf und rannten auf ein Etwas zu, das wie ein Laubhaufen aussah, sich aber — Gott sei Dank — als das sehr gut maskierte Zelt heraussteltte, — als wir samt dem Teller drin lagen, ohne abgefaßt zu sein; denn das hatte der Gegner durch sein Warten glücklich verpaßt.
Nach der Aussöhnung mit den enttäuschten „Feinden" gingen wir zu unserem Lager zurück, um zu sehen, was sich dort ereignet hatte. Wir tarnen vor ber Richtung ab unb immer tiefer in ben Wald hinein. Als wir über eine Lichtung gehen wollten, sahen wir ein Rudel Wild grafen. Lautlos pürschten wir uns heran. Aber der Bock schien Wind von uns bekom- men zu haben. Er hob den Kops und äugte in die Richtung, in der wir lagen. Selbstverständlich duckten wir uns tief ins Gras. Als wir rann aber weiterkrochen, knackte ein Ast. Sofort fausten die Tiere los und waren in wenigen Sekunden im Walde verschwunden.
Mißmutig setzten wir unfern Weg fort. Allmählig wurde es Morgen, sodaß wir mit Hilfe der Karte die richtige Richtung wieder sanden. Bald waren wir im Lager angelangt. Große Freude herrschte, als sich herausstellte, daß wir gewonnen hatten. Die andere» Streifschar hatte nämlich erst nach Sonnenaufgang unser Lager gefunden, als das Spiel schon zu Ende war.
Auf dem Rückmarsch trafen wir im Tal auch die Feindlichen und zogen gemeinfam und müde zum Zeltlager zurück. Die Siegesfreude der Sieger und der Slerger der Besiegten wurde zum Schluß im kühlen Bachwasser bei der Morgenwäsche ertränkt.