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Fulda, öen 30 Oktober 1929

Iugend voran.

Eine ernste Wellsparkagsmahnung.

Wo es gilt, die Zukunft zu gewinnen, da ist es die Jugend, die begeisterungsfähige frische Ju­gend, bei der die Entscheidung liegt. In unseren Tagen geht es um ein hohes Ziel, um Deutschlands Erstarkung und künftige Geltung, da kann die Ju­gend nicht tatenlos bei Seite stehen, da muß sie ihre starken unverbrauchten Kräfte in den Kampf werfen. Zunächst gilt es für sie noch zu warten und sich vorzubereiten. Aber von der Art der Vor­bereitung hängt viel, ja alles ab.

Arbeitsamkeit und Sparsamkeit sind die Waffen, mit denen unsere Jugend sich rüsten muß, um den Lebenskampf zu bestehen, um Sieger in dem Ringen um Deutschlands Aufftieg zu werden. Das Ziel kann nicht im Sturm, es kann nur mit zuver­lässiger steter Arbeit und Sparsamkeit gewonnen werden. Niemand darf der Jugend chr Recht schmälern, niemand ihr nur von dem Ernst und der Schwere unserer Zeit reden, wir wollen ihr nur zurufen, daß wir sie brauchen als Mithelfer, daß sie sich frühzeitig darauf besinnen möge, sich zu rüsten.

Ein Mensch, der später große Aufgaben erfüllen will, muß wissen, wie er mit seiner Kraft und mit fehlen Gaben umgeht und frühzeitig lernen, sie i richtig zu gebrauchen und einzuteilen, nur dann wird er fähig sein, sie auf wirklich Wesentliches zu konzentrieren. Wer zu dieser Erkenntnis gelangt ist, wird nicht nur mit den ideellen, sondern auch mit den materiellen Gütern sorgsam und überlegt umgehen, und da macht er die Erfahrung, daß er das Kleine zusammenhalten muß, wenn er großes zustande bringen will.

Selbstüberwindung, frühzeitige Gewöhnung sind besonders dort notwendig, wo die Sparsamkeit nicht im Charakter des Menschen liegt, wo sie ge­pflegt werden muß, um zu wachsen und zu er­starken. Es ist wichtig, schon in jungen Jahren Arbeitsamkeit und Sparsamkeit zu üben, damil sie beim Eintritt in den Lebenskampf widerstands­fähige Waffen in der Hand des jungen Menschen sind, mit denen gerüstet er den Wechselfällen des Lebens furchtlos begegnet, die er zu führen ver­steht im Dienste seines Volkes.

Wenn auch die Jugend von heute gewohnt ist, große Selbständigkeit zu üben, so wird im eigenen Interesse sie auf den Rat der Erfahrenen hören. Darum liegt heute bei den Erziehern im Eltern- Hause und in der Schule eine besonders große Ver­antwortung. Eine vernünftige Erziehung zur Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit ist ein gutes Stück praktischer Lebenskunde, die nicht nur dem Einzelnen zugute kommt, sondern die nicht weniger dem Staat und der Gesellschaft zufriedene, auf sich selbst gestellte Menschen gibt. Das erstrebenswerte Ziel jeder gesunden Staats- und Wirtschaftspolitik muß sein, daß möglichst weite Kreise des Volkes eine ausreichende, sichere Lebensgrundlage haben. Daß dieses Ziel in Deutschland wieder erreicht wird, hängt entscheidend von dem Willen der jungen Generation zu einfacher, gesunder Lebens­haltung und zu vernünftiger Sparsamkeit ab. Der Weltspartag weist eindringlich auf die wichtigsten Zusammenhänge hin. Mögen alle Erzieher und Freunde der Jugend sich ihrer schweren Verant­wortung nach dieser Richtung bewußt werden und bleiben.

Unter stärkster Beteiligung

findet zurzeit für die katholischen Männer und Jungmänner der Bonifatiusstadt die hl. Mis­sion statt. Es ist ein erhebendes Bild, allabend­lich Tausende von Männern aus allen Kreisen des Volkes andächtig versammelt zu sehen, um ihre religiösen Kenntnisse zu erweitern und sich mit wohlbegründeten Vorsäßen zu einem guten christ­lichen, der Gottes- und Nächstenliebe geweihten Leben zu erfüllen. Andersgläubige, die sich hier und da auch bei diesen Vorträgen einfinden, viel­leicht angezogen von Vorstellungen, die nament­lich in unserer Zeit von völkischer Seite über den Katholizismus verbreitet werden, dürften sich wun­dern, wie ganz im Religiösen und Christ- lichen die katholische Mission sich auswirkt. Es wäre möglich, daß da manches Vorurteil zusammen­bricht. Die katholischen Männer und Jungmän­ner aber freuen sich der Gnadenzeit und werden sich im Banne des Priesterwortes und bei Ge­bet und Gesang so recht des unverdienten Glückes bewußt, Kinder der hl. katholischen Kirche zu sein.

Neuer Meister.

Herr Heinrich Klitsch aus Lauterbach, der bei der hiesigen Molkereigenossenschaft tätig ist. hat vor der Prüfungskommission die Meisterprü­fung als Maschinenschlosser bestanden.

Gesellenprüfung.

Die Gesellenprüfung für den Stadt- und Land­kreis Fulda im Maler-, Lackierer-, Anstreicher- und Weißbinderhandwerk findet Ende November statt. Anmeldungen mit den nötigen Unterlagen sind bis zum 6. November bei dem Vorsitzenden, Maler­meister Wilhelm Spiegel, Fulda. Schildeckstr. 19/21 einzureichen.

Schonzeiten der Fische.

Am 1. November beginnt in den Regierungs­bezirken K a s s e l und Wiesbaden die Winterschon­zeit für Fische. Während der Winterschonzeit, d e bis einschließlich 2 6. Dezember dauert, ist jeg­liche Art des Fischfanges in den Gewässern, die der Winterschonzeit unterliegen, verboten. Die Winter­schonzeit gilt für alle Gewässer, in denen die Bach­forelle als Hauptnutzfisch vorkommt. In den nicht der Winterschonzeit unterliegenden Gewässern ist der Fischfang, mit Ausnahme des Fischfangs mit der Handangel und der sogenannten stillen Fi-

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scherei, in der Zeit vorn 2 0. A p r i l b i s 31. M a t im Regierungsbezirk Kassel verboten (Fruhiahrs- schonzeit). Im Regierungsbezirk Kassel ist m dm der Frühjahrsschonzeit unterliegenden, Gewässern der Fang von Lachsen und Forellen in der Zeit vorn 1 November bis 26. Dezember einschließlich verboten. Für den Regierungsbezirk Kassel ist außerdem für alle Gewässer eine Krebsschonzeit vom 1. November bis einschließlich 31. Mai festge­setzt, während der Fang von Aeschen in den der Winterschonzeit unterliegenden Gewässern vom 15. März bis 9. Mai einschließlich verboten ist. Schließ­lich ist im ganzen preußischen Staatsgebiet an den Sonntagen von vormittags 9 bis nachmittags 6 Uhr der Fischfang verboten, jedoch ist das Angeln gestat­tet mit Ausnahme in den der Winterschonzeit un- texliegenden Gewässern an den in diese Zeit fallen­den Sonntagen, während in der Frühjahrsschonzeit an betreffenden Sonntagen nur Me Handangel mit Ausnahme der Schlepp- und Spinnangel zum Fisch­fang benutzt werden darf. Die Geräte der stillen Fischerei dürfen während der sonntäglichen Schon­zeit zum Fang im Wasser verbleiben. Alle genann­ten Schonbestimmungen gelten nicht für geschlossene Gewässer.

Don den Fuldaer Baugenossenschaften.

Die Erbbau-Genossenschaft e. G. m. b. H. Fulda hielt am Dienstag im Stadtverorüneten-Sitzungs- saal eine außerordentliche Hauptversammlung ab, die der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Stadtbaurat Eberlein, leitete. Aus dem Bericht über eine Re- | vision im August d. Js. ging hervor, daß keinerlei Anlaß zu Beanstandungen vorlag u. die amerikani­sche Buchfühurng in bester Ordnung ist. Die Ge­nossenschaft besitzt jetzt 58 Wohnungen. 12 weitere sind im Bau. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende legte dar, daß, um die Bautätigkeit der Genossenschaft mehr als bisher zu fördern, die Geschäftsanteile von 100 Mark auf 300 Mark — zahlbar in Raten — erhöht werden müssen. Diese Erhöhung wird auch vom Verband als dringend bezeichnet. Die Abstimmung ergab, daß über zwei Drittel der an­wesenden Genossen mit dieser Aenderung des Pa­ragraphen 12 der Satzungen einverstanden waren.

0,8 Prozent.

Gestern abend ist auch in Fulda die 14 Tage dauernde Frist zur Einzeichnung für das Volks­begehren der Herren Hugenberg und Hitler zu Ende gegangen. Das Gesamtergebnis sind 136 Einzeichnungen. Da zurzeit die Zahl der Wahlberechtigten in Fulda 17100 be­trägt, haben sich also nicht einmal 1 Pro­zent, sondern nur 0,8 Prozent der Wahlberechtigten statt der erforderlichen 10 Prozent für dieses sogenannte „Volksbegehren" eingezeichnet. Von 100 Wahlberechtigten hat sich nicht einmal je ein ganzer, sondern höchstens ein rDeiviertls-Mann für diese Aktion in der Stadt Fulda mit seinem Namen zur Verfügung gestellt. Das Volksbegehren ist nach seiner verfassungsmäßi­gen Gestalt ein offenes Eintreten für eine Sache. Hier wird nicht, wie bei den Wahlen, geheim abgestimmt, sondern durch eigenhändige Unter» srchift in einer Liste zu irgendeiner Beeinflussung der Gesetzgebung Stellung genommen. Bekannt­lich war in einem geheimen Rundschreiben des Landesausschusses für das Volksbegehren in Kur­hessen eine Anweisung an die Vertrauensleute ge­geben worden, wie sie sich Kenntnis verschaffen sollten, wer sich in die Liste eingetragen hätte. Es ist nun bei diesem Vorgehen natürlich nicht ver­wunderlich, daß auch Leute, die keine Freunde des Volksbegehrens find, in die Listen hinein­geguckt haben. Aus den verschiedensten Städten kommen Meldungen, daß dieser oder jener promi­nente Mann das Volksbegehren unterschrieben habe. So wird das unter anderen von dem be­kannten Generaldirektor Dr. Vogler, dem Vertre­ter der deutschen Schwerindustrie, der selbst an den Verhandlungen in Paris teilgenommen hat, be­richtet, was besonders deswegen großes Aufsehen erregt, weil Dr. Vögler Mitglied der Deutschen Volkspartei ist, die auf den Spuren Dr. Strese- manns das Volksbegehren am stärksten bekämpft hat. Auch Betrachtungen über die Kreise, die das Volksbegehren unterschrieben haben, werden vie­lerorts angestellt. So wiesn wir schon darauf hin, daß man in Wiesbaden eine erhebliche Beteiligung von Diensmädchen aus besseren Häusern festgestellt hat. Aus Hanau, wa sich von 29 000 Wahlberech­tigten 313 eingetragen haben, schreibt uns ein Mit­arbeiter, daß unter den Unterzeichnern recht viele ältere ßeufe, die bereits das 70. Lebensjahr über­schritten hatten, gewesen sind. Wir haben es für richtig gehalten, nicht in die in Fulda ausgelegte Liste hineinzuschauen, ohne es freilich verhindern zu können, daß auch uns Namen bekannt gewor­den find, die in diesen Listen stehen. Was wir hören bestätigt unsere Annahme, daß es feine Leute sind, deren sonstige politische Richtung und Leistung bei der so ungemein schwierigen Lage, in der sich das deutsche Volk unter Nachwirkung des verlorenen Krieges noch immer befindet, vorwärts helfen könnten. Leider schützt auch Bildung und wirtschaftliche Stellung nicht vor politischer Gedan­kenverwirrung und vor Hingabe an politische Irr­lehren, die von geschwollenen Redensarten und Selbsttäuschung eingegeben sind. Weil bei dem gan­zen Hugenberg-Unternehmen Don Quixote, der „Ritter von der traurigen Gestalt", der abenteuer­liche Schwärmer, Pate gestanden hat, wundert man sich nicht, wenn in der gleichen Liste der jugend­liche Kapitalist neben dem Haupträdelsführer der Fuldaer Straßenkrawalle im Oktober des Jahres 1923 steht, jener Unruhen, die bekanntlich zahl­reichen Fensterscheiben das Leben gekostet haben und zur Ausplünderung von Geschäftsläden führten. Reichskasse wie Stadtsäckel haben damals viele Tausende Mark Schadenersatz leisten müssen. Im snmboliscken Sinne gibt es auch beim Volksbegehren Trümmer und hohe unfruchtbare Unkosten!

Im Vergleich zu den 136 Stimmen, die das Hugenberg-Volksbegehren in Fulda erzielt hat, sichren wir noch an, daß im Jahre 1926 für die Fürsten-Enteignung sich in der Stadt Fulda — und zwar trotz der auch damals wie jetzt unzweideutigen Abmahnungen durch die katholi­schen Autoritäten —, 4591 Personen eintrugen obwohl 1926 kaum etwas über 15 000 Wahl­berechtigte in der Stadt Fulda vorhanden waren. Beim Volksentscheid, der in der Sache der

Fürstenenteignung dem Volksbegehren folgte, timmten sogar über 5000 Wahlberechtigte mit Ja.

ftraffpoff Hünfeld—Geisa..

Am Freitag, den 1. Nov. (Fest Allerheiligen) ährt das Postauto wie an Sonntagen.

Ein guter Fang.

Festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt wurden gestern durch die hiesige Kriminaipollzei der vom Amtsgericht Gera wegen schweren Dieb­stahls steckbrieflich gesuchte 32 jährige Fenster­putzer Paul Eckardt aus Eisenach, sowie ferner der 26 jährige Arbeiter Th. M. aus Fulda wegen sittlicher Verfehlungen aus § 176 Zif­fer 3 StGB. Er hat in den letzten Wochen in Fulda und der nächsten Umgebung sein Unwesen getrieben, indem er Kinder unter 14 Jahren zu Unsittlichkeiten verführte. Es ist dies wiederum eine ernstliche Mahnung für die Ettern, den Um­gang der Jugendlichen streng zu überwachen, ^zm Interesse der Jugend muß aber auch gegen diese Elemente mit rücksichtsloser Strenge vorgegangen werden. —

Mdaer Alkurarbettuuler den Zndianern.

Eine Sonderschau in der Landesbibliothek.

Bon einem jetzt in Nordamerika lebenden Sohne der Rhön, Herrn Emil Büchel, wurde anläßlich seines Besuches in der Heimat der Landesoiblwtyek ein Exemplar der von seinem Onkel, Jesultenpater Eugen Büchel, für die Indianer verfaßten Biblischen Geschichte geschenkt. In dem Büchlein, das mit den aus Jugendlagen vertrauten Bildern geschmückt ist, steckt soviel Mühe und wissenschaftliche Arbeit der ersten phonetischen Aufnahme und Transskripnon, daß es sich verlohnt, es unter Vergleichung der frü­heren primitiven Bilderschrift der Indianer auszu­stellen. Einige prächtige Originalstücke, darunter ein Häuptlingsschmuck, und photographische Auf­nahmen aus der Jndianermission bilden mit den Büchern in der Landesbibliothek eine kleine Sond erschau, die in den nächsten 3 Wochen zu üblichen Stunden sowie Sonntags besichtigt wer­den kann. Herr Emil Büchel schreibt uns dazu fol­gende erläuternde Mitteilungen.

Von den Sioux-Indianern der St. Francis-Mis­sion, Süd-Dakota (Nordamerika) sind zur Zeit die Biblische Geschichte in Jndianersprache, herausge­geben vom Missionar Eugen Büchel S. I., und an­dere Erzeugnisse ausgestellt.

Es bedurfte 25 Jahre Studium im engsten, Zu­sammenleben mit den Indianern, um die indiani­sche Ursprache in lateinischen Buchstaben wiederzu­geben. Don den unzähligen Ueberroinbungen macht man sich keinen Begriff, deren es bedurfte, ein wildes Volk dazu zu bewegen, die primitive Zeichensprache mit lateinischen Schriftzeichen zu vertauschen. Die schriftstellerische Arbeit ist nun soweit gediehen, daß ein Wörterbuch in der Jn­dianersprache Lakota, so nennt man diese Sioux- Sprache, vorliegt. Diese Errungenschaft kommt hauptsächlich der älteren Generation zu gute, da sie in ihrer eigenen Lautsprache wiedergegeben wird. Die junge Generation lernt nun diese Lakota- Latein-Sprache und Englisch.

Die ausgestellten Photographien stellen die Mis­sion mit ihren Bewohnern, Häuptlinge, Jndianer- frauen und -Kinder dar. Einige andere Bilder zeigen das heutige Leben in und um die Mission. Teilweise erfolgten die Aufnahmen durch Bruder Hartmann aus dem Fuldaer Land.

Der Höuptlings-Kopf-Schmuck wurde noch kürz­lich beim Kriegstanze von einem Häuptling getra­gen. Seine Schönheit besteht in den großen und gleichmäßigen echten Adlerfedern, wie auch in der sorgsamen Handarbeit. Die Mühe, die seltenen Adlerfedern, unversehrt und zusammenpassend zu erhalten, machen einen solchen Kopfputz sehr teuer. Das ausgestellte Prachtstück zu erhalten, war mir nur durch die Vermittlung meines Onkels möglich.

Die Jndianerschuhe sind ganz aus selbst gegerb­tem Leder verfertigt und mit Perlen benäht. Die indianische Gerbeart ist selbst heute für die moderne Gerberei ein Rätsel.

Die große Decke wird bei unserer Damenwelt lebhaftes Erstaunen auslösen. Nicht nur die pracht­volle Farbenzusammenstellung überrascht, sondern die vielseitigen Sticharten, die dabei verwendet wurden. Sie ist von der Indianerin Eva Pellow hergestellt und mir zum Geschenk übergeben wor­den.

Missionar Pater Eugen Büchel, gebürtig aus Schleid (Rhön), besuchte das Fuldaer 'Gym­nasium und Priesterseminar. Die vielen Studien- freunbe, soweit sie noch am Leben sind, werden sich seiner gut erinnern. Als er im Jahre 1900 seinem Rufe folgte, ahnte er nicht, was für eine beschwerliche Arbeit feiner harrte. Das vor ge­fundene Tätigkeitsgebiet in der Prärie mit seinen wandernden Indianern bot dem hoffnungsvollen Sohne aus der Rhön nur Leiden. In den ersten Jahren nach 1900 priesterlichen Berufes mußten meilenweite Entfernungen zurückgelegt werden. Als einziges Verkehrsmittel diente der Pferderücken. Die Blockhauskapellen sind auch heute noch nicht einer hiesigen Kirche zu vergleichen. Eine andere Unterkunft für den Missionar gibt es meistens in der Nähe dieser Kapellen nicht. Das Uebernach- ten findet meistens in dem Wigwam zwischen den Indianern und inmitten schreiender Kinder statt. Das mühevoll errichtete feste Missionsgebäude dient zum Unterrichten der Kinder, zur Zeit zirka 500 Knaben und Mädchen. Wie weit diese Erziehung bereits gediehen ist, zeigt dem Besucher die aus­gestellte Bilderserie.

Bruder Hartmann ist noch besonders zu erwäh­nen, da er Bauleiter und der führende Handwev- ker unter den Indianern ist. Trotz der wohltätt- gen Hilfe der amerikanischen Regierung ist es bis heute nicht gelungen, dem Aussterben des Natur- völkchen Einhalt zu gebieten. Als Ernährungszu­schuß erhält die Mission 40 cent für jedes Kind pro Tag. Die unregelmäßige Lebensweise dürfte der weitverbreiteten Tuberkulose unter den In­dianern Vorschub leisten. So zählen wir in der Reservation noch zirka 5000 Rothäute.

Mein Onkel, Pater Eugen Büchel, beauftragte mich, allen feinen Freunden und Verwandten in der alten Heimat Grüße zu übermitteln. Leider ist es mir wegen der Kürze meines Urlaubes nicht möglich, alle persönlich zu besuchen. Er be­auftragte mich, allen in der Heimat zu sagen, er sei glücklich und wollte bei seinen Indianern ster­

ben. Da meine Rückreise schon am 29. d. Mts. von Motzlar aus stattfindet, bitte ich diesen Weg viel­mals zu entschuldigen.

Emil Büchel, Fond du Lac, Wis. U.S.A.

— Familiennachrichlen. Am 31. Oktober feier» Werkmeister an der Bahn Wilhelm Schupp und Frar Margarete, geb. Roth, die Silberne Hochzeit.

— Bezirksverband des krach. Arb.-Bereins. Freitag den 25. Oktober, fand eine Sitzung des Bezirksvorftander in der „Harmonie" in Fulda statt, an der auch der nein Arbeitersekretär, Herr Oelings, teilnahm, der auf be sonders eifriges Bemühen des Herrn Diözefanpräfes hiei eingetroffen ist. Der Vorstand beschloß einstimmig du Errichtung des Vertreterrats sowie die Einberufung dec Herbstdelegiertentages auf Sonntag, den 1. Dezember um 1 Uhr in die Harmonie in Fulda. Der Vorstam hofft daß Reichstagsabgeordneter Joos aus Berlin, bei zu dieser Zeit in Fulda ist, der Tagung bewohnen wird Die Tagesordnung wird noch bekanntgegeben.

Aber Herr Gumbel?

In Frankfurt a. M. fand bekanntlich am Sonn tag eine Tagung des Prooinzialverbandes Hessen Nassauischer Mieter statt. Sie beschäftigte sich do: allem mit den kommunalen Wahlen. Der Geschäfts sührer Herrmann wandte sich unzweideutig g e g e i die Aufstellung besonderer Mieter­liste n. Allerdings tat er das nicht, um die poli tische Neutralität der Mietervereine zu wahren. E ist der Meinung, „daß sich die Mieterschaft bei bei kommenden Kommunalwahlen hinter die die In teressen der Mieter wahrenden Linksparteien stel len" müsse. Es ist zu verstehen, daß kein mi politischen Dingen vertrauter Mann sich für befon bere Mieterlisten erwärmen kann, die nur als Zei chen von geringer Einsicht in die Aufgaben del Selbstverwaltungskörper zu deuten sind und ebenfi wenig der Sachlage entsprechen, als wenn in eine! norddeutschen Stadt für die kommende Gemeinde wähl folgende Listen eingereicht werden: 1. Haus besitzer m i t Dampfheizung und 2. Hausbesitze, ohne Dampfheizung. Mit der Ablehnung bei Mieterlisten hat der Mieter-Führer Herrmanl zweifellos recht, wenn man feine Stellungnahme auch nur als Unterstützung der s o z i a I b c m o । kratischen Partei unb ihrer Flügelgruppen z> deuten hat.

Im Gegensatz zu Geschäftsführer Herrmann wie« nun aber Rechtsanwalt Dr .Gumbel darauf hin daß der Vorstand beschlossen habe, „eigene Liste« für die Wahlen in denjenigen Orten aufzustellen die nach Prüfung der Verhältnisse zu der lieber- zeugung gekommen sind, daß das im Interesse bei Mieter liegt, rote z. B. in F u l d a, wo die In­teressen der Mieter von keiner Partei in angemef« Jener Weift unterstützt würden".

Aber Herr Gumbel? Wer hat Sie denn da i« alten ober neueren Sprachen über die Lage in Fulda informiert? Daß einige Persönlichkeiten, die es bei anderen Parteien bisher vergeblich versuch! haben, nochmals einen Anlauf nehmen, mit Hilfe von „Mietern" in die Städtischen Körperschaften zu kommen, verstehen wir durchaus. Es finden sich für solche Unternehmungen auch immer einige Hel­fer. Aber daß deshalb die Behauptung von den verlassenen Mietern aufgestellt wird, ift doch etwas stark. Es trifft auch Leute, die eigentlich dem Mieterverein Fulda recht nahe stehen. Daß die Zentrumspartei im Fuldaer Rathaus die soziale Gerechtigkeit niemals verletzt hat, daß sie durch eine energische Wohnungspolitik die Lage der Mieter dauernd verbessert und Wohnungen zu Preisen bereitgestellt hat, wie sie im Wirkungsbereich des Herrn Gumbel wohl noch lange gefucht werden müssen, wallen wir gar nicht weiter hervorheben. Die Zentrumsanhänger, die ja zu den katho­lischen Grundsätzen ihrer Partei in ihrer Ge­samtheit, auch in *ber Wohnungsfrage Zutrauen haben, wissen das und werden sich von Herrn Dr. Gumbel und einem Fuldaer Gewährsmann nicht irre machen lassen. Aber was sagen die Fuldaer Demokraten? Aus ihren Reihen waren Vorstandsmitglieder des Mieterver­eins an der Lösung der Wohnungssorgen in Fulda in dem letzten Jahrzehnt maßgebend betei­ligt. Eine lange Zeit führende Persönlichkeit " Fuldaer Mietervereins hatte und hat auf W nungsfraaen in Fulda durch amtliche Stt' größten Einfluß, — ein Demokrat —, ein r demokratischer Herr hat, gleichfalls in ! Stellung beim Mieterverein, sich für Mic reffen stark eingesetzt. Und da sagt Herr Eu in Fulda kümmerten sich die Patteien nicht um Miets- und Wohnungsfragen? Auch bei r Deutschnationalen sind diese Fragen nicht vernaft- lässigt worden. Wenn bei der sozialdemokratischen Grundeinstellung der Mieterorganisationen im Großen auch Frau v. Rosenberg im Mieterverein sicherlich eine schwierige Stellung hat, so beküm­merte sie sich doch um die Sache und auch der deutschnationale Stadtrat Prof. Fleck war ein Freund der Mieter. In Fulda gibt es, was Herrn Gumbel interessieren wird, sogar ein Kuriosum: die hier in der Stadt als Bürgerpartei firmierende Wirtschaftspartei, deren Kern bekanntlich der Haus­und Grundbesitzer-Verband ist und die in erster Linie und um ihrer selbst willen Groß-Hausbesitzer- Jntressen vertritt, hatte sich in Fulda eine „Mieter­abteilung" zugelegt, die durch Herrn Brock­meier dargestellt war. Also auch diese ausgespro­chene Hausbesitzer-Partei hatte wenigstens in Fulda auch Interesse für die Mieter. Alle größeren

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