Unsere Hoffnung.
5s gibt eine Reihe tapferer junger Menschen, die sich ehrlich und ausrchtig immer als das bekennen, was sie innerlich sein wollen. Sie gehen kämpfend gegen den Schlendrian unserer Tage vor, sie reißen den Maskierten die Larve von den Gesichtern und fordern eine echte deutsche Art. Und es gibt noch Erwachsene, in Stürmen Erprobte, die sich nicht scheuen, immer ganze Männer zu sein. Wenn es wahr ist, daß aus kleinstem Samen doch noch Großes wachsen kann, so liegt hier die Hoffnung auf eine Erneuerung deutscher Art und Sitte. Dr. Joseph Albert.
„MtGrafZeppelmum die Welt"
Von Josef Peters.
Die deutschen Pressevertreter bei der Wettfahrt des Grafen Zeppelin" haben ihre Tagebücher über die denkwürdige Reise um die Wett herausgegeben. Mit nationalem Stolz und größtem Interesse hat man die Broschüre gelesen, die Max Geisenheyner im Verlag der Frankfurter Zeitung herausgab, sowie das Gedenkbuch der „Woche", in dem der Vertreter des Scherlver- lages seine Eindrücke schildert. Bilder von eindrucksvoller Kraft erläutern die Texte. Wir bewundern die Mannschaft, die der Natur ihren Willen aufzwingt und stimmen ein in das Triumphlied der Technik, das laut über den Erdball den Sieg des Menschengeistes findet. Dir möchten zärtlich die Motore streicheln, die in unzähligen Kraftstößen den Luftriesen durch eisige Orkane und stürmische Gewitter vorwärts drückten. Mit innerer Ergriffenheit erleben wir die gewaltigen Naturbilder, die uns in den Reiseberichten mit plastischer Darstellungsgabe geschildert werden. Unter uns knistert die schwelende Lohe ungeheurer Waldbrände bei der raschen Fahrt über Rußland, wir fühlen die Majestät unendlichen Schweigens in den Tundren, freuen uns kindlich über die Empfänge durch die Japaner in Tokio, als wenn wir selbst dabei wären. Und dann geht durch unsere Seele die Beklommenheit einer sechzigstündigen Fahrt über ein im wahren Sinne „totes Meer", das einsamer fast daliegt als die von Sümpfen, Wäldern und glitzernden Fluß- fchlangen gegliederte rusiische Landschaft. Wir stimmen ein in die wilden Naturlaute des Entzückens, die die Amerikaner ausstoßen, als Los Angeles im Licht der Abendsonne sich wie ein Paradies von Schönheit dar- stellt. Immer wieder sehen wir uns das Bild an, das die Besatzung des Luftschiffes auf der via triumphalis des Newyorker Broadway im Papierschnitzelregen darstellt.
Wie eine Entspannung wirken in diesem Schauspiel von Kraft und Schönheit die Szenen aus der Kleinwelt der Passagiere. Dag man Sekt trinkt, Schuhplattler tanzt, sich rasiert oder auch nicht rasiert, daß Lady Drummond früh aufsteht, um den Herren nachher ihr Waschkabinett zur Verfügung zu stellen, daß ihr nettes Spielkätzchen am Flughafen in Kansumigaura totgeschlagen wurde, das alles möchten wir garnicht in der Erzählung missen. Und wenn man uns berichten würde, man hätte sich im Luftschiff über die schwierigsten wissenschaftlichen und philosophischen Probleme unterhalten, würden wir es nicht glauben. Denn wir wissen, daß vor den Sinnen der Passagiere sich die Eindrücke jagten, daß man eben „nicht zu sich selbst kam".
Und dennoch hat man am Schluß die Frage aus den Lippen: War das alles? War das Euer ganzes Erleben in den 21 Tagen, während derer das Tiefste Eurer Seelen aufgeriffen wurde, während vor Euren Augen die Natur in ihrer erhabenen Schönheit und erschütternden Größe sich entfaltete? Habt Ihr garnicht mit der Meta physikderNatur jene Fühlung bekommen, die der schlichte Bauer hat, der nicht so Gewaltiges sieht wie Ihr? Wir erwarteten nicht, daß Eure Radiodepeschen Stoff zu einer religiösen Morgenfeier böten, wir hätten gelacht, wenn Ihr uns angepredigt hättet. Aber ein irgendwie geartetes schlichtes Be- kenntnis zur Gröhe und Schönheit dessen, der im Bilde der Schöpfung die Spuren seiner ewigen, unendlichen Herrlichkeit Euch ausbreitete, einen schttchten Dank an Gott für das Gelingen einer doch nicht ganz ungefährlichen Fahrt hätten wir doch immerhin erhofft. Daß Euch bei der Fahrt nicht immer ganz geheuer war, gebt Ihr doch selbst zu. Was seid Jhr^ eigentlich für Menschen? Habt Ihr nicht den Kausaltrieb in der Brust wie feit Jahrtausenden die größten Denker und Dichter, die ehrfürchtig in die Knie sanken, wenn „der gestirnte Himmel über ihnen" (Kant!) sich entfaltete und des Ewi- .............. ■■■aMaan——ae—naa—!■■!! iria» 111
Als der große Führer Adolf Kolping im Jahre 1865 aus ihrer Mitte genommen wurde, früh hinweg- gerafft durch das Uebermaß feiner Arbeit, und als man ihn begrub in der Minoritenkirche in Köln, wo heute fein Denkmal steht, da fah man schon 418 Zweige (24600 Mitglieder) an dem Kolpingsbanm, der feine Wurzel fest hineingefenkt hatte in die Ufer des Rheins, in den Schatten des Kölner Doms. Das Werk aber schlief mit seinem großen Führer nicht ein, sondern wuchs weiter, trotz des Bruderzwistes im Jahre 1866 in Deutschland, ttotz des Krieges von 1870, ja trotz Kulturkampf und Verfolgung.
Dann kam der Weltkrieg und schlug die schwersten Wunden. Man hätte glauben sollen, der Gesellenverein würde auch, wie so manche ehrwürdige Institution, durch Weltkrieg und Revolution hinweggefegt werden. Aber das Gegenteil war der Fall. Die Gesellen haben den Verein viel stärker gemacht als je zuvor. Zn Zwanzigtausend trafen sie sich zu Pfingsten im Jahre 1922 in Köln und feierten ein großes Auferstehungsfest. 1925 zog ein gewaltiger Pilgerzug nach Rom, um dort das Haus einzuweihen. Beim Eucharistischen Kongreß in Chicago trafen sich über tausend Präsides und Mitglieder des Gesellenvereins in der neuen Welt; und fünfzehntausend waren es, die Pfingsten 1927 in der Donaustadt Wien sich versammelten und dort „F a - miIie, Demokratie und Dölkerfriede" als ihr Programm der Welt laut verkündeten. Heute stehen 120 000 junge Menschen nicht nur in Deutschland, auch in Oesterreich, in Holland, in der Schweiz, in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Rumänien, in Südtirol und Danzig, in Nord- und Südamerika da, die alle euch als Brüder begrüßen möchten, damit auch ihr noch alle dabei seid in der großen Bewegung der Kolpingsfamilie.
Wir sprechen da von einer Kolpingsf amilie. Gewiß werdet ihr stutzen, wenn ihr das Wort Familie höret. „Wie?" fragt ihr euch, „sollten alle diese jungen Menschen wie in einer Familie sich verbunden fühlen um ihren gemeinsamen Vater, den Gesellenvater Adolf Kolping? Sollten sie Freud und Leid gemein-
Don dem Diözesansenior des Gesellenvereins in der Diözese Fulda werden wir um Veröffentlichung des folgenden Aufrufs gebeten:
„Was sind das für Leute, die Gesellen, die Kolpings- söhne, die bas Verbandsabzeichen mit dem Kreuz und den drei Schildern tragen, die da als Banner das schwarze K auf goldenem Grund vor sich herschwingen?" Das fragt ihr uns wohl, und darauf wollen wir euch eine kurze und klare Antwort geben. Gefellen- vereinsmitglieder, Kolpingsföhne, das sind junge werktätige Menschen, die den Mut haben, etwas aus sich zu machen in der Welt und ebenso den Mut haben, durch sich etwas zu machen aus der Well. Ihr möchtet aber sicherlich etwas genaueres wissen, und da sagen wir euch weiter: Der Gesellenverein ist eine Bewegung, ist eine Gemeinschaft, ist eine Kampfesschar.
Da waren im Jahre 1845 einige Gesellen in Elberfeld, dort im Wuppertal, die das Bedürfnis in sich fühlten nach einem engeren Zusammenschluß. Sie wollten etwas Rechtes wirken und suchten deshalb nach einem Führer. Sie fanden zunächst einen Meister, dann einen großherzigen Lehrer, Breuer mit Namen, einen Kaplan und zuletzt den rechten Mann, den Gesellenvater Adolf Kolping, der auch einmal ein Geselle, also ein Stcmdesgenosse gewesen war. Er hatte die Leiden und. Sorgen dieser jungen Proletarier am eigenen Leibe mitertebt, hatte sich auch auf den Arbeitsstätten herumschlagen müssen, und da er sö ein rechter Schuhmacher gewesen war, so wußte er, wo sie der Schuh drückte. Er stellte sich an ihre Spitze. So wurde denn aus den jungen Gesellen mit Hilfe des älteren Gesellen, eben des früheren Schuhmachers Adolf Kolping, der Gesellenverein, und die Gesellen mit dem Gesellenvater an der Spitze trugen nun den Gesellenvereinsgedanken durch die Lande. 1849 trafen die ersten Gesellenoereinsapostel in Köln ein, im selben Jahre in Düsseldorf, einige Zeit später in Bonn, in Koblenz und Aachen sowie Mainz, dann auch schon in Münster, in München, in Wien, in Berlin, ja weiter in Budapest, in Zürich und Luzern, in Agram und Czernowitz.
gen Ehre rühmte? Kommen Sie ohne Metaphysik aus, Herr Geisenheyner, wenn Sie in der wechselnden Beleuchtung von Tag und Nacht über Berge und Tqler und Meere dahinfahren, wenn die gurgelnden Blasen der sibirischen Sümpfe wie tolle Irrlichter aus einer endlosen Dunkelheit zu Ihnen emporglitzern? Oder haben Sie vielleicht solche Gedanken gehabt und, wie Ihr Kollege vom Verlag Scherl, nicht darüber gesprochen, weil so etwas nicht Mode ist? —
Doch halt! Als Sie „die Hölle der Tundren" durchquerten, haben Sie nach Ihrem Bericht folgenden Gedanken gehabt: „Wenn ich der liebe Gott gewesen wäre, ich hätte das Schiff für Sekunden zu Boden gedrückt, hätte das Sumpfwasser droben an den Scheiben emporspritzen lassen, auf daß die kleinen Leutchen im Salon erschreckt an die Scheiben eilten und bleich wurden von der teuflischen Größe dieser Stunde."
Das fängt so an, wie das 6tubentenlieb: „Wenn ich einmal ber Herrgott wär, mein Erstes wäre bas . . ." — Wenn ber Herrgott nun wirklich bas Schiff hier im Sumpfe hätte verlocken lasten, ob Sie von der „teuflischen Größe dieser Stunde", die Ihre letzte hätte fein können, auch so obenher und fast blasphemisch Radiotelegramme in die Welt gefunkt hätten?
Aber es konnte kein Unglück geschehen: Denn „auf dem Aluminumgestänge ber Führergondel sah ich zwischen den Ketten und Rädern die Talismane der Besatzung: einen ausge stopften Hund, einen merkwürdigen, aufgeblafenen Gummivogel, der in ber Silhouette stolz durch die Nacht marschierte" . . . „Wenn Knud Eckener am Höhensteuer steht und ber Talisman- Vogel (im Bericht bes Scherlverlages" bas Glückstier Hans Huckebein" Verf.) auf dem Gesims entlang geht, was kann da schon passieren?" Man möchte an einen Scherz glauben, wenn man nicht wüßte, wie sehr ber Talismankult z. B. in A u t o f a h r e r k r e i f e n im Schwünge ist. Ob solcher Aberglaube wohl auch zu „jener wunderbaren echten Gläubigkeit" zu zählen ist, „die (nach
Geisenheyner) mit Dogma und Kirche nichts zu tun hat", und der nach demselben Berichterstatter der mitfahrende Polarforscher Wilkins angehörte, jener Wilkins, von dem ber Scherlberichterstatter erzählt, daß er in Newyork „gestern Hals über Kopf die reizende Schauspielerin Begänne Beneit geheiratet?"
Wir wollen indes nicht über die zufällig gufammen- gekommene bunte Reisegesellschaft bei ber Wettfahrt bes Zeppelin zu Gericht sitzen unb uns bantbar bafiir erzeigen, baß ihre Menschlichkeiten interessierten Millionen auf den Frühstückstisch gefunkt unb gefabelt mürben. Das ganze ist uns vielmehr Kulturbild aus einer großen Stunde des deutschen Volkes. Zivilisationsschaum ohne Tiefel Technischer Triumph und dabei eine ramponierte Seelentuttur. „Ich habe Chaplins verehrungsvolles Gesicht im Gedächtnis. Er saß in der Nähe Eckeners und lächelte hin und wieder". So berichtet Geisenheyner ehrfurchtsvoll über die Filmgröße Charlie Chaplin. Aber ber Name Gottes begegnet nirgenbs ehrfürchtigem Gedenken.
Im Gebenkbuch ber „Woche" wirb hervorgehoben, baß Christoph Kolumbus nach feiner großen Entdeckungsfahrt behauptete, nicht m Vernunstfchlüsten, Mathematik und Weltkarten Hiffe gefunden zu haben, sondern daß durch ihn einfach in Erfüllung gegangen fei, was ber Prophet Jsaias geroeisfagt hatte. Das Diktum mag stimmen. Hat man bamals bei einem technischen Unternehmen vielleicht zuviel Gläubigkeit gezeigt, so heuer oft entschieden zu wenig. Es ist hier nicht einmal zunächst an den Offenbarungsglauben zu denken, sondern an die natürliche Gotteserkenntnis durch die Vernunft, von der die Bibel sagt: Nur der Tor spricht in seinem Herzen: es gibt keinen Gott! Das „ewige Schicksal" mit einem Glücksvogel „Hans Huckebein" zu beschwören, ist Vorrecht westlicher Geistesbekadenz. Schabe, baß die frische Naturluft bet der Fahrt durch von Menschen nie betretene Breiten den sonst sehr sympathischen Berichterstattern nicht zu einer „primitiveren" und darum echteren Weltanschauung verhalfen hat.
Wir sind kolpingsföhne!
Ein Work an die katholische Ingend von Fulda und Umgegend
fam tragen, wie treue Freunde Zusammenhalten, ja, wie echte Brüder Hand in Hand legen und so durchs Leben gehen? Das wäre doch etwas ganz Großes, Außergewöhnliches in unserer Zeit, in welcher der eine nur des anderen Feind zu sein scheint. Sonst sucht doch ber eine ben anderen zu Übervorteilen, sucht ihn irgendwie auszubeuten. Da im Gesellenverein soll es aber ganz anders sein? Da soll Liebe und Sorge sein um mich her? Da soll man mir helfen, mich weiterzubilden im Beruf, mein geistiges Blickfeld zu erweitern? Da soll man mir Heim und Herd geben auf der Wanderschaft in ben über 400 Häusern, die die einzelnen Vereine ihr eigen nennen, unb in ben Wanderheimen, die auch die anderen Vereine, die keine eigenen Häuser haben, mir bieten?" — Da schaut ihr uns ungläubig an. Aber in ber Tat, im Gesellenverein wird bas Unmögliche nicht nur möglich, sondern ist sogar wirklich. Gewiß, es gibt auch dort solche, die noch nicht ganz erfüllt sind von diesem Familiengeist, denn auch im Gesellenverein sind Menschen. Aber daran darf man sich nicht stoßen. Wenn ihr auf das große Ganze schaut, dann werdet ihr in der Tat eine Familie vor euch sehen, die jedes Mitglied mit liebender Sorge umfaßt, bie Zeit und Gelb, und zwar Tausende und aber Tausende opfert für ihre strebenden, wandernden und notleidenden Kolpingsföhne. Darum sagen wir euch mit Stolz: Wir sind nicht nur eine Bewegung, wir sind mehr: wir sind eine Gemeinschaft. Darum wollen wir in euch keine neuen Mitglieder kapern, sondern wir möchten in euch Freunde und Brüder gewinnen.
Solche Gemeinschaft, die ihr im tiefsten Herzen spüren und wünschen werdet, müßte eigentlich im ganzen Volke sein; ja, die müßte nicht nur im einzelnen Volk fein, bie müßte alle Völker ber Erbe miteinander verbinden. Statt des krassen Eigennutzes, statt der skrupulösen Ausbeutung, statt ber klaffenden Klassenunter schiebe, ba müßte ein einig Volk sein, in dem jeder gilt und geachtet wird als Mensch, geschätzt wirb ob seiner Leistung. Nicht ber Gelbbeutel sollte triumphieren, nicht ber Dünkel, nicht Geburt unb Rang, es sollte nur gelten der Mann, der etwas kann.
Wenn wir aber diese Gesinnung im Volk wünschen, bann müssen wir sie zuerst bei uns selbst haben. Wenn wir sie aber bei uns selbst haben unb wenigstens borum ehrlich kämpfen und ringen, bann dürfen wir auch mit Recht um diesen Geist im Volke kämpfen und bas wollen wir. Weil wir eine Gemeinschaft sink» unb weil wir bei uns bie Gemeinschaft immer mehr vertiefen wollen, barujn verlangen wir diese Gemeinschaft im Volke und in der Welt. Um diesen Geist geht unser Kampf. Das besagen unsere Forderungen: Fa- mitte, Demokratie und Völkerfriede; Gemeinschaft im kleinsten Lebenskreise, in der Familie, Gemeinschaft aller Volksgenossen im Volke, Demokratie, Gemeinschaft aller Völker, Völkerfriede. Wir wissen, daß hier nicht schnelle Siege zu erringen sind, sondern baß hier ein zäher Kampf auf lange Sicht einsehen muß. Darum findet ihr in unseren Reihen nicht soviel Geschrei, hört keine revolutionären Phrasen, sehet keine wütenden Gebärden. Kokpingssöhne wissen, daß sie aus der Liebe heraus und nicht aus dem Haß heraus kämpfen; sie wollen nicht bloß fordern, sondern erst aus sich selbst was machen, ehe sie den Hobel an bie anderen ansetzen. So sollen nicht Polterer unb Rabauschläger, fonbern die stillen, zähen Kämpfer aus unseren Reihen her- vorgehen, die da erfüllt sind von ihren großen Aufgaben und innerlich glühen von Kampfeslust.
Was wir im Gesellenverein sind? so fragt ihr uns. Was wir sind und was wir sein wollen, das ist euch hoffentlich klar geworden. So stellen sich die Kolpings söhne vor euch hin als junge, frische, stolze Menschen voll innerer Bewegung und frohem Tatendrang, bie freundschaftlich bie Hänbe ineinanberlegen unb bie in gemeinsamem Frontangehen gegen alles Niederziehenbe im Volke und die den Kampf wagen für die eigenen großen Forderungen. Dazu gehört der Mut, von dem wir eingangs sprachen. Wer ben hat, ber kann zu uns kommen. Aus ben warten wir.
Die Kolpingsföhne ber Diözese Fulba.
nur „Kufeke" unb
frische Milch für
Dein Kinö!
Du wirst Freude haben.
MMMWGSkkM Wm.
Roman von M. W. Sophar.
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Dann nach einer Weile: „Ich hoffe, daß, wenn Sie zu Frau Bendler gehen. Sie sie nicht fortwährend mit Ihrem Mißtrauen verfolgen werden ober Dinge sehen wollen, die in Wirklichkeit gar nicht existieren. Es i't doch schließlich sehr gütig von der Dame, sich Ihrer anzunehmen und Ihre Beschützerin zu sein. Sie macht sich wegen einer Fremden dadurch viel Umstände, bas dürfen Sie doch nicht vergessen."
„Das vergesse ich auch nicht!" Ihre Lippen schlossen sich mit dem festen Druck, an ben sich Brand allmählich gewöhnte. „Aber sie tut bas boch nicht alles aus reiner Liebe zu mir? Sie wird doch dafür bezahlt?"
„Sie machte mir bas sehr freundliche Anerbieten, Sie als Gast bei sich mifzunehmen, aber —"
„Sie hatte nicht die Absicht, das wirklich zu tun," fuhr das Mädchen rasch fort unb lachte mit dem ganzen Gesicht. „Sie sagte mir auch, mich als Freundin aufzunehmen, aber ich fah sofort, daß das nicht ihr Ernst war. Ich btn ihr vollständig auf die Sprünge gekommen."
Der Anwalt war sprachlos. Ja, dieses scharffichtige Mädchen hatte ihn übertrumpft und seinen männlichen Verstand in ben Schatten gestellt. In seiner langen Praxis war ihm noch kein solches Mädchen vorgekom- wen, unb er blickte es mit einer gewissen Nervosität an, als es jetzt aufftanb unb noch weiter sprach:
„Ich gehe aber trotzdem zu ihr. Sie können sich nvt fhr, sobald es Ihnen beliebt, verständigen. Ich muß nun einmal lernen, wie man eine Dame wird, und je eher ich damit beginne, desto schneller lerne ich es. Ich möchte wohl wissen, wie Fräulein Bendler darüber denkt,
ich bei ihnen wohne. Vielleicht wird sie sehr dagegen sein."
Brand hatte nicht ben Vorzug, Fräulein Bendler zu kennen, er begriff aber recht gut, wie viel Wahres in den Worten seiner jungen Klientin steckte.
Er sah ber sonderbar gekleideten Gestalt nach, als sie di« Stufen, bie aus seinem Zimmer führten, hinabschritt,
unb er stellte sich vor, welches Aufsehen biefe Erscheinung in Frau Bendlers elegantem Salon machen würde.
6. Kapitel.
Fräulein Stella Bendler befand sich mit ihrer Mutter allein in dem kleinen Zimmer, bas dieser als Boudoir diente, und Frau Bendler hatte das halbe Stündchen nach ber Mittagsmahlzeit als geeignet befunden, ihrer Tochter von ihrem Vorhaben Mitteilung zu machen.
Sie ruhte in ihrem Lehnsessel, unb Stella lag zuerst in einer ber ihr eigenen anmutigen Stellungen auf einem kleinen Divan. Aber als Frau Bendler auf ben Höhepunkt ihrer Erzählung gelangt war, und erklärte, Fräulein Mühe ins Haus nehmen zu wollen, unb bie finanzielle Frage unwiderruflich erledigt zu haben, schnellte das junge Mädchen plötzlich in die Höhe, seine Wangen und Augen glühten.
„Du kannst das Geschöpf nicht hernehmen, Mutter," rief sie, unb ihre sonst so sanfte Stimme klang laut und schrill. „Denke dir boch, ein Dienstmädchen bei uns als Unseresgleichen! Es ist ganz unmöglich!"
Frau Bendler sah ihre Tochter an, bei deren unerwartetem und unvorhergesehenem Widerspruch ihr einen Augenblick die Worte sehtten. Dann sagte sie nach einer kleinen Weile ruhig:
„Unmöglich? Meine liebe Stella, du vergißt dich!"
„Mir scheint es allerdings unmöglich, unb weshalb sollten wir denn solch ein Mädchen in unserem Hause aufnehmen? Was geht es uns an, ob es lernt, wie eine Dame aufzutreten ober nicht? Ich bin überzeugt, Arthur wirb dein Vorgehen nicht billigen!"
Frau Bendler kniff ben Mund zusammen. An Widerspruch war sie nicht gewöhnt, am wenigsten von seilen Stellas, und sie hegte nicht die geringste Neigung, ihrer Tochter eine Kritik ihrer Handlungen zu gestatten
„Arthurs Zustimmung ist für mich ganz ohne Belang. Ich bin im höchsten Grade überrascht, dich m dieser Weise sprechen zu hören."
Bis jetzt hatte bie kalte Ruhe ihrer Mutter eine Wirkung auf sie nie verfehlt, wenn bei ben äußerst seltenen Anlässen einer Meinungsverschiedenheit Frau Bendler diese Haltung annahm; jetzt befand sich Stella
aber in einer so ungewöhnlichen Aufregung, daß sie sich nicht fo leicht zum Schweigen bringen ließ.
„Unb ich bin noch mehr überrascht, baß du daran denken kannst, die ungebildete Magd einer Zimmervermieterin in unser Haus einzulaben! Weshalb soll ich mich mit einem solchen Mädchen abgeben? Du kannst es doch nicht mit mir zusammen irgendwo hmführen! Cs wird uns niemand mehr auffordern, wenn du die Magd chaperonierst!"
Frau Bendler wurde bei jedem Wort kühler und strenger.
„Man überlegt es sich nicht lange, die Besitzerin von zwei Millionen Mark aufzufordern," sagte sie eisig, „selbst wenn diese zufällig von niedriger Herkunft ist. Verstehe mich ein für allemal richtig, ich dulde keine Ungehörigkett gegen das Mädchen. Laß mich nicht wieder hören, daß du dich mit Miranda Mühe nicht abgeben kannst und dich weigerst, mit ihr zusammen auszugehen! Wenn ich bereit bin, Fräulein Mühe als Anstandsdame zu dienen, so ist es meinerseits nicht zu viel von dir verlangt, daß du liebenswürdig gegen sie bist, unb bas fordere ich von dir!"
Stella verließ den Divan und ging in dem kleinen 3immer heftig unb händeringend auf unb ab. Ihre Lippen bebten wie bei einem unartigen Kind, und ihre großen Augen schwammen in Tränen.
Ihre Mutter saß ganz ruhig und beobachtete sie mit vergnügtem Lächeln. Niemand wußte besser als sie, daß des Mädchens Widerstand, so zornig und scheinbar entschieden es auch war, gar bald oorüberging, weil fein schwacher Charakter sich von einem stärkeren unbedingt beherrschen lassen muhte.
„Es ist zu arg, wirklich zu arg. und zu gräßlich, daß ich liebenswürdig gegen ein Mädchen fein soll, bas tn einem greulichen Mietshause die niedrigsten Dienste verrichtet hat. Es ist rücksichtslos gegen mich!"
„Du redest töricht und in den Tag hinein! Ich habe meine guten Gründe für mein Tun. Glaubst du denn wirklich, daß ich ohne diese mich solcher schwierigen und unangenehmen Aufgabe unterziehen würde?"
Stella unterbrach ihr stürmisches Hin- und Her- rennen unb blieb neben dem Sessel ihrer Mutter stehen.
Die letzten Worte hatten ihren Eindruck gemacht, sie blickte fragend in das unbewegliche Gesicht vor ihr.
„Weshalb willst du es denn tun?"
„Es märe vernünftiger von dir gewesen, diese Frage zuerst an mich zu richten, statt dich aufs hohe Pferd zu setzen und aiSsr zu reden. Glaubst du wirklich, daß ich das Abkommeck aus Vergnügen getroffen habe?"
Stellas hübsches Gesicht senkte sich; es wurde rot.
„Im allgemeinen hast du ja Vertrauen zu meinen Gründen," fuhr Frau Bendler sanfter fort „unb beshalb dachte ich, daß du auch in diesem Fall von vornherein überzeugt fein müßtest, daß ich richtig handle."
Stella blickte ihre Mutter zweifelnd an. Noch blieb ein rebellischer Ausdruck in ihren Augen, aber bie lange Gewohnheit des Gehorsams unb ber Nachgiebigkeit gegen die Ansichten ihrer Mutter erfüllten sie plötzlich mit einem Gefühl der Scham, sich gegen eine mütterliche Meinung empört.$u haben. Der kalte, klare Blick von Frau Bendler hatte ben Üblichen Erfolg, Stella von der eigenen Unbedeutendheit und kindlichen Torheit zu überzeuge-'..
„3a — ich bedauere," stotterte sie, „aber — ich möchte—"
Sie zögerte, und die Mutter vollendete den Satz:
„Du möchtest, Fräulein Mühe käme nicht zu unsl Ja, mein liebe« Kind, in gewisser Beziehung ist bas auch mein Wunsch. Sie ist unerzogen und ungebildet, ein vollkommenes Kind aus dem Volke, und ich werde zweifellos schwere Arbeit mit ihr haben. Anderseits wird sie wahrscheinlich wegen ihres ungewöhnlichen Glückes großes Aufsehen unb Sensation in ber Gesellschaft machen, sodaß ich gerade gern diejenige bin, bie die Erbin einführt. Außerdem hat deine Mutter die praktische Seite ins Auge zu fassen, mein liebes Kind."
Fran Bendlers Stimme wurde weich, wie sie bas nur allein zu tun verstand. Dann berührte sie SteHa? Hand unb strcichelie sie. Ihre Augen verloren plötzlich jede Härte unb blickten fast rührend in das beschämte Gesicht ber Tochter.
„Die praktische Seite," stammelte bas Mädchen. „Ich weiß natürlich, baß wir nicht reich sind, Mutter — aber wir brauchen uns boch nicht für arm zu hatten?"
Frau Bendler liebkoste die Hand, bie sie hielt, unb lächelte traurig.
(Fortsetmna folat.i