uloaerZertung
M Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
56. Mrg.
Freitag- 25» Oktober 1929
Hugenbergs Stern ist im Sinken. Schlag auf Schlag trifft den kurzfichkigen Führer der Nationalisten. Leider mutz der Steuerzahler die Zeche für das törichte Volksbegehren zum grotzen Teil bezahlen. — Gegnerschaft gegen das Volksbegehren bedeutet nicht Begeisterung für den Voung-Plan. — Auch konservative Menschen schämen sich des Anheilstifters Hugenberg.
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___ Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt _ #> A5L I im Bild" und „Buchonblätter". Rotationsdruck und Verlag
1LV» *** I der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- 1:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Deichsminist er Dr. Wirth sprach in Heidelberg in der Stadthalle über das Thema Degen das Volksbegehren, für deutsche Freiheit!" und führte dabei u. a. aus:
Das Volksbegehren vollzieht sich nicht im luftleeren Raum, es vollzieht sich vielmehr in der lebendigen Wirklichkeit, die nicht stille steht. Jeder Tag bringt neue Begebenheiten, die uns neue Aufgaben zuweisen. Wie man es auch betrachten mag, außen- oder innenpolitisch, das Volksbegehren ist in dieser Uiiabgeschlossenheit der Youngplan-Entwicklung eine Sinnlosigkeit. Hält man mit fünfer» „atmen Menschen Zwiesprache, so kann man deutlich sehen, wie sie sich der Voreiligkeit Hugenbergs geradezu schämen. Mag jemand noch so sehr den Sturz eines ihm verhaßten Systems wünschen, so darf er doch niemals die Politik seines Landes und seines Volkes sabotieren. Niemand kann die Verantwortung übernehmen, die Gesundungskrise Hugenbergs herbeizuführen, von der Hugenberg in Bezug auf den Dawes-Plan spricht. Der Minister wandte sich im weiteren Verlauf seiner Ausführungen gegen die von deutschnationaler Seite geltend gemachte Deutung der Rede des Prälaten Kaas in Dortmund und wies darauf hin, daß Dr. Kaäs nicht an der Tatsache vorbeigegangen sei, daß d i e christlichen, konservativen ©lerne nie bei den Deutschnationalen zur Zeit ohnmächtig seien. Es sei falsch, wenn man aus den Worten Dr. Kaas' auf eine Umstellung des Zentrums und seiner Politik schließen wollte. Ich schüttele, so betonte Dr. Wirth, diese Erklärung nicht aus dem Aermel, darauf möchte ich besonders aufmerksam machen. Jeder Deutsche, so suhr der Minister fort, hat das Recht und die Pflicht, den Youngplan zu kritisieren. Von irgend einer Begeisterung für den Youngplan kann gar keine Rede sein. Er bedeutet vielmehr eine schwere Last und wird immer als solche empfunden werden. Der Youngplan ist die Folge des verlorenen Krieges, den zu liquidieren die politische Aufgabe des jungen Geschlechts:ft. Wir find mit dem Youngplan noch nicht über den Berg, waren es gestern noch nicht und sind es heute nach dem Sturz des Kabinetts Briand erst recht nicht. Briand selbst hat in seiner Rede darauf hin- gewiesen, daß die Kammer volle Freiheit habe, die Beschlüsse der Haager Konferenz anzunehmen oder abzulehnen. Es muß auch gesagt werden, daß d i e ArbeitenderHaagerKonferenznoch nicht zu Ende sind. Die Verhandlungen m den verschiedenen Kommissionen dauern noch an. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen werden für unsere Entscheidung von großer Bedeutung sein. Die Zentrumspartei hat durch Prälat Kaas alle, die guten Willens sind, aufgefordert, durch Selbstkritik und objektive Kritik beim Ablauf der Dinge sich auf die große Entscheidung vorzubereiten. Die Hugenberg'sche Kritik läßt der Entscheidung nicht ihren Lauf, sie nimmt sie gleichsam dogmatisch vorweg und endetdamitinderSackgasse, aus der es keinen Ausweg mehr gibt.
Der erste Streich.
Der Staatsgerichtshof hat den Antrag ber beutschnationalen L a n d t a g s f r a k- tion abgelehnt, eine einstweilige Verfügung zu erlassen, durch die der preußischen Regierung untersagt werden sollte, in dem bisherigen Sinne ihre Stellung zu der Frage zu präzisieren, ob Beamte sich für das Volksbegehren eintragen dürfen. Die Ablehnung ist in der Hauptsache mit der Begründung erfolgt, daß der Erlaß einer derartigen Verfügung zugleich eine Entscheidung über de n e i - gentlief»en Streitpunkt enthalten wurde, nämlich darüber, ob die Beteiligung von Beamten am Volksbegehren mit den Beamtenpflichten vereinbar sei bezw. ob es eine Einschränkung der verfassungsmäßigen Rechte der Beamten bedeute, wenn sich Reichs- und preußische Regierung gegen eine Beteiligung der Beamten aussprechen. Eine materielle Entscheidung des Staatsgerichtshofes liegt also noch nicht vor; sie ist erst in 14 Tagen zu erwarten.
Der zweite Streich.
Aus dem Preußischen Landtag wird gemeldet:
Rach der Ablehnung der sofortigen Beratung verschiedener kommunistischer Anträge überwies am Mittwoch zunächst der Landtag die neuen Bedingungen des Wohlfahrtsministeriums für die Gewährung von staatlichen Baudarlehen dem Ausschuß für Wohnungs- und Heimstättenwesen. Dann folgte der Bericht'des Gefchäftsordnungsausfchus- ses über Anträge auf Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeordneten. In 14 Fällen beantragte der Ausschuß die Verweigerung der Strafverfolgung, in 23 Fällen die Genehmigung. In diesen 23 Fällen handelt es sich nm kommuni st ische und nationalsozialistische Abgeordnete, die der Beleidigung, Vergehens gegen die Aufruhrparagraphen und anderer Vergehen beschuldigt sind. Die Beratung wird zurülkgestellt, bis die in der leßten Woche zurück- gestellten Abstimmungen zur Poungplan-Debatte vorgenommen sind.
Der deutschnationale Antrag, der das Staatsministerium ersucht, im Reichsrat gegen
den Youngplan zu stimmen, wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Der deutschnationale Antrag auf Gewährleistung des Rechts der Beamten auf Eintragung beim Volksbegehren wird mit 241 gegen 160 Stimmen abgelehnt. Ebenso wird ein Antrag des Abgeordneten Borck (Du.), den deutschnationalen Antrag, der sich gegen die Auflösung des Stahlhelms in Rheinland-Westfalen wendet, dem Rechtsausschuß zu überweisen, abegelehnt.
Der deutschnationale Mißtrauensantrag gegen die Regierung wird sodann
mit 218 gegen 114 Stimmen abgelehnt.
Es folgt nun die gemeinsame Beratung der Steuernotoerordnungen der Regierung. Der Hauptausschuß hat dieser Verordnung zugestimmt. Die Notverordnung über die Verlängerung der Gewerbesteuer wird mit 180 gegen 158 Stimmen, die Verlängerung der Grundvermögenssteuer mit 187 gegen 162 Stimmen, die Verlängerung der Hauszinssteuer mit 194 gegen 166 Stimmen angenommen. Weiterberatung Donnerstag.
Ein dritter Streich.
Der Vorstand der Fachgruppe der juristisch-verwaltungsmäßig vorgebildeten höheren Beamten in Preußen, in der die den preußischen Oberpräsidien, Regierungen und Polizeipräsidien angehörenden höheren Verwaltungsbeamten zusammengefaßt sind, hat in seiner Sitzung vom 23. Oktober einstimmig folgenden Beschluß gefaßt:
Da unsere Mitglieder als Organe der Staats» regierung bei der Durchführung staatspolitischer Aufgaben in maßgeblicher und verantwortlicher Weise beteiligt sind, halten wir uns aus allgemeinen staatspolitischen Erwägungen für berechtigt und verpflichtet, unsere Mitglieder vor jedem Eintreten für das Volksbegehren zu warnen; abgefehen von allen sonstigen Bedenken gegen das Volksbegehren mißbilligen wir auch aus beamtenpolitischen Gründen insbesondere den § 4, der verantwortliche Beamte, die lediglich in Erfüllung ihrer Pflicht handeln, als Landesverräter bestraft wissen will.
Ein vierter Streich.
Im „Deutschen Volksrecht", dem offiziellen Zentralorgan der Volksrecht-Partei und des Sparerbundes finden wir eine drastische Stellungnahme gegen das Volksbegehren der „nationalen Front" Hugenberg — Hitler — Stahlhelm. Der Vorsitzende der Berliner Volks- recht-Partei, Schultz-Oldendorf, begründet die Ablehnung durch folgende Mitteilung:
Graf Posadowsky, Dr. Best und Professor Bauser verlangten, daß auch die Beseitigung der Lüge von der innerdeutschen Entschuldung in dem Volksbegehren gefordert würde, der Lüge, die ebenso gefährlich ist wie die Kriegsschuldlüge, ja noch verderbenbringender, da durch sie die Tributlast verdoppelt ist. Dieses echt vaterländische Verlangen ist von dem Reichsausschuß' nicht anerkannt worden. Graf Posadowsky, Dr. Best und Professor Bauser haben keine Antwort erhalten. Weshalb nicht? Weil die Kreise des Volksbegehrens sich schützend vor die Gewinne der Jnflationsgewinnler und Schuldenabschüttler stellen!
Hugenberg, der in der Inflation groß geworden ist, wäre auch wirklich als Patron der Kleinrentner schlecht denkbar.
Menfchenexporl?
Der Yuung-Plan teilt, schon im Stadium des Werdens (noch sind Beratungen über bedeutsame organisatorische Fragen im Gange), das Schicksal wichtiger geschichtlicher Vorgänge: Legendenbildung beginnt ihn zu überwuchern. In Kreisen, die der neuen Reparationsregelung skeptisch gegenüber« stehen, die vor allem und nicht ohne Grund an die lange Laufzeit der Schuldverpflichtung Bedenken knüpfen, hat man die Frage aufgeworfen: was geschieht, wenn sich die Lasten des Young-Planes — mögen sie an sich auch erheblich geringer fein als die des Dawes-Planes — eines Tages als untragbar erweisen? Werden in diesem Fall Mittel härtesten Zwanges von Gläubigerseite angemenbet werden, um Zahlungen aus Deutschland herauszupressen? Etwa „Sanktionen" in neuer Form? Und erlaubt sie der Young-Plan?
In öffentlichen Versammlungen, in einem Teil der Presse, auch in der Broschürenliteratur, die über den Young-Plan üppig ins Kraut wird eine höchst phantastische Behauptung aufgestellt. Danach soll Deutschland gezwungen werden können, die Lasten durch Fronarbeit seiner Staatsangehörigen abzuarbeiten, und zwar für den Fall, daß die regulären Jahreszahlungen des Young- Planes später einmal nicht mehr geleistet werden können. Manche Leute gehen weiter und wollen wissen, daß junge Leute beiderlei Geschlechts von einer Musterungskommission zu diesem Zweck aus- gemustert und in tropische Gebiete verschickt werden können, wo sie alsdann durch Sklavenarbeit die Tributlasten abarbeiten sollen. Auch der neu zu gründenden Bank für den internationalen Zahlungsausgleich find besondere Funktionen zuge- dacht: sie soll angeblich Unternehmungen ins Leben rufen, die überseeische Gebiete wirtschaftlich zu erschließen bestimmt sind. Dorthin wird hauptsäch
lich der Menschenexport von Deutschland zwangs- mäßig zu richten sein. Das alles stünde im Young- Plan.
Hält man den Urhebern und Verbreitern dieser Behauptungen entgegen, nirgends finde sich im Young-Plan eine Bestimmung, aus der, selbst'bei willkürlicher Ausdeutung, eine derartige groteske Auslegung sich herleiten ließe, so wird dem ent» gegengehälten: es gäbe ein Zusatz- oder Geheimabkommen zum Young-Plan, das diese Sklavenarbeit vorsähe. In Wirklichkeit fehlt diesen Behauptungen jede, aber auch jede reale Unterlage. Ein Geheimabkommen zum Young-Plan existiert nicht. Alle diese Schreckgespenster, die man an die Wand malt, dienen lediglich dem Zweck, die Köpfe zu verwirren Es gibt nur ein wirksames Mittel, sie in das Nichts zerflattern zu lassen, aus dem sie stammen: die Beweiskrast der Tatsachen gegen sie sprechen zu lassen.
Ausdrücklich sind für den Fall, daß Deutschland die gegenüber dem Dawesplan stark verminderten Younglasten einmal nicht leisten kann, in dem neuen Reparakionsabkommen ganz bestimmte Revisionsmöglichkeiten vorgesehen. Von Fronarbeit deutscher Staatsangehöriger oder etwas ähnlichem ist jedenfalls an keiner Stelle die Rede.
Dr. Held gegen Hugenberg.
In Regensburg sprach vor der Bayerischen Volkspartei Ministerpräsident D r. Held auch über die Pariser Sachverständigenkonferenz und den Youngplan. Er faßte seine Ausführungen dahin zusammen, daß bei einem lieber» blick über die Gesamtlage der Young-Plan den Vorzug vor dem Dawesplan verdiene. Wenn die Frage der Kontrolle und der Revision klar- gestellt werde, dann würde auch staatspolitisch ein Fortschritt erzielt. Zum Volksbegehren erklärte Dr. Held, daß sich aus der Entwickelung der Dinge für die Innenpolitik und die Koalition in Bayern Verhältnisse ergäben, die unter Umständen auch zu Weiterungen führen könnten. Cs fei nicht etwas alltägliches, daß eine Koalitionspartei m i t den Nationalsozialisten nicht nur das Volksbegehren durchführen wolle, sondern daß sie die bayerische Staatsregierung mit vor diesen Wagen spannen möchte. Eine verantwortungsbewußte Politik werde das Wohl des Volkes und des Staates und die Sicherung dieses Wohls als erstes Gebot ansehen. Wenn man der Bayerischen Volkspartei unüberwindliche Schwierigkeiten mache, so habe man sich nicht überlegt, ob diese sich nicht zu der Erklärung gezwungen sehen könnte: Ich bin am Ende meiner Verantwortung. Jetzt probiert i h r einmal eine Gruppenbildung. Für das, was sich aus diesen
Am 22. Oktober sind Kammer und Senat in Paris zum ersten Male nach der nunmehr abge- laufenen Ferienzeit zusammengetreten. Es handelt sich um eine außerordentliche Herbstsession, die in der Hauptsache anberaumt worden ist, um die Aussprache über den neuen Haushaltsplan zu eröffnen. Es waren aber auch eine große Menge von Anfragen auf die Tagesordnung gesetzt, die sich mit den Haager Beschlüssen befaßten und eingehende Aufklärung über Einzelvorkommnisse verlangten, die mit der Haager Konferenz in Verbindung standen. Dazu gehörten Anfragen über den Vorstoß des englischen Schatzkanzlers Snowden und die englisch-französischen Beziehungen überhaupt. Ferner solche über Einzelheiten des Youug- planes, insbesondere der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich, über den Ausbau der Grenzbefestigungen und die Räumung des besetzten Gebietes, über die Verhandlungen bezüglich des Saarproblems und nicht zuletzt über die Besprechungen, die der nationalistische Abgeordnete Paul Reynaud mit den Mitgliedern der Deutsch- nationalen Volkspartei und des Stahlhelms in Deutschland gepflogen hatte. Nun verlangte Briand eine Verschiebung aller dieser Interpellationen über den Youngplan und die Rheinlandräumung bis zu dem Tage, da die Ratifizierung des Young- planes vorgenommen werden könne. Aber die Kammer widersetzte sich dem Verlangen, obwohl der Ministerpräsident feine Forderung mit der Vertrauensfrage verbunden hatte. Als nun die Abstimmung Abgeschlossen war, ergab sich, daß Briand mit 288 gegen 297 Stimmen unterlegen war. Die Kammer hatte gesiegt, und Briand fuhr mit feinen Kabinettskollegen sofort zum Elysee, um dem Präsidenten Doumergue den Rücktritt der Regierung anzumelden.
Die Kammer hat gesiegt, aber es hat nicht den Anschein, als ob sie dieses Sieges besonders froh wäre. Am meisten wird wohl der radikal- soziamstische Abgeordnete Montigny verblüfft gewesen fein, der der Führer der Opposition bei der Kamm erd ebatte war. Denn darüber waren sich die Opponenten von vornherein klar, daß nach dem Sturz des Briandschen Kabinetts nicht so schnell ein neues Kabinett zur Stelle sein würde. Denn die Opposition hat durchaus keinen einheitlichen Charakter. Gegen Briand stimmte auch die Rechte gemeinsam mit der Linken, aber aus ganz anderen Mottven als diese. Wir haben hier einen ähnlichen Fall, wie er im deutschen Reichstag im Dezember 1926 sich ereignet hat. Damals brachten die Sozialdemokraten einen Mißtrauensantrag gegen das von Marx geführte Minderheitskabinett der Mitte ein, weil sie dessen Verhandlungen über eine Erweiterung der Minderheitskoalition nach links wegen des undurchsichttgen Verhaltens der
Verhältnissen für den Kampf um Bayerns Staatlichkeit entwickeln könne, lehne er schon heute die Verantwortung ab.
Ein fürstliches Brautpaar.
Die Verlobung des italienischen Kronprinzen mit der belgischen Prinzessin Marie Jose von Belgien wird öffentlich bekanntgegeben.
Marie 3ofe Kronprinz Humbert
von Belgien. von Italien.
Die „Agenzia Stefani" in Rom veröffentlicht folgende Erklärung: Der König und die Königin schätzen sich glücklich, heute, am 24. Oktober, ihrem Hochzeitstage, ihre Einwilligung zur Verlobung des Fürsten von Piemont mit der Prinzessin Marie von Belgien zu erteilen.
Hoffentlich werden die armen Königskinder, die bekanntlich ihre Ehebündnisse unter starken politischen Einflüssen schließen müssen, glücklich.
*
wid. Brüssel, 24. Okt. (Eig. Meld.) Der Staats» anzeiger veröffentlicht eine Mitteilung, daß der König und die Königin von Belgien ihre Einwilligung zu der Verheiratung ihrer Tochter Marie Jost mit dem Kronprinzen von Italien erteilt haben.
Mental auf den Prinzen Humbert.
rotb. Brüssel, 24. Off. (Eig. Meld.) Auf den Prinzen Humbert von Italien wurde heute vormittag, als er am Grabe des unbekannten Soldaten erschien, ein Revolverschuß abgegeben. Der Prinz blieb unverletzt. Der Täter wurde verhaftet.
Deutschen Volkspartei nicht trauten. Wider ihr Erwarten fanden sie mit ihrem Mißtrauensantrag die Unterstützung der Deutschnationalen, so daß das Kabinett Marx in der Minderheit blieb und seinen Abschied nehmen mußte. Es ist das der zweite Mißtrauensantrag in unserem Reichstag gewesen, der zum Ziel geführt hat. Alle anderen sind gescheitert. Aber ihr Erfolg kam nachher den Sozialdemokraten etwas unbequem vor. Mit Recht. Denn das nächste Kabinett, das gebildet wurde, war nicht die von den Sozialdemokraten gewünschte Große Koalition, sondern einRechtska 6 inet t, in welchem die Teuischnationalen zwar nicht in persönlicher, aber doch in sachlicher Hinsicht die Führung hatten. Was das Ergebnis der Regie» rungskrisis in Frankreich sein wird, muß man abwarten. Briand hat sich bereits geäußert, daß er dieses Spiels leid wäre und nicht mehr daran dächte, ein neues Kabinett zu bilden. Eine regierungsfähige Linke gibt es nun in der französischen Kammer ebensowenig wie eine regierungsfähige Rechte. Letztere weil sie zu schwach ist, jene weil die Sozialisten unter der Führung des Leon Blum es grundsätzlich ablehnen, sich an der Regierungs- Verantwortung positiv zu beteiligen. Möglich wäre ein Kabinett Tardieu, an welchem sich die Rabikalsozialisten beteiligen würden und das die wohlwollende Duldung der Sozialisten fände. Es kann sich aber auch ein Kabinett entwickeln, in dem die Rechtsparteien noch stärker mitsprechen als sie es in dem jetzt gestürzten Kabinett Briand bereits getan haben.
Briand hat fein Kabinett von seinem Vorgänger Poincare einfach übernommen, als dieser durch Krankheit daran gehindert wurde, die Regierungsgeschäfte weiterzuführen. Er hat in ganz kurzen Verhandlungen versucht, die Linke zur Mitarbeit heranzuhvlen, aber eine Umbildung des Kabinetts scheiterte an den weitgehenden Ansprüchen der Radikalfazialisten. Sv ließ es denn Briand bei der alten Zusammensetzung bewenden und holte sich dadurch eine vorläufige Unterstützung der Kammer, daß er erklärte, fein Kabinett solle nur dazu dienen, die Haager Konferenz mit ihren Beschlüssen durchzuführen, die Umbildung sollte dann im Herbst erfolgen. Das war vor drei Monaten um den 20. Juli. Am 24. Oktober ist die radikalsozialistische Partei zu ihrer Jahrestagung versammelt. Man wollte auf ihr eine endgültige Stellungnahme zu der Frage finden, ob man sich wieder an der Regierung beteiligen soll ober nicht, demgemäß sollte bann bie parlamentarische Taktik bieser größten französischen Pattei sich einrichten. Inzwischen ist bas Faktum, bas man evtl, für spätere Wochen herbeizuführen gedachte, bereits geschehen. Die Verhanblungen, bie nun zu führen sind, werden von dem radikalsozialistischen Partei-
Vas will das französische Parlament?
Vriands Nachfolger noch offen!