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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

56. Zahrg

*>A7 'M Bild" und „Puchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 24 OlfODßt 1929

der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- L-0NNkkSrUg, **UVMVV **

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:: leitung ll52, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Sic cnglisch-amerilanlsche Gcmelnschasl

Bildet vom Tage

Aristide Briand, den ein englischer Zeich­ner in obigem Bild nicht gerade schmeichelhaft ab­konterfeit hat, war ein großer politischer Tänzer, der oft gestürzt ist, um dann wieder aufzustehen. Es fehlt aber nicht an Stimmung, die behaupten, daß er diesmal nicht wieder kommen würde. Frei­lich ist die Mehrheit, die das Kabinett gestürzt hat, nicht nur keine Koalitionsmehrheit, sondern ziffern­mäßig betrachtet — die Zahl der Abgeordneten be­trägt 610 — nicht groß genug, um Anspruch darauf machen zu können, die Mehrheit abzulösen, die seit

(Elemenceau,

einst der „Tiger" unter Frankreichs Kriegs­politikern, ist neuerdings schwer erkrankt, aber noch immer hat die eiserne Konstitution des heute 88- jährigen alle Gefahr überwunden.

Wand wurde vsn rechts und links gestürzt

Ein MWrauensnolum in der französischen Kammer.

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1926 erst das Ministerium Poincares und dann das Ministerium Briand unterstützt hat.

Angeklärle Lage.

Unter dieser Ueberschrift schreibt die „Germania zu dem Sturz des Kabinetts Briand: In der Kam­mersitzung traf sich die Mißstimmung der Linken mit derjenigen der äußersten Rechten. Dieser Vor­stoß von beiden Flügeln zeigt, daß die Situation nach dem Sturz des Kabinetts Briand kaum nach einem einheitlichen Gesichtspunkt gedeutet werden kann. Die parlamentarische Situation in der fran­zösischen Kammer bietet Spielraum genug für mehrere Kombinationen. Es bleibt abzuwarten, ob die Krise sozusagen mit einer Umbildung des Kabi- nets Briand auf breiterer parlamentarischer Basis endet, wie sie ja ohnedies nach der Erledigung der chwebenden politischen Probleme beabsichtigt war.

Im „B. T." wird gesagt: Das gestürzte Ka­binett Briand war das 12., das Briand gebildet hatte. Er hatte nach dem Rücktritt Poincares er­klärt, daß sein Ministerium nur ein Ferienkabinett ein werde; diese Boraussage ist jetzt wörtlich ein« getroffen. Das Kabinett ist tatsächlich nur zweimal vor der Kammer erschienen: am 31. Juli, dem Tage seiner Bildung und Ende der ordentlichen Parlamentstagunq und am 22. Oktober, dem Tage seines Sturzes und des Beginns der außerordent­lichen Session.

Im „Vorwärts" wird gesagt, Briand hatte Farbe bekennen müssen, d. h-, von seinen Mitarbeitern auf der Rechten abrücken müssen. Er hat es ver­meiden wollen, und ist darüber gestürzt. Rach der Loaik des parlamentarischen Systems mußte eigentlich als Folge des gestrigen Sieges der Lin- ken ein Ruck nach links eintreten. Aber — es gibt ein aber, mit dem man sich ernsthaft ausem- andersetzen muß. Eine Mehrheitsbildung nach links ist heute, genau wie im Jahre 1924 nur mög­lich mit Hilfe der französischen Sozialisten. Die Mehrheit der sozialistischen Fraktion ist zwei­fellos für aktive Regierungspolitik, die Mehryeit der letzten Parteibeschlüsse ist dagegen. In Eng- fn -b regiert die Arbeiterpartei, in Deutschland ist die Sozialdemokratie die weitaus stärkste Fraktion der Reichskoalition. Es wäre jedenfalls für die

Vor ungefähr zwei Jahren versuchte der fran­zösische Außenminister Briand, der jetzt wohl endgültig aus der europäischen Politik ausge schie­den ist, die Vereinigten Staaten dazu zu bewegen, den ablaufenden Schiedsgerichtsvertrag durch einen festeren, politisch-wertvolleren Sicherheitspakt ,'<u ersetzen, der allerdings nur ein Vertrag zwischen Washington und Paris sein sollte. Frankreich-Hatte vorher bereits eine ganze Reihe von solchen Sicher­heitsverträgen abgeschlossen, die allerdings weiter­gingen als der französische Außenminister von dem französisch-amerikanischen Sicherheitspakte erwar­ten durfte. Die Regierung in Washington hat sich allerdings nicht auf einen solchen, nur zweiseitig gemeinten Kriegsoerhütungsvertrag eingelassen, sondern den Gegenvorschlag gemacht, einen Kriegsächtungspakt zu schließen, zu dem aber auch alle übrigen Staaten der Erde als Mit­unterzeichner eingeladen sein sollten. Dem fran­zösischen Außenminister, der in seiner Friedenspo­litik sehr haushälterisch zu Werke geht, hat dieser Gegenvorschlag nicht recht gefallen und er bat man­cherlei Einwände dagegen erhoben. Aber das Aus­wärtige Amt in Washington unter dem damaligen Staatssekretär Kellogg verfolgte sein Ziel mit einer solchen Hartnäckigkeit, daß Frankreich all­mählich nachgeben und zustimmen mußte. Es sind ihm nur einige Vorbehalte bewilligt worden. So ist der Kelloggpakt oder, wie er amtlich heißt, der Pariser Vertrag 1928 zustandegekomrnen, das be­rühmte Abkommen, das jeden Angriffskrieg mora­lisch ächtet.

Briand wird wohl sonderbare Gefühle dabei haben, wenn er bedenkt, daß jetzt dieser Kellogg­pakt zum Anlaß und zur Unterlage zu der zwischen Hoover und Macdonald vereinbarten englisch-amerikanischen Interessen­gemeinschaft genommen worden ist. Er hatte damals gehofft, Amerika zum Schutzschild der fran­zösischen Europa-Politik machen zu können und das Ergebnis ist nun, daß durch den Kelloggpakt auf der einen Seite die französischen Sicherheitsver­träge in Europa in hohem Maße an Wert verlo­ren haben und daß auf der anderen Seite England, dessen sich Frankreich sicher glaubte, aus dem euro­päischen Staatenverbande herausgesprungen ist und mit Amerika zusammen der Welt, insbeson­dere aber Europa und noch mehr Frankreich zu verstehen gibt, daß jetzt eine neue politische Zeit angebrochen ist, die eine Kooperation aller gro­ßen Mächte verlangt, in den früher üblichen zwei­seitigen Bündnisverträgen aber eine veraltete und nicht ungefährliche Einrichtung erblickt.

Ja, in der Politik weiß man nie recht, was das Endergebnis einer Aktion ist, mit der man ein begrenztes Ziel erreichen will. Das Leben fließt und jede Aktion weckt ihre Gegensätze. Und selten ist es übersehen, was die größere Vitalität besitzen wird, die Aktion oder der reagierende Gegensatz. Das Leben, auch das politische, läßt sich nicht kom­mandieren. Was aber konkret die jetzt zwischen Amerika und England vereinbarte Jnteressenge-

FuldaerZertung

i ylnreiaer für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

meinschaft für die politische Entwicklung Europas und der Welt noch bedeuten kann, ist im Augen­blick garnicht abzusehen. Zunächst einmal hat der Gedanke keinen festen Boden mehr, der em Pan- Europa begründen wollte, das eine in sich geschlos­sene Föderation aller europäischen Staaten dar- stellen soll. In der Konzeption des Grafen von Coudenhoven-Kalergi hat England immer eme et­was unklare Rolle gespielt. In Frankreich aber sah man in dem Paneuropa-Gedanken ein Mittel, die europäischen Gesamtinteressen gegen die ameri­kanischen Einflüsse sicherzustellen, mindestens abzu­grenzen. Frankreich wollte in diesem Pan-Europa die politische Führung haben und dabei vor al­lem darauf Bedacht nehmen, daß die Organisation, die der Versailler Vertrag für unseren Kontinent festgelegt hat, möglichst für alle Zeiten unverän­derlich bleiben solle. Aus diesem Plane ist fegt England mit einem starken Eigenwillen heraus­gesprungen und hat gewissermaßen die Rolle einer Brücke zwischen dem europäischen und dem ameri­kanischen Kontinent übernommen. Die Vereinig­ten Staaten werden gewiß auch heute noch von, al­len europäischen Händeln sich grundsätzlich sernhab ren wollen. Aber sie haben in Europa doch schor, eine gewaltige Interessensphäre, hohe Milliarden­summen amerikanischen Geldes sind in Europa in­vestiert. Man darf die englisch-amerikanische In­teressengemeinschaft wohl so verstehen, daß England heute eine Art Treuhänderrolle in Europa für die amerikanischen Staaten übernommen hat, nicht in einem finanz- oder wirtschaftspolitischen Sinne, wohl aber in einem allgemeinen friedenspolitischen Sinne. Für F r a n k r e i ch und I t a l i e n ist die­ser Entwicklungsgang der Politik von unmittelba­rer Bedeutung, und sie werden gut daran tun, wenn sie sick mit der so geschaffenen Tatsache a b- finden, ja sich in diese Interessengemeinschaft möglichst ohne Vorbehalt einordnen. England und Amerika wünschen das ja auch und darin zeigt sich die Modernität und die Größe ihres politischen Ent­wurfs. England selbst wird sich natürlich trotz sei­ner gewaltigen überseeischen Engagements von Eu­ropa niemals losläsen können. Aber für England ist Europa als solches kein politisier Begriff der Zukunft mehr, es denkt bereits in drei Kontinenten, in Europa, Asien und Amerika, Australien spielt in diesem Zusammenhang ebenfalls keine eigene Rolle mehr.

Deutschland kann mit dieser Entwicklung nur zufrieden sein. In Europa hat es sich der Ueber- legenheit Frankreichs fügen müssen, eine Ueberle- genheit, die allerdings nicht ganz aus den eigenen Kräften Frankreichs wirksam geworden ist. Aber wenn die moderne Diplomatie bereits in Kontinen­ten zu denken beginnt, dann verliert die politische Distanz zwischen Berlin und Paris an Bedeutung, sie wird zu einer Bagatelle. Zu einem kulturellen Wettbewerb zwischen Deutschland und Frankreich in der W°" aber werden die Wege wieder offener und freie«

Aus Chinas Hauptstadt wird gemeldet: In der ganzen Stadt herrschte große Unruhe. Eine große Menschenmenge, welche Rikschas mit sich führte und mit Gummiknüppeln bewaffnet war, griff die Straßenbahnzüge an, ließ die Insassen aus­steigen und mißhandelte das Bahnpersonal. An einigen Stellen wurden die Scheiben der Wagen zertrümmert. Die Angriffe ereigneten sich in der ganzen Stadt zur gleichen Zeit und waren anschei­nend gut vorbereitet. Drei Stunden lang war jeder Verkehr unterbrochen. Die Polizei, von Mi­litär unterstützt, .zerstreute die angriffslustige Menge. Der Belagerungszustand wurde ausge- rufen. Die Ordnung konnte allmählich wieder her- gestellt werden, jedoch ist der Straßenbahnverkehr vorerst einige Zeit unterbrochen. Die Ursache der Unruhen ist noch nicht bekannt. Man vermutet, daß sie in der seit einiger Zeit herrschenden Riva- lität zwischen den Rikschaführern und den Ange­stellten der Straßenbahn ihren Grund haben.

Wie gemeldet wurde, trat am Denstag die sran- M:che Kammer zusammen. Im Palais Bourbon leitete die Eröffnungssitzung Kammerpräsident Bouisjvn. Auf der Regierungsbank hatten neben dem Ministerpräsident Briand, Tardieu, Maginat und Bonnefou sowie einige Mitglieder der Karn­iner Platz genommen. Gleich nachdem der Kam­merpräsident seine Ansprache zu Ehren der inzwi­schen verstorbenen Abgeordneten Bouat und Peigne beendet hatte, begann die offene und versteckte Op­position ihre Angriffe gegen das Kabinett. Die teilweise sehr heftige Debatte spiegelte getreu die politische und parlamentarische Situation wieder, welche sich im Laufe der Sommermonate gegen­über der Regierung herauskristallisiert hatte.

Wortführer der Opposition, welche die Regie­rung ihrer parteimäßigen Zusammensetzung wegen angreift, war der Abgeordnete M o n t i g n y. Von rechts kamen die Angriffe von feiten des Führers der Rechtsnationalisten, Marin, der auf das leb­hafteste von dem früheren Kabinettschef Clemen- :eaus, Mandel, und dem blinden Abgeordneten S c a p i n i unterstützt wurde. Beide oppositionelle Redner verlangten die Anberaumung einer Sitzung, in welcher die Regierung sich eingehend über die schwebenden Fragen der Außenpolitik, ins- besondere die derzeitigen Verhandlungen über den Joungplan äußern solle. Während jedoch Mon­ti gny und seine Parteifreunde gegen das Kabinett wegen seiner nach rechts gerichteten Zusammen­setzung stürmen, gehen die Angriffe von feiten der Rechten auf eine direkte Durchbrechung dec Briand- schen Außenpolitik.

Von Beginn der Debatte an läßt der Minister­präsident keinen Zweifel darüber, daß die Regie­rung, solange die internationalen Verhandlungen andauerten, nicht in der Lage sei. eine Debatte über die schwebenden Fragen der Außenpolitik zu­zulassen mit dem Hinweis, daß dies angesichts der derzeitigen schiwerigen eVrhandlungen weder üb­lich noch der Autorität der französischen Regierung nützlich sei. Ts kam zu einer lebhaften Auseinander­setzung, in welcher Briand sich nicht auf seiner son­stigen Höhe zeigte. Sein Ton war sichtlich ver­ärgert und dürr. Die Angriffe Montlgnys wies Briand als ein politisches Manöver zurück, während er die immer wieder von dem Abg. Mandei tr.tt hoher Fistelstimme gestellte präzise Frage, ob die französische Regierung als Beginn des Poungplans die Kommerzialisierung der deptschen Reparations­bons ansehe, dahin beantwortete, daß die Räumung der dritten Zone abhängig sei einmal von der Raii- fikation des Poungplans durch die beteiligten Par­lamente, ferner aber von der Festlegung aller d-?r- ienigen Maßnahmen, welche zum Zwecke der In­kraftsetzung des Poungplans vorgesehen seien.

Diese Erklärungen wurden aber von der Oppo­sition als durchaus ungenügend bezeichnet. Hier schon begann sich zu zeigen, daß die Regierung sich in einer viel gefährlicheren Lage befand, als allge­mein angenommen wurde. Der Kammerpräsident versuchte durch virtuose Handhabung des Verhand- lungsreglements der Regierung zu Hilfe zu kom­men, ohne jedoch verhindern zu können, daß schließlich der Antrag des Abg. Montignu. welcher verlangt, daß die Regierung sich am 15. November über die Frage der Außenpolitik äußere, rur Abstimmung gelangte.

Eine halbe Stunde später wurde 5as Abstim­mungsergebnis bekannt, welches die R e g i e r u ng mit 27 7 Stimmen gegen 288 in b i e Minderheit versetzte. Die Niederlage der Regierung ist das Resultat der Angriffe, die von rechts und links vereint geführt wurden. Auf der Linken bekämpfte man das Kabinett wegen sei­ner zu seksf nach rechts gerichteten Zusammen­setzung, während Teile der Rechten ausgesprochen den außenpolitischen Kurs des Kabinetts Briand mißbilligten. Unter dem Ansturm dieser vereinten Kräfte fiel das Kabinett.

Arbeiterklasse aller europäischen Länder ein Tag i der Freude, der Hoffnung und des Stolzes, an I dem man verkünden könnte, daß nunmehr auch I und gleichzeitig in Frankreich der S o z i a l i s m us den Anspruch auf den Teil der Macht erhebt, der ihm nach seiner Stärke und nach der geistigen Be­deutung seiner Führer gebührt.

Die „Voss. Ztg." erklärt: Eine der unmittel­baren Konsequenzen der Regierungskrise auf au­ßenpolitischem Gebiet dürfte eine neue Verta­gung der Saarverhandlungen sein. Der mit.der Vorbereitung dieser Verhandlungen beauftragte interministerielle Ausschuß hat erst jetzt seine Arbeiten beendet, so daß die Regierung noch nicht Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu neh­men. Diese sollte im nächsten Ministerrat erfol­gen. Bis das neue Kabinett in der Lage sein wird, darüber Beschluß zu fassen, wird es mindestens ein bis zwei Wochen dauern. Wer Briands Nachfol­ger werden wird, darüber sind im Augenblick kaum mehr als Vermutungen möglich. In parlamen­tarischen Kreisen gilt nach wie vor T a r d i e u als der aussichtsreichste Kandidat. Das Moment der Ueberrafchung, das bei Ausbruch der Krise eine so große Rolle gespielt hat, könnte allerdings auch ihre Lösung in unvorhergesehener Weise beeinflus­sen. Jedenfalls hofft man, daß, wie immer auch das neue Kabinett zusammengesetzt sein wird, B r V- anb bie Leitung ber auswärtigen Po- litt beibehalten wirb.

♦ Zusammenstöße nach einer Kundgebung für das Dolksbegehren. (Sig. Meld.) Nach einer Kund­gebung des Ortsausschusses für das Volksbegehren gegen den Ponngplan in Finsterwalde, in der Pfarrer Schulze-Stolze sprach, kam es, wäh­rend die Veranstaltung selbst ruhig verlaufen war, auf der Straße zu Zusammenstößen. Kommunisten bewarfen die heimfahrenden auswärtigen Last­autos mit Steinen. Bei dem letzten Kraftwagen wurden Scheiben zertrümmert und auch ein Fahr­gast am Kopfe verletzt. Die Polizei, zerstreute die kommunistische Ansammlung, konnte jedoch die Ta­ter nicht mehr feststellen.

» Der LmsenbMd kann weiter bestehen. Ans den Einspruch des „Königin Luisenbundes", der bekanntlich als Hilfsorganisation des Stahl­helms unter Bezugnahme auf die Entwaffnungs­bestimmungen des Versailler Vertrages durch den preußischen Innenminister in Westfalen aufgelost war, hat, den Blättern zufolge, Minister Grze- sinski nunmehr mitgeteUt, er habe Anweisung ge-

(Braf Aldovrandi-Alarescolti, der Berliner italienische Botschafter, wird von sei- nem Urlaub nicht mehr auf seinen Posten zurück, kehren. Auch der größte Teil des Botschaftsperso- nals ist versetzt worden. Man bringt die Abberu­fung mit dem rätselhaften Verschwinden des Chiffrierschlüssels der Botschaft zusammen. Als Nachfolger Aldovrandis, der feit 1926 den Bot- betleibete, wirb ber italienische Bot- Konstantinopel Graf Baroni genannt.

geben, den Königin Luisenbund nicht in das Ver bot einzubeziehen. Die Auslösung ist somit zurück genommen.

AulorlM!

Daß der Staat in berechtigter Notwehr alle ihm zur Verfügung stehenden Abwehrmittel gegen das Volksbegehren anwendet, veranlaßt den Reichs­ausschuh Hugenbergs von .Terror" und „brutaler Vergewaltigung" zu sprechen. Also hier darf der Staat nicht die Autorität schützen. Anders ist es, wenn die Deutschnationalen zur Macht kommen soll­ten. Darüber lesen wir in der deutschnationalen Parteikorrespondenz:

„Das dritte Reich, das wir ersehnen und das innerdeutsch die wahre Volksgemeinschaft der nationalbew-ußten Kräfte herstellen soll und das deshalb Deutschland draußen feine alte Weltgetung wiedergeben wird, wird keinen Augenblick zögern, die Mittel der Autorität mit aller Schärfe dort anzuwenden, wo es notwendig ist, wo es das Interesse der Nation und der Allgemeinheit erfordert."

Also mit aller Schärfe beim dritten Reich, was bie Republik nicht tun barf.

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Aus Glogau wirb gemelbet: Wegen Ueber- fdjreitung feiner Befugnisse unb persönlicher Belei­digung des Landrats des Kreises Glogau Geh. Reg. Rates Dr. Ierschke durch eine öffentliche Be­kanntmachung zum Volksbegehren, wurde Amis- vorsteher Major a. D. Fleischer in Salisch vom Landrat von seinem Amt supendiert und gegen ihn das Disziplinarverfahren auf Entfernung vom Amt eröffnet.

Anruhen in Peking.