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56. Zahrg.
Dienstag, 22. Oktober 1929
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FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.
die Polizei den Umzug aufzulösen. Dabei wurden die Polizeibeamten tätlich angegriffen und mit Latten geschlagen. Die Polizei trieb die Menge mit Gummiknüppeln auseinander. 20 Personen wurden verhaftet.
Der Reichsdisziplinarhof.
Dem Reichsgerichtspräsidenten 23 um t e ist in seiner Eigenschaft als Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes am Samstag abend die Klage der Deutsch nationalen Landtagsfrak- t i o n gegen die preußische Staatsregierung zugegangen, sowie der Antrag auf Erlaß einer e i n st- weiligen Verfügung gegen die preußische Regierung, mit der angeordnet werden soll, daß sich das preußische Staatsministerium aller amtlichen Kundgebungen und Anweisungen zu enthalten habe, durch die eine Teilnahme von preußischen Beamten am Volksbegehren verboten oder für unzulässig erklärt wird und daß die bereits erfolgten Anweisungen zurückgenommen werden. Der Reichsgerichtspräsident hat laut „Montagspost" zur Vorbereitung der Entscheidung des Staatsgerichtshofes die ordentlichen Mitglieder desReicbs- disziplinarhofes telegraphisch zu einer Vorbesprechung nach Leipzig für Montag mittag eingeladen.
Die Lage in Oesterreich.
Der neue österreichische Bundeskanzler hat seine R e f o r m p l ä n e zur österreichischen Verfassung bekannt gegeben. Vorgesehen wird zunächst eine Erweiterung der Befugnisse des Bundespräsidenten, der die Regierung ernennen und unter Umständen auch den Nationalrat auflösen soll. Bisher wurde die Regierung von dem Nationalrat ernannt, der nur dann aufgelöst werden konnte, wenn er es selber wollte. Auch soll der Bundespräsident künftig durch das Volk selbst gewählt werden und nicht mehr durch eine Abstimmung des Nationalrats. Ueberhaupt denkt man daran, die Möglichkeiten, ein Volksreferendum durchzuführen. zu erweitern. Der ausge prochene politische Charakter des Nationalrates 'elbst soll dadurch geändert werden, daß man ihn durch die Delegierung von Vertretern der wichtigsten Berufsgruppen im Lande erweitert. Man will also nicht gerade ein Ständeparlament einrichten, jedoch dem bestehenden Parlament einen mehr ständischen Charakter geben. Diese letztere Bestimmung ist augenblicklich eine am meisten umstrittene. Das gilt aber auch für den Plan, die staatsrechtliche Stellung der Stadt Wien zu ändern, die staatsunmittelbar werden soll, d. h. in Hinsicht auf ihre ge- genwärt'^n Verfassungscharakter, daß sie nicht mehr selbckandiges Bundesland bleibt, sondern die Stadt des gesamten Bundesstaates wird. Das soll sich z. 23. dahin auswirken, daß sie ihr Steueraufkommen nicht mehr für sich allein behalten, sondern einen Teil davon dem ganzen Lande zukommen lassen soll. Auch wird die Finanzgebah- rung Wiens, wenn die Verfassungsvorlage die erforderliche Zweidrittelmajorität findet, in Zukunft der Kontrolle des Obersten Rechnungshofes unterstellt werden.
Ferner sieht die Verfassungsvorlage vor, daß die Wahlpflicht eingefuhrt wird. Was das für die Machtstellung der Parteien bedeutet, wird in den bürgerlichen Blättern Wiens folgendermaßen erläutert: „Bei den letzten Nationalratswahlen im Jahre 1927, bei denen 3,6 Millionen Stimmen abgegeben wurden, haben die gesamten bürgerlichen Stimmen zusammen 1,9 Millionen erreicht, während die Sozialdemokraten es auf 1,3 Millionen Stimmen brachten. Es ist dabei festgestellt worden, daß je bürgerlicher ein Wahlbezirk war, um so größer die Stimmenthaltung war." Zuguterletzt sei aus der Verfassungsvorlage noch Me Bestimmung genannt, die die Arbeiterschaft und die Versammlungen gegen den Terror bei Streck? und Parteiagitationen schützen soll. Auch diese Bestimmung ist zum Vorteil der bürgerlichen Gruppen vorgesehen.
Wie schon gesagt, bedarf die Durchführung dieser Verfassungsänderung einer Zweidrittelmajorität im Nationalrat. Die Sozialdemokratie hat keine unbedingte Opposition angekündigt, sie wckl mit sich zu handeln lassen. Auf der anderen Secke fehlt es aber in den Kreisen, die von den Heimwehren inspiriert sind, nicht an Stimmen, die nicht recht glauben wollen, daß durch Verhandlungen mit den Sozaldemokraten aus den Verfassungs» cmträgen Hinreichendes herauskommen wird. Es darf aber nicht übersehen werden, daß die bürgerlichen Parteien in der Frage, ob mit oder ohne die Sozialdemokratie sich nicht ganz einig sind. Ohne die Sozialdemokratie — würde natürlich bedeuten, daß man die Verfassungsänderung auf dem Weg eines Staatsstreiches und unter Verletzung des demokratischen Prinzips durchführen will Es fehlt nickt an Kräften, innerhalb der ChristliÄ- fozialen Partei, die zu einem solchen Staatsstreich bereit wären. Andere hingegen wollen den loya- 'len Weg nicht verlassen und dazu gehört z. B. der jetzige Führer der Ehristlich-sozialen Partei Kun- ichak.
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In einer Versammlung der Wiener Sozialdemokratischen Vertrauensmänner erklärte Abg. Danneberg in einem ausführlichen Referat über die Verfassungsvorlage u. a., der Entwurf bedeute eine wesentliche Schwächung und Entrechtung der Arbeiterklasse. Das zeige sich namentlich in den Bestimmungen über die Länder und Gemeinden, insbesondere bezüglich Wiens. Daß die Sozialdemokraten freiwillig für die Vorlage stimmen werden, können wohl auch die Gegner nicht annehmen. Ebenso erklärte in der Reichskonferenz des Revud- likanischen Schutzbundes Dr. Otto Dauer, die Ver-
Die deutsche Napttalnok.
Viele Vorwürfe, welche man den Regierungen der Nachkriegszeit gemacht und die letzten Endes die Popularität der demokratischen Staatsform selbst berühren, würden wohl nicht erhoben worden sein, wenn man immer ein klares Bild von den Verhältnissen hätte, in denen Deutschland infolge des verlorenen Krieges zu leben leider gezwungen ist. Es ist nicht so, daß lediglich die Reparationsverpflichtungen das deutsche Wirtschaftsleben ein- engten, obwohl auch sie ja eine direkte Folge des Zusammenbruchs und des Sieges der ehemals feindlichen Staaten sind. Wenn immer gesagt wird, nur wegen der Tributverpflichtungen kommen wir wirtschaftlich nicht hoch, dann sollte man doch wenigstens zugeben, daß jede Erleichterung dieser Tributzahlungen als ein Fortschritt anzuse- hen ist, besonders dann, wenn wir bisher gezwungen waren, über di« jährlich festgesetzten Reparationsleistungen hinaus noch eine besonder« Repa- rationsvcrpflichtung anzuerkennen, deren Zahl beweglich war und mit dem wachsenden Wohlstände im Lande ebenfalls zunehmen sollte. Auch wenn wir zu den Reparationszahlungen nicht mehr verpflichtet wären, würde unser Land noch mühselig arbeiten müssen, ehe es wieder zu dem Wohlstands käme, den es im Kriege unnütz verpulvert hat. Es liegt eine Ungerechtigkeit darin, das zu vergessen, eine Ungerechtigkeit, die leider in Deutschland immer wieder dazu verführt, die politischen Ein'ich- tunqen zu verurteilen, in denen wir leben oder die verschiedenen Volksgruppen gegeneinander zu verhetzen. Wir müssen auch wissen, daß die gewaltigen Steuerleistungen, die das deutsche Volk infolge des verlorenen Krieges aufzubringen hat. zu einer enormen Kapitalflucht treiben, die dann umgekehrt wieder dazu nötigt, teueres Auslandsgeld hereinzuholen, um die deutsche Wirtschaft in Gang zu setzen und in Gang zu halten. Unser Volk wird solange zu falschen politischen Handlungen geneigt fein, solange es nicht den ersten und letzten Grund seiner wirtschaftlichen Not in der Tatsache des Krieges zu sehen pflegt, der uns höchstwahrscheinlich auch dann eine üble Nachkriegszeit beschert haben würdr, wenn wir gesiegt hätten.
Zu der Not des Krieges, zu der Verschleuderung des Volksvermögens, di« in den vier Kriegs- lahren geduldet worden ist, kommt aber noch der schwere Substarwerlust am deuck^-n Vermäaen, der in der I n f l a t i o n s p e r i o d e hauptsächlich wahrend des Ruhrabwehrkampfes vor sich gegangen ist. Die Inflationszeit hat das deutsche Volk erst recht v e r a rm e n lassen. Und wenn es heute noch Kreise gibt, die eine solche Jn- slarionsperiode am liebsten noch ein zweites Mal in Gang setzen möchten, und das wollen bekanntlich die Manager des Huqenbergschrn. Vo.ksbegehrens — sie haben sich ganz offen zu emer so-chen Krisenpolitik bekannt. — sie haben sich ganz offen zu einer sochen KrisenpoliM bekannt, — dann mußten eigentlich das ganze deutsche Volk, soweit es von Gehalt, Lohn und Renten lebt und nicht im glücklichen Besitze bedeutsamer Sachwerte ist, sich zusammenscharen, um diese Leute in Schutzhaft zu nehmen oder im Konzentrationslager unterzubrinaen. Gott sei Dank zeiat der geringe Zulauf zu den Unterschriftslisten des Volksbegehrens, daß man im deutschen Volke die Erinne- ruig an die Militärherrschaft während des Krieges und die große Not der Inflationszeit noch nicht vergessen hat .
Immerhin wollen wir es mit Befriedigung sest- stellen, daß seit der Wiederherstellung der festen Währung, also in den letzten fünf Jahren, di« !n- bindische Kapitalbildung wieder langsame Fortschritte zu machen begonnen bat. Aber ! soweit dieses Kapital im Lande geblieben ist. reicht es noch lange nicht aus, um den Kapitalbedarf Innerer Wirtschaft zu decken. Zur Erläuterung seien hier einige Zahlen angegeben, die auf amtliche Untersuchungen zurückzuführen sind. Ende 1924 betrug die Summe der Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen 608 Millionen Mark. Ende 1926 war diese Zahl auf etwa 3 Milliarden gestiegen, sie ist bis Ende 1928 auf fast 7 Milliarden angewachsen. Ende 1913 verfügte die Gesamtheit der deutschen Sparkassen über 19,7 Milliarden Mark. Aber da? Reichsgebiet war damals erheblich größer, sodaß die Spanne in dieser Beziehung eine gewisse Korrektur erfährt. Auf der anderen Seite darf allerdings auch nicht unberücksichtigt bleiben, daß der Wert des Geldes um etwa 50 Prozent gesunken ist, jene 19,7 Milliarden Mark Svareinla- gen würden darum heute etwa einem Werte von 29 Milliarden Mark entsprechen. Das heutige Sparkassenkavital beträgt damit also etwa ein Viertel des Kapitalwertes der Sparkassenbestände im Jahre 1913. Zu der Kapitalbildung hinzugerechnet werden müssen aber noch die Einlagen bei den Banken, die allerdings nicht immer nur aus Jnlandsgeld bestehen. Auch die Prämienbestände bei den Lebensversicherungsgesellschaften und Sozialversicherungsinstituten müssen mitberücksichtigt werden. Genaue statistische Angaben sind darüber nicht möglich. Nach den Berechnungen der Reichskreditgesellschaft soll sich das Jnlandkapital im Reiche um 6,4 Milliarden im Jahre 1925 um 6,3 Milliarden in Jahre 1926, um 7,6 Milliarden im Jahre 1927 vermehrt haben. Vergleichweise sei gesagt, daß die Kapitalneubildung im Jahre 1913 8,5 Milliarden Mark betragen hat oder, wenn man die Geldentwertung berücksichtigt, um etwa 12 Milliarden Mark. Die Kapitalbildung im Jahre 1927 bleibt also hinter der im Jahre 1913 noch um rund 36 Prozent zurück.
Daß diese Kapitalneubildung den Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft noch bei weitem nicht entspricht, läßt sich daraus ersehen, daß wir in den Jahren 1924-1928 insgesamt 12 Milliarden Reichsmark an Auslandsgeld ausgenommen haben, wovon nur etwa 6,65 Milliarden als langfristige An- 1
leihen gelten können. Das Mißverhältnis zwischen jener Kapitalbildung und diesem Kapitalbedaff kommt in der Höhe des deutschen Zinssatzes fühlbar zum Ausdruck. Der Privatdiskont betrug im Monatsdurchschnitt für den Oktober 1928 in Berlin 6,58 Prozent, in Newyork 4,56 Prozent, in London 4,35 Prozent und in Paris 3,37 Prozent.
Stimmen der Vernunft.
Die Evangelische Kirche und das Volksbegehren.
In Kassel ist ein Hauptwortführer für das Hu- genberg'sche Volksbegehren ein evangelischer Pfarrer, der als Stahlhelm-Pfarrer in Kassel bekannte Pastor Zeidler. Die evangelischen Pfarrer der Stadt Kassel haben sich, da die Tätigkeit Zeidlers bei allen nicht auf Hugenberg's Seite stehenden Bevölkerungskreisen großen Anstoß erregt, zu folgender Erklärung veranlaßt gesehen:
„Um Mißdeutungen, die enstanden sind, zu zerstreuen, erklären die unterzeichneten evangelischen Pfarrer hiermit: Die politische Betätigung eines Pfarrer, insbesondere auch das Auftreten in öffentlichen politischen Versammlungen, ■ stellt n i cht eine Betätigung im Auftrag oder im Namen unserer Kirche und Gemeinden dar, ist auch, in keinerlei Weise als Ausdruck der persönlichen Stellungnahme der anderen Pfarrer zu den Fragen des öffentlichen Lebens zu betrachten, sondern lediglich ein Akt persönlicher lieber« zeugung und persönlicher Handlungsweise des betreffenden Pfarrers, für welche er allein verantwortlich ist.
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Die „Voss. Ztg." hat sich unter Hinweis auf die Stellungnahme des katholischen Episkopates, die insbesondere in einer Erklärung des Fürstbischofs Kardinal Bertram zum Ausdruck kam, an den Evangelischen Oberkirchenrat gewandt und ihn um Aufklärung über seine Stellung zum Volksbegehren gebeten. Der Präsident des Evangelischen Kirchenrates D. Br. Kapier und der geistliche Vizepräsident des Oberkirchenrates D. Burghart haben einen Mitarbeiter des Blattes empfangen und ihm mitgeteilt, daß der Evangelische Oberkirchenrat sich mit der Frage einer Stellungnahme der Kirche zum Volksbegehren eingehend beschäftigt habe.
Der Gesetzentwurf, für dessen Beurteilung nicht bie, Deutungen maßgebend sein könnten, die er auf der einen oder anderen Seite gefunden habe, sondern lediglich sein Wortlaut, sei nach den Grundsätzen zu prüfen gewesen, die für die ganze Arbeit der evangelischen Kirche maßgebend seien. Der Oberkirchenrat sehe die Frage des Volksbegehrens als eine Frage an, deren Bejahung oder Dernei- nung sich nach der Ueberzeugung richte, wie jeder Bürger glaube, seinem Vaterlande am besten dienen zu können. Das Volksbegehren sei daher eine politische Frage, deren Entscheidung die evangelische Kirchenleitung pflichtgemäß dem. einzelnen überlasse. Sie könne nur alle Uebertrei« bungen und Maßlosigkeiten bedauern, die sich im Kampf um das Volksbegehren geltend machen, und den dringenden Wunsch hegen, daß Wahrheit, Gerechtigkeit und gegenseitiges Verstehen bei diesen Auseinandersetzungen zu ihrem Recht kämen.
Die Terroristen des Reichsausschufses.
In der deutschnationalen „P o m m e r s ch e n T a g e s p o st" wurde dieser Tag« in großer Ausmachung salgendes Gedicht veröffentlicht.
„Fragt alle, die noch abseits stehen:
Wollt ihr, daß Deutschland soll untergehn: Seid ihr Deutsche? — Und sind sie es nicht. Tilgt sie aus jeder Gemeinde!
Speit ihnen in das T e u f e l s g e s i ch t, — Sie sind im Dien sie der Feind e."
Und gegen solche Terrorversuche soll die Regierung nicht einschreiten!
Daß die Kreise der d e u t s ch e n Wirtschaft gegenüber dem Poung-Plan eine gewisse Zurückhaltung üben, ist selbstverständlich. Auch das Z en -
trum hat ja sich immer im ähnlichen Sinne geäußert, weil auch es davon überzeugt ist, daß die im Poung-Plan vorgesehene Regelung der Tributlasten von der deutschen Wirtschaft auf die Dauer nicht getragen werden kann. Aber hier gilt es, bestimmte Entscheidungen zu treffen, um nicht, wie es Hugenberg wünscht, durch eine neue Krise unheilvolles Elend und den völligen Zusammenbruch vor allem des Mittelstandes, der Landwirtschaft, wie überhaupt der kleinen Existenzen heraufzubeschwören.
Peranlaßt durch das Agitieren des Reichsausschusses Hugenbergs haben doch jetzt die großen Jn- dustrieverbände ihre Reserve aufgegeben und offen Stellung zum Doung-Plan und zum Volksbegehren genommen. Als erster hat der Industrie- und Handelstag eindringlich davor gewarnt, das überaus schwierige Reparationsproblem durch Schlagworte und durch Aufwühlung der Volksleidenschaften zu verwirren. Man hat in dem Poung-Plan das kleinere Nebel gesehen, weil er wenigstens die größten Hemmnisse auf bestimmten Gebieten für den Wiederaufstieg unserer Wirtschaft und für die Inganghaltung des Produktions- apparates beseitigt. In Düsseldorf hat dann der Reichsverband der Deutschen Industrie p o l i t i k unzweideutig erklären lassen, daß jede Katastrophenpolitik von der Wirtschaft entschieden abgelehnt werde. Dazu kommen schließlich verschiedene Ausrufe von Handelskammern, wie Braunschweig, aus anderen Wirtschaftskreisen, in denen immer wieder vor der Beteiligung am Volksbegehren gewarnt wird. Der Führer der rheinischen Landwirtschaft, Oekonomierat Völlig, der bekannte Wirtsclmstler Dr. Silverberg, ferner Generaldirektor Dr. Zach, Handelskammerpräsident Louis Hagen u. a. haben für den gesamten Westen ebenfalls das Volksbegehren auf das Schärfste verurteilt.
In ebenso klarer Weise haben auch die Berufsverbände der Beamten sich geäußert. Der Geschäftsführende Vorstand des Deutschen Beamt e n b u n d e s hat sich den von der Bundesleitung getroffenen Maßnahmen, durch welche die Beamten von der Unterstützung des Volksbegehrens fernzuhalten sind, voll und ganz angeschlossen. Auch der Postverband und der Reichsverband der Kommunalbeamten haben gleiche Beschlüsse gefaßt.
Daraus ist zu erkennen, daß alle, die noch Verantwortungsgefühl haben in Wirtschaftsund Beamtenkreisen, das Volksbegehren entschieden verurteilen und ablehnen. Auch aus Lcmdwirt- fchaftsfeifen liegen eindeutige Warnungen von dem „Volksbegehren" vor, daß in erster Linie von Revolutionären a la Nationalsozialisten und von anderen durch ihre verschwommenen Ansichten zur politischen Arbeit ganz unfähigen Leute getragen wird. —
Sonnkags-Erbauung?
121 Sistierte in Berlin.
In Berlin war im Zusammenhang mit dem „Volksbegehren" von den Kampfhähnen der verschiedenen „Kouleur" Großbetrieb angesagt. Der Himmel hat ebensowenig Freude an dieser Art von Sonntags-Heiligung wie vernünftige Menschen. Deshalb ließ er es über die Hauptstadt heftig regnen. So kam es, daß die Veranstaltungen im Freien schlecht besucht waren. Aus dem Lustgarten hörten sich nur wenige Unentwegte die Phrase des Majors a. D. v. Stephani und ähnlicher Hugenberger an. Im Sportpalast fand eine große Versammlung der Nationalsozialisten statt. ' Anschließend Keilerei! Bis 9.15 Uhr abends erfolgten 121 Zwangsgestellungen, und zwar 98 der rechtsstehenden, 20 der linksstehenden Organisationen und 3, deren Parteizugehörigkeit sich nicht sesfftellen ließ.
kommunistische Ausschreitungen in Magdeburg.
wtb. Magdeburg, 21. Okt. (Eig. Meldg.). Am Sonntag mittag veranstalteten Anhänger der KPD. einen Umzug. Da sich unter den Teilnehmern uniformierte Rot-Frontleute befanden, versuchte
Abmarsch der Franzosen ans dem Rheinland.
Bereits jetzt beginnen die Franzosen auch die dritte Zone zu räumen. Das 8. französische Jnfan- terierregiment ist aus Mainz in seine Heimat ab gerückt. Die Zeit ist nabe, in der endlich die deutschen Lande frei sein werden vom letzte» fremde» Soldaten.