FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt JitL 244 im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag
der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift' " leitung 1152, Fuldaer Aciiendruckerei 1150 und 1151. :
Sonntag, 20. Oktober 1929.
I Monatlich 1,80 einschlietzl. Poitgebühr (48 Pf.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise Kleinzeile ,Col.) lokal 0,15 /L>k, auswärts 0,20 :/Ut. Reklamezeile: lokal 0,60 auswärts 0,80 ffJt. Bei Wiederholungen Rabatt. Postschecks Franks, a. M. 4051
56. Zahrg.
Dr. Saas über Janen- unh AnßeWSlM
nächsten Tagen den Antrag auf ein förmliches Disziplinarverfahren mit dem Ziel auf Dienstentlassung stellen und gleichzeitig den Regierungsrat Bierbach seines Amtes vorläufig entheben wird. Dieser Antrag des preußischen Innenministers bedarf der Zustimmung des preußischen Finanzministers. Inzwischen ist Regierungsrat Bierbach bereits von dem Regierungspräsidenten Bergemann seines Dienstes entbunden worden.
♦ Keine Straßenumzüge in Berlin am 20. Oktober. Der Berliner Polizeipräsident hat auf Grund des Art. 123 der Reichsverfassung für Sonntag, den 20. Oktober 1929, im Ortspolizeibezirk Berlin alle Umzüge auf öfse nt- lichen Straßen und Plätzen verboten. In der Begründung wird gesagt, daß für den genannten Tag Parteien und Vereinigungen, deren entgegengesetzte politische Betätigung in den letzten Wochen wiederholt zu blutigen Zusammenstößen mit den politischen Gegnern, aber auch mit den staatlichen Organen und der unbeteiligten Bevölkerung geführt haben, zu Straßenumzügen aufgerufen hätten, die, wie mit Sicherheit zu erwarten sei, zu weiteren blutigen Zusammenstößen führen würden. Die öffentliche Sicherheit sei somit uu- mitteVar gefährdet.
Nach dem Stapellauf der „Leipzig" beer en sich die etwa 170 geladenen Gäste in den mit ;sJir» landen und Fahnen geschmückten Saal des Werft- speisehauses, wo nach einem Musikstück der Marinekapelle Reichswehrminister Groe- n e r das Wort zu einer längeren Ansprache nahm. Als zweiter Redner sprach der sächsisch« Ministerpräsident Dr. B ü n g e r.
* Aufdeckung einer revolutionären Bewegung in Kuba. Aus Kuba wird gemeldet: Wie „Associated Preß" aus Havanna meldet, sind vier Personen wegen angeblicher revolutionärer Umtriebe verhaftet worden. Ein Manifest, das beschlagnahmt wurde, trug die Unterschriften des bei den letzten Wahlen unterlegenen liberalen Präsidentschaftskandidaten sowie mehrerer ftüheren Kabln: rsnnt- glieder und Senatoren.
* Das Disziplinarverfahren gegen Regierungsrat Bierbach. Zu der Suspendierung des Regierungsrates Dierbach in Düsseldorf meldet das „B. T.", daß der vr^nkische Innenminister in den
landinseln am 8. Dez. 1914 gesunkenen Kreuzers „Leipzig" trägt und dadurch das Gedenken an dieses tapfere Schiff und die mit ihm untergegangenen braven Kameraden lebendig erhalten wird, allezeit glückliche Fahrt. Möge die neue „Leipzig" in treuer Pflichterfüllung der alten nacheifern."
Zum Stapellauf der „Leipzig".
Telegrammwechsel zwischen Wehrminister und Reichspräsident.
Der Reichswehrminister Groener richtete am Freitag aus Wilhelmshaven folgende telegraphische Meldung an den Reichspräsidenten:
„Kreuzer „Leipzig" in Anwesenheit der Ehrengäste, unter ihnen acht Ueberlebende der int heldenmütigen Kampf bei den Falklandinseln gefallenen alten „Leip- zig"-Besatzung, auf Marinewerft soeben glücklich vom Stapel gelaufen."
Der Reichspräsident erwiderte darauf:
„Für die Meldung vom glücklich erfolgten Stapellauf dankend, wünsche ich dem neuen Kreuzer E der den Namen des im heldenmütigen Kampf bei den Falk-
Der blutige Boden Afrikas.
Schwere Berluste der Franzosen bei Colomb- Bechar.
Bei dem Zusammenstoß, der am 14. Oktober südlich von Colomb-Bechar zwischen Eingeborenen und französischen Truppen stattfand, haben die Franzosen, tote eine vom „Echo de Paris" nachgedruckte Meldung des „Echo d'Ornan" besagt, starke Verluste erlitten. Auf französischer Seite kämpfte nach dieser Meldung auch eine Abteilung der Fremdenlegion, die in einen Hinterhalt geriet. Die Verluste beziffern sich auf 50 Tote und Verwundete. Nur wenigeK ampf- teilnehmer sollen mit dem Leben davongekommen: fein, und zwar auch nur wegen des Eingreifens einer weiteren Abteilung der Fremdenlegion.
Sie deutsche Jugend und das Volksbegehren
Von Dr. Heinrich Krone, M. d. R.
kommen läßt. Hugenbergs-Ruf, sich in die Listen für das Volksbegehren einzutragen, wird in den Kreisen der jungen Rechten kein Gehör finden.
Das Wesen der Politik ist Wille und Entscheidung. Die Losung des jungen Deutschland kann nur lauten: Gegen das Volksbegehren. Hugen- berg, Hitler und Seldte sind nicht die Führer, die Gefolgschaft beanspruchen können. Die Listen für das Volksbegehren liegen aus. Wer sich einträgt, baut nicht an Deutschlands Zukunft, sondern gräbt sein Grab.
Vernunft gegen Anvernnnst.
überparteiliche Stimmen gegen das „Volksbegehren".
Wie wir erfahren, ist eine Kundgebung von namhaften Persönlichkeiten des politischen ilnld wirtschaftlichen Lebens in Vorbereitung, die ihre besondere Vedeutunq dadurch erhält, daß sich hier eine überparteiliche Front der politischen Vernunft zusammenfindet. Nach den Mitteilungen, die uns aus Berlin zugegangen sind, dürfte diese „Erklärung zum Volksbegehren" etwa folgenden Wortlaut haben:
„Bei voller Würdigung des nationalen Widerstandswillens, der in den §§ 1 und 2 des Volksbegeh- rens nach Ausdruck ringt, sehen wir den v o r g e- schlagenen Gesetzentwurf und nament- l t ch seine §§ 3 und 4 für die Führung unserer Außenpolitik a l s s ch ä d l i ch an. Diese §§ wollen die Leiter der deutschen Außenpolitik, wer sie in Zukunft auch sein mögen, in ihrer Handlungsfreiheit durch einen Gesetzestext binden, dessen Auslegung schließlich dem Strafrichter zufallen soll. Ein unmöglicher
Das Ergebnis der Noungverhandlungen in Paris und im Haag befriedigt auch uns nicht, so sehr wir die großen und ehrlichen Bemühungen der deutschen Unterhändler anerkennen. Aber ein Erfolg des Volksbegehrens würde alle Bestrebungen auf Besserung der deutschen Lage für absehbare Zeit vereiteln.
Wir halten daher die Ablehnung des Volksbegehrens fürdenrichtigenDienstamVater- l a n d e."
Diese Erklärung zum Volksbegehren dürfte nach unseren Informationen zahlreiche Unterschriften von Männern tragen, deren Name in der deutschen Oeffentlichkeit einen guten Klang besitzt. Wir glauben folgende Namen mitteilen zu können: Reichsministrr a. D. Albert, Geh. Kommerzienrat Elairmont, Der Duisburger Oberbürgermeister Jarres, Generaldirektor Kißkalt, der frühere Staatssekretär Kempkes, Reichsminister a. D. Kröhne, der Industrielle Clemens Lammers, Reichskanzler a. D. Hans Luther, der Abgeordnete von Papen, Geh. Kommerzienrat P schor r-Mün- chen, Graf von Roedern, Generalleutnant a. D. und Staatsminister Scheuch, Reichsminister a.D. Dr. Schiffer, Prof. Max Sering, Dr. Karl Friedrich von Siemens u. a. m.
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VDZ. Berlin, 19. Ott. (Eig. Meldg.). Der Bundesvorstand des R e i ch s b u n d e s dar Kriegsbeschädigten hat beschlossen, seine Mitglieder aufzufordern, dem Volksbegehren fernzubleiben.
Die französischeu Hugenberger.
wtb. Paris, 19. Oft. (Eig. Meld.) Wie das nationalistische „Echo de Paris" mitteilt, hat sich unter dem Vorsitz des Generals Mardacy ein Komitee gegen öie Räumung des Rheinlandes und die Aufgabe des Saargebietes gebildet, das sämtliche nationale Kräfte sammeln und mit allen Mitteln (Presse, Maueranschläge, parlamentarische Interventionen, öffentliche Kundgebungen usw.) seine Aktion so lange fortietzen werde, bis die Interessen der Nation gewahrt fein würden.
Hßenn die französische Verfassung das vorsähe, imird? General Mordacq natürlich ebenso ein „Volksbegehren" machen wie Hugenberg bei I Nationalisten arbeiten mit den gleichen MittelnI
Ein Mietsvertrag.
Sie kennen sich selbst am besten.
Uns liegt ein Mietsvertrag vor, den die Haken- I kreuzler in Karlsruhe abgeschlossen haben mit den Wirten von solchen Lokalen, in denen sie ihre I Versammlungen abzuhalten beabsichtigen. Dia heißt es unter anderem:
„Paragraph 1. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die Ortsgruppe Karlsruhe, I mietet hierdurch den . . . des Lokals ... in ... I zum Zwecke einer öffentlichen Versammlung auf.. I
Paragraph 2. Als Vergütung wird der Betrag von . . . Mark . . . festgesetzt.
Paragraph 3. Für etwaige Schäden, die durch die Versammlung entstehen, sei es in fachlicher Hinsicht (Stühle, Tische, Gläser zerschlagen I in Folge Versammlungsstörungen), sei es in körperlicher Hinsicht (Verletzung der Bedienung durch I Versammlungsstörung), haftet die National- sozialistifche Deutsche Arbeiterpartei."
Der Mietsvertrag enthüllt den richtigen Charakter der oölfifchen Versammlungen. Sie scheinen bei jeder Zusammenkunft von vornherein mit der I Lokaldemolierung, ebenso wie mit Körperverlet- I zungen zu rechnen.
protestlerischen und negativen Parolen derer gefolgt wäre, die es früher geführt und, wie wir heute wissen, ins Unglück geführt haben. Es ist eine Irreführung und Vergiftung der öffentlichen Meinung, wenn in diesen Tagen der Versuch gemacht wird, die Stellungnahme zu den Ergebnissen der deutschen Außenpolitik unter dem Gesichtspunkt vaterländischer Gesinnung zu sehen. Der Aufstieg Deuttch- lands kann sich nicht in frontalen und aggressivem Kampf gegen die Willkürbestimmungen der Friedensverträge vollziehen, sondern nur in geduldiger moralischer Offensive und in stufenweiser Geltendmachung unserer wiedererstarkenden Kräfte für die Erringung eines ausgeglicheneren Friedenszustandes, als Versailles uns ihn beschert hat. Dr. Kaas wandte sich zum Schluß gegen die Auffassung, daß man eine Krise des Dawesplanes hätte abwarten sollen und erklärte: Der selbständige Unternehmer, der Landwirt, der Mittelstand können keinen Wiederaufstieg mehr erreichen, wenn sie einmal die wirtschaftliche Basis verloren haben. Diese Schichten würden dauernd Proletarier bleiben und damit die an sich ungeheure soziale Not verschärfen. Hier liegt der große Rechenfehler der Vertreter des Volksbegehrens, wenn sie von einer Daweskrisis als einer Gesundungskrisis für Wirtschaft und Volk sprechen.
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Die programmatische Rede, welche der Zentrumsführer, Prälat Kaas, am 17. Oktober in Dortmund gehalten hat, hat in ganz Deutschland großes Aufsehen erregt. Auch führende Zeitungen, die nicht zur Zentrumspartei gehören, drucken sie im Wortlaut an bevorzugter Stelle ab. Was für uns das Bemerkenswerte an den Kaas'jchen Ausführungen ist, sind feine kritischen Ausstellungen an der Autoritätshaltung der Koalitionsregierung.
Es liegt auf der Hand, daß KoalitionsregicZungen es immer schwerer haben als Regierung n, die in einer Demokratie von nur einer Partei gestellt werden können, mit einem geschlossenen Willen aufzutreten und ihn mit Nachdruck durchzusetzen. Denn jede der in den Koalitionsregierungen vertretenen Fraktionen ist natürlich auf ihre eigenen Programmpunkte bedacht und will für die eigenen Parteizwecke soviel durchsetzen, wie sich nur in einem zähen Kampfe erreichen läßt. Ganz besonders schwierig liegt der Fall aber bann, wenn die Parteien, die sich zu einer Regierung zusam- mengeschlossen haben, grundsätzlich gegensätzlich angelegt sind, wenn sich also sogenannte Weltan- schauungsparteien miteinander vereinigen, ehe sie sich darüber klar geworden sind, daß' die so gebildete demokratische Regierung nun eine Korporation von eigenem Willen und eigener Autorität werden soll, die auf Stetigkeit und Autorität gegenüber allen Anfeindungen aus dem Parlameni und aus der Opposition im Volke bedacht fein Muß. Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß jetzt Prälat. Kuas von dieser demokratischen Eigenaufgabe der Regierung gesprochen hat. Daß er die Forderung nach einer selbständigen Aktivität der Regierungs- aütorität erhebt und'damit die mannigfachen Vorstöße der Regierungsparteien, um der'eigenen Interessen willen aus der Regierungsautorität wesentliche organische Funktionen herauszureihen und für sich in Anspruch zu nehmen, unzweideutig zu- rückweist.
„Mehr als je", so sagt Kaas, „richten wir mit Nachdruck die Aufforderung an die führenden In- Haber der Regierungsgewalt, sich der Verantwor-
Hugenberg, der neue Parteiführer, der Partei- oiftator der Deutschnationalen, hat zu einem Volksbegehren gegen den Noungplan aufgerufen. Hugenberg, Gegner und Feind einer demokratischen Staatsführung, ruft das Volk, die Massen zu einer politischen Entscheidung auf. Eine tragikomische 3ronie! Wanderredner ziehen durch die Lande und werben Stimmen. Eine von Hugenberg kon- zernierte und von ihm abhängige Presse ruft es alltäglich in die Volksmassen hinein: Es geht um Deutschlands Freiheit und Zukunft. Die wirtschaftlichen Nöte müssen den Hintergrund abgeben; grau in grau wird die Zukunft unseres Volkes gemalt. Dem Landvolk, den Gewerbetreibenden, dem kleinen Mann wird eine rosige Zukunft verheißen, wenn, ja wenn das außerpolitische Steuer herumgeworfen und die Vertreter einer Anschauung, die die Freiheit unseres Volkes und Vaterlandes auf dem Wege europäischer Verständigung zu erreichen sucht, von der politischen Bühne verschwunden feien. Hoffnungen werden erweckt, Brot wird versprochen — doch Steine wird man dem Volke zu geben nachher genötigt sein. Wohl selten ist in der deutschen Geschichte mit unserem Volke em solch freventliches Spiel getrieben worden, wie es nugenberg, Seldte und Hitler heute mit dem Br begehren tun.
ugenberg wendet sich auch an die deutsche Jugend. Sein Volksbegehren trägt den stolzen Namen Freiheitsgesetz. Er weiß, daß die Worte Volk, Freiheit, Vaterland in der Seele junger Menschen Widerhall finden, daß es Werte sind, die in der deutschen Jugend wieder stärker empfunden werden. Doch darin liegt die Unredlichkeit des Hu- genbergfdjen Spiels, daß er das ehrliche, dienstbereite und vaterländische Wollen der deutschen Jugend zu seinen politischen Zwecken mißbraucht, daß er all jene, die seit Jahren den mühsamen Weg der Befreiung unseres Volkes aus den Ketten eines verlorenen Krieges gegangen sind, als Vaterlands- femde hingestellt und sich selbst in der Pose des Befreiers Deutschlands unserem Volke öarbietet. Die Maske herunter, das kann nur unser Ruf sein. Es ist gewiß nicht an der Zeit, einen Jubelhyrn- nus anzustimmen; was aber durch eine Außenpoli- tik der Unterhandlungen und der Verständigung erreicht worden ist, das zu sehen ist unsere Pflicht und ein Gebot der Dankbarkeit gegenüber jenen miännern, die diesen außerpolitischen Kurs zum Teil mit dem Einsatz ihres Levens gesteuert haben. Nunmehr werden die Rheinlande von fremden Heeren frei. Verhandlungen find eingeleitet, um das deutsche Saargebiet alsbald wieder ganz dem deutschen Mutterlande zuzuführen. Die deutschen Zahlungen werden um erhebliche Jahresbeträge herabgesetzt. Nur auf dem Wege europäischer Verständigung und durch nichts anderes konnte die Freiheit Deutschlands um fein Wiederaufbau erkämpft, kann feine Zukunft gewährleistet werden. Sollen wir das, was errungen ist, wieder preisgeben? Das ist der Vorschlag der Hugen- bergschen Politik. Gehören diejenigen, die auf dem Wege der Verständigung dem deutschen Volke wieder Lebens- und Arbeitsraum unter den Welt- oölfern erobert haben, als Landesverräter in das Zuchthaus? Das fordert das Hugenbergfche Volksbegehren. Wir können diese Forderung nur Wahnsinn, Volksverhetzung und nationale Charakterlosigkeit nennen. Seit Jahren kämpft das deutsche Volk gegen den Kriegsschuldparagraphen des Versailler Vertrages. Das weiß auch Hugenberg. Keine Deutsche Regierung hat je den einseitigen Schuldsp-mch von Versailles anerkannt. Das deutsche Volk und seine Regierungen haben ihn des öfteren feierlich zurückgewiesen, zuletzt noch Reichspräsident von Hindenburg und die Reichsregierung anläßlich der 10jährigen Wiederkehr der Untereeichnung des Versailler Vertrages. Das weiß auch Hugenberg. Warum dann feine Forderung, den Versailler Schuldparagraphen schriftlich zu widerrufen^ Die Weltmeinung ruckt von Versailles ab. Hugenbergs Volksbegehren kann diese, im Interesse Deutschlands und der Welt liegende Klärung nur hindern und die Früchte stiller und zäher internationaler Aufklärungsarbeit über die Frage der Kriegsschuld nur vernichten.
Das von Hugenberg und seinen Verbündeten eingebrachte Volksbegehren hat auch eine innenpolitische Seite. Block ober Brei, so lautete des neuen Parteiführers Parole bei feinem Amtsantritt. Im Hintergründe des Kampfs gegen den Noungplan steht der Kampf gegen den deutschen Volksstaat. Die schweren Lasten, die die Nachkriegszeit uns auflegte, und die auch mit der Annahme der Pariser und Haager Beschlüsse nicht aufhören, werden benutzt, um wilde Leidenschaften gegen das parlamentarische System zu entfesseln. Man braucht gewiß nicht mit allen Einzelheiten und manchen Erscheinungsformen unseres heutigen Regierungssystems einverstanden zu sein — und weite Kreise der Jugend sind es auch nicht —, zu Dorspanndiensten für politische und ! soziale Reaktion aber wird sich das Heranwachsende I junge Deutschland nicht hergeben. Dienst am Volke, Gefolgschaft einer volksverbundenen zielklaren Führung lautet die Parole der jungen Deutschen; sie lautet freie Kräfteenttaltung im Innern, Heranziehung und Mitverantwortung aller Volksschichten am deutschen Schicksal Hugenbergs innerdeutscher Weg ist nicht der Weg des jungen Deutschlands. Schon melden sich Stimmen im Lager der jungen Rechten. Sie fordern den Sturz des Parteidiktators Hugenberg. In ihm sehen sie jene unheilvolle Macht, die die wahren nationalen Kräfte des Volkes lahmlegt und nicht zum Einsatz an der Gestaltuna einer wahren deutschen Politik
Der Vorsitzende der Deutschen Zentrumspar- I tei Prof. Dr. Kaas sprach in einer Versammlung I in Dortmund über die außen- und innenpolitische I Lage, lieber die Aufgaben der Regierung und der I Regierungsparteien sagte Kaas, das Charakteri- I stische der gegenwärtigen Gage und einer ihrer be= I drohlichsten Passivposten sei der Mangel einer in- I nerlich ausgeglichenen, durch einen einheitlichen I Willen zusammengeschweißten, koalitionsmäßig fest I gebundenen Regierung. Unbedingtes Erfordernis I fei es, in Zukunft Sicherungen dafür zu schaffen, | daß eine durch das Vertrauen des Parlaments be- I ftätigte Regierung nicht durch jeden Stimmungs- I Umschwung innerhalb der Regierungsparteien ge- I hemmt werde, und daß ihr eine größere Unabhän- I gigfeit gegenüber den unberechenbaren Zufälligkei- I ten des parlamentarischen Wetterwechsels garan- I tiert werde. Dr. Kaas kündigte die Bereitwilligkeit des Zentrums zu planvollen Reformen im | Innern an. Außenpolitisch wiederholte Dr. Kaas I den bekannten Standpunkt des Zentrums, daß eine endgültige und verantwortliche Stellungnahme zum I Vonng-Plan und feinen Auswirkungen noch nicht in Frage kommen könne. Dr. Kaas beklagte das Schneckentempo der Verständigungsbereitschaft auf der Gegenseite.
Mit Bezug auf die laufenden, insbesondere die Saaroerhandlungen, sagte Dr. Kaas: Die Liquidation des Krieges ist im Gange, aber noch nicht zu Ende. Die Form der Liquidation war niemals weniger gleichgültig, als im gegenwärtigen Augenblick. Ich denke da vor allem an die deutsche Saar. Es kann kein Zweifel darüber fein, daß Deutschland zu jedem Entgegenkommen bereit ist, । das mit der Idee der bedingungslosen politischen Rückkehr und dem Gedanken der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit zwischen Saar und Gesamtdeutschland vereinbar ist. Wir verneinen nicht die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die sich aus der geographischen Nachbarschaft mit Frankreich ergeben, und wir sind bereit, diesen Notwendigkeiten im Rahmen unseres nationalen Interesses und unserer nationalen Würde Rechnung zu tragen. Der fachliche Inhalt und das Tempo der Erledigung der Saarabmachungen wird von wesentlichem Einfluß auf die Weiterentwicklung der politischen Verhältnisse sein.
Uebergehend zu den Fragen, die mit dem Volksbegehren zusammenhängen, bedauerte Kaas das Fehlen einer ihrer Verantwortung bewußten bei aller sachlichen Schärfe die ungeschriebenen Gesetze ritterlichen Kampfes und die Begebenheiten der Realpolitik respektierenden Opposition. Ganz anders würden sich die Dinge gestalten, wenn wir eine Rechtsopposition hätten, die mit beiden Füßen auf dem Boden des republikanischen Staatswesens stünde und alle ihre Kräfte einsetzte gegen das unorganische Entwicklungstempo, wie es vielen sozialistischen Vertretern des republikanischen Gedankens vorschwebt. Wie wollen wir zu einer einheitlichen Willenszusammenfassung der gesamten Nation gelangen, wenn die sogenannte nationale Opposition ihren Beruf darin sieht, die ganzen ungeheuren Mühen und Aufbauarbeiten des vergangenen Jahrzehnts hinzustellen als das schmachvolle Ergebnis einer knechtischen Gesinnung. Ein Kreuz weg ist dieses Jahrzehnt gewesen, aber kein Irrweg. Statt diejenigen zu schmähen, die in Geduld und Seelengröße den Kreuzweg von Versailles bis zum Haag gegangen sind, sollte man sich fragen, wo Deutschland gelandet wäre, wenn es den rein