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Rr. 244.

Sonntag, den 20. Oktober 1929.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerel, Fulda.

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Rund um die Woche.

Kaffee und wirtschaftliches Denken. — Die Polizei. — Etwas von der Reichswehr. — Mausbach und Kahbach. — Allerlei.

Wer denkt je daran, wenn er sein Streichhölz­chen anzündet, das dieses kleine Ding im inter­nationalen Finanzlebsn eine solche Rolle spielt! Die letzte Zeit hat uns darüber aufgeklärt, und gerade diese Artikel in unfern Zeitungen sollte man lesen, weil sie zum wirtschaftlichen Denken erziehen. We­niger beachtet man bei uns, wie selbst die duf­tende Tasse Kaffee, Das liebliche Getränk aus Vos­sens Louise, die Weltwirtschaft bewegt. Waren nicht oftmals in jüngster Zeit alle möglichen klei­nen Nachrichten in der Presse, Die von Putschen und Revolutionen in Südamerika berichteten? Du liest das, wie irgendein ein anderes Stück der Mordchronik unserer Tage. Daß irgendwo ein paar Menschen totgeschlagen werden, daß in China Hungersnot ist, daß wieder einmal ein Revolu- tiönchen ausgebrochen, welchen Bürger regt das noch auf! Und was hat erst ein putsch in Süd­amerika mit einem Schälchen Kaffee zu tun? Die Sache ist einfach die, daß diese Putschnachrichten, die heute verbreitet und morgen dementiert wer­den, die Kaffeebörsen beeinflussen. Eine kleine No­tiz eines Telegraphenbüros hat sofort ein Sinken der Kurse zur Folge, und das prompt folgende Dementi läßt selbstverständlich die Kurse wieder emporschnellen. Ohne daß sie den Finger gerührt haben, können gewisse Leute auf solche Weise einen Riesengewinn einstecken. So ist heute die Welt. Wir in Deutschland aber haben keinerlei Interesse daran, den Herren von New Park, die vorwiegend diese Geschäfte machen, irgendwie dabei zu helfen. Die südamerikanischen Republiken sind unsere be­sten Kunden, und zahllos ist die Masse der Maschi­nen, die wir dauernd dorthin liefern. Wir tun gut daran, uns mit diesen Abnehmern besonders freundschaftlich zu stellen und nicht dazu beizutra­gen, ihnen die Kaffeepreise zu verderben.

Wie geheim und käst unkontrollierbar vollziehen sich doch diese wirtschaftlichen Aktionen, von denen Krieg und Friede so oft schon ausgegangen ist und die das Los von Millionen bestimmen. Was^iüt- zen uns alle die schönen Worte von der VolkHerr- schaft, von der staatlichen Kontrolle, wenn jene gro­ßen Mächte, um die es eigentlich geht, sich dieser Kontrolle vollkommen entziehen? Sie gehen mit ihrem Kapital dahin, wo man am wenigsten Steu­ern zu bezahlen hat. Sie haben Methoden, die längst ihre Wirkung erreicht haben, wenn die Oef- fentlichkeit dahinterkommt. Insofern sind die Skla- rek-Skandale eine hübsche Illustration des Zeit­alters. Da lag nun Abend für Abend die Haupt­stadt der Deutschen Republik in ihrer strahlenden elektrischen Herrlichkeit da. Man glaubte, wenn man dieses Straßenleben sah, man sähe Berlin. Nichts hat man gesehen. Von einem Skandal, der sich jahrelang schon hingezogen hat, von dem viele, viele Menschen doch wußten, ahnte die Oeffentlich- keit nichts. Wer kann es auch einem Anzug an­sehen, wie er erworben ist? Und das beweist, daß alle Kontrollen nichts nützen, wenn die Kontrolle des Gewissens versagt. Das Gewissen ist die Polizei Gottes, die immer an der Seite eines jeden

Menschen ist, damit er der Verbrecherlaune, die auch den Besten einmal überkommt, widerstehe. Auf der Straße und im Kämmerlein, am Tage und in der Nacht, auf der Börse und auf einer Kleiderbeschaffungsgesellschaft, überall ist diese Po­lizei, die den Staat keinen Pfennig kostet. Es scheint, daß gerade bei dieser Polizei in neuester Zeit ein großer Abbau stattgefunden hat, und so gibt es denn Skandal über Skandal.

Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, ge­rade dann, wenn alles von Sumpfvögeln und Nie­dergang spricht, das Schöne und Große zu sehen, was doch auch geschieht. So etwas gab es zuiy Beispiel in Breslau, wo das Denkmal für das schlesische Landwehrkorps eingeweiht wurde. Dieses Denkmal, ein Stein, der einen Krieger dar­stellt, wie er mit starkem Schilde die Grenzmark schützt, ist mir gewiß ein wenig zu trotzig, so wie es manche Denkmäler aus der Hohenzollernzeit sind, auf denen die Kanonen sich mächtig hervor­drängen. Wir wissen heute, daß auch in der Po­litik die geistigen Waffen, das moralische Ethos, die Kulturpropaganda eine gewaltige Rolle spielen, wie es soeben Prälat Schreiber auf der prachtvollen Tagung des Borromäusvereins in Bonn eindrucksvoll dargelegt hat. Das Bild jener Feier war sehr reich und farbig, beteiligte sich doch alles Volk daran, so daß sämtliche Fenster und alle Dächer der Nachbarschaft dicht besetzt waren. So ein Aufmarsch von Reichswehr mit dem mächtigen Tritt und der schneidigen Musik hat immer etwas Aufwühlendes. Und da standen nun in der Reihe die alten Fahnen, die tief in Rußland gewesen waren. Nur leise spielte der Wind in ihnen, als wolle er ihre Trauer nicht stören. Um das Denk­mal herum gruppieren sich die Mannschaften, die Offiziere und besonders die alten Exzellenzen. Ihre Brust ist von blitzenden Orden übersät. Gewiß, ihre Zeit ist hin. Man fühlt: Hier ist irgendetwas vorüber. Zwei Generationen begegnen sich in der seltsamen Umarmung von Werden und Ster­ben, die wir Leben nennen. Manchen mag so et­was eine militärische Demonstration sein, mir ist es eine heilige vaterländische Sache. Auch die Reichswehr ist ein Stück vom Staat, und man steht auch in ihren Reihen in der Armee Gottes, in der alle ihren Platz haben, die ihre Pflicht tun. Mir gefällt der Geist jener Kreise bei uns nicht, die in jedem Soldaten und Kriegsteilnehmer fast einen Verbrecher sehen. Man war nachher noch kamerad­schaftlich zusammen, und es war wirklich wunder­schön. Freilich eine Idee, die über dem Ganzen geschwebt hätte, eine mit der tiefsten Religion in­nerlich verbundene deutsche Idee, die sah ich nicht. Eben darum gehe ich zu solchen Feiern. Gehe hin, um eine Erinnerung zu wecken an jene Tage, in denen Christentum und Deutschtum die gleichen Fahnen trugen.

Am Abend dieses Tages war Empfang bei der Görres-Gefellschaft, und man begegnete den Exzel­lenzen der Wissenschaft. Es ist auch da etwas ein­gedrungen von einer neuen Zeit, die stärker als

je betont, daß auch die Wissenschaft Dem Volk verbunden fein müsse. Gab es auch dort zwei Ge­nerationen? Jedenfalls wurden schöne Worte für die Pflege des Nachwuchses gesprochen. Muß es nicht in der Tat für die Geheimräte der Universi­täten ein Genuß fein, ihre Weisheit in einer jün­geren Generation neu aufblühen zu sehen? Frei­lich kann sich auch einmal ein Baum zu solch einer Krone entwickeln, daß kein Sonnenstrahl zum jun­gen Wuchs im Unterholz mehr vordringt. Dann bilden sich unten Knorren und Knoten, die un­empfindlich bleiben gegen noch so ideales ®efäu|el in den geheimrätlicken Kronen. Nirgendwo im Leben wechseln kampflos die Generationen, und es war selbst der heitere Olymp zu Zeiten bewegt vom Kampf der Musen . . .

Für meine Plauderei erntete ich auch dort er­stens die Interessantheit, daß da ein Baske sprach, der Azkue heißt und ein berühmter Mann ist. Fer­ner erfuhr ich aus der Rede des Prälaten selber, der es scherzend sagte, daß es für einen Maus- bach gefährlich fei über die Katz bach nach Bres­lau zu reifen. Endlich wurde die Frage beantwor­tet, was ein Kanoniker fei? In einer Breslauer Schule war die Antwort erfolgt: Er hilft dem Bi­schof Das Geld zählen ... So gab es an diesem wunderschönen Abend auch köstlichen Humor. Und das in würdiger Runde, wo denn die Hoheiten, die Prälaten, die Professoren, die Aebte vom Kranz der Jugend umsäumt wurden . . . Dann hinein ins Flugzeug und möglichst weit am Skla- reksumpf vorbei in den Westen. Unterwegs hörte ich noch, daß ein Herr Tausend endlich die Kunst des Goldmachens entdeckt habe. Ludendorff soll

gleich bei ihm eine Anleihe gemacht haben. Ein anderer hat es noch weiter gebracht. Er bekam mehr Gold aus der Retorte heraus, als er Blei hineingetan hatte. Dem Vernehmen nach bereitet er eine Stützungsaktion für bankerotte Städte vor. Herrlich hingebreitet liegt unten das deutsche Land mit seinen Wäldern und Wiesen, seinen Flüssen und Bergen, seinen Dörfern und Städten. So stark und gesund, man sollte nicht glauben, daß es so viel Interesse habe für die Maria Orska, deren hy- sterievolles Schicksal auch bei mir beinahe eine Träne entlockt hätte. Leider dachte ich gerade an eine andere, wie das so geht im Leben, es mar die Frau im Monde, die eben mit großem Erfolg in Berlin uraufgeführt wurde. Ich schreibe nun auch ein Filmmanuskript, und das — wir wollen doch sehen, wer Herr im Hause ist — wird heißen:

Der lllann im Monde.

Gandhi und die indische Freiheitsbewegung

Der Weltkrieg hat nicht nur in Europa Um­wälzungen und Neuerungen zur Folge gehabt, sondern er hat auch in anderen Erdteilen Erschütte­rungen und Bewegungen hervorgerufen, die aber mehr oder weniger gegen das Europäertum gerich­tet sind. Zu diesen verhängnisvollen Folgen des Weltkrieges für das Europäertum gehört vor allem auch die Aufrollung der Nationalitätenfrage in Asien, die ihren stärksten und kräftigsten Ausdruck in dem Feldgeschrei der östlichen Völker „Asien den Asiaten" findet. Asien war immer und ist wie uns die letzte Zeit genügend gelehrt hat, auch

Deutschlands Riesenflugzeug startet mit 160 Personen.

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Ein Querschnitt durch „Do. X". Im Kreis: „Do. X" auf nächtlichem Fluge.

„Do. X" steigt am 19. Oktober in Friedsrichs Hafen zu einem Rekordflug mit 150 Fluggästen und 10 Mann Besatzung auf. Noch nie ist eine so große Anzahl von Menschen durch die Luft be­fördert worden.

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täubt gewesen sei. Nur das zufällige Hinzukommen des Zimmermädchens habe das Schlimmste verhütet. Es komme ihr nur eigentümlich vor, daß ihr Mann seit die­ser Zeit ein völlig umgewandeltes Wesen ihr gegenüber zur Schau trage. Während er sonst oft grob und rück­sichtslos gegen sie gewesen sei, zeige er jetzt vollendete Höflichkeit und zarte Fürsorge und suche ihr sogar Liebe oorzutäuschen. Aber das könne sie nicht irre machen in ihrem Urteil über ihn und sie befürchte nur, daß dieses plötzliche veränderte Verhalten der Deckmantel für irgend eine böse Absicht sei. Zum Schluß gab sie ihm noch die Zeit ihrer Rückreise an und wann ihr Dampfer voraus­sichtlich in Hamburg eintreffen werde.

Der Steuermann hatte sofort nach der Rückkehr von Amerika den Versuch gemacht, das Original des Testa­mentes, das bei dem Gericht hinterlegt war, in die Hände zu bekommen, um es von einem Schriftverständigen auf die Echtheit des Nachtrages prüfen zu lassen. Doch es wurde ihm von der Behörde eröffnet, daß das Dokument nur auf Verlangen der persönlich Beteiligten und bei dem ganz bestimmten Verdacht eines Verbrechens her­ausgegeben werde. Er mußte also wohl oder übel die Ankunft des Dampfers abwarten, mit dem die junge Frau wieder in Hamburg eintreffen würde.

Die Zeit wurde ihm unendlich lang; als endlich das Schiff im Hafen einfuhr, stand er dich: an der Landungs­brücke, an welcher er jeden einzelnen Reisenden in Augen­schein nehmen konnte. Inmitten des Menschenstromes sah er plötzlich den Mann, an den er bisher nur mit stil­lem Grimm gedacht hatte, den Gemahl der Frau, die seinem Herzen nahe stand. Aber wo war sie.selbst? In seiner Nähe fand er sie nicht, und so sehr er auch seine Augen anstrengte, sie war nirgends zu erblicken. Zuletzt hatten fast alle Passagiere das Schiff verlassen, und sie war nicht dabei gewesen.

Unter den letzten, die die Schiffstreppe herab kamen, bemerkte er plötzlich einen jungen Mann, der ihm be­kannt vorkam. Dieser hatte ihn auch ins Auge gefaßt und kam langsam auf ihn zu. Gegenseitiges Erkennen. Es war ein Seemann, der im vorigen Jahre mit ihm die Steuermannsschule besucht hatte.

„Nun, Freund V., was machst du hier? rief er dem am Ufer Stehenden zu.

ken nach, als ihr Mann von seinem Besuch bei seinem Bekannten zurückkam. Mißtrauisch betrachtete er ihr jetzt so heiter aussehendes Gesicht, das er in der letzten Zeit fast täglich nur ernst und vergrämt gesehen hatte.

„Nun", sagte er mit forschendem Blicke, „dein Ge­spräch mit der Stewardesse scheint ja recht erheiternd ge­wesen zu sein; darf ich wissen, was ihr zusammen ver­handelt habt?"

„Jetzt noch nicht," antwortete sie, und bemühte sich, ihre ihm ungewohnte Stimmung beizubehalten; aber du wirst es sehr bald erfahren."

„So", meinte er „also jetzt wird es noch nicht ver- raten; nun, ich hoffe, daß es nichts ist, was meine Gut­mütigkeit und meine Börse besonders in Anspruch nimmt."

„Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen", war ihre Antwort; ich weiß schon, was ich dir und mir schuldig bin."

Von dieser Zeit beobachtete er seine junge Frau im­mer sehr scharf und ließ sie fast nie allein. Wenn sie auf Deck sich erholen wollte, sowie bei den Festlichkeiten, die manchmal an Bord des Schiffes stattfanden, war er stets an ihrer Seite, so daß es dem Obersteward niemals mehr möglich war, sie allein zu treffen. Erst als das Schiff in Newyork anlangte, gelang es U m .ihr beim Verlassen des Dampfers unbemerkt einen Brief in die Hand zu drücken. Ein warmer Händedruck und ein vielsagender Blick ergänzte den Inhalt des Schreibens. Es enthielt die mehrmalige Versicherung seiner Hochachtung und Ver­ehrung für sie, und daß er nach seiner Rückkehr alles daran setzen werde, um die dunkle Sache zu klären und den Weg für ihre beiderseitige glückliche Zukunst zu ebnen. Er gab ihr in dem Brief eine Adresse an, wohin sie Nachrichten an ihn gelangen lassen könne, insbeson­dere erbat er den Namen und die Abfahrtszeit des Damp­fers, auf dem sie mit ihrem Mann die Rückfahrt nach Deutschland antreten würde.

Nach etwa sechs Wochen traf ein Brief der jungen Frau in Hamburg ein. Sie schrieb darin von ihren Rei­sen durch ganz Amerika und unter anderem auch, daß sie beinahe einmal das Opfer eines Unfalles geworden sei. Auf ihr unerklärliche Weise sei einmal der Gashahn ihres Badezimmers offen geblieben, sodaß sie schon halb be­

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Damit stand sie auf und reichte ihm die Hand; er rrgriff sie und drückte sie innig mit den Worten: „Ha­ben Sie Dank für das Vertrauen, das Sie in mich setzen; ich werde es in jeder Weise zu rechtfertigen suchen. Ich bitte Sie, falls Sie irgend eines Rates oder einer Hilfe in einer bedenklichen Lage bedürfen, sich meiner zu erinnern; ich werde alles daran setzen, Ihnen Ihr Recht schaffen zu helfen. Ich will, wenn Sie es wünschen, sofort nach meiner Rückkehr nach Hamburg mir vom Gericht das Original des Testaments vorlegen und durch einen Sachverständigen feststellen lassen, ob der Nachtrag von der Hand des Erblassers geschrieben ist. Stellt er das Gegenteil fest, so ist damit die Ur­kundenfälschung erwiesen. Und da diese Fälschung die Ursache gewesen ist, daß Sie gleichsam zu dieser Ehe gezwungen worden sind, so könnte dies ein Grund sein jur Lösung des Verhältnisses, das, wie Sie selbst sagen, unerträglich ist. Selbstverständlich werde ich meine Nachforschungen im geheimen anstellen und hoffe auch beim Gericht die nötige Unterstützung zu finden, wenn ich Nachweise, daß hier offensichtlich ein Verbrechen be­gangen worden ist." „Wenn Sie dieses fertig brächten, o wie dankbar würde ich Ihnen sein," sagte die Frau mit leuchtenden Augen. Es wäre dies ein Ausblick auf ein Glück, das mir in der Ferne winkt und das mir früher schon oft vor Augen geschwebt hat."

Er verstand sie wohl und in überwallendem Gefühl 3°g er sie an feine Brust und drückte einen heißen Kuß auf ihren Mund. Dann verabschiedete er sich schnell, um der aufflammenden Leidenschaft nicht neue Nahrung zu geben ,die für beide verderblich werden konnte.

Die junge Frau blieb in einer von ihr ungekannten Seligkeit zurück; sie malte sich schon die Zeit aus, wenn sie die ihr verhaßten Fesseln abstreifen und an der Seite Dieses prächtigen Menschen ein neues Leben beginnen könne. Sie hing noch glücklich lächelnd diesen Gedan- ,

Ein sturmbewegles Leben

Nach dem Tagebuche eines Jugendfreundes erzählt von Peter Selig.

„Ich erwarte jemand ,der aber anscheinend nicht mit dem Schiff gekommen ist. Und du kommst als Passagier von drüben"

„Ja", antwortete der andere; ich hatte in Amerika eine Stelle angenommen, da kam die Nachricht, daß mein Vater gestorben und meine Anwesenheit zu Hause dringend nötig sei. Aber wen erwartest du hier? Wohl einen Verwandten, oder gar die Braut?"

„Das nicht, aber doch jemand, der mir nahe steht". Er gab ihm noch einige Erklärungen und nannte dabei auch den Namen der jungen Frau.

„Was?" rief der Angekommene erschreckt; „eine junge Frau dieses Namens ist am dritten Tage nach unserer Abfahrt von drüben gestorben und in der See begraben worden. Doch was ist dir?" Dabei faßte er den ihn wie verstört Ansehenden am Arm und fuhr fort: „Ich hoffe doch, daß es nicht die Dame gewesen ist, auf welche du wartest,- denn es gibt doch viele Menschen gleichen Na­mens auf der Welt".

„Doch", erwiderte der Steuermann tonlos, „sie wird es schon gewesen sein. Ich sah ihren Mann allein hier vorbeigehen und weiß genau, daß sie die Rückreise zu­sammen angetreten haben. Aber, was weißt du von ihr? Ist sie verunglückt?"

„Ich kann nichts Genaues darüber sagen, antwortete der andere; man munkelte so allerhand, als ob die Frau sich selbst den Tod gegeben habe ober vielleicht auch das Opfer eines Verbrechens geworden fei; es war nichts Sicheres festzustellen. Wenn du ein größeres Interesse daran hast, kannst du wohl etwas von dem Kapitän oder von dem Schiffsarzt erfahren. Heute dürftest du aber wohl kaum da ankommen, weil die Herren jetzt ander­weitig zu sehr in Anspruch genommen sind. Aber mor­gen oder in den nächsten Tagen wird dir auf Verlangen wohl sichere Auskunft gegeben werden."

Wie zerschlagen kehrte der Steuermann in seine Woh­nung zurück. Also war die Ahnung der jungen Frau doch in Erfüllung gegangen! Für ihn unterlag es keinem Zweifel, daß ihr Tod kein natürlicher gewesen sei, und wo die Ursache zu suchen sei, stand für ihn auch fest. Aber wie die Beweise dafür bekommen?

(Fortsetzung folgt.)