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IC Heimat

Zulda, öen 18. Oktober 1929-

Der Aufmarsch beginnt!

Am Mittwoch kommender Woche müssen die Wahlvorschläge für den Kommunallandtag in Kas­sel eingegangen sein. Die Zentrumspartei als die Vertretung der deutschen Katholiken hat diesen bedeutsamen Wahlen auch in Kurhessen ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt und in allen Wahlbezirken Zentrumswahlvorschläge eingebracht. Auch der Wahlvorschlag für den Stadtkreis Fulda wird in den nächsten Tagen der Oeffent- lichkeit bekannt gegeben werden können. Es han­delt sich um den 'Vorschlag eines Abgeordneten, der in der Lage ist, charakterfest, kenntnis­reich, und mit allseitigem Interesse die Stadt Fulda, den Sih wichtiger Anstalten des Be­zirksoerbandes, für mindestens vier Jahre zu ver­treten. Daß es in einem solchen Fall keine klein­liche Nörgelei geben darf, daß selbst parteipolitische Meinungsverschiedenheiten für großzügige Be­urteilung der Lage zurücktreten müssen, leuchtet ein. Hoffentlich sind oder werden sich recht viele Mitbürger über dieie Zusammenhänge vollständig klar.

Auch an die Lösung der Frage der Gemeinde- Wahl sollten alle Beteiligten mit heißen Her­ze n für die Ehre und die Zukunft unserer Heimat­stadt, unserer Vaterstadt Herangehen. Die städti­schen Körperschaften müssen in ihrer Zusammen­setzung ein Stolz jedes Mitbürgers sein. Das find sie, wenn Selbstlosigkeit, Besonnenheit, Kennt­nisse dort ihre Heimstätte haben, das find sie nicht, wenn kleinlicher Ehrgeiz, persönliche Ge­winnsucht, Beschränktheit und Standesegoismus sich dort breit machen.

Für die Zentrumspartei ist es eine hohe Auf­gabe, die Zusammensetzung der Körperschaften in dem Sinne zu beeinflussen, daß nur geborene Nörgler nicht zufrieden sind. Immer wieder muß an die Richtlinien erinnert werden, die die Deutsche Zentrumspartei für die Durchführung der Ee- meindewahl aufgestellt hat und die die Gewähr für eine glückliche Arbeit der zu wählenden Körper­schaften im Dienste der Gemeinde bieten.

1. Die Zentrumsvartei beteiligt sich in allen Gemeinden, Kreisen und Städten offiziell an den Wahlen zu den Selbstverwaltungskörperschaften.

2. Die Eemeindeparlamente müssen nach po­litischen Gesichtspunkten zufammenge- setzt werden. Dementsprechend lehnt die Zentrums­partei grundsätzlich die Zusammensetzung der Ge­meindeparlamente nach berufsständischen Gesichts­punkten ab; vor allem sind auch Standeslisten als Verstoß gegen das Zentrumsprogramm grundsätz­lich zu verwerfen.

3. Diese grundsätzliche Auffassung schließt eine vernünftige Rücksichtnahme auf die wich­tigsten Stände bei der Austtellung der Kan­didatenlisten nicht aus ,jedoch ist eine Verteilung der Sitze nach dem zahlenmäßigen Verhältnis der einzelnen Stände abzulehnen, weil erfahrungsge­mäß dabei zahlenmäßig schwache, für die Gesamt­heit jedoch wichtige Stände unberücksichtigt bleiben und weil nach der Erfahrung aller Parlamente für die praktische Arbeit es nicht darauf ankommt, durch wie viele Angehörige der einzelne Stand vertreten ist. sondern in erster Linie auf die Tüch­tigkeit und Ei g n u n g für die praktische Mit­arbeit im Gemeindeparlamente und in den Aus­schüssen.

4. Oberster Grundsatz bei der Aufstellung ist, daß die Fraktion die größtmöglichste Arbeitsfähig­keit erhält, daß sie Persönlichkeiten, Män­ner und Frauen, aufweisen kann, die gewillt und befähigt sind, die Interessen der Zen­trumspartei in der Oeffentlichkeit sowohl als auch in den Kommissionen und Ausschüssen zu vertreten.

5. Es ist unbedingt darauf zu achten, daß Oie Fraktion auch die nötige Anzahl führender Persönlichkeiten erhält, weil nur dadurch ihr Einfluß ""llck-rt und gestärkt ——^en kann.

Die grundsätzliche Ablehnung von Standeslisten usw. schließt eine Fühlungnahme mit den maßge­benden berufsstöndischen Organisationen der Ge­meinde bei der Aufstellung der Kandidaten nicht aus, jedoch darf unter keinen Umständen die Par­teileitung etwa von den Standesveriretungen oor- gefchlagene Kandidaten unbesehen auf die Liste der Partei übernehmen, sondern sie muß dieselben sorg­fältig prüfen, ob sie wirklich überzeugte Zentrum's- leute und zur Arbeit im Gemeindeparlament be­fähigt sind.

Bei der Kandidatenaufstellung ist auf eine oe- wilfe Stetigkeit d->bin Rncksjcktt zu nehmen,

daß die neue Fraktion eine ausreichende Anzahl bereits früher in dem Gemeindeparlamente be­währter Mitglieder erhält, da sonst bei dem unter dem jetzigen Wahlrecht erfolgenden Ausscheiden sämtlicher Mitglieder des Gemeindeparlaments die Tradition und die Stetigkeit der Arbeit erheblich leiden würde.

Auf die Besetzung der sogenannten Nach- rückestellen auf der Kandidatenliste ist größte Sorgfalt zu verwenden, da erfahrungsgemäß der Personenwechsel der Gemeindeparlamente stärker ist, als man ursprünglich angenommen hatte und bei den bisherigen Kandidatenlisten beim Nachrük- ken neuer Fraktionsmitglieder die Arbeitsfähigkeit s und Stoßkraft vielfach gesunken ist.

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Diese klaren Richtlinien sollten nichtnurauf dem Papier stehen, sondern in unbezweifelbarer Weise auch in der Praxis Anwendung finden. Jedenfalls muß überall im Zentrumslager der jetzt sich feinem Abschluß nähernde Aufmarsch unter Berücksichtigung der Richtlinien der deutschen Par­teileitung erfolgen.

Zur feierlichen (Eröffnung der Mission

wird der Hochw. Herr Bischof am nächsten Sonn­tag um %1O Uhr in der Domkirche ein Ponti­fikalamt halten. In diesem werden die Mis­sionäre, soweit sie zu dieser Stunde abkommen können, für ihre wichtige Aufgabe den Bischöflichen Segen erhalten.

Bestandene Prüfung.

Arnold Müller, Sohn des Herrn Joseph Müller, Gasthaus „zur Rhönlust", hat vor der Prü­fungskommission in Würzburg die Gehilfen- Prüfung im Konditoreigewerbe mit der Hauptnote „Sehr gut" bestanden.

Eisenbahn-Personennachrichlen.

Der Zugführer Max Freitag wurde von Hünfeld nach Fulda, der Lokomotivführer Karl Müller von Hünfeld nach Wüstensachsen (Rhön) versetzt.

Aus der Zenkrumsparlei.

Im Bezirk 11 der Ortsgruppe Fulda fand gestern abend eine von den Mitgliedern der Par­tei gut besuchte B ezirksverscimmlung statt. Nach eingehender und offener Aussprache über die Auf­gaben, den politischen und kulturellen Ideengehalt der Zentrumspartei und über die kommenden Kom­munalwahlen wurde zur Wahl zweier neuer Ob­leute geschritten. Zum Schriftführer wurde Ge­schäftsführer H a l s ch, zum Obmann wurde Ar­beiter O f e n ft e i n gewählt. Die Besprechungen über die Arbeit im Bezirk führten zu dem Ent- schluß, in Zukunft regelmäßig alle 4—6 Wochen kleinere Versammlungen abzuhalten, in der plan­mäßig politifche Schulungsarbeit geleistet werden soll. Außerdem soll in den Weihnachtstagen ein Familienabend in größerem Rahmen abgehalten werden. Die nächste Bezirksversammlung findet kurz vor den Wahlen statt.

Vorlrags-Vereirügimg.

Rembrandt, der Maler der Menschenliebe.

Dr. Max D e r i sprach gestern in der Dortragsver- einigung Fulda über die Einstellung des Modernen, so­zial eingestellten Menschen zu Rembrandts Werk, über die Entwicklung Reipbrandts zum Maler seelischer.In­halte. Das schwierige Thema fand in Max Der! einen meisterhaften Interpreten. Der Maler Rembrandt wurde durch einen Plastiker des Wortes gedeutet.

Eine scharfe Kritik mancher Arbeiten, die dem Publi­kum seither als die „Rembrandts" galten, legte den echten Kern in Rembrandts Schaffen frei. Auch eine Definition der künstlerischen Persönlichkeit, die sich von der des Mitmenschen nur durch technisches Können und ein tieferes Gefühlsleben unterscheidet, brachte dem Zu­hörer den Menschen Rembrandt näher, von dem man in jungen Jahren keine vollgültigen Leistungen erwarten darf, dessen Werk erst langsam zu innerer Größe reift. Rembrandts Jugendarbeiten beweisen den Einfluß der dramatischen Wucht eines Rubens, der gleichzeitig, schon im Zenith seines Ruhmes, in Antwerpen schafft. Erst mit 30 Jahren gelingt Rembrandt eine in sich abgerun­dete Leistung, die „Blendung Simsons" (Frankfurt am Main). Rubens ist an dramatischer Wucht erreicht. Einige Jahre später entsteht das „Opfer Manoah's" (Dresden). Rembrandt hat sich gewandelt. Das künst­lerische Gewissen des Nordländers ist erwacht. Die Geste wird eng, die Formensprache klar und scharf, ohne Pa­thos, um leiseste seelische Schwingungen anzudeuten. Rembrandt ist zum Gegenpol des Rubens geworden. Das ethische Moment ist vorherrschend. Im Opfer 1 Manoah's werden Menschen getröstet, im „Gesicht Da- |

niels" wird der Prophet vom Engel behütet. Es folgen einige Selbstbildnisse. Langsam gräbt die Zeit ihre Ru- nen in das Antlitz, in dem Schicksal und Seele zusammen stoßen. Der Mann im „Goldhelm" soll Rembrandts Bruder sein. Im Halbdunkel unter dem gleißenden Helm hat Rembrandt in einem unvergeßlichen. Antlitz der Bru- der- und Menschenliebe .die im Nächsten den Bruder sieht, ein Denkmal gesetzt.

Die Arbeiten seiner letzten Jahre sind Zeugnisse fei­nes Schicksals. Rembrandt verliert fein Vermögen. Eine Kellerwohnung im Amsterdamer Ghetto nimmt ihn auf. Die „Verteidigung Hamons", der von des Königs Ta­fel verstoßen, ist Beweis von Rembrandts Verzicht auf alles Aeuherliche, auf die Vorteile eines ruhigen bür­gerlichen Lebens. Aber gleichzeitig ist dieses Bild Zeug- nis feiner ungebrochenen künstlerischen Kraft, die es ihm erlaubt, mit vollen Händen aus der Fülle dessen zu schöpfen, was seine Seele bewegt. Der „Segen Jakobs (Kassel) gehört den gleichen Jahren an. Im Todesjahr entsteht sein letztes Selbstbild: Das äußere Elend, das den Menschen Rembrandt furchtbar packt und den 63jäh- rigen zu einer Ruine macht, berührt den Künstler Rem­brandt nicht. Das Schicksal ist überwunden. Das Drama seines Lebens zwingt ihm noch ein letztes, aber unend­lich überlegenes Lächeln ab. Er gibt uns hier zugleich das erschütternde Bild eines Menschen, der seine Lauf­bahn vollendet und sein Ziel erreicht hat.

Ferd. Lammeyer.

Sladtkraftposkfahrt «ach Kohlhaus.

Vom 21. Oktober ab wird der um 18.23 Uhr am Postamt nach der Frankfurter Straße (Filzfa­brik) abgehende Stadtkraftomnibus versuchs­weise täglich bis Kohlhaus durchge­führt. Ankunft in Kohlhaus um 18,35 Uhr, Rück­fahrt um 18,37 Uhr. Im Uebrigen wird auf die für Kohlhaus noch bestehende Kraftpoftverbindung hingewiesen: Montags und Samstags ab Kohlhaus nach Fulda um 8,02 Uhr, 10,45 Uhr, 15,24 Uhr: ab Fulda nach Kohlhaus 7,00 Uhr, 13,00 Uhr, 15,20 Uhr; an den übrigen Tagen ab Kohlhaus nach Fulda um 10,45 Uhr, ab Fulda nach Kohlhaus um 15,20 Uhr.

Rasche Fürsorgehilse bei schweren Verletzungen.

Bei schweren Berletzungen, die rasche Hilfe not­wendig machen, können nach einer Entscheidung des Preußischen Oberverwaltungsgerichts vom 21. Jan. 1929 Nr. 42 III. 28), die die Deutsche Beam­tenbund-Korrespondenz mitteilt, nichter st lang­wierige Ermittlung en über die wirtschaft­liche Leistungsfähigkeit des Unterhaltungspflichti­gen angestellt werden, noch darf der vorläufig ver­pflichtete Fürsorgeverband sein Eintreten von der Erledigung dieser Verhältnisse abhängig machen. Es ist nur zu prüfen, ob als rechtliche Voraus­setzung des Ersatzanspruches eine Hilfsbedürftig- feit im Sinne des § 6 der Fürf.-V.-O. und § 5 der hierzu erlassenen Reichsgrundsätze zur Zeit der Hilfeleistung vorhanden war und ob es sich um eine dringliche Hilfeleistung handelte.

Mik dem Motorrad gestürzt.

Bei der Ausübung feines Berufes erlitt Tier­arzt R. Lucas auf der Heimfahrt nach Fulda in der Nähe des Sportplatzes ,Hohannisau" einen Motorradunfall, wobei er sich einen Oberschenkel­bruch zuzog. Der Unfall ist, wie man uns mitteilt, darauf zurückzuführen, daß Herr Lucas die Lenk­stange des' Motorrades mit einer Hand halten mußte, als er einem Fuhrwerk Signal geben wollte. Er geriet dabei auf der Straße, die sich anscheinend nicht in bestem Zustande befindet, in ein tiefes Schlagloch und wurde vom Motorrad herunterge- schleudert. Er wurde mit dem Krankenauto in das Landeskrankenhaus gebracht. Das Motorrad blieb i unbeschädigt.

Von einem scheuenden Pferd geschleift.

Auf der Straße nach Böckels verunglückte Mitt­wochmorgen ein 65jäbriger Mann aus Fulda, der mit einer mit einem Pferde bespannten Kutsche nach Fulda zurückfahren wollte, schwer. Als plötzlich das Postauto aus dem ziemlich dichten Nebel auf­tauchte, scheute das vor das Fuhrwerk gespannte Pferd und ging durch. Das Geschirr riß, der Mann, der das Pferd halten wollte, wurde vom Wagen gerissen und ein Stück über das Feld ge­schleift. Dabei wurden ihm beide Arme aus­gekugelt und der eine Arm zersplit­tert. Auch scheint er innere Verletzungen erlitten zu haben. Er wurde mit dem Postauto nach Fulda und dann ins Landeskrankenhaus gebracht.

Zu dem schweren Unglück in Oberhessen, dem der Reisende Rothe von der hiesigen Firma Klein u. Stiefel zum Opfer fiel, erfahren wir noch, daß Rothe von Grünberg in Gesellschaft von vier Grünberaern nach Gießen fahren wollte, wobei der

Wagen unterwegs in rascher Fahrt gegen einen Baum rannte. Während die vier jungen Grün­berger Leute aus dem Wagen geschleudert wurden, flog Rothe mit dem Kopf gegen die Schraube an der Windschutzscheibe, die ihm in den Kopf eindrang und feinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Bon den Mitfahrern trug einer schwere Quetschungen am Oberschenkel davon, während die übrigen drei leichte Verletzungen erlitten. Um den Verstorbenen trauern seine Frau und zwei kleine Kinder. Der Anprall des Kraftwagens an dem Baum war so stark, daß von dem Stamm die Hälfte glatt weg- gerissen wurde.

Aus dem Gerichlssaal.

Der frühere Kanonier D. Sch. von der 2. Bat­terie des hiesigen Regiments hatte in der Nacht des 17. August ds. Js. aus der Hose eines Kamera­den die Geldbörse mit fast der ganzen Löhnung gestohlen. Der Angeklagte ist geständig und will den gestohlenen Betrag ersetzen. Er muß drei Wochen verschärften Arrest verbüßen. — Wegen ruhestörenden Lärms waren den Eheleuten O. Sch. von hier polizeiliche Strafbefehle von je 15 Mk. zugegangen. Hiergegen hatten beide Einspruch ein­gelegt. Das Gericht verurteilte den Ehemann Sch- zu 6 Mk., seine Frau zu 3 Mk. Geldstrafe; außer- dem müssen sie die Kosten des Termins tragen. — Der Landwirt Fr. I. F. von H. hatte gegen etnen Strafbefehl über 5 Mk. wegen verkehrs­hindernder Austtellung eines Kraftfahrzeuges Ein­spruch eingelegt. Das Gericht erkannte auf die gleiche Strafe. — Dem 21jährigen W. Sch. von hier war wegen Uebertretung des Feld- und Poli­zeigesetzes ein Strafbefehl über 2 Mk. zugegangen. Hiergegen legte er Einspruch ein. Das Urteil lau­tete auf 3 Mk. Geldstrafe; selbstverständlich hat er auch noch die Kosten zu tragen. — Wegen nicht ordnungsmäßiger Reinigung des Fahrdammes vor feinem Haus war dem Kaufmann F. H. ein poli­zeilicher Strafbefehl über 2 Mk. zugegangen, gegen den H. Einspruch erhob. In der gestrigen Haupt­verhandlung machte H. geltend, daß er zur Reini- »des Fahrdammes vom Buttermarkt nicht ver- tet sei, sondern nur zur Reinigung des Bür­gersteiges vor seinem Haufe am Buttermarkt. Die Reinigung des Fahrdammes am Buttermarkt ob­liege der Stadt. Das Urteil lautete auf Freispre­chung, da d i e Stadt nach einem inzwischen bei Gericht eingegangenen Gutachten die Reini­gung der öffentlichen Plätze selbst übernimmt. Zu den öffentlichen Plätzen ge­höre auch der Buttermarkt. — Wegen öffentlicher übler Nachrede hatte C. D. in B. gegen den Rei­senden I. F. in B. eine Privatklage angestrengt.

Eine Kundgebung!

Wir erhalten zur Veröffentlichung folgende Zuschrift:

Die Bevölkerung in Stadt und Land weisen wir auf die in der Presse veröffentlichte Mahnung des Kardinal-Fürstbischofs Bertram von Bres­lau, des Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonfe­renz, und auf den gemeinsamen Aufruf der Deut­schen Zentrumspartei und der Bayerischen Volks­partei hin. Die gesamte christliche Bevölkerung sollte danach ihre Haltung gegenüber dem Volks­begehren in ernster Besinnung prüfen und richten!

Fulda, Hünfeld, Gersfeld, den 17. Oktober 1929.

Dr. Dr. Antoni, Oberbürgermeister von Fulda.

Frhr. v. G a g e r n, Landrat in Hulda.

Ludwig, Landrat in Hünfeld.

Dr. Wiechens, Landrat in Gersield.

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Die Sonnenblume,

Immer nun mein Herz sich dreht Wie der Sonnenblume Runde Um den Sinn der letzten Stunde, Die im Kreis der Himmel steht.

Alle Fragen reifen facht Wie der Blume schwarze Samen.

Vögel, die vorüber kamen. Merkten sich die süße Tracht.

Und so welkt des Lebens Frist

Vor dem starken Himmelsballe __

Doch die Vögel kommen alle, Wenn es Winter worden ist.

Ruth-Schaumann.

Lob des Buchdruckers.

Abraham a Santa Clara hat unter feinen vielen an­deren Werken auch ein Buch geschrieben, in welchem er die verschiedenen Stände seiner Zeit und ihre Tätigkeit schildert und sie nur richtigen, gottwohlgefälligen Be­rufsausübung mahnt. Er nennt fein Werk „Eine kurze Beschreibung allerlei Standes-, Amts- und Gewrrbeper» fonen mit beigedruckter sittlicher Lehre und biblischen Konzepten, durch welche der Fromme mit gebührendem Lob hervorgestrichen,, die Tadelhafte aber mit einer mäßigen Ermahnung nicht verschont wird." Das Werk ist, da es annähernd 200 Berufe behandelt, eine wichtige kulturhistorische Quella. In dem Kapitel über den Buchdrucker macht er zunächst eine kleine Ablchwei- fung und spricht über den Wert und Segen des Lesens. Es heißt dort: „Es soll billig kein Tag vorbeischleichen, wo man nicht wenigstens der Seelen den einen und anderen Bissen geistiger «speise soll vergönnen, weil man denn alle Tage den menschlichen Leib mit Speisen an- schopt. Das Wort „E s e l", wenn es zurückgelesen wird, sa heißt es „L e s e". Wahr ist es, wenn jemand kein unverständiger Esel bleiben will, so muß er die Bücher lesen, sonst wird ihm der Trichter von Nürnberg schlechte Doktorrezepte mitteiten." Dann fährt er fort: . Die Buchdruckerkunst ist wahrlich diejenige, so alle Künste er­

nährt; die alle vergangenen Dinge auf frischem Fuß er­hält, die den gelehrten Leuten einen unsterblichen Na­men schmiedet, die den schon längst geführten Wandel auf Erden, sowohl Christi des Herrn, als auch seiner Heiligen, uns mit lebendigen Farben entwirft und folg­lich einen Weg weist zu allen Tugenden."

Das klingt anders als 150 Jahre früher, wo man die „schwarze Kunst" vielfach als Teufelswerk verdammte und in ihr nur ein Mittel sah, „allerlei verderbliche Meinungen" zu verbreiten. „Das Gute pflanzt' sich fort durch gute, klare Red', das Böse braucht geheime Zei­chen, die niemand recht versteht", auf diesen Ton war dazumal die Kritik an der Buchdruckerkunst gestimmt, — wobei natürlich das Ueberraschende und Neuartige, das die junge Kunst für die damaligen Menschen an sich hatte, in Erwägung zu ziehen ist.

— Dieviel Deutsche gibt es? Nach den Untersu­chungen des Wiener Professor Winkler, der das Staat. Institut für Minderheitsvölker leitet, gibt es gegenwär­tig 945 Millionen Deutsche auf der Erde, von denen 63,2 Millionen innerhalb des deutschen Reickes wohnen. In den euroväischen Ländern gibt es 82 862 000 Deut­sche, etwa 18 Prozent der gesamten europäischen Be­völkerung. Der amerikanische Kontinent wird von etwa 11 Millionen Deutschen bewohnt, davon entfallen 9 Millionen auf die Vereinigten Staaten in Nordamerika (d. h. 8,5 Proz. der weißen Stammesbevölkerung). In Brasilien schätzt man die Zahl der Deutschen auf zirka 600 000, in Kanada auf 200 000, in Argentinien auf 50 000, in Chile auf 30 000. Unter den Ländern, die die meiste deutsche Bevölkerung nach dem deutschen Reich haben, steht Oesterreich mit 5,7 Millionen an der Spitze: 90 Prozent aller Oesterreicher sind Deutsche. In der Tscheche! leben 3,7 Millionen (24,7 Proz. der Ge­samtbevölkerung), in Jugoslawien 500 000, in Rumänien Zirka 700 000. Rußland hat etwa 1.8 Millionen Deutsche. Und zu den Ausländsdeutschen in Nordosten zählen auch die Danziger, Memeler und die Deutschen in Lettland mit 500 000 Seelen. In Schleswig, Tirol, in (Eupen» Malmedy und in Elsaß Lothringen wohnen fast nur Deutsche. 62 Prozent aller Ausländsdeutschen wohnen in Europa.

— Das Atter der Bäume. Es sind nicht allzuviele Pflanzen, die über 100 Jahre alt werden. Da ist zuerst der Weinstock, der ein Alter von 130. Jahren erreichen

soll. Ihm folgt die Ulme mit 355 Jahren, die wilde Rose mit 400 Jahren, der (Efeu mit 440 Jahren und der Doldahom mit 516 Jahren Fichten, Kiefern werden bei ungestörtem Wachstum 300 bis 400 Jahre alt. Bir­ken 570, Pomeranzen 620, der Delbaum und der Wal- nußbaum 800 Jahre. Buchen bringen es auf 900 Jahre. Linden und Platanen auf über 1000, Eichen auf 1500 Jahre. Zedern erreichen ein Alter von 2000, Eiben und Mammutfichten von 3000 Jahren.

— Die Tiere laufen. Tiere mit stark überwiegen­der Kraft und Breite der Hinterpartie, zum Beispiel Hasen, Eichhörnchen, greifen mit den Hinterfüßen bei­derseits außen über die Dorderfüße hinaus. Hoch­beinige Hunde fetzen, um besser ausgreifen zu können, schon im Trab meist einen Hinterfuß neben und einen zwischen die Vorderfüße; im vollen Lauf tun dies fast alle Hunde. Dabei ist die Körperstellung so, daß nicht die Körperachse, sondern die Linie von der Mitte zwischen den Hinterfüßen zum Lotpunkt des Schwerpunktes in der Richtung der Fortbewegung liegt. Denn da bei allen Vierfüßlern die vorfchiebende Kraft der Hinterbeine stärker ist als die der Vorderbeine, so würde dieser Schub eine Drehbewegung bewirken, wenn er nicht in der Richtung auf den Schwerpunkt erfolgte. Beim Edelmarder findet man immer nur zwei Fußabdrücke, so daß es den Eindruck macht, als ob ein zweibeiniges Tier dort gehüpft fei. Das kommt daher, weil dieses Tier mit den Hinterfüßen im­mer genau in die Spuren der Vorderfüße springt. Der listige Fuchs endlich fegt den Boden mit seinem langen Schwanz, der ihm extta zu dem Zweck gewach­sen zu sein scheint, um seine Spurzuverwischen.

— Ursprung der Redensart: „Alter Schwede." Der berühmte Geschichtslehrer Heinrich von Treitschke gab im Jahre 1879, anläßlich einer Vorlesung an der Berli­ner Universität, nachfolgende Erklärung der Redens­art „Alter Schwede", die, soweit die deutsche Zunge klingt, häufig, doch vornehmlich in scherzhaftem Sinne angewendet wird. Das geflügelte Wort stammt aus der Zeit nach der Beendigung des Dreißigjährigen Krie­ges, als der Große Kurfürst, alte, im Dienst bewährte und erfahrene schwedische Soldaten für sein Heer anzu- roerben befahl. Der Kurfürst ließ diese nordländstchen Ärfefter größtenteils als Unteroffiziere einstellen. da fle

sich auf „fürtrefflichen Drill" verstanden. In der Sol­datensprache hießen die schwedischen Korporale kurzweg ,chie alten Schweden". Alsbald wurde diese Bezeich­nung auch im Volksr—.nde gebräuchlich und blieb bis auf den heutigen Tag.

— Affenschulen. In den Urwäldern auf Sumatra besteht eine Einrichtung, die es sonst in der ganzen Welt nicht gibt, nämlich die Affenschule. Die Schüler dieser „Schulen" sind tatsächlich Asien, die von eigenen Leh­rern unterrichtet werden, und zwar hauptsächlich im Pflücken von Kokosnüssen, wobei es die eifrigen Schüler schließlich so weit bringen, daß sie im Laufe einer Stunde 30 bis 40 Rüste pflücken können. Dies bedeutet für den Besitzer des Affen indes ein gutes Geschäft, weil er mit dem Tier durch die Dörfer zieht und überall da, wo ei Kokosnüsse zu ernten gibt, gegen ein kleines Entgelt feinen Assen zur Verfügung stellt. Bis ein Affe so weit geschult ist, kostet es freilich Geduld und Mühe, aber die Arbeit lohnt sich auch, denn die zum Pflücken abgerich- ten Affen sind als „Haustiere" sehr gesucht und werden gut bezahlt. Die Affenichulen beherbergen daher auch oft zehn und mehr Schüler.

Poesie um den Herbst.

Gönne dem Herbst zum Eigentume Den blassen Kranz doch, der ihn schmückt. Ist denn die Aster keine Blume, Weil dich die Rose höher entzückt?

(Seibel)

*

Was mich süßer fast wie du, Lenz, erquickt und tränkt?

Sonnenklare Herbstesruh, welche dein gedenkt.

*

Und sind die Blumen abgeb!ü!-

So brecht der Aepsel goldne : !■;

Hin ist die Zeit der Schwärme: ei. So schätzt nun endlich das Reelle!

(Th. Storm)